MOZART - .Stuttgarter Mozart Ausgaben Urtext Partitur/Full score Wolfgang Amadeus MOZART Carus 40.618

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Text of MOZART - .Stuttgarter Mozart Ausgaben Urtext Partitur/Full score Wolfgang Amadeus MOZART Carus...

Missa in CKrnungsmesse / Coronation Mass

KV 317

Soli (SATB), Coro (SATB)2 Oboi, 2 Corni, 2 Clarini, Timpani

2 Violini e Basso continuo(Violoncello/Fagotto/Contrabbasso, Organo)

ad libitum: 3 Tromboni

herausgegeben von/edited byUlrich Leisinger

Stuttgarter Mozart AusgabenUrtext

Partitur/Full score

Wolfgang Amadeus

MOZART

Carus 40.618

C

Carus 40.618

In den Jahrzehnten nach Mozarts Tod, in denen sich seine Wer-ke rasch verbreiteten, ein Werkverzeichnis zur eindeutigenIdentifizierung einer bestimmten Komposition aber fehlte,haben sich viele Beinamen eingebrgert, die zum greren Teilbis heute lebendig geblieben sind. Wenn die Missa in C KV 317unter der Bezeichnung Krnungsmesse allgemein bekanntist, so ist dieser Ehrentitel zwar historisch irrefhrend (Mozartselbst hat sie nmlich weder fr eine Krnung geschrieben,noch nach derzeitigem Kenntnisstand bei einer solchen aufge-fhrt1), doch besagt er viel ber die Rolle, die dieser Messe inder Rezeptionsgeschichte der Kirchenmusik Wolfgang Amade-us Mozarts zukommt. In der Wertschtzung des Komponisten,des ausgehenden 18. Jahrhunderts und weiten Teilen des 19.Jahrhunderts zhlt sie zu seinen bedeutendsten Messkomposi-tionen. Mozarts selbst hat sie sich vom Vater aus Salzburg nachMnchen, spter nach Wien nachschicken lassen; um 1790 ver-lieh er Partitur und Originalstimmen an seinen Freund AntonStoll, der sie als Regenschori in Baden bei Wien aufgefhrt hat.Zweifellos gehrt sie zu jenen sechs Messen, die der WienerMusikalienhndler Johann Traeg seit 1792 in Abschriften zumVerkauf anbot; bezeichnenderweise war dieses Werk unter demTitel Messe No. I en partition auch die erste Messe Mozarts,die Breitkopf und Hrtel kurz nach 1800 im Druck verffentlich-ten. Neben der Missa solemnis in C KV 337 gehrt sie damit seitgut zwei Jahrhunderten zu den am hufigsten aufgefhrtengreren Messen des Kirchenmusikrepertoires; erst im 20. Jahr-hundert ist hauptschlich fr Konzertauffhrungen Mozartsc-Moll-Messe KV 427 gleichrangig hinzugetreten, die unvollen-det geblieben ist und damit fr eine liturgische Verwendungohne Eingriffe und Ergnzungen nicht verwendbar war.

Mozart hat die autografe Partitur der Krnungsmesse mit demDatum li 23 di marzo 1779 versehen. Die Messe bildet damitdie erste Kirchenkomposition, die Wolfgang Amadeus Mozartnach der Rckkehr von der Reise nach Mannheim und Paris undnach der Wiederaufnahme in dem ihm verhassten Dienst amSalzburger Hof geschrieben hat. Die Datierung, die groe Be-setzung und die Ausdehnung des Werkes, die deutlich ber dieder Missae breves aus der Mitte der 1770er Jahre hinausgeht,lassen annehmen, dass die erste Auffhrung zum Osterfest1779 (der Ostersonntag fiel damals auf den 6. April) vorgese-hen war, an der Mozart als Hoforganist teilzunehmen hatte.

Den Vorgaben des Frsterzbischofs Colloredo folgend sind alleStze des Werkes knapp angelegt; auf kontrapunktische Mittel,etwa auf Schlussfugen des Gloria und Credo, wird verzichtet.Wie in anderen Messen auch hat Mozart das Agnus Dei nicht inder Grundtonart komponiert, die erst mit dem Dona nobis pa-cem wieder erreicht wird. Die Mitwirkung von Pauken undTrompeten schliet Modulationen in weit entfernte Tonartenaus; auffllig sind aber doch die hufigen Eintrbungen nachMoll, die ber das bliche, textbedingte Ma (etwa bei denTextworten Miserere nobis oder Cruxifixus etiam pro no-bis) hinausgehen und ein einheitstiftendes Moment fr dasWerkganze bilden. Neue Wege schlgt Mozart in formaler Hin-sicht ein, wenn er in der Instrumentalmusik erprobte Mittel aufdie Kirchenmusik bertrgt. Am aufflligsten ist dies bei derregelmigen Wiederaufnahme des thematischen Materials imGloria und Credo (was dort geradezu zu einer rondoartigen

Gesamtanlage fhrt). Gesteigert wird dieses Verfahren, wenndas Kyrie-Thema zur Abrundung des Werkes im Dona nobispacem wieder aufgegriffen wird. Auch die obligate Fhrung derBlasinstrumente ist ohne die Erfahrungen der groen Reise nachMannheim und Paris schwer vorstellbar.

Gem der in Salzburg blichen Liturgie sind bei der ersten Auf-fhrung ein auf das Ostergeschehen bezogenes Graduale undOffertorium erklungen. Von Mozart hierfr bestimmte Stckesind nicht berliefert; denkbar wre daher in erster Linie, dassWerke des Kapellmeisters Michael Haydn zur Auffhrungkamen. Zugehrig ist aber allem Anschein nach die prchtigeKirchensonate KV 329, die nicht nur dem Quellenbefund nachin zeitlicher Nhe entstanden ist und in der Besetzung (wennauch ohne Posaunen) unserer Missa entspricht, sondern auchmit den charakteristischen Schleiferfiguren thematisch unver-kennbar auf das Gloria bezogen ist.2

Die wichtigste Quelle fr die Krnungsmesse stellt die bereitserwhnte autografe Partitur dar. Mozart hat sie auf dem in Salz-burg blichen, mit zehn Systemen rastrierten Papier im Klein-querformat korrekturenarm und nahezu fehlerfrei niederge-schrieben. Die Hrner wurden auf separaten Blttern notiert,die heute der Partitur beigebunden sind, aber allem Anscheinnach zeitweilig von ihr getrennt waren, wie der Vermerk ZuMozarts Missa Andr Verz. No. 22 auf den beiden ersten Blt-tern der Hornstimmen erkennen lsst. Die Tatsache, dass Mo-zart fr ihre Niederschrift dasselbe Papier verwendet hat undsich auch der Duktus der Handschrift nicht vom brigen Werkabhebt, macht es jedoch wahrscheinlich, dass sie nur aus Platz-mangel auf Zusatzblttern niedergeschrieben wurden und keinesptere Erweiterung der Besetzung darstellen.3

Die Partitur gelangte im Jahre 1873 aus der Sammlung Andran die damalige Knigliche Bibliothek zu Berlin und konnte da-mit auch bei der von Gustav Nottebohm seinerzeit besorgtenAusgabe im Rahmen der Mozart-Gesamtausgabe4 verwendet

II

Vorwort

1 Eine Stimmenabschrift des 19. Jahrhunderts in der Musiksammlung dersterreichischen Nationalbibliothek, Wien, Signatur Hs. 37341, hlt auf demTitelblatt fest, dass das Werk bei der Krnung Franz II. als Kaiser Franz I. vonsterreich erklungen sei; diese Feierlichkeit fand allerdings erst im Jahre 1804statt. Mglicherweise hatte aber Mozart, dem am 9. Mai 1791 die Expektanzauf die Stelle des krnkelnden Leopold Hoffmanns als Kapellmeister an St.Stephan erteilt worden war, konkrete Hoffnungen auf eine Auffhrung imZuge der Krnungsfeierlichkeiten fr Leopold II. in Prag im Herbst 1791,denn aufflligerweise erbittet er gerade jene Messe einschlielich des Auf-fhrungsmaterials Ende Mai 1791 von Anton Stoll in Baden (s. Haupttext) zurck.

2 Neuausgabe nach dem bis vor wenigen Jahren verloren geglaubten Auto-graf, herausgegeben von Ulrich Leisinger, Stuttgart 2001 (CV 3.329).

3 Eine auf Leopold Mozart zurckgehende Bemerkung, dass in Salzburg dasWaldhorn ... niemals in der Domkirche gehret werde (in: Friedrich WilhelmMarpurg, Historisch-Kritische Beytrge zur Aufnahme der Musik, Bd. 3, Ber-lin 1757, S. 195), die in diesem Zusammenhang fters herangezogen wird,um entweder die gleichzeitige Entstehung der Hornstimmen oder die Be-stimmung des Werkes fr den Dom in Frage zu stellen, drfte schwerlich be-weiskrftig sein, da sich in mehr als 20 Jahren die Voraussetzungen des Mu-sizierens bei Hofe grundlegend gendert haben und schon die Missa longa inC KV 262 Hornpartien aufweist.

4 Alte Mozart-Ausgabe (AMA), Serie I, Bd. 2, Nr. 14, Leipzig 1878.

werden. Das Autograf enthlt eine Bezifferung und przise An-weisungen zur Verwendung der Orgel als Continuoinstrumentsowie differenzierte Anweisungen ber den Einsatz der Bass-instrumente, die aus Soli-Tutti-Angaben und der Bezeichnungeinzelner Stellen mit separater Fhrung der Violoncelli und Kon-trabsse bestehen. Erstaunlicherweise werden Fagotte nur ineinem isolierten Vermerk Fagotti coi Contrabassi in T. 97 desCredo erwhnt; es liegt aber nahe, bei Auffhrungen dieFagotte durchweg spielen zu lassen. Mozarts Anweisung istvielleicht so zu verstehen, dass sie hier ausnahmsweise mit denKontrabssen, sonst aber mit den Violoncelli zu fhren sind. ImAutograf finden sich auch Hinweise zur Mitwirkung von dreiPosaunen. Salzburger Tradition gem werden die drei tieferenSingstimmen in den Tutti mit Posaunen verstrkt; Mozart gibtalle Abweichungen hiervon explizit an. Das Autograf galt nachdem Zweiten Weltkrieg als verschollen und befindet sich, wieerst Ende der 1970er Jahre bekannt wurde, seit 1946 in derBiblioteka Jagiellonska, in Krakw. Es wurde 1982 fr die Editionder Messe im Rahmen der Neuen Mozartausgabe wieder her-angezogen.5 Das Autograf liegt als erste von Mozarts Salzbur-ger Kirchenkompositionen seit 1998 in einer Faksimileausgabevor.6

Die autografe Partitur erweist sich als besonders wertvoll, daweder die im wesentlichen durch Abschriften des Kopiatur-betriebs Traeg bestimmte handschriftliche berlieferung nochdie durch Breitkopf initiierte Druckberlieferung Mozarts Inten-tionen getreu widerspiegeln. In Breitkopfs Vorlage fehlten zumBeispiel die Hornstimmen; die Unterscheidung zwischen Stac-cato-Punkten und Keilen wird in den meisten Abschriften igno-riert. Schwerer wiegt noch, dass keine der bekannten Quellendie im Autograf vorgenommene Differenzierung zwischen Kon-trabssen und Violoncelli im Credo oder die zeitweilige Obligat-fhrung der Posaunen im Cruzifixus respektiert.

Das Schicksal des Originalstimmensatzes ist ungewiss. Die inmehreren Auflagen des Kchelverzeichnisses ungepft fortge-schriebene Angabe, dass er sich im Gewahrsam des StiftesHeilig Kreuz in Augsburg befinde, ist nicht verifizierbar. Vor we-nigen Jahren konnte Erich Gackowski jedoch mitteilen, dass sichin Privatbesitz eine Partiturkopie von der Hand des Paters Mat-thus Fischer (17631840), der dem Stift von 1784 bis zurSkularisation 1803 angehrte, erhalten hat.7 Sie stand fr dievorliegende Edition leider nicht zur Verfgung. Als Besonderheitwird auf eine obligate Fagottstimme hingewiesen und derenAuthentizitt mit Hinweis auf autografe Zusatzstimmen zu eini-gen weiteren Messen im Bestand Heilig K