JNM 05 17 01 Cover Beth Hart - ?· dem Gitarristen Joe Bonamassa beinhaltet Covers von Billie Holiday,…

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    31-Aug-2018

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    Als die US-Sngerin Beth Hart Id Rather Go Blind der Soul-Legende Etta James zum

    ersten Mal sang, wurde unberhrbar klar, dass in der Kalifornierin mehr als ihr bisheri-

    ger gradliniger Bluesrock steckt. In ihrem exklusiven Interview mit JAZZNMORE spricht

    sie nicht nur ber ihre musikalischen Einflsse und ihr neues, stilistisch breiteres Album,

    sondern auch ganz offen ber ihren Respekt vor Musiklegenden, ihre Unsicherheiten

    und ihre persnlichen Krisen. Text und Foto: Schwe Schweizer

    JAZZNMORE: Beth, du bist seit Februar

    ununterbrochen auf Welttournee. Danke,

    dass du uns zu einem exklusiven persnli-

    chen Interview empfngst.

    Beth Hart: Gern geschehen! Allerdings als klare Ausnahme: Auf der Tour erlaube ich La-bel und Management normalerweise nicht, meine Auszeiten zu stren. Ich brauche meine Ruhe, sonst bleibe ich nicht gesund.

    JNM: Du prsentierst live dein neustes Al-

    bum Fire on the Floor und frheres Mate-

    rial. Wann und wie entscheidest du, welche

    Songs ins Programm kommen?

    BH: Ich entscheide dies immer erst auf der Venue, wenn ich spre, welche Schwingun-gen sie ausstrmt, wie sich die Umgebung anfhlt, welches Wetter gerade herrscht. Ei-gentlich ist es ganz einfach: Ich whle die St-cke aus, fr die ich am Konzertabend jeweils in Stimmung bin. Auch die Band bringt Ideen ein. Die Sets sind immer wieder anders, wir wiederholen unsere Shows nicht.

    JNM: Sind auf dieser Tour auch bisher un-

    verffentlichte Titel dabei?

    BH: Als es noch kein YouTube gab und die

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    Beth hart Fire On the FlOOr

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    Leute noch nicht mit ihren Smartphones film-ten, da habe ich oft neue Songs live auspro-biert, die ich gerade geschrieben hatte. Das kann ich leider heute nicht mehr tun: Sie wr-den aufgenommen, online verbreitet und un-kontrolliert weiterverwendet.

    JNM: In deinen jngeren Jahren gab es ne-

    ben deiner Ausbildung in Gesang und auf

    dem Piano auch Cellounterricht und klassi-

    sche Musik.

    BH: Cello und das Spielen mit dem Bogen msste man tglich ben, das ist nicht wie Fahr-radfahren! Als junges Mdchen liebte ich die klassische Musik mit ihrer Dramatik, ihrem Schmerz, ihrer Kraft und ihrer Leichtigkeit. Es gab damals keine Musikstile, die ich nicht ge-mocht htte. In meinem Auto luft heute noch regelmssig ein mexikanischer Radiosender mit traditioneller Mariachi-Musik. Sie faszi-niert mich, obwohl ich selber nie ein Stck in diesem Stil gesungen habe.

    JNM: Wie kamst du zu Jazz, Blues, Soul und

    Rock?

    BH: Meine Mutter spielte oft Platten mit al-tem Jazz und Swing. Als Kind hrte ich oft Big

    Joe Turner und seinen Boogie, Blues und RocknRoll. Mein Bruder brachte mich dann auf Rock, Reggae und Punk. Meine Mitsch-ler standen auf die Musik der 80er-Jahre, whrend ich mehr auf den dunkleren Under-ground-Stuff von The Cure oder The Smiths oder auch Ska abfuhr. Bis ich ber einen Freund bei Otis Redding, Donny Hathaway, Aretha Franklin und Etta James landete.

    JNM: Waren sie es, die dich schliesslich am

    meisten beeinflussten?

    BH: Im Prinzip schon, nur habe ich in den fr-heren Jahren meiner Karriere nie Musik in ih-rem Stil geschrieben. Ich fhlte mich einfach nicht sicher und gut genug, um diese Art von Musik zu machen. Aber ich war damals angry and edgy enough, um harte Rockmusik zu singen. Auch meine softeren Nummern L.A. Song und Leave the Light on.

    JNM: Dein erstes gemeinsames Album mit

    dem Gitarristen Joe Bonamassa beinhaltet

    Covers von Billie Holiday, Etta James und

    Ray Charles. Hast du auf Dont Explain

    2011 deinen Respekt vor den grossen Na-

    men etwas ablegen knnen?

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    C o v e r s t o r yBH: Was war ich da fucking nervous, als wir deren Songs aufnahmen I was terrified! Ich dachte, ich wrde mich zur grssten Idio-tin machen, die Songs dieser Musiklegenden zu singen. Erst als ich mir vorzustellen ver-suchte, von wem etwa Songs wie Id Rather Go Blind von Etta James inhaltlich handeln wrden, htte ich Beth Hart sie selber ge-schrieben, da fhlte ich pltzlich, dass ich sie auf meine mir eigene Art singen konnte. Viel-leicht nicht so grossartig wie das Original, aber auf jeden Fall ehrlich, nicht als Fake.

    JNM: Im Broadway-Musical Love, Janis

    hast du 1999 die schwierige Rolle der Janis

    Joplin gespielt und gesungen. Welche Be-

    deutung hat die Sngerin fr dich?

    BH: Natrlich liebe ich ihre grossartigen Songs wie Try und Cry Baby. Janis hatte aber sngerisch keinen Einfluss auf mich. Ich habe mir mehr Bette Midler angehrt, ihre Broadway-Shows besucht und mir den Film The Rose angesehen, der ja an Janis erin-nert. Als ich mit 27 die Gelegenheit erhielt, im Janis-Musical mitzuwirken, packte ich die Chance trotzdem. Fr einige Zeit war das so-gar grossartig.

    JNM: Nur fr eine bestimmte Zeit?

    BH: Ja, wegen meiner Drogen- und Alkohol-sucht, um ehrlich zu sein! Ich war nahe dran, zu sterben. Als ich zur Show zurckkam, reali-

    Schleusen zu und ich schreibe vielleicht ein bis zwei Jahre berhaupt nichts. Bei der Pro-duktion von Better Than Home blieb aller-dings alles im Fluss. Ich fhlte mich usserst unsicher, einer der beiden Produzenten ver-starb an Krebs und ich landete zweimal in der Psychiatrie. Ich war so schlecht drauf, dass ich wieder zu trinken begann. Dennoch bin ich dankbar fr die Erfahrungen, die ich mit Bet-ter Than Home gemacht habe: Sie fhrten direkt zu den Aufnahmen von Fire on the Floor.

    JNM: Du bist umgehend wieder ins Studio

    gegangen?

    BH: Ich rief meinen Manager David Wolff an und bat ihn, mit dem Plattenlabel ein neues Album zu vereinbaren. Ich war so freaked out, dass ich befrchtete, ohne eine gute Re-cording-Erfahrung kaum jemals wieder in ein Studio gehen zu knnen. Produzent Oliver Lei-ber leistete schliesslich einen grossartigen Job. Er kommt zwar aus der Pop-Richtung, was man aber auf dem Album nicht hrt. Zusammen mit grossartigen Musikern haben wir Fire on the Floor in nur drei Tagen aufge-nommen, geplant waren fnf. Pltzlich war alles wieder so leicht und a lot of fun.

    JNM: Die Basis fr ein knftiges Album

    wre also gegeben?

    BH: Mit Joe Bonamassa ist etwas in Vorbe-reitung, aber da gibt es noch einiges zu tun, bis das steht. Fr ein eigenes Album brauche ich noch mehr Songs. Erst wenn ich gen-gend Songs abliefern kann, fhle ich mich wirklich sicher genug.

    JNM: Du usserst dich sehr offen und per-

    snlich, obschon wir uns bei diesem Inter-

    view erstmals begegnet sind.

    BH: Ich bin in einem Therapie-Umfeld aufge-wachsen. Deshalb bin ich es gewohnt, offen ber mich zu sprechen. Musik selbst kann ei-nen ffnen und verndern. Ich hatte mit mei-ner Schwester Susan einst einen derart hefti-gen Streit, dass ich jahrelang nicht mehr mit ihr sprach. Daran nderte auch der Drogentod meiner anderen Schwester nichts. Ich wartete stur auf eine Entschuldigung. Bis ich eines Tages am Piano in einem neuen Song die Ein-gebung hatte, sie zu bitten, mir zu vergeben. Statt dem kiss my ass ihr gegenber, hat mir das Songwriting die Wahrheit gezeigt, fr die ich zu blind war, um sie zu sehen. Vielleicht ist auch etwas Gttliches in solchen Eingebun-gen, wer weiss?!

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    die Stones? Ja, stimmt, ihren Hit hat er bloss gecovert!

    JNM: Als du am Tribute fr die Blues-Legen-

    de Buddy Guy 2012 vor dem US-Prsiden-

    tenpaar Obama und illustren Gsten mit I d

    Rather Go Blind von Etta James brilliert

    hast, war der ebenfalls legendre Jeff Beck

    an der Gitarre.

    BH: Jeff Beck ist mit niemandem zu verglei-chen. Er hat das Gitarrespielen komplett neu erfunden. Ich wrde sogar sagen, dass er gar kein Gitarrenspieler ist Jeff Beck plays Jeff Beck.

    JNM: Ebenfalls herausragend auf seinen

    sechs Saiten ist Joe Bonamassa. Mit ihm

    bist du neben der bereits erwhnten Stu-

    dioarbeit schon fters aufgetreten. Was

    verbindet dich mit ihm?

    BH: Joe Bonamassa ist extrem talentiert. Sein musikalisches Vokabular ist immens, er arbei-tet sehr professionell. Er ist auch immer sehr geners, respektvoll und sensibel mir gegen-ber. Und er hat meine Karriere, mich persn-lich als Songwriter verndert. Wir schrieben bisher keine Songs zusammen, aber bei den Covers grosser Knstler, die wir auf Dont Explain einspielten, merkte ich pltzlich, dass ich neue Wege gehen konnte mit meinem Songwriting. Meine frhere Angst legte sich und ich fand den Mut, zu neuen Ufern aufzu-brechen.

    JNM: Wie schreibst du denn deine Songs?

    Wie kommen Musik und Lyrics zusammen?

    BH: In der Regel kommt die Musik zuerst. Sel-ten vertone ich mal einen Text. Meist be ich auf Akkordwechseln herum. Manchmal inspi-riert mich auch ein falscher Akkord. Meine Melodien entstehen aus Akkorden. Zuweilen ist es auch umgekehrt. Die Musik definiert also, wie die Lyrics ausfallen werden. Die Tex-te zu schreiben, gelingt mir nur selten rasch, es ist der schwierigste Teil meines Songwri-tings.

    JNM: Hast du nach deinem vorletzten Al-

    bum Better Than Home mit den sehr per-

    snlichen Balladen bewusst etwas rocki-

    gere und auch jazzige Songs fr das neue

    Fire on the Floor geschrieben?

    BH: Ich verrate dir ganz offen und ehrlich: Ich habe noch nie konkret geplant, ein Album mit diesen oder jenen Songs einzuspielen. Ich schreibe all meine Musik und gebe sie den Produzenten. Sie entscheiden dann, mit wel-chen Songs sie ein tolles Album machen kn-nen. Ich diskutiere mit ihnen nicht darber. Und sollte mir das Ganze einmal nicht passen, suche ich mir einfach einen anderen Produ-zenten. Als ich Better Than Home aufnahm, hatte ich mehr als 50 Songs. Einige davon sind nun auf Fire on the Floor. So auch der Titelsong: Er hat es nicht aufs vorherige Al-bum geschafft.

    JNM: ber 50 Songs, das ist eine Menge.

    Schreibst du denn permanent?

    BH: Wenn ich im Schreibmodus bin, dann ist es wie eine Sucht. Anschliessend gehen die

    ausgewhlte DiskOgraphie F i re On the F loor, 2016 (p rovogue) Be t ter than home, 2015 (p rovogue) l i ve in amsterdam (mi t Joe Bonamassa), 2014 (J&r) Dont e xpla in (mi t Joe Bonamassa), 2011 (J&r)

    kOnzerte28.10.2017: B lues Fes t i va l , kaisers lau tern, D08.11.2917: s t ad thal le , wien, a15.11.2017: Volkshaus, zr ich, Ch, by a l lB lues

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