Restless Legs Syndrom - Besser leben mit „unruhigen Beinen“

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Wenn der Körper normalerweise zur Ruhe kommt, beginnt für manche Menschen eine Tortur. In den Beinen reißt, zieht, zuckt und kribbelt es – gelegentlich auch in den Armen. Die Betroffenen entwickeln dann einen wahren Bewegungszwang, da körperliche Aktivität diese Unruhe mildert. Restless Legs Syndrom (RLS) oder Syndrom der ruhelosen Beine nennen Mediziner diese Krankheit, die zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen zählt. Nach heutigen Erkenntnissen trifft die Erkrankung etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung.

Text of Restless Legs Syndrom - Besser leben mit „unruhigen Beinen“

  • RESTLESS LEGS SYNDROM

    Besser leben mit unruhigen Beinen

    Mit Erluterungen zu Verlauf und Behandlung, mit Selbsttest und Begleittipps fr den Alltag

    Gesundheit gut und gnstig

  • 2Impressum

    Alle Rechte, insbesondere das der bersetzung und Vervielfltigung, vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung der CT Arzneimittel GmbH darf kein Teil der Broschre durch Mikroverfilmung, Fotokopie oder ein anderes Verfahren reproduziert werden.

    2009 CT Arzneimittel GmbH Lengeder Strae 42a, 13407 Berlin

    Konzept & Text: Jutta Heinze, Joachim-Mhl-Strae 1 a, 22459 Hamburg, jutta.heinze@hamburg.de

    Mitarbeit: Dipl.-Biol. Daniela Schmidt, Wissenschaftsjournalistin

    Wissenschaftliche Beratung: Dr. Heike Bene, Leiterin von somni bene, Institut fr medizinische Forschung und Schlafmedizin Schwerin GmbH

    Layout: Stefan Behrendt, Lwenstrae 54, 20251 Hamburg, info@bbpm.de

    Schlussredaktion: TEXT+PLAN Dr. Ira Lorf, Fischers Allee 59 e, 22763 Hamburg, textundplan@t-online.de

    Fotos: Digital Vision/Getty Images (Seiten 1, 2), 2009 Jupiter-Images Corporation (Seiten 5, 6, 19), plainpicture/Maskot (Seite 22), Project Photos (Seiten 9, 10, 12, 14)

  • 3Inhalt

    Unruhe in den Beinen: das Restless Legs Syndrom 4

    RLS was steckt dahinter? 5 8

    Eine Krankheit, verschiedene Formen 9 11

    Weitgehend ungeklrt: die Krankheitsursachen 12

    Fragen und zuhren: die RLS-Diagnostik 13 15

    Patienten-Checkliste zum Restless Legs Syndrom 16

    Medikamentse Behandlung 17 18

    Untersttzende Manahmen fr ein ruhigeres Leben 19 20

    Hilfreiche Adressen und Buchtipps 21

    CT Arzneimittel: Gesundheit gut und gnstig 22 23

  • 4Unruhe in den Beinen: das Restless Legs Syndrom Wenn der Krper normalerweise zur Ruhe kommt, beginnt fr manche Menschen eine Tortur. In den Beinen reit, zieht, zuckt und kribbelt es gelegentlich auch in den Armen. Die Betroffenen entwickeln dann einen wahren Bewegungszwang, da krperliche Aktivitt diese Unruhe mildert. Restless Legs Syndrom (RLS) oder Syndrom der ruhelosen Beine nennen Mediziner diese Krankheit, die zu den hufigsten neurologischen Erkrankungen zhlt. Nach heutigen Erkenntnissen trifft die Er-krankung etwa 5 bis 10 Prozent der Bevlkerung.

    Ohne Frage: Das Restless Legs Syndrom beein-trchtigt die Lebens qualitt vor allem durch den gestrten Schlaf. Hinweise darauf, dass sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, gibt es bislang glcklicherweise nicht!

    RLS-Risiko: Manche Menschen erkranken leichter als andere

    Einige Untersuchungen zum Restless Legs Syndrom weisen auf verschiedene Risikofaktoren hin, die die Erkrankungs-wahrscheinlichkeit erhhen. Dazu gehren unter anderem:

    Weibliches Geschlechtt Frauen erkranken rund doppelt so hufig wie Mnner, auerdem steigt ihr RLS-Risiko nach mehr als drei Geburten.

    Hheres Lebensaltert ber 50-Jhrige leiden mehr als doppelt so oft an RLS wie Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.

    Vererbungt RLS tritt oft familir gehuft auf.

  • 5RLS was steckt dahinter?Mit der Einstufung von RLS als neurologische Erkrankung taten sich die Forscher lange schwer im 19. Jahrhundert vermuteten Mediziner dahinter eher eine Form der Hysterie oder eine psychische Strung. Erst 1945 lieferte der schwedische Neurologe Karl Axel Ekbom eine detaillierte Krankheits beschreibung und prgte den Begriff Restless Legs.

    Zappelphilipp wider WillenDas Restless Legs Syndrom verluft in der Regel chronisch. Die Patienten verspren einen kaum beherrrschbaren Bewegungszwang, unangenehme Gefhlsstrungen, leiden unter unwillkrlichen Bewegungen der Beine und in schweren Fllen auch der Arme.

  • 6Mit Bewegung gegen den BewegungsdrangDurch krperliche Aktivitten (z. B. Herumlaufen) bessern sich die Beschwerden deutlich, sodass die Betroffenen versuchen, dagegen im wahrsten Sinne des Wortes anzugehen und kaum wirkliche Ent-spannung finden. Die unwillkrlichen Bewegungen knnen auch whrend des Schlafs weiter bestehen, ohne dass der Patient davon etwas merkt. Perio-dische Beinbewegungen nennen Mediziner dieses Phnomen, das oftmals zu unbemerkten kurzen Aufwachphasen fhrt und so den Schlaf strt.

    Beine mit eigenem GefhlslebenRLS-Patienten beschreiben die meist von der Tiefe der Waden ausgehenden Empfindungsstrungen als Ziehen, Stechen, Kribbeln oder Spannen. Diese Missempfindungen machen sich hufig beidseitig bemerkbar, manchmal aber auch nur einseitig oder

  • 7im Wechsel. Klassische Schmerzen treten eher selten auf meist bei lteren Patienten oder aber, wenn keine Mglichkeit besteht, dem Wunsch nach Bewegung nachzugeben (z. B. bei Flugreisen oder langen Busfahrten).

    Auf Achse, wenn andere schlafenDie Beschwerden uern sich typischerweise immer dann, wenn Ruhe einkehrt: meist gegen Abend oder in der Nacht, bei der Mittagspause, auf dem Sofa oder beim gemtlichen Schmkern im Lieblings-sessel. Am hufigsten zeigen sich RLS-Symptome zwischen 22 und 4 Uhr, morgens und vormittags hingegen weitaus seltener oder schwcher. Rund 90 Prozent der therapiebedrftigen RLS-Patienten leiden daher unter Schlafstrungen und entwickeln sich zu wahren Nachtwanderern.

    Wenn die Nacht zum Tag wird: Schlafstrungen durch RLS

    Untersuchungen im Schlaflabor haben gezeigt, dass fr rund 20 Prozent aller chronischen Schlafstrungen ein bisher uner-kanntes Restless Legs Syndrom verantwortlich ist. Umgekehrt leidet mit fortschreitender Erkrankung fast jeder RLS-Patient an Schlafproblemen, die mit steigendem Lebensalter deutlich zunehmen. Oftmals treten Missempfindungen und Unruhe in den Beinen bereits wenige Minuten nach dem Zubettgehen auf, sodass die Betroffenen gar nicht erst einschlafen knnen. Parallel verursachen nchtliche periodische Beinbewegungen (PLMS = Periodic Limb Movements during Sleep) bewusste oder unbewusste Aufwachphasen und mindern dadurch die Schlafqualitt.

    Die Folge: Die Patienten leiden unter Tagesmdigkeit bis hin zur Arbeitsunfhigkeit. Die oftmals verordneten Schlafmittel bringen bei RLS wenig Besserung und manche Substanzen knnen bei dauerhaftem Gebrauch zur Abhngigkeit fhren.

  • 8Folgen des SchlafdefizitsVom viel zitierten Schlaf des Gerechten kn-nen RLS-Patienten nur trumen. Aufgrund des andauernden oder wiederholten Schlafmangels verlieren sie mehr und mehr an Lebensqualitt. Meist fhlen sie sich tagsber mde, antriebslos, permanent erschpft und leiden unter Konzen-trationsstrungen, Vergesslichkeit und Unruhe. Auch der gesunde Schlaf-Wach-Rhythmus gert oft aus dem Lot.

    Als Sptfolge drohen ein allgemeiner Leistungs-abfall und schlimmstenfalls eine Depression. Manche der Betroffenen benennen auch zustzliche Beschwerden, die ebenfalls mit dem Schlafmangel oder aber mit gestrten Gehirn-Stoffwechselpro-zessen beim Restless Legs Syndrom (siehe Seite 12) zusammen hngen knnen. Dazu gehren unter anderem nchtliche Heihungerattacken, Alkohol- und Koffeinunvertrglichkeit, chronische Magen-Darm-Probleme oder Spannungskopfschmerzen.

    Die hufigsten Symptome bei RLS

    Bei Patienten mit idiopathischem RLS (siehe Seite 9) treten laut einer Untersuchung der deutschen RLS-Expertin Prof. Dr. Claudia Trenkwalder (Kassel) vor allem folgende Symptome auf:

    Bewegungsdrang in Ruhesituationen t 95 %

    Schlafstrungen (alle Formen) t 95 %

    Empfindungsstrungen in Ruhesituationen t 91 %

    RLS-Beschwerden am Tag t 76 %

    Spontane Bewegungen in Ruhesituationen t 50 %

  • 9Eine Krankheit, verschiedene FormenWissenschaftler unterteilen das Restless Legs Syndrom in zwei verschiedene Varianten: die idio pathische (familire) Form ohne erkennbare Ursache und die symptomatische (sekundre) Form, ausgelst durch andere Grunderkrankungen.

    Schuld der GeneDie Tendenz, an der idiopathischen RLS-Form zu erkranken, steckt im Erbgut und tritt familir gehuft auf. Rund die Hlfte der Kinder eines Patienten mit RLS besitzen die Veranlagung, eben-falls daran zu erkranken. Diese Erkrankungsform beginnt meist im dritten Lebensjahrzehnt. Eine urschliche Heilung ist bisher noch nicht mglich, da es noch nicht gelungen ist, das fr die Erkran-kung verantwortliche Gen ausfindig zu machen.

  • 10

    Andere Situationen als AuslserBei der symptomatischen RLS-Form lsen offenbar bestimmte Erkrankungen, krperliche Zustnde oder manche Medikamente die typischen Be-schwerden aus oder verstrken sie. Verschiedene Forschungsergebnisse zeigen hier einen klaren Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen:

    Niereninsuffizienz (speziell bei Dialysepflicht)tEisenmangeltDiabetes (vor allem mit Nervenschdigungen)tberfunktion der SchilddrsetRheumatoide ArthritistSchwangerschaftt

    Auch bestimmte Medikamente knnen den Aus-bruch von RLS begnstigen oder aber RLS verstr-ken. Dazu zhlen vor allem bestimmte Arzneimittel, die die Psyche und das Nervensystem beeinflussen (z. B. gegen Depressionen oder andere psychische Erkrankungen) und einige Herz-Kreislauf- Prparate.

  • 11

    Die Ursache beheben In diesen symptomatischen Fllen bessern sich die RLS-Beschwerden oft deutlich, wenn man dem eigentlichen Problem zu Leibe rckt (z. B. Eisen prparate gegen Eisenmangel oder Schild-drsenhormone gegen die berfunktion). Bei Schwangeren verschwinden die Symptome meist nach der Ent bindung von ganz allein.

    RLS bei Kindern Auch Kinder und Jugendliche knnen an RLS erkranken. 12 Prozent der Betroffenen sind unter 10 Jahre alt, 40 Prozent unter 20. Allerdings leiden diese jungen Patienten meist an gering aus-geprgten Beschwerden, was immer wieder auch zu Fehldiag nosen fhrt wie Wachstumsschmerzen oder Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitts-strung (ADHS).

    Typisch: zunehmende Beschwerden im Krankheitsverlauf

    Typisch fr das Restless Legs Syndrom ist ein chronischer Verlauf mit schleichendem Beginn. Zuerst kommt es nur phasenweise zu leichten Symptome