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Über die klinische und praktische Bedeutung der Bestimmung des mittleren Erythrocytehdurchmessers mit Hilfe der halometrischen Methode unter besonderer Berücksichtigung der Leberkrankheiten

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  • (Aus der II. medizinischen Klinik dcr Universit/~t Mfinchen [i~rof. Schittenhelm] und dem physiologischen Institut dcr Univcrsit/~t Hamburg [prof. MondJ.)

    lJber die klinische und praktische Bedeutung der Bestimmung des mittleren Erythrocytendurchmessers

    mit Hilfe der halometrischen Methode unter besonderer Beriicksichtigung der I, eberkrankheiten'.

    Von Herbert Luckner und Franz Tilger.

    (Eingegangen am 9. Juni 1936.)

    Der quantitativcn Erfassung der ~nderungen der mittlcren Erythro- cytcndurchmessergrSBe wurde hi den letzten Jahren zunehmende Auf- merksamkeit geschenkt. Die Untersuchungen nahmen ihren Ausgang von den seit 1/tngerer Zeit bekannten und beachteten Befunden einer Makrocytose bei pernici5ser An/~mie und einer Mikrocytose bei h/imo- lytischem Ikterus, wie sic von Chau//ard, Ehrlich und Naegeli mitgeteilt werden. Diese Untersuchungen fSrderten bei einer Reihe von An/s formen charakteristische ~xnderungen der Erythroeytendurchmesser nach der Seite der Makrocytose und Mikrocytose zutage und f/ihrten zu auch schon von friiher her bekannten Versuchen, daraus ein Einteilungsprinzip ftir (lie Erkrankungen des roten Blutbildes zu gewinnen. Gleiehzeitig ergab sich, dal~ An/tmien, die mit Krankheitszust/~nden des hepatolienalen Organsystems oder des Magen-Darmkanals einhergehen, bzw. davon ihren Ausgang nehmen, besonders deutliche Ver/~nderungen zeigen. Auch bei diesen Erkrankungen ohne Aniimie wurde /ilanliehes gefunden und ver- einzelte Beobachtungen fiber die Erythrocytenmorphologie bei Stoff- wechselerkrankungen und innersekretorischen St6rungen weisen auf eine Beeinflussung des roten Blutbildes bei diesen Erkrankungen hin. Be- sonders fruehtbar sind Untersuchungen des roten Blutbildes bei Er- krankungen des Magen-Darmkanals und des hepatolienalen Systems und ihrer Beziehungen zur Blutmorphologie, weil sich hier nach vielen Er- fahrungen pathogenetische Zusammenh/s dieser Erkrankungen unter- einander und mit der pernici6sen An/i, mie aufzeigen lasscn.

    Die Untersuchungen der Erythrocytengr6Ben sind neuerdings durch Gqinther, Price-Jones, v. B6ros, J6rgensen und Warburg u. a. auf neue Grundlagen gebracht worden. Price-Jo~s zeigte, dab sich bei kurvenm/~Biger Darstellung dcr in Gruppen gefaBten Einzelmessungcn der Erythrocytendurchmesser ein binomiales Kurven. bild mit schr steilem Verlau] crgibt. G-iinther wits im einzelnen nach, dab die Ver- tcilung der einzclnen Erythrocytengr6Ben nach den Gesetzen der Variationsstatistik zu fassen ist. Giinther wies weiterhin darauf bin, dab die voneinander abweichenden Ergebnisse der vcrschiedenen Autorcn in ihrer Methodik begrtindct sind, und daB, wenn man die gefundenen normalen Mittelwerte als Richtwcrte und Malleinhei~n

    i Die Untersuchungen sind in der Kieler medizinischen Klinik unter Leitung yon Prof. Schiltenhelm durchgeffihrt worden.

  • Bestimmung des mittleren Erythroeytendurchmesscrs. 127

    einsetzt, ein Verglcich der Bcfunde m6glich ist. Die Mcthodik der Erythrocyten- durchmesscrbestimmung ist durch die Untersuchungen yon Giinther, Collatz, Ohno und Gisevius grundlegend neu bearbeitet und verbes~rt worden. Die ftir wissen- schaftliche Zwecke notwendigc Methodik ist auBerordent|ich zcitraubcnd. Sie forder~ ill jedem Einzelfall gute Beherrschung der Technik. Die Meinungen der einzelnen Autorcn gingen bis vor ciniger Zcit tiber den einzuschlagenden Weg auseinandcr. Die Untcrsuchungen der eben zitierten Autoren habcn nun ergeben, dab bei D'urchmessermessungen yon Trockenprdparaten sich kein wesentlicher Unter- schied zum Nativpr~iparat ergibt, der vor allem yon [email protected] und MiUar, yon Price- Jones u. a. angenommcn wurde. Ebenso konnte gezeigt wcrden, dab bei geeigneter Fiirbung der Trockenprdparate keine Jfnderunqen der Durchmesser eintritt. Gef~rbte Trockcnprap~ratc haben nattirlich gegeniiber Nativpr~tparatea den Vorzug tin- latherer Herstellung und Bcobachtungsm6glichkeiten und bieten auBerdem den Vortcil, dab man sie aufbewahren kann. G4~nther zeigt nun, dab die wcsentlichcn Abwcichungen der Untersuchungsergebnissc vcrschiedcncr Autoren darauf zurfick- zuftihren sind, dal3, wenn die Pr~parate untcr Kanadabalsam eingeschlossen odor direkt untcr Cedernholz61 untcrsucht werdcn, sich eine Verkleinerung dcr Durch- messcr um etwa 7% ergibt. Eisbrich findct dafiir eincn Wert yon 7,5%, Ohno 5,6% Abweichung. (_~nther weist darauf hin, dab bier optische Vcrhaltnisse mal3- gebend sind und dab die Vcrkleincrung innerhalb des ganzen Streuungsbercichcs parallel geht.

    Trotzdem diese Untersuchungen eine groBe Vereinfachung der Metho- dik mit sich bringcn, ist die Herstel lung der PrKparate und die Einzel- messung der Eryt lu 'ocyten auf Photogrammen oder Zeichnungen oder mittels Okularmikrometer aul3erordentlich zeitraubend und ersehwert die Erfassung eines genfigend groBen Materials, das zur stat ist ischen Er- fassung erforder]ich ist. Giinther weist hierauf besonders him Es wurde immer wieder der Versueh gemacht, die Methodik der Einzclmessung, die die Untersuchung yon mindestens 200 Zellen in jedem Fal l erfordert, noeh weiter zu vereinfachen oder zu umgehen. Der yon Loewy und Taub- mann empfohlene Weg ist, das zu untersuchende Bhlt auf ein gef~rbtes Normalpr~parat auszustreichen und die ErythrocytengrSl3en dann direkt zu vcrgleichen; damit sind aber nati ir l ich nur anni~hernde Schiitzungen m6glich und die Methode hat sich kaum eingefiihrt.

    Eine weitgehende Verein]achung bedcutct die Messung des mitt leren Erythrocytendurchmessers mit Hilfe der von Pi]per angewandten Di/. /raktionsmethode.

    Pi~per vcrwendet einen diinnen Blutausstrich als Beugungsgitter fiir senkrecht durchfallendcs Licht und findct die GrSl3e der entstchcndcn Beugungsbilder ab- h~ngig yon der GrSl3e der Gitterkonst~nten, also hicr yon der GrSBe der roan BlutkSrperchen. :Die Einzelheiten des Prinzips sind yon ihm, .Bergansius und Millar, Ponder, Eve, Pryce u. a., die die Pi~persche Methodik aufgegriffen und teil- weise abgewandet haben, ausfiihrlich beschrieben. In den lctzten Jahren wurden Apparate nach dem Pi~perschen Prinzip yon Oehme (s. Aub) und Bock angegeben.

    Das yon Bock konstruierte Erytrocytometer fiel gegeniiber anderen Konstruktio~mn durch seine Einfachheit auf (es ist etwa dem Eveschen Halometer verglcichbar). Nach den Angaben yon Boc/c lassen sich mit dem Apparat Ablesungen mit Differenzen yon nur 0 ,2~ im Vergleich zu direkten MeBmethoden anste|len.

  • 128 Herbert Luckner und Franz Tilger:

    Ein solches Ger/~t mit seiner einfachen raschen Handhabung schien einmal die Verwertung der bisher fiber ErythrocytengrSBen gewonnenen wichtigen diagnostischen und prognostischen Gesichtspunkte in Klinik und Praxis zu ermSgliehen und, falls die Ergebnisse in der angegebenen Fehlergrenze bleiben, auch die Erfassung der mittleren Durchmesser eines grSBeren Materials zu wissenschaftlichen Zwecken zu gestatten.

    In der vorlieqenden Arbeit sollen die Ergebnisse der mit dem Erythro- cytometer von Book gewonnenen Untersuchungen mit einem gr6fleren, mikro- skopisch ausgemessenen Material verglichen werden. Es war uns dabei vor allem wichtig, die Extreme der Erythrocytometerskala zu erfassen. Fiir den Normbereich der Skala am Bockschen Apparat wird in einer Arbcit yon Keller und Fischer bei Kindern gute (~bereinstimmung mit dem durch Einzelmessungen gewonnenen mittleren Erythrocytendureh- messer gefunden. Bei fiber 8/x liegenden Durchmessern findet Keller eine deutliche Diskrepanz der verglichenen Ergebnisse.

    Als Ausgangsmaterial ftir unsere Untersuchungen verwandten wir zuniichst eine Reibe yon Normalfallen und untersuchten daran ansehlieBend das rote Blut- bild bei Lebererkrankungen, fiir die das Auftreten yon Makrocytosen schon langer bekannt ist, jetzt aber seit der Einftihrung der Lebertherapie bei pernici6ser Anamie gr6Beres Interesse gewonnen hat. Das an einer grflleren Zahl verschiedener Leber- erkrankungen gewonnene Material sellte gleichzeitig die M6glichkeit ergeben, die charakteristisehe Erythrocytenmorphologie der einzelnen Lebererkrankungen ge- nauer zu beurteilen. SchlieBlich wurde der Versuch gemacht, das Erythrocyto- meter an Hand eines gr6Beren Materials auf seine Brauchbarkeit fiir die Praxis und seine Bedeutung ftir die Gewinnung eines Einblicks in die quantitative Erythro- cytenmorphologie zu untersucben.

    Die Untersuchungen gliedern sieh demnach in drei Abschnitte : 1. Ver- gleichende Untersuchungen der mit Erythrocytometermessung erhal- tenen Ergebnisse mit denen bei mikroskopischer Einzelmessung. 2. Be- richt fiber die mittleren Erythrocytendurchmesser und die Verteilung der versehiedenen ErythrocytengrSBen bei 30 F~illen verschiedener Leber- erkrankungen. 3. Untersuchungen der Erythrocytcndurchmesser mit Erythrocytometer und Bcstimmung des Normbereiches. Untersucht wurden vor allem Erkrankungen, die wie innersekretorischc StSrungen, Magen-Darmerkrankungen, An/imien, Abwcichungen yon der Norm er- warten lassen.

    Methodik. Bei Aufstellung dcr Methodik zur mikroskopischen Einzclmcssung dcr Erythrocyten und zu Messungen mit dem Erythrocytometcr miissen zun~.chst die Ergebnisse yon Wiechmann und Schiirmeyer berticksichtigt werden, die Unter- schiede der Erythrocytengr6flen im Schlaf und bei Tag, morgens und abends, fest- stellten, die weiterhin angaben, dab nach schwerer Arbeit infolge COa-~berladung des Blutes einc Erythrocytenvergr6Berung auftrete und schlieBlich gefunden haben, dail unter bestimmten Bedingungen nach Entnahme mehrerer Tropfen BIut aus einer capillarcn Hautblutung das .Blur arteriellen Charakter annehmen kann, d. h. daft die Blutzellen kleiner werden.

    Wir haben uns demnach bei Blutentnahmen fiir unsere Messungcn sehematiseh an /olqendes Vorgehen gehalten: Die Blutentnahmen wurden immer vormittags

  • Bcstimmung des mittlcrcn Erythrocytendurchmessers. 129

    aus dem Ohrliippchen nach Abrcibcn mit

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