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Die Regenwaldzerstörung der Palmölindustrie treibt den Sumatra-Tiger an den Rand des Aussterbens

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  • Die Regenwaldzerstrung der Palmlindustrie treibt den Sumatra-Tiger an den Rand des Aussterbens

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  • bWie zweifelhaftesPalml auf den Weltmarkt gelangt

    INDONESIEN

  • 1Zusammenfassung

    Schtzungen zufolge leben in den Regenwldern Sumatras heute nur noch 400 Tiger. Ihr Lebensraum schwindet ihnen steht jeden Jahr etwa eine Viertelmillion Hektar weniger an Waldflchen zur Verfgung. Die steigende Anzahl der Papier- und Palmlplantagen ist fr die Zerstrung von na-hezu zwei Dritteln der Tiger-Habitate im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 verantwortlich. Die aktuellsten offiziellen Daten der indonesischen Regierung liegen lediglich fr die-sen Zeitraum vor. Die industrielle Zerstrungswut zerteilt die groflchigen Regenwaldgebiete, in denen die Tiger sich whrend der Jagd bewegen. Sie mssen auf der Suche nach Futter zwangs lufig neue Wege suchen und nhern sich dabei den Menschensiedlungen. Tiger werden aufgrund ihres Fells gejagt, zudem sind sie eine beliebte Beute, um aus ihnen traditionelle Arzneimittel herzustellen. Sie fallen zunehmend Wilderern in die Hnde. Doch auch die Zahl der Tigerangriffe, bei denen Menschen ums Leben kommen, erhht sich.

    Der Rckgang des Sumatra-Tigers ist ein Gradmesser fr den Verlust des Regenwaldes, der Biodiversitt und auch der Stabilitt des Klimas. Im Sommer 2013 wteten riesige Brnde in Sumatras Provinz Riau. Die Feuer zerstrten tausende Hektar Regenwald, darunter auch Wlder auf meterdicken Torfbden, die die letzte Zuflucht der Tiger in der Provinz bilden. In einer Rauchwolke, die bis nach Thailand reichte, setzten die Brnde Rekordmengen an Treibhausgasen (THG) und Schadstoffen frei.

    Der indonesischen Regierung zufolge werden 85 Prozent der THG-Emissionen des Landes typischerweise durch Landnutzungsnderungen verursacht - meist im Zusam-men hang mit Rodungen fr Plantagen oder Landwirtschaft. Etwa die Hlfte davon betrifft Torfflchen. Selbst in ge-schtzten Gebieten wie dem weltberhmten Tesso Nilo Nationalpark (Provinz Riau auf Sumatra) haben illega le Machenschaften der Palmlindustrie den Lebensraum des Sumatra-Tigers praktisch zerstrt. Sogar Regierungs-angehrige rumen ein, dass der Schutz dieser Gebiete nur auf dem Papier besteht.

    Selbst bewaldete Tiger-Lebensrume auf offiziell vergebe-nen Konzessionen sind nicht geschtzt. Eine Million Hektar das sind 10 Prozent aller noch existierenden bewaldeten Tiger-Habitate waren im Jahr 2011 nach wie vor von Kahl-schlag in den Zellstoff- und lpalmkonzessionen bedroht. Zwischen 2009 und 2011 waren die APRIL Group und ihre Papierholz-Zulieferer fr den Verlust eines Sechstels aller bewaldeten Tiger-Habitate verantwortlich. Im selben Zeit-raum rodete der Palmlsektor ein Viertel der Tiger-Lebens-rume, die noch auf ihren Konzessionsflchen bestanden.

    Diese Beispiele zeigen, dass die unkontrollierte Ausbreitung von Palml- und Papierplantagen die Bemhungen der indonesischen Regierung untergrbt, die Entwaldung zu stoppen und den Lebensraum der Tiger und anderer bedrohter Wildtiere zu schtzen.

    Greenpeace-Recherchen haben ergeben, dass groe Kon-zerne, darunter Colgate Palmolive, Mondelz International (ehemals Kraft), Neste Oil, Procter & Gamble, Reckitt Benckiser und eine ganze Reihe anderer Unternehmen mit der in Singapur ansssigen Wilmar Internati onal Ltd und ihrem internationalen Handel mit schmutzigem Palml in Verbindung stehen. Wilmar ist der weltweit grte Palml-verarbeiter: Das Unternehmen hlt einen Anteil von mehr als einem Drittel am globalen Palml verarbeitungsmarkt und verfgt ber ein Vertriebsnetz in ber 50 Lndern.

    Obwohl Wilmar sich verpflichtet hat, hoch schtzenswerte Wlder (HCV = High Conservation Value) und Torfland auf seinen eigenen Konzessionsflchen zu schtzen, stammen weniger als 4 Prozent des durch Wilmar aufbereiteten und gehandelten Palmls aus diesen Gebieten. Der Rest wird von Drittlieferanten produziert. Im Zusammenhang mit Wilmar hat Greenpeace in Palmlkonzessionen Brnde auf Torfbden dokumentiert. Hinzu kommen die massive Zer-strung von Regenwald sowie diverse illega le Palmlplan-tagen im Gebiet des Tesso Nilo Nationalparks. Die Ernte dieser zweifelhaften Plantagen konnte bis zu Verarbeitungs-sttten von Wilmar zurckverfolgt werden. Die Produkte werden in die indonesische Lieferkette ein gespeist. Zudem wies Greenpeace massive Rodungen in Tiger- als auch in Orang-Utan-Habitat nach. Es ist bekannt, dass Unterneh-men, die in diese unverantwortlichen oder illegalen Aktivi-tten verwickelt sind, Geschftsbeziehungen zu Wilmar fhren, teilweise Wilmar sogar signifikante Beteili gung an ihnen hlt oder diese ganz im Besitz von Wilmar stehen.

    Palml ist vielfltig einsetzbar das stellt Greenpeace nicht in Frage. Aber die Produktion des fettigen Goldes fhrt zu unvertretbar hohen Kosten: In Indonesien werden Regenwlder und Torfwlder zerstrt und damit die Heimat bedrohter Arten wie Sumatra-Tiger und Orang-Utan. Greenpeace vertritt die Auffassung, dass Wilmar sowie die Unternehmen, die Palml in ihren Produkten verarbeiten, Verantwortung fr diese Kosten bernehmen mssen. Sie mssen sich dafr einsetzen, dass dieses Palml einen echten Beitrag zur Entwicklung Indonesiens liefert und nicht die Zukunft Indonesiens samt seiner Bewohner und Tierwelt zerstrt und den Klimawandel weiter anheizt.

  • 2Ich mchte Greenpeace fr die bestndige harte Arbeit und das Engagement danken fr das Bemhen, nicht nur unsere Umwelt, sondern auch unser Leben und unsere Zukunft zu retten. Auerdem mchte ich mich fr die Partnerschaft mit Indonesien bedanken. Partner zu sein bedeutet, dass ihr uns kritisiert, wenn wir Fehler machen, dass ihr uns Vorschlge unterbreitet, Lsungen anbietet und uns positive Rckmeldungen gebt, wenn Indonesien das Richtige macht. Ich persnlich nehme wahr, dass unsere Zusammenarbeit zu guten Ergebnissen fhrt [] Meinen Enkeln mchte ich fr die Zukunft eine saubere und friedliche Umwelt garantieren knnen.Prsident Susilo Bambang Yudhoyono, indonesischer Prsident, 7. Juni 2013

    PT Rokan Adiraya1957.46N 1005113.14E

  • 3Inhaltsverzeichnis

    Zusammenfassung 1

    Indonesiens Wlder verschwinden 4Die letzte Zuflucht des Sumatra-Tigers 5

    Der Plantagensektor treibt die Zerstrung von Tiger-Habitat voran 6

    Der RSPO 7

    Orang-Utans durch Kahlschlag gefhrdet 7

    Heimatlos die Waldfragmentierung vertreibt die Tiger 8

    Die Zerstrung der Tiger-Habitate durch den Plantagensektor gefhrdet Indonesiens internationale Schutz- und Klimaverpflichtungen 9

    Der Priorittenkonflikt der Regierung 10

    Fallstudien1. Pulverfass Riau 13

    Zielscheibe der Plantagenexpansion 13

    Bedrohung fr Tiger und Torfland 15

    Ursache fr Feuer, Smog und Kohlenstoffemissionen 16

    2. PT Rokan Adiraya 17

    3. PT Jatim Jaya Perkasa 18

    4. APRIL ist grter Akteur bei der Rodung fr Zellstoff 19

    5. Der Waldkomplex von Tesso Nilo 23

    Eigenstndige Lieferanten nebulse Herkunft 25

    Wilmar / PT Agrindo Indah Persada 26

    Die Wilmar-Unternehmensgruppe im berblick 28

    Fr das Consumer Goods Forum reichen die RSPO-Standards nicht aus

    Lsungen 30

    Hchste Zeit, aktiv zu werden 31Funoten 32

    Literaturverzeichnis 35

    Brennende ste auf dem Gebiet des krzlich gerodeten Torflands auf der PT Rokan Adiraya Plantage / Palml-Konzession Ifansasti/Greenpeace

  • 4Indonesiens Wlder verschwinden

    Zugangsstraen und Anlagen auf einem krzlich angelegten Gebiet der PT Tunggal Perkasa Plantage (Astra Agro Lestari) lpalm-Konzession in Indragiri Hulu. Jufri/Greenpeace

    PT Tunggal Perkasa Plantations 01758.80S 102113.60E

    Gem den offiziellen Landkarten, die das Forst-ministerium Greenpeace 2013 zur Verfgung stellte, verlor Indonesien zwischen 2009 und 2011 mindestens 1.240.000 Hektar (ha) Wald das entspricht 620.000 Hektar pro Jahr.1 40 Prozent dieser Verluste erfolgten auf Sumatra, 230.000 Hektar, also ein Fnftel der gesamten Entwaldung, allein in der Provinz Riau.

    Der Palmlsektor war der grte Treiber der Abholzung in den Jahren 2009 bis 2011, die Rodungen in den registrierten Konzessionen machten etwa ein Viertel (300.000 Hektar) des Waldverlustes aus.2

  • 5Die letzte Zuflucht des Sumatra-Tigers

    Melbourne ZooAustralia 10. September 2013

    Ein Sumatra-Tiger; der Bestand wird auf nur noch knapp 400 wildlebende Tiere geschtzt. Greenpeace / Tom Jefferson

    Die Internationale Rote Liste der IUCN die weltweit umfas-sendste Erhebung gefhrdeterTier- undPflanzen-Arten stuft den Sumatra-Tiger mittlerweile als stark gefhrdet ein.3 Schtzungen zufolge leben nur noch etwa 400 Sumatra- Tiger in freier Wildbahn.4 Tiger sind eine Zeigerart, ihr Be-stand liefert als Indikator entscheidende Hinweise auf die Gesundheit der Wlder. Wenn die Tiger dort nicht lnger ber -leben knnen, ist auch das berleben des Waldes und das vieler anderer Arten, die auf ihn angewiesen sind, bedroht.

    Einst waren Tiger in ganz Sumatra verbreitet, doch die Anla ge neuer Plantagen und die Abholzung haben ihren Lebensraum auf einzelne isolierte Waldlandschaften und eine Handvoll Nationalparks reduziert. Zwischen 1985 und 2011 wurde die Hlfte der 45 Millionen Hektar Regenwald auf Sumatra gerodet.5 Etwa 80 Prozent dieser Verluste waren Wlder des Tieflandes ein wichtiger Lebensraum nicht nur fr die Sumatra-Tiger, sondern auch fr andere stark bedrohte, freilebende Tiere.6 Die Sumatra-Tiger halten sich zwar auch in Hhenlagen von bis zu 3.200 Metern auf,7 doch die

    Tieflandwlder bieten den Tigern einen deutlich greren Lebensraum.8 Im Jahr 2009 belief sich auf Sumatra die Gesamtflche bewaldeten Tiger-Habitats auf gerade noch 10,5 Millionen Hektar9, ein Groteil davon im Hochland.

    Die Fragmentierung ihres Lebensraums schadet den Tigern enorm, denn sie sind auf groe Gebiete angewiesen, in denen sie jagen und umherstreifen knnen.1