Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 44/2012

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Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 44/2012

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  • tretern der Pfarrei-Initiative mit den Bisch-fen stattfinden. Das sei erfreulich, sagen die Initianten. Irritierend sei hingegen, dass die Bischfe den von der Pfarrei-Initiative postu-lierten Weg als nicht verantwortungsvoll bezeichneten. Mancherorts sei dieser Weg schon seit ber zwanzig Jahren gngige Pra-xis, hlt die Sprechergruppe in ihrer Mittei-lung fest. In den Gesprchen untereinander und mit den Bischfen wolle man deshalb weniger ber den Text der Initiative als ber die pastorale Realitt und die damit verbun-denen Freuden und ngste reden.

    In vielen katholischen Pfarreien entspricht der Alltag nicht mehr den offiziellen Vorga-ben der Kirche. Die Unterzeichner der Pfar-rei-Initiative Schweiz, Seelsorgerinnen und

    Seelsorger, wollen ffentlich machen, was fr sie selbstverstndlich ist, aber zum Unge-horsam fhrt. So knnen in ihren Pfarreien alle Getauften an der Eucharistie teilnehmen, auch solche anderer Konfessionen, wird wie-derverheirateten Geschiedenen die Kommu-nion ausgeteilt und knnen theologisch ge-bildete Laien predigen.

    Die Unterzeichner berufen sich auf das Zweite Vatikanische Konzil (19621965). Die-ses habe davon gesprochen, dass Freude und Hoffnungen, Sorgen und Angst der Men-schen von heute auch Freude und Hoffnun-gen, Sorgen und Angst der Jnger Christi seien. kipa/Regula Vogt-Kohler

    www.pfarrei-initiative.ch

    KIRCHEheuteAufruf zu Ehrlichkeit und WahrhaftigkeitDie am 10. September lancierte Pfarrei-Initiative Schweiz stsst auf grosse Resonanz

    Gegen 400 Mnner und Frauen haben die Pfarrei-Initiative Schweiz bereits unter-schrieben. Das unerwartet grosse Echo zei-ge, unter welcher Spannung die katholi-sche Kirche derzeit stehe, hlt die Kern-gruppe in einer Medienmitteilung fest.

    Deutlich aussprechen, was heute bewhrte Praxis ist, damit erkannt werden kann, wo Ausnahmen und Ungehorsam zur Regel ge-worden sind, das wollen die Seelsorgenden, welche die Pfarrei-Initiative Schweiz unter-zeichnet haben. Die Initianten wehren sich in einer Medienmitteilung dagegen, dass die Pfarrei-Initiative als Aufruf zum Ungehor-sam verstanden wird. Wer die Initiative so interpretiere, der habe die Initianten miss-verstanden. Die Initiative wolle nmlich ein Aufruf zu Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sein. Es werde jedoch offensichtlich, dass wir als Kirche auch einen Dialog zum Gehorsam gegenber dem Gewissen ntig haben.

    Bischfe wollen klrendes GesprchEine etwas andere Sicht haben die Bischfe. Nach der Lancierung der Pfarrei-Initiative hat das Bistum Chur seine Seelsorgenden be-sorgt an die Bande der Einheit der katholi-schen Kirche erinnert. In einer Erklrung vom 20. September haben die Bischfe von St. Gallen (Markus Bchel), Chur (Vitus Hu-onder) und Basel (Felix Gmr) die Pfarrei-Initiative zur Kenntnis genommen. Dabei usserten sie ihr Erstaunen darber, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger nicht das Ge-sprch gesucht htten, sondern mit einem Text direkt an die ffentlichkeit gelangt sei-en; bei dieser Gelegenheit luden sie die Initi-anten zu einem klrenden Gesprch ein. Im Laufe des November soll ein Treffen von Ver-

    KN

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    ild

    Fr die Unterzeichnenden der Pfarrei-Initiative ist es selbstverstndlich, alle Getauften zur Kommunion zuzulassen.

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 27. oktober bis 2. november 2012

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    44/2012

    www.pfarrblatt-region-olten.ch

    Pracht und macht 2Was ist seelsorge? 2impuls von abt Peter von sury: tdliche heuchelei 3erinnerung an die toten: allerseelen 4

    aus den Pfarreien 518nur die liebe berwindet die mdigkeit 19kurse/begegnungen/ fernseh- und Radioprogramm 20

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    Pracht und Macht

    Galla Placidia war die Enkelin, Tochter, Schwes-ter, Ehefrau und Mutter von Herrschern des

    Rmischen Reichs, und wir verdanken ihr mit dem ihr zuge-ordneten Mausoleum in Ravenna eines der prachtvollsten Zeug-nisse aus dem frhen Christentum. Wer den usserlich un-scheinbaren Back-steinbau betritt, be-

    gibt sich beim Anblick der ausgezeichnet erhal-tenen Mosaike im Innern auf eine Zeitreise zu-rck ins frhe fnfte Jahrhundert.

    Galla Placidia lebte in einer Zeit des politi-schen und religisen Umbruchs, ein Jahrhun-dert vor dem Zusammenbruch des westlichen Teils des Imperium Romanum. Ihr Vater Theo-dosius I., der letzte Alleinherrscher des Rmi-schen Reichs, hatte wie Konstantin der Grosse im Christentum einen integrierenden Faktor im Kampf um Einheit und Stabilitt des Imperi-ums erkannt. Konstantin hatte 313 das Chris-tentum den anderen Religionen gleichgestellt und 325 das erste kumenische Konzil einberu-fen, das den Arianismus zur Ketzerei erklrte. Theodosius hatte 381 das katholisch-orthodoxe Christentum zur Staatsreligion gemacht.

    Die um 390 geborene Kaisertochter galt als fromm, sie war aber auch machtbewusst und kmpfte fr ihre eigenen Interessen. Sie fiel in die Hnde der Westgoten, als diese unter Ala-richs Fhrung 410 Rom plnderten, und ehe-lichte Alarichs Schwager und Nachfolger. Als Witwe kam sie an den kaiserlichen Hof ihres Bruders zurck und heiratete auf dessen Ge-heiss den neuen starken Mann, General Flavius Constantius. Ihr Widerwille gegen die Ehe-schliessung hielt sie nicht davon ab, ihren Bru-der dazu zu berreden, dem Gatten den Kaiser-titel zu verleihen. Dafr hatte sie mit dem Sohn aus der ihr aufgezwungenen Verbindung, dem spteren Valentinian III., fr den sie dann als Regentin ttig war, einen handfesten Grund.

    War ihre Frmmigkeit, die sie durch die Stif-tung mehrerer Kirchen zum Ausdruck brachte, auch oder sogar vor allem ein Mittel, Macht auszuben? Benutzte sie die Religion dazu, sich prachtvoll in Szene zu setzen? Nicht nur das Beispiel von Galla Placidia, die auch in der Kir-chenpolitik mitgemischt hat, zeigt, wie schwie-rig es ist, Politik und Religion auseinanderzu-halten damals wie heute. Christus wre ver-mutlich entsetzt ber die Benefizveranstaltung der katholischen Erzdizese in New York mit beiden Prsidentschaftskandidaten, die, beide mit einem katholischen Vizeprsidenten, um die Stimmen der Katholiken in den USA buhlen.

    Regula Vogt-Kohler, Redaktorin

    W e lt

    Hochrangiger Vatikansbesuch in SyrienEine Vatikandelegation, bestehend aus drei Kardinlen und zwei Bischfen sowie dem vatikanischen Aussenminister, soll im Auf-trag des Papstes nach Syrien reisen. Die Kir-chenvertreter aus dem Nahostland zeigten sich darber sehr erfreut. Es werde eine echte Friedensmission erwartet, welche alle Kon-fliktparteien zur Vershnung aufrufe, beton-te der armenisch-katholische Bischof Boutros Marayati. Die Kirchenvertreter sollten der Be-vlkerung die Solidaritt der katholischen Kirche bekunden, hiess es bei der Ankndi-gung.

    Attentate auf ChristenviertelEine Autobombe im Christenviertel von Bei-rut, der libanesischen Hauptstadt, hat drei Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefor-dert. Papst Benedikt XVI., der erst vor einem Monat den Libanon besucht hatte, verurteilte den Anschlag scharf. Der maronitische Erzbi-schof von Beirut, Paul Youssef Matar, erklrte in einer Reaktion auf den Anschlag, dass man sich bemhe, dass der Libanon nicht in die syrischen Geschehen mit einbezogen werde. Auch im Christenviertel im Damaskus wur-den bei der Explosion eines Sprengsatzes 13 Menschen gettet.

    Vat i k a n

    Gmr fordert Strkung von LaienDer Basler Bischof Felix Gmr setzte sich in seiner Rede an der Bischofssynode vor allem fr eine Strkung der Laien ein. Fhigkeiten, Erfahrungen und Vorschlge von Laien mss-ten ernst genommen werden, nur so knne die Kirche glaubwrdiger erscheinen. Alle Anstrengungen um eine Neuevangelisierung blieben vergeblich, wenn die Kirche nicht glaubwrdig sei, sagte Gmr. Sie wird nicht gehrt, nicht ernst genommen, nicht akzep-tiert werden. Seit dem 7. Oktober bert man im Vatikan whrend der Vollversammlung der Bischofssynode ber das Thema Die neue Evangelisierung fr die Weitergabe des christlichen Glaubens.

    Glaubenszeugen heiliggesprochenPapst Benedikt XVI. sprach sieben Glaubens-zeugen heilig. Neben der Mystikerin Anna Schffer hob der Papst die Franziskanerin Marianne Cope, den franzsischen Jesuiten Jakob Berthieu, den Katecheten Pedro Ca-lungsod, den italienischen Priester Giovanni Battista Piamarta, die spanische Ordensfrau Maria del Monte Carmelo sowie die kanadi-sche Indianerin Kateri Tekakwitha in den Stand der Heiligen. Kateri Tekakwitha ist die erste nordamerikanische Indianerin, die hei-liggesprochen wurde. So unterschiedlich die vorbildlichen Glaubenszeugen in Herkunft

    und sozialer Schicht auch seien, alle vereine die kulturbergreifende Kraft ihres Glaubens, betonte Benedikt XVI.

    s c h W e i Z

    Umstrittener Umzug von Justitia et PaxDer Theologe und Ethiker Alberto Bondolfi usserte sich kritisch zum Umzug von Justi-tia et Pax von Bern nach Freiburg. In Bern finde man jene eidgenssischen Beamten, die mit den sozialethisch brisanten Themen kon-frontiert seien und mit denen die Vertreter von Justita et Pax in stndigem Kontakt ge-wesen seien und bleiben sollten, unterstrich Bondolfi. Auch seien die Bundesparlamenta-rier in Bern, und wenn Justitia et Pax nicht vor Ort wirken knne, werde die Kommission nicht mehr unmittelbar wahrgenommen. Bondolfi war whrend 12 Jahren Mitglied von Justitia et Pax.

    Heiliger Gallus wird gefeiert1200 Bischfe, bte und Glubige feierten in der St. Galler Kathedrale das Jubilumsjahr 1400 Jahre Gallus. Die Festrede hielt Bischof Noel Treanor aus Irland. Er sprach von Gallus als Mensch, der das Leben in der Fremde un-ter unbekannten Menschen mit einer frem-den Kultur eingegangen war, um den Mit-menschen von Christus zu erzhlen und des-sen Lehre zu verknden. Sein Zeugnis fr Christus hat die Menschen inspiriert und spi-rituell verwandelt, sagte der irische Bischof. Anschliessend berreichte Noel Treanor dem Bischof von St. Gallen, Markus Bchel, einen Brief aus der Pfarrei Bango