Brennpunkt Nr. 01/2012
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Brennpunkt Nr. 01/2012 deutsch

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  • brennpunkt 1 | 2012

    Urs Pfenninger Leiter Politik und Kommunikation santsuisse

    INHALT

    Auslandspreisvergleich zeigt Einsparpotential

    Seit 2009 fhren santsuisse und die Branchenverbnde der Pharmaindustrie gemeinsam den Auslandspreisvergleich von Medikamenten durch. Die Preisdifferenz zwischen der Schweiz und den sechs Vergleichslndern verharrte 2011 im Vergleich zum Vorjahr auf hohem Niveau. santsuisse ist daher berzeugt, dass bei den Fabrikabgabepreisen der Medikamente nach wie vor grosses Sparpotential zugunsten der Versicherten vorhanden ist.

    Am 20. Januar 2012 hat santsuisse ge-meinsam mit den Verbnden der Pharma-industrie (interpharma und vips) den Me-dikamenten-Auslandspreisvergleich 2011 prsentiert. Verglichen werden dabei die Fabrikabgabepreise von Medikamenten in der Schweiz mit denen der sechs Ver-gleichslnder Deutschland, Dnemark, Niederlande, Grossbritannien, Frankreich und sterreich. Gegenstand des Ver-gleichs sind sowohl patentabgelaufene und -geschtzte Originalprparate als auch Generika.

    Preisdifferenz erheblich

    Der Auslandspreisvergleich zeigt, dass der durchschnittliche Fabrikabgabepreis bei den 200 umsatzstrksten patentge-schtzten Originalprparaten im Aus-land 19% tiefer ist als in der Schweiz. Dies beim durchschnittlichen Euro-Wech-selkurs 2011 von Fr. 1.26. Auch wenn ein hherer Wechselkurs von Fr. 1.40 zu Grunde gelegt wird, ist die Schweiz im-mer noch 10% teurer. Mittelfristig lsst sich hier durch die schon umgesetzten und weitere geplante Massnahmen eine Annherung der Schweizer Preise an den Durchschnitt der Vergleichslnder errei-chen. Bei den patentabgelaufenen Ori-ginalen bewegten sich die Schweizer

    Preise in etwa in Hhe der Vergleichsln-der. Generika hingegen kosten deutlich mehr. Seit 2009 hat sich der Preisabstand zwar um einen Viertel verringert, betrgt aber immer noch 45% zuungunsten der Schweizer Versicherten.

    Handlungsbedarf bei Generika

    santsuisse ist daher berzeugt, dass bei den Schweizer Medikamentenpreisen nach wie vor grosses Sparpotential vor-handen ist. Die Entwicklung bei den pa-tentgeschtzten Medikamenten stimmt. Daher ist es wichtig, den Auslandspreis-vergleich mit dem vorgesehenen Be-rechnungsmodus umzusetzen. Hier wird ein durchschnittlicher Euro-Wechselkurs ber ein Jahr zugrunde gelegt. Ein kauf-kraftbereinigter Wechselkurs von rund Fr. 1.40, wie ihn die Pharmaindustrie ver-langt, ist aus Sicht von santsuisse nicht akzeptabel.Bei Generika gibt es jedoch weiterhin massive Preisunterschiede im Vergleich zum Ausland. Die Entwicklung entspricht hier nicht den Erwartungen. Falls es hier nicht gelingt, die Preisschere weiter zu schliessen, wird sich santsuisse zum Nutzen der Versicherten fr eine Festbe-tragsregelung stark machen, damit die Preisdifferenz verringert wird. (GPA)

    Editorial Dritter Auslandspreisvergleich Medikamente 1

    Branchenvereinbarung: Wilde Makler sind das Problem 2

    Vorsicht Aufsicht! 3

    In Krze 4

    Gemeinsam mit der Pharmaindus-

    trie prsentierte santsuisse Ende

    Januar den dritten Medikamenten-

    Auslandspreisvergleich. Dieses

    Beispiel zeigt, dass santsuisse als

    verlsslicher Vertreter seitens der

    Krankenversicherer die Zusammen-

    arbeit mit allen Partnern sucht,

    sowohl mit Leistungserbringern als

    auch den Kantonen. Im Interesse

    und zum Nutzen der Versicherten

    ist es an der Zeit, von Feindbildern

    abzurcken und gemeinschaftliche

    Lsungen zu erarbeiten, welche das

    Schweizer Gesundheitssystem in

    Richtung eines nutzenorientierten

    Wettbewerbs vorwrtsbringen und

    gleichzeitig der sozialen Kranken-

    versicherung gerecht werden.

    Urs Pfenninger Leiter Politik und Kommunikation santsuisse

    BrennpunktGesundheitspolitik 1/12

  • brennpunkt 1 | 2012

    SA N T SU ISSE - MO N I TOR I NG BE W EIS T: W I L DE M AK LER S I N D DA S PRO BLEM

    Vor gut einem Jahr haben alle santsuisse angeschlossenen Versicherer die Branchenvereinbarung zur Telefonwerbung unterzeichnet. Seit dem 1. Juni 2011 ist diese in Kraft und wird mittels eines Online-Meldeformulars berwacht. Die erste Bilanz des Monitorings nach dem Prmienherbst 2011 zeigt deutlich: Die Versicherer halten sich an den Branchenkodex. Das Problem sind unqualifizierte, wilde Makler.

    parent, dass die Branchenverein-barung von den Krankenversiche-rern weitgehend eingehalten wird. Die allermeisten Verstsse gingen auf Makler zurck, die im Namen von Krankenversicherern um Kun-den in der Grundversicherung war-ben, ohne dass der genannte Ver-sicherer etwas davon wusste. Auf diese Problematik hat bereits Bun-desrat Burkhalter im letzten Herbst aufmerksam gemacht: Bei Maklern ohne vertragliche Verbindung ht-ten die Versicherer keine Mglich-keit, die Ttigkeit dieser Vermittler zu kontrollieren.

    Erste Bilanz ist positivsantsuisse zieht fr die Startphase der Branchenvereinbarung eine po-sitive Bilanz. Auch deshalb, weil die Zahl der Meldungen insgesamt ver-hltnismssig gering ist. Das Moni-toring beweist, dass die Kaltakquise kaum ein Problem darstellt. Vor-dringlichster Handlungsbedarf be-steht aber bei den wilden Maklern. Um dieser unerfreulichen Situation entgegen zu wirken, rt santsuisse seinen Mitgliedern, allfllige ausser-halb der Grundversicherung beste-henden Vertrge zu kndigen. Des Weiteren will sich santsuisse wei-ter fr die branchenbergreifende, einheitliche Regelung der Telefon-werbung im Rahmen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) einsetzen. (GPA)

    Eckpunkte des Branchenkodex:

    VerbotderKaltakquisedurchTele-fonwerbung in der OKP

    BeschrnkungderProvisionauf50 Franken pro Abschluss

    VereinbarungvonminimalenQuali-ttsanforderungen fr Makler

    Seit dem 1. Juni 2011 ist bei santsuisse ein Online-Meldeformu-lar aufgeschaltet, mit welchem al-len Versicherten die Mglichkeit of-fensteht, mgliche Verstsse gegen die Branchenvereinbarung zur Tele-fonwerbung zu melden. santsuisse wertet die hier und per Mail eintref-fenden Meldungen laufend aus und fhrt ein wchentlich aktualisiertes Monitoring. santsuisse macht hier zum ersten Mal die Bilanz des Jah-res 2011 ffentlich.

    Hintergrund des BranchenkodexVorneweg: Die Branchenvereinba-rung soll aggressive Formen des Te-lefonmarketings (insbesondere die Kaltakquise, d.h. Werbungsversuche ohne oder mit einer vor mehr als fnf Jahren beendeten Kundenbe-ziehung) und das Auftreten von un-qualifizierten, wilden Maklern un-terbinden. Aber sie ist nicht als To-talverbot der Telefonwerbung oder Maklerttigkeit misszuverstehen. Die Vereinbarung legt gewisse Leit-

    planken aus, innerhalb derer die Krankenversicherer sich frei fr ihre Mittel der Kundenwerbung entschei-den knnen. Smtliche santsuisse angeschlossenen Versicherer sind der Vereinbarung beigetreten.

    santsuisse legt Monitoring offenDas Monitoring vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Dezember 2011 verzeich-nete 226 Meldungen. Davon wurden nach Prfung der Meldungen 65 als Verstsse gegen die Bestimmungen der Vereinbarung identifiziert. Satte 33 Verstsse gehen auf das Konto von Maklern. Im Gegensatz zu die-sem Makler-Wildwuchs bezogen sich nur gerade vier Verstsse direkt auf Krankenversicherer. santsuisse hat in diesen Einzelfllen das Ge-sprch mit den Versicherern gesucht und sie an die Vereinbarung erin-nert. Bei 28 Verstssen handelte es sich um Anrufer, deren Urhe-ber nicht verifiziert werden konnte. Diese Auswertung der eingetrof-fenen Beschwerden macht trans-

    65 von rund 200 Meldungen waren Verstsse. Vier sind direkt auf Krankenversicherer als Urheber der Telefonate zurckzufhren, der Rest ist grsstenteils wilden Maklern zuzuschreiben. (Bemerkung: Fr die Grafik wurden nur Meldungen des Online-Formulars bercksichtigt.)

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    TOTAL VERSTSSE

    TOTAL MELDUNGEN

    VERSTSSE PRO KALENDERWOCHE

    MELDUNGEN PROKALENDERWOCHE

  • brennpunkt 1 | 2012

    AU FS I CH T M USS BERECHEN BAR SE I N

    Das neue Krankenversicherungs-Aufsichtsgesetz (KVAG) kommt bald vors Parlament. Ziel ist eine berechenbare Aufsicht mit klaren Leitplanken. Im Gesetz sollen auch die Bedenken der Krankenversicherer Bercksichtigung finden. santsuisse begrsst zwar eine Verstrkung der Aufsicht, eine zu weit in die Kompetenzen der Versicherer eingreifende Behrde wre aber weder zielfhrend noch zweckmssig und wrde das Gesundheitssystem Schweiz vom wettbewerblichen Kurs abbringen.

    Erstes Ziel einer Aufsichtsbehrde muss es sein, sicherzustellen, dass die Regeln eingehalten werden. Ein-griffe ins System stellen aber ei-nen extremen Interessenskonflikt dar: Die Versuchung wre gross, in funktionierende Marktmechanismen einzugreifen. Es braucht eine Auf-sicht mit klaren Leitplanken, aber ohne interventionistische Bestim-mungen, welche zu stark in die Ge-schftsfhrung und Verwaltung der Krankenversicherer eingreifen.

    Neue Behrde ist berflssigsantsuisse lehnt die geplante Auf-sichtsbehrde (SASO = Surveillance fdrale des assurances Sociales de la sant) aus folgenden Grnden ab: Die Kompetenzen der SASO gehen zu weit: Die SASO knnte z. B. die von den Krankenversicherern fest-gelegten Prmientarife willkrlich und ohne jegliche Fakten-Grund-lage ndern. Auch darf die Behrde rckwirkend die Rckerstattung von Prmien verfgen. Irrt sich die SASO bei der Prmienfestsetzung, wird das ganze System havariert. Ein Klumpenrisiko im Vergleich zu heute. Ebenso wrde die Freiheit der Versicherten eingeschrnkt: Die Behrde kann fr zwei Jahre de-ren Recht beschneiden, den Kran-ken