Visionen Sch£¶nheit und Entropie ... Visionen Sch£¶nheit und Entropie Die beiden Bilder oben unterscheiden

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  • Visionen Schönheit und Entropie

    Die beiden Bilder oben unterscheiden sich. Das linke Bild weist einen Himmel auf, der keine Strukturen enthält. Die Wolken wurden entfernt und das Farbenspiel des Abendhimmels ist in einheitlichen Flächen sichtbar. In Befragungen bewerten spontan die meisten Menschen das rechte Bild als interessanter, ansprechender oder schöner als das linke Bild. Diese Art der Befragung wurde in großen Versuchsreihen für viele Arten von Bildern durchgeführt. Die Erforschung dessen, was Menschen mit dem Begriff Schönheit verbinden, hat neben dem bekannteren Merkmal der Symmetrie (beispielsweise in Gesichtern) auch enthüllt, dass sich das Auge über Detailreichtum erfreut. Im rechten Bild sind mehr Strukturen zu erkennen. Die Wolken bilden einen größeren Detailreichtum, der den Blick länger schweifen und an bestimmten Stellen verweilen lässt. Mit anderen Worten wird der ästhetische Genuss vergrößert, wenn es mehr Bildinformation gibt. Der Informationsgehalt eines Bildes wird auch mit dem technischen Begriff der Entropie bezeichnet. Der visuelle Sinn des Menschen ist unser wichtigster Fernsinn. Wir erfassen gerne möglichst viel Information mit unseren Augen. Die Wirkung von Entropie auf unser ästhetisches Empfinden zeigt, wie sehr wir Menschen auf unseren visuellen Sinn ansprechen. Diese Tatsache gibt den Ausschlag für den Gedanken mit Visuellem, mit Bildern zu arbeiten. Wie kann die Arbeit bei assista so gestaltet werden, damit es dieser Tatsache Rechnung trägt? Arbeiten mit Visionen Vi | si | on, die Wortart: Substantiv, feminin Herkunft: mittelhochdeutsch vision, visiun�= Traumgesicht; Erscheinung < lateinisch visio (Genitiv: visionis)�= das Sehen; Anblick; Erscheinung assista hat sich dem Anspruch verschrieben, die KlientIn in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wünsche und Bedürfnisse der KlientIn bilden die Grundlage für die Arbeit in assista. Das Arbeiten mit Wünschen hält jedoch einige Tücken bereit, die nicht leicht zu umgehen sind. Die Wünsche von unseren Mitmenschen zu erfahren, versetzt uns oftmals noch nicht in die Lage diese auch mir nichts, dir nichts erfüllen zu können. Fragen Sie sich selbst was Sie ihren Liebsten zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken möchten. Sie werden auf Nachfrage wahrscheinlich viele Antworten für mögliche Geschenkwünsche bekommen. Vielleicht ist nicht immer jede dieser Antworten

  • wirklich zufriedenstellend. Vielleicht sind nicht immer alle Wünsche tatsächlich erfüllbar, aus finanziellen oder organisatorischen Gründen. Vielleicht weiß ihr Gegenüber aber auch um die begrenzten Möglichkeiten in finanzieller oder organisatorischer Hinsicht Bescheid und versetzt sich in ihre Lage. Wenn Sie sich umgekehrt auch in diese Lage versetzen und sich fragen was Sie jemandem antworten wollen, wenn Sie nach ihren Geschenkwünschen für Weihnachten oder ihren Geburtstag gefragt werden, sehen Sie schnell die Schwierigkeit. Dann kann die Antwort möglicherweise so rücksichtsvoll und bescheiden ausfallen, dass eigentlich nicht mehr wirklich die tief schlummernden Wünsche ausgedrückt werden, sondern etwas ganz anderes. Wie schwierig wird es da erst, wenn es sich um die Frage der Lebenswünsche handelt? Das Reden über Wünsche kann viele Wenn und Aber nahelegen. Nun stellen Sie sich im Gegensatz dazu vor, Sie machen ein Bild von einem Tag in ihrem Leben. Stellen Sie sich vor wie ein Zeitpunkt sein wird, an dem es ihnen gut geht. Vielleicht sehen Sie vor ihrem geistigen Auge wie Sie an einem warmen Tag im Sonnenschein in ihrem Garten eine Pflanze gießen und betrachten. Vielleicht sehen Sie sich aber auch mit ihrer Familie an einem Tisch in einem Restaurant sitzen, während Sie bei einem gepflegten Gespräch ein Glas Wein anheben und den Geschmack auf ihrer Zunge empfinden. Was immer das Bild auch ist, so merken Sie bereits hier beim Lesen einer Zeile, wie schnell es in ihrem Kopf generiert wird. Sofort wird es mit weiteren Details befüllt. Der Garten lässt Sie vielleicht auch wahrnehmen, wie sich einige Blätter sanft im Wind bewegen oder wie sich eine Blüte in der Hand anfühlen würde. Das Restaurant lässt Sie vielleicht sofort an das gedimmte, stilvolle Licht im Raum denken oder an das Geräusch der klingenden Gläser. Mit anderen Worten: Visionen sind ansteckend. Der Sinn für Bilder löst sofort die Aktivität in unserem Gehirn aus, mit welcher wir das Bild weiter zeichnen. Das gemeinsame Gespräch über das Bild bringt den Maler zum Vorschein, der in uns allen steckt. Durch das Hervorheben reichert sich das Bild mit Details. Der bewusste Umgang damit lässt es nicht so einfach wieder in das Unbewusste und das Vergessen verschwinden. Visionen haben viele Vorteile Wenn Sie ganz unbedarft auf die Frage antworten, was Sie sich für ihr Leben wünschen, dann würden Sie vielleicht antworten: ein Haus am Meer, einen teuren Sportwagen, eine Weltreise oder sich noch einmal so richtig zu verlieben. Was auch immer ihre spontane Antwort sein wird, es wird wahrscheinlich schwer für jemand Anderen in den Grenzen der Realität etwas zur Erfüllung ihrer Wünsche beizusteuern. Der Sinn für die Realität ist eine Vorbedingung für die Gemeinsamkeit, mit der man sich in Wünschen bewegen kann. Realismus ist durchaus nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Manchmal tun sich Menschen schwer damit realistisch zu sein. Denken Sie an Kinder, also an junge Menschen, die noch keine Gelegenheit hatten die gesamte Persönlichkeit zu entwickeln. Denken Sie aber auch an Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen, die durch verschiedene Einschränkungen der kognitiven Funktionen Schwierigkeiten in diesem Bereich haben können. Die direkte Steuerbarkeit von Realismus ist dabei oftmals schwierig bis unmöglich. Nun fragen Sie sich im Vergleich dazu, was Sie in den nächsten Minuten machen werden. Stellen Sie sich vor, wie Sie in 10 Minuten diesen Text zu Ende gelesen haben werden. Sehen Sie sich selbst in der Kleidung, die Sie gerade tragen, an dem Ort, an dem Sie dies hier gerade lesen. Wenige Minuten in der Zukunft werden Sie in einer Situation sein, die Sie sich jetzt gerade bildlich vergegenwärtigen können. Der Realismus, dass Sie sich in diesem Bild nicht am anderen Ende der Weltkugel sehen, in einer völlig anderen Lebenssituation liegt dieser Vorstellung bereits zugrunde. Es ist schwer bis unmöglich sich dem zu entziehen. Die Frage nach einer Vision für den nächsten unmittelbaren Zeitraum ist ein mächtiges Mittel, um den Grad an Realismus steuern zu können. Gleichzeitig bewegt man sich damit automatisch gemeinsam in diesem Bild, wenn man es bespricht. Diese Gemeinsamkeit ist einer der größten Vorteile bei der Arbeit mit Visionen. Diese Gemeinsamkeit wirkt sich auch in der Weise aus, dass Visionen scheinbar schon angelegt sind, bevor Sie sprachlich zum Anderen hin ausgedrückt werden. In der Regel haben Menschen bereits ein gutes Bild von jenen Mitmenschen, die ihnen nahe stehen. Stellen Sie sich beispielsweise vor,

  • was ein guter Tag für ihren Ehemann, ihre Ehefrau, oder aber auch für eines ihrer Kinder sein wird. Stellen Sie sich vor wie der von ihnen geliebte Mensch strahlen wird, wenn es ihm gut geht. Sehen Sie wie dieser Mensch ihnen entgegen kommen wird und hören Sie wie lebendig und erfreut seine Stimme klingt, wenn er ihnen berichtet was los ist. Sehen Sie die Zufriedenheit im Gesicht und im Blick dieses Menschen, wenn die Dinge so gut für ihn stehen wie es sein soll. Vieles von diesem Bild ist bereits vorgezeichnet. Noch bevor Sie über dieses Bild gemeinsam im Gespräch sind, hat dieses Bild bereits so viele Details, die schon vor jeder Beschreibung und vor jedem Wort in ihnen angelegt sind. Wahrscheinlich würden Sie den ihnen besonders nahestehenden Personen ebenfalls zutrauen, einen Tag zu beschreiben, der gut für Sie laufen würde. Der Mensch, der Sie liebt und Sie gut kennt, könnte wohl bereits viel über diesen Tag beschreiben, bevor Sie selbst auf die Frage hier antworten müssten und das Bild dann weiter mit Details bereichern könnten. Mit anderen Worten ist das Malen und Zeichnen eines Bildes so weit vor der Sprache bereits begonnen, dass es auch bei kognitiven und sprachlichen Einschränkungen möglich ist. Nehmen Sie dazu jemanden, der ihnen sprachlich gar nichts mitteilen kann weil Sie oder er stumm geboren wurde. Sehen Sie diesen Menschen mittags mit vollem Gusto Fischstäbchen und Kartoffelpüree essen und dazu ein Glas Himbeersaft trinken. Sehen Sie diese Person nach einer ausgiebigen Mittagsrast eine Runde im Park oder in den Wald spazieren gehen, wie Sie dabei die raschelnden Blätter in den Bäumen wach, neugierig und aufgeregt betrachtet. Sehen Sie diese Person dann müde und zufrieden von diesem Spaziergang zurück kommen und es sich im kuscheligen Fauteuil bequem machen. Fragen Sie sich dann, wie ein guter Tag für diese Person aussieht. Sie haben ein Bild davon.

  • Kognitive Karten

    Ich möchte an dieser Stelle zu einem Exkurs in das visuelle Denken entführen. Es soll ein vertiefendes Verständnis der grundlegenden Eigenschaften unseres visuellen Sinnes und seiner Verarbeitung schaffen und zu Erklärungen überführen, wieso das Arbeiten mit Visionen zu solch starken Übereinkünften führt. Hierzu soll ein Ausflug in die neuronalen Wissenschaften unserer visuellen Verarbeitung dienen. Kognitive Karten (mental maps) sind ein gutes Beispiel um einige fundamentale Eigenschaften der Arbeitsweise unseres Gehirnes zu erfassen, welche sicherlich auch bei der Arbeit mit Visionen eine Rolle spielen. Der Begriff „kognitiven Karten“ ist dabei ein alter Bekannter in den Hirnwissenschaften. Aus Wikipedia lässt sich eine schöne Beschreibung entnehmen: