Alex Bellos: Alex im Wunderland der Zahlen LESEPROBE

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Leseprobe aus: Bellos, Alex: "Alex im Wunderland der Zahlen" Berlin Verlag 2011. ISBN 9783827008381

Text of Alex Bellos: Alex im Wunderland der Zahlen LESEPROBE

  • Unverkufliche, unkorrigierte Leseprobe

    Ca. 512 Seiten, gebunden mit Schutzumschlagca. 25,00 [D] 25,70 [A]

    Wir bitten Sie, Rezensionen nicht vor dem 10.September 2011zu verffentlichen.

    ISBN 978-3-8270-0838-1www.bloomsbury-verlag.de

  • Aus dem Englischen von Bernhard Kleinschmidt

    BERLIN VERLAG

  • Die Originalausgabe erschien 2010 unter dem TitelAlexs Adventures in Numberland. Dispatches from the Wonderful World of Mathematics

    bei Bloomsbury Publishing Plc, London 2010 Alex Bellos

    Fr die deutsche Ausgabe 2011 Bloomsbury Verlag GmbH, Berlin

    Alle Rechte vorbehaltenUmschlaggestaltung: Florian Bayer, Berlin

    Typographie: Birgit Thiel, BerlinGesetzt aus der Minion von Greiner & Reichel, KlnDruck und Bindung: CPI Clausen & Bosse, Leck

    Printed in GermanyISBN 9783827008381

    www.bloomsbury-verlag.de

    Die vorliegende deutsche bersetzung basiert mit Einverstndnis des Autors auf der gekrzten amerikanischen Ausgabe. Diese erschien 2010 unter dem Titel Heres Looking at Euclid: A Surprising Excursion Through the Astonishing World of Math bei Free Press, a Division of Simon & Schuster, Inc., New York

  • Fr meine Mutter und meinen Vater

  • Inhalt

    Einleitung11

    Ein Kpfchen fr ZahlenNulltes Kapitel, in dem der Autor versucht

    herauszufinden, woher die Zahlen kommen, da sie noch gar nicht so lange vorhanden sind. Er begegnet einem

    Mann, der im Urwald gelebt hat, und einer Schimpansin, die ihr gesamtes Leben in der Zivilisation verbracht hat.

    17

    Lust und Last des ZhlensErstes Kapitel, in dem der Autor von der Tyrannei der Zehn erfhrt und von den Revolutionren, die sich zu

    deren Sturz ver schworen haben. In Tokio besucht er einen Club, in dem Schler nach der Schule rechnen lernen,

    indem sie Holzkugeln hin- und herschieben.49

    Siehe da!Zweites Kapitel, in dem der Autor um ein Haar

    seinen Namen ndert, weil ein Jnger eines griechischen Sektenfhrers behauptet, dass er das tun solle. Stattdessen befolgt er die Anweisungen eines anderen griechischen Denkers, holt seinen Zirkel aus der Schublade und faltet

    zwei Visitenkarten zu einem Tetraeder.

  • Etwas ber das NichtsDrittes Kapitel, in dem der Autor zu einer Audienz bei einem weisen Mann gen Indien reist. Dort entdeckt

    ereinige sehr langsame und einige sehr schnelle Methodenzu rechnen.

    Das Ringen um PiViertes Kapitel, in dem der Autor sich nach

    Deutschland begibt, um die schnellsten Kopfrechner derWelt zu beobachten. Dies dient ihm als Einstieg in

    dieGeschichte der Kreise, ein transzendentes Thema, das ihn bis zu einem Sofa in New York fhrt.

    Der Faktor XFnftes Kapitel, in dem der Autor erklrt,

    weshalbZahlen gut, Buchstaben aber besser sind. In Braintree besucht er einen Mann, der Rechenschieber sammelt, und vernimmt die tragische Geschichte von deren Verschwinden. Des Weiteren geht es um Logarithmen und Taschenrechner, und man lernt,

    einSuperei zu machen.

    Rtsel und ihre ErfinderSechstes Kapitel, in dem der Autor sich auf eine mathematische Rtselsuche begibt. Er erforscht das Vermchtnis verschiedener Chinesen der eine war eintumber Einsiedler, die anderen fielen um ein Haar vomErdball und fliegt sodann nach Oklahoma,

    umsichmit einem alten Magier zu treffen.

  • Wer 1 sagt, muss auch 2 sagenSiebentes Kapitel, in dem der Autor mit der

    Unendlichkeit konfrontiert wird. Er trifft auf eine unaufhaltsame Schnecke und auf eine wahrhaft

    teuflischeZiffernfolge.

    GoldfingerAchtes Kapitel, in dem der Autor einem Londoner mit einer Klaue begegnet, der behauptet, er habe das

    Geheimnis schner Zhne entdeckt.

    Glck ist kein Zufall oder doch?Neuntes Kapitel, in dem der Autor sein Glck

    beimSchopfe packt und sich in Reno ins Kasino wagt. Er spaziert durch das Reich des Zufalls und landet in einem kalifornischen Brogebude, von wo aus er ber den Pazifik blickt, bis hin zu einer fernen Sdseeinsel, auf derein Lotteriegewinner sein sorgloses Dasein geniet.

    Eine Frage der NormalittZehntes Kapitel, in dem des Autors Hang zu leckerenBackwaren dazu dient, die Entstehung

    derStatistik zu erforschen.

    Kein Zimmer freiElftes Kapitel, in dem der Autor sich im

    Hkeln versucht. Er beendet seine Reise in einem Hotel mit unendlich vielen Zimmern, wo man dennoch nicht miteinem pltzlichen Ansturm

    vonGstenzurechtkommt.

  • Glossar

    Anhang

    Anmerkungen und Literatur

    Danksagung

    Bildnachweis

    Register

  • 11

    Einleitung

    Im Sommer 1992 arbeitete ich als aufstrebender Reporter beim Evening Argus in Brighton. Mein Job bestand hauptschlich da-rin, jugendliche Wiederholungstter beim Auftritt vor dem Amts-gericht zu beobachten, Ladenbesitzer zum Thema Konjunktur-schwche zu interviewen und fr die Infoseite der Zeitung zweimal wchentlich die Betriebszeiten der Bluebell Railway, unserer rt-lichen Museumsbahn, zu aktualisieren. Es waren keine tollen Mo-nate, wenn man ein kleiner Dieb oder ein Ladenbesitzer war, aber fr mich war es ein glcklicher Lebensabschnitt.

    Kurz vorher war John Major als Premierminister wiedergewhlt worden, und im Hochgefhl seines Sieges lancierte er eine seiner denkwrdigsten und am meisten verspotteten poli tischen Ini-tiativen. Mit prsidialem Ernst verkndete er die Einrichtung einer Telefonhotline fr Informationen ber Straenabschnitte, auf de-nen man durch Verkehrskegel behindert wurde. Diese banale Idee wurde von Major verkndet, als hinge mindestens die Zukunft der Welt davon ab.

    In Brighton allerdings waren solche Kegel tatschlich ein bri-santes Thema. Man konnte nicht in die Stadt fahren, ohne wegen einer Baustelle im Stau stecken zu bleiben. Die Haupteinfallstrae von London her, die A23, war von Crawley bis Preston Park ein einziger Korridor aus orange-wei gestreiften Kegeln. Mit deutlich ironischem Unterton forderte der Argus seine Leser auf, die Zahl der Kegel zu erraten, mit denen die A23meilenweit gesumt war. Die leitenden Redakteure waren ausgesprochen stolz auf diese phantastische Idee. Im Stil eines Ansagers auf der Kirmes prsen-tierten sie den Lesern die gestellte Aufgabe, nicht ohne der briti-

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    schen Regierung den ein oder anderen Seitenhieb zu verpassen. Es war eine typische Lokalzeitungsaktion.

    Wenige Stunden, nachdem der Wettbewerb ausgerufen worden war, meldete sich bereits der erste Teilnehmer. Dem Anrufer war es tatschlich gelungen, die richtige Anzahl von Kegeln zu erraten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Kollegen betreten schweigend in der Nachrichtenredaktion saen, als sei gerade ein bedeutender Lokalpolitiker gestorben. Da hatten sie versucht, den Premierminister zu veralbern, und nun waren sie selbst zum Nar-ren gemacht worden.

    Meine Kollegen hatten angenommen, es sei unmglich, zu er-raten, wie viele Verkehrskegel entlang einer Strecke von etwa 20 Meilen aufgestellt waren. Offenkundig war das nicht der Fall, und ich glaube, ich war der Einzige in der Redaktion, dem klar wurde, warum. Geht man davon aus, dass die Kegel in identischem Ab-stand voneinander stehen, muss man nur eine simple Rechnung durchfhren:

    Zahl an Kegeln = Lnge der Strecke Abstand zwischen 2 Kegeln

    Die Strecke kann man messen, indem man sie abfhrt oder sich ei-ner Straenkarte bedient. Um den Abstand zwischen zwei Kegeln zu berechnen, braucht man lediglich ein Maband. Zwar wird der Abstand zwischen den Kegeln ein wenig variieren, und auch beim Schtzen der Strecke knnte man sich etwas vertun, aber wenn es sich um eine einigermaen groe Entfernung handelt, reicht die obige Rechnung in Normalfall aus, um einen Wettbewerb in der Lokalzeitung zu gewinnen. Und wahrscheinlich war genau so auch die Verkehrspolizei vorgegangen, als sie die Kegel gezhlt hatte, um dem Argus die richtige Antwort mitzuteilen.

    An diese Geschichte erinnere ich mich so gut, weil ich damals zum ersten Mal in meiner journalistischen Laufbahn erkannte, wie wertvoll es ist, einen Sinn fr Mathematik zu besitzen. Auerdem fand ich es ziemlich beunruhigend, dass die meisten Journalisten offenbar nicht rechnen knnen. Eigentlich war es nicht sonder-

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    lich kompliziert, herauszufinden, wie viele Verkehrskegel an einer Strae aufgereiht waren, doch fr meine Kollegen stellte das eine unberwindliche Hrde dar.

    Zwei Jahre zuvor hatte ich mein Studium in Mathematik und Philosophie abgeschlossen, wodurch ich mit einem Bein in den Natur- und mit dem anderen in den Geisteswissenschaften stand. Journalist zu werden, war eine Entscheidung fr das Letztere, zumindest oberflchlich gesehen. Kurz nach dem Kegeldesaster verlie ich den Argus, um fr verschiedene Londoner Zeitungen zu arbeiten. Und schlielich ging ich als Auslandskorrespondent nach Rio de Janeiro. Meine Begabung fr Zahlen war gelegentlich recht ntzlich, zum Beispiel, wenn ich herausbekommen musste, welches europische Land in etwa dieselbe Flche hatte wie der im letzten Jahr abgeholzte Teil des brasilianischen Regenwalds, oder wenn es in irgendeiner Whrungskrise darum ging, die neu-esten Wechselkurse zu berechen. Aber im Groen und Ganzen hatte ich den Eindruck, die Mathematik hinter mir gelassen zu haben.

    Dann kam ich vor einigen Jahren nach Grobritannien zurck, ohne mir im Klaren darber zu sein, was ich in Zukunft machen sollte. Ich verkaufte T-Shirts mit den Namen brasilianischer Fu-baller, ich fing an einen Blog zu schreiben, ich spielte mit dem Gedanken, tropische Frchte zu importieren. Nichts davon funk-tionierte. Whrend dieser Phase der Neuorientierung kam ich auch wieder in Kontakt mit dem Fach, das mich so viele Jahre beschftigt hatte, und pltzlich wollte ich unbedingt dieses Buch schreiben.

    Im Erwachsenenalter die Welt der Mathematik zu betreten, war etwas ganz anderes als in der Kindheit