Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 8/9-2013

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Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 8/9-2013

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  • KIRCHEheute

    Es reicht nicht, das Land neu zu verteilen. Die neuen Besitzer mssen auch wieder lernen, wie man das Land bewirtschaftet.

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    Recht, ausschliesslich fr seinen eigenen Gebrauch zu behalten, was er nicht bentige, wenn anderen das Lebensnotwendige fehle. Die Konsequenz daraus kann Enteignung sein, ohne Kompensation. So sah es Ambrosius von Mailand: Nicht von deinem Eigentum lsst du dem Armen etwas zukommen, sondern du gibst ihm zurck, was ihm gehrt. Die Erde gehrt allen und nicht nur den Reichen.

    Eine Agrarreform gemss kirchlicher Soziallehre msse mehr beinhalten als nur die einfache Neuordnung des Landbesitzes, heisst es im Grundlagentext zur kumenischen Kampagne 2013, welche den Landraub, das sogenannte Land Grabbing, thematisiert. Konkret untersttzt Fastenopfer zahlreiche

    Organisationen, die Bauernfamilien helfen, Besitzurkunden fr ihre Felder zu erlangen. Danach kann ihnen das Land, das sie traditionell bebauen oder bewohnen, nicht mehr einfach weggenommen werden. Weiter frdert Fastenopfer den kologischen Landbau und die Zchtung von besserem Saatgut, damit die Familien langfristig ihre Produktion erhhen und den Hunger aus eigener Kraft berwinden knnen. Auf politischer Ebene setzen sich Fastenopfer und Brot fr alle fr einen Stopp von Land Grabbing ein: Es braucht neue Regelungen fr Investitionen im Agrarbereich, damit die Rechte der lokalen Bevlkerung geschtzt sind.

    Regula Vogt-Kohler/Quelle: Fastenopfer > Seite 19

    Die Erde gehrt allen und nicht nur den ReichenGegen Land Grabbing: Ohne Land kein Brot ist das Thema der kumenischen Kampagne 2013

    Frher beanspruchten europische Kolo-nialherren Land im Sden. Heute kaufen und pachten Staaten, Unternehmen und Investoren in Afrika und Sdamerika riesi-ge Landflchen auf Kosten von Bauernfa-milien ohne Besitzurkunden. Die Hilfswer-ke setzen sich fr einen Schutz der Rechte der lokalen Bevlkerung ein.

    Land gehrt Gott und ist allen Geschpfen Gottes anvertraut, begrnden Mike Deeb und Philani Mkhize von Justitia et Pax Sdafrika das Engagement der Kirchen fr die Landlosen. Fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist die Landfrage in Sdafrika noch immer ein heikles Thema. Die Hoffnungen auf eine faire Rckgabe und Neuverteilung von Land haben sich nur teilweise erfllt. Zugleich berlsst jedoch die Regierung auswrtigen Firmen Land.

    Bei ihrer Vision einer gerechten Landreform orientiert sich Justitia et Pax Sdafrika an der Bibel und der kirchlichen Tradition. Das Alte Testament betont, dass die Erde Gott gehrt und er sie dem Volk Israel als Erbe anvertraut hat. So heisst es im Buch Leviticus (25,23): Das Land darf nicht endgltig verkauft werden; denn das Land gehrt mir und ihr seid nur Fremde und Halbbrger bei mir. Und der Kirchenvater Johannes Chrysostomas (347407) hielt fest: Land ist nicht von Landbesitzern erschaffen worden. Ursprung der grossen Lndereien msse Ungerechtigkeit gewesen sein, da Gott nicht den einen Menschen reich und den anderen arm geschaffen habe. Er bergab die Erde allen Menschen in gleicher Weise, und zwar umsonst.

    Die Kirchenvter knpften das Recht auf Land an dessen Nutzung. Niemand habe das

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 16. februar bis 1. mrz 2013

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    8/9 2013

    www.pfarrblatt-region-olten.ch

    kairos 2Was bedeutet Jo? 2impuls von kerstin Rdiger: genug gestritten 3fnfliber-suppe 4

    aus den Pfarreien 518landraub steht im Zentrum der kumenischen kampagne 19kurse/begegnungen/ fernseh- und Radioprogramm 20

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    Kairos

    Benedikt XVI. hat sich entschieden, angesichts schwindender Krfte Ende Februar das Amt des Bischofs von Rom niederzulegen. Dafr ge-

    bhrt ihm Respekt. Sein Vorgnger blieb trotz Krankheit im Amt, auch bei ihm war es eine ausdrck-liche Entscheidung. Es geht letztlich den Ppsten wie allen Menschen. Immer wieder stehen wir an einer Weggabelung. Und zgernd stehen

    zu bleiben wre schlimmer als vielleicht den falschen Weg zu whlen. Hut ab vor dem, der einen Weg geht, den Jahrhunderte keiner mehr gegangen ist.

    Die Entscheidung des Papstes knnte andere in der Welt ermutigen, zur rechten Zeit auf Amt und Wrden zu verzichten, Macht abzugeben, bevor sie weggenommen wird. In der Politik, in Vereinen, aber auch in der Kirche haben viele Mhe mit der Vorstellung, entbehrlich zu sein. Zeigte uns Johannes Paul II., dass Sterben zum Leben gehrt, knnen wir bei Benedikt XVI. se-hen, dass es kein Amt gibt, auf das man nicht freiwillig verzichten kann. ber sein Pontifikat wird in den nchsten Wochen noch viel geredet werden, die Art des Abschlusses aber wird un-vergessen bleiben.

    Josef Ratzinger wird als emeritierter Papst wohl keine Bcher mehr verffentlichen kn-nen. Das drfte fr ihn, den frheren Theolo-gieprofessor, der diese Leidenschaft selbst als Papst weiter pflegte, ein schwerer Verzicht sein. Wenn er, der Zeit seines Lebens in der ffent-lichkeit wirkte, sich in ein Kloster zurckzieht, dann tut er das, um uns die Verwirrung zu er-sparen, die usserungen eines Papstes im Ru-hestand mit sich bringen wrden.

    Wie jeder Mensch muss auch jeder Papst immer wieder den richtigen Moment fr eine Entscheidung erkennen. Die Theologie nennt ihn Kairos. Bei Johannes XXIII. glauben wir ei-nen solchen Moment in der Ankndigung des Konzils zu erkennen. Bei Paul VI. liegt er viel-leicht in der Entscheidung, Reisen zu unterneh-men. Bei Johannes Paul II. knnten wir einen Kairos in der Audienz fr Michail Gorbatschow am 1. Dezember 1989 sehen. Bei keinem dieser Ppste war der eine Moment das ganze Wirken. Doch in jedem dieser Flle war, wie jetzt bei Be-nedikt XVI., viel Mut im Spiel. Denn weder der Inhalt der Entscheidung noch der richtige Zeit-punkt sind leicht zu finden. Nur wache Men-schen erkennen den Kairos.

    Alois Schuler, Chefredaktor

    W e lt

    Historischer SyrienbesuchAls erster Maronitenpatriarch seit der Unabhngigkeit des Libanon 1943 hat Kardinal Bchara Boutros Ra am Wochenende Syrien besucht. Er nahm an der Amteinfhrung des griechischorthodoxen Patriarchen Johannes X. (Yazigi) teil. Anlsslich seines Besuches sprach er sich fr Frieden, Ruhe, die Rckkehr der Flchtlinge und das Finden von friedlichen und diplomatischen Lsungen aus. Der libanesische Oppositionspolitiker Butros Harb kritisierte die Reise des Oberhaupts der mit Rom unierten Ostkirche. Dessen Besuch werde vom syrischen Regime instrumentalisiert.

    1000 Kindersoldaten in MaliIslamistische Gruppen haben in Mali nach Einschtzung von Caritas International rund 1000 Jungen und Mdchen als Kindersoldaten missbraucht. Der Einsatz von Kindersoldaten gehre in vielen Kriegen zum grausamen Alltag, erklrte Oliver Mller, der Leiter der katholischen Hilfsorganisation. Die Vereinten Nationen gingen von weltweit 250 000 Kindern und Jugendlichen aus, die derzeit zum Kampf gezwungen wrden. Nach eigenen Angaben hat Caritas International in der Demokratischen Republik Kongo vier Zentren aufgebaut, in denen ehemalige Kindersoldaten Schutz finden sowie medizinisch und psychologisch betreut werden.

    Vat i k a n

    Papst wrdigt Elysee-VertragPapst Benedikt XVI. hat anlsslich des 50 JahrJubilums des ElyseeVertrags davor gewarnt, die Zukunft Europas durch kurzsichtige Eigeninteressen zu untergraben und das gemeinsam Erreichte zu verspielen. Der Kontinent msse auch in Zukunft auf dem natrlichen Sittengesetz, auf christlichen Werten und den Menschenrechten aufbauen. Er betonte dies in seinem Grusswort zu einem Symposion, das die Botschaften Deutschlands und Frankreichs beim Heiligen Stuhl in Rom veranstalteten. Der Papst wrdigte den ElyseeVertrag als eine wichtige Etappe auf dem gemeinsamen Weg der Vershnung und der Vlkerverstndigung zwischen Deutschen und Franzosen.

    Papst tritt zurckPapst Benedikt XVI. will am 28. Februar von seinem Amt zurcktreten. Das kndigte er am 11. Februar vor Kardinlen in Rom an. Wie er in einer Erklrung verlauten liess, sei er zur Gewissheit gelangt, dass seine Krfte infolge des vorgerckten Alters nicht mehr geeignet seien, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuben. Sowohl die Kraft des Krpers als auch die Kraft des Geistes seien dazu

    notwendig. Und diese htten in den vergangenen Monaten stark abgenommen. Der Papst dankt seinen Mitbrdern fr alle Liebe und Arbeit, mit der sie ihm bei der Ausbung seines Amtes geholfen haben.

    s c h W e i Z

    Ingenbohler Schlussbericht kritisiertGegen den Schlussbericht einer Expertenkommission zu Misshandlungen von Kindern in Heimen der Ingenbohler Schwestern erhebt die Zeitschrift Beobachter schwere Vorwrfe. Der Bericht weise grosse Lcken auf und beschnige die Vergangenheit. Die Kommission rume den Ordensfrauen viel Verstndnis ein. Gleichzeitig zweifle das Gremium mehrfach Schilderungen von Opfern an und stufe sie mitunter als unglaubhaft ein, hlt die Zeitschrift fest. Kommissionsprsident Magnus Kng erklrte indes, dass es jedem selbst berlassen sei, zufrieden oder unzufrieden mit dem Bericht zu sein. Man habe nie Anspruch auf Vollstndigkeit und das Alleinrichtige erhoben.

    Dialog mit neuapostolischer KircheDie neuapostolische Kirche (NAK) knnte Gastmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCKCH) werden. Nachdem die NAK am 10. Januar ihren Katechismus vorgestellt habe, seien Gesprche wieder mglich, schreibt die AGCK in einem Communiqu Ende Januar. Seit 2003 fanden zwischen der AGCKCH und der NAKCH inoffizielle Gesprche statt. Ab 2008 arbeitete offiziell eine Kommission am Thema Gaststatus. Nach neun Sitzungen wurde bis zum Erscheinen des Katechismus eine Pause eingelegt.

    e d i t o R i a l i n k R Z e

    W a s b e d e u t e t

    Jo?Viele biblische Vornamen beginnen mit der Silbe Jo. Sie leitet sich meist vom Gottesnamen Jahwe ab. Der Name Johannes