UNTERNEHMER - dub.de ... Laufzeit als der Bankkredit und eine Kapitali-sierung der darauf entfallenden

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of UNTERNEHMER - dub.de ... Laufzeit als der Bankkredit und eine Kapitali-sierung der darauf...

  • Prozess der Prüfung

    D er Erwerb eines Unternehmens kann den Schritt in die Selbstständigkeit vereinfa- chen – beispielsweise im Rahmen einer exter- nen Nachfolge. Voraussetzung: Die Finanzie- rung der Kaufsumme steht. Welche Maßstäbe kreditgebende Banken anlegen.

    Wie beurteilen Sie aktuell das Gründungs- fi nanzierungsklima in Ihrem Markt? Die Situation für Start-ups in Süddeutschland und Österreich hat sich zuletzt kaum verändert. Nach wie vor haben junge Unternehmen, bei denen der Erfolg des Geschäftsmodells noch nicht langfristig sichergestellt ist, Probleme, genügend Kreditmittel von Banken zu erhalten. Vor allem in der Gründungsphase ist Seed- und Venture-Capital gefragt, das aber immer noch nicht ausreichend zur Verfügung steht.

    Welche Rolle spielt dabei Basel III? Die neuen Eigenkapitalregulierungen machen die Situation weder für die Gründer noch für die Kreditinstitute einfacher. Vor allem Regio-

    nalbanken, also Sparkassen und Raiffeisen- banken, die bislang immer wieder Gründungs- fi nanzierungen übernommen haben, müssen aufgrund der deutlich höheren Risikoprofi le von Start-ups zukünftig mehr Eigenkapital hinter- legen. Weitere Unsicherheitsfaktoren sind die meist nicht ausreichend vorhandenen Sicher- heiten, die Start-ups im Falle eines Misserfolgs ihrer Geschäftsidee bieten können.

    Finanzieren Banken eher den Erwerb be- stehender Firmen als Neugründungen? Für eine mittelständische Bank spielt die Kre- ditwürdigkeit und die Sicherheit eines Unter- nehmens eine entscheidende Rolle bei der Kreditvergabe. Wenn die Marktreife der Pro- dukte oder Dienstleistungen noch nicht ge- geben ist, wie in der Gründungsphase eines Unternehmens, werden Banken eher selten in die Finanzierung einsteigen.

    Wer ein Unternehmen erwirbt, braucht eine Strategie zur Kaufpreisfi nanzie-

    Von der Innovation zur Investition: Banken fi nanzieren den Firmenkauf, wenn die Rahmendaten stimmen

    Bernd Bühring, Firmenkundenbetreuer Spezialfi nanzierung der BTV Bank, im Gespräch über die Finanzierung von Unternehmenskäufen.

    INHALT

    01_FINANZIERUNG

    Unternehmenskauf Wer ein Unternehmen erwirbt, braucht eine Strategie zur Finanzie- rung des Kaufpreises. Ein Experte erläutert, welche Fragen im Vorfeld geklärt sein sollten.

    Liebe Leserin, lieber Leser, das neue Jahr beginnt wieder mit vielen

    guten Vorsätzen. Dies können wir an der

    hohen Zahl der neu registrierten Nutzer

    und Unternehmensinserate auf unserem

    Portal im Januar ablesen. „In diesem

    Jahr regle ich meine Nachfolge“ oder „In

    diesem Jahr verlasse ich meinen Kon-

    zernjob“ sind die Ziele für 2014. Und so

    möchten wir Sie auch in der nächsten

    Zeit mit Hilfestellungen und Experten-

    tipps rund um die Unternehmensführung

    und -akquisition unterstützen. Wie im-

    mer freuen wir uns auf Ihr Feedback

    dazu – aber auch darauf, welche ande-

    ren Themen für Sie interessant sind.

    Ihr Nicolas Rädecke

    04_UNTERNEHMEN & MANAGEMENT

    Turnaround Bei Kostensteigerungen, Absatz- problemen und Liquiditätsengpäs- sen sollte das Management schnell handeln: Zeit ist bei Restrukturie- rungen ein wichtiger Erfolgsfaktor.

    08_RECHT & STEUERN

    EU-Lieferungen Die Nachweispfl ichten für steu- erfreie Lieferungen in andere EU-Länder wurden vereinfacht. Doch es gibt Fallstricke.

    06_GRÜNDUNG & NACHFOLGE

    Franchising Wer die Selbstständigkeit über ein Lizenzsystem angeht, sollte die vertragliche Bindung genau prüfen.

    Nicolas Rädecke, Geschäftsführer Deutsche Unternehmerbörse (DUB)

    EDITORIAL

    DUB UNTERNEHMER MAGAZIN DER DEUTSCHEN UNTERNEHMERBÖRSE 01/2014

    1

  • rung. Woran bemessen sich der richtige Fremd- und Eigenkapitalanteil? Als mittelständische Bank fi nanzieren wir grundsätzlich maximal das Vierfache des Cash- EBIT, sprich des EBIT minus CAPEX, also der Investitionsausgaben. Den gleichen Finanzie- rungsbeitrag erwarten wir vom Investor. Grund- sätzlich gilt: Je volatiler das Geschäftsmodell des Unternehmens ist, desto niedriger ist auch der von den Banken fi nanzierte Fremdkapital- anteil. Für solche Unternehmen ist es daher enorm wichtig, langfristig über genügend Ei- genkapital zu verfügen, um in rezessiven Pha- sen darauf zurückgreifen zu können.

    Ist im Vorfeld einer Finanzierungsent- scheidung bei der Due Diligence des Ziel- unternehmens dessen geschäftliche His- torie oder dessen Potenzial maßgeblich? In der Due Diligence prüfen wir vor allem die Nachhaltigkeit der uns vorgelegten Ergebnis- zahlen. Wir erleben dabei immer wieder, dass die Profi tabilität der zum Verkauf stehenden Firmen positiver und optimistischer dargestellt wird, als sie nach genauer Überprüfung und realistischer Einschätzung durch unsere Ex- perten tatsächlich ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist für uns die durchschnittliche Rendi- te der letzten fünf Jahre, um sicherzustellen, dass in der neuen Struktur der Kapitaldienst bewerkstelligt werden kann. Das zukünftige Marktpotenzial des Unternehmens prüfen wir im Rahmen der Commercial Due Diligence. Zusätzlich setzen wir auf intensive Gespräche mit den Kunden und Wettbewerbern.

    Welche Rolle spielt die fachliche und per- sönliche Eignung des Käufers? Die sogenannten „Soft Skills“ spielen für uns eine entscheidende Rolle. Schließlich arbeiten wir sehr eng und auf Augenhöhe mit unseren Kunden zusammen und prüfen deswegen im Vorfeld sehr genau, mit wem wir eine langfris- tige Geschäftsbeziehung eingehen. Bei Über- nahmen durch einen Private-Equity-Investor beispielsweise legen wir sehr großen Wert da- rauf, dass wir das Management des Investors kennen und sicherstellen, dass das Team über genügend Branchen-Know-how verfügt.

    Welcher Zeitraum sollte für die Unterneh- mensübergabe eingeplant werden? Eine allgemeingültige Aussage gibt es nicht. Wichtig ist, dass die Unternehmensnachfolge langfristig und mit professioneller Beratung geplant wird. Ein Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten, abhängig vor allem von der Unter- nehmensgröße, ist aus unserer Sicht realistisch.

    Wie wird der Wert eines Unternehmens für die Übergabe ermittelt?

    Den höchsten Verkaufspreis erzielt ein Unter- nehmer tendenziell mit einem klassischen Bie- terverfahren oder durch den Verkauf an einen strategischen Investor. Allerdings ist der Preis gerade bei familiengeführten Unternehmen nicht immer der ausschlaggebende Faktor. Schließlich wird oft ein Lebenswerk übergeben, und dieses möchten viele Unternehmer in gu- ten Händen wissen.

    Sollte ein externer Sachverständiger zur Wertermittlung herangezogen werden? Um eine objektive Wertermittlung für ein Un- ternehmen zu erhalten, lohnt es sich immer, einen externen Sachverständigen hinzu zu- ziehen. Aus Bankensicht ergibt sich der Unternehmenswert in der Regel eher aus Er- tragsgesichtspunkten und weniger aus Subs- tanzwerten. Nimmt man beispielsweise das EBIT oder das EBITDA als Kerngröße, so be- misst sich der Wert des Unternehmens an einem Vielfachen davon. Wie hoch dieser Fak- tor ist, hängt von der jeweiligen Marktlage, der Branche und den Unternehmensspezifi ka, zum Beispiel Volatilitäten, ab. Ein weiteres, häufi g verwendetes Berechnungsmodell folgt der Discounted-Cashfl ow-Methode. Dabei werden in der Regel die nächsten fünf Jahre konkret geplant und für die Zeit danach eine ewige Rente angesetzt. Der Betrag wird dann auf den Gegenwartszeitpunkt abgezinst. Insofern spielt auch das Zinsniveau eine gewisse Rolle.

    Inwieweit nimmt die den Kaufpreis fi nan- zierende Bank Einfl uss auf die unterneh- merische Praxis nach der Übernahme? Eine Bank kann immer nur beratend agieren – sonst besteht das Risiko der faktischen Ge- schäftsführung. Selbstverständlich hat jede Bank aber maßgebliches Interesse daran, lau- fend über die Geschäftsentwicklung informiert zu werden. Umfang und Detailgrad der Berich- te werden von den einzelnen Banken oft stark mitdefi niert. In operative Entscheidungen ist die fi nanzierende Bank jedoch nicht eingebun- den. Diese obliegen allein dem Management.

    Welche Förderprogramme kommen für Gründer, die Firmen kaufen, infrage? Es gibt eine Reihe von Fördermöglichkeiten der KfW, der Förderbank der deutschen Wirtschaft. Für Gründer kommen vor allem die Programme „ERP-Kapital für Gründung“ sowie „ERP-Grün- derkredit Universell“ infrage. Für junge Tech- nologieunternehmen geeignet ist der „ERP- Startfonds“, für bereits etablierte Unternehmen das Programm „Beteiligungskapital für Wachs- tum, Innovation und Nachfolge“. Zudem werden eine Reihe von Regionalförderprogrammen angeboten. Wir stehen unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, aus der Fülle der Fördermöglichkeiten die pas- senden Programme auszuwählen.

    Welche fi nanziellen Strukturierungen sind bei Firmenübergaben die häufi gsten? Im Rahmen der fi nanziellen Übergabe wird der größere Teil des Kaufpreises generell bei Ver- tragsabschluss fällig. In der Regel gibt es aber auch eine variable, erfolgsabhängige Kompo- nente, den sogenannten Earn-out, der erst mit Feststellung der Ergebnisse der Folgejahre fäl- lig wird. Eine gerade im Mittelstand weit ver- breitete Übergabeform ist die des Vendor Loan. Hier bleibt ein Teil des Kaufpreises als Darlehen bestehen und entlastet damit die Finanzierungs- struktur. Diese Komponente wird von Kreditin- stituten wie Eigenkapital gewertet, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt: Nachrangig- keit gegenüber dem Bankkredit, eine läng