Schicksals- gemeinschaft - kultur-und- ¼re...2 Stiftungen der Sparkasse Leipzig – Schicksalsgemeinschaft

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  • Schicksals- gemeinschaft

    Europas Zukunft 100 Jahre nach dem

    ersten Weltkriegsende

    Ein Rückblick auf die zweitägige Veranstaltung der Stiftungen der Sparkasse Leipzig am

    19. und 20. Oktober 2018 auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf und dem Mediencampus

    Villa Ida in Leipzig.

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    Inhalt

    Vorwort 3

    Schicksalsgemeinschaft 4

    19. Oktober 2018: Schloss Hubertusburg zu Wermsdorf 10

    „Wir leben in bewegten Zeiten“ 16

    „Die Geschichte liefert uns unzählige Beispiele, wie zerbrechlich Frieden sein kann“ 22

    „Friede ist dort, wo Fernes nahe wird. Und Getrenntes eins.“ 24

    20. Oktober 2018: Mediencampus Villa Ida in Leipzig 28

    „Europa ist ein gemeinsamer Raum des Vertrauens.“ 32

    „Ein Raum für die notwendige Reflektion und Diskussion“ 36

    „Nicht Konflikte in den Mittelpunkt stellen, sondern Gemeinsamkeiten erzeugen“ 38

    „Europa ist unser Friedenskompass“ 39

    „Der unwahrscheinliche Krieg – Schlafwandelnd in den Untergang“ 41

    „Der Zweite Weltkrieg im europäischen Gedächtnis“ 49

    „Wie aus Feinden Freunde wurden – Die Deutsch-Französische Aussöhnung“ 57

    „Das erste Loch im ‚Eisernen Vorhang‘ – Das Ende der Teilung Europas“ 66

    „Neue alte Kriege – Die Überlagerung von innergesellschaftlichem und zwischengesellschaftlichem Krieg“ 69

    „Neue Weltunordnung“ 73

    Programmübersicht 76

    Danksagung 78

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    Es geschieht in diesen Tagen wieder häufiger, dass die Geschichte befragt wird: Runde Jahrestage wie das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, offiziell mit dem Inkrafttreten des Waffenstillstandes am 11. November 1918 besiegelt, oder die Proklamation der Republik in Deutschland zwei Tage zuvor, rufen Erinnerungen wach und fordern Auseinandersetzung.

    Und zugleich sind es die Krisen der heutigen Zeit, die Fragen aufwerfen: Das schrittweise Auseinanderdriften Europas, der Brexit, der lautstarke Ruf nach einfachen Lösungen in einer immer kom plex er werdenden Welt, der Aufstieg von Politikern und Parteien, die eben diese einfachen Lösun- gen scheinbar anbieten, die Verrohung der Sprache in der Auseinander- setzung mit dem politischen Gegner, der Zerfall langlebiger Bündnisse – haben wir das nicht alles schon einmal erlebt?

    Die Stiftungen der Sparkasse Leipzig nahmen die Jahrestage ebenso wie die aktuellen Entwicklungen zum Anlass für eine zweitägige Veran- staltung am 19. und 20. Oktober 2018 auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf und im Mediencampus Villa Ida in Leipzig. Neben dem 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges wirkten sich auch der vor 300 Jahren begonnene 30-jährige Krieg und der 205. Jahrestag der Völker schlacht bei Leipzig auf die Wahl des Veranstaltungsthemas und der Veranstaltungs orte aus.

    Im Mittelpunkt von „Schicksalsgemeinschaft – Europas Zukunft 100 Jahre nach dem ersten Weltkriegsende“, so der Name der Veranstaltung, stand die Diskussion über Lehren und Konsequenzen aus den kriegeri- schen Auseinandersetzungen der Vergangenheit für ein in Frieden und Freiheit geeintes Europa der Zukunft. Über 200 Vertreter aus Wissen- schaft, Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil. Die Schirmherrschaft hatten I.E. Anne-Marie Descôtes, Botschafterin Frankreichs in Deutschland, und Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, gemeinsam übernommen. Dafür danken die Stiftungen der Sparkasse Leipzig beiden Schirmherren sehr herzlich.

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    Dr. Harald Langenfeld Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig

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    Schicksalsgemeinschaft

    Europas Zukunft 100 Jahre nach dem ersten Weltkriegsende

    Ein Rückblick

    „Die Geschichte ist keine Lehrerin, die Geschichte ist ein Orakel: Sie kann uns weiser machen“, sagte der vor allem für sein Buch „Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ bekannte Historiker Sir Christopher Clark auf dem historischen Symposium am 20. Oktober 2018: „Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, kann gefähr- liche Zwangssituationen rechtzeitig erkennen oder ihnen sogar entkom- men.“ Die von den Leipziger Sparkas- sen-Stiftungen organisierte Veran- staltung „Schicksalsgemeinschaft – Europas Zukunft 100 Jahre nach dem ersten Weltkriegsende“ in Leip- zig und Wermsdorf, auf der Clarks Sätze fielen, wollte eben eine solche Beschäftigung mit der Geschichte ermöglichen.

    Paradoxerweise, so erklärte der Cambridge-Professor während seiner Keynote, sei uns der Erste Weltkrieg heute näher als noch vor 20, 30 oder 40 Jahren: Der „antiqua- rische Charme“ sei aus der Debatte über diese „Urkatastrophe Europas“ verschwunden, die nicht nur vier große Reiche zerstörte, sondern auch Millionen Menschen das Leben kostete und noch mehr Verwundete zurückließ. „Wirft man ein Auge auf

    die Ereignisse der Sommerkrise 1914, dann ist man erstaunt von der hohen, von der rohen Aktualität, von der Modernität des Geschehens“, so Clark. Das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf den Autokorso mit dem österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdi- nand, das kriegsauslösende Ereig- nis, erinnere an Dallas 1963, man habe unwillkürlich „den flackernden Film vom Mord an John F. Kennedy“ vor Augen. Und die Ausführung

    des Anschlags erfolgte durch eine Gruppe junger Männer, die sich als Selbstmord-Kommando verstanden hätten: Die serbischen Attentäter waren durch ein Milieu radikalisiert worden, das einen Todeskult gepflegt und die Selbstaufopferung verlangt habe, und hatten Zyankali-Tabletten dabei, die sie nach Ausführung ihrer Tat schluckten (und die aber nicht ausreichend wirkten). Zudem seien wir heute stärker sensibilisiert für die geschichtswandelnde Kraft eines einzelnen Ereignisses, eines Terrorak- tes: Der Angriff auf das World Trade Center 2001 habe uns gelehrt, dies nachvollziehen zu können. Das Ende der bipolaren Welt, wie man sie aus der Zeit des Kalten Krieges kannte, werde uns nun zunehmend bewusst – und auch, was dies bedeutet: „Wir befinden uns, wie die Zeitgenossen des Jahres 1914, in einer zunehmend gefährlicher werdenden multipolaren Welt“, so Clark in Leipzig.

    Europa neu erzählen – und bei A beginnen Es ist dieses Bewusstsein einer kri- senhaften, mit der Zeit vor 100 Jahren durchaus vergleichbaren Situation, die der Veranstaltung der Leipziger Sparkassenstiftungen einen großen Zulauf beschert. Gut 200 Gäste waren gekommen: Der ehemalige sächsi- sche Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt

    „Wer genauer auf die Botschaften der Geschichte hört, wird schnell erkennen, dass sie eben keine Lehrerin ist, sondern ein Orakel.“ – Prof. Dr. Sir Christopher Clark. Foto: Stiftungen der Sparkasse Leipzig/Volkmar Heinz

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    Biedenkopf war ebenso präsent wie der Kommandeur des Ausbildungs- kommandos Heer, Generalmajor Norbert Wagner, die Bundesver- fassungsrichterin Prof. Dr. Christine Langenfeld oder der frühere Bundes- polizeipräsident Matthias Seeger.

    Auch Vertreter europäischer Fürsten- häuser beteiligen sich an der Veran- staltung – natürlich ist auch für sie das Ende des Ersten Weltkrieges von herausragender Bedeutung: „Unsere Familien haben Europas Geschicke bis 1918 über tausend Jahre gelenkt“, stellte Heinrich Prinz von Hannover fest. Seine Familie, die Welfen, gelten als das älteste Fürstengeschlecht

    Europas, welches bis ins 8. Jahr- hundert zurückzuverfolgen ist. Man müsse sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, um die Zukunft gestalten zu können, ist Franz Friedrich Prinz von Preußen über- zeugt, dessen Familie, die Hohenzol- lern, die drei Kaiser des Deutschen Reiches von 1871 an gestellt hatte. Mit Alexander Prinz von Sachsen und Georg Erzherzog von Öster- reich waren Repräsentanten von vier ehemals regierenden Kaiser- bzw. Königshäusern anwesend. Für Maximilian Graf zu Solms-Laubach, Begründer der Initiative Fürstenhäu- ser|Kulturträger, ist die innere Einheit Europas, basierend auf einem christli-

    chen Wertefundament, unabdingbare Voraussetzung kulturellen, politischen und gesellschaftlich verantwortlichen Handelns.

    Bei kaum einer Familie wird das Ansinnen, eigene Traditionen und Werte einzubringen, um Europa zu stärken, so deutlich wie bei den Habsburgern. Einst die Führer der österreichisch-ungarischen Dop- p