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SOP Proximale Femurfraktur - thieme-connect.de · Einleitung Frakturen des proximalen Femurs umfassen die Femur-kopffrakturen, Schenkelhalsfrakturen und die Frakturen der trochantären

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  • SOP Proximale Femurfraktur

    Michael J. Raschke, Jens Everding

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    EinleitungFrakturen des proximalen Femurs umfassen die Femur-kopffrakturen, Schenkelhalsfrakturen und die Frakturender trochantären sowie subtrochantären Region. InDeutschland zeigt sich eine altersabhängige, exponentiellansteigende Inzidenz dieser Frakturen von 0,06% bei den60- bis 64-Jährigen, bis hin zu 1,32% im Alter von 85 Jah-ren oder höher [7].

    Insgesamt handelt es sich bei den proximalen Femurfrak-turen um die häufigste Ursache eines stationären Kran-kenhausaufenthalts von Patienten im Alter über 64 Jahre,bedingt durch die resultierende Immobilität mit notwen-diger stationärer und operativer Versorgung [12]. Auf-grund des demografischen Wandels ist in Zukunft voneiner deutlichen Zunahme dieser Verletzungsarten aus-zugehen [4]. Daher ist das Wissen um die SOPs bei pro-ximalen Femurfrakturen im klinischen Alltag von großerBedeutung.

    CaveDie 90-Tages-Mortalität bei proximalen Femur-frakturen beträgt 7,9% [6].

    Femurkopffraktur (Pipkin-Fraktur)

    Femurkopffrakturen sind seltene Verletzungen, die häu-fig auf ein Hochenergietrauma zurückzuführen und mitHüftkopfluxationen oder Azetabulumfrakturen assoziiertsind. Insgesamt wird in 5–15% der traumatischen Hüft-kopfluxationen eine Femurkopffraktur beobachtet [3].Häufigster Unfallmechanismus ist der Verkehrsunfall mitresultierender „dashboard injury“, betroffen sind vor al-lem junge Menschen, wobei das männliche Geschlechtüberwiegt. Weitere Unfallmechanismen, die zu dieserVerletzung führen, sind Verkehrsunfälle mit Fußgänger-beteiligung, Sportunfälle und Stürze aus großer Höhe.

    Schenkelhalsfraktur

    Die Schenkelhalsfraktur ist eine typische Verletzung desalten Menschen. Ursache ist in der Mehrzahl der Fälle einBagatelltrauma mit Sturz aus geringer Höhe, wobei dieInzidenz dieser Verletzung bei den über 85-jährigen Frau-en deutlich höher liegt als in der altersgleichen männ-lichen Gruppe (2543 vs. 1370) [5]. Prädisponierend istdie Osteoporose.

    Raschke MJ, Everding J. SOP Prox

    Deutlich seltener ist eine Schenkelhalsfraktur Folge einesHochenergietraumas, welches vor allem junge männlichePatienten betrifft. Klinisch imponiert die Schenkelhals-fraktur durch Schmerzen in der Leistenregion und die Un-fähigkeit, das betroffene Bein von der Untersuchungslie-ge anzuheben. Die aktive Beweglichkeit im Hüftgelenk istaufgehoben. In den meisten Fällen ist aufgrund des Mus-kelzugs eine Fehlstellung mit Beinverkürzung und Außen-rotation nachzuweisen.

    Die Schenkelhalsfraktur ist die bedeutendste alterstrau-matologische Verletzung und geht einher mit einem ho-hen Risiko von perioperativer Morbidität und Mortalität[11].

    Fraktur der peri- und subtrochantären Region

    Die Hälfte der proximalen Femurfrakturen sind in der pe-ri- bzw. subtrochantären Region lokalisiert. Hinsichtlichder Patientencharakteristika, des Unfallmechanismusund der Klinik besteht eine Analogie zu den Schenkelhals-frakturen, wenngleich sich die Strategie der operativenBehandlung deutlich unterscheidet.

    Präoperative Diagnostikund Klassifikation

    ▪ Erhebung der Unfallanamnese▪ subjektive Beschwerden▪ körperliche Untersuchung:

    – Fehlstellung des Beines: dorsale Hüftkopfluxationmit Hüftkopffraktur: Flexion, Adduktion, Innen-rotation; Schenkelhalsfraktur und peri- bzw. sub-trochantäre Frakturen: Beinverkürzung und Außen-rotation

    – Bewegungseinschränkung (Cave: Die detaillierteBewegungsprüfung sollte aufgrund der Schmerzenunterbleiben.)

    – Überprüfung der körperfernen Durchblutung, Mo-torik und Sensibilität

    ▪ bildgebende Diagnostik:– tiefe Beckenübersichtsaufnahme mit Messkugel

    und Hüfte axial nach Sven Johansson– bei Femurkopffraktur: CT-Diagnostik zur Abschät-

    zung des Verletzungsausmaßes (Größe des Frag-ments, freie Gelenkkörper)

    imale Femurfraktur Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14: 120–126

  • Typ I Typ II

    Typ III Typ IV

    ▶ Abb. 1 Femurkopffrakturen. Klassifikation nach Pipkin. (Wirth CJ,Mutschler W. Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart:Thieme; 2007)

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    – bei peri- bzw. subtrochantären Frakturen: Bild-gebung des gesamten Femurs einschließlich Knie(Einbringen zephalomedullärer Implantate)

    ▪ Komplettierung der (Medikamenten-)Anamnese. Be-troffen sind häufig alte Patienten mit Antikoagulation!

    ▪ weitere Diagnostik entsprechend Unfallmechanismusund Untersuchungsbefund

    CaveVerletzung des Knies bei Femurkopffrakturen(„dashboard injury“).

    Femurkopffraktur

    Die international am häufigsten angewandte Klassifika-tion der Hüftkopffrakturen erfolgt nach Pipkin (▶ Abb. 1)unter Berücksichtigung der Lagebeziehung der Frakturzur Belastungszone des Femurkopfs.

    Neben einem Beitrag zur Therapieentscheidung besitztdie Einteilung nach Pipkin ebenso eine prognostische Be-deutung [14]:▪ Pipkin Typ I: Fraktur kaudal der Fovea capitis▪ Pipkin Typ II: Fraktur kranial der Fovea capitis▪ Pipkin Typ III: Pipkin Typ I/II in Kombination mit Schen-

    kelhalsfraktur▪ Pipkin Typ IV: Pipkin Typ I/II in Kombination mit Azeta-

    bulumfraktur

    Die AO-Klassifikation sowie die weniger gebräuchlicheBrumback-Klassifikation sind weitere Möglichkeiten zurEinteilung der Hüftkopffrakturen. Letztere umfasst einegenauere Beschreibung der Frakturmorphologie ein-schließlich der potenziellen Luxationsrichtung des Kop-fes.

    Schenkelhalsfraktur

    Pauwels entwickelte 1935 eine mechanisch begründeteKlassifikation der Schenkelhalsfrakturen, basierend aufden vorliegenden Scherkräften. Insgesamt weist dieseKlassifikation eine hohe Interobservervariabiliät auf, beifehlender klinischer Relevanz [9].

    Der Pauwels-Winkel ergibt sich hierbei als Differenz ausHorizontale und Scherwinkel:▪ Pauwels Typ I: < 30°▪ Pauwels Typ II: 30–50°▪ Pauwels Typ III: > 50°

    Garden beschrieb 1961 die Schenkhalsfrakturen in Ab-hängigkeit vom Dislokationsgrad bzw. der zentralen Tra-bekelausrichtung im a.–p. Röntgenbild in vier Graden.Die Interobservervariabilität ist hoch, lässt sich allerdingsdurch Unterteilung in nicht dislozierte (Typ I/II) und dis-lozierte (Typ III/IV) Fraktur verringern. Die klinische Be-deutung dieser Subklassifikation liegt in der höherenHüftkopfnekroserate bei dislozierten Frakturen.

    Raschke MJ, Everding J. SOP Proximale Femurfraktur Orthopädie und Unfallchirurgie up2

    Im klinischen Alltag ist die Garden-Klassifikation wichti-ger Bestandteil für die therapeutische Entscheidungsfin-dung (▶ Abb. 2):▪ GardenTyp I: valgisierende und eingestauchte Fraktur,

    der Winkel zwischen Kopftrabekel und medialer Korti-kalis beträgt > 160°

    ▪ Garden Typ II: nicht dislozierte Fraktur in der a.–p.Ebene

    ▪ Garden Typ III: varisch und leicht dislozierte Fraktur,medial stehen die Trabekel noch in Kontakt

    ▪ Garden Typ IV: vollständig dislozierte Fraktur, kein Tra-bekelkontakt

    Eine eher akademische Bedeutung kommt der AO-Klassi-fikation (1990) der Schenkelhalsfrakturen zu, die den Dis-lokationsgrad und die Lokalisation berücksichtigt.

    Fraktur der peri- und subtrochantären Region

    Pertrochantäre Femurfrakturen werden anhand der AO-Klassifikation eingeteilt:▪ Typ 31 A1: stabiler Frakturtyp, die mediale Kortikalis

    ist einfach frakturiert, keine Beteiligung des Trochan-ter minor

    ▪ Typ 31 A2: instabiler Frakturtyp, die mediale Kortikalisist mehrfach frakturiert, Mitbeteiligung des Trochan-ter minor, Trümmerzone zwischen Trochanter majorund Trochanter minor

    121date 2019; 14: 120–126

  • Typ IVTyp IIITyp IITyp I

    ▶ Abb. 2 Mediale Schenkelhalsfrakturen. Klassifikation nach Garden.(Quelle: Ruchholtz S, Wirtz DC. Orthopädie und Unfallchirurgie essentials.Stuttgart: Thieme; 2012)

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    ▪ Typ 31 A3: instabiler Frakturtyp, die mediale und late-rale Kortikalis ist frakturiert, inverse oder oblique Frak-tur

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    Indikationsstellungund Verfahrenswahl

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    Femurkopffraktur

    Ziel ist die Wiederherstellung einer stabilen Hüftgelenksi-tuation mit anatomischer Gelenkkongruenz sowie ggf.auch Entfernung von interponierenden Fragmenten ausdem Azetabulum. Nichtdislozierte Pipkin-Typ-I-Fraktu-ren, die sich geschlossen anatomisch reponieren lassenund im Anschluss stabil sind sowie keine interponieren-den Strukturen aufweisen, können konservativ behandeltwerden.

    In den meisten Fällen ist jedoch eine operative Versor-gung erforderlich, die eine Fragmentrefixation mit 2,0-bis 3,5-mm-Kleinfragmentschrauben bzw. Knochenfixier-stiften umfasst. In Abhängigkeit von der Größe des Frag-

    ▶ Tab. 1 Therapiealgorithmus bei Femurkopffrakturen.

    Pipkin operatives Vorgehen

    I 1. Fragmentrefixation oder Fragmentresektion*

    2. Endoprothese beim älteren Patienten

    II 1. KopferhaltendeOsteosynthese oder Fragmentresekti

    2. Endoprothese beim alten Patienten

    III 1. Schenkelhalsosteosynthese, folgend Fragmentrefixatoder Fragmentresektion*

    2. Endoprothese beim alten Patienten

    IV 1. Refixation Pfannenfragment, folgend Fragmentrefixaoder Fragmentresektion*

    2. Endoprothese beim alten Patienten

    * Keine abschließende Empfehlung in der wissenschaftlichen Literatur vovon der Größe des Fragments, der Anzahl der Fragmente und der Lage

    Raschke MJ, Everding J. SOP Prox

    ments, der Anzahl der Frakturfragmente und der Lokali-sation des Fragments in Bezug auf die gelenktragendeRegion ist alternativ eine Fragmentresektion möglich.Impressionsfrakturen müssen ggfs. hochgestößelt undmit Spongiosa unterfüttert werden. Bei älteren Patientenempfiehlt sich anstelle einer kopferhaltenden Operationdie endoprothetische Versorgung.

    Bei Pipkin-Typ-III-Frakturen sollte bei jungen Patientenzunächst die Verschraubung der Schenkelhalsfraktur mit-tels kanülierten Großfragment-Spongiosaschrauben(7,3mm oder 7,0mm) erfolgen, bevor über einenvorzugsweise anterioren oder anterolateralen (Watson-Jones-)Zugang eine kopferhaltende Versorgung der Kopf-fraktur durchgeführt wird.

    Für die Versorgung von Pipkin-Typ-IV-Frakturen bietetsich insbesondere bei Beteiligung des hinteren Pfannen-rands der Kocher-Langenbeck-Zugang an, mit ggf. auchchirurgischer Hüftgelenkluxation und Trochanter-Flip-Osteotomie zur Adressierung des Kopffragments. Dasgenaue Vorgehen einschließlich bevorzugter Zugangs-wahl beschreibt ▶ Tab. 1.

    CaveDie mit der Hüftkopffraktur assoziierte Luxation desFemurkopfs ist ein absoluter Notfall und bedarf dersofortigen geschlossenen bzw. offenen Reposition.

    Schenkelhalsfraktur

    Eine konservative Therapie von Schenkelhalsfrakturen istnur in Ausnahmefällen indiziert. ValgusimpaktierteSchenkelhalsfrakturen können unter suffizienterSchmerztherapie und engmaschigen Röntgenverlaufs-kontrollen zum Ausschluss einer sekundären Dislokationunter Vollbelastung nichtoperativ behandelt werden.Aufgrund der hohen sekundären Dislokationsrate mit biszu 56% [16] wird im eigenen Vorgehen jedoch die pro-

    Zugang

    anterior

    anterior, anterolateral, lateral, posterior

    on* anterior

    anterior, anterolateral, lateral, posterior

    ion anterior-lateral

    anterior, anterolateral, lateral, posterior

    tion posterior

    posterior, chirurgische Hüftluxation, Flip-Osteotomie

    rliegend. Fragmentfixierung bzw. Fragmentresektion abhängigbeziehung des Fragments zur gelenktragenden Region.

    imale Femurfraktur Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14: 120–126

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  • ja nein

    • Incompliance• alte Fraktur• kognitives Defizit• Arthrose• Diabetes mellitus• Gefäßerkrankung• Osteoporose

    nicht disloziert(Garden I/II)

    Osteosynthese Endoprothese

    ja

    • Aktivitätsniveau↓• geringer Anspruch• kognitives Defizit• keine Arthrose• Multimorbidität• Incompliance

    HEP TEP

    nein

    disloziert(Garden III/IV) Garden I–IVGarden I–IV

    Alter < 65 Jahre Alter > 75 JahreAlter 65 – 75 Jahre

    ▶ Abb. 3 Schenkelhalsfrakturen. Therapiealgorithmus.

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    phylaktische (perkutane) Schraubenosteosynthese favo-risiert.

    Grundsätzlich sollte das Ziel der operativen Versorgungvon Frakturen des Schenkelhalses das frühzeitige Wieder-erlangen der Mobilität des Patienten sein, um Komplika-tionen und Folgeerkrankungen (Thrombose, Pneumonie,Dekubitus) zu vermeiden. Eine frühzeitige, notfallmäßigeoperative Versorgung ist laut Lehrmeinung von großerBedeutung. In verschiedenen Studien konnte gezeigtwerden, dass ein erhöhtes Risiko von perioperativenKomplikationen bei verzögerter operativer Therapie vor-liegt.

    Insbesondere bei kopferhaltender Osteosynthese bestehteine erhöhte Gefahr der sekundären Hüftkopfnekrose,wenngleich hierzu eine gute wissenschaftliche Evidenznicht vorliegt [8]. Ebenso reduziert sich bei einer frühzei-tigen endoprothetischen Frakturversorgung die postope-rative Komplikationsrate sowie Sterblichkeit der Patien-ten [12]. Umstritten ist die Druckentlastung des Kapsel-hämatoms bei geschlossener Reposition und Osteosyn-these [2].

    Der Therapiealgorithmus bei Schenkelhalsfrakturen wirdin ▶ Abb. 3 dargestellt.

    Fraktur der peri- undsubtrochantären Region

    Für die operative Versorgung von peri- und subtrochantä-ren Frakturen stehen extramedulläre und zephalomedul-läre Implantate zur Verfügung. Die Wahl des Implantatsbasiert auf der Frakturmorphologie.

    Stabile peritrochantäre Frakturen mit medialer Abstüt-zung (AO-31.A1-Frakturen) können mit extramedullärenImplantaten versorgt werden. Implantat der Wahl ist dieDHS (dynamische Hüftschraube) bzw. DHK (dynamischeHüftklinge), welche beide eine mediolaterale Dynamikund bei korrekter „Center-Center-“Platzierung eine be-lastungsstabile Nachbehandlung erlauben.

    Frakturen mit Beteiligung beider Trochanteren müssenals instabil betrachtet werden (AO 21.A2) und weisen ne-ben einer mediolateralen auch eine kraniokaudale sowiein Abhängigkeit von der intertrochantären Trümmerzoneeine Rotationsinstabilität auf. In diesem Falle ist die Ver-sorgung mittels zephalomedullärem Implantat (Gamma-Nagel, PFNa, TFN) empfehlenswert. Alternativ ist die Ver-wendung einer DHS bzw. DHK mit Trochanterstabilisie-rungsplatte möglich. Biomechanisch bieten die zephalo-medullären Implantate aufgrund der höheren Stabilitätinfolge der verminderten Distanz zwischen Hüftkopf undImplantat mit resultierendem geringerem Hebelarm ei-nen Vorteil; klinisch konnte dies bislang nicht nachgewie-sen werden [10].

    Raschke MJ, Everding J. SOP Proximale Femurfraktur Orthopädie und Unfallchirurgie up2

    Frakturen mit inversem bzw. obliquem Frakturverlauf (AO31.A3) sowie Frakturen der subtrochantären Region soll-ten mittels langem zephalomedullärem Nagel versorgtwerden. Häufig liegt aufgrund des Muskelzugs eine grobeDislokation der Frakturfragmente vor, sodass regelhaftein offenes Vorgehen empfehlenswert ist. Hierbei erfol-gen zunächst die Reposition und Fixierung der Fragmentemittels Draht- oder Kabelcerclage, bevor der Marknageleingebracht wird. In Abhängigkeit von der Knochenquali-tät ist die additive Zementaugmentation der extramedul-lären bzw. zephalomedullären Implantate empfehlens-wert.

    Eine primäre endoprothetische Versorgung sollte beiperi- und subtrochantären Frakturen – insbesondere beiVerlust der medialen Abstützung – vermieden werden.Neben dem erhöhten Risiko einer Varusimplantation undeines Rotationsfehlers ist die Offset-Rekonstruktion deut-lich erschwert [1]. Insgesamt zeigt sich bei Patienten mitendoprothetischer Versorgung nach Frakturen der peri-und subtrochantären Region eine gesteigerte Komplika-tionsrate [13].

    Aufklärung und Komplikationen

    Allgemeine Operationsrisiken

    Allergie, Thrombose, Lungenembolie, Fettembolie, Ver-letzung von benachbarten Strukturen (Gefäße/Nerven/Sehnen/Muskeln), Blutung, Nachblutung, Infektion,Wundheilungsstörung, Lagerungsschäden, Folgeopera-tion, Immobilität, Schmerzen.

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    Spezielle Operationsrisiken

    ▪ sekundärer Repositionsverlust▪ Hüftkopfnekrose (bei konservativer Therapie bzw. Os-

    teosynthese)▪ Cut-out/Cut-through (bei extra- und intramedullären

    Implantaten)▪ Läsion des N. ischiadicus (bei Hüftkopffraktur bzw.

    dorsalem Zugang)▪ intraoperative/periimplantäre/periprothetische Frak-

    tur▪ Arthrose▪ Pseudarthrose▪ Trendelenburg-Hinken▪ Beinlängendifferenz▪ Rotationsfehler des Beines (bei Prothesen- und Mark-

    nagelimplantation)▪ Prothesenluxation▪ Prothesenverschleiß (Abrieb)▪ Fehllage der Prothesenpfanne (Inklination/Antever-

    sion)▪ Fehlimplantation Prothesenschaft (Varus-/Valgusim-

    plantation, Rotationsfehler, Offset-Rekonstruktion)▪ Implantatlockerung, Implantatversagen, Implantat-

    bruch▪ Notwendigkeit des Implantatwechsels (Prothesen-

    wechsel)▪ Girdlestone-Situation▪ Arthrodese

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    Präoperative Checkliste▪ präoperative (Größen-)Planung der Implantate an-

    hand der Röntgenbilder (Messkugel verwenden!)▪ Überprüfung des Vorhandenseins der (Prothesen-)Im-

    plantate (einschließlich der nächstkleineren bzw.nächstgrößeren Implantate)

    ▪ Kontrolle der Laborbefunde, insbesondere des Gerin-nungsstatus

    ▪ Bestimmung der Blutgruppe und Bereitstellen vonzwei Erythrozytenkonzentraten (bei Prothesenimplan-tation)

    ▪ Markierung der verletzten Seite

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    Perioperative Maßnahmen▪ perioperative Antibiose (z. B. Cefuroxim 1,5 g i. v. in

    der Einleitung und intraoperativ alle zwei Stunden)▪ Lagerung:

    – Hüftkopffraktur: abhängig vom Zugangsweg (an-terior, lateral, posterior) in Rückenlage oder Seiten-lage mit entsprechender Verwendung von Stützen(Rückenlage) oder Vakuummatratze und Stützen(Seitenlage)

    Raschke MJ, Everding J. SOP Prox

    – Schenkelhalsfraktur:• abhängig vom Operationsverfahren (Osteosyn-

    these, Prothese) und Zugangsweg (anterior, an-terolateral, lateral, posterior)

    • bei osteosynthetischer Versorgung ggf. Ver-wendung des Extensionstisches

    • bei prothetischer Versorgung Rücken- (antero-lateraler Zugang) oder Seitenlagerung (lateraleroder posteriorer Zugang) mit entsprechendenHilfsmitteln (s.o.) bzw. Extensionstisch bei ante-riorem Zugang

    – peri-/subtrochantäre Fraktur: Rückenlage auf demExtensionstisch, das gesunde Bein in Beinschale ab-duziert auslagern, Oberkörper zur gesunden Seiteabduzieren

    ▪ Auslagerung der Arme▪ Rasur des Operationsgebiets▪ Sicherstellung der Durchleuchtungsmöglichkeiten

    (Hüfte a.–p. und ggfs. Hüfte axial)▪ ggf. geschlossene Reposition unter entsprechenden

    Repositionsmanövern▪ steriles Abwaschen des betroffenen Beines, ein-

    schließlich der Region auf der verletzten Seite biszum Bauchnabel

    ▪ Abdecken des Beines mittels Vertikalfolie (Extensions-tisch) bzw. des beweglichen Beines unter Verwendungvon Stockinette und Schlitztuch (Rückenlage bzw. Sei-tenlage)

    ▪ Sauger, Saugersack, monopolarer Elektrokauter, Jet-Lavage (bei prothetischen Eingriffen), je nach zu er-wartenden Blutverlust und OP-Dauer ggf. Cell Saver

    ▪ Instrumentarium:– Grundsieb für Knochen- und Weichteileingriff– Schraubenosteosynthese: Kirschner-Drähte, kanü-

    lierte Schrauben (Größe 7,0-/7,3-mm-Spongiosa-schrauben)

    – extramedulläre/zephalomedulläre Implantate:Kirschner-Drähte, Messlehre, Zielgerät/Zielbügel,Zentrierhülse, Dreistufenbohrer, bzw. Stufenboh-rer, Spiralbohrer, Einschlaginstrument/Einschlag-bolzen, Führungsstange und Kombihammer, Ab-stütz-/Kompressionsmutter/Gewebeschutzhülse/Trokar, Schraubenzieher, Bohrbüchsen, Drehmo-ment

    – Hüft-TEP: TEP-Grundsieb mit Hohmann-Hebel/-Ha-ken, oszillierende Säge, implantatspezifisches Siebmit Reamer, Einschläger, Raspeln, Probeimplantate(Pfannen, Inlays, Schaft, Kopf) – zementiert/ze-mentfrei

    ▪ Team-Time-out nach WHO-Richtlinien▪ Redon-Drainagen▪ elastische Wickelung des Beines und Anlage eines Spi-

    ca-Verbands

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    Postoperative Maßnahmenund Nachsorge

    Das postoperative Vorgehen nach proximalen Femurfrak-turen umfasst folgende Punkte:▪ physikalische (AV-Pumpe) und medikamentöse

    Thromboseprophylaxe ab sechs Stunden postoperativ▪ adäquate Schmerztherapie▪ Entfernung der Drainagen nach 24–48 Stunden▪ Röntgen der Hüfte in zwei Ebenen am zweiten post-

    operativen Tag▪ regelmäßige Wundkontrollen und Verbandswechsel▪ physiotherapeutische Beübung (inklusive CPM), ma-

    nuelle Lymphdrainage:– Hüftkopffraktur: frühfunktionelle Mobilisierung,

    Entlastung für sechs bis acht Wochen, ggf. zwölfWochen bei Versorgung von Impressionsfrakturenmit Unterfütterung, zur Luxationsprophylaxe Limi-tierung der Hüftflexion bis 60° sowie Vermeidungvon Adduktion über die Mittellinie und forcierter(Innen-)Rotation für sechs Wochen

    – Schenkelhalsfraktur: frühfunktionelle Mobilisie-rung mit Vollbelastung (bei Prothesenimplantationoder DHS/DHK) bzw. Teilbelastung bis 20 kg (beiSchraubenosteosynthese), bei erhöhtem Luxati-onsrisiko nach Prothesenimplantation Begrenzungder Flexion im Hüftgelenk auf 60°, keine Adduktionüber die Mittellinie und Vermeidung forcierter (In-nen-) Rotationsbewegungen im Hüftgelenk für dieersten sechs Wochen

    – peri-/subtrochantäre Fraktur: frühfunktionelle Mo-bilisierung mit Vollbelastung ohne Limitierung derHüftgelenkbeweglichkeit

    ▪ Thromboseausschluss mit Duplexsonografie oderPhlebografie 4–6 Tage postoperativ

    ▪ Entfernung des Hautverschlussmaterials am 14. post-operativen Tag

    ▪ radiologische Verlaufskontrollen nach sechs Wochen▪ Einbindung des Sozialdienstes (Anschlussheilbehand-

    lung/Kurzzeitpflege/häusliche Versorgung, Versor-gung mit Hilfsmitteln wie Toilettensitzerhöhung, Keil-kissen, Greifzange)

    ▪ bei jungem Patienten ggf. Implantatentfernung vonSchrauben und extramedullären/zephalomedullärenImplantaten nach sicher nachgewiesener (CT-Kontrol-le) Konsolidierung der Fraktur

    Interessenkonflikt

    Rasch

    Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonfliktevorliegen.

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    Autorinnen/Autoren

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    Michael J. Raschke

    Prof. Dr. med., Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- undWiederhestellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster

    Jens Everding

    Dr. med., Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wieder-hestellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster

    Korrespondenzadresse

    Prof. Dr. Michael J. Raschke

    Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederhestellungs-chirurgie, Universitätsklinikum MünsterAlbert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude W148149 Mü[email protected]

    Erstveröffentlichung

    Dieser Beitrag wurde erstveröffentlicht in: Günther KP, Hoff-mann R, Hrsg. SOPs in der Orthopädie und Unfallchirurgie.Stuttgart: Thieme; 2017.

    Literatur

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    DOI https://doi.org/10.1055/a-0602-6125Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14: 120–126© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New YorkISSN 1611-7859

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