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  • S i lv i a S t o l z e n b u r gDie Salbenmacherin und die Hure

  • Mord in Nrnberg Brtende Sommerhitze liegt ber der Stadt. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet, und die Menschen der Handels-metropole werden zusehends dnnhutiger und gereizter. Whrend immer mehr Nrnberger an einem rtselhaften Fieber erkranken, wird ein grau-enhaft zugerichteter Leichnam am Ufer der Pegnitz an Land gesplt. Dem Toten fehlen nicht nur der Kopf und die Hnde er scheint fachmnnisch ausgeweidet worden zu sein. Die Nrnberger sind entsetzt. Als zwei Nchte spter angeblich ein Werwolf in den Wldern rings um die Stadt gesichtet wird, greift Panik um sich. Gehen Dmonen um? Einzig die Salbenmache-rin Olivera und der Henker Jacob scheinen nicht daran zu glauben, dass bernatrliche Mchte ihre Hnde im Spiel haben. Kurze Zeit spter taucht jedoch ein zweiter Leichnam auf, und es beginnt eine Hexenjagd nach dem angeblichen Schuldigen. Als ein junges Mdchen aus dem Freudenhaus mit einer unfassbaren Behauptung zu Olivera kommt, gert die Salbenmacherin selbst in hchste Gefahr

    Dr. phil. Silvia Stolzenburg studierte Germanistik und An-glistik an der Universitt Tbingen. Im Jahr 2006 promo-vierte sie dort ber zeitgenssische Bestseller. Kurz darauf machte sie sich an die Arbeit an ihrem ersten Roman. Sie arbeitet als Vollzeitautorin und lebt mit ihrem Mann auf der Schwbischen Alb, fhrt leidenschaftlich Rennrad und recherchiert vor Ort bei der Bundeswehr, dem SEK und der Gerichtsmedizin immer in der Hoffnung, etwas Spannen-des zu entdecken.

    Bisherige Verffentlichungen im Gmeiner-Verlag:Blutfhrte (2017)Die Salbenmacherin und der Bettelknabe (2016)Die Salbenmacherin (2015)

  • S i lv i a S t o l z e n b u r g

    Die Salbenmacherin und die HureHistorischer Roman

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    2017 Gmeiner-Verlag GmbH Im Ehnried 5, 88605 Mekirch

    Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0info@gmeiner-verlag.deAlle Rechte vorbehalten

    1. Auflage 2017

    Lektorat: Claudia Senghaas, KirchardtHerstellung: Mirjam Hecht

    Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgartunter Verwendung eines Fotos von: https://commons.wikimedia.org/

    wiki/File:Mrs._Richard_Paul_Jodrell_by_Sir_Joshua_Reynolds.jpeg; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nuernberg-1650-Merian.jpg;

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giuseppina_Grassini_by_Louise_lisabeth_Vige_Le_Brun_2.jpgDruck: GGP Media GmbH, Pneck

    Printed in GermanyISBN 978-3-8392-5553-7

  • 5

    P r o l o g

    Nrnberg, Juli 1409

    Der Tote war kaum mehr als Mensch zu erkennen. Das, was das Wasser der Pegnitz an Land gesplt hatte, glich auf den ersten Blick einem aufgedunsenen Tierbalg. Erst bei genauerem Hinsehen war zu erkennen, dass es sich um den kopflosen Leichnam eines Mannes handelte. Die sengende Sommerhitze und der Gestank hatten die Fliegen angelockt, die in schillerndem Gewimmel ber den schaurigen Fund krochen.

    Obwohl an diesem Tag eine schwache Brise durch die Gassen der Stadt strich, hatte Jona den Tod schon von Weitem gerochen. Es war dieser typische sli-che Geruch, der sich in den Nasenlchern einzunisten schien und der noch Stunden spter nicht zu vertrei-ben war. Wie die anderen Schaulustigen war auch er von der Alarmglocke herbeigelockt worden. Verges-sen waren der Botengang fr Olivera, die Arzneien in seiner Tasche und der Auftrag, bei der reichen Witwe Schachinger nach deren Wnschen zu fragen. Wenn die ganze Stadt in Aufregung war, konnte er doch unmg-lich verpassen, was vor sich ging. Neugierig zwngte er sich zwischen den tuschelnden Mnnern und Frauen hindurch, bis er so dicht am Flussufer war, dass er um ein Haar den Halt verloren htte.

  • 6

    Bleibt zurck!, warnte ein Stadtwchter die Gaffer.Geht weiter, hier gibt es nichts zu sehen, setzte ein

    zweiter hinzu. Das knnt ihr uns nicht weismachen, ertnte eine

    tiefe Stimme aus der Menge. Wenn es hier nichts zu sehen gibt, fresse ich einen Besen.

    Damit erntete er zustimmendes Gemurmel.Wo ist sein Kopf?, wollte eine Frau mit einem Kind

    auf dem Arm wissen. Seht doch! Er hat auch keine Hnde!Ich habe gesagt, ihr sollt zurckbleiben!, donnerte

    der Wchter. Er senkte drohend seinen Spie, als die Schaulustigen immer nher rckten.

    Jona reckte sich auf die Zehenspitzen, um besser sehen zu knnen. Das Gefuchtel der Stadtwachen hatte die Fliegen aufgescheucht, weshalb sie inzwischen in wildem Tanz um den Leichnam herumsurrten. Obwohl er die Augen zusammenkniff, konnte Jona nicht mehr erkennen als einen Haufen nasser Kleider. Dort, wo der Kopf des Toten htte sein mssen, tanzte ein Fet-zen Stoff auf dem Wasser. Htten sich die Beine des Mannes nicht in den Wurzeln einer Trauerweide ver-fangen, wre er vermutlich woanders an Land gesplt worden. Seine Kleidung war trotz des Wassers immer noch blutgetrnkt.

    Die Stadtknechte schienen merklich aufzuatmen, als wenig spter weitere Mnner zur Verstrkung eintra-fen. Ihr Anfhrer war an seinem prachtvollen Harnisch und einer roten Feder am Helm zu erkennen. Augen-blicklich bernahm er das Kommando und wies die

  • 7

    Bewaffneten an, die Versammlung am Ufer aufzul-sen. Wer sich unseren Anweisungen widersetzt, wird festgenommen!, drohte er, als die Nrnberger laut-stark protestierten.

    Wir haben ein Recht, zu erfahren, was vor sich geht! Wer ist es denn?Ist er ermordet worden?Was ist denn das fr eine dmliche Frage? Denkst

    du, er hat sich den Kopf selber abgeschnitten?Seht euch nur seine Kleidung an. Nichts als Lum-

    pen.Jona zog sich ein paar Schritte zurck und machte

    sich hinter einem Haselstrauch so klein wie mglich. Wenn er Glck hatte, bersahen ihn die Wachen. Sorg-sam darauf bedacht, die Tasche mit den Arzneien nicht aus Versehen in den Fluss fallen zu lassen, hangelte er sich an einem fingerdicken Ast etwas nher ans Ufer und lugte durch die Bltter. Whrend die Hitze dafr sorgte, dass der Schwei sein dnnes Sommerhemd immer mehr trnkte, verfolgte er mit seinem Blick die Mnner, die sich ber den Leichnam beugten, um ihn weiter an Land zu ziehen.

    Was er zu sehen bekam, lie ihn schaudern. Sobald der Tote ausgestreckt auf dem von zahllosen Stiefeln festgestampften Boden lag, wurde das Ausma seiner Verletzungen deutlich. Nicht nur sein Kopf und seine Hnde fehlten.

    Man hat ihn ausgeweidet wie ein Stck Schlacht-vieh, stellte einer der Bewaffneten fest.

  • 8

    K a P i t e l 1

    Nrnberg, Juli 1409

    Olivera summte eine heitere Melodie, whrend sie Veilchen in einem Topf kochte, um Trifera sarace-nica herzustellen. Seit sie vor einigen Wochen begon-nen hatte, die reichen Pfrndner im Nrnberger Hei-lig-Geist-Spital zu versorgen, fand dieses Mittel gegen Gelbsucht und Leberprobleme reienden Absatz. Vor allem die Greise, die nicht von Wein, Bier und fetten Gnsepasteten lassen wollten, sorgten dafr, dass der Kessel, in dem sie die Veilchenblten mit Zimtkassien-rinde, Mannakameldorn und Tamarinde vermengte, sel-ten vom Feuer kam.

    Ist dir denn gar nicht hei?, sthnte Gtz.Olivera lachte. Nein. Sie zerstie Anis, Fenchel,

    Mastix und Muskatblten in einem Mrser. Endlich ist der Sommer da, den du mir seit Monaten verspro-chen hast.

    Gtz schttelte den Kopf. Er wischte sich mit dem rmel den Schwei von der Stirn und blies die Wangen auf. Hier drin ist es wie in einem Backofen, beklagte er sich.

    Geh in den Verkaufsraum, sagte Olivera lachend. Ich komme hier sehr gut ohne dich zurecht.

    Bei der Hitze verstecken sich die Naschschtigen

  • 9

    in ihren Kellern, scherzte Gtz. Da stehe ich mir nur die Beine in den Bauch.

    Tatschlich hatte sich mit dem Umzug in das neue Haus am Burgberg Oliveras Kundschaft zum Teil gewandelt. Neben den Salben und Trnken fr jn-gere Haut, strahlendere Augen und glnzenderes Haar wurde vor allem nach dem sen Konfekt verlangt, das Gtz inzwischen selbst herstellte.

    Auerdem hre ich, wenn jemand kommt, sagte er. Die Arzneien fr den Medicus hat sein Laufbur-sche schon heute Morgen abgeholt. Die neuen Mittel, die er bestellt hat, mssen nicht vor bermorgen fertig sein. Auch nicht die frs Spital.

    Olivera legte den Stel zur Seite und sah ihn an. Er wirkte erhitzt und mde. Seit mehr als zehn Tagen hatte es nicht geregnet, und die Hitze lag wie eine Glocke ber der Stadt. Nachts fiel es vielen Nrnbergern schwer zu schlafen, und auch Gtz wurde zusehends dnnhuti-ger. Sie wollte ihm gerade empfehlen, die Salzvorrte im Keller zu berprfen, als das schrille Luten einer Alarmglocke an ihr Ohr drang.

    Was ist denn jetzt schon wieder los?, fragte Gtz. Erst vor zwei Tagen hatte die Glocke die ganze Stadt in Aufregung versetzt.

    Sieh nach, schlug Olivera vor. Drauen ist es sicher khler als hier. Als er nicht sofort tat wie gehei-en, machte sie eine Handbewegung, wie um eine ls-tige Fliege zu verscheuchen. Nun geh schon!

    Er warf einen Blick auf ihren runden Bauch und zog die Oberlippe zwischen die Zhne.

  • 10

    Es ist noch lange nicht so weit, beruhigte ihn Oli-vera, da sie seine Gedanken erraten konnte. Und ich bin nicht aus Glas. Ich bekomme ein Kind, das ist alles. Auch wenn sie immer noch entsetzliche Angst vor der Entbindung hatte, verlief ihre Schwangerschaft bisher ohne Probleme. Selbst nach den Misshandlungen durch ihren ehemaligen Gemahl Laurenz war dem Kind in ihrem Leib nichts zugestoen. Manchmal machte es sich durch leichte Tritte bemerkbar, sonst beeintrch-tigte ihr Zustand Olivera kaum. Lediglich der verstrkte Harndrang machte ihr an manchen Tagen zu schaffen.

    Bist du sicher? Olivera nickte. Das Luten der Glocke beunruhigte

    sie und sie hoffte instndig, dass nicht wieder irgendwo in der Stadt ein Feuer ausgebrochen war. Mit einem Schaudern erinnerte sie sich an den Brand ihres alten Hauses; an die Nacht, in der Laurenz nicht nur ihr Heim zerstrt, sondern sie