Kirchenzeitung f£¼r das am 26. Februar 2012 Kirchenzeitung f£¼r das Bistum Speyer Sonderbeilage zur

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    Bistum Speyer

    Sonderbeilage zur Eröffnung der MISEREOR-Fastenaktion am 26. Februar 2012

    Eindrücke, die unter die Haut gehen Weihbischof Otto Georgens über eine Kalkuttareise und die Arbeit von MISEREOR. Seite 16

    Startschuss in Speyer Am 26. Februar wird in Speyer die Fastenaktion eröffnet. Seite 17

    Weltkirche zu Gast Bischöfe und engagierte Laien be- richten über ihre Heimat, die Men- schen, ihre Kirche. Seite 18

    Asien, Afrika und Lateinamerika Millionen Kinder leben in Slums: Bedrückende Fakten. Seite 19

    Kinder in Kalkutta: Suche nach Würde Wie die Hoffnung auf ein Stück menschenwürdiges Leben wachsen kann. Seiten 20 und 21

    Annäherungen Ausstellungen über Leben der Käfig- Menschen in Hongkong und das MI- SEREOR-Hungertuch. Seiten 22, 24

    Solilauf und Schulprojekt Stadtlauf in Kaiserslautern und An- regungen für den Unterricht. Seite 23

    Pfälzer wird Chef Pfarrer Spiegel ab 21. MärzMISE- REOR-Hauptgeschäftsführer. Seite 26

    Liebe Leserinnen und Leser des „pilger“,

    rund 400 Millionen Kinder und Ju- gendliche weltweit leben unter un- zumutbaren Umständen in den Elendsvierteln der Großstädte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie haben kein sicheres Dach über dem Kopf. Genügend Essen und sauberes Trinkwasser fehlen. Da- durch sind sie besonders anfällig für Krankheiten. Aber ihre Fami- lien sind zu arm, um Medikamente besorgen zu können oder einen Arzt zu bezahlen. Ein Schulab- schluss oder eine Ausbildung blei- ben vielen verwehrt. Stattdessen müssen viele Kinder schuften, um ein paar Cent hinzuzuverdienen und so das Überleben der Familien zu sichern. Die Startchancen dieser Kinder ins Leben sind schlecht.

    Aber dafür, wo jemand geboren wird, kann kein Mensch etwas! Die Kinder in den Elendsvierteln wol- len jedoch genau so hoffnungsfroh in die Zukunft blicken wie die Kin- der bei uns. Sie brauchen eine Per- spektive für ihr Leben! Sie hoffen und vertrauen auf unsere Solidari- tät.

    Jesus sagt: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“. Stellen wir uns doch an die Seite dieser Kinder und ihrer Familien! Dazu lädt uns MI- SEREOR mit dem Leitwort „Men- schenwürdig leben. Kindern Zu- kunft geben!“ ein. Denn gelebte So- lidarität schenkt Hoffnung und ver- ändert unsere Welt. Wir laden Sie deshalb herzlich ein: Machen Sie mit und beteiligen Sie sich an der MISEREOR-Fastenaktion 2012.

    Im Dom zu Speyer wird mit ei- nem Gottesdienst am 26. Februar die 54. MISEREOR-Fastenaktion eröffnet. Gäste aus MISEREOR- Projekten in Kalkutta, Nairobi, Guatemala und Hongkong kom- men aus diesem Anlass in Ihre Di- özese und berichten über das Le- ben in ihrer Heimat. Wallfahrer aus ganz Deutschland kommen mit dem aktuellen Hungertuch nach Speyer. Zu diesem Gottesdienst und zu den vielen Veranstaltungen über- all in der Diözese Speyer im Rah- men der Fastenaktion sind Sie herz- lich eingeladen! Für Ihr Mitwirken ein herzliches Vergelt’s Gott.

    Diese beidenMädchen, die auf einem der Müllberge von Kalkutta (Indien) arbeiten, träumen von der Schule.

    Kinder in Guatemala-Stadt. Ihr Le- ben auf der Straße ist von Gewalt ge- prägt. Von MISEREOR geförderte Projekte bieten ihnen eine Zukunft.

    Bildung ist der Schlüssel für Ent- wicklung. Dieses ehemalige Stra- ßenmädchen in Nairobi (Kenia) lernt mit großer Begeisterung.

    Hinter den glänzenden Fassaden – wie hier Hongkong – wohnt die Not. Fotos: Radke, Rönn, dapd

    Ihr Prälat Josef Sayer, Hauptgeschäfts- führer

  • Herr Weihbischof, in Speyer wird für alle deutschen Diözesen die diesjäh- rige MISEREOR-Fastenaktion eröff- net. Freuen Sie sich auf diesen Tag, oder bedeutet er angesichts der vielen Arbeit doch eher eine Belastung?

    Professor Josef Sayer, der Hauptge- schäftsführer von MISEREOR, hat im letzten Jahr bei unserem Bistum ange-

    fragt, ob der bundesweite Auftakt der Fastenaktion in Speyer stattfinden könne. Ich habe ihm gern zugesagt. Seitdem laufen die Vorbereitungsarbei- ten in enger Abstimmung mit den Mit- arbeiterinnen und Mitarbeitern von MISEREOR. Die Schulabteilung des Ordinariates, der BDKJ, die Pfarrei St. Martin in Kaiserslautern und andere haben gemeinsam mit MISEREOR ein Programm erstellt, dass sich sehen lassen kann. Die Eröffnung der MISE- REOR-Fastenaktion ist ja eingebettet, in eine Reihe von Ausstellungen, Ak- tionen und Veranstaltungen, die in der Diözese stattfinden. Der erste Fasten- sonntag, an dem die MISEREOR-Fa- stenaktion eröffnet wird, ist der öffent- lichkeitswirksame Höhepunkt, auf den ich mich freue.

    MISEREOR rückt besonders die Le- benssituation von Kindern in den Mega-Städten der südlichen Länder in den Blick. Eine gute Schwerpunktset- zung? Das Thema der Fastenaktion „Men-

    schenwürdig leben – Kindern Zukunft geben“ – und das besonders im Blick auf die Mega-Städte der südlichen

    Länder – ist hervorragend gewählt. Ohne Kinder gibt es keine Zukunft. Kindern Wege zu einem menschen- würdigen Leben zu ebnen und ihnen Zukunftschancen zu eröffnen, nimmt uns in die Pflicht. Dabei spielt die Bil- dung eine Schlüsselrolle.

    Sie haben in Vorbereitung auf die MI- SEREROR Aktion Indien besucht, vor allem Projekte in Kalkutta. Was waren da prägende Eindrücke und Er- fahrungen, die jetzt auch in die MISE- REOR-Aktion einfließen? Die Eindrücke und Erfahrungen,

    die ich mitnehmen konnte, sind mir buchstäblich zu Herzen und unter die Haut gegangen. Ich denke besonders an die Menschen in den Slums der Mil- lionenstadt Kalkutta, an den Aufent- halt auf demMüllberg und bei den ille- galen Slumbewohnern an den Bahn- gleisen. Ich habe unbeschreibliches Elend gesehen, Frauen und Kinder, die als Müllsammlerinnen und Müllsamm- ler arbeiten, immer im Kampf ums Überleben, ganze Familien, die am Straßenrand in primitiven Behausun- gen leben und schlafen. Diese Ein- drücke teile ich mit allen Teilnehme-

    rinnen und Teilnehmern unserer Reise nach Kalkutta, aber auch die Erfah- rung, wie segensreichMISEREORmit Partnerorganisationen vor Ort zusam- menarbeitet. Unvergesslich sind mir auch die Gespräche mit den Verant- wortlichen von Tiljala Shed, die bei ih- rem Einsatz für die Rechte der Ärm- sten Vorbildliches leisten. Es gibt gro- ßes Elend in der Millionen-Metropole Kalkutta, die man auch „Stadt der Freude“ nennt, aber auch bewegende Zeugnisse der Nächstenliebe und Soli- darität. Beispielhaft nenne ich Pater Franklin Rodrigues und die Schwes- tern vonMutter Teresa.

    Die Not gerade in Millionen-Metro- polen ist himmelschreiend. Beschlei- chen Sie angesichts der schrecklichen Bilder manchmal Ohnmachtsgefühle? In dieser Situation denke ich an ein

    Wort von Mutter Teresa: „Wir spüren selbst, dass das, was wir tun, nur ein Tropfen im Ozean ist. Aber wenn es diesen Tropfen im Ozean nicht gäbe, würde der Ozean, glaube ich, weniger sein wegen der fehlenden Tropfen.“ Unsere Zuwendung zu den Armen und Bedürftigen ist nur ein „Tropfen

    im Ozean“, aber ohne diese Zuwen- dung wäre noch weniger Hoffnung in der Welt. Bei MISEREOR, dem Hilfs- werk, das kirchliche, aber dennoch ab- sichtslose bzw. interessensfreie Ent- wicklungshilfe leistet, verbinden sich viele „Tropfen“ im Einsatz für ein menschenwürdiges Leben, dazu kann jeder von uns seinen Beitrag leisten.

    In den „leitenden Perspektiven“ zum Prozess „Gemeindepastoral 2015“ wird ausdrücklich auf die weltkirchli- che Dimension verwiesen. Ihre Ein- schätzung: Ist dies in der Breite unse- res Bistums angekommen? Ist der Eine-Welt-Gedanken – auch mit sei- nen Chancen – ausreichend verankert? Zunächst bin ich froh, dass im Kon-

    zept „Gemeindepastoral 2015“ die weltkirchliche Dimension als „leitende Perspektive“ gewichtet wird. Die Of- fenheit für die Weltkirche gehört zu den Essentials einer Diözese, weil sie mit der Katholizität unserer Kirche eng zusammenhängt. Die katholische Kirche versteht sich nach dem Wort der Bischöfe „Allen Völkern Sein

    Heil“ als Lerngemeinschaft, Gebetsge- meinschaft und Solidargemeinschaft. Das Bewusstsein dafür zu wecken und wach zu halten, ist sicher eine blei- bende Aufgabe. Umgekehrt bin ich sehr dankbar, wie stark der Eine-Welt- Gedanke in unserem Bistum veran- kert ist. Deutschlandweit sind wir als das „Hungermarschbistum“ bekannt. Die „Aktion Silbermöwe“, die seit über 50 Jahren von den Leserinnen und Lesern des „pilger“ getragen wird, sucht ihresgleichen. Es gibt die Part- nerschaft der Diözesen Cyangugu und Speyer, dazu Gemeindepartnerschaf- ten. Ich könnte viele Projekte nennen, die wir von der Diözesanstelle für weltkirchliche Aufgaben unterstützen. Dazu gehört die Arbeit unserer Mis- sionare und Entwicklungshelfer und der Einsatz von jungen Erwachsenen in den Freiwilligendiensten. Auch im außerkirchlichen Bereich gibt es zahl- reiche Aktionen und Initiativen, von deren Ideenreichtum wir profitieren können. Ich wünsche mir, dass wir noch mehr

    als bisher von unseren Partnern in der Weltkirche lernen, indem wir Impulse aus anderen Kontinenten aufgreifen und für unsere Pastoral fruchtbar ma- chen, wie etwa die Option für die Ar- men und die Orientierung am Wort Gottes. Interview: Norbert Rönn

    Eindrücke, die unter die Haut gehen WeihbischofOttoGeorgensübereineReisenachKalkuttaunddieArbeit vonMISEREOR

    Beilage MISEREOR-Fastenaktion – Seite 216 – 7/2012 der pilger

    „Eindrücke einer unvorstellbaren Not, aber auch bewegende Zeugnisse der Nächstenliebe und Solidarität.“

    Weihbischof Otto Georgens über einenAufenthalt in Kalkutta

    Am Sonntag, 26. Februar, wird im Bistum Speyer für alle deutschen Di- özesen die diesjährige MISE