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Felix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert d-Moll ... · PDF file2 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Concerto for Violin, Piano and Orchestra in D minor MWV O 4 (1823) Konzert

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Text of Felix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert d-Moll ... · PDF file2 Felix Mendelssohn Bartholdy...

  • Felix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert d-Moll Doppelkonzert d-Moll

    Thomas Albertus Irnberger Edoardo TorbianelliIsrael Chamber Orchestra Roberto Paternostro

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    Felix Mendelssohn Bartholdy (18091847)

    Concerto for Violin, Piano and Orchestra in D minor MWV O 4 (1823)Konzert fr Violine, Klavier und Orchester d-Moll MWV O 4 (1823) 1 (I) Allegro 17:192 (II) Adagio 8:313 (III) Allegro molto 9:19

    Concerto for Violin and Orchestra in D minor MWV O 3 (1822) Konzert fr Violine und Orchester d-Moll MWV O 3 (1822)4 (I) [Allegro] 8:395 (II) Andante 7:566 (III) Allegro 4:02

    7 Variations Concertantes for Violoncello (Violin) and Piano Op. 17 (1829) 8:21 Variations Concertantes fr Violoncello (Violine) und Klavier op. 17 (1829) Thema Variation 1-8 Coda

    8 Song without Words for Violoncello (Violin) and Piano in D major Op. 109 4:06 Lied ohne Worte fr Violoncello (Violine) und Klavier D-Dur op. 109 Arrangement for Violin / Bearbeitung fr Violine: Friedrich Hermann (7,8)

    Thomas Albertus Irnberger violin/Violine Edoardo Torbianelli fortepiano/Hammerflgel

    (Ignaz Bsendorfer 1845) (1-3,7,8) Israel Chamber Orchestra (1-6) Roberto Paternostro conductor/Dirigent (1-6)

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    Das ist eine Familie, wie ich noch keine gekannt habe

    meinte Komponist und Pianist Ignaz Moscheles, der ab dem Jahre 1824 die Geschwister Mendelssohn unterrichtete. Dieser Felix Mendelssohn ist schon ein reifer Knstler und dabei erst fnfzehn Jahre alt!... Seine ltere Schwester Fanny, auch unendlich begabt, spielte Fugen und Passacaillen von Bach auswendig mit bewundernswerther Genauigkeit! Ich glaube, sie ist mit Recht ein guter Musiker zu nennen. Hrte den jungen Felix Mendelssohn, den Enkel des berhmten Philosophen dieses Namens, improvisieren, schreibt der Privatgelehrte und Goethe-Freund Frdric Jacob Soret (17951865) in seinen Erinnerungen ber seine erste Begegnung mit dem Komponisten in Weimar, er ist erst dreizehn Jahre alt und hat schon drei Opern und mehr als fnfzig Fugen geschrieben. Seine Art Partituren zu schreiben ist erstaunlich: er fngt oben an und hrt unten auf, fgt einen Takt an den anderen, schreibt immer drauf los, ohne sich um das Folgende zu sorgen, und bringt so eine Harmonie zuwege; diese Methode erfordert ein Knnen, wie es in dem Grade fr sein Alter ganz ungewhnlich ist. In der kulturgesttigten Atmosphre im Hause Mendelssohn konnte sich Felix frei entfalten. Er und seine Schwester Fanny sammelten erste Konzerter-fahrungen bei den morgendlichen Sonntagsmusiken, die in Berlin im Elternhaus in der Neuen Promenade ab 1821 stattfanden. Diese winterliche Konzertreihe, die im 14-Tage-Zyklus jeweils von 11 bis 14 Uhr stattfand, hatte zuerst privaten, spter halbffentlichen Charakter. Die Mehrzahl der Zuhrer wurde von der

    Mutter, Lea Mendelssohn, eingeladen, es fanden sich aber auch Gste ein, die von der Veranstaltung durch Mundpropaganda erfahren hatten. Programmschwerpunkt waren die Werke der Wiener Klassiker, an deren Kompositionsweise sich Felix Mendelssohn schulen sollte. Hauptziel der Konzerte war es jedoch, dem jungen Knstler ein Podium fr sein Spiel und seine Kompositionen zu bieten. Beweis fr diese These ist das Ausfallen der Sonntagsmusiken im Mrz 1823, als er an einer Handverletzung laborierte. In ihrem Rahmen wurde auch das Doppelkonzert fr Violine und Klavier in

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    d-Moll erstmals aufgefhrt. Das Autograph des Werks trgt das Datum vom 6.Mai 1823. Zwei Auffhrungen sind durch Briefstellen belegt. Im von Lea Mendelssohn-Bartholdy verfassten Brief vom 27.Mai 1823 an Henriette von Pereira-Arnstein heit es ber ein Konzert vom 25.Mai 1823:Felix gab eine neue ouverture und ein Konzert fr piano und Geige, letztes fr seinen Freund Eduard Ritz (sic), den einzigen Schler, welchen Rode hier gebildet, und der seiner Schule Ehre macht. Trotz des schnen Frhlingswetters finden sich noch immer zwischen 60 und 80 Zuhrer ein; man liebt hier le bon vieux temps de la musique. Ein Brief vom 8.Juli 1823 erwhnt eine weitere Auffhrung am 3.Juli des Jahres: Sie [Mde. Cornega] brachte Felixen eine Empfehlung von einer Dame, die er auf seiner Reise mit Zelter kennen gelernt hatte, und grndete darauf ihre Bitte, da er in ihrem 2.Koncerte spielen mchte; er trat auch wirklich darin mit einem fr ihn und seinen Freund [Eduard] Ritz (dem einzigen hiesigen Schler Rodes) geschriebenen Doppelkonzert fr piano und Violin auf, das er eben vollendet hatte. Der Widmungstrger, der Geiger und Tenor-snger Eduard Rietz (18021832), genoss einen ausgezeichneten Ruf. Der Geiger, Dirigent und Mu-sikwissenschaftler Wilhelm Joseph von Wasielewski beschreibt sein Violinspiel als eine Vereinigung von technischer Vollendung mit geistvoller, tiefempfun-dener Darstellung. Wie sehr Mendelssohn mit Rietz verbunden war, zeigt ein Brief vom 30.Jnner 1832, den Rebecka, die jngere Schwester des Komponisten, und Lea Mendelssohn anlsslich des Todes von Rietz an die in Wien lebende Tante bzw. Cousine Henriette

    schreiben: Vor 8 Tagen ist nun auch ein Kindheits- und Jugendfreund meines Felix gestorben, der junge [Eduard] Ritz, ein bedeutender Musiker, dem Felix die ersten musikalischen Begriffe im theoretischen Fache verdankt, und der ihm bei der Ausfhrung seiner hiesigen Leistungen das treuste, verstehendste Organ war. Ritz war 6 Jahre lter, und als Felix noch ein Kind war, sa er ihm auf dem Schoo und lie sich ber Stimmfhrung, Orchestereinrichtung u.s.w. belehren. Sie waren als Freunde und als Knstler so miteinander verwebt und eingelebt, Felix hatte ihn sich immer so bei jeder Komposition als Ausbenden oder Anfhrer des Orchesters gedacht, das ich gar nicht wei, wie er den harten Schlag tragen wird. Ritz war einer der ganz wenigen, hier der einzige und sehr wrdige Schler Rodes, dessen edlen grandiosen Ausdruck und breiten gewaltigen Strich er sich ganz zu eigen gemacht und daher auch ein auerordentlicher Orchester Anfhrer war. Wir haben in Berlin jetzt keinen, der sich von dem Totalen eines Kunstwerks so zu durchdringen wsste, und der berhaupt Gut und Blut daran setzte, es tchtig darzustellen.

    Das Doppelkonzert

    Im Doppelkonzert fr Violine und Klavier sind Einflsse verschiedener Komponisten sprbar, einerseits von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Nepomuk Hummel, bei welchem die Geschwister Mendelssohn 1821 Unterricht hatten, und andererseits was die Behandlung des instrumentalen Rezitativs betrifft auch von Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber und Louis Spohr, und hier spe-

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    ziell die Sturmsonate op.31/2 von Beethoven, Webers Klarinettenkonzert op.74 in Es-Dur, von dem Mendelssohn Kenntnis durch den berhmten Klarinettisten und Widmungstrger Heinrich Joseph Baermann erlangt haben drfte, und schlielich vor allem das 8.Violinkonzert von Louis Spohr in a-Moll op.47 mit dem Untertitel In modo di scena cantante, ein Werk, das Spohr demnach als seine Gesangsszene bezeichnete. Im November 1819 wurde es durch den Komponisten selbst an zwei Abenden in Berlin gespielt, wobei nicht nur sein Violinkonzert, sondern auch sein Knnen als Virtuose groen Anklang fanden. Mit ziemlicher Sicherheit kann man annehmen, dass das Violinkonzert im Hause Mendelssohn bekanntgemacht und gespielt wurde, einerseits von Eduard Rietz, andererseits von dem polnischen Geiger Karol Lipiski, der kurz vor Entstehung des Doppelkonzerts mehrmals Gast bei der Familie Mendelssohn gewesen war und hufig Spohrs Werke in Konzerten auffhrte. Aber auch Spohr selbst knnte beim Zusammentreffen mit der Familie Mendelssohn Felix, der auch Geige spielte, zu Beginn von dessen Schweizreise auf sein Werk aufmerksam gemacht haben, siehe dazu den Brief von Felix Mendelssohn-Bartholdy an Carl Friedrich Zelter vom 19.Juli 1822 auch in Cassel war ich, und habe Spohr gesehn, und gehrt [] bzw. er [Spohr] nahm mich freundlich auf, und den Abend war Quartett bei ihm, er spielte zwei seiner Quartetten, und ich spielte das meinige. Er war so gut mir zu begleiten[] Auffllig im Doppelkonzert ist zunchst der energische Unisonogedanke, der sich durch die Solistenpassagen zieht, vielleicht den seelischen Gleichklang zwischen den beiden Musikern sym-

    bolisierend Mendelssohn am Klavier und Rietz auf der Geige, weiters die Anlage des Werks als Gesangszene. Auf eine opernhafte Introduktion setzt die Sngerin (Violine) koloraturartig ein, wobei die Violinstimme vokale Ornamente und idiomatische Figurationen verbindet. Auf rhythmisch strenge Teile folgen freiere rezitativische, deklamatorisch wirkende Einschbe. Der in a-Moll beginnende Mittelteil des A-Dur-Adagios, das in dreiteiliger Strophenform angelegt ist, unterstreicht die feierliche Grundstimmung dieses zweiten Satzes, an den ein fulminantes, sprhendes finales Rondo anschliet, das den Einfluss der kontrapunktischen Studien des jungen Genius zeigt.

    Das d-Moll-Violinkonzert

    Auch das im Jahr zuvor komponierte Violinkonzert in d-Moll ist Eduard Rietz gewidmet. Vermutlich schrieb es Mendelssohn anlsslich des 20.Geburtstags des Geigers, da aufgrund der Quellenlage der Zeitraum der Entstehung des Werks ab Mitte Oktober 1822 angenommen werden kann. Geburtstagskompo-sitionen von Felix und Fanny Mendelssohn hatten schon seit dem gemeinsam verfassten Lied zum Geburtstag meines guten Vaters eine langjhrige Tradition. Am 24.Mai 1853 schenkte Felix Men-delssohns Witwe Ccile die Partitur der Erstfassung des Violinkonzerts dem Geiger F