Thesen zur Seniorenpolitik der IG Metall

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Text of Thesen zur Seniorenpolitik der IG Metall

  • Fr ein selbstbestimmtes und wrdevolles Leben im Alter

    Thesen zur Seniorenpolitik der IG Metall

    FunktionsbereichSozialpolitik

    Vorstand

  • 1Inhalt

    Vorwort 2

    Lob des Alters? 4

    IG Metall: Aktiv fr die Interessen der lteren Generation 5

    Die Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich auch

    im Seniorenbereich wider 6

    Die Zunahme der Altersarmut droht 6

    Alternativen in der Alterssicherung sind ntig und mglich 7

    Gesundheit ist keine Ware! Sozialstaatliche Ausrichtung

    des Gesundheitssystems verteidigen und die konomisierung

    zurckweisen 8

    Steigende Gesundheits ausgaben mssen solidarisch

    getragen werden 9

    Pflege als gesellschaftliche Aufgabe 10

    Mobilitt als Bestandteil eines selbstbestimmten Lebens 11

    Grenzen der Mobilitt im Alter 11

    Wir wollen selbstbestimmtes Wohnen im Alter 12

    Mitwirkungsrechte fr Seniorinnen und Senioren ausbauen 13

    Der DGB soll die Seniorenpolitik koordinieren

    Bndnispartner finden 14

  • 2wir immer wieder den krassen Wider-spruch zwischen der Rentengesetzge-bung und der Realitt der Arbeitswelt feststellen. Nur noch rund 14 % der 64-jhrigen sind laut der offiziellen Statistik sozialversicherpflichtig beschftigt. In einer eigenen Online-

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    auf dem letzten Gewerkschaftstag wurden die sozialpolitischen Positio-nen der IG Metall engagiert diskutiert. Die Einheitsrente mit 67 wird von der groen Mehrheit abgelehnt. In der Kampagne Arbeit sicher und fair! Gute Arbeit gut in Rente mssen

    Hans-Jrgen Urban auf der Seniorenpolitischen Fachtagung in Frankfurt am Main am 12. Oktober 2012

  • 3befragung teilten uns Betriebsrte mit, dass in den beteiligten Betrieben sogar weniger als 3,9 % der Beleg-schaft ber 64 Jahre alt waren. Durch die zwangsweisen Abschlge wird die Rente mit 67 so zu einem reinen Rentenkrzungsprogramm. Deshalb fordern wir flexible Ausstiegsmodelle fr alle, statt Zwangsrente mit 67!

    Die IG Metall ist nicht nur die grte Industriegewerkschaft in Deutschland, sondern unsere Mitglieder reprsen-tieren auch einen guten Querschnitt der Bevlkerung. Kolleginnen und Kollegen, die ein ganzes Leben mit ihrer Gewerkschaft fr bessere Arbeits-bedingungen und Lhne gefochten haben, erwarten spter als Rentnerin-nen und Rentner, dass wir uns auch fr deren besondere Anliegen einsetzen und sie untersttzen. So forderten die Delegierten des 22. Ordentlichen Ge-werkschaftstags in Karlsruhe, dass die IG Metall auch als Interessenvertreterin in der dritten Lebensphase erkennbar sein muss.

    Auf einer Seniorenpolitischen Tagung im Herbst 2012 haben wir zusammen mit aktiven Kolleginnen und Kollegen die vorliegenden Thesen zur Senioren-politik diskutiert.

    Wir sind uns bewusst, dass die IG Metall viele der Forderungen nicht allein bewltigen knnen wird.

    Deshalb setzen wir auf die Zusammen-arbeit mit den anderen Gewerkschaften und Bndnispartner aus dem Bereich der Sozialverbnde und der Kirchen. Das war auch ein Grund dafr, mit der IG Metall, der Bundesarbeitsgemein-schaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) beizutreten.

    Diese kleine Broschre soll Anregun-gen geben und gleichzeitig Unter-sttzung fr die rtliche Arbeit mit den Mitgliedern der Altersgruppe 55 aktiv plus sein.

    Hans-Jrgen Urban

    Geschftsfhrendes Vorstandsmitglied der IG Metall

  • 4groe Diskrepanz. Das hat abermals eine Umfrage der IG Metall im Jahr 2012 gezeigt: Betriebsrte aus ber 3.700 Unternehmen der Metall- und Elektro-branche berichten, dass nur noch ein verschwindend geringer Prozentsatz von Beschftigten ber 60 Jahren in den Unternehmen zu finden ist. Die altersgerechte Arbeitswelt ist bislang nur eine Fata Morgana! Denn, wenn Arbeitgeber die Erfahrung und Kennt-nisse ltere Arbeitskrfte bis in das Renteneintrittsalter effektiv nutzen wollen, dann mssen sie auch die dazu gehrende altersgerechte Organisation und Struktur der Arbeit in den Unter-nehmen schaffen. Mehr als 50 % der be-fragten Betriebsrte gaben an, dass sie keine Manahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung erkennen knnen.Auch die soziale Lage eines wach-senden Teils von Seniorinnen und

    Das Bild des Alters in unserer Gesell-schaft knnte widersprchlicher nicht sein: Einerseits werden die lteren in unserer Gesellschaft pltzlich von allen Seiten umworben. Die Werbung hat Rentnerinnen und Rentner als wachsende Zielgruppe mit groer Kaufkraft entdeckt. Unternehmen suchen angeblich hnderingend nach lteren Experten mit Fachwissen. Und immer mehr aktive Seniorinnen und Senioren werden wegen ihres sozialen Engagements geschtzt. Bereits im Jahr 2005 lautete das Motto des 5. Altenberichts der Bundesregierung Potentiale des Alterns in Wirtschaft und Gesellschaft der Beitrag lterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen.Andererseits ist die Kluft zwischen An-spruch und Realitt nicht zu bersehen. Gerade in der Arbeitswelt besteht eine

    Lob des Alters?

  • 5Senioren ist von einer auskmmlichen Versorgung weit entfernt. Altersarmut droht zu einem Massenphnomen zu werden! Und in den gleichen Zeitungen, in denen die Alten als Kunden umwor-

    ben werden, schmht man Rentnerin-nen und Rentner als Kostgnger der Gesellschaft, deren wachsende Zahl die jungen Leistungstrger angeblich berfordert.

    Ziel gewerkschaftlichen Handelns ist es, die Arbeits- und Lebensbe-dingungen von Arbeitnehmern zu erhalten und zu verbessern. Das gilt fr alle Lebensphasen! Dies hat der 22. Ordentliche Gewerkschaftstag bekrftigt und betont, dass auch in der Seniorenphase eine effektive gewerkschaftliche Interessensver-tretungspolitik erforderlich ist. In der Entschlieung heit es dazu:Nach der Ausbildungs- und Arbeits-phase ist die Seniorenphase die dritte Lebensphase von Arbeitnehmern, die ebenfalls mit erheblichen sozialen

    Problemen verbunden ist, die einer ge-werkschaftlichen Interessenvertretung bedrfen.Als Interessenvertreter machen sich Seniorinnen und Senioren deshalb mit ihrer IG Metall fr ein Leben in Wrde auch im Alter stark! Sie engagieren sich insbesondere Gegen Altersdiskriminierung und fr

    ein Bndnis der Generationen Gegen Altersarmut und fr eine aus-

    kmmliche Rente Fr eine bedarfsgerechte Gesund-

    heits- und Pflegeversorgung fr eine seniorengerechte Infrastruktur.

    IG Metall: Aktiv fr die Interessen der lteren Generation

  • 6Die Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich auch im Seniorenbereich wider

    Die Zunahme der Altersarmut droht

    Durch zahlreiche Vernderungen der Renten- und Rentenanpassungsformel wurde die Versorgung durch die gesetz-liche Rente deutlich verschlechtert. Das zeigt bereits ein Vergleich der durch-schnittlichen Rentenzahlbetrge nach 35 Versicherungsjahren des Jahres 2000 (1.021 ) und des Jahres 2011 (953 ).Das Rentenniveau (Netto vor Steuern)

    wird von heute ungefhr 50 Prozent bis zum Jahr 2030 massiv auf nahezu 43 Prozent weiter abgesenkt werden. Hinzu kommen negative Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt (Massenarbeits-losigkeit, prekre Beschftigung, Nied-riglhne), die zu niedrigeren Renten fhren.

    Die zunehmende Spaltung in unserer Gesellschaft zeigt sich auch bei Senio-rinnen und Senioren.

    Manche knnen ihren Lebensabend in Wohlstand genieen, andere beziehen eine Rente, die kaum zum Leben reicht. Und das trotz eines Lebens voll harter Arbeit!

    Handlungsbedarf zeigt sich etwa, wenn heute bereits mehr als 120.000 ber-75-Jhrige zur Aufstockung ihrer Rente einen Minijob ausben.

  • 7Die Anhebung des Rentenniveaus, flexible Ausstiegsmglichkeiten statt Rente mit 67 und spezielle armutsver-meidende Manahmen sind ntig.

    Ihre Finanzierung ist durch eine alter-native Beitragssatzgestaltung, nmlich die moderate schrittweise Anhebung des Beitragssatzes, eine Erwerbst-tigenversicherung und die Abfhrung von Rentenversicherungsbeitrgen fr Langzeitarbeitslose mglich.

    Alternativen in der Alterssicherung sind ntig und mglich

    Das Nettorentenniveau vor Steuern beschreibt das Verhltnis von Lhnen und Renten: Der Durchschnitts-lohn aller, die in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, abzglich der Sozialversicherungs-beitrge (aber ohne Abzug der Steuern) im Verhltnis zur Altersrente, fr die 45 Jahre durchschnittlich eingezahlt wurde. Von der Rente werden ebenfalls die SV-Beitrge (Kranken- und Pflegeversicherung), nicht aber die Steuern abgezogen.

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    442000 2005 2010 2015 2020 2025 2030

    Prognose der DRV 2012 Grafik: zplusz, Quelle: Deutsche Rentenversicherung: 2012

    Fr einen Neuen GenerationenvertragMemorandum der IG Metall fr eine solidarische Alterssicherung

    Entwicklung des Nettorentenniveaus vor Steuern in Prozent

  • 8Gesundheit ist keine Ware! Sozialstaatliche Ausrichtung des Gesundheitssystems verteidigen und die konomisierung zurckweisen

    Eine bedeutende Errungenschaft des deutschen Sozialstaats ist bis heute das ffentliche Gesundheitswesen. Die gesetzliche Krankenversicherung ermglicht jedem Versicherten im Be-darfsfall die erforderliche medizinische Versorgung. Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen werden jedoch in immer strkerem Mae auf die Versi-cherten und dabei insbesondere auf diejenigen berwlzt, die Leistungen in Anspruch nehmen mssen.

    Bei der Zuweisung von Mitteln aus dem Gesundheitsfonds an die Kassen werden ltere Kranke systematisch benachteiligt: Fr junge Gesunde bekommen die Kassen mehr Geld als sie brauchen, fr Kranke in hohem Lebensalter zu wenig. Entsprechend gelten ltere als schlechte Risiken. Zudem werden Kostendebatten als Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsde-batten gefhrt. Versorgungspoliti-sche Notwendigkeiten geraten in den Hintergrund.

    Die konomisierung des Gesundheits-systems entwickelt sich zu einem Be-drohungsszenario gerade fr ltere. Debatten, ob bestimmte

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