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Syntax Semantik Pragmatik - Goethe-Universitätuser.uni-frankfurt.de/~kentner/EinfLing/SynSemPrag.pdf · Konstituenten (1)Regina, die gestern dem Nachbarn, der im Hinterhof des Hauses,

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  • Syntax – Semantik – Pragmatik

    Gerrit Kentner

    11. Februar 2011

    1 / 93

  • Zur Klausur

    Vier Teilbereiche

    Phonetik/ Phonologie

    Morphologie

    Syntax

    Semantik/ Pragmatik

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  • Zur Klausur

    Zu jedem Teilbereich gibt es 4 Aufgaben, von denen 3 bearbeitetwerden sollen.Jede korrekt gelöste Aufgabe bringt 10 Punkte (es können alsomaximal 30 P pro Teilbereich und insgesamt 120 P erreichtwerden).Die Klausur gilt als bestanden, wenn in jedem Teilbereichmindestens 10 Punkte erreicht werden.Sie können zu einer mündlichen Wiederholungsprüfung (gilt nochals Teil des Erstversuchs) antreten, wenn Sie die Klausur inhöchstens einem Teilbereich nicht bestanden haben, aber in denanderen Teilbereichen zusammen mindestens 40 Punkte erreichthaben.

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  • Überblick

    Was Sie inzwischen über Syntax wissen sollten:

    Sätze sind geordnete Abfolgen von Wörtern.

    (Satzartige) Wortabfolgen sind in Konstituenten organisiert(Konstituententests).

    Satzstrukturen können in Baumdiagrammen dargestelltwerden Ñ Auflösung syntaktischer Ambiguitäten.

    Begriffe: Kopf, Komplement (Ergänzung), Adjunkt (Angabe)

    Klassifikation von Konstituenten nach Wortarten (NP, VP,AP, PP, AdvP, Det, N, V, P, A, Adv)

    Dominanzbegriff, Rekursion, Phrasenstrukturgrammatik

    Rektion und Valenzbegriff (quantitative Valenz, qualitativeValenz)

    topologisches Modell

    Kasus und thematische Rollen

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  • Was will die Syntax

    Aufgabe der Syntax ist es, das Regelwissen zu explizieren,mit dem alle und nur die grammatischen Sätze einerSprache abgeleitet werden können.

    gar nicht so einfach...

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  • Wortabfolge und syntaktischer Status

    Gleichartige Wortabfolgen haben nicht unbedingt denselbensyntaktischen Status:

    Karl liebt Silke und Maria.

    Karl liebt Silke und Maria liebt Holger.

    Fritz glaubt, dass Maria zugunsten von Karl nie etwasunternommen hätte.

    Fritz glaubt, dass Maria zugunsten von Karl nie etwasunternommen worden wäre.

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  • Konstituenten

    (1) Regina, die gestern dem Nachbarn, der im Hinterhof desHauses, welches in der Grünstraße steht, hilflos wartete,geholfen hat, ist Vorsitzende des Schützenvereins.

    Ñ Satz besteht nicht nur aus Folge von Wörtern, sondern ist inhöhere Einheiten gegliedert, die selbst wieder aus Wortfolgenbestehen.Diese Gliederungseinheiten werden Konstituenten genannt

    In (1) sind alle Einzelwörter Konstituenten, der ganze Satz ist einekomplexe Konstituente und einiges dazwischen hat auchKonstituentenstatus.

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  • Konstituenten

    Arbeitsdefinition: Eine Konstituente ist eine kohärente Wortgruppemit syntaktischer Funktion und/oder Bedeutung. Einzelwörter sindebenfalls Konstituenten.Wie kann man feststellen, was eine Konstituente ist?

    ñ Konstituententests

    Ersetzungsprobe

    Frageprobe

    Verschiebeprobe

    Pronominalisierungsprobe

    Weglassprobe

    Koordinierungsprobe

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  • Ambiguitäten

    Der Mördertötete

    den Koch mitdem Messer

    Der Mörder

    töteteden Koch mit

    dem Messer

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  • Klassifikation von Konstituenten

    Nicht nur Wörter unterliegen Abfolgebeschränkungen, sondernauch komplexe Konstituenten:

    Die Ente – hat geschlafen.

    *Hat geschlafen – die Ente.

    Um Abfolgeregularitäten beschreiben zu können, sollten dieermittelten Konstituenten zunächst klassifiziert werden.Klassifikationskriterium: Wortarten und ihre Distribution

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  • Konstituentenklassifikation

    Distribution von Konstituenten

    Die HaustiereDie langen Winterabende

    Kinder*Empfindlich erfreuen mich.*Telefonieren

    *Gestern*Auf der Mauer

    {Die Haustiere, Kinder, die langen Winterabende} haben dieselbeDistribution.Wortart der primitivsten Konstituente: Nomen. Konstituenten mitderselben Distribution wie Nomen heissen Nominalphrase.

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  • Konstituentenklassifikation

    {empfindlich, ausserordentlich schlau, seiner Frau treu} habendieselbe Distribution.Wortart der primitivsten Konstituente: Adjektiv.Konstituenten mit derselben Distribution wie Adjektiveheissen Adjektivphrase.

    {telefonieren, gehen ins Schwimmbad, erfreuen mich} habendieselbe Distribution.Wortart der primitivsten Konstituente: Verb. Konstituentenmit derselben Distribution wie Verben heissen Verbalphrase.

    {zur Miete, in Berlin, auf dem Dachboden der Villa} habendieselbe Distribution.Allen komplexen Konstituenten ist gemein, dass sie einePräposition erfordern. Wir sprechen deswegen vonPräpositionalphrase.

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  • Strukturanalyse

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    spielen auf der Wiesetelefonierensind unerträglich...

    12 / 93

  • Strukturanalyse

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    spielen auf der Wiesetelefonierensind unerträglich...

    Kopf der NP ist ‘Kinder’Der Kopf projiziert [frechen Kinder] und [die frechen Kinder].‘die frechen Kinder’ ist die maximale Projektion. Der Kopf der NPist im Deutschen rechts (vgl. frz. les enfants insolents).

    13 / 93

  • Strukturanalyse

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    V

    spielen

    PP

    P

    auf

    NP

    Det

    der

    N

    Wiese

    Kopf der PP ist links (aber vgl. ‘den Fluss entlang, der Kinderwegen, Maria zugunsten’)

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  • Phrasenstrukturgrammatik

    Baum stellt Dominanzbeziehungen dar:Dominanz: Ein Knoten X dominiert einen Knoten Y genau dann,wenn X auf dem von Y ausgehenden Weg zur Wurzel des Baumesgeht.

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    V

    spielen

    PP

    P

    auf

    NP

    Det

    der

    N

    Wiese

    15 / 93

  • Phrasenstrukturgrammatik

    Unmittelbare Dominanz: Ein Knoten X dominiert einen Knoten Yunmittelbar, wenn X der nächste Knoten ist, der Y dominiert.

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    V

    spielen

    PP

    P

    auf

    NP

    Det

    der

    N

    Wiese

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  • Phrasenstrukturgrammatik

    S

    NP

    Det

    Die

    N

    A

    frechen

    N

    Kinder

    VP

    V

    spielen

    PP

    P

    auf

    NP

    Det

    der

    N

    Wiese

    S Ñ NP+VP NÑKinder VÑspielenVP Ñ V+PP DetÑdie NÑWiesePP Ñ P+NP AÑfrechenNP Ñ Det+N PÑaufN Ñ A+N DetÑder

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  • Phrasenstrukturgrammatik

    S (S Ñ NP+VP)NP VP (NP Ñ Det+N)

    Det N VP (VP Ñ V+PP)Det N V PP (PP Ñ P+NP)

    Det N V P NP (NP Ñ Det+N)Det N V P Det N (Det Ñ Die)Die N V P Det N (NÑ Kinder)

    Die Kinder V P Det N (VÑ spielen)Die Kinder spielen P Det N (PÑ auf)

    Die Kinder spielen auf Det N (DetÑ der)Die Kinder spielen auf der N (NÑ Wiese)

    Die Kinder spielen auf der Wiese

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  • Rekursion

    NP Ñ NP + Konj + NPRekursiv wird eine Struktur genannt, in der ein Symbol X eingleichartiges Symbol X dominiert.

    NP

    NP

    NP

    Der Porschefahrer

    Konj

    und

    NP

    sein Beifahrer

    Konj

    oder

    NP

    NP

    der Opelfahrer

    Konj

    und

    NP

    seine Gattin

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  • Valenz / Rektion

    Eigenschaft eines Wortes, andere Wörter an sich zu binden,Ergänzungen zu fordern bzw. Leerstellen zu eröffnen und dieBesetzung dieser Leerstellen zu regeln. (Wikipedia)

    Besonders deutlich wird das am Verb

    schlafen (intransitiv, einwertig) fordert ein Subjekt

    reparieren (transitiv, zweiwertig) fordert Subjekt und Objekt

    schenken (ditransitiv, dreiwertig) fordert Subj., direktes Obj.und indirektes Obj.

    schneien (nullwerig), Subjektstelle wird durch expletives “es”(auch Pseudoaktant) besetzt

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  • Valenz / Rektion

    Ergänzung (Komplement) vs. Angabe (Adjunkt)

    Der sprachliche Ausdruck, der den Valenzträger ergänzt, ihnsättigt, von ihm regiert und bestimmt wird, wird auch Ergänzung(oder Komplement) genannt, die von der bloßen zusätzlichenAngabe unterschieden wird.

    Der Makler schenkt der Mieterin das Haus*Der Makler schenkt der Mieterin.*Der Makler schenkt das Haus.

    Ñ Akkusativ– und Dativobjekt sind Komplemente

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  • Valenz / Rektion

    Ergänzung (Komplement) vs. Angabe (Adjunkt)

    Der Mechaniker repariert der Mieterin das Fahrrad.*Der Mechaniker repariert der Mieterin.Der Mechaniker repariert das Fahrrad.

    Ñ Akkusativobjekt ist Komplement, Dativobjekt ist Angabe (freierDativ).

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  • Valenz / Rektion

    Auch Präpositionen, bestimmte Nomen und Adjektive fordernErgänzungen bzw. eröffnen Leerstellen:

    Nomen:?Peter ist Neffe (Bruder, Onkel...). – Peter ist Herberts Neffe.?Peter ist Fahrer. – Peter ist Fahrer des roten Fiats /Porschefahrer (Rektionskompositum!).

    Adjektive:Peter ist treu. – Peter ist seiner Freundin treu. (fakultativeErgänzung)*Peter ist ähnlich. – Peter ist seinem Vater ähnlich.(obligatorische Ergänzung)des Wartens müde, des Deutschen mächtig, interessiert an X,

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  • Qualitative Valenz: Kasus und thematische Rollen

    Kasus:

    Neben dem Nominativsubjekt verlangt...reparieren ein Akkusativobjektgefallen ein Dativobjektgedenken ein Genitivobjekt

    (2) a. *Der Bauer gefällt den Traktor.b. *Der Traktor repariert dem Bauern.c. *Der Bauer repariert des alten Traktors.d. *Des Bauern gefällt dem alten Traktor.

    Fazit: Nicht nur die Anzahl der Leerstellen muss gefüllt werden,auch der Kasus muss stimmen!

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  • Qualitative Valenz: Kasus und thematische Rollen

    Thematische Rollen

    (3) a. ???Der Traktor repariert den Bauern.b. ???Der Traktor gedenkt des Bauern.c. ???Der Bauer gefällt dem Traktor.

    Hier stimmt der Kasus jeweils: reparieren mit Akkusativ, gedenkenmit Genitiv, gefallen mit Dativ

    Trotzdem sind die Sätze schlecht

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  • Qualitative Valenz: Kasus und thematische Rollen

    (4) a. ???Der Traktor repariert den Bauern.b. ???Der Traktor gedenkt des Bauern.c. ???Der Bauer gefällt dem Traktor.

    Das Verb regiert nicht nur die Anzahl und die Kasus derArgumente, sondern auch semantische Eigenschaften:

    Das Objekt von reparieren sollte etwas Reparierbares(künstlicher Gegenstand) sein, das Subjekt sollte in der Lagesein, etwas zu reparieren.

    Subjekt von gedenken muss etwas sein, dem man mentaleZustände zuschreiben kann.

    Objekt von gefallen muss etwas sein, das zu ästhetischenUrteilen in der Lage ist.

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  • Überblick thematische Rollen Agens: Verursacher, Handelnder

    Der Junge ärgert die alte Dame Patiens/ Thema: von Handlung betroffener, von Orts- oder

    Zustandswechsel betroffener Valentine isst ein Brot Experiencer: Belebter Experiencer ist sich etw. bewusst,

    empfindet etwas. Mir ist kalt; das beunruhigt mich. Rezipient: i.d.R. belebter Empfänger

    Axel hat viel Geld beim Lotto gewonnen Quelle:

    Die Milch kommt aus dem Allgäu. Ziel:

    Nach langer Fahrt erreicht er die Küste. Instrument:

    Der Wecker hat mich um 8 Uhr geweckt. Possessor: P. besitzt etwas, ihm ist etwas zugehörig

    Dieser Text enthält fiele Vehler.

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  • Topologische Felder

    Vorfeld: vor der linken SatzklammerNachfeld: nach der rechten SatzklammerMittelfeld: zwischen linker und rechter Satzklammer

    Vorfeld LSK Mittelfeld RSK Nachfeld

    Frau Schulz will im Sommer nach Florenz reisen –Im Sommer will Frau Schulz nach Florenz reisen –

    Reisen will Frau S. im Sommer nach F. – –Nach F. reisen will Frau S. im Sommer – –

    LSK: finites Verb; RSK: nicht-finiter Teil des Verbalkomplexes

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  • Drach’sche Regeln

    Drachs Idee: möglichst viele Typen der deutschen Satzkonstruktionkönnen auf nur wenige strukturelle Beziehungen zurückgeführtwerden, nämlich auf die Topikalisierung als Beziehung zwischenVorfeld und Mittelfeld und auf die sog. Finitumvoranstellung alsBeziehung zwischen den Satzklammern.

    (5) a. Verb-ErststellungLernt Maria Spanisch?

    b. Verb-ZweitstellungMaria lernt Spanisch.

    c. Verb-EndstellungHans fragt, ob Maria Spanisch lernt.

    Annahme: Verbletztstellung liegt allen Strukturen zugrunde

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  • Drach’sche Regeln

    Ableitung nach Drach (1937, vgl. auch Thiersch 1978):

    Zugrundeliegend:Maria Spanisch lernt.

    1. Schritt: Finitumvoranstellung (in die LSK):Lernt Maria Spanisch. (für Entscheidungsfragen, Imperative)

    2. Schritt: Topikalisierung (Voranstellung einer Konstituenteins Vorfeld):Maria lernt Spanisch oder Spanisch lernt Maria(für selbständige Sätze)

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  • Gegenstand der Semantik

    Wörtliche Bedeutung Ñ Voraussetzung für Erkennen desverborgenen Sinns bei Ironie und Implikaturen, von Metaphern undSprechereinstellungen.

    Was sprachliche Ausdrücke wörtlich bedeuten, muss nichtaufregend sein. Aber:

    Sprachwissenschaftler sind an der Erklärung des Phänomensdes Sprachverstehens interessiert.

    Wie funktioniert Erfassen der wörtlichen Bedeutung?

    Was ist das, was da erfasst wird?

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  • Zähltest

    Die Zeichenfolge “Tier” kann sich auf verschiedene Dinge beziehen:

    (6) Tier

    a. Hundb. Katzec. Maus

    Handelt es sich hier um Ambiguität??Beobachtung: Man kann sagen, dass in (6) von 3 Tieren die Redeist, d.h. man kann zählen.

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  • Zähltest

    Die Zeichenfolge “Schloss” kann sich auf verschiedene Dingebeziehen:

    (7) a. Palastartiges Gebäudeb. Schliessvorrichtung

    Beobachtung: Man kann nicht sagen, dass in (7) von 2 Schlösserndie Rede ist.Zähltest negativ Ñ Ambiguität!

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  • Koordinationstest

    Sind ‘klagen’ (i.S. von Schmerz äussern) und ‘klagen’ (Anspruchvor Gericht geltend machen) ein und dasselbe Wort? Andersgefragt: Ist ‘klagen’ ambig?

    (8) a. Peter klagt über die Schmerzen in seiner Hand.b. Rita klagt auf Mietminderungc. ?Peter und Rita klagen

    (8-c) kann nicht im Sinne einer Koordination von (8-a) und (8-b)verstanden werdenÑ entsprechend ist die Zeichenfolge ‘klagen’ ambig (2Bedeutungen)

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  • Homonymie vs. Polysemie

    Mehrdeutigkeiten

    zufällige Mehrdeutigkeiten: Homonyme (Homophone undHomographen) (KieferBaum versus KieferKnochen)

    systematische Mehrdeutigkeiten: Polyseme

    (9) Beispiele für Polysemie

    a. Schule (Gebäude, Institution, Unterricht)b. Zeitung (Gebäude, Institution, Druckerzeugnis)

    Bedeutungsvarianten polysemer Ausdrücke sind verwandt undlassen sich auf eine abstrakte Grundbedeutung zurückführen.

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  • Synonymie

    Gehweg – Gehsteig – Bürgersteig – Trottoir

    (10) Zwei Ausdücke A und B sind synonym, falls man in jedemkomplexen Ausdruck C, in dem A vorkommt, A durch Bersetzen kann und umgekehrt, ohne dass sich dieBedeutung von C ändert.

    Echte Synonymie ist Luxus und daher selten.

    (11) Lexikalische Blockierung bei Synonymie

    a. *Stehler / Diebb. *Kocher (als Nomen agentis) / Koch

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  • Inkompatibilität / Heteronymität

    Zwei Ausdrücke A und B sind inkompatibel / heteronym, fallsnichts gleichzeitig unter die durch A und B benannten Begriffefallen kann.

    (12) a. blau – gelb – grün – rotb. Montag, Dienstag, Mittwoch...c. Rose, Nelke, Tulpe...

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  • Komplementarität

    Besondere Form der Inkompatibilität:

    Alle Dinge, die sich mit komplementären Ausdrücken bezeichnenlassen, fallen entweder in den einen oder in den anderen Ausdruck.Wird der eine Ausdruck negiert, trifft sein komplementäresGegenstück zu.

    (13) a. tot – lebendigb. verheiratet – unverheiratetc. mündig – unmündig

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  • Antonymie

    Gegensatzpaare. Komplementäre Ausdrücke sind antonym. Auchinkompatible Ausdrücke können Antonyme bilden, wenn sie dieEndpunkte einer Skala sind

    (14) a. tot – lebendigb. heiss – kaltc. oben – untend. alt – neue. alt – jung

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  • Vertikale Sinnrelationen

    Hyponyme (Unterbegriff) und Hyperonyme (Oberbegriffe)Strukturierung von Wortfeldern / Ziel: Organisation des Lexikons

    Pflanze

    Baum

    Laubb.

    Eiche Buche

    Nadelb.

    Lärche Fichte

    Blume

    Rose Tulpe Iris

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  • Vertikale Sinnrelationen

    Implikation durch Hyperonymie

    (15) Peter hat Buchen gekauft Ñ

    a. Peter hat Laubbäume gekauft.b. Peter hat Bäume gekauft.c. Peter hat Pflanzen gekauft.

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  • Vertikale Sinnrelationen

    MeronymieTeil – Ganzes – Beziehung

    (16) a. Kopf – Naseb. Auto –Reifenc. ...

    Keine Implikationsbeziehung!

    (17) Peter kauft einen Reifen Û

    a. Peter kauft ein Auto

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  • Merkmale

    Idee aus der Phonologie: Jeder Laut kann als Merkmalsbündelexakt beschrieben werden.

    {+kons, -sonorant, -kontinuierlich, +labial, +stimmhaft} = [b]

    Anwendung auf Semantik

    Jeder Ausdruck kann als Bündel semantischer Merkmalecharakterisiert werden.

    {+menschlich, +erwachsen, +männlich, +unverheiratet}= Junggeselle

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  • Merkmalssemantik

    (18) Lexikalische Dekomposition in Merkmale.

    a. Kohyponyme bilden eine natürliche Klasse (definiertdurch gemeinsame Merkmale)

    b. Je höher das Hyperonym, desto weniger Merkmale

    (19) Probleme:

    a. Keine befriedigende Analyse aller Ausdrücke mithilfevon Merkmalen

    b. unklar, wieviele Merkmale angenommen werdenmüssen

    c. keine unabhängige Evidenz für Merkmale

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  • Verbbedeutung

    Offenbar unterscheiden sich Verben systematisch hinsichtlich destemporalen Aufbaus der Sachverhalte, die sie beschreiben.

    (20) Atelische Verben (durative Verben ohneZustandsveränderung)

    a. lachen, schlafen, sitzen.... (Activity-Verben)b. heissen, wissen,... (State-Verben)

    (21) Telische Verben (Zustandsveränderung)

    a. Achievementankommen, erwachen, ausschalten... (punktuell)

    b. Accomplishmentsinken, besteigen,... (durativ)

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  • Verbbedeutung

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  • Bedeutungstheorien

    Im Alltag gibt es mindestens 3 Strategien, Bedeutung zu erfassen

    Wir zeigen auf Gegenstände – Referenz

    (22) A: Was meinst Du mit xyz?B: (zeigt auf Referenzobjekt)

    Wir umschreiben, formulieren Paraphrasen

    (23) Mit xyz meine ich abc.

    Wir nennen Gebrauchsbedingungen für Zeichen

    (24) Xyz sagt man, wenn man...

    Auch die Semantik bedient sich dieser Strategien, um Bedeutungzu erfassen.

    47 / 93

  • Bedeutungstheorien

    Wir zeigen auf Gegenstände – Referenz

    (25) A: Was meinst Du mit xyz?B: (zeigt auf Referenzobjekt)

    Die Bedeutung eines Ausdrucks ist erfasst, wenn man seineReferenten nennen kann: Referent ist dabei sehr allgemein zufassen: Gegenstände, Personen, Sachverhalte...

    Extension eines Ausdrucks

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  • Bedeutungstheorien

    Wahrheitsfunktionale SemantikDie Bedeutung eines Ausdrucks ist erfasst, wenn ich für ihnangeben kann, was der Fall sein muss, damit er wahr ist.

    Dazu bedient man sich häufig des Paraphrasierens.

    Wir umschreiben, formulieren Paraphrasen

    (26) Mit xyz meine ich abc.

    Intension eines Ausdrucks

    49 / 93

  • Bedeutungstheorien

    Gebrauchsbedingungen – PragmatikDie Bedeutung (im weiteren Sinne) eines Ausdrucks ist erfasst,wenn klar ist, unter welchen Umständen er genutzt werden kann.

    Wir nennen Gebrauchsbedingungen für Zeichen

    (27) Xyz sagt man, wenn man...

    Wir werden darauf zurückkommen

    50 / 93

  • Zwei Komponenten der Bedeutung

    (28) a. Sachbezug, Verweis auf ReferenzobjekteSprache wird verwendet, um über Dinge, Personen,Ereignisse zu sprechen.

    Ñ Extension

    b. InformationSprache wird verwendet, um Informationenauszutauschen, begriffliche Inhalte zu vermitteln.

    Ñ Intension

    51 / 93

  • Zwei Komponenten der Bedeutung

    Intension und Extension

    Gedanke

    Intension

    Zeichenträger

    SymbolReferenzobjekt

    Extension

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  • Intensionen und Extensionen

    Erinnerung: Die Bedeutung eines Ausdrucks ist erfasst, wennermittelt ist, auf welche Gegenstände, Personen, Sachverhalte sichder Ausdruck bezieht.

    (29) Problemfälle:

    a. Die aktuelle Bundeskanzlerin ist die aktuelleParteivorsitzende der CDU.

    b. Der Morgenstern ist der Abendstern.

    53 / 93

  • Intensionen und Extensionen

    Extension von Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzende (imJahr 2010)

    {AngelaMerkel}

    Bundeskanzlerin CDU-Parteivorsitzende

    Extension von Abendstern und Morgenstern

    {Venus}

    Morgenstern Abendstern

    54 / 93

  • Intensionen und Extensionen

    (30) Extension = Menge der Dinge auf die man mit einemsprachlichen Ausdruck Bezug nehmen kann.

    (31) Intension = Begrifflicher Inhalt des sprachlichenAusdrucks; deskriptive Bedeutung, die nicht direkt an dieDinge in der Welt gebunden sind.

    Dass Morgenstern und Abendstern zwar dieselbe Extensionhaben, aber nicht bedeutungsgleich sind, wird deutlich, wennman sich vergegenwärtigt, dass man lange nicht wusste, dassbeide Ausdrücke denselben Planeten bezeichnen.

    55 / 93

  • Extensionen

    (32) Extension von x = Menge der Dinge auf die man mit xBezug nehmen kann.

    (33) a. Frankfurt am Main (Eigenname)b. Der Präsident der USA (Kennzeichnung)c. Tisch (Generischer Ausdruck)

    Extension des Eigennamens (33-a) – Die Stadt Frankfurt a.M.

    Extension der Kennzeichnung (33-b) – B. Obama (Stand:2010)

    Extension des Ausdrucks (33-c) – Menge aller Tische

    56 / 93

  • Extensionen

    Extensionen von Ausdrücken werden in der formalen Semantik alsMengen beschrieben. Ein paar Beispiele

    (34) a. südeuropäische Hauptstadt – {Rom, Athen, Lissabon,Madrid}

    b. deutsche Millionenstadt – {Hamburg, Berlin,München} oder auch{Stadtstaat an der Elbe, Berlin, bayerischeBewerberstadt für Olympia 2018}

    c. schweizerische Nordseeinsel – { }d. Stern – {8, H, ], :, L, .... }

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  • Kennzeichnung

    Ausdruck der Form “der, die, das X”. Definiter Ausdruck.Semantisch gilt für Kennzeichnungen folgendes:

    (35) Einzigkeitsbedingung: Es gibt genau ein X.Konjunktion aus:

    a. Existenz: Es gibt mindesten ein X.b. Eindeutigkeit: Es gibt höchstens ein X.

    http://de.wikipedia.org/wiki/KennzeichnungExtensionen von Kennzeichnungen haben genau ein Element inihrer Menge.

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  • Extension von nicht-nominalen Ausdrücken

    Der Gemeinname (generische Ausdruck) Stadt bezieht sich auf alleStädte

    Extension von intransitiven Verben

    Der Ausdruck schlafen bezieht sich auf alle Individuen, für die gilt,dass sie schlafen. Die Extension von schlafen ist identisch mit derExtension des Ausdrucks Schläfer oder Schlafender.

    Extension von Adjektiven

    Der Ausdruck lila bezieht sich auf alle Dinge, die die Eigenschafthaben, lila zu sein.

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  • Extension von nicht-nominalen Ausdrücken

    Extension von transitiven Verben:

    Küssen bezieht sich jeweils auf 2 Personen – die Extension istentsprechend komplexer:

    Die Extension von “küssen” ist als Menge von Paaren vonIndividuen (x, y) definiert, für die gilt, dass x y küsst.

    Da sich unübersichtlich viele Paare von Individuen küssen, ist esnicht leicht, die Extension vollständig zu erfassen. Um diesProblem zu lösen konstruieren Semantiker einfache Modellwelten.

    ñ Modelltheoretische Semantik

    60 / 93

  • Extension transitiver Verben

    Modell einer möglichen Welt w:

    In Welt w leben die Frauen Clara, Maria und Lena und die MännerFritz, Heiner und Udo und sonst niemand.

    In dieser Welt ist ausserdem folgendes der Fall:Fritz und Maria küssen sich, Lena küsst Udo und Udo küsst sichselbst. Clara, Udo und Heiner lachen. Ansonsten passiert nichts.

    Wir können folgende Extensionen angeben:

    Extension von Frau in w= {Clara, Maria, Lena} Extension von Mann in w= {Udo, Heiner, Fritz} Extension von lachen in w= {Clara, Heiner, Udo} Extension von küssen in w= {(Fritz, Maria), (Maria, Fritz),

    (Lena, Udo), (Udo, Udo)}

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  • Extension ditransitiver Verben

    Extension von ‘schenken’ ist noch komplexer:

    Hier lassen sich Mengen von Tripeln als Extension annehmen.

    d.h. Menge aller Tripel (x,y,z) für die gilt, dass x (Schenker) dem y(Beschenkter) ein z (Geschenk) schenkt.

    Theoretisch sind auch noch komplexere Extensiontypen vorstellbar(Menge von Quadrupeln, Quintupeln...Oberbegriff: n-Tupel)

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  • Parallelismus Extensionstyp und Verbvalenz

    Verbvalenz – Extensionstyp

    intransitive Verben – Menge von Individuen bzw. 1-Tupeln

    transitive Verben – Menge von Paaren bzw. 2-Tupeln

    ditransitive Verben – Menge von Tripeln bzw. 3-Tupeln

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  • Kompositionalität

    Syntax: VP

    N

    Rita

    V

    schläft

    Semantik: vVPwS

    vNwS vVwS

    = v V wS (v N wS)

    = v schläft wS (v Rita wS)

    Diese Funktion ergibt 1 (wahr) genau dann,wenn Rita P {x: x schläft in s}

    Diese Funktion ergibt 0 (falsch) genau dann,wenn Rita R {x: x schläft in s}

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  • Kompositionalität

    Komplexere Sätze: transitive Verben

    S

    N

    Knut

    VP

    V

    trinkt

    N

    Bier

    vtrinktwS = { (x,y): x trinkt y in s } (Extensionstyp: 2-Tupel)

    inneres Argument: vtrinktwS (vBierwS)={x: x trinkt Bier in s}(Extensionstyp: 1-Tupel)

    äusseres Argument: vtrinkt BierwS (vKnutwS)(Extensionstyp: 0-Tupel, der Argumentrahmen ist saturiert)

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  • Kompositionalität

    Komplexere Sätze: transitive Verben

    vtrinkt BierwS (vKnutwS)(Extensionstyp: 0-Tupel, der Argumentrahmen ist saturiert)

    Extension: alle 0-Tupel, so dass gilt: Knut trinkt ein Bier

    { ( ): Knut trinkt ein Bier }

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  • 0-Tupel????

    Prädikat Wertigkeit Extension

    trinkt 2 alle Paare (x,y), so dass gilt:x trinkt y

    trinkt Bier 1 alle Individuen x, so dass giltx trinkt Bier

    Knut trinkt Bier 0 alle 0-Tupel (), so dass giltKnut trinkt Bier

    alle Sätze mit saturierter Argumentstruktur sind 0-Tupel –aber die Bedeutung von Sätzen unterscheidet sich

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  • Satzbedeutung

    Mit der Intension kommen wir der Bedeutung näher:Die Intension eines Satzes zeigt an wie der Wahrheitswert desSatzes in Abhängigkeit von möglichen Welten (den Fakten) variiert.

    (36) Knut trinkt Bier.

    (36) ist wahr in allen Welten / Situationen s in denen Knut Biertrinkt.

    Entsprechend ist die Bedeutung eines Satzes x die Menge allerSituationen s, die x wahr machen. Diese Menge ist dieProposition des Satzes.

    Formale Notation:

    vKnut trinkt Bierw = { s : Knut trinkt Bier in s }

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  • Intensionen

    Die Intension eines Satzes zeigt an wie der Wahrheitswert desSatzes in Abhängigkeit von möglichen Welten (den Fakten)variiert.

    Die Intension einer Kennzeichnung zeigt an, wie derSachbezug des Ausdruckes in Abhängigkeit von möglichenWelten variiert.

    Der Intension eines Eigennamens entspricht eine konstanteFunktion. Wer einen Namen trägt ist nicht faktenabhängig.

    Die Intension eines Gattungsnamens zeigt an, auf welcheMenge von Individuuen in Abhängigkeit von möglichen Welten/ der Fakten es sich bezieht. Ähnlich funktionieren einstelligeVerben.

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  • Kompositionalität

    Nochmal Wittgenstein

    Einen Satz verstehen heisst, wissen, was der Fall ist, wenn er wahrist.

    vtrinkt BierwS (vKnutwS) = 1 (wahr)genau dann wenn Knut P { x: x trinkt Bier in s}

    vtrinkt BierwS (vKnutwS) = 0 (falsch)genau dann wenn Knut R { x: x trinkt Bier in s}

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  • Junktoren

    Konjunktion

    (37) [ Rita schläft ]A und [ Knut trinkt Bier ]B

    welche Bedeutung hat und, bzw. was ist sein Beitrag zurBedeutung des gesamten Ausdrucks?

    (37) ist wahr genau dann, wenn beide Konjunkte wahr sind,ansonsten ist er falsch!

    A B A und B

    1 1 11 0 00 1 00 0 0

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  • Junktoren

    inklusive Disjunktion (lateinisch vel)

    (38) [ Rita schläft ]A oder [ Knut trinkt Bier ]B

    welche Bedeutung hat oder, bzw. was ist sein Beitrag zurBedeutung des gesamten Ausdrucks?

    (38) ist wahr genau dann, wenn mindestens eines der Konjunktewahr ist, ansonsten ist er falsch!

    A B A oder B

    1 1 11 0 10 1 10 0 0

    Achtung: es handelt sich hier nicht um das ausschliessende oderwie in: Sein oder Nichtsein

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  • Junktoren

    Negation

    (39) Rita schläft nicht.

    A nicht A

    1 00 1

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  • Übungen

    (40) A, B und C sollen beliebige einfache Sätze sein. BerechnenSie mithilfe der Junktoren und den entsprechendenWahrheitstafeln die Wahrheitswerte folgender KomplexerSätze in Abhängigkeit der einfachen Sätze. oder in diesenSätzen ist immer die inklusive Disjunktion!

    a. A und B und Cb. A oder Bc. (A und B) oder Cd. A oder (nicht B)e. A oder (B und (nicht C))

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  • Verhalten

    -intentionalschlafenniesen

    +intensional

    Handeln

    -partnerorientiertangeln

    abwaschen

    +partnerorientiert

    Interaktion

    -symbolischeinander

    auf der Strasseausweichen

    +symbolisch

    Kommunikation

    -verbalnicken, den Vogel zeigen

    +verbaldiskutieren

    nach Linke, Nussbaumer, Portmann (1996). Studienbuch Linguistik, Tübingen:

    Niemeyer75 / 93

  • Pragmatik

    Sätze werden von Personen mit Überzeugungen, Wünschenund Absichten in konkreten Situationen geäussert.

    Sätze sind an Personen mit Überzeugungen, Wünschen undAbsichten in konkreten Situationen gerichtet.

    Sätze stehen im Zusammenhang mit vorangehenden und nochfolgenden Äusserungen.

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  • Pragmatik

    Pragmatik beschäftigt sich mit

    a. den kontextabhängigen Aspekten der Bedeutung /Interpretation (i.Ggs. zur wörtlichen Bedeutung)

    b. den kommunikativen Funktionen, die sprachliche Äusserungenhaben.

    c. strukturellen Aspekten von Texten und Gesprächen.

    linguistische Pragmatik � Theorie der Sprachhandlung inkonkreten Situationen

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  • Deixis

    Ein sprachlicher Ausdruck, dessen Referenz durch Aspekte derÄusserungssituation bestimmt wird.

    (41) Lokaldeixis / Temporaldeixis

    a. Hier rauchen die Köpfe.b. Rechts von mir ist die Leinwand.c. Übernächste Woche ist Weihnachten.

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  • Anapher

    typischerweise handelt es sich bei Anaphern um Pronomina

    (42) Antezedens und Anapher

    a. Hier stand der Palast der Republikb. Er soll durch einen Neubau ersetzt werden.

    (43) Antezedens und Katapher

    a. Auch wenn ihm Vergewaltigung vorgeworfen wird,halten manche den Wikileaksgründer Assange füreinen Helden.

    Referenz von Anaphern und Kataphern abhängig vomlinguistischen Kontext.

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  • Sprechakte

    (44) a. Ich taufe dieses Segelboot auf den Namen Mausi.b. Ich verspreche, die Vorlesungsfolien pünktlich

    hochzuladen.c. Ich entschuldige mich für die Verspätung.d. Ich fordere Sie auf, Ruhe zu bewahren.e. Ich beende hiermit meine Vorlesung.f. Ich begrüsse die zugestiegenen Fahrgäste auf der

    Fahrt von Stuttgart nach Ulm.

    In bestimmten Situationen werden mit den Äusserungen (44)Handlungen vollzogen. Es handelt sich um performativeÄusserungen. Diese Äusserungen unterscheiden sich offenbar vonkonstativen Äusserungen, mit denen man etwas sagt, ohne damitexplizit etwas zu tun.

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  • Sprechakte

    Es gelten Bedingungen für das Gelingen der Handlung, die durchden performativen Sprechakt vollzogen wird!Weitere sprachliche Unglücksfälle:

    (45) a. Ich taufe Dich, aber den Namen verrate ich nicht.(Fehlanwendung)

    b. Ich, Gerrit Kentner, entschuldige mich hiermit für dieFinanzkrise.(Fehlberufung)

    c. Ich verspreche, die Vorlesungsfolien immer eineWoche im Voraus hochzuladen.(Missbrauch wegen Unaufrichtigkeit (geplanter Bruchdes Versprechens))

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  • Sprechakte

    Eine Typologie sprachlicher Unglücksfälle

    sprachl. Unglücksfälle

    FehlschlagHandlung kommt nicht zustande

    Fehlberufung Fehlanwendung

    MissbrauchHandlung kommt zustande,

    ist aber wertlos

    Unaufrichtigkeit Bruch

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  • Sprechakte

    Sprechakte müssen situationsangemessen verwendet werden, damitsie glücken.Ein Beispiel: Für den Sprechakt des Bittens (A sagt zu B: “Ichbitte Dich, den Müll rauszubringen”) gelten folgende Bedingungen,damit er glückt:

    (46) a. A geht davon aus, dass der Müll noch nichtrausgebracht wurde.

    b. A geht davon aus, dass B in der Lage ist, den Müllrauszubringen.

    c. A will, dass der Müll rausgebracht wird.d. A geht davon aus, dass B grundsätzlich bereit ist,

    den Müll rauszubringen.

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  • Sprechakte

    Der wesentliche Unterschied zwischen performativen undkonstativen Äusserungen ist, dass nur in ersteren die Handlungexplizit genannt wird, die mit der Äusserung vollzogen wird. Inkonstativen Äusserungen ist die Handlung implizit.Verben, die in expliziten Performativen die Handlung bezeichnenheissen performative Verben:

    (47) Performative Verben

    a. taufen, versprechen, entschuldigen, bitten,behaupten...

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  • Sprechakte

    Sprache verwenden (sprechen, schreiben, gebärden) ist eine Formder Handlung.

    Was tut man, wenn man spricht / schreibt?

    (48) a. sich äussern. (Äusserungsakt)b. auf etwas Bezug nehmen. (Referenz)

    Eigenschaften zuschreiben. (Prädikation)(Ñ propositionaler Akt)

    c. einen Sprechakt vollziehen (Fragen, Auffordern,Behaupten...) (illokutionärer Akt)

    Ist die Unterscheidung dieser Handlungen notwendig? Mit einemSprechakt findet doch notwendigerweise ein propositionaler Aktund ein Äusserungsakt statt.

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  • Sprechakte

    (49) a. Äusserungsaktb. Propositionaler Aktc. Illokutionärer Aktd. Perlokutionärer Akt

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  • Präsuppositionen

    Präsupposition:

    Selbstverständliche Sinnvoraussetzung sprachlicher Ausdrücke.Wenn die Präsupposition falsch ist, kann der Wahrheitswert einesSatzes nicht bestimmt werden (und hat daher u.U. keinen Sinn)(Strawson).

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  • Präsuppositionen

    nach G. Frege und P.F. Strawson:

    Damit eine Feststellung als wahr oder falsch gelten kann, muss ihrePräsupposition wahr sein!

    Eine Feststellung A präsupponiert eine Feststellung B genau dann,wenn B die Voraussetzung für Wahrheit oder Falschheit von A ist.

    (50) A Der König von Frankreich ist glatzköpfig.B Es gibt einen aktuellen König von Frankreich.

    Die Wahrheit der Präsupposition ist kontextabhängig(Äusserungsdatum: 1650, 1770, 1950,...).

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  • Präsuppositionsauslöser

    (51) a. Eigennamen, Definite Kennzeichnungen (“Kepler”,“Der König von Frankreich”)

    b. Faktive Verbenc. Verben der Zustandsveränderungd. Iterationspartikelne. Fokuspartikelnf. ...

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  • Implikatur

    Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Präsupposition undImplikatur

    Ebenso wie die Präsupposition ist die Implikatur etwas nichtexplizit gesagtes, Mitverstandenes.Anders als die Präsupposition ist die Implikatur keine notwendigeVoraussetzung zur Beurteilungs des Wahrheitswertes einer Aussage.

    Präsupposition bleibt unter Negation stabil, Implikatur nicht.

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  • Arten von Implikaturen

    Gesamtbedeutung

    wörtlicheBedeutung

    Implikaturen

    konventionelle konversationelle

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  • Kooperationsprinzip und Koversationsmaximen

    H. Paul Grice (1913–1988)

    fasst Gespräch als kooperative Handlung auf.Teilnehmer folgen gewissen rationalen Prinzipien und Maximen,halten sich also an bestimmte Regeln.

    KooperationsprinzipOrientiere Dich in jedem Beitrag an den Zwecken deslaufenden Gesprächs, so weit sie von den Teilnehmern geteiltwerden.

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  • Kooperationsprinzip und Koversationsmaximen

    (52) Konversationsmaximen

    a. Maxime der Qualitätb. Maxime der Quantitätc. Maxime der Relationd. Maxime der Art und Weise

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    OrganisatorischesSyntaxKonstituentenPhrasenstrukturgrammatikValenz/RektionTopologisches Modell

    SemantikAmbiguitätenSinnrelationenBedeutungstheorienIntensionen und Extension

    PragmatikDeixis und AnapherAnapherSprechakttheoriePräsupposition und Implikatur