Römisch-katholisches-Pfarrblatt-Region-Olten 34/2012

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Römisch-katholisches-Pfarrblatt-Region-Olten 34/2012

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  • KIRCHEheuteIst die Wiederverheiratung in allen Fllen unverzeihbar?Jesus betonte die Unauflslichkeit der Ehe und verkndete gleichzeitig Gottes Barmherzigkeit

    Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. Jesu Gebot ist klar, und die katholische Kirche hlt sich daran. Andere Forderungen Jesu, etwa auf Gewalt zu ver-zichten, legt die Kirche allerdings elasti-scher aus. Viele Seelsorger fordern und praktizieren deshalb Barmherzigkeit ge-genber Menschen, die nach einer Schei-dung in zweiter Ehe leben.

    Die zivilrechtliche Scheidung hat fr die Kir-che keine Bedeutung, wenigstens nicht fr die Lehre und das Kirchenrecht. In dieser Sichtweise leben Geschiedene einfach ge-trennt. Die Probleme beginnen erst mit einer erneuten (zivilrechtlichen) Heirat. Denn der wiederverheiratete Katholik begeht nun an-dauernden Ehebruch. Weil er diesen nicht bereut und rckgngig macht, wre eine Beichte nicht gltig, und ohne gltige Beich-te bleibt er vom Kommunionempfang ausge-schlossen. Offiziell.

    Als der Churer Bischof im Mrz dieses Jah-res in einem Hirtenbrief diese Regelung in Erinnerung rief, reagierten Seelsorger aus den ganzen Deutschschweiz. Die Pastoral-konferenz Baselland rief ihre bereits 1993 be-zogene Position einer toleranten Praxis in Erinnerung. Die Baselbieter Seelsorgerinnen und Seelsorger hatten damals schon darauf hingewiesen, dass die Kirche Scheitern und Schuldigwerden in andern Lebensbereichen nicht mit der gleichen Hrte beurteile. Bei ei-nem festen Willen zu einer dauerhaften Part-nerschaft sollte ein Neuanfang mglich sein. Und auch der Basler Bischof Felix Gmr meinte kurz nach Publikation des Churer Hirtenbriefs und mit Blick auf die von Jesus gebte Barmherzigkeit, es sei gewiss absurd, wenn gemss kirchlicher Lehre alle Snden

    irgendwann vergebungswrdig seien mit Ausnahme der Wiederverheiratung.

    Die Ehe ist fr Jesus, fr die Kirche und auch fr jene Seelsorgenden, die Wiederver-heiratete zur Kommunion zulassen, eine Le-bens- und nicht nur eine Lebensabschnitts-gemeinschaft. Und auch die allermeisten Heiratswilligen sagen Ja zu einem gemeinsa-men Leben bis zum Tod. Die Bibel versteht die eheliche Liebe als Abbild des dreieinigen Gottes: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Mann und Frau schuf er sie. Auf die Schpfungsordnung blickt auch Je-sus in seinen Worten zur Ehe. Doch in Jesu Verkndigung und Handeln gibt es neben dem Festhalten an der (grundstzlichen) Un-auflsbarkeit der Ehe das Evangelium von

    Gottes vorbehaltloser Liebe zu den Men-schen, auch den Sndern und die Praxis der Gemeinschaft stiftenden Vershnung.

    Die Kirche steht vor der grossen Heraus-forderung, die Botschaft von Umkehr und Vergebung und gleichzeitig die Normvorstel-lungen von ehelicher Treue zu verknden. In den letzten Jahrzehnten sind in vielen Regio-nen kirchliche Eheberatungsstellen geschaf-fen worden, die Paaren helfen knnen, dem Ideal einer Ehe nachzuleben. Wo aber eine Ehe scheitert, mache es doch einen Unter-schied, so meinen viele Theologen, ob jemand seine Ehe bewusst gebrochen habe, oder ob er sich zur eigenen Schuld bekenne und in der neuen Partnerschaft Liebe und Treue lebe. Alois Schuler

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    Wer von euch ohne Snde ist. Jesus betonte die Unauflslichkeit der Ehe, schtzte aber die Ehebrecherin vor der Steinigung.

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 18. bis 24. august 2012

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    34/2012

    www.pfarrblatt-region-olten.ch

    mensch und sabbat 2Was ist ein gtze? 2impuls von ludwig hesse: Vogelscheuchen im gurkenfeld 3bistumsjugendtreffen 2012 4

    aus den Pfarreien 518Rituelle beschneidung ist das fundament der jdischen identitt 19kurse/begegnungen/fernseh- und Radioprogramm 20

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    Mensch und Sabbat

    Weil Gott, der Schpfer, am siebten Tag ruhte, sollen es auch die Menschen tun. Die Sabbat

    ruhe ist nach biblischer Tradition gttlichen Ursprungs. Die Versuchung, dieses Gebot bei Bedarf etwas aufzuweichen, muss es auch im Judentum schon immer gegeben haben. Es sind doch immer die bertretungen, die

    zur wiederholten Betonung einer Regel fhren. Von Jesus wird aber berliefert, dass er den Regelbruch regelte. Weil Gott die Schpfung auf den Menschen hin geschaffen hat, sind auch seine Weisungen zum Wohl des Menschen auszulegen.

    Eine Verschnaufpause nach sechs Arbeitstagen soll der Sabbat sein, Zeit fr einen Gedanken an den Schpfer und ein Tag fr Familie und Freunde. Alle Pflichten des Alltags, aber auch alle unntzen Vergngungen oder Streitereien, soll der Mensch an diesem Tag hinter sich lassen. Weil der Mensch sich sonst im Nebenschlichen verliert. Zum Wohl des Menschen und des Ochsen und aller anderer Geschpfe ist der Sabbat da.

    Jede Regel, die wir Menschen formulieren, hat einen Grund, ein Ziel, einen Zweck. Einige Regeln wurden vielleicht mit der Zeit sinnlos. Alle andern aber versuchen, das Leben der einzelnen Menschen oder der Gesellschaft zu schtzen. Das beginnt bei der Waschkchenordnung und endet bei der Bestrafung eines Mrders. Wer weiss, welche Verletzungen die Trennung eines Paares hinterlassen kann, wie stark oft Kinder darunter leiden, und welche finanziellen Probleme Geschiedene kennen, sieht ohne Mhe einige Grnde, die fr ein Scheidungsverbot sprechen. Eine Ehe ist schliesslich nicht nur ein privates Projekt. Sie konstituiert eine wichtige Zelle der Gesellschaft. Und wie beim Sabbatgebot kommt in biblischer Sicht auch bei der Ehe eine gttliche Dimension hinzu. Nach seinem Bild schuf Gott den Menschen, als Mann und Frau schuf er sie

    Allerdings kann eine Ehe scheitern, sterben. Der Tod der Ehe trennt das Paar, und die Fortdauer der Ehe kann fr die ganze Familie unzumutbar sein, weil sie auch das Leben der Kin der zu zerstren droht. Wie ein Mensch einen andern schuldlos tten kann, wenn es in Notwehr geschieht, gibt es auch Grnde, eine Ehe als beendet zu erklren. Bereits das Neue Tes tament zeigt, dass die jungen christlichen Gemeinden die Frage der Ehescheidung und damit der Wiederverheiratung differenziert betrachtet haben. Denn auch die Ehe ist fr die Menschen da, nicht die Menschen fr die Ehe.

    Alois Schuler, Chefredaktor

    W e lt

    Angehrige von Dutroux-Opfern emprtDie frhere Frau und Komplizin des Kinder-schnders Marc Dutroux soll vorzeitig frei kommen und in einem Klarissenkloster Un-terschlupf finden. Ein belgisches Gericht hat einer Freilassung auf Bewhrung und unter Auflagen zugestimmt. Angehrige von Du-troux-Opfern haben auf diese Nachricht mit Emprung reagiert. Ein Sprecher der belgi-schen Bischofskonferenz usserte Verstnd-nis fr den Protest, sagte aber auch: Man muss wagen zu hoffen, dass jemand sein Le-ben ndern kann. Michelle Martin war als Mittterin zu 30 Jahren Haft verurteilt wor-den; davon hat sie 16 Jahre abgesessen. Der Freilassungsentscheid ist noch nicht rechts-krftig.

    Brandstifter exemplarisch bestrafenKirchenvertreter in Italien haben angesichts der hohen Zahl von Waldbrnden exemplari-sche Strafe fr Brandstifter gefordert. Diese Taten seien vom Bsen inspiriert, bedrohten Natur und Leben und sollten von der Justiz bestraft werden, sagte Bischof Domenico Si-galini von Palestrina. Gleichzeitig nahm der Bischof den Staat und die Brger in ihre Pflicht: Diejenigen, die auf die Wlder aufpas-sen, sollten ihrer Arbeit nachgehen, anstatt gerade jetzt Urlaub zu machen, sagte Sigalini. Fast alle Feuer seien auf den Menschen zu-rckzufhren, teils auf Brandstiftung, teils auf Fahrlssigkeit, sagte der Vizeprsident des italienischen Frsterkorps, Marco Pezzotta.

    Vat i k a n

    Anschlge werden Mission nicht stoppenAnschlge auf Christen in Afrika und ande-ren Teilen der Welt werden die Christen nach Ansicht des Kurienkardinals Peter Kodwo Appiah Turkson nicht von ihrer Sendung ab-halten. Es gelte, den Glauben in der berzeu-gung zu bekennen, dass es mit Gott nichts zu frchten gebe, sagte der aus Ghana stammen-de Turkson der Vatikanzeitung Osservatore Romano. Christen vor allem in Afrika seien schutzloser, weil ihre Kirchen hufig bei den Missionsstationen und nicht in den Zentren gebaut sind. Leicht anzugreifen seien Chris-ten auch, da Verteidigung nicht Wesensteil der Religion sei.

    Keine Angst vor neuen EntdeckungenDer Leiter der Vatikanischen Sternwarte, Jos Gabriel Funes, erhofft sich von der Curiosity-Marsmission Erkenntnisse ber ausserirdi-sches Leben. Er freue sich ber den erfolgrei-chen Start der Mission und sei auf die Ergeb-nisse gespannt, sagte er gegenber Radio Va-tikan. Dann werde man sehen, ob der Mensch mehr ber den Mars und die Mglichkeit

    organischer Elemente auf der Oberflche des Planeten erfahren knne. Gefragt, ob Katholi-ken von der Suche nach ausserirdischem Le-ben etwas zu frchten htte, sagte der Jesuit, dass die Kirche keine Angst vor der Wissen-schaft und neuen Entdeckungen habe. Der Vatikan unterhalte eine Sternwarte, weil die Kirche sich der Forschung verpflichtet fhle.

    s c h W e i Z

    Beschneidungsstopp aufgehobenDas Zrcher Kinderspital fhrt wieder religi-s motivierte Beschneidungen durch. Neu berprft das Spital bei nicht medizinisch begrndeten Beschneidungen in jedem Ein-zelfall das Kindeswohl. Zudem sind die Auf-klrung und die Zustimmung beider Eltern-teile notwendig. Das Zrcher Kinderspital hatte Anfang Juli einen Marschhalt beschlos-sen und die Situation analysiert. Die ber-prfung ergab, dass die nicht medizinisch begrndete Beschneidung auch in der Schweiz den Tatbestand der Krperverlet-zung erflle, Gesellschaft, Kultur und Politik diese Beschneidungspraxis bisher jedoch ak-zeptiert htten.

    Austrittsurteil: Jedes Bistum fr sich Die Schweizerische Bischofskonferenz gibt zum jngsten Urteil des Bundesgerichts be-zglich Kirchenaustritt keine Stellungnahme ab. Als Grund dafr nannte SBK-Sprecher W