Soziales Kompetenztraining und seine Evaluation an ... Einheit: Gef¼hle erkennen – Gef¼hle benennen

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  • Spiebach, BarbaraEmail@dresse: Uwe.Spiessbach@t-online.de

    Soziales Kompetenztraining und seine Evaluation an Grundschulen

    Dsseldorf: Heinrich-Heine Universitt 2000 - Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Hehl / Prof. Dr. R. Pietrowsky

    Auszug

    Training und Messungen: Jahrgangsstufen 1, 2 und 4Messinstrumente: AFS und EASTreatment in der Untersuchungsgruppe: Soziale Kompetenztrainings, 6 x 90 Min.

    1. Einheit: Fragebogenerhebung und Wahrnehmung2. Einheit: Wie bin ich wie bist Du?3. Einheit: Gefhle erkennen Gefhle benennen4. Einheit: Aktives Zuhren5. Einheit: Ich-Botschaften6. Einheit: Ein Problem, viele Lsungen7. Einheit: Fragebogenerhebung

    Das Training war erfolgreich, insbesondere die Gefhlseinheit und das Igelspiel nachPETERMANN (1978).

    mailto:Uwe.Spiessbach@t-online.de

  • 4.5.1. Techniken und Ziele der Trainingseinheiten

    Folgende Techniken und Ziele waren feste Bestandteile jeder

    Trainingseinheit. Durch diese Ritualisierung fiel es den Kindern leicht,

    sich auf die Einheiten einzulassen, da sie im voraus wussten, was auf sie

    zukam. Durch die unterschiedlichen Inhalte der Arbeitsphase wurden

    bestimmte Elemente in den einzelnen Einheiten unterschiedlich stark

    gewichtet.

    Techniken Ziele

    ____________________________________________________________

    Begrssungsrunde warming-up

    Stimmungserfassung

    Einfhrung Einleiten in das Thema

    Klrung der Begrifflichkeiten

    Festlegen mglicher Regeln

    Entspannungsgeschichte motorische Ruhe

    kognitive Konzentration

    Wahrnehmungsspiele Differenzierung der Wahrnehmung

    Problemlsespiele

    Konfliktsituationen

    Selbstinstruktionskarten Selbstkontrolle

    Selbstbeobachtungsbogen

    Strukturierte Rollenspiele angemessene Selbstbehauptung

    Einfhlungsvermgen

    Kooperation

    Prosoziales Verhalten

    Hausaufgaben Reflektion

    Transfer in den Alltag

    Abb.:4 allgemeine Techniken und Ziele der Einheiten

  • 1. Einheit: Fragebogenerhebung und Wahrnehmung

    Zeit Inhalt Ergebnis Arbeitsform Material60 Minuten Fragebogenerhebung Datenerhebung Klassenverband

    nach Geschlechterngetrennt

    EASAFS

    10 Minuten Begrung und ge-genseitige Vorstel-lung

    Kennenlernen,Gruppenregel ver-einbaren

    Klassenverband Kleiner Ball o..

    10 Minuten Klrung des BegriffsWahrnehmung

    Bewutmachen allerFacetten der Wahr-nehmung

    Klassenverband Vexierbild:Hase/Ente

    2 Minuten Hausaufgabe:Basteln einesNamensschildes

    8 Minuten Zusammenfassungund Verabschiedung

    Komprimieren desGelernten;Wurden die Regelneingehalten? Wie istdie Stimmung?Mglichkeit zurKritik

    Klassenverband

  • 4.5.2. Praktische Durchfhrung der Einheiten

    Die erste Einheit bestand vorwiegend aus der Erhebung der obengenannten Fragebgen und einer kurzen Vorstellung und Einfhrung indas Training.

    Nach einer kurzen Begrssung wurde die Untersuchungs- undVergleichsgruppe nach Geschlechtern getrennt. Die Mdchen fllten ihreFragebgen unter Anleitung der Trainerin aus, die Jungen taten dieseszeitgleich unter Betreuung der Co-Trainerin. Zuerst wurde in beidenGruppen der EAS, anschliessend der AFS anonym durchgefhrt. Umsicherzustellen, dass keine Verstndnisschwierigkeiten auftraten und dieKinder in ihrem Arbeitstempo vergleichbar waren, lasen die Trainerinnenzunchst die Instruktionen vor und begannen mit der Durchfhrung, indemsie die einzelnen Bildgeschichten bzw. Inhaltsaussagen nacheinandervorlasen. Grssere Probleme bestanden whrend der Erhebung nicht, dieKinder waren konzentriert und ruhig. Rckfragen kamen lediglich bzgl.der Worte beklemmend und wirr im Kopf, sowie bei beiden Gruppenbzgl. der Formulierung Manchmal muss ich mich sehr zusammennehmen,damit mir keiner etwas anmerkt. Da dies auch bei den anderenuntersuchten Klassen vorkam, empfiehlt es sich, den AFS an diesenPunkten sprachlich zu modifizieren.Im Anschluss an die Fragebogenerhebung fanden sich die Kinder wiederin ihren Klassengemeinschaften zusammen.

    In der Untersuchungsgruppe wurde nun zunchst die Frage derNotwendigkeit von Regeln gestellt. Anfangs waren die Antworten derKinder auf den Bereich des Klassenraumes begrenzt, spter dehnten sie dieRegeln auch auf den Bereich Sport und Spiel aus, sowie auf denStrassenverkehr. Von dort kamen sie schnell auf die Schutzfunktion vonRegeln und die Relevanz fr das Zusammenleben. Sodann wurde von denKindern fr diese Einheit als Regel festgesetzt, dass man sich gegenseitigzuhren muss und dem anderen nicht ins Wort fallen darf.

    Soziale Regeln werden von Petermann & Petermann (1997) alsbereinknfte der Interaktionspartner darber verstanden, welchesVerhalten in einer gegebenen Situation als angemessen gelten soll.Merchant & Rebelsky (1972) zeigten in ihrer Untersuchung, dass Kinderdie Bedeutung und Funktion von Regeln besser nachvollziehen undbefolgen knnen, wenn sie selber an der Entstehung der aufgestelltenRegeln beteiligt waren. Von daher ist es nach Petermann/Petermannnotwendig, innerhalb des Sozialen Kompetenztrainings ber die FolgeRegelspielen, -erleben und gestalten auch zu einem Regelverstndnis zugelangen. Gleichzeitig wird dabei auch die Selbstkontrolle der Kindergefrdert, sowie auch das selbstndige und eigenverantwortliche Handeln.Anschliessend wurde der Begriff der Gewalt geklrt. Auch hier bezogendie Kinder den Gewaltbegriff zunchst auf physische Bereiche. DurchRckfrage meinerseits kamen sie jedoch auch schnell darauf, dass sichGewalt auch verbal oder durch Zeichen ussern kann. Sodann wurde dieGewaltdefinition ausgehndigt und von einem Kind vorgelesen. AlleKinder einigten sich darauf, diese Regel anzuwenden und besiegelten

  • diesen Vertrag nachdem geklrt wurde, was ein Vertrag und eineUnterschrift ist durch ihren Daumenabdruck und ihre Unterschrift.Anschliessend wurde die Regel im Klassenraum aufgehngt.

    Durch den Akt des offiziellen Vertragsabschlusses halten die Kinder dieRegeln als ihre ganz eigenen, nur auf ihre Klasse beschrnkteVereinbarung besser im Gedchtnis und knnen sich eher damitidentifizieren (Faller).Als Hausaufgabe bekamen die Kinder auf, Schilder mit ihrem Namen undeiner fr sie typischen Eigenschaft zu basteln.

    Zum Schluss der Stunde wurden rote, grne und gelbe Smilies ausgeteilt,die jeweils ein missmutiges, ein neutrales und ein lachendes Gesichtzeigten und der Messung der Stundenakzeptanz dienten. Alle Kinderzeigten durch den grnen lachenden Smiley, dass es ihnen in der Stundegutgegangen war und ihnen die Einheit gefallen hatte.

    Die Lehrerinnen der untersuchten Klassen waren sehr kooperativ undhielten sich im Hintergrund. Die Schulleitung usserte ihr Interesse, dasSoziale Kompetenztraining, sowie auch die Streitschlichtung und eineStressbewltigungs-AG auf die ganze Schule auszudehnen und in ihrSchulprofil einzubauen. Des weiteren wollte sie der Schulrtin auf dernchsten Schulleiterversammlung vorschlagen, die Konzepte netzwerk-artig auf alle Schulen zu bertragen.

    Bevor ich die weiteren Einheiten kurz darstelle, mchte ich auf dieBedeutung der Entspannung im Kontext des Sozialen Kompetenztrainingseingehen. Die Entspannungsphase ist fester Bestandteil jeder Einheit. Sieverbessert auf der kognitiven Ebene die Konzentrations- undAufnahmefhigkeit der Kinder und dient somit der Vorbereitung einerVerhaltensmodifikation. Zudem vermindert sie auf der behavioralen Ebenedie motorische Unruhe und Hyperaktivitt (vgl. Dpfner, Schrmann &Frlich, 1997) sowie auch aggressives Verhalten, wie Petermann undBecker (1996) in einer Studie mit Kindergarten- und Schulkindernnachweisen konnten. So ist aggressives Verhalten und Entspannung alleinaus physiologischen Grnden miteinander inkompatibel. Allerdings ist dasAutogene Training kein symptomspezifisches Verfahren, d.h. dass dadurchAngst und Aggression nicht verschwinden, sondern lediglich die Erregungheruntergesetzt und eine Fokussierung der Aufmerksamkeit erreicht wird.Es ist wichtig, dass dabei angstauslsende Motive vermieden werden.Da aggressive Kinder sich laut Petermann & Petermann sehr schnellbedroht fhlen, sind sie stndig psychisch angespannt, was wiederummotorische Unruhe hervorruft und die Bereitschaft fr aggressivesHandeln erhht.Ich benutzte whrend des Trainings ausschliesslich die von Petermann &Petermann 1993; 1994 entwickelten 10- bis 15mintigen Kapitn-Nemo-Geschichten in Form von Toncassetten, da diese vor allem frGrundschler konzipiert wurden, aber auch bei einem Alter von 12 Jahrenund mehr durchaus noch verwendet werden knnen. Sie stellen eineKombination aus progressiver Muskelentspannung und der Wrme- undSchwerebung des Autogenen Trainings dar. Durch die bildhafte Sprachewird die Phantasiettigkeit der Kinder angeregt, wobei sich die Schler

  • jedoch auch krperlich entspannen knnen. Die Einstiegsbilder sindimmer wiederkehrende Motive, so dass es im Idealfall allein durch dieWiederholung schon zu einer Konditionierung der Entspannung kommenkann. Wichtig bei diesen bungen ist vor allem die Transparenz: DieKinder mssen wissen, was auf sie zukommt. Nicht nur bei sozialunsicheren, sondern auch bei angstmotiviert aggressiven Kindern ist dieKenntnis des genauen Ablaufs notwendig, damit Angst vermieden undProvokation somit berflssig werden. Wichtig ist es, darauf zu achten,dass die Kinder gengend Platz haben und sich nicht gegenseitigberhren. So kann gerade bei externalisierten aggressiven Kindern in derPhantasiebung Berhrung zu krperlicher Gewalt fhren. DiesesProblem besteht bei internalisierten ngstlichen Kindern weniger.Die Kapitn-Nemo-Geschichten wurden von den Kindern sehr gutangenommen, was sich darin zeigte, dass die Kinder in derAbschlussrunde jeder Einheit die Entspannungsphase noch einmal alspositives Element der Stunde hervorhoben.

  • 2. Einheit: Wie bin ich wie bist Du?

    Zeit Inhalt Ergebnis Arbeitsf