Quarks Skript - Zuckerkrankheit

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Script zur WDR-Sendereihe Quarks & Co

Diagnose zuckerkrankEin Frage-Antwort-Katalog

Inhalt1. Was bedeutet zuckerkrank? 2. Warum ist Diabetes gefhrlich? 3. Wie entsteht Diabetes? 4. Woran erkennt man Diabetes? 5. Kann man Diabetes vorbeugen? 6. Welche Therapien gibt es bei Diabetes? 7. Wird Diabetes in Zukunft heilbar sein? 8. Literatur, Adressen, Links 9. Index 4 6 8 13 15 16 19 21 23Macht Zucker zuckerkrank? Quarks & Co beantwortet interessante Fragen zur Volkskrankheit Diabetes mellitus

Liebe Leserinnen, liebe Leser,frher war die Diagnose zuckerkrank fr die Betroffenen ein schwerer Schicksalsschlag, denn von da ab musste man den Lebensstil ndern, die Ernhrung umstellen und den Blutzucker in regelmigen Abstnden vom Arzt einstellen lassen. Diabetes ist ein gutes Beispiel fr die Sonnenseite und die Schattenseite des Fortschritts. Die se und fettreiche Kost unserer Wohlstandsgesellschaft ist eine Provokation fr unseren Krper, der immer noch auf magere Zeiten eingestellt ist. Dieses Zuviel des Guten, gepaart mit wenig Bewegung, hat zu einem besorgniserregenden Anstieg von Diabeteserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten gefhrt. Doch beim Thema Diabetes gibt es auch gute Nachrichten: Durch vereinfachte Blutzuckertests, die jeder selbst durchfhren kann, neue Medikamente und praktische Verabreichung von Insulin lsst sich immer besser mit der Krankheit leben. Die Wissenschaft arbeitet an Therapien der Zukunft, mit denen die Krankheit mglicherweise eines Tages vllig heilbar sein wird, und so wird die Diagnose zuckerkrank eines Tages der Vergangenheit angehren. Wir haben fr Sie recherchiert! Viel Spa beim Lesen Ihr

Impressum Text: Tilman Hassenstein, Harald Raabe (Kapitel 7) Redaktion: Daniele Jrg Fachliche Beratung: Prof. Dr. Werner A. Scherbaum Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Heinrich-Heine-Universitt Dsseldorf Copyright: WDR Januar 2002 Weitere Informationen erhalten sie unter: www.quarks.de Gestaltung: Designbureau Kremer & Mahler, Kln

Bildnachweis: S. 4 WDR; S. 5 o. Monks Produktion, Mnchen; S. 6 WDR; S. 7 o. DPA 03076236000, Mitte WDR/Argus/ Janke; S. 14 re. WDR/Version/Sachs, li. WDR; S. 15 o. WDR/MEV, u. WDR/ Zentralbild Hirndorf; S. 16 WDR; S. 17 li. Lilly Pharma Holding, Bad Homburg, re. WDR; S. 19 WDR; S. 20 o. Bundesanstalt fr Milchforschung, Kiel, u. Monks Produktion, Mnchen Illustrationen und Grafiken: Designbureau Kremer & Mahler, Kln Diese Broschre wurde auf 100 % chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.

Ranga Yogeshwar

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Was bedeutet zuckerkrank?Der Name lsst eigentlich gar nichts Schlimmes vermuten: Zuckerkrankheit. Der medizinische Fachbegriff dafr ist Diabetes mellitus. Das bedeutet bersetzt ungefhr honigser Durchfluss. Und tatschlich ist bei einer Zuckerkrankheit das flieende Blut s und hufig auch der Urin. In der Vergangenheit haben rzte eine Zuckerkrankheit diagnostiziert, indem sie den Urin ihrer Patienten schmeckten. Auch heute ist die Diagnose der Zuckerkrankheit eindeutig allerdings wird sie mit einer Blutuntersuchung gestellt. Wenn die Konzentration des Blutzuckers bestimmte Werte bersteigt, steht damit die Diagnose fest: zuckerkrank. Die Grenze ist abhngig davon, ob die Blutentnahme auf nchternen Magen erfolgte oder nach einer Mahlzeit. Denn nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel vorbergehend an.

Energielieferant. Das Gehirn gewinnt seine Energie sogar ausschlielich aus Zucker, den das Blut stndig zur Verfgung stellt.

Diabetes eine echte VolkskrankheitWenn die Glukose-Konzentration im Blut zu hoch ist, besteht eine Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. In Deutschland gibt es zur Zeit mehr als fnf Millionen Diabetiker. Und wie in den meisten Lndern der Erde steigt die Zahl weiter an. Damit ist die Zuckerkrankheit eine der hufigsten chronischen Erkrankungen mit weit reichenden Folgen.Das Stoffwechselhormon Insulin besteht aus zwei Ketten von Eiweibausteinen

7,5 kg Fett

12 kg Eiwei

46 Liter Wasser

etwas Eisen + Phosphor 0,7 kg Zucker 3,8 kg Salz

Menschen mit Diabetes in DeutschlandMio. 7 6 5 4 3

Insulin sowohl dafr, dass die Zellen genug Energie zur Verfgung haben, als auch fr einen konstanten Blutzuckerspiegel.

Zutaten eines Menschen mit einem Gewicht von 70 Kilogramm

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Magen Nieren

1 0 Jahr 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010

nchtern normal auffllig Diabetes unter 100 ber 100 ber 110

nach einer Mahlzeit unter 140 140 200 ber 200

Die Konzentration des Blutzuckers wird in Milligramm pro 100 Milliliter Blut angegeben

Genau genommen handelt es sich beim Blutzucker um Glukose (Traubenzucker). Glukose wird aus der Nahrung aufgenommen und auch vom Organismus selbst hergestellt je nach Bedarf. ber das Blut gelangt der Energietrger Glukose in alle Organe und Gewebe des Krpers, wird von den Zellen aufgenommen und in Energie umgewandelt. Ein Regelkreislauf sorgt dafr, dass die Konzentration des Blutzuckers konstant bleibt und so immer die richtige Menge an Treibstoff zur Verfgung steht.

Die Hufigkeit der Zuckerkrankheit steigt in Deutschland seit den fnfziger Jahren kontinuierlich an

Bauchspeicheldrse

Dnndarm

Die Bauchspeicheldrse liegt unterhalb des Magens. Sie produziert Verdauungssfte und Insulin je nach Bedarf

Was ist Insulin? Warum ist Zucker im Blut?Ein erwachsener Mensch besteht zu etwa einem Prozent aus unterschiedlichen Zuckermoleklen. Diese Kohlenhydrate sind Bestandteil vieler Zellen und Gewebe. Aber vor allem ist Zucker ein wichtiger Damit die Zellen der Muskeln und des Fettgewebes Glukosemolekle aus dem Blut aufnehmen knnen, ist Insulin notwendig. Wie ein Schlssel ffnet das Hormon Kanle in den Zellmembranen, durch die Glukose dann in das Zellinnere gelangt. So sorgt

Insulin entsteht in der Bauchspeicheldrse. Spezialisierte Zellen, die wie Inseln in dem Stoffwechselorgan verteilt sind (Inselzellen), produzieren das Hormon je nach Bedarf und geben es ins Blut ab. Produziert die Bauchspeicheldrse zu wenig Insulin, kann Glukose nur vermindert in die Zellen eindringen und der Blutzuckerspiegel steigt.

Denn etwas zuviel Zucker im Blut ist kein harmloser Laborbefund, sondern die Grundlage fr verschiedene ernste Gesundheitsstrungen. Der hohe Zuckerspiegel selbst tut nicht weh. Aber seine Folgen bedrohen nicht nur die Lebensqualitt, sie gefhrden auch das Leben selbst.

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Warum ist Diabetes gefhrlich?In der richtigen Dosierung ist Glukose ein wertvolle Energiequelle. Das Gehirn kann sich nur von Glukose ernhren. Sinkt der Blutzuckerspiegel ab, reagiert der Krper deshalb sofort mit Heihunger, Schwitzen, Zittern und Verwirrtheit typische Symptome einer Unterzuckerung. Schlielich kommt es zur Ohnmacht, weil das Gehirn wegen Energiemangel nicht

auch ein nur leicht erhhter Blutzucker, der sich nicht direkt durch Symptome bemerkbar macht, richtet Schaden an zunchst unbemerkt.

Tckische LangzeitwirkungenDie Glukosekonzentration im Blut ist keine feste Gre. Sie steigt zum Beispiel nach einer Mahlzeit an und sinkt bei vermehrtem Energieverbrauch. Nach dem Essen kann der Blutzucker bei Gesunden Werte von bis zu 140 (Milligramm pro 100 Milliliter, mg/dl) erreichen. Liegt der Blutzuckerspiegel aber hufig darber oder steigt er auch im nchternen Zustand auf Werte ber 110, dann leiden darunter die Blutgefe zu viel Glukose ist Gift fr das Kreislaufsystem. Der erhhte Blutzucker schdigt vor allem die groen und kleinen Arterien. Das berangebot an Glukose bewirkt auf verschiedenen Wegen, dass agressive Stoffwechselprodukte entstehen, die die Gefwnde schdigen. Durchblutungsstrungen in verschiedenen Organen und Krperregionen sind die unweigerliche Konsequenz.

In den groen Blutgefen frdert ein erhhter Glukosespiegel Arteriosklerose. Die sogenannte Gefverkalkung ist die Grundlage fr Durchblutungsstrungen verschiedenster Art. Schlaganflle und vor allem Herzinfarkte treten bei Diabetikern viel hufiger auf als bei Menschen ohne Zuckerkrankheit.

einen schlecht eingestellten Diabetes geschdigt. Gerade an den Beinen sind dadurch das Gefhl und die Schmerzwahrnehmung gestrt. Weil Druckschden und Verletzungen dann nicht wahrgenommen werden, steigt die Gefahr von Gewebeschden. Im schlimmsten Fall mssen die rzte amputieren. Um dauerhafte Schdigungen zu vermeiden kommt es darauf an, eine Zuckerkrankheit frhzeitig zu erkennen und erhhte Blutzuckerwerte so gut wie mglich zu korrigieren. In vielen Fllen lassen sich allein mit einer Umstellung der Lebensweise schwere medizinische Komplikationen verhindern. In anderen Fllen sind Medikamente erforderlich. Diabetes hat verschiedene Ursachen, und deshalb gibt es auch unterschiedliche Therapien.

Das Gehirn ist darauf angewiesen, stndig mit Glukose aus dem Blut versorgt zu werden

mehr funktioniert. Dann ist schnelle medizinische Hilfe erforderlich, sonst drohen bleibende Schden des zentralen Nervensystems. Aber auch ein zu hoher Zuckerspiegel im Blut hat direkte Folgen: Mdigkeit, Schwche, hufiges Wasserlassen und starker Durst. Steigt der Glukosespiegel weiter an, kommt es auch hier zu Verwirrtheit und schlielich zum Koma ebenfalls ein medizinischer Notfall. Ein solch dramatisches Entgleisen des Blutzuckerspiegels verluft innerhalb von Stunden oder Tagen und es kommt deshalb meist schnell zu einer medizinischen Versorgung. Aber

Welche Folgen kann Diabetes haben?Vernderungen der Blutgefe treten bei Diabetikern sowohl an den groen Arterien als auch an sehr feinen Adern, vor allem in der Niere und der Netzhaut des Auges auf. Durchblutungsstrungen in diesen empfindlichen Organen haben schwerwiegende Folgen: Diabetes ist die mit Abstand hufigste Ursache fr Erblindung bei Erwachsenen. Und die meisten Flle von Nierenversagen sind auf Diabetes zurckzufhren.

Gefhrliche Folgen der Zuckerkrankheit: Erblindun