Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 35/2012

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Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 35/2012

Text of Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 35/2012

  • KIRCHEheuteHat Gott eigentlich Humor? Lachte Jesus oder Mohammed?Auf der Suche nach einem lachenden Gott in den verschiedenen Religionen

    Lacht Gott? Hat Jesus je gelacht? Von Mo-hammed zumindest wird berliefert, dass er herzhaft gelacht hat. Die Offene Kirche Elisabethen ersetzte whrend zweier Wo-chen den Stundenschlag durch lachen. Im Rahmen dieser Aktion berichtete Harald-Alexander Korp von seiner Suche nach Hu-mor in verschiedenen Religionen.

    Im Rahmen des Projekts Lachen erlaubt versuchte der Religionswissenschaftler und Lachyogatrainer Harald-Alexander Korp in der Basler Elisabethenkirche eine Antwort auf die Frage: Lacht Gott? Nach Antworten suchte er im Christentum, im Islam und im Buddhismus. Viel gelacht wird bei den Chris-ten seit jeher in der Fasnachtszeit. Doch mit Fasnacht oder Karneval wurde das Lachen eingegrenzt. Wenn schon Lachen, dann we-nigstens kontrolliert, so die Devise der dama-ligen Kirche. Die Fasnacht sei dann von den Protestanten abgeschafft worden. Aber wie stehe es mit dem Lachen ausserhalb der Fas-nachtszeit? Gibt es gar so etwas wie ein hei-liges Lachen oder viel grundstzlicher ge-fragt: Passen Lachen und Religion berhaupt zusammen?

    Fr viele muslimische Theologen sei es ein Problem, dass Mohammed gelacht haben knnte, wie es in einer wichtigen muslimi-schen Schrift neben dem Koran berliefert ist. Die Hadithe erzhlt, dass Mohammed ein-mal so gelacht hat, dass seine Weisheitszhne sichtbar wurden. Er ist der einzige Religions-stifter, von dem ein solches Verhalten ber-liefert wird. Als letzte Religion beleuchtete Korp den Buddhismus. Seid ihr ber Dinge erfreut, so genge euch ein blosses Lcheln. Diesen Satz soll Buddha gesagt haben.

    Humor sei fr den Menschen von lebens-wichtiger Bedeutung, meinte Korp. Es gebe verschiedene Entwicklungsstufen des Hu-mors. Erst einmal msse man berhaupt la-chen knnen. Die hchste Form des Humors aber habe man dann erreicht, wenn man ge-meinsam mit anderen ber sich selbst lachen knne. Doch warum ist, obwohl Lachen so wichtig ist, in der Tora und im Neuen Testa-ment nichts von einem lachenden Gott ber-liefert?

    Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Klerus im Mittelalter frchtete, mit dem Lachen die Furcht vor Gott zu vertreiben. Al-lerdings entstand auch im Mittelalter die Tra-dition des Osterlachens. Der Priester erzhlte in der Osterpredigt eine lustige Geschichte,

    die der Osterfreude Ausdruck geben sollte. Korp verwies auf eine Episode an Ostern 1518, bei der ein Priester wie ein Schwein grun-zend durch eine Basler Kirche gerast sei und sich die Gemeinde vor Lachen fast gekugelt habe.

    Einige interessante Entdeckungen zum Thema Lacht Gott? berge die jdisch-christ-liche berlieferung dann doch. Korp verwies darauf, dass Isaak, Abrahams Sohn, bersetzt Gott lacht heisst. Und Jesus Christus wurde auch immer wieder als heiliger Narr darge-stellt. Ganz am Schluss seines Vortrags verriet Korp dann, dass es in der Bibel doch eine Stel-le gibt, die von einem lachenden Gott weiss. Im Psalm 2 heisst es: Doch er, der im Himmel thront, lacht Ursina Schmidt

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    Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York, lacht bei einem Interview am 25. Februar 2012 in der Sankt-Patricks-Kathedrale in New York.

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 25. bis 31. august 2012

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    35/2012

    www.pfarrblatt-region-olten.ch

    lachen 2Was bedeutet isaak? 2impuls von helen schngel: Propheten gegen immobilienkrise 3netzwerk selbsthilfe 4

    aus den Pfarreien 518schrittweise: kinder aus sozial benachteiligten familien frdern 19kurse/begegnungen/fernseh- und Radioprogramm 20

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    Lachen

    Lachen ist gesund, sagt man. Allerdings nicht immer fr alle. Wenn der Mchtige ber den

    Schwachen lacht, ist es zynisch. Wer von Kameraden ausgelacht wird, empfindet Scham. Ein Diktator frchtet kaum etwas mehr, als dass sein Volk ber ihn lacht. Und wer kennt sie nicht, die Schadenfreude, angeblich die

    schnste aller Freuden. Auch wenn sie uns laut lachen lsst, bleibt wenigstens einer brig, dem gar nicht ums Lachen ist. Und wenn wir den Schaden genauer besehen, bleibt sogar uns manchmal das Lachen im Halse stecken.

    Wer lacht, frchtet sich nicht. Und wer sich nicht frchtet, ist frei. Um das Gefhl der Befreiung ging es beim alten Brauch des Osterlachens, das hervorgerufen durch einen vielleicht trichten Witz dem Tod galt, dessen Macht mit der Auferstehung Jesu gebrochen wurde. Daneben konnte das Lachen frher allerdings schnell als mangelnde Gottesfurcht gelten. Denn wer etwa die von Gottes Gnaden herrschende Obrigkeit verspottete, spottete der gttlichen Ordnung.

    Wer zuletzt lacht, lacht am besten, heisst es. Lachen ist so gesehen der Endpunkt eines Wettstreits, bei dem am Schluss eine Seite siegt. Lachen muss aber keinen Verlierer produzieren. Wir wissen doch aus eigener Erfahrung, dass das schnste Lachen das gemeinsame ist, das allerschnste vielleicht sogar das gemeinsame Lachen ber uns selber. Etwa an einem Kindergeburtstag, bei dem sich der Gartenschlauch fast zufllig auf den Vater oder die Grossmutter richtet und diese selber herzhaft darber lachen knnen, bevor sie sich etwas Trockenes anziehen.

    ber andere lachen schafft Distanz, gemeinsames Lachen Nhe. Fr die Zusammenarbeit in einem Team sind gute Absprachen zwar ntig. Es reicht aber nicht, wenn Rdchen ineinandergreifen. Damit es in einer Gruppe luft wie geschmiert kann, neben dem ntigen gegenseitigen Respekt, ein Ausflug oder ein Betriebsfest heitere Stimmung schaffen, die im Alltag weiterwirkt. An dieser Heiterkeit scheint es manchmal auch in der Kirche zu mangeln. Dabei mssen wir uns heute ja nicht mehr fragen, ob Gott lacht, sondern ob wir gemeinsam lachen knnen. Alois Schuler, Chefredaktor

    W e lt

    Polnisch-russische Vershnung Polens katholische Kirche und Russlands or-thodoxe Kirche rufen in einer Erklrung zur Vershnung beider Lnder auf. In Warschau unterschrieben der Vorsitzende der polni-schen Bischofskonferenz, Jozef Michalik, und der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. die Gemeinsame Botschaft an die Vlker Russlands und Polens. Darin heisst es: Wir rufen unsere Glubigen auf, um die Verge-bung des Leids, der Ungerechtigkeiten und alles Bsen zu bitten, das einander zugefgt wurde.

    Islam als AbgrenzungsmerkmalLaut einer Umfrage des Meinungsforschungs-instituts Info gewinnen traditionelle und re-ligise Werte fr junge Deutsche mit trki-schem Migrationshintergrund an Bedeutung. Anders als ihre Grosseltern und Eltern, die sich ber die trkische Kultur definierten, seien die Trken der dritten Generation auf der Suche nach Identitt, sagte ein Info-Ver-treter bei der Vorstellung der Studie. Dabei wrden sie sich zunehmend am Islam orien-tieren. Die Auslnderbeauftragte des Berliner Senats, Barbara John, sieht junge Trken nicht auf dem Weg der Radikalisierung. De-ren Hinwendung zum Islam sei vielmehr ein Weg zu einer eigenen Identitt. Der Islam sei ein Abgrenzungsmerkmal.

    Vat i k a n

    Kammerdiener kommt vor GerichtDer frhere Kammerdiener von Papst Bene-dikt XVI. muss sich wegen schweren Dieb-stahls vor Gericht verantworten. Paolo Gab-riele wird die Weitergabe vertraulicher Doku-mente vorgeworfen. Gemeinsam mit Gabriele soll der Vatikan-Mitarbeiter Claudio Sciarpel-letti wegen Verletzung des Dienstgeheimnis-ses belangt werden. Gabriele war im Mai ver-haftet worden, nachdem die vatikanische Gendarmerie in seiner Wohnung vertrauli-che Dokumente sichergestellt hatte. Es habe sich um Papiere gehandelt, die im Buch Sua Santit des italienischen Journalisten Gian-luigi Nuzzi verffentlicht worden waren, teilt der Vatikan mit.

    Konzil nicht einseitig verstehenKurienkardinal Kurt Koch bedauert ein ein-seitiges Verstndnis des Zweiten Vatikani-schen Konzils. Das Kapitel ber die Berufung der Christen zur Heiligkeit sei in hiesigen Breiten nicht besonders rezipiert worden, sagte der vatikanische kumene-Verantwort-liche beim 43. Priestertreffen der katholischen Gemeinschaft Opus Dei. Das Konzil habe in Erinnerung gerufen, dass der Christ aufgrund seiner Taufe zur Heiligkeit berufen sei. Aus der Taufe msse eine Neuorientierung des

    ganzen Lebens in solidarischer Gemeinschaft mit Jesus und der Kirche folgen.

    s c h W e i Z

    Solidarittsbeitrag statt Steuern?Das Bistum Chur sieht im Urteil des Bundes-gerichts zum partiellen Kirchenaustritt sein eigenes Modell besttigt. In einer Mitteilung zum Urteil ruft das Bistum Chur in Erinne-rung, dass dieses Modell die Freiheit der Glubigen respektiere und die Mglichkeit biete, statt Kirchensteuern freie Beitrge an eine Solidarittsstiftung des Bistums zu be-zahlen. Daniel Kosch, Generalsekretr der Rmisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz bezeichnete es als eigenartig, dass sich ausgerechnet Chur auf das Bundesge-richt absttze, um die letztlich innerkirchlich zu klrende Frage zu beantworten, wie sich die beiden Kirchen-Zugehrigkeiten zuein-ander verhielten.

    Religion als ffentliches ThemaIn einem Interview mit dem jdischen Wo-chenmagazin Tachles zeigte sich Kardinal Kurt Koch, der Prsident des ppstlichen Ein-heitsrates, beunruhigt ber das Klner Urteil, das die rituelle Beschneidung von Knaben als strafbare Krperverletzung einstuft. In der europischen Gesellschaft werde Religion zu-nehmend in die Privatsphre abgedrngt, hielt Koch fest. Doch zu Religion gehre die ffentlichkeit. Erst dann, wenn auch die f-fentliche usserung von Religion anerkannt wird, also nicht nur die individuelle, sondern auch die korporative Religionsfreiheit, kann man von einer Respektierung der Religions-freiheit reden.

    e d i t o R i a l i n k R Z e

    W a s b e d e u t e t

    Isaak?Gott selber, so berliefert die Bibel in Genesis 18, war bei Abraham zu G