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Voruntersuchung „Logistik im produzierenden gewerbe“ ISBN 978-3-00-024165-9

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

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    ISBN 978-3-00-024165-9

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussberichtVoruntersuchung

    Logistik im produzierenden

    gewerbe

    AbschLussbericht

    Gefrdert von Betreut von

    Durchgefhrt von

  • Voruntersuchung

    Logistik im produzierenden

    gewerbe

    Gefrdert vomBundesministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) Referat 512: Produktionssysteme und -technologien

    Betreut durchProjekttrger Forschungszentrum Karlsruhe Bereich Produktion und Fertigungstechnologien (PTKA-PFT)

    Projektleitung:Prof. Dr.-Ing. Frank Straube Dipl.-Wi.-Ing Florian Rsch Institut fr Technologie und Management Bereich Logistik Technische Universitt Berlin

    Mrz 2008

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Herausgeber:

    Prof. Dr.-Ing. Frank Straube Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter Prof. Dr. Michael ten Hompel

    Projektteam:

    Bereich Logistik, Technische Universitt Berlin Prof. Dr.-Ing. Frank Straube Dipl.-Wi.-Ing. Florian Rsch Dipl.-Kffr. Kathrin Klaar Dipl.-Ing. Friedrich Tentrop

    Bremer Institut fr Produktion und Logistik GmbH Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter Dipl.-Inf. Jakub Piotrowski Dipl.-Wi.-Ing. Matthias Burwinkel Dipl.-Inf. Anne Virnich

    Lehrstuhl fr Frder- und Lagerwesen, Technische Universitt Dortmund Prof. Dr. Michael ten Hompel Dr.-Ing. Dirk Jodin Dipl.-Logist. Maria Beck Dipl.-Logist. Kai F. Semrau

    Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wurde mit den Mitteln des Bundesministeriums fr Bildung und Forschung (BMBF), Referat 512: Produktionssysteme und -technologien, innerhalb des Rahmen-konzepts Forschung fr die Produktion von morgen (Frderkennzei-chen 02PU1060) gefrdert und vom Projekttrger Forschungszentrum Karlsruhe, Bereich Produktion und Fertigungstechnologien (PTFK-PFT) betreut. Die Verantwortung fr den Inhalt der Verffentlichung liegt bei den Autoren. Alle Rechte, auch fr die Umsetzung in fremde Sprachen, vorbehal-ten. Kein Teil dieses Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form, auch nicht zum Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbei-tet, vervielfltigt oder verbreitet werden.

    Gestaltung und Satz: Carsten HaarGrafik I DTP I [email protected]

    Druck:

    Druckerei WagnerVerlag und Werbung GmbHWeststrae 6009603 Groschirma OT Siebenlehn

    ISBN 978-3-00-024165-9

    Strae des 17. Juli 135, Sekr. H9010623 BerlinTelefon: +49 (0)30 - 314 2 28 77E-Mail: [email protected]

    Hochschulring 2028359 BremenTelefon: +49 (0)421 - 218 56 55E-Mail: [email protected]

    Emil-Figge-Strae 7344221 DortmundTelefon: +49 (0) 231 - 755 27 65E-Mail:[email protected]

    Bildnachweis:

    Titelbild: yystom, www.istockphoto.com

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Zusammenfassung

    Produzierende Unternehmen haben eine lange Tradition am Standort Deutschland. Um die Wettbewerbsfhigkeit und Innovationskraft die-ser Unternehmen zu strken, erfhrt die Produktionsforschung beson-dere Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang spielt das Rahmen-programm Forschung fr die Produktion von morgen, das seit 1999 vom Bundesministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) gefrdert und vom Projekttrger Forschungszentrum Karlsruhe betreut wird, eine herausragende Rolle.

    Das Rahmenprogramm hat zum Ziel, komplexe Probleme des produ-zierenden Gewerbes zu lsen und dabei volkswirtschaftlichen Nutzen zu erzeugen. Insbesondere soll die Innovations-, Wandlungs- und Leis-tungsfhigkeit von Unternehmen ausgebaut und visionre Konzepte zur Anwendung gebracht werden. Die Forschungsprojekte sind dabei unternehmensbergreifend und interdisziplinr aufgebaut. In den Un-ternehmen sollen die Kompetenzen der Beschftigten weiterentwickelt und letztendlich die Forschungsergebnisse breitenwirksam umgesetzt werden.

    Das Rahmenprogramm umfasst vier Handlungsfelder, auf deren Basis Forschungsprojekte konzipiert werden. Diese Handlungsfelder sind im Einzelnen:

    Marktentwicklung und strategische Produktplanung Technologien und Produktausrstungen Neue Formen der Zusammenarbeit produzierender Unternehmen Der Mensch und das wandlungsfhige Unternehmen

    Zur berprfung und Aktualisierung der Ausrichtung der einzelnen Handlungsfelder wurde in den Jahren 2006 und 2007 ein Projekt durchgefhrt (Leitung: Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner), dessen Er-gebnisse im Februar 2007 verffentlicht wurden (Kleiner 2007). In diesem Rahmen wurde im dritten Handlungsfeld Neue Formen der Zusammenarbeit produzierender Unternehmen die zuknftige Rolle der Logistik als verbindendes Element weltweit verteilter Produktionss-tandorte fr produzierende Unternehmen betont. Die im Projektbericht aufgefhrten logistischen Themenfelder sollten dann in der Vorunter-suchung Logistik im produzierenden Gewerbe (Projektlaufzeit Mai 2007 bis Februar 2008) weiter detailliert werden. Insbesondere stand die vertiefende Betrachtung und Priorisierung von Themenfeldern zur zielgerichteten Ausschreibung zuknftiger Forschungsfrderungsma-nahmen im Vordergrund.

    Auf Basis einer umfangreichen Analyse aktueller Studien im Bereich Logistik sowie von Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und Kongressbeitrgen wurden verschiedene Themenfelder als besonders relevant identifiziert. Die Themenfelder und die darunter subsumier-ten Einzelthemen wurden dann in Experteninterviews zur Diskussion gestellt, validiert und im Detail ergnzt. Darauf aufbauend fand eine Befragung von Logistikexperten aus der Unternehmenspraxis mit dem Ziel statt, die Bedeutung der Einzelthemen und die Forschungsbedarfe aus Sicht der Wirtschaft zu erfassen.

    Im Einzelnen wurde die Bedeutung der folgenden Themenbereiche er-hoben:

    Ressourceneffizienz: Fr eine ressourceneffiziente Logistik, welche politischen wie auch gesellschaftlichen Anforderungen standhalten muss, besteht zum einen die Mglichkeit die Leistungserbringung unter kologischen Gesichtspunkten zu optimieren, wie auch die Ressourcenschonung im Planungsprozess der Implementierung von Logistiksystemen zu bercksichtigen. Zum anderen knnen in Unternehmen selbst sowie ber die gesamte Wertschpfungskette Mindeststandards eingefhrt werden, die eine kologische Trans-parenz auch fr den Kunden herstellen.

    Transparenz: Eine transparente Logistik steht vor der zuknftigen Herausforderung, die geforderte hohe Reaktionsgeschwindigkeit ber die Informationsbereitstellung in Echtzeit, selbst in globalen Wertschpfungsketten zur Untersttzung logistischer Prozesse, si-cherzustellen. Dies betrifft gleichermaen die Weiterentwicklung von Identifikationstechnik, wie auch deren konzeptioneller unter-nehmensbergreifender Einsatz zur Steuerung und Synchronisation operativer Prozesse in der Logistik.

    Flexibilisierung: Die Flexibilisierung logistischer Systeme muss in Zukunft nicht nur eine Erhhung von Geschwindigkeit und Reduzie-rung von Kosten realisieren, sondern sollte durch die Steigerung der Wandlungsfhigkeit und die Differenzierung von Logistikdienst-leistungen, auch fr die kundenindividuelle Massenfertigung, fo-kussiert werden. Fr die operative Logistik bedeutet dies die Wei-terentwicklung von dezentralen Steuerungskonzepten, wie auch die Weiterentwicklung der Modularisierung von logistischen Prozessen und der Frder- und Lagertechnik.

    Standardisierung: Die Entwicklung der Kundenanforderungen in Richtung individueller Produkte und flexibler Reaktion auf Kunden-wnsche fhrt zu einer hheren Komplexitt in Logistikprozessen. Damit dennoch kostengnstig und effizient logistische Leistungen erbracht werden knnen, ist eine Standardisierung von Prozess-schritten und -schnittstellen erforderlich, die nicht im Sinne einer Leistungsdifferenzierung von den Kunden wahrgenommen werden.

    Informationstechnische Verknpfung: Die moderne Logistik ist ohne die Waren begleitenden Informationsstrme nicht mehr denkbar. Immer leistungsfhigere und gnstigere Informations-technologien wie RFID oder GPS ermglichen die Datenaufnahme in Echtzeit. In Zukunft mssen Anstze entwickelt werden, die die Filterung der anfallenden Datenmengen und berfhrung in ent-scheidungsuntersttzende Informationen ermglichen. Ebenfalls wird die Einbindung neuer Konzepte wie intelligente Systeme und serviceorientierte Architekturen in die unternehmensbergreifende Zusammenarbeit die Logistik entscheidend prgen.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Zukunftsorientiertes Netzwerkdesign: Angesichts global ver-teilter Produktionssttten wird die Internationalisierung die Wert-schpfungsnetze der Zukunft prgen. Grenzberschreitend sind Netzwerke und Kooperationen zu managen und Supply Chains in Richtung der vorgelagerten Lieferanten zu beherrschen. Eine hohe Bedeutung wird in diesem Zusammenhang dem Konzept der dezen-tralen Steuerung beigemessen, welches es fr einen Praxiseinsatz weiterzuentwickeln gilt.

    Demografische Entwicklung: Die demografische Entwicklung er-fordert durch die Verschrfung des Fachkrftemangels gleicher-maen, Manahmen zur Strkung der interdisziplinren Ausbil-dung und Weiterbildung an Universitten und in Unternehmen zur Sicherung des hochqualifizierten Logistiknachwuchses zu treffen. Auch die Entwicklung von ergonomischen und ansprechenden Ar-beitsumgebungen hilft, die fehlende Attraktivitt der Logistikbran-che wieder herzustellen. Ein weiterer Aspekt des demografischen Wandels ist der wachsende Reifegrad unserer Gesellschaft. Hier sollte prventiv die Sicherstellung einer uneingeschrnkten Versor-gung ber die Logistik realisiert werden.

    Sicherheit/Stabilitt von Logistiksystemen: Logistikprozesse finden heute mehrheitlich im Rahmen globaler Wertschpfung statt. Die daraus resultierenden Wertschpfungsnetze sind auf Prozessebene sehr anfllig fr externe Strungen. Es gilt, zuknftig die Stabilitt von Logistiksystemen bereits in deren Planung einzu-beziehen und schon in einem frhen Planungsstadium Konzepte fr die Rekonfiguration zu entwickeln. Dies betrifft inner- und aus-serbetriebliche Materialflusssysteme und Logistiknetze, auch unter Einbezug einer geeigneten Informationserfassung und Verarbeitung in den IT-Systemen.

    Die Vorstellung der Projektergebnisse, insbesondere die Bewertung und Priorisierung der zuknftig durch Forschungsfrderungsmanah-men weiter zu bearbeitenden Themenfelder, wurde in einem ffentli-chen Diskurs am 12. Februar 2008 in Frankfurt (Main) vorgenommen. Vertretern aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis wurden die For-schungsergebnisse der Voruntersuchung Logistik im produzierenden Gewerbe zunchst vorgestellt.

    Daraufhin erfolgte eine intensive Diskussion, deren Ergebnis die Zu-sammenfassung der untersuchten Zukunftsthemen der Logistik in drei Bereichen darstellt:

    Ressourceneffizienz durch Optimierung und Neugestaltung der lo-gistischen Leistungserbringung

    Konzepte zur Differenzierung und Flexibilisierung von Logistikleis-tungen

    Selbststeuerung logistischer Prozesse Ressourcenschonung und Transparenz durch neue Informationstechnik

    In zuknftigen Forschungsfrderungsmanahmen im produzierenden Gewerbe in Deutschland gilt es nun, diesen identifizierten Themenfel-dern besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Sie wurden als die Kernthemen einer erfolgreichen Logistik identifiziert, die weltweit verteilte Standorte und Funktionen in Wertschpfungsnetzen verbinden und somit zur Strkung der Wettbewerbsfhigkeit produzierender Unter-nehmen aus Deutschland im globalen Wettbewerb beitragen.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Inhaltsverzeichnis

    1 Einleitung ......................................................................................................................................................................................... 9

    2 Projektbeschreibung ....................................................................................................................................................................... 10

    2.1 Einordnung des Projekts in das Rahmenprogramm Forschung fr die Produktion von morgen .................................................................. 10

    2.2 Methodik der Voruntersuchung .................................................................................................................................................................... 10

    3 Standortbestimmung der Logistik in Deutschland ........................................................................................................................... 14

    4 Ergebnisse der Primr- und Sekundranalyse .................................................................................................................................. 18

    4.1 Ressourceneffizienz ..................................................................................................................................................................................... 18

    4.2 Transparenz ................................................................................................................................................................................................. 22

    4.3 Flexibilisierung ............................................................................................................................................................................................. 23

    4.4 Standardisierung ......................................................................................................................................................................................... 25

    4.5 Informationstechnische Verknpfung ........................................................................................................................................................... 26

    4.6 Zukunftsorientiertes Netzwerkdesign ........................................................................................................................................................... 30

    4.7 Demografische Entwicklung ......................................................................................................................................................................... 35

    4.8 Sicherheit/Stabilitt von Logistiksystemen .................................................................................................................................................. 38

    5 ffentlicher Diskurs ........................................................................................................................................................................ 42

    5.1 Organisation und Ablauf .............................................................................................................................................................................. 42

    5.2 Ergebnisse ................................................................................................................................................................................................... 43

    6 Fazit und Ausblick ........................................................................................................................................................................... 44

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Abbildungsverzeichnis

    Abbildung 1: Wissensbasis der Voruntersuchung ..................................................................................................................................................... 10

    Abbildung 2: Ausschnitt des entwickelten Fragebogens ........................................................................................................................................... 12

    Abbildung 3: Forschungsdesign der Voruntersuchung .............................................................................................................................................. 13

    Abbildung 4: Strken der Logistik in Deutschland .................................................................................................................................................... 15

    Abbildung 5: Spannungsdreieck der Logistikziele (in Anlehnung an Gudehus 2005) ................................................................................................ 16

    Abbildung 6: Schwchen der Logistik in Deutschland ...............................................................................................................................................17

    Abbildung 7: Treiber fr die Optimierung einer ressourcenschonenden Leistungserbringung (in Anlehnung an Paquette 2005) ............................... 19

    Abbildung 8: Zieldreieck der Nachhaltigkeit ............................................................................................................................................................. 19

    Abbildung 9: Hemmnisse einer Forcierung der Nachhaltigkeit in der Logistik ........................................................................................................... 20

    Abbildung 10: Technische und strategische Ebene in einem Materialflusssystem .................................................................................................... 21

    Abbildung 11: Hemmnisse einer transparenten Produktionslogistik ......................................................................................................................... 22

    Abbildung 12: Mglichkeiten zur Erhhung der Transparenz in Logistikprozessen .................................................................................................... 23

    Abbildung 13: Strukturmerkmale von Netzwerken (in Anlehnung an Pfohl 2004) .................................................................................................... 27

    Abbildung 14: Antworten auf die These Die informationstechnische Verknpfung in der Logistikkette wird in Zukunft gesichert durch ................. 27

    Abbildung 15: Konzentration von Distributionszentren in Europa (in Anlehnung an Capgemini 2006b) ................................................................... 32

    Abbildung 16: Hemmnisse fr die Umsetzung serviceorientierter Architekturen (SOA) im Unternehmen .................................................................. 34

    Abbildung 17: Stufen und Beteiligte einer Supply Chain (in Anlehnung an Reindl u. Oberniedermaier 2002) ........................................................... 34

    Abbildung 18: Antwort auf die These Notwendige Manahmen fr ein zukunftsorientiertes Netzwerkdesign in der Logistik ................................. 34

    Abbildung 19: Verschiebung der Alterspyramide zwischen 2005 und 2050 (in Anlehnung an Statistisches Bundesamt 2006) ............................... 35

    Abbildung 20: Hemmnisse einer Verbesserung des Fachkrfteangebots in der Logistik ........................................................................................... 35

    Abbildung 21: Durchschnittliche Anzahl offener Ingenieur-Stellen zwischen 2004 und 2007 (in Anlehnung an VDI 2006 und VDI 2007) ............... 36

    Abbildung 22: Robustheit von Intralogistiksystemen................................................................................................................................................ 40

    Abbildung 23: Zuknftig relevante Themen zur Sicherstellung und Verbesserung der Wettbewerbsfhigkeit der Logistik in Deutschland ................. 42

    Abbildung 24: Vorgeschlagene Schwerpunkte zuknftiger Forschungsfrderungsmanahmen ................................................................................. 45

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    1 EInlEItung

    Das produzierende Gewerbe am Standort Deutschland agiert in einem sich stetig wandelnden Wettbewerbsumfeld. Dessen hochdynamische Vernderungen erfordern innovative, gleichzeitig jedoch ausgereifte Strukturen und Prozesse, um nicht nur auf dem hart umkmpften glo-balisierten Weltmarkt, sondern auch auf dem heimischen Binnenmarkt zu bestehen. In der Gestaltung ihrer Produktions- und Logistiknetze werden Unternehmen dabei mit vielfltigen Herausforderungen kon-frontiert: Beispielhaft seien hier der steigende Konkurrenzdruck durch den globalen Wettbewerb sowie die rasante technologische Entwick-lung bei Produktionsverfahren und Endprodukten genannt.

    In diesem Umfeld hat sich die Logistik zur drittgrten Branche in Deutschland entwickelt und als Wachstumsmotor der letzten Jahre erwiesen (Klaus u. Kille 2007). Durch die anhaltende Tendenz der Industrie Wertschpfungsumfnge auszulagern, aber auch durch die zentrale Lage Deutschlands in Europa und die dadurch entstehende Mglichkeit, bedeutende Gterstrme aus logistischer Sicht abzuwi-ckeln, ist eine positive Weiterentwicklung der Branche auch in Zukunft zu erwarten. Die Logistik wird dabei zum verbindenden Glied in welt-weit verteilten Wertschpfungsnetzen und trgt als ein Kernelement dazu bei, die Wettbewerbsfhigkeit produzierender Unternehmen in Deutschland nachhaltig zu sichern. Vermehrt muss sich die Logistik mit weiteren Phnomenen befassen: Umweltaspekte sind zunehmend in die Planung von Wertschpfungsnetzen einzubeziehen, die demo-grafische Entwicklung der Bevlkerung fhrt zu einem genderten Nachfrageverhalten der Kunden sowie einem sinkenden Angebot quali-fizierter Mitarbeiter und die Gefahr terroristischer Anschlge verschafft dem Aspekt der Sicherheit in Logistikketten groe Aufmerksamkeit.

    Den dargestellten Herausforderungen knnen die Unternehmen am Produktionsstandort Deutschland nur durch eine stetige Weiterent-wicklung ihrer Produkte, Dienstleistungen, Strukturen und Prozesse begegnen. In diesem Zusammenhang ist die aktive Zusammenarbeit der Unternehmen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Univer-sitten ein Schlssel zum Erfolg, um auf die Vernderungen in der notwendigen Geschwindigkeit reagieren zu knnen. Fr die Strkung der Produktionsforschung in Deutschland wurde 1999 das Rahmen-programm Forschung fr die Produktion von morgen vom Bundes-ministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) initiiert. Ziel des Rah-menprogramms ist es, die komplexen Probleme des produzierenden Gewerbes in firmenbergreifenden und interdisziplinr ausgelegten Forschungsprojekten zu bearbeiten. Die Struktur des Rahmenpro-gramms umfasst vier Handlungsfelder, deren Aktualisierung im Jahr 2007 vorgenommen wurde. Dabei wurde in den Empfehlungen zum Handlungsfeld Neue Formen der Zusammenarbeit produzierender Un-ternehmen aufgefhrt, dass die Logistik im produzierenden Gewerbe eine zunehmende Bedeutung erfhrt (Kleiner 2007).

    Auf Basis dieses Ergebnisses wurde die Voruntersuchung Logistik im produzierenden Gewerbe (Projektzeitraum Mai 2007 bis Februar 2008) durchgefhrt. Ihr Ziel war es, die zuknftige Rolle der Logistik fr das produzierende Gewerbe nher zu spezifizieren. Die in diesem Rahmen erarbeiteten Themenfelder sollten dann in der Diskussion mit Logistikexperten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen von Exper-tengesprchen und einem ffentlichen Diskurs hinterfragt und aufbe-reitet werden. Damit sollte die Grundlage fr die zielgerichtete Kon-zeption zuknftiger Forschungsfrderungsmanahmen gelegt werden. Die Struktur des Abschlussberichts folgt weitgehend der Abfolge der Arbeitspakete im Projektvorgehen.

    Nach der Einleitung erfolgt in Kapitel 2 die Einordnung der Voruntersu-chung Logistik im produzierenden Gewerbe in das Rahmenprogramm Forschung fr die Produktion von morgen sowie die Vorstellung der im Projekt verfolgten Vorgehensweise und Forschungsmethodik.

    Basis fr die Priorisierung von Forschungsfrderungsmanahmen sind Forschungsbedarfe, die aus Sicht der Wissenschaft und der Unter-nehmenspraxis identifiziert werden. So stellt Kapitel 3 im Sinne einer Status-Quo-Erfassung die in der Befragung erhobenen Strken und Schwchen der Logistik in Deutschland vor, um die Grundlage fr die Vertiefung der Themen im weiteren Verlauf des Berichts zu schaffen.

    In Kapitel 4 werden dann die Themenfelder der Voruntersuchung, die auf der umfangreichen Literaturanalyse und den Expertengesprchen basieren, nher vorgestellt. Auch werden hier die Ergebnisse der unter Unternehmensvertretern durchgefhrten Befragung und die dadurch erfolgte Priorisierung der Themenfelder vorgestellt.

    Die im ffentlichen Diskurs am 12. Februar 2008 in Frankfurt (Main) vorgestellten Forschungsergebnisse, sowie die Inhalte und Resultate der dort durchgefhrten Diskussion, gibt Kapitel 5 wieder. Den Kernin-halt dieses Kapitels bilden die drei im Rahmen des Diskurses heraus-gearbeiteten Themenkomplexe, die bei der Ausschreibung zuknftiger Forschungsvorhaben besondere Bercksichtigung finden werden.

    Der Abschlussbericht schliet in Kapitel 6 mit einer zusammenfassen-den Bewertung der Forschungsergebnisse und einem Ausblick auf zu-knftige Schwerpunkte der Frderung von Logistik-Forschungsprojek-ten im produzierenden Gewerbe.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    2 ProjEktbEschrEIbung

    Die Einbindung der Voruntersuchung Logistik im produzierenden Ge-werbe in das Rahmenprogramm Forschung fr die Produktion von morgen wird im Folgenden kurz beschrieben, bevor auf die im Projekt verfolgte Methodik in Unterkapitel 2.2 eingegangen wird.

    2.1 Einordnung des Projekts in das rah-menprogramm Forschung fr die Produk-tion von morgen

    Die Struktur des Rahmenprogramms Forschung fr die Produktion von morgen beinhaltet vier Handlungsfelder, anhand derer Forschungsfr-derungsmanahmen ausgeschrieben und Forschungsprojekte konzi-piert werden. Diese Handlungsfelder sind im Einzelnen:

    Marktentwicklung und strategische Produktplanung Technologien und Produktausrstungen Neue Formen der Zusammenarbeit produzierender Unternehmen Der Mensch und das wandlungsfhige Unternehmen

    Unter der Federfhrung von Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner (Technische Universitt Dortmund, Institut fr Umformtechnik und Leichtbau; seit 2007 Prsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft) wurden in ei-nem bis Februar 2007 dauernden Projekt die Handlungsfelder und die darin enthaltenen Themen analysiert. Im Sinne einer Fortschreibung des Rahmenkonzepts sind neue Forschungsfelder und -themen in den einzelnen Handlungsfeldern aufgearbeitet worden.

    Im Rahmen der Ausarbeitung zuknftiger Schwerpunkte im dritten Handlungsfeld Neue Formen der Zusammenarbeit produzierender Un-ternehmen wurde sehr deutlich, dass die Logistik als verbindendes Element weltweit verteilter Produktionsstandorte fr produzierende Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor der Zukunft ist. Auf Basis die-ser Erkenntnisse wurde im Mai 2007 die Voruntersuchung Logistik im produzierenden Gewerbe gestartet.

    Abbildung 1: Wissensbasis der Voruntersuchung

    Drei der fhrenden Logistikinstitute Deutschlands der Bereich Logis-tik der Technischen Universitt Berlin, das Bremer Institut fr Produk-tion und Logistik GmbH und der Lehrstuhl fr Frder- und Lagerwesen der Technischen Universitt Dortmund wurden mit der Aufgabe be-traut, die im Abschlussbericht des oben genannten Fortschreibungs-projekts erarbeiteten zuknftigen Themenschwerpunkte in der Logistik weiter auszuarbeiten.

    Die Anforderung an die Voruntersuchung Logistik im produzierenden Gewerbe war, die heutige und zuknftige Rolle der Logistik fr produ-zierende Unternehmen in Deutschland nher zu beleuchten. Insbeson-dere stand die Detaillierung und Priorisierung von Themenfeldern zur zielgerichteten Ausschreibung zuknftiger Forschungsfrderungsma-nahmen im Vordergrund.

    2.2 Methodik der Voruntersuchung

    Ziel des vorliegenden Forschungsprojektes war die Definition zuknf-tiger Forschungsschwerpunkte fr die Logistik im produzierenden Ge-werbe. Dabei wurde besonderen Wert auf Themenoffenheit sowie pra-xisnahe Inhalte, die an der aktuellen wirtschaftlichen Lage orientiert sind, gelegt. Um dies zu gewhrleisten, sollten nicht nur die Expertise des Forschungsteams eingebracht, sondern vor allem Logistikexperten aus Wirtschaft und Forschung sowie die Ergebnisse verschiedener Stu-dien mit logistischem Hintergrund herangezogen werden. Mit Hilfe die-ser Wissensbasis (siehe Abbildung 1) konnten aus der derzeitigen Si-tuation Herausforderungen eruiert und daraus resultierende zuknftige Forschungsfelder im Bereich der Logistik aufgezeigt werden. Durch den Einbezug ausgewiesener Logistikexperten konnten auerdem neueste Entwicklungen und bisher unverffentlichte sowie undokumentierte Meinungen dargestellt und bercksichtigt werden.

    Auswertung von Studien:MIT SC2020, BDI Klimastudie von McKinsey, Capgemini Studien, Frazelle Logistics Megatrends, Trends und Strategien, Megatrends in Deutschland etc.

    Besuch von logistikrelevanten Kongressen:24. Deutscher Logistik-Kongress, 25. Dortmunder Gesprche,

    Greening Logistics, 4. Hanselog, ManuFuture Konferenz, CSCMP-Conference (Philadelphia), SCM-Council (Brssel) etc.

    International Gesprche mit Logistikprofessoren:Befragung von Professoren aus den USA zu

    internationalen zukunftsrelevanten Forschungsthemen

    Analyse relevanter Forschungsartikel:Bowersox Ten Megatrends in SCM, Paquette Environmental Pressures, Rice/Caniato Building a secure and resilient supply chain etc.

    National Durchfhrung von Experteninterviews:Befragung von Professoren, ehemaligen Doktoranden,

    Praxispartnern im Logistikmanagement

    Durchfhrung eines ffentlichen Diskurses:Diskussion und Priorisierung der Forschungsschwerpunktthemen

    Empirische Erhebung ber die Relevanz der Forschungsthemen in der Praxis

    berblick der Forschungsthemen aus 15 internationalen Logistikzeitschriften: International Journal of Logistics, Management, Journal of Business Logistics, Supply Chain Management Review, Logistikmanagement etc.

    Ergebnisse der Voruntersuchung

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Um den Anforderungen der Voruntersuchung gerecht zu werden, war es von groer Bedeutung, das richtige Vorgehen zur Datenerhebung auszuwhlen. Fr die primre Datenerhebung wurden die Methoden der Befragung und Beobachtung gewhlt. Eine Sekundranalyse wurde in Form einer Literaturrecherche durchgefhrt. Ausgewhlt wurden die einzelnen Methoden unter Bercksichtigung verschiedener Aspekte wie dem Aufwand, dem Nutzen, der Gte, der Granularitt, der Komplexitt und der Erfassung zustzlicher Informationen bei der Datenerhebung.Die Daten sollten eine hohe Qualitt und Komplexitt aufweisen, da sie die Grundlage zur Definition zuknftiger Forschungsschwerpunkte bil-den und somit die Vielschichtigkeit und Zusammenhnge logistischer Themen wiedergeben mssen. Ein weiteres Auswahlkriterium waren aufgrund des beschrnkten Projektzeitraumes von acht Monaten die zur Verfgung stehenden Zeit- und Personalressourcen.

    Fr das aktuelle Projekt kristallisierte sich nach der Analyse verschie-dener Datenerhebungsmethoden folgende bestmgliche Variante der Datenerhebung heraus: Die Durchfhrung einer publikationsorien-tierten Literaturanalyse, der Besuch verschiedener logistikrelevanter Veranstaltungen und die mndliche und schriftliche Befragung ausge-whlter Experten aus Wissenschaft und Praxis. Durch den Besuch der Konferenzen des Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP) und des Supply Chain Council (SCC) sowie durch Gesprche, die von Prof. ten Hompel im Rahmen des Besuchs verschiedener For-schungsinstitute in den USA durchgefhrt wurden, ergab sich dazu die Mglichkeit, einen berblick ber aktuelle internationale Trends und zuknftige Forschungsschwerpunktthemen im Bereich der Logistik zu erlangen.

    In einem ersten Schritt erfolgte die Sichtung und Auswertung beste-hender Forschungsfelder. In einer umfangreichen Literaturanalyse wurden aktuelle Verffentlichungen im Bereich Logistik (d.h. Beitrge in Fachzeitschriften, Dissertationen und aktuell erschienene Bcher) sowie Studien anderer nationaler und internationaler Forschungs- und Beratungseinrichtungen eingehend untersucht und die dort formulier-ten Forschungsbedarfe aufgenommen. Um neben der Sicht der Wis-senschaft auch die Unternehmenspraxis, sowie die Sicht von Politik und Verbnden in die Untersuchung mit einzubeziehen, wurden nam-hafte logistikrelevante Konferenzen und Tagungen besucht. Dazu zh-len die Tagesforen Greening Logistics (Organisation: Grnen Bundes-tagsfraktion) und MANUFUTURE Konferenz Germany (Organisation: Fraunhofer IPA) und mehrere Konferenzen, wie die 5. Hanselog (Or-ganisation: Bundesvereinigung Logistik), die 25. Dortmunder Gespr-che (Organisation: Fraunhofer IML und Bundesvereinigung Logistik), der 24. Deutsche Logistik-Kongress (Organisation: Bundesvereinigung Logistik), Supply Chain Council European Conference (Organisation: Supply Council) und auch der CSCMP Jahreskongress in Philadelphia (USA) (Organisation: Council of Supply Chain Professionals).

    ExperteninterviewsParallel zur Analyse von Studien und Zeitschriften sowie dem Besuch zahlreicher Logistikveranstaltungen wurde ein ausgewhlter Experten-kreis interviewt. Dies erfolgte in Form eines teilstrukturierten Experten-interviews. Dabei wurde das Interview nach einem vorher definierten Leitfaden durchgefhrt, war jedoch nicht an feste Fragen gebunden. Diese Art der Interviewfhrung erwies sich in Pretestinterviews als vorteilhaft gegenber einem fest strukturierten oder einem freien In-terview. Der Leitfaden erleichterte dem Interviewer, das Gesprch zu fhren und wichtige Themen anzusprechen. Gleichzeitig hatte er die Mglichkeit, weniger relevante Themengebiete zu verkrzen bzw. auf vorher unbedachte, vom Interviewten eingebrachte Thesen einzuge-hen. Um eine natrliche Gesprchssituation herzustellen, wurde da-rauf geachtet, die Formulierung der Fragen mglichst offen zu lassen. Dies war jedoch nur insoweit realisierbar, wie die Fragen im Leitfaden abgehandelt und somit bestimmte Themen herausgestellt werden konnten. Weiterhin war darauf zu achten, die Fragen neutral, eindeutig und gut verstndlich zu formulieren. Seitens des Interviewten sollte es keine Verstndnisschwierigkeiten geben. Auerdem wurden Sugges-tivfragen vermieden, die dem Proband eine allgemeine Meinung oder Tendenz htten aufgezwingen knnen.

    Bei der Festlegung der Fragenschwerpunkte und der Gliederung des Interviews wurden vier Dimensionen herausgearbeitet und nacheinan-der von bergeordneten Problemen bis hin zu detaillierten Aspekten abgehandelt. Folgende Fragenschwerpunkte wurden ausgewhlt:

    Zuknftige Relevanz des Forschungsfeldes Dringlichkeit des Forschungsfeldes Forschungsbedarf auf diesem Gebiet Hemmnisse, die einer Umsetzung des Forschungsfeldes im Wege

    stehen

    Neben der Auswahl der im Interview zu behandelnden Fragestellungen war die Auswahl der Experten ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt, um die Qualitt der Primranalyse zu gewhrleisten. Bei der Expertenauswahl wurde auf bereits bestehende Kontakte der am Projekt beteiligten Institu-te zurckgegriffen. Die ausgewhlten Experten waren teilweise bereits in der Forschung ttig und sind aktuell in der Industrie beschftigt.

    Vor der eigentlichen Befragung wurden einige Pretests durchgefhrt, um mgliche Redundanzen zu beseitigen und die im Vorfeld vorge-nommene Zeitabschtzung von ca. einer Stunde pro Interview zu be-sttigen. Nach Abschluss der Pretestphase und der daraus folgenden berarbeitung des Leitfadens fanden die eigentlichen Experteninter-views statt.

    Die ausgewhlten Logistikexperten wurden an ihren Arbeitspltzen befragt. Dies hatte den Vorteil, dass sich die Befragten in ihrer ge-wohnten Gesprchsumgebung befanden und sich somit schnell auf die Interviewsituation einstellen konnten. Im Verlauf des Interviews fun-gierte ein Teammitglied des Projektkonsortiums als Hauptgesprchs-partner, whrend das andere Mitglied die wichtigsten Thesen des Ex-perten schriftlich festhielt. Zustzlich wurden die Gesprche mit dem Einverstndnis des Befragten per Diktaphon aufgenommen. So ergab sich die Mglichkeit einer nachtrglichen Transkription des Gesprchs. Anschlieend wurden die relevanten Thesen mit Hilfe einer qualitati-ven Inhaltsanalyse aus dem Transkript extrahiert.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Insgesamt wurden 19 Interviews durchgefhrt, was nach Rcksprache mit dem Zentrum fr Umfragen, Methoden und Analysen (GESIS-ZUMA) in Mannheim fr den Erhalt zukunftsrelevanter Logistikthesen zur wei-teren Bearbeitung des Projektes eine ausreichende Basis darstellte.

    Schriftliche BefragungDie in den Experteninterviews und der Literaturanalyse herausgear-beiteten Thesen wurden im weiteren Projektverlauf zusammengefasst und in einer schriftlichen bzw. elektronischen Befragung einer gre-ren Anzahl von Logistikexperten vorgelegt. Im Rahmen des Projektes war es sinnvoll, den semantischen Aufbau der Expertenthesen fr den Fragebogen nicht zu verndern, da nur so die erforderliche Komplexitt der Fragen und Thesen erhalten bleiben konnte.

    Innerhalb des Fragebogens wurden die einzelnen Thesen verschiede-nen Oberthemen zugeordnet (Beispiel: Die These Differenzierung der Logistikdienstleistungen zur Erfllung individueller Kundenanforderun-gen wurde dem Oberthema Flexibilisierung zugeordnet). Die Anord-nung der Themenblcke erfolgte auch hier von bergeordneten hin zu detaillierten Aussagen. Insgesamt entstanden 10 Blcke mit insge-samt 70 Thesen sowie 3 kompakten Frageblcken. Als Einstieg wurden die Kategorien Strken und Schwchen der Logistik in Deutschland zu einer Fragengruppe zusammengefasst. Darauf folgten die Abschnitte Nachhaltigkeit, demografischer Wandel, Standardisierung, Flexibilisie-rung, Netzwerkdesign, Informationstechnik, Transparenz und Sicher-heit/Stabilitt. Die abschlieende kompakte Fragengruppe beinhaltet die zuknftige Relevanz, Hemmnisse und Stand der Forschung ber-geordneter Themengebiete. Ein Ausschnitt des entwickelten Fragebo-gens wird in Abbildung 2 dargestellt.

    Abbildung 2: Ausschnitt des entwickelten Fragebogens

    Ein prioritres Kriterium der Fragebogengestaltung war die Wertungs-skala. Dies diente zur Operationalisierung der Informationen. Die Entscheidung fiel auf eine sechsstufige geschlossene Skala mit einer Kombination aus verbalen und numerischen Skalenwerten sowie der Mglichkeit, sich der Abstimmung zu enthalten. Dieser Aufbau deckt sich mit den Empfehlungen des GESIS-ZUMA und fhrte zu einer guten bersichtlichkeit bei gleichzeitiger Angabe eines Wertungstrends.

    Die gerade Anzahl an Wertungen zwang die Experten dazu, bei Unent-schlossenheit zumindest einen Trend anzugeben. So sollte die Hufung von neutralen Wertungen verhindert werden. Die Mglichkeit der kom-pletten Enthaltung war dennoch wichtig, da bei der groen Themen-vielfalt nicht davon ausgegangen werden konnte, dass jeder Befragte zu allen Fragen die erforderlichen Expertisen aufwies.

    Informationen zum Unternehmen der befragten Experten wurden auf Branche, Anzahl der Mitarbeiter und den Jahresumsatz in gestaffelter Form begrenzt. Diese Daten dienten zur Einordnung der Unternehmen in Grenkategorien, um den Einfluss auf die Schwerpunktsetzung der einzelnen Themen zu messen. In die Befragung wurden sowohl Vertre-ter von Grounternehmen als auch klein- und mittelstndischen Unter-nehmen (KMU) einbezogen.

    Wie auch schon bei den mndlichen Befragungen wurden vorab einige Pretests durchgefhrt, um eventuelle Verstndnisprobleme, den Zeitbe-darf und Mngel zu extrahieren. Der anschlieende Versand von ca. 150 Fragebgen an die ausgewhlten Experten erfolgte elektronisch und postalisch. Einige Fragebgen wurden persnlich auf dem 24. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin berreicht. Von den versandten Fragebgen wurden 63 bearbeitet und zurckgesandt, was einer Rcklaufquote von ca. 42% entspricht. Dies zeigt den hohen Stellenwert der Untersuchung bei den Experten, um neue Schwerpunkte fr die Forschung zu identi-fizieren und Defizite in einigen Bereichen der Logistik aufzudecken und zu beseitigen. Die zurckgesandten Fragebgen wurden mit Hilfe der modular aufgebauten statistischen Analysesoftware SPSS ausgewertet. Anschlieend wurden die Ergebnisse innerhalb der beteiligten Institutio-nen diskutiert und aufbereitet. Der komplette Fragebogen ist im Anhang des Abschlussberichtes zu finden.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    DiskursNeben der Abfrage der aufgestellten Thesen anhand des Fragebogens wurde ein ffentlicher Diskurs in Frankfurt (Main) veranstaltet. Dieser Diskurs richtete sich sowohl an Wissenschaftler als auch an Praktiker mit logistischem Hintergrund. Im Rahmen des Diskurses wurden die Er-gebnisse der Befragung und der daraus folgende Handlungsbedarf auf den unterschiedlichen Themengebieten von den beteiligten Instituten vorgestellt. Anschlieend fand eine Fachdiskussion ber zuknftige Forschungsschwerpunktthemen zwischen Vertretern der Wissenschaft und Unternehmenspraxis statt und wurde durch die Priorisierung vor-rangiger Forschungsthemen abgeschlossen. Am Diskurs nahmen ins-gesamt 42 Experten aus dem Bereich der Logistik teil.

    Abbildung 3: Forschungsdesign der Voruntersuchung

    Durch das gewhlte Vorgehen, das zusammenfassend in Abbildung 3 dargestellt ist, wurden die im Laufe des Projektes gesammelten The-menfelder in mehreren Stufen besttigt und in Handlungsempfehlun-gen berfhrt. Die Informationen aus der intensiven Literaturanalyse und die Thesen der Expertengesprche wurden in einem schriftlichen bzw. elektronischen Fragebogen einem breiteren Publikum vorgelegt und beurteilt. Die daraus resultierenden Ergebnisse wurden abschlie-end im Rahmen eines ffentlichen Diskurses diskutiert und priori-siert. Darber hinaus wurde die Vorgehensweise bei der mndlichen und schriftlichen Befragung durch das GESIS-ZUMA abgesichert, um ein fehlerfreies methodisches Vorgehen und damit den wissenschaftli-chen Anspruch zu gewhrleisten.

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    Experteninterviews: Abfrage zuknftiger Schwerpunktthemen in der Logistik Diskussion spezieller aus der Meta-Analyse gefilterter Themen (N=19)

    Besuch von logistikrelevanten Kongressen

    Analyse von: Studien und Zeitschriften

    Diskurs: Diskussion der Prioritt der Themen im Dialog zwischen Wissenschaft und Unternehmenspraxis

    Fragebogen: Besttigung/Widerlegung der Relevanz genannter Themen in der Praxis (N=63)

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    3 stAndortbEstIMMung dEr logIstIk In dEutschlAnd

    Als drittgrte Branche in Deutschland mit einem Umsatzvolumen von rund 175 Mrd. Euro und ber 2,6 Mio. Beschftigten zhlt die Logistik nach der Automobil- und Elektroindustrie zu den fhrenden Industriezweigen Deutschlands. Ein jhrliches Wachstum von ber 5% unterstreicht zudem die Bedeutung der Logistik fr den Standort Deutschland (Klaus u. Kille 2007). Viele Branchen des produzierenden Gewerbes, wie z.B. die Automobil-, Metall- und Elektro-, die Chemie- und Pharma- sowie die Stahlindustrie, sind in der Verbindung ihrer weltweit verteilten Wertschpfungsnetze und Absatzmrkte auf eine leistungsfhige Logistik angewiesen (Straube et al. 2005; Jahns et al. 2005; Bundesverband der Deutschen Industrie 2007).

    Durch die Konzentration auf ihre Kernkompetenzen und die damit verbundene Auslagerung von Wertschpfungsumfngen, stehen pro-duzierende Unternehmen vor der Herausforderung, Zulieferer, aber auch Standorte fr die Produktion von Vorprodukten und Komponen-ten in ihre Produktionsprozesse nahtlos einzubinden. Die zunehmende Spezialisierung von Unternehmen, aber auch die auf absehbare Zeit weiter auf hohem Niveau liegenden Lohnkosten in Deutschland las-sen die Vermutung zu, dass diese Entwicklung weiter anhalten wird (SCI 2008). In diesem Zusammenhang ist die Signifikanz der Logistik fr Unternehmen in den letzen Jahren stetig gestiegen (Straube et al. 2005). Um dieser Bedeutung gerecht zu werden, hat die Logistik in Deutschland eine enorme Entwicklung erfahren, die sich in ihrer heuti-gen Leistungsfhigkeit widerspiegelt.

    Gerade die Automobilindustrie, eine der Vorzeigebranchen Deutsch-lands, hat besonders hohe Ansprche an die Logistik und treibt die Entwicklung anspruchsvoller Konzepte voran. Ein Blick auf die mit Logistikpreisen verschiedener Organisationen ausgezeichneten Unter-nehmen in den vergangenen Jahren, wie beispielsweise der Bundesver-einigung Logistik (BVL) oder des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) unterstreicht dies. Aber auch in produkti-onsorientierten Benchmarking-Wettbewerben wie dem Manufacturing Excellence Award oder Die beste Fabrik werden immer wieder die logistischen Konzepte der Automobilindustrie als fhrend ausgezeich-net (Klinkner u. Straube 2007). Die Implementierung anspruchsvoller Logistikkonzepte wie der Anlieferung Just-in-Time (JIT) oder Just-in-Sequence (JIS), auch ber die Entfernung mehrerer Hundert oder Tau-send Kilometer (Long Range JIS), wird in dieser Branche bereits seit vielen Jahren vorangetrieben und erfolgreich umgesetzt (VDA 2008). Dies unterstreicht die konzeptionelle und operative Leistungsfhigkeit der Logistik in Deutschland im Zusammenspiel zwischen produzieren-den Unternehmen und der Logistikbranche. Neben der Automobilbran-che haben auch andere als die oben aufgefhrten Industriezweige inzwischen eine hohe Leistungsfhigkeit erreicht (Straube et al. 2005; Jahns et al. 2005).

    Ferner finden ebenso auf der Absatzseite anspruchsvolle Logistikkon-zepte Anwendung. Auch hier sei auf einige Gewinner von Logistikprei-sen verwiesen, die durch intelligente Logistikkonzeptionen Wettbe-werbsvorteile gegenber ihren internationalen Mitbewerbern erzielen konnten und international expandieren (BVL 2007). Die Bedeutung der Logistikbranche wird somit nicht nur durch die Exportstrke des produ-zierenden Gewerbes in Deutschland hervorgerufen. Angesichts seiner 82 Millionen Einwohner ist Deutschland der grte Absatzmarkt in Eu-ropa (Fraunhofer IIS u. Invest in Germany 2005). Dabei herrschen sehr unterschiedliche Gegebenheiten als Rahmenbedingungen vor: Einer-seits gilt es, die Versorgung von Ballungsregionen wie dem Ruhrgebiet, dem Rheinland, aber auch Metropolregionen wie Berlin oder Hamburg sicherzustellen. Andererseits sind auch dnn besiedelte Gebiete oder entlegene Regionen logistisch zu erschlieen. Diesen hohen Anforde-rungen wird die Logistikbranche in Deutschland gerecht, wodurch sich einige Logistikdienstleister zu weltweit fhrenden Global Playern ent-wickelt haben (Fraunhofer IIS u. Invest in Germany 2005).

    Neben den Gegebenheiten auf der Beschaffungs- und Absatzseite ist auch die geografische Lage Deutschlands fr die Logistik von Vorteil. Durch seine zentrale Lage in Europa ist Deutschland zu einer logis-tischen Drehscheibe fr die gesamte Europische Union geworden. Diese gnstige Ausgangssituation bereitet Deutschland den Weg zum logistischen Zentrum Europas fr Importe, Exporte sowie zentraleu-ropische Konsolidierungs- und Verteilungsaufgaben (Bullinger et al. 2006). So wird die genannte Entwicklung an der Bedeutung der deut-schen Seehfen deutlich - Hamburg ist nach Rotterdam mit 9,89 Mio. umgeschlagener Container (TEU) der zweitgrte Containerhafen Euro-pas (Hypovereinsbank 2008). Durch seine Lage bietet er sich nicht nur fr Importe als das Tor zu Europa an, auch fr Verteilaufgaben in der Ostseeregion spielt Hamburg eine bedeutende Rolle. Auch im Bereich der Luftfracht ist Deutschland mit dem Flughafen Frankfurt (Main), dem grten Frachtflughafen Europas (Airports Council International 2008), aber auch Flughfen wie Kln/Bonn als Europa-Hub fr UPS und Leipzig/Halle als zuknftiges Europa-Hub fr DHL von entscheide-ner Bedeutung. Untersttzt wird diese Entwicklung durch die gut aus-gebaute und leistungsfhige Infrastruktur mit 34 Autobahnkilometern und 116 Kilometern Eisenbahnstrecke je 1.000 Quadratkilometern Flche. Diese hat sich im internationalen Wettbewerb der Wirtschaft-standorte als Erfolgsfaktor fr die Logistik am Standort Deutschland herausgestellt (Bundesverband der Deutschen Industrie 2007).

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Neben der Logistikdienstleistungsbranche ist auch der Bereich der Logistiktechnologie ein Aushngeschild Deutschlands. Viele Intralo-gistikhersteller, die technologisch anspruchsvolle Frder- und Lager-systeme herstellen, sind deutsche Unternehmen. Mit Dematic und SSI Schfer zhlen beispielsweise zwei deutsche Unternehmen zu den Weltmarktfhrern der Intralogistikbranche (Kator 2007). Auch im Segment der Transportmittel finden sich im Bereich Lastkraftwagen (z.B. Mercedes-Benz oder MAN), in der Trailerherstellung (z.B. Krone oder Schmitz Cargobull) oder im Feld der Bahntechnik (z.B. Siemens, Krauss-Maffei oder Knorr-Bremse) deutsche Unternehmen auf europ-ischen oder weltweiten Spitzenpltzen wieder.

    Darber hinaus ist Deutschland auch bei der Entwicklung und im Einsatz innovativer Technologien, wie beispielsweise der RFID-Tech-nologie, im weltweiten Vergleich fhrend (SCI 2006; Straube u. Vo-geler 2008). Generell besteht eine starke Verknpfung von Logistik und Informationstechnologien in Deutschland, woraus u.a. ein hohes technologisches Know-how, eine gut ausgebaute Kommunikationsinf-rastruktur und ein geringerer Vorbehalt gegenber neuen Technologien resultieren (SCI 2006). Sinkende Marktpreise fr Informations- und Kommunikationstechnologien untersttzen den Trend zum Einsatz neuer Technologien auf dem Gebiet der Logistik (Arndt 2006).

    Neben den dargestellten Rahmenbedingungen seitens der Indust-rie, der Kunden und der Infrastruktur spielt auch die konzeptionelle Leistungsfhigkeit der Logistik in Deutschland eine groe Rolle: Die Ingenieursausbildung an deutschen Universitten hat eine Tradition von annhernd 200 Jahren. Auf dieser Basis hat sich in den 1970er Jahren ausgehend von der technikorientierten Forschung und Leh-re im Bereich der Materialflusssysteme die systematische wissen-schaftliche Bearbeitung im Bereich Logistik durch die Grndung erster Logistiklehrsthle an deutschen Universitten entwickelt. Im Rahmen dieser Entwicklung wurde bereits sehr frh der interdisziplinre Cha-rakter durch die Verknpfung von betriebswirtschaftlichen, ingenieur-wissenschaftlichen und informationstechnischen Belangen betont (Baumgarten u. Ziebell 1988; Jnemann 1989). Die hieraus entstan-dene jahrzehntelange Tradition der Logistikforschung und das daraus resultierende logistische Know-how strken den Logistikstandort Deutschland. Diese Position wird durch vielfltige Forschungsfrde-rungsprogramme, die die technologische Kompetenz deutscher Unter-nehmen im Bereich der Produktentwicklung und der Produktions- bzw. Fertigungstechnik unterstreichen, nachhaltig gesichert (MANUFUTURE 2007; Kleiner 2007).

    Darber hinaus wird die Logistik auch durch die Arbeit von Verbnden in hohem Mae untersttzt und gefrdert. Organisationen wie die Bun-desvereinigung Logistik (BVL), der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), aber auch Fachgruppen in Verbnden wie beispielsweise dem Verband deutscher Ingenieure (VDI), dem Verband der Automobilindustrie (VDA) oder dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) untersttzen durch ihre vielfltigen Veranstal-tungen den Dialog zwischen der Logistikbranche, dem produzierenden Gewerbe, wie auch mit der Politik und ffentlichen Einrichtungen.

    Im Rahmen der Sekundranalyse und der parallel durchgefhrten Ex-pertengesprche wurden bereits im Vorfeld verschiedene Strken und Schwchen extrahiert, die in einem weiteren Schritt in der schriftli-chen Befragung validiert wurden. Die Befragung im Rahmen der Vor-untersuchung besttigt die bereits aufgefhrten Strken der Logistik in Deutschland, wie in Abbildung 4 zum Ausdruck kommt. Sie zeigt die Einschtzung der befragten Logistikexperten hinsichtlich der Strken der Logistik in Deutschland auf (jeweils Mittelwerte auf einer Skala von 1 (stimme voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)).

    Abbildung 4: Strken der Logistik in Deutschland

    Neben der Logistikeffizienz fanden sowohl die Themengebiete Technolo-gie, internationale Ausrichtung, branchenorientierte Logistikdienstleis-tungen als auch Informationstechnologie (IT) eine hohe Zustimmung. Im Rahmen zuknftiger Forschungsfrderungsmanahmen gilt es nun, diese Strken zu strken, ohne dabei jedoch die Verbesserungspo-tenziale der Logistik in Deutschland aus den Augen zu verlieren. Diese wurden analog zu den Strken im Rahmen der Sekundranalyse und der Expertengesprche erhoben sowie im Rahmen der Befragung vali-diert und priorisiert.

    Logistikeffizienz 2,03

    Technologie 2,10

    Internationale Ausrichtung 2,23

    branchenorientierte Logistikdienstleistung 2,31

    IT 2,39

    1,00 1,50 2,00 2,50 3,00

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Trotz der im ersten Teil des Kapitels dargestellten beeindruckenden Situation und Leistungsfhigkeit der Logistik in Deutschland gibt es zahlreiche Felder, in denen zuknftig Anstrengungen unternommen werden mssen, um die Logistikbranche in Deutschland, v.a. im Hin-blick auf das Zusammenspiel mit der Industrie, weiterzuentwickeln, die Wettbewerbsfhigkeit des produzierenden Gewerbes nachhaltig zu strken und die Attraktivitt des Logistikstandortes Deutschland langfristig aufrechtzuerhalten.

    Im Rahmen einer Untersuchung zur Steigerung der Attraktivitt des Logistikstandorts Deutschland wurden u.a. folgende Schwchen iden-tifiziert (Fraunhofer IIS u. Invest in Germany 2005): In vielen Teilen des Landes ist die Verkehrsinfrastruktur nicht in dem selben Mae wei-terentwickelt worden, wie ihr Nutzungsgrad zugenommen hat. Durch die daraus resultierende berlastung der Verkehrswege wird in Teilen bereits eine suboptimale Leistung von Logistikprozessen erzeugt, weil zeitliche Sicherheitspuffer in die Prozesse eingeplant werden mssen. Auch das teilweise starre Rechtsgefge und langwierige Genehmi-gungsverfahren lassen den Logistikstandort Deutschland im Vergleich zu Wettbewerbern abfallen (SCI 2006). Das hohe Lohnkostenniveau trifft selbstverstndlich auch die Logistikbranche, die dieses nur par-tiell durch ihre Effizienz wieder ausgleichen kann. Der sich abzeichnen-de Klimawandel und die begrenzten Ressourcen, welche einen starken Anstieg der Energiepreise bewirken, verstrken die Forderungen nach einer ressourceneffizienten und kologisch ausgerichteten Logistik (Stern 2007).

    Die auf Leistungserbringung, Qualittssicherung und Kostensenkung ausgerichtete Unternehmenslogistik legte den Fokus bisher kaum auf den kologischen Aspekt, der u.a. die Bereiche Energieeffizienz und Ressourcenschonung umfasst. Die Umsetzung kologischer Zielset-zungen steht bis heute im Zielkonflikt mit der logistischen Leistungser-bringung (Scholz-Reiter et al. 2007). Manahmen zur Ressourcenscho-nung in der Logistik wurden nur dann in Unternehmen und Lieferketten durchgefhrt, wenn dadurch ein Image- oder Marketingvorteil erzielt werden konnte, wie dies z.B. die Einfhrung des klimaneutralen Paket-versands bei einigen Unternehmen zeigt. Erst seit kurzer Zeit ist fest-zustellen, dass diese Themen die Logistikwelt erreicht haben. So wird beispielsweise im aktuellen Manufacturing Excellence Report 2007 herausgestellt, dass der Fokus in der Unternehmenspraxis nicht mehr allein auf reinen Kostensenkungsprojekten liegt. Alle teilnehmenden Unternehmen des Benchmarking-Wettbewerbs bercksichtigen As-pekte der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes in der Produktent-wicklung. Die am besten abschneidenden Teilnehmer nutzen berdies gezielt ressourcenschonende Technologien und integrieren Gesichts-punkte der Rckfhrung und des Recyclings in der Produktentwicklung (Klinkner u. Straube 2007). Abbildung 5 zeigt das Spannungsdreieck der Logistikziele Leistung, Qualitt und Kosten, erweitert um den As-pekt Ressourcenschonung.

    Abbildung 5: Spannungsdreieck der Logistikziele (in Anlehnung an Gudehus 2005)

    Der Aspekt der Ressourcenschonung erfordert die Bercksichtigung vieler Details. Trotz der aufgezeigten guten Logistikinfrastruktur sind Autobahnen und andere Fernstraen hufig berfllt und auch das Schienennetz ist vor allem auf den Hauptkorridoren am Rande seiner Kapazittsgrenze angelangt (Europische Kommission 2005). Werden in diesem Zusammenhang intermodale Transportkonzepte als eine L-sungsmglichkeit genannt, ist zu bercksichtigen, dass diese im Ver-gleich zu monomodalen Konzepten zwar umweltfreundlicher und infra-strukturschonender sind, die Ansprche hinsichtlich Zuverlssigkeit, Flexibilitt und Strungsanflligkeit jedoch noch nicht im gewnschten Mae erfllt werden.

    Die Expertenbefragung im Rahmen dieser Voruntersuchung besttig-te weitere Schwchen, die in Abbildung 6 dargestellt werden und auf zuknftige Verbesserungsfelder der Logistik hinweisen (jeweils Mittel-werte auf einer Skala von 1 (stimme voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)).

    Leistung Auftrge Durchsatz Lagern Termine etc.

    Korrelationen zwischen den Logistikzielen

    Qualitt Lieferfhigkeit Termintreue Sendungsqualitt Flexibilitt etc.

    Kosten Personal Betriebsmittel Transportmittel Bestnde etc.

    Ressourcenschonung Abfall und Schadstoffe Ressourceneinsatz Energie- und Flchen-

    verbrauch etc.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Abbildung 6: Schwchen der Logistik in Deutschland

    Als Hauptmanko der Logistik in Deutschland wird von den Befragten der geringe gesellschaftliche Stellenwert der Logistik gesehen. Die eingangs dargestellten Strken der Logistik sind offensichtlich brei-ten Teilen der Bevlkerung bisher nicht transparent. Damit sttzt das Befragungsergebnis die Vermutung, dass breite Teile der Bevlkerung ohne Bezug zur Logistikbranche die Logistik nur in Form der groen Menge an Lastkraftwagen wahrnehmen, die die rechte Spur der Auto-bahnen belegen (nach I10; VDA 2008).

    Aber auch in vielen Unternehmen selbst spiegelt sich die Bedeutung der Logistik nicht in der Verankerung im Unternehmen wider. Die Lo-gistik wird noch immer von vielen Unternehmen als eine notwendige, kostenverursachende Aufgabe und nicht als ein Element der Unterneh-mensstrategie und Instrument zur Verbesserung der Unternehmens-performance angesehen. Die mangelnde Integration der Logistik in Un-ternehmensstrategie und -struktur wurde in der Befragung ebenfalls zu den Schwchen der Logistik gezhlt und ist als Resultat der geringen Stellung in der Unternehmenspolitik zu sehen. Obwohl die Logistik ein Faktor der Differenzierung auf umkmpften Mrkten und der Steige-rung der Wettbewerbsfhigkeit sein kann, ist sie in vielen Unternehmen hufig noch nicht an der entsprechenden Stelle verankert. Traditionel-le Unternehmensbereiche wie Einkauf oder Marketing erfahren einen deutlich hheren Stellenwert (Straube et al. 2005).

    Nicht nur in Unternehmen, auch auf unternehmensbergreifender Ebe-ne gibt es umfangreiche Verbesserungspotenziale. So wird von den befragten Experten die mangelnde Bereitschaft zum Datenaustausch ein bereits seit vielen Jahren diskutiertes Thema zur unternehmens-bergreifenden Optimierung von Wertschpfungsnetzen im Sinne des Supply Chain Managements als noch nicht ausreichend eingeschtzt. Erst langsam setzt sich die Erkenntnis in der Unternehmenspraxis durch, dass, um die Stellung der produzierenden Industrie Deutsch-lands im globalen Wettbewerb zu strken, unternehmensbergreifende Kooperation, vorzugsweise in nicht von den Unternehmen als Kernkom-petenz definierten Bereichen, notwendig ist. Erste Anstze der Zusam-menarbeit finden sich mittlerweile auch in von intensivem Wettbewerb beherrschten Branchen wie der Automobilindustrie (VDA 2008).

    Als weitere Schwche und somit als Handlungsfeld der Zukunft wird von den befragten Experten das Thema des Fachkrftemangels besttigt. Dieser Mangel an geeignetem Personal, v.a. im technischen Bereich, betrifft neben der Industrie auch besonders die Logistikbranche.

    Im Zusammenhang mit der Befragung ist die Tatsache auffllig, dass die Beurteilung der Schwchen hinsichtlich der berechneten Mittel-werte auf einem mittleren Niveau stattfand, d.h. die Beurteilung der Schwchen erfolgte im Schnitt zwischen Indifferenz und leichter Zu-stimmung. Dies unterstreicht die Konzeption der Voruntersuchung, gezielt Felder der Verbesserung zu identifizieren und diese dann ver-strkt durch Forschungsfrderungsmanahmen zu lancieren, um die Wettbewerbsfhigkeit des produzierenden Gewerbes in Deutschland unter besonderer Bercksichtigung der Stellung und Aufgaben der Logistik zu strken.

    Die hohe Bereitschaft der deutschen Unternehmen zu Effizienzstei-gerung, Innovationen und Kooperationen zeigt einerseits, wie wichtig diese Strategien zur Sicherstellung und Verbesserung der Wettbewerbs-fhigkeit sind. Andererseits werden diese Manahmen vor dem Hinter-grund des steigenden Wettbewerbsdrucks auch zuknftig an Bedeutung gewinnen. Das nchste Kapitel leistet einen Beitrag zur Sicherstellung und Verbesserung der Wettbewerbsfhigkeit der Logistik in Deutsch-land und geht auf zuknftig relevante Themen im Detail ein.

    Geringer gesellschaftlicher Stellenwert der Logistik

    2,44

    Mangelnde Integration der Logistik in die Unternehmensstrategie

    2,71

    Mangelnde kologische Ausrichtung von Logistiksystemen

    2,71

    Mangelnde Bereitschaft der Unternehmen zum Datenaustausch

    2,76

    Niedrige Stellung der Logistik in der Organisationsstruktur der Unternehmen

    2,79

    Unzureichende strategische Sichtweise der Logistik

    2,92

    Nicht ausreichende Nachwuchsfrderung

    2,98

    Skepsis gegenber Innovationen im IT-Bereich

    3,16

    1,00 1,50 2,00 2,50 3,00

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    4 ErgEbnIssE dEr PrIMr- und sEkundrAnAlysE

    Im Folgenden werden die Ergebnisse der Primr- und Sekundranalyse dargestellt. Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben, wurde als Grundlage der Untersuchung eine umfangreiche Literaturanalyse durchgefhrt, die durch Interviews mit Logistikexperten ergnzt wurde. Auf Basis der Ergebnisse konnte dann eine fragebogenbasierte Erhebung begonnen werden, um die in der Literatur vorgefundenen Ergebnisse durch die Unternehmenspraxis validieren und priorisieren zu lassen.

    Die Gesamtergebnisse dieser Projektschritte werden in acht Unterka-piteln nher beschrieben und dienten als Basis fr die Vortrge und anschlieende Diskussion im Rahmen des ffentlichen Diskurses in Frankfurt (Main).

    4.1 ressourceneffizienz

    Die logistische Leistungserbringung war bisher vorrangig darauf ausge-richtet, die bekannten logistischen Zielgren das richtige Gut, zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge und Qualitt, am richtigen Ort, dem richtigen Kunden zu den richtigen Kosten zu erfllen (Plowman 1964; ten Hompel et al. 2007). Zu diesen Forderungen gesellt sich seit einiger Zeit ein weiteres Ziel: die Forderung nach einer ressourcenef-fizienten Logistik. Der effiziente Umgang mit Ressourcen spielte aus Kostengrnden in der Logistik und der Betriebswirtschaft schon immer eine wichtige Rolle. Als Ressourcen werden in diesem Zusammenhang alle Hilfsmittel, die der Mensch zum Wirtschaften braucht, bezeichnet. Dazu zhlen Finanz- und Betriebsmittel, Rohstoffe und Energie ebenso wie Wissen und Personal.

    Aufgrund kontinuierlich steigender Energiekosten und wachsenden Forderungen seitens der Bevlkerung nach umweltgerechten Lsungen wird das Thema Ressourceneffizienz zuknftig eines der Schlsselthe-men fr erfolgreiches unternehmerisches Handeln sein. Der effiziente und umweltgerechte Umgang mit den vorhandenen natrlichen Res-sourcen wird zuknftig auch die Aufgabe der Logistik sein.

    Der Bedarf einer ressourceneffizienten Logistik leitet sich aus verschie-denen Grnden ab. Zum einen reichen die heute bekannten Gas- und lreserven nach Schtzungen der Bundesanstalt fr Geowissenschaf-ten und Ressourcen (BGR) nur noch fr etwa 60 bis 70 Jahre (Bun-desministerium fr Wirtschaft und Arbeit 2005). Zum anderen zhlt Deutschland trotz zahlreicher Manahmen wie der staatlichen Subven-tionierung von erneuerbaren Energien zu den Energieimportlndern. Darber hinaus ist auf dem Energiemarkt ein starker Preisanstieg zu beobachten.

    Neben den aufgefhrten Auswirkungen auf dem Energiemarkt sind auch Faktoren wie beispielsweise Wasserknappheit in einigen Regio-nen der Welt nicht zu vernachlssigen. Eine Trockenperiode knnte zum Wegfall eines Verkehrstrgers fhren, da die inlndischen Wasserstra-en bei einem zu niedrigen Wasserstand nicht mehr passierbar sind und ein Produktionsausfall fr die davon betroffenen Unternehmen die Folge sein kann. Durch die stark wachsende Weltbevlkerung werden Probleme wie die Luftverschmutzung ebenfalls weiter zunehmen. Auch hier gilt es, frhzeitig Gegenmanahmen zu ergreifen, um die dadurch entstehenden Schden so gering wie mglich zu halten.

    Als drittgrte Branche Deutschlands leistet die Logistik einen wichti-gen Beitrag zur deutschen Wirtschaft (Klaus u. Kille 2007). Mit einem jhrlichen Wachstum von 5% zhlt sie zu den stark wachsenden Wirt-schaftszweigen. Die Logistikbranche muss sich der Bedeutung res-sourcenschonendem Handelns bewusst werden, da sie aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Leistung einen hohen Primrenergiebedarf auf-weist und somit einen nicht unwesentlichen Anteil an CO2-Emissionen verursacht. Des Weiteren kann nicht davon ausgegangen werden, dass der logistische Ressourcenbedarf, insbesondere der Bedarf an l, dem zuknftigen Angebot entspricht (Kuhn et al. 2007).

    Bisher wurde die Ressourcenschonung oft vernachlssigt, wenn kei-ne CO2-Einsparungen erzielt werden konnten (Bundesministerium fr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit et al. 2006). Die oben aufgefhrten Grnde verdeutlichen noch einmal die Forderung nach ei-nem effizienten Umgang mit den zur Verfgung stehenden Ressourcen, zumal die Regenerierbarkeit bei einigen Ressourcen nicht gegeben ist. Die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Um-welt wird auch in der Studie The Supply Chain Response to Environ-mental Pressure von Paquette deutlich (Paquette 2005).

    Voraussetzungen fr die Reduktion des Ressourcenverbrauchs sind unter anderem innovative Technologien und die Bereitschaft fr Inves-titionen in die Technik, die durch frhzeitige Frdermanahmen un-tersttzt werden knnen. Fr die Logistik ergeben sich verschiedene Ansatzpunkte zur Erreichung einer effizienten ressourcenfreundlichen Logistik, die im Folgenden aufgefhrt werden.

    Ressourcenschonende Optimierung der Leistungserbringung Die deutsche Politik wie auch die Europische Union erlassen regelm-ig Richtlinien zur weiteren Verringerung des CO2-Ausstoes und for-dern die effiziente Nutzung von Ressourcen durch jeden Einzelnen ein. In diesem Zusammenhang ist das Potenzial der Unternehmen sehr gro, einen signifikanten Beitrag durch nachhaltiges Wirtschaften im Sinne ei-ner gesteigerten Ressourceneffizienz zu leisten. Durch die zunehmende gesellschaftliche Anerkennung und intensive Diskussion dieses Themas, zeichnet sich fr Unternehmen ein klarer Image- und damit Wettbe-werbsvorteil trotz des erhhten Aufwands ab. Dies besttigten auch die befragten Logistikexperten in der vorliegenden Untersuchung, die die ressourcenschonende Optimierung der Leistungserbringung als eines der fnf Top-Forschungsschwerpunktthemen fr die Zukunft definieren (Mittelwert 1,92 auf einer Skala von 1 (stimme voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)). Bei der Realisierung einer ressourceneffizien-ten Logistik im Unternehmen sind die in Abbildung 7 dargestellten Ein-flussfaktoren zu bercksichtigen. Einerseits werden durch Vorschriften und zur Verfgung stehende Ressourcen die Determinanten des Vorha-bens bestimmt, andererseits beeinflussen das vorherrschende ethische Bewusstsein in der Gesellschaft wie auch die Kundenerwartungen den Umgang des Unternehmens mit bereits dargestellten Entwicklungen.

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Abbildung 7: Treiber fr die Optimierung einer ressourcenschonenden Leistungserbringung (in Anlehnung an Paquette 2005)

    Die Steigerung der Ressourceneffizienz ist abhngig von der Entwick-lung dieser Treiber. Es ist notwendig zu untersuchen, wie grn die Logistik eigentlich sein muss, damit Wirtschaftlichkeit, Kundennutzen und kologische Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden knnen. Dazu bedarf es einer Analyse, welche Schritte in produzierenden Bran-chen zur Verbesserung kologischer Gesichtspunkte in der Logistik be-reits erbracht wurden. Effektivitt und Effizienz sind zu bewerten, um Strategien fr die Ressourcenschonung entwickeln zu knnen, welche einen unternehmensbergreifenden Transfer erlauben. Ferner fehlt es insgesamt an einer Quantifizierung des Beitrages der Logistik zur Er-hhung der Ressourceneffizienz. Eine weitere zuknftige Forschungs-aufgabe ist es, aktuell in der Praxis eingesetzte Logistikkonzepte auf deren potenziellen Beitrag zur Umsetzung und deren Auswirkung auf kologische Ziele zu bewerten.

    Die Vermeidung von Leerfahrten und die Auslastung der vorhandenen Kapazitten wird insbesondere von Logistikdienstleistern in Wertschp-fungsketten auerhalb des Themas Ressourceneffizienz schon ausgie-big diskutiert, und gewinnt nun durch Einbeziehung dieses Faktors deutlich an Relevanz. Zu untersuchen ist hier, ob Optimierungs- bzw. Verbesserungsstrategien auf aggregierter Ebene existieren, welche un-ternehmensbergreifend wirken. Weiterer Forschungsbedarf besteht bei der Entwicklung von Methoden und Konzepten zur Vermeidung von Ineffizienzen durch Selbstoptimierung in Wertschpfungsketten. Dies betrifft Prozesse, wie beispielsweise das Auftragen einer chemischen Schutzschicht auf Materialien beim Lieferanten, welche in der nchs-ten Produktionsstufe wieder entfernt werden muss, um das Material weiter bearbeiten zu knnen. Auch hier bedarf es einer Entwicklung von Strategien sowie der Bewertung von Umsetzungsmglichkeiten zur Vermeidung ineffizienter Prozesse.

    Bercksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bereits in der Pla-nungsphaseDurch die Einbindung eines auf Nachhaltigkeit basierenden Konzeptes in der Planungsphase eines Logistiksystems kann der Umfang der Res-sourceneffizienz weiter ausgedehnt werden. Nicht nur die natrlichen Ressourcen, sondern auch die betrieblichen Ressourcen wie beispiels-weise Betriebs- und Finanzmittel sowie Personal finden in einem sol-chen Ansatz Bercksichtigung.

    Kernelement des Nachhaltigkeitsgedankens ist dabei das Gleichge-wicht zwischen konomischen, kologischen und sozialen Zielverein-barungen. Eine Entwicklung wird als nachhaltig bezeichnet, wenn sie den Bedrfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Mglichkeiten knftiger Generationen zu gefhrden, ihre eigenen Be-drfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu whlen (Hauff 1987). Der Begriff der Ressourcen umschliet im Sinne der Nachhaltigkeit neben den natrlichen Ressourcen alle vielfltig vernetzten lokalen, regionalen und globalen kosysteme und letztendlich die gesamte Erde mitsamt der Erdatmosphre.

    Das Zieldreieck der Nachhaltigkeit (siehe Abbildung 8) vereint dabei die Erreichung eines kologischen Gleichgewichts parallel zu kono-mischer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit. Eine nachhaltige Ent-wicklung versucht durch eine ganzheitliche Sichtweise die Umwelt bestmglich zu gestalten. Der Ansatz der Ganzheitlichkeit wird auch in der Logistik verfolgt.

    Die Forderung nach einer nachhaltigen Wirtschaftsweise wird von der Bundesregierung schon seit Jahren gestellt (z.B. BMBF-Rahmenpro-gramm Forschung fr die Nachhaltigkeit, Initiative Forschung fr Nach-haltigkeit fona, Forschungsschwerpunkt Wirtschaftswissenschaften fr Nachhaltigkeit, u.a.). Als starker Wirtschaftstreiber muss ein auf Nachhaltigkeit basiertes Handeln auch von der Logistikbranche in ihre Prozesse integriert werden. Auf dem 24. Deutschen Logistik-Kongress wurden diesem Thema mehrere Vortrge gewidmet.

    Abbildung 8: Zieldreieck der Nachhaltigkeit

    Anhand der Definition des Planungsbegriffes in der Logistik wird deut-lich, dass die Bercksichtigung von Ressourcen schon immer eine wichtige Rolle spielte. Planung bedeutet demnach die Auswahl, Orga-nisation, Dimensionierung und Optimierung von Prozessen, Netzwer-ken und Ressourcen zur Erfllung zuknftiger Leistungsanforderungen (Gudehus 2005).

    kon

    omie

    kologie

    Soziales

    Stabile wirtschaftliche Entwicklung

    Gerechte Verteilungder Lebenschancen

    Schutz der natrlichen Lebensgrundlagen

    Ressourcen

    Kunden

    moralische Verpflichtungen

    Vorschriften

    legen Umgang mit Rahmenbedingungen fest

    legen Rahmenbe-dingungen fest

    Markt

  • 20

    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Die Implementierung von nachhaltigen Konzepten in ein bereits be-stehendes System kann Hindernisse aufwerfen und kostspielige Um-strukturierungsmanahmen zur Folge haben. Aus diesem Grund ist die Verankerung nachhaltiger Konzepte von Beginn an empfehlenswert. Die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten bereits in der Planungspha-se logistischer Systeme wurde in der Expertenbefragung als eines der wichtigsten Handlungsfelder identifiziert (Mittelwert 2,00 auf einer Ska-la von 1 (stimme voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)).

    Logistische Manahmen, die den Gedanken einer nachhaltigen Entwick-lung in sich tragen, sind beispielsweise die Prozessoptimierung unter Bercksichtigung konomischer, kologischer aber auch gesellschaft-licher Aspekte sowie die effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen: beginnend bei der Standortplanung, ber die Verwendung ressourcen-schonender Technologien, bis hin zu einer soziale Aspekte bercksichti-genden Logistik, die den Mitarbeiter von Anfang an integriert.

    Konkrete Vorschlge, die zur effektiven Umsetzung dieses Themenge-bietes beitragen knnen, sind die Identifizierung von Logistikstandorten, die durch Nutzung von brachliegenden Flchen und Gebuden die Zer-siedlung der Landschaft mindern sowie die Entwicklung eines stringen-ten Redistributionskonzeptes, welches auch den verantwortungsvollen Umgang mit Produkten, die im ersten Verkaufsschritt nicht veruert wurden (Reverse Logistics), einbezieht. Dieser Ansatz wurde von den befragten Logistikexperten im Mittel mit 2,36 bewertet (auf einer Skala von 1 (stimme voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)).

    Durch die Erarbeitung von Strategien und Methoden, die neben ko-nomischen Zielsetzungen sowohl kologische als auch soziale Aspek-te einbeziehen, nhert sich die Planung von Logistiksystemen einen weiteren Schritt der Ganzheitlichkeit. In der Befragung im Rahmen des vorliegenden Verbundprojektes wurde ersichtlich, dass einer Forcie-rung des Themas Nachhaltigkeit in Unternehmen insbesondere die zu hohen Kosten im Wege stehen (siehe Abbildung 9).

    Abbildung 9: Hemmnisse einer Forcierung der Nachhaltigkeit in der Logistik

    Die Potenziale einer auf Nachhaltigkeitsaspekten basierenden Planung logistischer Systeme sind noch nicht vollstndig erschlossen. Durch die Frderung dieses Forschungsgebietes ergibt sich insbesondere fr Unternehmen kleiner bis mittlerer Grenordnung die Mglichkeit, nachhaltige Arbeitsweisen und Prozesse zu integrieren. Ebenso wer-den dadurch Hrden, wie z.B. zu hohe Kosten, gedmpft.

    Energieeffiziente Konzepte in LogistiksystemenDas Thema Energieeffizienz nimmt einen immer hheren Stellenwert in der aktuellen ffentlichen Diskussion ein. Auch im Bereich der Logistik gewinnt dieses Thema zunehmend an Relevanz. So gaben in der Um-frage im Rahmen dieses Projekts 71% der befragten Logistikexperten aus Forschung und Wirtschaft an, dass die Energieeffizienz logistischer Systeme ein wichtiges bis sehr wichtiges Thema fr die Zukunft der Branche sei. Ebenso wurde die Bedeutung einer umweltgerechten und energieeffizienten Logistikwirtschaft auf dem Tagesforum Greening Logistics der Grnen Bundestagsfraktion in Berlin hervorgehoben.

    Der Begriff Energieeffizienz steht fr die Erhhung des energetischen Wirkungsgrades technischer Systeme. Dies kann sowohl durch die Senkung des erforderlichen Primrenergiebedarfs als auch durch die Erhhung der Nutzleistung einer Anlage erreicht werden. Ziel einer energieeffizienten Logistik ist es auch, durch Reduktion der Emissi-onen und des Ressourcenverbrauchs eine Erhhung der langfristigen Versorgungssicherheit zu erreichen. Die Dringlichkeit einer Fokussie-rung auf energieeffiziente Techniken und Strategien wird aus mehreren Grnden ersichtlich.

    Fr die Unternehmen kann eine energieeffiziente Nutzung von Maschi-nen und Prozessen, wie auch der Einsatz umweltfreundlicher Techni-ken langfristig zu einer Einsparung des Energieverbrauchs und somit zu erheblichen Kostenvorteilen fhren. Da die Einsparungspotenziale und die daraus resultierenden Kostenvorteile in vielen Bereichen der Logistik noch nicht explizit herausgestellt wurden, besteht fr die Un-ternehmen zurzeit noch ein zu hohes Risiko fr die Umsetzung energie-effizienter Logistikkonzepte.

    Zur Erhhung der Transparenz in Bezug auf den Energieverbrauch und der zur Verfgung stehenden technischen Mglichkeiten zur Energieeinspa-rung sind umfassende Forschungsmanahmen im Bereich der Energie-effizienz von Logistiksystemen erstrebenswert. Dabei mssen zunchst energieintensive Prozesse und Techniken identifiziert und Technologien zur Minderung des Energieverbrauches entwickelt werden.

    Im Bereich der Industrie sind elektrische Antriebe fr 70% des gesam-ten Stromverbrauchs verantwortlich (Bundesministerium fr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 2006). In der Intralogistik betrifft dies insbesondere die Antriebe der Frdertechnikelemente, da die-ser Bereich 78% des Gesamtumsatzes ausmacht (Wenke u. Wehking 2005). Hier knnen durch innovative Neuerungen Energieeinsparpo-tenziale genutzt werden.

    Keine Hemmnisse 3,3%

    Unternehmensinteressen 15,4%

    Unzureichender technischer Fortschritt 11,0%

    Unzureichende wissenschaftl. Fortschritte 12,1%

    Zu hohe Kosten 34,1%

    Mangelnde Marktrelevanz 17,6%

    Keine Angabe 6,6%

    0% 10% 20% 30% 40%

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbe

    AbschLussbericht

    Abbildung 10: Technische und strategische Ebene in einem Material-flusssystem

    Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Logistik muss neben dem techni-schen Bereich auch auf strategischer Ebene umgedacht werden (siehe Abbildung 10). Es sind nicht nur die Prozesse zu identifizieren und zu verbessern, welche den hchsten Energieverbrauch haben, sondern auch jene Prozesse, die keinen Beitrag zur Wertschpfung leisten, zu vermeiden. Ziel ist es, logistische Prozessketten im Hinblick auf eine ressourcenschonende Leistungserbringung zu optimieren.

    Um ressourcenschonende Prozesse zu generieren, mssen im Vorfeld Energiebilanzen zu den einzelnen Maschinen, Anlagen und Ablufen aufgestellt werden. Nur so kann eine Vergleichsbasis geschaffen wer-den, die letztendlich eine Gesamtbewertung des Systems ermglicht. Die Aufstellung der Energiebilanzen muss jedoch ganzheitlich erfolgen, d.h. neben der Bercksichtigung des energetischen Aufwands im Bau und Betrieb neuer Anlagen ist auch der fr die Entsorgung der Anlagen anfallende Energieverbrauch zu bercksichtigen.

    Durch die Erstellung von umfassenden Energiebilanzen fr alle be-teiligten Komponenten besteht zuknftig bei der Planung eines Int-ralogistiksystems auch die Mglichkeit, die Lebenszykluskosten einer Arbeitsmittelvariante und somit die darin enthaltenen Energiekosten einzubeziehen. Bisher wurden bei der Systemauswahl lediglich Perso-nal- und Anschaffungskosten prioritr bercksichtigt.

    Eine Fragestellung, die sich im Zuge einer Neu- oder Umplanung von Materialflusssystemen ergibt, ist die Mglichkeit einer Zweit- und Dritt-nutzung von Frder- und Lagertechniken. Hier ist ein Vergleich anzu-streben, wie viel Energie fr die Herstellung und den Betrieb dieser Anlagen aufzubringen ist und inwiefern sich dann auch eine Zweit- und Drittnutzung lohnt. Ebenfalls Teil dieses Themenfeld ist der Einsatz von multifunktionalen Frder- und Lagertechniken. Hier steht die Forde-rung, dass fr verschiedene Einsatzzwecke jederzeit wenn mglich die schon vorhandene Frder- und Lagertechnik genutzt werden soll, im Vordergrund. In diesem Zusammenhang ist besonders eine Weiterfh-rung des Ansatzes kleinskalig repetetiver Frder- und Lagertechniken interessant, so dass einzelne Teile ausgetauscht und die Anlage jeder-zeit fr einen spezifischen Einsatzfall erweitert und angepasst werden kann.

    Weitere Anstze fr die Effizienzsteigerung in der Logistik sind im Be-reich der Steuerungstechnik zu finden. Die dezentrale Steuerung eines Materialflusssystems mittels eines Multiagentensystems in Verbin-dung mit Web-Services ermglicht eine eigenstndige und echtzeit-fhige Kommunikation zwischen den Agenten. Durch die Etablierung dieser Steuerungsmethodik knnen vereinfacht Routing-Algorithmen implementiert werden, die nicht nur die Durchlaufzeit, sondern auch den Energieverbrauch der Materialflsse in die Routenberechnung ein-beziehen. Auf diese Weise knnen Objekte im Materialfluss schnell und energieeffizient an ihr Ziel gelangen.

    In der Expertenumfrage im Rahmen der Voruntersuchung stuften die Befragten das Thema Robustheit und Sicherheit von Logistiksystemen als ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ein. Dies verdeutlicht, dass nicht nur die Einsparungen der Energie, sondern auch die Sicherung der Energiezufuhr langfristig von Bedeutung sein wird. Besonders in Zeiten der Ressourcenknappheit ist dies ein wichtiges Kriterium fr die Unternehmen.

    Bei der Umsetzung der hier beschriebenen Mglichkeiten zur Gestal-tung einer energieeffizienten Logistik kommt es zwangslufig zu einer Offenlegung aller Systembereiche. Die vorgestellten Anstze stellen demnach ebenso einen Beitrag zur Erhhung der Transparenz in Logis-tiksystemen dar.

    Die Fokussierung der Logistikforschung auf ressourcenschonende Konzepte ermglicht die Entwicklung innovativer Lsungen fr ein auf Nachhaltigkeit basiertes Wirtschaften. Die Ausschpfung der Poten-ziale im Logistiksektor zur Energieeinsparung verlangt jedoch noch erheblichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand.

    Die Verbreitung des Energieeffizienzgedankens in Materialflusssyste-men kann durch die interdisziplinre Kooperation aber auch durch neue Anstze anderer Logistikforschungsprojekte vorangetrieben werden. Im Zuge des Konzepts des Internet der Dinge werden Informationen nicht mehr zentral, sondern dezentral am Objekt gespeichert (Bullinger u. ten Hompel 2007), wodurch beispielsweise das Sammeln von energiespe-zifischen Materialflussdaten sowie die Implementierung von energieef-fizienten Steuerungsalgorithmen vereinfacht werden kann.

    Durch die Frderung von Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Logistik mit dem Ziel der Energieeffizienzsteigerung kann eine gegen-ber Strungen unanfllige und kostengnstige Energieversorgung der Logistikkette gewhrleistet werden.

    Strategische Ebene

    Technische Ebene

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    Voruntersuchung Logistik im produzierenden gewerbeAbschLussbericht

    Vereinbarung und Durchsetzung kologischer Mindeststandards in der gesamten Supply ChainDas gestiegene Umweltbewusstsein der Kunden verlangt zusehends nach Transparenz bezglich der ressourceneffizienten Erstellung des Endproduktes. Der Endkunde hat momentan auch aufgrund der sich mehr und mehr angleichenden Produkte kaum mehr als den Preis als kaufentscheidendes Kriterium. Die individuellen kologischen Prfe-renzen der Endkunden ermglichen in Zukunft, durch die Einfhrung von kologischen Mindeststandards ber die Wertschpfungskette und die daraus resultierende Transparenz dem Kunden gegenber, ei-nen zustzlichen Nutzen zu stiften, der die Kaufentscheidung mageb-lich beeinflussen kann. Dazu bedarf es einer standardisierten Methode zur Zertifizierung einzelner Unternehmen und der gesamten jeweiligen Produkte. Somit knnen Unternehmen durch die Einbeziehung des Kri-teriums Ressourceneffizienz in die Gestaltung ihrer logistischen Kon-zepte und Prozesse nicht nur den gesetzlichen Vorschriften Rechnung tragen, sondern sich potenziell im Wettbewerb differenzieren.

    Weiterer Forschungsbedarf besteht im Bereich der Entwicklung und Durchsetzung des Environmental Cost Accounting, der Produktent-wicklung unter Beachtung kologischer Aspekte wie der vollstndi-gen Recyclingfhigkeit (beispielsweise cradle to cradle) oder der Entwicklung von Methoden zur Messung des kologischen Produktle-benszyklus (Paquette 2005) fr logistische Prozesse. Dies erfordert eine Untersuchung der vorhandenen Konzepte, um nicht Kennzahlen fr Unternehmen zu generieren, die zusammenhangslos zu anderen kennzahlbasierten Systemen stehen, sondern diese als einen weiteren Bestandteil in das Zielsystem integriert.

    Die noch zu realisierende Forschungsarbeit fr dieses Thema ist hoch, da schon das Potenzial der Einfhrung von kologischen Mindeststan-dards nicht bekannt ist und entsprechend von den Praktikern nur mit einer mittleren Relevanz (Mittelwert 2,67 auf einer Skala von 1 (stim-me voll und ganz zu) bis 6 (lehne voll und ganz ab)) bewertet wurde.

    4.2 transparenz

    Transparenz in der Logistik wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewin-nen. Die Voruntersuchung besttigt die Relevanz und identifiziert den notwendigen Forschungsbedarf zur Gestaltung einer transparenten Logistik sowohl in Informationsprozessen als auch in Geschfts- und Produktionsprozessen. Eine transparente Logistik frdert die Rckver-folgung von Produkten, steigert die Produkt- und Servicequalitt. Wei-ter leistet sie einen Beitrag zur Gestaltung von effizienteren Prozessen, beispielsweise durch die Identifikation unproduktiver Prozesse. Insge-samt versucht eine transparente Produktionslogistik, die gestiegene Komplexitt der Waren- und Informationsflsse zu beherrschen. Dabei wird vor allem die Komplexitt der Interaktion der Waren- und Informa-tionsflsse fokussiert. Methoden hierfr knnen die Vernetzung von Prozessen oder auch die Gestaltung der Schnittstellen zur Beschaf-fungs- bzw. Distributionslogistik sein.

    Die Validierung der Erkenntnisse aus der Primranalyse ber die Se-kundranalyse, versucht unter anderem die Ursachen fehlender Trans-parenz zu ermitteln. Dabei geben die befragten Personen die in Abbil-dung 11 dargestellten Hemmnisse an:

    Abbildung 11: Hemmnisse einer transparenten Produktionslogistik

    Mit 21,1% wird der unzureichende technische Fortschritt als wichtigste Begrndung angegeben. Es folgen mit 18,4% die zu hohen Kosten, ge-folgt von konfliktren Unternehmensinteressen mit 15,8%. Als weiterer Aspekt werden die unzureichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse mit 13,2% angegeben. Es wird ersichtlich, dass der derzeitige Entwick-lungsstand fr einen geeigneten Technologieeinsatz nicht ausreichend ist und hier noch Forschungsbedarf besteht. Im Rahmen der Primr-analyse wurde diese Lcke ebenfalls insofern identifiziert, als dass die Realisierung einer hohen Verfgbarkeit von Real-Time-Informationen und die IT-Vernetzung von Transportmitteln als technologieintensive Forschungsfelder genannt wurden. Diese werden im Folgenden explizit vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt zielt auf die Synchronisation der Lager- mit der Produktionslogistik ab.

    Realisierung einer hohen Verfgbarkeit von Real-Time-InformationenDie vorliegende Voruntersuchung identifiziert als grtes Hemmnis einer transparenten Logistik fehlende technologische Erkenntnisse und Mglichkeiten. Dies kann sich sowohl auf die Produktions- und Geschftsprozesse beziehen, aber insbesondere auch auf die Informa-tionsflsse und deren Synchronisation mit den Warenflssen. Dabei wrde eine hohe Verfgbarkeit von Real-Time-Informationen einen si-gnifikanten Beitrag zur Strkung der Transparenz leisten. Real-Time-Informationen in der Produktionslogistik knnen zum Beispiel Informa-tionen zu Bestnden von Rohmaterialien oder Halbfertigerzeugnissen liefern. Auerhalb der Produktionslogistik ist ein gngiges Einsatzge-biet von Real-Time-Informationen das sogenannte Tracking & Tracing. Hier wird der Versand von Stckgtern beispielsweise dem Kunden ge-genber sichtbar gemacht, indem ber den Sendungsstatus informiert wird. Insgesamt erhhen Real-Time-Informationen die Verlsslichkeit und haben unter anderem die Strkung des effizienten und direkten Kundenkontakts zum Ziel.

    Keine Hemmnisse 15,8%

    Unternehmensinteressen 15,8%

    Unzureichender technischer Fortschritt 21,1%

    Unzureichende wissenschaftl. Fortschritte 13,2%

    Zu hohe Kosten 18,4%

    Mangelnde Marktrelevanz