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Städtischer Republikanismus Hanse und Reichsstädte

Städtischer Republikanismus Hanse und Reichsstädte

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  • Stdtischer Republikanismus Hanse und Reichsstdte
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  • Schwerpunkte 1. Urbanisierung des Mittelalters 2. Stadtrecht und Stadtverfassung 3. Rat und Brgerschaft Znfte und Gilden 4. Reichsstdte und Hansestdte 5. Kulturfortschritte
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  • 1. Urbanisierung des Mittelalters
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  • Wurzeln Nach dem fast stdtelosen Frhmittelalter entwickelt sich die Stadtkultur seit dem 11. Jahrhundert neu. Wurzeln waren: Die Reste des rmischen Stdtewesens an Rhein und Donau; Gewerbe- und Handelsniederlassungen bei groen Burgen (suburbium); oder Bischofssitzen (civitas). Seit dem 12. Jahrhundert werden suburbium und civitas immer fter als stat bezeichnet.
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  • Kommunale Bewegung Die Bewohner der frhen Stadtsiedlungen waren der Gewalt des Bischofs oder Burgherren unterworfen und unfrei wie die Bauern. Ausgehend von den rheinischen Bischofsstdten Worms (1073/1077), Kln (1074/1106) und Mainz (1157) befreiten sich die Brger in heftigen Kmpfen von ihren Stadtherren.
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  • Stadtgemeinde Im Ergebnis dieser kommunalen Bewegung formierte sich die Brgerschaft als ein freier Stand: Stadtluft macht frei. Die Stadtgemeinde verkrpert wie die Landgemeinde das genossenschaftliche Prinzip in der deutschen Verfassungsgeschichte.
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  • Stadtgrndung Im Zuge des Landesausbaus grnden Frsten und Knige planmig Stdte und verleihen Stadtrechte. So entstand bis 1300 nahezu vollstndig das gegenwrtige Stdtenetz mit rund 3000 Stdten. Erst diese enorme Kulturleistung hebt den Raum der deutschen Lande aus der Barbarei heraus. Mitteleuropa wird ber Handel und Wandel an jene sd- und westeuropischen Zentren angeschlossen, in denen die Kontinuitt antiker Kultur bewahrt blieb.
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  • Wilhelm J. Wagner: Neuer Groer Bildatlas der Deutschen Geschichte, 1999, S. 103. Um 1300
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  • 2. Stadtrecht und Stadtverfassung
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  • Stadtrecht Das Stadtrecht ordnet sowohl die Rechte von Rat und Brgerschaft (Stadtverfassung). Es regelt die privatrechtlichen Verhltnisse der Brger, also Ehe- und Erbrecht. Es bestimmt die Geschftsbeziehungen auf dem Markt und zwischen Schuldnern und Glubigern. Es gilt der Grundsatz Stadtrecht bricht Landrecht.
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  • Stadtrechtsfamilien Die Grndungsstdte des 13. Jahrhunderts bekommen das Stadtrecht lterer Stdte verliehen, so dass sich Stadtrechtsfamilien bilden. Mit den Stadtgrndungen des 13. Jahrhunderts finden das Lbecker (Lbische) Recht, das Magdeburger Recht und das Wiener Recht Verbreitung im stlichen Europa.
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  • Stadtrechts- familien Lbecker: grn; Magdeburger: gelb; Wiener: wei. W. Wagner: Neuer Groer Bildatlas der deutschen Geschichte, Gtersloh 1999.
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  • Lbisches Recht im Hanseraum Magdeburger im Binnenland Im Lbischen Recht ist der Rat zugleich Obergericht. Im Magdeburger gibt es eine gesonderte Schffenbank. Das Lbische Recht untersagt die Beteiligung von Handwerkern am Rat. Dies geht auf eine (geflschte) Ratswahlordnung Heinrich des Lwen zurck.
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  • Stadtsiegel ltestes Trierer Stadtsiegel, 12. Jh., Stadtarchiv Trier Lbecker Stadtsiegel von 1280 Siegel der Hansestadt Danzig 14. Jahrhundert Siegel der Reichsstadt Breisach ab 1273
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  • Der Roland als Zeichen des Gerichtshoheit Der Roland von Bremen Bremen Riga
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  • Rat und Brgerschaft Znfte und Gilden
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  • Ratsherrschaft Der Rat bt als Organ der Stadtgemeinde die Stadtherrschaft aus: - Gerichtsbarkeit, - Besteuerung, - Marktrecht, - Statuarrecht (Gesetzgebung). Rat und Gemeinde bilden gemeinsam die mittelalterliche Stadtrepublik. Erfurter Rathaus
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  • Hamburger Schiffsgericht Zollstelle im Hamburger Hafen. Schiffsgericht. Miniatur aus dem Hamburger Stadtrechtsbuch von 1497.
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  • Marktaufsicht Abwiegen eines Handelsgutes auf der Stadtwaage zu Nrnberg. Steinrelief von Adam Kraft, 1497. Nrnberg, Germanisches Nationalmuseum
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  • Brger und Einwohner Nicht alle Stadtbewohner werden vollberechtigte Brger. Das Brgerrecht ist in der Regel an Grundbesitz und selbstndigen Gewerbebetrieb gebunden. Frauen, Besitzlose und Randgruppen (Juden, unehrliche Berufe) bleiben Einwohner minderen Rechts.
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  • Judenhut Mnnlichen Juden war es vorgeschrieben den so genannten Judenhut zu tragen, einen meist gelben Hut mit hoher, kugelfrmig endender Spitze. Diese Kennzeichnungspflicht wurde 1431 auf dem Baseler Konzil erneuert. Weibliche Juden hatten einen blaugestreiften Schleier zu tragen.
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  • Znfte und Gilden Das genossenschaftliche Prinzip setzt sich innerhalb der Stadtgemeinde in Handwerkerznften und Kaufmannsgilden fort. Znfte und Gilden haben neben wirtschaftlichen Aufgaben ihren festen Platz in der Stadtverfassung, der Verteidigung und der Religionsausbung. Znfte und Gilden monopolisieren Gewerbe und Markt durch den Ausschluss Fremder und Unberechtigter.
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  • Mchtige Znfte Zunfthuser waren Versammlungs- und Gerichtsort, Ort der Geselligkeit und Herberge fr fremde Zunftgenossen und Gesellen. Ehemaliges Zunfthaus der Klner Brauer auf der Schildergasse, Aquarell von Wilhelm Cremer, 1866.
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  • Privilegierte Kaufmannsgilden Handelsprivileg Kasimirs III. von Polen fr die Nrnberger Kaufleute. Urkunde aus dem Jahr 1365. Mnchen, Bayerisches Hauptstaatsarchiv
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  • Brgerkmpfe Genossenschaft und Herrschaft stehen in den Stadtrepubliken in Spannung und brechen in heftigen Brgerkmpfen auf. Im Ergebnis wird die alte Ordnung nicht zerstrt, sondern stabilisiert. Neue Familien erreichen Zugang zum Stadtregiment und das Gleichgewicht zwischen Rat und Gemeinde wird erneuert.
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  • Klner Weberschlacht 1371 Aus: Johann Koelhoff d.J.: "Die Cronica van der hilliger Stat van Coellen, 1499.
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  • 3. Reichsstdte und Hansestdte
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  • Freie Stdte Aus der kommunalen Bewegung entstanden an Rhein und Donau die sieben Freien Stdte, die auch dem Knig nicht verpflichtet waren:Aus der kommunalen Bewegung entstanden an Rhein und Donau die sieben Freien Stdte, die auch dem Knig nicht verpflichtet waren: Mainz, Worms, Speyer, Kln, Straburg, Basel und Regensburg.Mainz, Worms, Speyer, Kln, Straburg, Basel und Regensburg. Johann Koelhoff d.J. : Die Cronica van der hilliger Stat van Coellen, 1499.
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  • Reichsstdte und Landesstdte Die etwa 100 Reichsstdte waren knigliche Grndungen auf Reichs- oder Knigsgut, die sich daher sdlich der Mainlinie fanden. Whrend dort der Knig der Stadtherr war, waren die Landesstdte Grndungen von Frsten. Groe Landesstdte erwarben stadtherrliche Rechte (Hochgerichtsbarkeit) durch Kauf und waren oft nicht weniger mchtig als die Reichsstdte.
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  • Stdte und Reich In Landstnden und Reichstag setzen die Stdte eigene Interesse gegen Frsten und Knige durch. Die wachsende Macht der Stdte ist ohne die Krise der deutschen Knigsmacht und ohne die Schwche der Frsten nicht zu denken.
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  • Stdtebnde Der genossenschaftliche Geist der Stdte bewhrt sich nach auen in den mchtigen Stdtebnden (Rheinisch-Schwbischer Stdtebund, Lausitzer Sechsstdtebund; die Hanse). Die Bnde dienen Friedenswahrung und Interessenpolitik. Die Hanse bestimmt im ganzen Ostseeraum Politik und Wirtschaft ber drei Jahrhunderte. Nicht zufllig entfaltete sie sich in jenem Teil des Reiches, den man als reichsfern bezeichnet.
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  • Hansestdte um 1400
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  • Hhepunkt der Hansemacht Urkunde des Stralsunder Friedens von 1370. Die vereinigten Hansestdte hatten den Sieg ber den Knig von Dnemark errungen und ihre Vormacht in Nord- und Ostsee behauptet. Stadtarchiv Stralsund
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  • 4. Kulturfortschritte
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  • Sprache und Schrift In den Stadtbchern setzt sich das Deutsche als Schriftsprache gegen das Latein durch. Es wird in den deutschen Schulen der Stdte gelehrt. Schule in Reutlingen um 1490. Die schwarzen Raben und die weien Tauben kennzeichnen die unaufmerksamen und die eifrigen Schler.
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  • Stadtkirchen Die mchtigen gotischen Kirchen der Grndungsstdte zeugen vom Prsentationswillen der Brgergemeinde. Sie waren hufig dem Hl. Nikolaus als Patron der Kaufleute geweiht. Sie waren Zentrum und Versammlungsraum der Stadtgemeinde. St. Nikolai, lteste und grte Leipziger Kirche aus dem 12. Jh. Anfang des 16. Jh. Umbau zur sptgotischen Hallenkirche.
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  • Modernisierung Die Stdte sind Vorbild und Grundlage staatlicher Modernisierung im Mittelalter. Von ihnen gehen Geldwirtschaft in der Besteuerung und Schriftlichkeit in der Verwaltung aus. Das Handelsbuch der Familie Holzschuher mit Eintragungen ber den Verkauf von zumeist flandrischen Tuchen, 1304-1307. Nrnberg, Germanisches Nationalmuseum.
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  • Zusammenfassung Das Stdtewesen entsteht nrdlich der Alpen whrend des hochmittelalterlichen Landesausbaus neu in seiner heutigen Dichte und Verteilung. In der kommunalen Bewegung schttelt das Stdtebrgertum die Stadtherrschaft ab und erringt Stadtkommunen eigenen Rechts. Brgerliche Freiheit und genossenschaftliche Organisation werden die Grundlage wirtschaftlicher Blte, Wehrhaftigkeit und politischer Machtentfaltung der mittelalterlichen Stdte.