Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 43/2012

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Römisch-katholisches Pfarrblatt Region Olten 43/2012

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  • mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten. Der Gedanke der Einheit und Ganzheit gilt auch als Schlssel zu den natur- und heilkundli-chen Schriften Hildegards. In welchem Um-fang sie tatschlich von ihr stammen, ist al-lerdings umstritten.

    Hildegard von Bingen war eine der bedeu-tendsten Frauen des Mittelalters. Ihr genaues Geburtsdatum ist nicht berliefert; doch geht die Forschung davon aus, dass sie 1098 im rheinhessischen Bermersheim zu Welt kam. Schon im Alter von acht Jahren bergaben ihre Eltern die Tochter zur Erziehung an Jutta von Sponheim, die sich bei der Abtei Disibo-denberg in der Rheinpfalz niedergelassen

    hatte. Nach dem Tod ihrer Lehrerin ber-nahm Hildegard die Leitung der Abtei.

    Um 1150 verlegte sie die Gemeinschaft in ein neues Kloster auf dem nahe gelegenen Rupertsberg bei Bingen. Die Ordensfrau war eine Visionrin und Prophetin, sah sich selbst als Posaune Gottes, die unermdlich tnen msse, um dem Schpfer die durch Schuld und Gottvergessenheit zugestossene Tr zu seiner Schpfung neu zu ffnen. Kirchenleu-te und weltliche Herrscher schtzten ihren Rat. Zu ihrer Hinterlassenschaft gehren ein umfangreiches visionres Schrifttum, darun-ter das Werk Liber Scivias (Wisse die Wege), viele Briefe, natur- und heilkundliche Schrif-ten und auch Kompositionen. Kipa/as

    KIRCHEheuteWeibliche Lehrautoritt in der katholischen KircheHildegard von Bingen wurde in Rom zur Kirchenlehrerin erhoben

    Am 7. Oktober hat Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard von Bingen (10981179) zur Kirchenlehrerin erhoben. Sie gehrt damit, als vierte Frau, zum auserlesenen Kreis der jetzt 35 Kirchenlehrer.

    Im Jahr 1295 erhielten mit Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Augustinus und Gre-gor dem Grossen zum ersten Mal vier Heilige den Titel Kirchenlehrer. Erst knapp 700 Jahre spter, 1970, sprach Papst Paul VI. erstmals zwei Frauen, Katharina von Siena und Teresa von Avila, diesen Titel zu. Johannes Paul II. verlieh dieses Prdikat Theresia von Lisieux, und nun gehrt mit Hildegard von Bingen erstmals eine Frau aus Deutschland zu die-sem erlauchten Kreis. Der Titel entspricht in etwa dem Nobelpreis, wird aber nicht zu Leb-zeiten vergeben und ist deshalb auch nicht mit Geld dotiert. Doch um ihn zu erhalten, muss eine oder einer Besonderes fr die Glaubenslehre leisten.

    Benedikt XVI. wrdigte Hildegard bei der Titelverleihung auf dem Petersplatz, der an-lsslich der Erffnung der Weltbischofssy-node ber 300 Kardinle und Bischfe bei-wohnten, als Frau mit einem prophetischen Geist und einer ausgeprgten Liebe zur Schp-fung. Sie habe zudem eine leidenschaftliche Fhigkeit besessen, die Zeichen der Zeit zu unterscheiden. Die Heilige habe einen wert-vollen Beitrag zur Entwicklung der Kirche ih-rer Zeit geleistet. Sie sei eine Frau von leb-hafter Intelligenz, tiefer Sensibilitt und an-erkannter geistlicher Autoritt gewesen, die immer eine grosse und treue Liebe zu Chris-tus und seiner Kirche bewahrt habe.

    Fr Hildegard war klar, dass alles mit al-lem zusammenhngt; nichts darf vllig iso-liert betrachtet werden. Jedes Geschpf ist

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    Hildegard-Skulptur von Karlheinz Oswald in der Benediktinerin-nenabtei St. Hildegard bei Rdesheim.

    R m i s c h - k at h o l i s c h e s P fa R R b l at t R e g i o n o lt e n 20. bis 26. oktober 2012

    A Z A 4 6 0 0 O l t e n

    43/2012

    www.pfarrblatt-region-olten.ch

    ein Wort 2Was ist ein kirchenvater? 2helen schngel-straumann: Wollen wir die freiheit verkaufen? 3Jugend + sprachen in olten 4

    aus den Pfarreien 518Weltmissionssonntag: kleine christliche gemeinschaften 19kurse/begegnungen/ fernseh- und Radioprogramm 20

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    Ein Wort

    Es ist flchtig wie Schall und Rauch und er-schafft uns doch die Welt. Als Kleinkind knnen

    wir zwar eine Rassel oder Holzkltzchen begreifen, doch zum Verstndnis unserer Welt und Existenz brauchen wir das Wort. Es bringt Sinn in das Leben. Vorausgesetzt, es hat eine Bedeu-tung, einen Bezug zur

    Wirklichkeit. Wenn in einem sozialen Netzwerk ein Freund auch ein zuflliger Bekannter sein kann, geht diesem Wort der Bedeutungszusam-menhang verloren. Denn dieser Freund wird in der Not keiner mehr sein. Aber auch sonst erhlt das Wort seine Kraft erst durch die spre-chende Person. Nur durch sie wird ein Wort zum Versprechen, zum Trost oder zum Befehl und so zur Tat.

    Die Sprache lsst uns mehr von der Welt entdecken als alle Fussmrsche und Flge zu-sammen. Wie knnten wir ohne sie etwas wis-sen? Wir verstehen nicht alles, was uns sprach-lich vermittelt wird, aber wo uns die Worte feh-len, fehlt meist auch die Einsicht. Deshalb sind Menschen, die Schwieriges einfach sagen oder Unaussprechliches in Worte fassen knnen, fr uns so wichtig. In einer Zeit, in der viel gesagt und geschrieben wird, ist es entscheidend, sich auf jene zu konzentrieren, die etwas zu sagen haben.

    Im Hinblick auf den christlichen Glauben war Hildegard von Bingen ein solcher Mensch. Deshalb hat sie jetzt den Titel einer Kirchenleh-rerin erhalten. Sie muss eine aussergewhnli-che Frau gewesen sein, dass Frsten und Kir-chenleute auf sie hrten. Und ihre geistliche Autoritt wirkt bis heute. Ihre Texte werden im-mer wieder neu gedruckt.

    Wichtiger als all die ntzlichen Wrter un-serer Sprache und all die klugen Worte der Gelehrten ist in der christlichen Tradition das Wort, das schon am Anfang war und durch das alles geworden ist. Die Bibel erzhlt von der Geschichte Gottes mit den Menschen und wird deshalb Wort Gottes genannt. Und sie erreicht nach christlichem Verstndnis in Jesus Chris-tus ihren Hhepunkt. Menschen knnen auch ausserhalb der Kirche Heil finden, sagt das Zweite Vatikanische Konzil. Doch der christli-che Weg fhrt ber das Wort Gottes. Das Evan-gelium vom Reich Gottes will verkndet und gelebt werden. Christ sein heisst, sich tglich auf dieses Wort einzulassen und ihm Kraft zu geben. Das Wort soll zur Tat werden.

    Alois Schuler, Chefredaktor

    W e lt

    Gewalt an Christen in PakistanDer Mohammed-Schmhfilm zieht auch in Pakistan Gewaltakte gegen Christen nach sich. Nach dem Angriff auf eine christliche Kirche in Zentralpakistan wurde vor zwei Wochen Bischof Naem Samuel vor einer Kir-che im christlichen Viertel der Millionenstadt Karatschi von mehreren muslimischen Mn-nern zusammengeschlagen, bis er das Be-wusstsein verlor. Gewaltsame bergriffe nach dem Film haben in Karatschi bereits fnf christliche Todesopfer gefordert, darunter auch ein 16-jhriges Mdchen.

    Vat i k a n

    Papst hat Weltbischofssynode erffnetAm 7. Oktober hat die dreiwchige Weltbi-schofssynode zum Thema Die Neue Evange-lisierung fr die Weitergabe des christlichen Glaubens begonnen. 262 Bischfe aus allen Teilen der Welt sind vertreten, aus der Schweiz reiste Bischof Felix Gmr nach Rom. Papst Benedikt XVI. usserte sich besorgt ber den Rckgang der christlichen Praxis und hat zu einer Neubelebung des Glaubens aufgerufen. Es herrsche ein Zeitalter voller Gefahren, in dem immer mehr Menschen mit einer Flut von Informationen leben und immer seltener verbindliche Festlegungen im Denken und im Handeln kennen. Die katholische Kirche msse sich mit einer Neuevangelisierrung an Menschen richten, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christli-chen Praxis haben, sagte der Papst am Sonn-tag whrend der Erffnungsmesse des Bi-schofstreffens.

    Papst erffnet GlaubensjahrAm 11. Oktober, dem 50. Jahrestag der Erff-nung des Zweiten Vatikanischen Konzils, hat der Papst ein Jahr des Glaubens mit einem Gottesdienst erffnet. Es solle bis zum 24. No-vember 2013 die Impulse des Zweiten Vatika-nischen Konzils getreu umsetzen, betonte der Papst in seiner Predigt. Die geistliche Verws-tung, die eine Welt ohne Gott suche, sei vor-angeschritten. Demgegenber msse die Kir-che die positive Spannung des Konzils, die Freude am Glauben wiederentdecken. Wh-rend der Messe anwesend waren auch 16 Bi-schfe, die noch persnlich am Konzil teilge-nommen hatten.

    Papst vergibt Ratzinger-PreisDer franzsische Philosoph Rmi Brague und der US-amerikanische Jesuit Brian Daley er-halten fr ihre herausragenden wissenschaft-lichen Leistungen den Ratzinger-Preis. Die vatikanische Stiftung Joseph Ratzinger Be-nedikt XVI. bergibt den mit 50 000 Euro do-tierten Preis zum zweiten Mal. Kardinal Ca-

    millo Ruini vom wissenschaftlichen Beirat der Stiftung wrdigte Brague als Philosophen und Historiker, der spekulatives Denken mit tiefem christlichen und katholischen Glau-ben verbinde. Zudem hob Ruini die Verdiens-te des Kirchenhistorikers Deley im kumeni-schen Bereich hervor. Papst Benedikt XVI. wird den Preis am 20. Oktober berreichen.

    s c h W e i Z

    Jubilum der KonzilserffnungAm 11. Oktober, genau fnfzig Jahre nach der Erffnung des Zweiten Vatikanischen Kon-zils, haben die Schweizer Bischfe einen Gottesdienst gefeiert. Sie riefen insbesondere zur Wiederentdeckung und Weitergabe des christlichen Glaubens auf. So erinnerten sie an die wichtigsten Erkenntnisse des Konzils und daran, dass die Kirche vermehrt als Volk Gottes erlebt werde, in welchem Christus den Menschen erlsend begegne. Der Eucharis-tiefeier in der Dreifaltigkeitsbasilika wohnten rund achtzig Priester, ber 200 Delegierte aus den Bistmern und zahlreiche weitere Glu-bige bei.

    Neuer Stellvertretender GeneralsekretrDer 36-jhrige Jurist und Theologe Marco Schmid ist zum Stellvertretenden Generalse-kretr der Schweizer Bischofskonferenz er-nannt worden. Seit 2008 ist er fr die katho-lische Kirche Schweiz als Verantwortlicher der Migrantenseelsorge ttig. Er wird das neue Amt am 1. Januar 2013 antreten.

    e d i t o R i a l i n k R Z e

    W a s i s t

    ein Kirchenvater?Die ersten christlichen Jahrhunderte waren von theologischen Auseinandersetzungen um zent-rale Fragen des Glaubens geprgt. Als Kirchen-v