of 4 /4
MERKBLATT der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft November 2009 19 Energiewälder auf stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen schaffen enorme Zuwächse. Pro Jahr und Hektar wächst eine Holzmenge heran, deren Verbrennung etwa 5.000 Liter Heizöl einspart. Der Anbau lohnt sich besonders zur Hackschnitzelerzeugung für die eigene Heizanlage. Dieses Merkblatt zeigt, wie man Energiewälder anbaut und erntet. Was sind Energiewälder? Ein Energiewald ist nichts anderes als der in Mitteleuropa seit 2000 Jahren bekannte Niederwald zur Brennholzerzeugung mit dem Unterschied, dass in der Regel züchterisch bearbeitete Sorten der Balsampappel, Weide oder Aspe in kurzen Umtriebszeiten von 3 bis 10 Jahren angebaut werden. Nach dem Prinzip „einmal pflanzen, mehrmals ernten“ wird Holz über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren erzeugt. Welche Baumarten eignen sich zum Anbau in Energiewäldern? Geeignet sind alle Baumarten mit einem raschen Jugendwachstum und Wiederausschlagsfähigkeit aus dem Stock, wie z. B. Rot- und Grauerle, Robinie und insbesondere Balsampappel, Aspe und Weide. Die besten Wuchsleistungen zeigen unter mitteleuro- päischen Klimabedingungen verschiedene Sorten der Balsampappel. Kulturen aus Balsampappeln und Weiden können außerdem mit Stecklingen sehr kosten- günstig begründet werden. Wie pflanzt man einen Energiewald? Mit Stecklingen begründete Energiewälder reagieren im ersten Jahr sehr empfindlich gegenüber einer vita- len Begleitvegetation. Um Schäden an der Kultur zu vermeiden, sollte die zum Anbau vorgesehene Fläche im Herbst vor der Anlage mit einem Totalherbizid behandelt und im Frühjahr kurz vor der Begründung gepflügt und geeggt werden. Unmittelbar nach dem Abstecken wird ein in der Landwirtschaft gängiges Vorauflaufmittel ausgebracht. Diese Maßnahmen halten die Begleitvegetation ungefähr sechs Wochen zurück, die Stecklinge treiben ungehindert aus. Eine weitere Pflege ist in der Regel nicht nötig. Als Umtriebszeit werden fünf bis sieben Jahre mit Pflanzenzahlen von ca. 5.000 Stecklingen pro Hektar empfohlen. Der Abstand zwischen den Reihen sollte nicht über 2,0 m liegen, damit die gepflanzten Bäume im zweiten Jahr die Fläche bereits vollständig beschatten. Anbau von Energiewäldern Ein Bündel Pappelstecklinge > Stecklinge sind auf ca. 20 Zentimeter abgelängte einjährige Triebe. Diese werden im Winter geerntet und bis zum Abstecken des Energiewaldes im Kühlhaus gelagert. oben: Abstecken eines Energiewaldes im April unten: Austreibender Energiewald Anfang Juni

MERKBLATT 19 - Schnepf Pro Lignum · 2012. 2. 27. · MERKBLATT der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Nov emb r2 09 19 Impressum: HerausgeberundBezugsadresse:

  • Author
    others

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of MERKBLATT 19 - Schnepf Pro Lignum · 2012. 2. 27. · MERKBLATT der Bayerischen Landesanstalt für...

  • MERKBLATTder Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft November 2009

    19

    Impressum:Herausgeber und Bezugsadresse:Bayerische Landesanstalt für Wald undForstwirtschaft (LWF)Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1, 85354 FreisingTel.: +49-(0)8161-71-4881, Fax: +49-(0)8161-71-4971E-Mail: [email protected]: www.lwf.bayern.de

    Verantwortlich: Olaf Schmidt,Präsident der LWF

    Redaktion: Dr. Alexandra WauerBearbeiter: Frank Burger

    Wilfried SommerDr. Gunther Ohrner

    Bildnachweis: alle Bilder LWF

    Energiewälder auf stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen schaffen enorme Zuwächse. Pro Jahr und Hektar wächsteine Holzmenge heran, deren Verbrennung etwa 5.000 Liter Heizöl einspart. Der Anbau lohnt sich besonders zurHackschnitzelerzeugung für die eigene Heizanlage. Dieses Merkblatt zeigt, wie man Energiewälder anbaut und erntet.

    Layout: Petra WinkelmeierAuflage: 10.000 Stück

    Vervielfältigung undWeitergabe, auchin elektronischer Form, ist ausdrück-lich erwünscht, allerdings nur nachRücksprache mit dem Herausgeber.

    Was sind Energiewälder? Ein Energiewald ist nichts anderes als der in Mitteleuropa seit 2000 Jahren bekannteNiederwald zur Brennholzerzeugung mit dem Unterschied, dass in der Regel züchterisch bearbeitete Sorten derBalsampappel, Weide oder Aspe in kurzen Umtriebszeiten von 3 bis 10 Jahren angebaut werden. Nach demPrinzip „einmal pflanzen, mehrmals ernten“ wird Holz über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren erzeugt.

    Welche Baumarten eignen sichzum Anbau in Energiewäldern?Geeignet sind alle Baumarten mit einem raschenJugendwachstum und Wiederausschlagsfähigkeit ausdem Stock, wie z. B. Rot- und Grauerle, Robinie undinsbesondere Balsampappel, Aspe und Weide.Die besten Wuchsleistungen zeigen unter mitteleuro-päischen Klimabedingungen verschiedene Sorten derBalsampappel. Kulturen aus Balsampappeln undWeiden können außerdem mit Stecklingen sehr kosten-günstig begründet werden.

    Wie pflanzt man einen Energiewald?Mit Stecklingen begründete Energiewälder reagierenim ersten Jahr sehr empfindlich gegenüber einer vita-len Begleitvegetation. Um Schäden an der Kultur zuvermeiden, sollte die zum Anbau vorgesehene Flächeim Herbst vor der Anlage mit einem Totalherbizidbehandelt und im Frühjahr kurz vor der Begründunggepflügt und geeggt werden. Unmittelbar nach demAbstecken wird ein in der Landwirtschaft gängigesVorauflaufmittel ausgebracht. Diese Maßnahmenhalten die Begleitvegetation ungefähr sechs Wochenzurück, die Stecklinge treiben ungehindert aus. Eineweitere Pflege ist in der Regel nicht nötig.Als Umtriebszeit werden fünf bis sieben Jahre mitPflanzenzahlen von ca. 5.000 Stecklingen pro Hektarempfohlen. Der Abstand zwischen den Reihen solltenicht über 2,0 m liegen, damit die gepflanzten Bäumeim zweiten Jahr die Fläche bereits vollständigbeschatten.

    Anbau von Energiewäldern

    Die Tabelle zeigt, dass der Hauptkostenfaktor bei derAnlage eines Energiewaldes die Stecklingskostensind. In der Kalkulation wurde auf eine Zäununggegen Wildverbiss verzichtet, da dies bei einerBalsampappelkultur ab einer Größe von einem Hektarund angepasstem Rehwildbesatz nicht nötig ist.

    Welche ökologischen Auswirkungenhaben Energiewälder?

    Energiewälder sind im Vergleich zu landwirtschaft-lichen Flächen gekennzeichnet durch eine höhereArtenvielfalt in der Begleitvegetation. Die vegeta-tionskundlichen Aufnahmen auf den Energiewald-Versuchsflächen der Bayerischen Landesanstalt fürWald und Forstwirtschaft ergaben bis zu zehn malmehr Arten als auf den angrenzenden Äckern. Teil-weise wurden über 100 Arten in der Begleitvegetationgefunden.Auf einer Energiewald-Versuchsfläche wurde dasSickerwasser untersucht. Nach der Anpflanzung sankdie Nitratkonzentration darin deutlich. Im Gegensatzdazu überschritt der Nitratgehalt im Sickerwasser desbenachbarten Ackers zeitweise den EU-Grenzwertvon 50 ppm.

    Ein Bündel Pappelstecklinge

    > Stecklinge sind auf ca. 20 Zentimeter abgelängte einjährigeTriebe. Diese werden im Winter geerntet und bis zumAbstecken des Energiewaldes im Kühlhaus gelagert.

    oben: Abstecken eines Energiewaldes imAprilunten: Austreibender Energiewald Anfang Juni

    Kostenkalkulation der Anlage eines Energiewaldes(Die Angaben basieren auf den Vergütungssätzen des Kuratoriums BayerischerMaschinen- und Betriebshilfsringe e.V. sowie auf den Stecklingspreisen abBaumschule in Bayern im Jahr 2004.)

    Maßnahme Kosten pro Hektar (€)

    Totalherbizid Ausbringung 15,–Mittel 21,–

    Pflügen 80,–

    Kreiseleggen 41,–

    Vorauflaufmittel Ausbringung 15,–Mittel 52,–

    5.000 Stecklinge à 0,18 Euro 900,–

    Abstecken 200,–

    Summe: 1.324,– €

    Was kostet ein Energiewald?

    Sind Energiewälder Wald oderlandwirtschaftliche Nutzfläche?

    Der rechtliche Status von Energiewäldern ist bundes-weit noch nicht einheitlich geregelt. In Bayern bleibenEnergiewälder bis zu einer maximalen Umtriebszeitvon 10 Jahren rechtlich Ackerflächen. Auskünfteerteilen die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft undForsten.

  • c) Vollmechanisiertes Fällen, gebündeltes Ablegen – Rücken – Hacken mit Kranbeschickung

    Ausrüstung> Harvester mit Fäll-Bündel-Aggregat> Forwarder> Hacker mit Kran> landwirtschaftliche Anhänger oderLKW-Container (je nach Transport-entfernung)

    Arbeitsverfahren> der Fäller-Bündler kappt die Bäumeund legt sie als Bündel ab

    > Rücken an einen Hackplatz> Hacken mit kranbeschicktem Hacker

    Eignung> nur für größere Flächen> für Hackschnitzelheizungen aller Art

    Vorteile> keine ergonomisch belastendenTätigkeiten

    > gute Auslastung des Hackers möglich> die Bäume trocknen während derLagerung im Polter gut ab

    Nachteile> teure Maschinen auf dem Feld, alleArbeitsschritte müssen als Unterneh-merleistung zugekauft werden

    > hoher organisatorischer und logisti-scher Aufwand

    > hohe Umsetzkosten des Fäller-Bündlers

    > geringe Verfügbarkeit der TechnikFäller-Bündler

    Kosten von vierausgewählten Ernteverfahren

    Verfahren Alter der Erntebestände Kosten (frei Feld)Jahre €/Srm* €/t TM**

    a) Fällen-Hacken (handbeschickt) 5 14 92b) Fällen-Vorkonzentrieren-Hacken 5 9 60c) Fäller/Bündler-Rücken-Hacken 5 9 69d) Gehölzmähhäcksler 5 4 28

    Ausrüstung> Motorsäge, Schutzausrüstung,Schubstange

    > handbeschickter Anbauhacker> landwirtschaftliche Anhänger

    Arbeitsverfahren> ein Zwei-Mann-Trupp bringt dieStämme gerichtet zu Fall

    > gegenseitiges Abwechseln bei denTätigkeiten

    > Hacken der Bäume auf dem Feld

    Eignung> für kleinere Flächen bis 1 Hektar> für bäuerliche Hackschnitzelheizungen

    Vorteile> Eigenleistung möglich> Auslastung bereits auf dem Hof vor-handener Maschinen, die Wertschöp-fung bleibt im landwirtschaftlichenBetrieb

    Nachteile> schwere und gefährliche Arbeit insbe-sondere während des Hackvorgangs

    > geringe Produktivität> feuchte Hackschnitzel, die für Klein-anlagen noch trocknen müssen

    b) Motormanuelles Fällen – Vorkonzentrieren – kranbeschicktes Hacken

    a) Motormanuelles Fällen – handbeschicktes Hacken

    Ausrüstung> Motorsäge, Schutzausrüstung,Schubstange

    > geländegängiger Hacker mit Kran> landwirtschaftlicher Schlepper mitFrontlader

    > landwirtschaftliche Anhänger

    Arbeitsverfahren> ein Zwei-Mann-Trupp bringt dieStämme gerichtet zu Fall

    > gegenseitiges Abwechseln bei denTätigkeiten

    > die gefällten Bäume werden miteinem Schlepper mit Frontlader inSchlauen vorkonzentriert

    > Hacken der Schlauen mit kranbe-schicktem Hacker

    Eignung> für Flächengrößen bis 5 Hektar> für bäuerliche Hackschnitzelheizun-gen oder Heizwerke

    Vorteile> motormanuelle Ernte kann selbstausgeführt werden

    > Landwirt erzielt dadurch Arbeits-einkommen

    > teurer Hacker wird besser ausgelastet

    Nachteile> teure Maschinen auf dem Feld> Hacken muss als Unternehmer-leistung zugekauft werden

    > feuchte Hackschnitzel, die für Klein-anlagen noch trocknen müssen

    d) Gehölzmähhäcksler

    Wie erntet man einen Energiewald?Energiewälder werden im Winter geerntet, um dieWiederausschlagsfähigkeit nicht zu gefährden. DieBäume werden nur gefällt, ein Entasten ist nicht not-wendig.Bei der Erntetechnik unterscheidet man zwischenmotormanuellen und hochmechanisierten Verfahren.Von den dargestellten Verfahren ist der vollautoma-tische Gehölzmähhäcksler mit Erntekosten von etwa4 Euro pro Schüttraummeter Hackschnitzel die kosten-günstigste Variante. Am oberen Ende der Kostenspanneliegt die motormanuelle Variante „Fällen – Hacken(handbeschickt)“. Allerdings erlauben es die aufge-listeten motormanuellen Verfahren meist, mit den aufdem Hof vorhandenen Maschinen zu arbeiten. Dieermittelten Kosten kommen so größtenteils als „Ein-kommen“ dem Landwirt zugute.

    (Zur Kostenermittlung wurden orientierendeArbeitsstudien durchgeführt. Die Kalkulationbasiert auf Vergütungssätzen des KuratoriumsBayerischer Maschinen- und Betriebshilfs-ringe e.V. aus dem Jahr 2004 sowie aufUnternehmerpreisen des Jahres 2004.)

    Welche Wuchsleistungen erzielenEnergiewälder?

    Energiewälder können über einen Zeitraum von 30 Jah-ren Holz erzeugen. Auf den bayerischen Versuchs-flächen erzielten verschiedene Sorten der Balsampappeldie besten Wuchsleistungen mit 10 bis 12 Tonnen Zu-wachs absolut trockener Biomasse pro Jahr und Hektar.Das entspricht einem Holzvolumen von über 30 Ernte-festmetern! Die Werte der Aspe liegen etwas unter derBalsampappel. Die Roterle erreicht einen Zuwachs vonmaximal 6 Tonnen absolut trockene Biomasse.

    oben: Energiewald im Juliunten: Energiewald im Sommer der vierten

    Vegetationsperiode

    Ausrüstung> Gehölzmähhäcksler> landwirtschaftliche Schlepper mitAnhänger zum Abtransport derHackschnitzel

    Arbeitsverfahren> der Gehölzmähhäcksler fällt und hacktdie Bäume in einem Arbeitsgang

    > die Hackschnitzel werden auf einenangehängten oder parallel gezogenenlandwirtschaftlichen Hänger geworfen

    Eignung> für mittlere bis große Flächen> für größere Heiz(kraft)werke

    Vorteile> keine ergonomisch belastendenTätigkeiten

    > kostengünstige Ernte durch Fällenund Hacken in einem Arbeitsgang

    Nachteile> geringe Verfügbarkeit der Spezial-maschine

    > grobes, inhomogenes und feuchtesHackgut

    > nur bis zu einem maximalen Stock-durchmesser von 12 Zentimetergeeignet

    * Srm = Schüttraummeter, ** TM = Trockenmasse

  • c) Vollmechanisiertes Fällen, gebündeltes Ablegen – Rücken – Hacken mit Kranbeschickung

    Ausrüstung> Harvester mit Fäll-Bündel-Aggregat> Forwarder> Hacker mit Kran> landwirtschaftliche Anhänger oderLKW-Container (je nach Transport-entfernung)

    Arbeitsverfahren> der Fäller-Bündler kappt die Bäumeund legt sie als Bündel ab

    > Rücken an einen Hackplatz> Hacken mit kranbeschicktem Hacker

    Eignung> nur für größere Flächen> für Hackschnitzelheizungen aller Art

    Vorteile> keine ergonomisch belastendenTätigkeiten

    > gute Auslastung des Hackers möglich> die Bäume trocknen während derLagerung im Polter gut ab

    Nachteile> teure Maschinen auf dem Feld, alleArbeitsschritte müssen als Unterneh-merleistung zugekauft werden

    > hoher organisatorischer und logisti-scher Aufwand

    > hohe Umsetzkosten des Fäller-Bündlers

    > geringe Verfügbarkeit der TechnikFäller-Bündler

    Kosten von vierausgewählten Ernteverfahren

    Verfahren Alter der Erntebestände Kosten (frei Feld)Jahre €/Srm* €/t TM**

    a) Fällen-Hacken (handbeschickt) 5 14 92b) Fällen-Vorkonzentrieren-Hacken 5 9 60c) Fäller/Bündler-Rücken-Hacken 5 9 69d) Gehölzmähhäcksler 5 4 28

    Ausrüstung> Motorsäge, Schutzausrüstung,Schubstange

    > handbeschickter Anbauhacker> landwirtschaftliche Anhänger

    Arbeitsverfahren> ein Zwei-Mann-Trupp bringt dieStämme gerichtet zu Fall

    > gegenseitiges Abwechseln bei denTätigkeiten

    > Hacken der Bäume auf dem Feld

    Eignung> für kleinere Flächen bis 1 Hektar> für bäuerliche Hackschnitzelheizungen

    Vorteile> Eigenleistung möglich> Auslastung bereits auf dem Hof vor-handener Maschinen, die Wertschöp-fung bleibt im landwirtschaftlichenBetrieb

    Nachteile> schwere und gefährliche Arbeit insbe-sondere während des Hackvorgangs

    > geringe Produktivität> feuchte Hackschnitzel, die für Klein-anlagen noch trocknen müssen

    b) Motormanuelles Fällen – Vorkonzentrieren – kranbeschicktes Hacken

    a) Motormanuelles Fällen – handbeschicktes Hacken

    Ausrüstung> Motorsäge, Schutzausrüstung,Schubstange

    > geländegängiger Hacker mit Kran> landwirtschaftlicher Schlepper mitFrontlader

    > landwirtschaftliche Anhänger

    Arbeitsverfahren> ein Zwei-Mann-Trupp bringt dieStämme gerichtet zu Fall

    > gegenseitiges Abwechseln bei denTätigkeiten

    > die gefällten Bäume werden miteinem Schlepper mit Frontlader inSchlauen vorkonzentriert

    > Hacken der Schlauen mit kranbe-schicktem Hacker

    Eignung> für Flächengrößen bis 5 Hektar> für bäuerliche Hackschnitzelheizun-gen oder Heizwerke

    Vorteile> motormanuelle Ernte kann selbstausgeführt werden

    > Landwirt erzielt dadurch Arbeits-einkommen

    > teurer Hacker wird besser ausgelastet

    Nachteile> teure Maschinen auf dem Feld> Hacken muss als Unternehmer-leistung zugekauft werden

    > feuchte Hackschnitzel, die für Klein-anlagen noch trocknen müssen

    d) Gehölzmähhäcksler

    Wie erntet man einen Energiewald?Energiewälder werden im Winter geerntet, um dieWiederausschlagsfähigkeit nicht zu gefährden. DieBäume werden nur gefällt, ein Entasten ist nicht not-wendig.Bei der Erntetechnik unterscheidet man zwischenmotormanuellen und hochmechanisierten Verfahren.Von den dargestellten Verfahren ist der vollautoma-tische Gehölzmähhäcksler mit Erntekosten von etwa4 Euro pro Schüttraummeter Hackschnitzel die kosten-günstigste Variante. Am oberen Ende der Kostenspanneliegt die motormanuelle Variante „Fällen – Hacken(handbeschickt)“. Allerdings erlauben es die aufge-listeten motormanuellen Verfahren meist, mit den aufdem Hof vorhandenen Maschinen zu arbeiten. Dieermittelten Kosten kommen so größtenteils als „Ein-kommen“ dem Landwirt zugute.

    (Zur Kostenermittlung wurden orientierendeArbeitsstudien durchgeführt. Die Kalkulationbasiert auf Vergütungssätzen des KuratoriumsBayerischer Maschinen- und Betriebshilfs-ringe e.V. aus dem Jahr 2004 sowie aufUnternehmerpreisen des Jahres 2004.)

    Welche Wuchsleistungen erzielenEnergiewälder?

    Energiewälder können über einen Zeitraum von 30 Jah-ren Holz erzeugen. Auf den bayerischen Versuchs-flächen erzielten verschiedene Sorten der Balsampappeldie besten Wuchsleistungen mit 10 bis 12 Tonnen Zu-wachs absolut trockener Biomasse pro Jahr und Hektar.Das entspricht einem Holzvolumen von über 30 Ernte-festmetern! Die Werte der Aspe liegen etwas unter derBalsampappel. Die Roterle erreicht einen Zuwachs vonmaximal 6 Tonnen absolut trockene Biomasse.

    oben: Energiewald im Juliunten: Energiewald im Sommer der vierten

    Vegetationsperiode

    Ausrüstung> Gehölzmähhäcksler> landwirtschaftliche Schlepper mitAnhänger zum Abtransport derHackschnitzel

    Arbeitsverfahren> der Gehölzmähhäcksler fällt und hacktdie Bäume in einem Arbeitsgang

    > die Hackschnitzel werden auf einenangehängten oder parallel gezogenenlandwirtschaftlichen Hänger geworfen

    Eignung> für mittlere bis große Flächen> für größere Heiz(kraft)werke

    Vorteile> keine ergonomisch belastendenTätigkeiten

    > kostengünstige Ernte durch Fällenund Hacken in einem Arbeitsgang

    Nachteile> geringe Verfügbarkeit der Spezial-maschine

    > grobes, inhomogenes und feuchtesHackgut

    > nur bis zu einem maximalen Stock-durchmesser von 12 Zentimetergeeignet

    * Srm = Schüttraummeter, ** TM = Trockenmasse

  • MERKBLATTder Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft November 2009

    19

    Impressum:Herausgeber und Bezugsadresse:Bayerische Landesanstalt für Wald undForstwirtschaft (LWF)Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1, 85354 FreisingTel.: +49-(0)8161-71-4881, Fax: +49-(0)8161-71-4971E-Mail: [email protected]: www.lwf.bayern.de

    Verantwortlich: Olaf Schmidt,Präsident der LWF

    Redaktion: Dr. Alexandra WauerBearbeiter: Frank Burger

    Wilfried SommerDr. Gunther Ohrner

    Bildnachweis: alle Bilder LWF

    Energiewälder auf stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen schaffen enorme Zuwächse. Pro Jahr und Hektar wächsteine Holzmenge heran, deren Verbrennung etwa 5.000 Liter Heizöl einspart. Der Anbau lohnt sich besonders zurHackschnitzelerzeugung für die eigene Heizanlage. Dieses Merkblatt zeigt, wie man Energiewälder anbaut und erntet.

    Layout: Petra WinkelmeierAuflage: 10.000 Stück

    Vervielfältigung undWeitergabe, auchin elektronischer Form, ist ausdrück-lich erwünscht, allerdings nur nachRücksprache mit dem Herausgeber.

    Was sind Energiewälder? Ein Energiewald ist nichts anderes als der in Mitteleuropa seit 2000 Jahren bekannteNiederwald zur Brennholzerzeugung mit dem Unterschied, dass in der Regel züchterisch bearbeitete Sorten derBalsampappel, Weide oder Aspe in kurzen Umtriebszeiten von 3 bis 10 Jahren angebaut werden. Nach demPrinzip „einmal pflanzen, mehrmals ernten“ wird Holz über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren erzeugt.

    Welche Baumarten eignen sichzum Anbau in Energiewäldern?Geeignet sind alle Baumarten mit einem raschenJugendwachstum und Wiederausschlagsfähigkeit ausdem Stock, wie z. B. Rot- und Grauerle, Robinie undinsbesondere Balsampappel, Aspe und Weide.Die besten Wuchsleistungen zeigen unter mitteleuro-päischen Klimabedingungen verschiedene Sorten derBalsampappel. Kulturen aus Balsampappeln undWeiden können außerdem mit Stecklingen sehr kosten-günstig begründet werden.

    Wie pflanzt man einen Energiewald?Mit Stecklingen begründete Energiewälder reagierenim ersten Jahr sehr empfindlich gegenüber einer vita-len Begleitvegetation. Um Schäden an der Kultur zuvermeiden, sollte die zum Anbau vorgesehene Flächeim Herbst vor der Anlage mit einem Totalherbizidbehandelt und im Frühjahr kurz vor der Begründunggepflügt und geeggt werden. Unmittelbar nach demAbstecken wird ein in der Landwirtschaft gängigesVorauflaufmittel ausgebracht. Diese Maßnahmenhalten die Begleitvegetation ungefähr sechs Wochenzurück, die Stecklinge treiben ungehindert aus. Eineweitere Pflege ist in der Regel nicht nötig.Als Umtriebszeit werden fünf bis sieben Jahre mitPflanzenzahlen von ca. 5.000 Stecklingen pro Hektarempfohlen. Der Abstand zwischen den Reihen solltenicht über 2,0 m liegen, damit die gepflanzten Bäumeim zweiten Jahr die Fläche bereits vollständigbeschatten.

    Anbau von Energiewäldern

    Die Tabelle zeigt, dass der Hauptkostenfaktor bei derAnlage eines Energiewaldes die Stecklingskostensind. In der Kalkulation wurde auf eine Zäununggegen Wildverbiss verzichtet, da dies bei einerBalsampappelkultur ab einer Größe von einem Hektarund angepasstem Rehwildbesatz nicht nötig ist.

    Welche ökologischen Auswirkungenhaben Energiewälder?

    Energiewälder sind im Vergleich zu landwirtschaft-lichen Flächen gekennzeichnet durch eine höhereArtenvielfalt in der Begleitvegetation. Die vegeta-tionskundlichen Aufnahmen auf den Energiewald-Versuchsflächen der Bayerischen Landesanstalt fürWald und Forstwirtschaft ergaben bis zu zehn malmehr Arten als auf den angrenzenden Äckern. Teil-weise wurden über 100 Arten in der Begleitvegetationgefunden.Auf einer Energiewald-Versuchsfläche wurde dasSickerwasser untersucht. Nach der Anpflanzung sankdie Nitratkonzentration darin deutlich. Im Gegensatzdazu überschritt der Nitratgehalt im Sickerwasser desbenachbarten Ackers zeitweise den EU-Grenzwertvon 50 ppm.

    Ein Bündel Pappelstecklinge

    > Stecklinge sind auf ca. 20 Zentimeter abgelängte einjährigeTriebe. Diese werden im Winter geerntet und bis zumAbstecken des Energiewaldes im Kühlhaus gelagert.

    oben: Abstecken eines Energiewaldes imAprilunten: Austreibender Energiewald Anfang Juni

    Kostenkalkulation der Anlage eines Energiewaldes(Die Angaben basieren auf den Vergütungssätzen des Kuratoriums BayerischerMaschinen- und Betriebshilfsringe e.V. sowie auf den Stecklingspreisen abBaumschule in Bayern im Jahr 2004.)

    Maßnahme Kosten pro Hektar (€)

    Totalherbizid Ausbringung 15,–Mittel 21,–

    Pflügen 80,–

    Kreiseleggen 41,–

    Vorauflaufmittel Ausbringung 15,–Mittel 52,–

    5.000 Stecklinge à 0,18 Euro 900,–

    Abstecken 200,–

    Summe: 1.324,– €

    Was kostet ein Energiewald?

    Sind Energiewälder Wald oderlandwirtschaftliche Nutzfläche?

    Der rechtliche Status von Energiewäldern ist bundes-weit noch nicht einheitlich geregelt. In Bayern bleibenEnergiewälder bis zu einer maximalen Umtriebszeitvon 10 Jahren rechtlich Ackerflächen. Auskünfteerteilen die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft undForsten.

    mb-19-energiewaelder