Schulische Bildung zwischen standardisierter ... Schulische Bildung zwischen standardisierter Kompetenzerwartung

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  • Schulische Bildung zwischen standardisierter Kompetenzerwartung und individueller Persönlichkeitsentwicklung

    Eckhard Klieme Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

    Fachtagung „Lehrplanarbeit zwischen Bildungsstandards und Unterrichtsentwicklung“ des ISB

    Landshut, 9. Oktober 2010

  • Bildung – Schule – Curriculum – Bildungsstandards – Unterricht: Eine Geschichte in 5 Kapiteln

    Eckhard Klieme Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

    Fachtagung „Lehrplanarbeit zwischen Bildungsstandards und Unterrichtsentwicklung“ des ISB

    Landshut, 9. Oktober 2010

  • Kapitel 1:

    Warum Bildung Schule , und Schule ein Curriculum braucht

  • Schule ist…

    ein optimierter Entwicklungskontext, in dem Erwachsene und Heranwachsende „ko-konstruktiv“ an Wachstums- und Entfaltungsprozessen engagiert sind.

    Fend (2000)

  • Hermann Nohl: 5 Funktionen/Aufgabenbereiche der Schule (nach Klafki 1987, S. 28 ff.)

    • Das Kind aus der Gebundenheit der Familie hinüberzuführen in die Willensform des öffentlichen Lebens (Sozialisation)

    • „Übung“: Schule als Spielplatz zugleich und Stätte der Arbeit (Qualifikation)

    • … lernt gleichzeitig, dass in Ordnung und Regel die Kraft des Menschen liegt (Integration/Legitimation).

    • Der zweckfreie Ort, in dem der Mensch das höhere geistige Leben erfährt und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Alltags die freie Kraft des Geistes entfaltet. (Bildung)

    • Der Ort, an dem die Mannigfaltigkeit der Kultur zusammengefaßt wird zu der finalen Energie der Paideia…. Sie hinkt nicht nur hinter der Kultur her, sondern greift mit in die Zukunft

  • Bildung als Prozess

    Erwerb von Wissen, Fertigkeiten & Fähigkeiten, Motiven, Haltungen, Orientierungen

    Persönlichkeitsentwicklung

    Aneignung von Kultur / Enkulturation

    Bildung als „Produkt“

    Kompetenzen Identität Teilhabe

    Unterricht als institutionalisierte Form

    von Erziehung

    Interaktionsmuster Unterrichtsklima Curriculum: Themen Situierung: Raum, Zeit Leistungsbewertung

    Subjekt von Bildung

    Das selbst-tätige, eigen- verantwortliche Individuum

    Individuelle Ziele

    Akteure im Unterricht Lehrer Schüler Klasse

    Erziehungs/Bildungs/ Lehrziele

    Mediation

    Moderation

    Wechselwirkung Angebot/Nachfrage

    Akteure der Schulorganisation:

    Schüler, Lehrer, Eltern, Schulleitung

    Erziehungs-/Bildungsziele „Kultur“: Normen/Regeln

    Schule als Organisationsform von

    institutionalisierter Erziehung

    Struktur, Abläufe, Partizipation, Kooperation; Austausch mit Umgebung

  • PISA 2000: Variance on multiple levels

    Students

    Schools

    Countries

    Interest

    Discipline Teacher Student Relations

    Reading literacy

  • Program width (+) SES (+) Age (-)

    Perceived Quality of teacher-student relations (+)

    Staff acceptance for after school program (-)

    Parents attitude towards the school (+)

    Staff self efficacy (+)

    Participation

    Student participation in after-school activities: Direct and Moderator effects

    Evaluation of after school programs: Fischer, Stecher, Radisch & Klieme 2007

  • Effekte von Schule und Unterricht auf Leistungs- und Motivationsentwicklung am Beispiel DESI/Deutsch

    (Steinert & Jude 2008) Klassenebene

    Achievement expectations

    Cooperation

    Focus on language competencies

    Focus on correct language use

    Structured instruction

    Learning opportunities

    Teacher support

    Change in achievement

    Change in motivation

    .19

    .22

    .58

    .11

  • - Dazu Diederich/Tenorth, S. 174: „In ihrer Leistung stabil und in der Leistungserbringung steigerbar ist Schule nur, wenn sie Schule bleibt, auf das Lernen konzentriert, einem Curriculum verpflichtet, fern der Verführung den ganzen Menschen verändern zu wollen. Schule repräsentiert eine funktional spezifizierte Lebensform.“

    - Dewey (1916, zit. Nach D/T 1987, S. 2111 f.): Eine komplizierte Kultur ist zu vielseitig, um auf einmal angeeignet zu werden; sie muss in Portionen zerlegt und in Abschnitten allmählich und gradweise erworben werden …Die erste Aufgabe des sozialen Organs, das wir Schule nennen, besteht deshalb darin, eine vereinfachte Umwelt bereitzustellen.

  • Kapitel 2:

    Warum das Curriculum viele Bezugspunkte braucht: Materiale, formale, und funktionale

  • Beispiel 1: Tutzinger Maturitätskatalog 1958

  • Beispiel 1: Tutzinger Maturitätskatalog 1958

    Erste Version: Materiale Bildung = Bezug auf fachliche Inhalte (4) Kenntnis der Elementarmathematik, quadratische Gleichungen, Trigonometrie, Algebra, Analytische Geometrie, Einführung in den Euklid einschließlich der Hilbertschen Grundlagen der Geometrie (auf Analysis kann verzichtet werden!)

  • Beispiel 1: Tutzinger Maturitätskatalog 1958

    Erste Version: Materiale Bildung = Bezug auf fachliche Inhalte (4) Kenntnis der Elementarmathematik, quadratische

    Gleichungen, Trigonometrie, Algebra, Analytische Geometrie, Einführung in den Euklid einschließlich der Hilbertschen Grundlagen der Geometrie (auf Analysis kann verzichtet werden!)

    Überarbeitete Version: Formale Bildung ... Analytische Geometrie; Weiterentwicklung der mathematischen Denkfähigkeit, insbesondere der Fähigkeit, Beweise zu führen; Anwendung der aus den ausgewählten Stoffen gewonnenen Erkenntnisse auf Geometrie und Naturwissenschaften.

  • Formale Bildung = Bezug auf allgemeine Kompetenzen

    Wissenschaftsorientierung (Dt. Bildungsrat; Blankertz)

    Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidarität (Klafki)

    Schlüsselqualifikationen (Mertens)

    Life skills (OECD)

    „Eigenverantwortliches Arbeiten“

  • Formale Bildung = Bezug auf allgemeine Kompetenzen

    Wissenschaftsorientierung (Dt. Bildungsrat; Blankertz)

    Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidarität (Klafki)

    Schlüsselqualifikationen (Mertens)

    Life skills (OECD)

    „Eigenverantwortliches Arbeiten“

    Funktionale Bildung = Bezug auf Lebensbereiche

    Bezug zu konkreten Lebensbereichen (v. Hentig)

    Qualifikationsforschung

    Schlüsselprobleme (Klafki)

  • Expertiseforschung und Wissenspsychologie (Weinert u.a.):

    a) Kompetenzen entwickeln sich nicht „im Allgemeinen“, sondern nur durch systematischen Aufbau, intelligente vernetzung und variierende situative Einbettung von Wissen

    b) Isoliertes fachliches Lernen erzeugt „träges Wissen“.

    „Literacy“-Konzept

    + systematisches Orientierungswissen: Stufung vom Alltagsdenken zum wissenschaftlichen Konzept

    + Kenntnis und Nutzung basaler Kulturwerkzeuge

    + Anwendung und Lebensweltbezug

  • a) Wissensstufe (-> materialer Aspekt) Grundkenntnisse / einfache Begriffe Sek.I/ fortgeschrittene Begriffe Sek. I

    b) Kontext (-> funktionaler Aspekt) außermathematisch/innermathematisch/ohne

    c) Art der Modellierung (-> formaler Aspekt) Reproduktion / Verknüpfung / Verallgemeinerung

    Argumentieren

    Multiple Lösungsmöglichkeiten

    Basis der Kompetenzmessung: Schwierigkeits-bestimmende Aufgabenmerkmale

    (PISA 2000 Mathematik)

  • Familiarity with the following content in ways that allow application in everyday contexts is foundational for mathematical literacy in Space and shape:

    • Relationships among elements of simple geometric figures such as sides, vertices, and angles, and how changes in elements affect other elements

    • Geometric patterns as models of other phenomena • Measurement and distances among objects • Transformations that describe relative positions, orientations,

    and navigation • Correspondences between two- and three-dimensional objects

    and representations • Similarity and congruence • Rigid motions of geometric figures • Area, perimeter, and volume of basic two- and three-dimensional

    objects • Pythagorean Theorem

    PISA 2012 Mathematik

  • Kapitel 3:

    Warum Schule Standards braucht, und wie man diese so gestaltet, dass sie dem Bildungsauftrag gerecht

    werden

  • Gymnasien

    TH

    ST

    SN

    MV

    BB

    SH

    SL

    RP

    NW

    NI

    HE

    BY

    BW

    HH

    HB

    BE

    PI SA

    -T es

    te rg

    eb ni

    s

    180

    160

    140

    120

    100

    80

    60

    Note

    2,00

    4,00

    Variation des Leistungsniveaus zwischen den Ländern

  • Gymnasien

    TH

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    Note

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    Variation der Bewertungsmaßstäbe zwischen den Ländern