Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 18-19/2012

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Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 18-19/2012

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  • KIRCHEheuteIkone des Glaubens unter wissenschaftlicher LupeAusstellung Das Abbild auf dem Turiner Grabtuch ein grosses Mysterium

    Es gilt als spektakulrste Ikone des christlichen Glaubens: das Turiner Grabtuch. Der Verein Sindone prsentiert in einer Wanderausstellung (ab 5. Mai in Mariastein) die bisher gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

    Eines Morgens wusste der Sissacher Markus Hungerbhler: Ich muss diese Ausstellung machen. Was ihn dazu gebracht hat, bleibt sein Geheimnis. Dies passt gut zur Geschichte des Turiner Grabtuchs. Viele Rtsel ranken sich um das 4,42 Meter lange und 1,12 Meter breite Leinentuch, auf dem die Vorder- und Rckenansicht eines mnnlichen Krpers abgebildet sind. Die moderne Wissenschaft begann sich mit dem seit Jahrhunderten ver-ehrten Stoffstck zu beschftigen, als 1898 beim ersten Fotografieren ersichtlich wurde, dass es sich beim Bild auf dem Tuch um ein Negativ handelt.

    Hat das Tuch Jesus im Grab von Golgatha eingehllt? Der Krper weist Spuren von Misshandlungen auf, wie sie die Passionsge-schichte schildert. So sind am Kopf Wundma-le, die einer Haube aus Dornengestrpp zu-geschrieben werden, zu sehen. Die Ausstel-lung zeigt neben einer Reproduktion des Grabtuchs auf Leinen auch die Nachbildun-gen einer Geissel und der Dornenkrone.

    Die vom Verein Sindone organisierte Aus-stellung prsentiere die gesicherten Fakten und lade den Betrachter dazu ein, sich selber eine Meinung zu machen, sagt Hungerbh-ler. Zwei Fragen sind offen: Wie alt ist das Tuch? Wie kam das Bild auf das Tuch? Die In-dizien, die fr eine Echtheit des Tuchs spre-chen, seien zahlreich, meint Hungerbhler. Nur die 1988 von drei Laboratorien unabhn-gig voneinander vorgenommenen Radiokar-

    bonuntersuchungen seien zu einem gegen-teiligen Schluss gekommen. Die Experten datierten die Entstehung des Tuchs auf das 13. oder 14. Jahrhundert.

    Aus diesem Zeitraum stammt auch die frheste Erwhnung des Grabtuchs: Geoffroy de Charny hat das Tuch der Kirche in der franzsischen Stadt Lirey geschenkt, 1355 wurde es erstmals ffentlich gezeigt. 1453 trat Margarete, die letzte der Charnys, das Tuch an den Herzog von Savoyen ab. So kam das Tuch nach Chambry und nach der Verle-gung der Residenz der Savoyer 1578 nach Tu-rin. Der 1983 verstorbene Umberto II. von Sa-voyen vermachte es der katholischen Kirche.

    Das Original ist der ffentlichkeit nur selten zugnglich, letztmals vor zwei Jahren. Die nchste Ausstellung ist fr das Heilige Jahr 2025 geplant.

    Losgelst von der Frage der Echtheit liegt die Bedeutung des Tuches darin, dass es die Passion Jesu widerspiegelt. So sieht es Mar-kus Hungerbhler, und in diese Richtung ge-hen auch usserungen der Ppste. Papst Jo-hannes Paul II. bezeichnete das Tuch als Iko-ne fr das Leiden des Unschuldigen, sein Nachfolger Benedikt XVI. sprach von der Ikone des Karsamstags. Regula Vogt-Kohler

    www.sindone.ch (ab Ausstellungsbeginn)

    Die Abbildung auf dem Turiner Grabtuch: das Original mit den Brandlchern (links) und das Negativ.

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 28. april bis 11. mai 2012

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    18/19 2012

    www.kirche-heute.ch

    nur ein Zeichen 2Was ist eine Reliquie? 2impuls von abt Peter von sury: gottes Wahl 3Patrozinium Walterswil 4

    aus den Pfarreien 518Die kirche ist zu wenig solidarisch mit der Welt 19kurse/begegnungen/ fernseh- und Radioprogramm 20

  • 2

    Nur ein Zeichen

    Wenn das Turiner Grabtuch nun, entgegen der Resultate der Radiocarbonuntersuchungen,

    wirklich rund 2000 Jahre alt wre, mss-te es dann zwangs-lufig das Antlitz Je-su zeigen? Und wenn das Gesicht nun jenes des galilischen Wanderpredigers w-re, was wrde das in unserm Leben oder Glauben ndern?

    Dass Jesus von Nazareth gekreuzigt wurde, ge-hrt zu den historisch gesicherten Tatsachen, dafr braucht niemand ein Grabtuch zu sehen.

    In Zeiten, in denen fr ein Abendkleid der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana 140 000 Dollar hingeblttert werden, mag man verste-hen, dass in Trier im Zeitraum von nur einem Monat eine halbe Million Menschen erwartet werden, die den Heiligen Rock sehen wollen, in den Fragmente der Tunika Jesu eingearbeitet sein sollen. Der Heilige Rock wurde vor genau 500 Jahren ein erstes Mal gezeigt, das Grab-tuch ist rund 150 Jahre lnger urkundlich ver-brgt. Dass ein solcher Schatz aber 1300 Jahre lang ohne Erwhnung htte verborgen bleiben knnen, ist doch unwahrscheinlich und spricht gegen seine Echtheit. Aber Glaubende, Liebende oder Nostalgiker halten sich an Zeichen der Verbundenheit. Es hilft eben, an einen Men-schen zu denken, ihn gegenwrtig vor sich zu sehen, wenn man etwas von ihm in Hnden halten oder vor sich sehen kann.

    An ihn denken sollen wir Christen, dabei knnen das Grabtuch oder ein Heiliger Rock ein Hilfsmittel sein. Doch wir sind aufgefordert, zu handeln. Gerade dort, wo Christen ihrem Herrn in ganz besonderer Weise nahe sind, in der Messe, werden sie in die Welt gesandt. Auch seine Wunder wollte Jesus gemss den bibli-schen berlieferungen nicht als Ort des Stau-nens verstanden wissen, sondern als Zeichen fr das Anbrechen des Reiches Gottes. Als Christen wissen wir uns in seine Nachfolge be-rufen; in der Gemeinschaft aller Christen sollen wir sein Werk weiterfhren und seine Gegen-wart bezeugen, indem wir Frieden und Hoff-nung verbreiten. Wo immer christliche Taten vollbracht werden, sind sie kleine, aber wirksa-me Zeichen, dass Jesus gegenwrtig und das Reich Gottes am Kommen ist.

    Alois Schuler, Chefredaktor

    W e lt

    Kritik an Koranverteilung hlt anDer Berliner Weihbischof Matthias Heinrich warnte, dass mit der Koran-Verteilaktion Heiliges fr unheilige Zwecke missbraucht werden soll. Dass gerade die Salafisten die Botschaft des Korans authentisch vermitteln knnten, halte er fr mehr als fraglich. Nicht der Staat, sondern die muslimischen Gemeinden sollten dem Projekt entgegen-steuern. Dies geschehe bereits, denn viele Muslime sorgten sich, dass der Koran einsei-tig mit der radikalen Richtung identifiziert wrde. Die Ulmer Druckerei, welche mit dem Druck von 50 000 Koran-Exemplaren beauf-tragt war, hat den Auftrag, zurckgegeben. Grund sei der starke ffentliche Druck, er-klrte ein Sprecher des Unternehmens.

    Embargo gegen Kuba aufhebenDie US-Bischofskonferenz forderte ein Ende des Handelsembargos der Vereinigten Staa-ten gegen Kuba. Der Vorsitzende der nationa-len Bischofsmission Justitia et Pax fordert im Brief an die Aussenministerin Hillary Clinton die Aufhebung aller Restriktionen gegen Ku-ba. Durch die Beendigung des Embargos kn-ne die USA einerseits die Bevlkerung Kubas in ihrem Streben nach Freiheit, Menschen-rechten und Religionsfreiheit untersttzen und andererseits von Kuba als Handelspart-ner profitieren.

    Vat i k a n

    Papst feierte gleich zweimalPapst Benedikt XVI. hat in der vergangenen Woche am Montag seinen 85. Geburtstag und am Donnerstag den siebten Jahrestag der Papstwahl gefeiert. Seinen Geburtstag beging er mit einem Gottesdienst in der Cappella Paolina im Vatikan. Der Tag sei nach Wn-schen des Papstes ein normaler Arbeitstag mit bayrischer Prgung gewesen, berichtete sein Privatsekretr. An der 310. Generalaudi-enz des Papstes, am Tag vor seinem Jahrestag, rief der Papst die Glubigen auf fr ihn zu be-ten. Mit 30 000 Besuchern, waren an der Ge-neralaudienz deutlich mehr Menschen an-wesend als normalerweise.

    Fr Frieden und Dialog in BahrainDer Vatikan-Botschafter im Golf-Knigreich hat zu Frieden und Dialog in Bahrain aufge-rufen. Der Auslser dafr waren die Aus-schreitungen vor dem Formel-eins-Rennen. Die Spannungen in Bahrain reichten in die Zeit vor dem arabischen Frhling zurck, betonte der Vatikan-Botschafter Erzbischof Petar Rajic. Die Grnde fr die Spannungen seien die Differenzen zwischen den Sunniten, welche sich aus Menschen des Knigshauses und der Regierung zusammensetzen, und den Schiiten, welche die Bevlkerungsmehr-

    heit bildeten. Der katholische Teil der Bevl-kerung sei nicht in die Konflikte verwickelt.

    s c h W e i Z

    Koranverteilung auch in der SchweizJunge Muslime wollen demnchst in Aargau, Basel, Winterthur, St. Gallen und Zrich 14 000 kostenlose Koran-Exemplare vertei-len. Die beteiligten Muslime betonen die Barmherzigkeit ihres Projektes. Mit den Ko-ran-Exemplaren wolle man den Menschen zeigen, dass der Islam der einzige Weg ins Pa-radies sei. Trotzdem werde niemand zum Is-lam gedrngt, denn die Korane wrden nur an Passanten verteilt, die Interesse zeigen. Das Internet-Jugendmagazin tink.ch teilte am 17. April mit, dass bereits 1000 Exemplare in den Strassen von Bern, Zrich und St. Gal-len verteilt worden seien.

    Sonntag soll arbeitsfrei bleibenUnia, die grsste Gewerkschaft der Schweiz, untersttzt die europische Allianz aus Ge-werkschaften, Kirchen und Parteien zum Schutz des Arbeitsfreien Sonntags. Wie in vielen Lndern werde auch in der Schweiz der Sonntag immer mehr zu einem gewhn-lichen Arbeitstag. Obwohl das Schweizer Ar-beitsgesetz Sonntagsarbeit verbiete, mchten laut der Unia Liberalisierungsturbos in der Schweiz den Sonntagsverkauf zur Normalitt erklren. Eine berparteiliche Sonntagsal-lianz soll dagegen ankmpfen.

    e D i t o R i a l i n k R Z e

    W a s i s t

    eine Reliquie?Bereits in den Anfngen des Christentums wurden die Mrtyrer, die Blutzeugen, verehrt. ber ihren Grbern baute man spter Kirchen, so der Petersdom in Rom ber dem Grab des Apostels. Durch die Nhe zu den Heiligen er-hoffte man sich Anteil an ihrer Kraft. Man be-gann, in den Altar einer Kirche wenigstens ei-nen Krperteil, ein berbleibsel, eine Reliquie einzubetten. Die Reliquienverehrung ist bereits fr das 2. Jahrhundert nachgewiesen. Sie wird auch heute noch gepflegt. Im Mittelalter wur-den, gesttzt durch Wunderberichte, Reliquien regelrecht gehandelt oder auch kriegerisch erobert. Denn wertvolle Reliquien frdert