Rudolf Voigt ein Leipziger Maler

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Monografie Teil 1 Gemälde von 1952 - 2000

Text of Rudolf Voigt ein Leipziger Maler

  • TEIL I !

    BODO W. HELLMANN Monographie eines Leipziger Malers

    RUDOLF VOIGT

    !

    ( LEIPZIG 1925- LEIPZIG 2007 )

  • WER IST eigentlich RUDOLF VOIGT? !Eine Frage die des fteren an den Galeristen Bodo W. Hellmann von der Galerie Fine Art gestellt wird. !Bisher muss man da schon doch etwas weiter ausholen um die Bedeutung von Rudolf Voigt im Leipziger Kunstbetrieb dazustellen. Denn, zu seinen Lebzeiten (1925 bis 2007) musste Voigt sich nicht vermarkten, so wrde man es wohl heute bezeichnen. Aber anders ausgedrckt, hatte er eben das groe Glck finanziell unabhngig zu sein, denn der Leipziger Knstler arbeitete als Kunsterzieher. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt dabei aber schon. !Voigt hat seine Arbeiten, und es sind etliche, leider nicht oft genug in Leipzig oder anderswo ausgestellt. Aus diesem Grund ist sein Name als Knstler bislang nur Eingeweihten bekannt. Dies mchte Bodo W. Hellmann nun ndern und durch das Verfassen dieser Knstlermonografie und weiteren Ausstellungen seiner Werke, einem breiten Publikum bekannt machen. !Rudolf Voigt, der 1949 die Ausbildung seiner bildnerischen Fhigkeiten in Form privater Studien bei Elisabeth Voigt und Max Schwimmer abschloss, hinterlie ein durch Jahrzehnte reichendes, umfangreiches Werk als Zeichner, Grafiker und Maler. Als neugieriger Mensch probierte er vieles aus, nicht nur mit Hinsicht auf die Thematik seiner Arbeiten, sondern auch in Bezug zur Vielgestaltigkeit der von ihm verwendeten Techniken. !So finden wir bis in kleinste Detail minutis gemalte Bilder, pastse Malereien, groe farbige Bildkollagen aus besonders ausgewhlten Tapetenteilchen und Stilleben. Deren Grundierung wurde mit feinem Sand durchmischt, so dass eine fast greifbare Oberflche entstand. Das grosse Interesse und die Freude an der handwerklichen Seite knstlerischer Arbeit zeigt die fantastische Bandbreite, ber die dieser Knstler hinsichtlich der technischen Mglichkeiten verfgte. !Die offensichtliche Freude, fr seine Bildgestaltung auch unbliche Vorgehensweisen auszuprobieren, drfte wohl neben der Grundlegung in seinem Talent auch in der Wahl seines Lebensberufes begrndet sein. Rudolf Voigt ist beinahe ein Leben lang als Kunsterzieher ttig gewesen. Aus der Flle seiner Arbeiten, wobei neben den Bildern noch die Vielzahl der Zeichnungen, als Studien oder Vorarbeiten zu den Gemlden stehen, und nicht wenige druckgrafische Werke unbedingt zu benennen sind, tritt dem Betrachter ein ungewhnlich interessierter Mensch entgegen. Offen, zugleich betroffen und bedrckt, steht er den Problemen der Gegenwart in der Welt gegenber, sieht schmerzerfllt den Missbrauch, den Zeitgenossen mit den natrlichen Ressourcen treiben, schafft Bildpaare, die Gegenwart und auf sie bezogene denkbare Zukunft zum Gegenstand haben. In anderen Werken versucht er die Verzweiflung Einzelner angesichts des unentrinnbaren Eingespanntseins zwischendunklen Mchten zu gestalten, die sich hinter grimmigen Masken verbergen. !Er strebt danach, ein Bild fr die Daseinslage der Menschen im stlichen Deutschland seit 1989 zu finden, das hochfliegende und bald enttuschte Erwartungen mit der unbarmherzigen Realitt zusammenfgt. !!

  • Voigt wei um das Unvermgen, als Knstler eingreifen zu knnen. Seine Macht endet mit der Fertigstellung des Bildes . Nun ist es dem Betrachter und dessen Erlebnisfhigkeit, berlassen seinem Wollen, sich auf Bilder einzulassen und seiner Sensibilitt, Bildsignale empfangen zu knnen. Gerade hier findet sich bei Rudolf Voigt der Ansatz zu skurrilen Elementen, um durch bersteigerung, gewollte Umformung von Proportionen, Brechung gewohnter Sichtweisen den Betrachter aus der Routine der Bildaufnahmen herauszureien. !!In seinen Gestaltungsweisen sind klassisch rea l is t ische Zge ebenso zu finden, wie neusachliche oder surrealistische Anklnge. Die eigene Handschrift ist dagegen verborgen, es bleibt zu vermuten, dass es ihm darum nicht in erster Linie zu tun war. Seine Werke sollten als Mitteilung verstanden werden. Sucht der Betrachter dennoch nach Eigenheiten, dann wird er Erzhlfreudigkeit und Leidenschaft fr Skurriles entdecken und dabei sehr bald auf die Narrenzge des Knstlers stoen: Buntfarbigkeit des Lebens, heitere Gelassenheit, derber Humor, frhliches Treiben, makabere Absonderlichkeiten, Unalltgliches, Schelmenhaftigkeit Rudolf Voigt ein fabulierender Erzhler.

  • Text von Peter Enders ( 1 )!!!Es gibt Meister der darstellenden Knste, die ihre Kraft im Kulturbetrieb finden. Oder sie lassen sich in diesem erschpfen (nicht immer gegen ihren Willen). Manchmal trifft sogar beides zu. Dies wird dann oft und gern als existentielle Malerei bezeichnet. Und es wird genauso oft mit Meisterschaft schlechthin gleichgesetzt. Denn in der Tat, die Ansprche und Einsichten des Marktes, der Schulen, der Tradition bildenden Mchte mit den eigenen Einsichten und Ansprchen mglichst zu verbinden ist wichtige, wenn gewiss auch nicht die eigentliche Motivation vieler bedeutender Knstler.!!Rudolf Voigt gehrte zeitlebens nicht zu diesen, warum? Ist er ein Groer, der im Verborgenen schuf? Oder doch eher ein verborgen Gebliebener, dem es an wahrer Gre fehlte?!Hat er immer weiter gelernt, weil er nicht lehren konnte? Er war ohne DDR-typischen Abschluss einer Kunstmalschule geblieben. Oder ist in seinem umfangreichen, uerst vielschichtigen Werk die letzte Entschiedenheit darin zu finden, immer weiter zu suchen?!Diese Fragen harren einer zufriedenstellenden Antwort. !!Das Werk von Rudolf Voigt ist lngst nicht erschlossen. Doch zeigt sich bereits, dass es eine eigenstndige, ernstzunehmende Variante innerhalb der Leipziger Schule darstellt, fr die in erster Generation, zeitgleich mit Voigt, bisher natrlich die Kollegen Werner Tbke, Lothar Mattheuer und Bernhard Heisig stehen.!Man findet wieder die typische Figrlichkeit der Thematisierung, das Erzhlerische bis ins Detail, stilistische Bezge zur Renaissancemalerei, zum Symbolismus, zum Surrealismus, gelegentliche Ausflge ins Expressive, ins Abstrakte, den Verismus usw. Dies alles dient dann zumeist einer erklrenden, verweisenden Mal- und Bildsicht. Geschichten werden erzhlt, Abstecher werden gemacht, die Bilder sind mehrdimensional, haben verschiedene Schichten. Die Technik dient der Aussage, die Handschrift dient der Technik.!Dient die Aussage auch der Handschrift?!

  • Dies nun scheint dasjenige Merkmal zu sein, worin Voigt eigene Wege geht.!Aber Rudolf Voigt war auch ein Meister der Groteske.!Die Eigenart Voigts ist darin sichtbar, dass er den aufmerksamen Betrachter ins Bild mitnimmt, ihn hindurch begleitet, ihm wieder aus dem Bilde heraushilft, ohne mglicherweise mehr zu meinen, als er zeigt. Ohne notwendigerweise weniger zu zeigen, als er sollte oder drfte. Dies gilt viel unter DDR-Bedingungen. Da er sich nicht gezwungen sah, von der Malerei zu leben, konnte er sich diese Umsicht leisten. (Damit ist er aber auch kein typischer DDR-Maler mehr, sondern ein Betrachter seiner Zeit, seiner Welt.)!!Die Technik, einmal als Ideologie betrachtet, verdeutlicht das:!Die Leinwand wird nicht zugeschmiert. Man wird nicht von oder durch Lack und Farbe abgehalten, zu erleben. Man bleibt nicht im l stecken. Es gibt keine wesenlose Undichtigkeit. Man wird nicht in die Irre gefhrt. !Aber es werden die Irrefhrungen, Undichtigkeiten, Vereinzelungen und einseitigen Verallgemeinerungen des Lebens vorgefhrt, ohne von diesem Vorfhren wegzufhren.!Denn genauso dicht - sachlich und persnlich zugleich - ereignet sich das Thema auch. Man wird begleitet, nicht erschreckt. Man darf wiederkommen und sieht weiter und tiefer. Man wird interessiert, aber nicht dressiert. Voigt will den klugen Betrachter, den kundigen Bildleser, den, der mitdenkt. Und doch, wie alle echten Knstler: er arbeitet zuletzt ja nur fr sich und die Kunst. !!!Wer dies so sieht, versteht, und er versteht auch, wieso Voigt Zeit brauchte und verbrauchte, auch Stile und Schemata, ohne sich doch in alldem zu verlieren. Und er hat ja dabei nie irgendetwas oder sich selbst knstlich dmonisiert, um eigene Schwche auszugleichen.!Das nennt man Wahrhaftigkeit. Deshalb ist eine gewisse Vorsicht, auch Gewitztheit, extremere Malweisen betreffend und modische Vergnglichkeiten, bei ihm zu bemerken. Er rttelt berall an der Matrix der Schulen und gnnt sich ein ganz uneitles, befriedigtes Ach ja, ganz nett. So geht das. !

  • Dabei hat er die bersicht und kennt bestens die Spannweite moderner Bild-Kunst! Man vergleiche nur beispielsweise die anrhrenden, obwohl vllig herkmmlich ausgemalten Portraits der Gromutter mit den grandios-expressiv gesehenen Tanzenden Hexenund mit den krnigen, das Pixelzeitalter reflektierenden Sandbildern. (Felix...)!Das heit also nicht, dass er der gebotenen Auseinandersetzung auswich. Im Gegenteil: er spielt teilweise mit den Stilen. Ja, es gelingt ihm mitunter, diese selbst, wenn schon nicht in ihrer Nichtigkeit, so doch in ihrer Einseitigkeit blozustellen. Kunstkritik mit den Mitteln der Kunst! Dieser Maler macht uns klger.!!Eine wichtige Konstante im Schaffen des Knstlers ist der offene oder versteckte Symbolismus alter Tradition. Er erkundet diesen und spielt mit seinen Konsequenzen. Seine so ausgeglichen zentrierten oder am Goldenen Schnitt orientierten, oft ganz herkmmlich gewichteten Bilder bergen Momente der Unwucht, der Verstrkung oder des scheinbaren Scheiterns im Bildaufbau, die mitunter feinsinnig oder auch selbstironisch kommentiert werden. Die Perspektive wird zur Stilisierung genutzt. Die Farbigkeit erinnert manchmal an Gebrauchsgrafik, aber es geht beim wiederholten scheinbar vordergrndigen Bemhen der Grundfarben recht eigentlich um verhaltene Kritik sowohl des Impressionismus als auch des Expressionismus. Frbe nur ein, wenn Du die Konsequenzen kennst! !!Das ist deshalb auch kein Neoverismo mehr, auer man verstnde unter diesem mehr als klare, nchterne Sachbezogenheit, besser: Sachlichkeit!, in Bildaufbau und Farbverlauf bzw. Farbgebung.!Ist