TASCHENLEXIKON DES MITTELALTERS - Taschenlexikon des Mittelalters Antiphonar Gesangbuch fr den Chordienst. Beginen Frauen, die in christlicher Gemeinschaft zusammenlebten, sogenannten

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  • Impressum

    Herausgeber: Verkehrsverein RheineckText: Hans Schmidt, RheineckKonzept,Gestaltung: DACHCOM.CH AG, RheineckDruck: Resch Druck AG, Rheineck Sponsoren: unter www.mittelaltermarkt-rheineck.ch

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    1 Taschenlexikon des Mittelalters

    MITTELALTERMARKTRHEINECK

    Damit wir uns auch mittelalterlich unterhalten knnen

    So fern, so nah.

    TASCHENLEXIKONDES MITTELALTERS

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  • 2 Taschenlexikon des Mittelalters

    Antiphonar Gesangbuch fr den Chordienst.

    Beginen Frauen, die in christlicher Gemeinschaft zusammenlebten, sogenannten Sammlun-gen, ohne einem Orden angeschlossen zu sein.

    Beinlinge Vorlufer der Hosen. Zwei unabhngige Beinkleider, die mit Schnren an der Bruche, am Grtel oder an der Weste befestigt wurden.

    Bruche Weite Unterhose aus ungebleichtem Leinen.

    Buhurt Der Buhurt war ein Reiterspiel im Rahmen eines Turniers, bei dem es vor allem auf die Geschicklichkeit der Reiter ankam; eine Art Schaureiten.

    Busine Trompete des Mittelalters; Naturtrompete mit langgestrecktem, geradem Rohr.

    Cedula Mittellateinisch fr schedula: Zettel

    Cornuto Der Gehrnte. Italienisches Schimpfwort, meist von einer Geste (Faust mit ausge-strecktem Zeigefinger und kleinem Finger) begleitet.

    Zunchst einige Begriffe, die tatschlich eine historische Richtigkeit beanspruchen knnen

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    15 Taschenlexikon des Mittelalters

    www.mittelalter-netz.de/ sprache/index

    www.mittelalter-tross.de/ mittelalter-sprache

    de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChneuhochdeutsch

    www.anzahcraft.de/wiki/ mittelalterliches-sprechen

    www.freizeitengel.de/Freizeit/ Mittelalter-fuer-Kinder/Redewendungen

    www.mittelalter-gewandung.net/ Wochenbote/Wochenbote_ Mittelalter_Sprache

    Und wer jetzt noch nach mehr sprachlicher Unterweisung heischt, wird hier fndig werden knnen

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  • 14 Taschenlexikon des Mittelalters

    Dieser Hinweis mag berflssig scheinen, ist aber dennoch vonnten. Bei aller Lust an veralteten Worten schleichen sich nmlich manchmal kleine peinliche Fehlerchen ein, die flugs von anderen abgelauscht werden und so allmhlich die Runde machen. Ganz besonders beliebte sprachliche Stolpersteine sind beispielsweise:

    Hold bedeutet nicht: wohlgeraten, ansehnlich, son-dern: wohlgesonnen, zugetan, geneigt. Von daher ist die gern verwendete Anrede holde Jung fer schon durchaus gewagt. Die Anrede holder Recke allerdings sollte stets nur mit Bedacht erfolgen.

    Atzung bedeutet nicht: den Durst lschen, sondern: fttern, nhren, bekstigen. Atzung stillt also nur den Hunger.

    Heischen bedeutet nicht: es zu erhaschen, erringen, tref-fen, bekommen, sondern: begehren, erbitten, fordern, nach etwas streben. Wenn Herolde beim Turnier verknden, ein Ritter heische mit seiner Lanze ein bis drei Ringlein, so gilt das ganz gewiss beim Anritt. ber den Erfolg der bung verrt dies aber nichts.

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    3 Taschenlexikon des Mittelalters

    Cotte Die Cotte war ein kittelartiges Kleidungs-stck, das mit einem Grtel ber der Bruche getragen wurde, meist aus Wolle, seltener aus Leinen.

    Ehgraben Auch Wuostgraben oder Feuergsslin. Kleine Gasse zwischen den Huserreihen, die das bergreifen von Feuer von einem Haus zum anderen verhindern sollte, vor allem aber der Entsorgung der Latrinen und des Mlls diente.

    Feigenhand Obszne Geste, bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt wird.

    Fuss Auch Schuh. Masseinheit. Entspricht ungefhr 3o cm.

    Galreide Slze aus gestampftem Fisch, seltener Fleisch.

    Gelieger Niederlassung, Kontor

    Gemeine Frau Prostituierte

    Gestech Siehe Tjost (Italienisch = Giostra)

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  • 4 Taschenlexikon des Mittelalters

    Grapen Dreibeinige Keramiktpfe, mit denen ber dem offenen Feuer gekocht wurde.

    Gugel Vor allem von Mnnern getragene, allgemein bliche Kapuzenhaube mit Schulterkragen und Zipfel, die jedoch auch in Form einer Sendelbinde oder eines Chaperons elegant um den Kopf drapiert werden konnte.

    Hbschlerin Prostituierte

    Hurenwaibel Der fr den Tross zustndige Feldwebel bei einem Heereszug. Da sich im Tross immer auch Huren befanden, trug er diese Bezeich-nung.

    Kemenate Beheizbarer Wohnraum, vor allem in Burgen.

    Krammetsvgel In Schlingen gefangene Singvgel, meist Drosseln.

    Lanze Militrische Einheit: ein Ritter mit mehreren Gefolgsleuten.

    Ledi, Ldine Lastschiff auf dem Bodensee, meist sehr breit, mit einem einzigen Mast und einem rechteckigen Segel.

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    13 Taschenlexikon des Mittelalters

    Bezeichnende Anreden beim Publikum

    Wird stets die Gnade der hohen Geburt vorausgesetzt. Also ihrzet und euchzet man frisch drauflos und knpft ein mglichst passendes Adjektiv mit ein: Seid willkom-men an der Sttte, Gevatterin, edle Dame, Gevatter, edler Herr. Es wird dabei immer wieder gerne gehrt, wenn Anrede und Bezeichnung mit treffenden Eigenschafts-worten ausgeschmckt werden.

    Wie nenne ich wen?

    Bei der Anrede der hochverehrten Gste ist es erfreulich, wenn die Anreden der anwe-senden Vielfalt gerecht werden. Daher hier ein paar Adjektive und Bezeichnungen: Wisse, was Du sagst!

    Damen Herrenedle Dame edler Herr

    reizende Jungfer werter Gevatter

    liebreizende Maid hehrer Recke

    holde Frowelein stolzer

    stolze Frouwe khner

    greise Muhme sonderbarer Gesell

    schndlich Lsterweib

    wunderlich Gevatterin

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  • 12 Taschenlexikon des Mittelalters

    Bezeichnende Anreden unter Marktleuten

    Hier hilft der Augenschein. Es war im Mit-telalter gang und gbe, einander hflich mit der Berufsbezeichnung anzureden (woraus viele der heutigen Nachnamen resultieren). Somit ist bei der nheren Bezeichnung der angesprochenen Person in erster Linie das ausgebte Gewerk (und ggf. der Stand darin) wichtig. Wo derlei gerade nicht bekannt noch offenkundig ist, hilft immer noch der pure Augenschein weiter. Wenn man es nicht besser weiss, vermutet man bei Stand-Inhabenden sicherheitshalber, dass sie Meis-ter/innen ihrer Gewerke sind. Und wo das Gewerk nicht genau erkennbar ist, wird halt geraten.

    Seid gegrsst, Schusterin! Seid gegrsst, Meister Beck!

    Einen recht schnen guten Morgen, edler Marktvogt! Einen guten Morgen auch dir, Schmiedegesell!

    Gott zum Grusse, ehrenwertes Mtterlein! Jaja, guten Morgen, mein Junge!

    Seid gegrsst! Also auch Ihr!

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    5 Taschenlexikon des Mittelalters

    Libell Schrift, Bchlein, Eingabe

    Matutin Nachtgebet der katholischen Liturgie

    Nachrichter Scharfrichter, Henker

    Natternzunge Amulett aus fossilem Haifischzahn, das sich angeblich verfrbte, wenn es mit Gift in Berhrung kam.

    Orator Redner

    Pfisterei Bckerei

    Pfhl Federbett, in der hiesigen Gegend damals blich. Wird auch bei Richental erwhnt.

    Schindanger Ort an Hinrichtungssttten, wo die Hin-gerichteten, aber auch Selbstmrder sowie an Krankheiten verstorbene Tiere begraben wurden.

    Schinder Abdecker, Pferdemetzger

    Schritt Masseinheit, entspricht ungefhr 75 cm

    Sudeltrog Flaches Becken am Fuss der stdtischen Brunnen, in denen man auch etwas waschen oder Tiere trnken durfte, was in den normalen Brunnenbecken verboten war.

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  • 6 Taschenlexikon des Mittelalters

    Tjost Die Tjost (auch Gestech) war ein Zwei-kampf mit Speer oder Lanze whrend eines Turniers.

    Treppenauge Lichte ffnung oder Luftraum, der von Treppenlufen und Abstzen gebildet und umschlossen wird.

    Trlle Die Trlle war eine besondere Art des Prangers: ein Kfig auf einer runden Holz-scheibe, den man drehen konnte. Vor allem Betrunkene wurden hier eingesperrt und dem Spott der Passanten ausgeliefert.

    Visierer Stdtischer Weinkontrolleur. Da es trotz strengen Verbots hufig zu Weinpanscherei kam, um den Wein wohlschmeckender oder haltbarer zu machen, hatten die Stdte eigene Kontrolleure, die nach entsprechen-den Indizien in den Kellern der Wein- schnken suchten.

    Vdel Obsznes Schimpfwort fr Frauen.

    Zession Rcktritt

    Zimier Das Zimier wird auch Helmzeichen oder Helmkleinod genannt. Es ist das Wappen-zeichen auf dem Turnierhelm, an dem man den Kmpfer erkennen konnte.

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    11 Taschenlexikon des Mittelalters

    Derlei Feinheiten werden etwa dann inte-ressant, wenn Meisterin (Standinhaberin) und Knecht (Aushilfe) dem Marktvogt und seinem Bttel begegnen: Vogt und Meisterin ihrzen einander hflich, whrend sie die beiderseitigen Untergebenen duzen. Diese wiederum duzen auch einander, ihrzen jedoch Meisterin und Vogt. Das klingt etwas umstndlich, ist aber in der Praxis sehr lebendig. Und es schafft ganz unauffllig Atmosphre.

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  • 10 Taschenlexikon des Mittelalters

    aufwrts gilt das ehrerbietige Ihr. Als Hflichkeits-form der Oberschicht mag es untereinander wohl auch gute Dienste leisten.

    unter Gleichen ist unter Bekannten wie Unbekannten zumeist das traute Du gang und gbe. Aller-dings drfen wir die Meister unserer Markt-Znfte natrlich auch ihrzen.

    abwrts darf und sollte ein eher geringschtziges Du gelten. Eine ehrende Anrede mit Ihr wre hier gnzlich fehl am Platze darf aber bei Entgegnungen ganz selbstverstndlich erwartet werden.

    vom Adel herab geht es deutlich ber viele Standesebenen herab, ist auch die hochnsig preussische Anrede in der dritten Person mglich, die nur von der gemeinten Person handelt, ohne sich daran die Lippen zu beschmutzen. (Holl