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R¶mische Geschichte II – Die Kaiserzeit

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Text of R¶mische Geschichte II – Die Kaiserzeit

Jan Bruners
Inhaltsverzeichnis
1 Der Prinzipat des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) 2
2 Der Prinzipat nach Augustus bis 235 n. Chr. 4 2.1 Die Julisch-Claudische Dynastie (14 - 68 n. Chr.) . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.1 Tiberius (14 - 37) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 2.1.2 Caligula (37 - 41) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 2.1.3 Claudius (41 - 54) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 2.1.4 Nero (54 - 68) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.2 Revolution des Reiches (68 - 69 n. Chr.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 2.3 Die Flavische Dynastie (69 - 96 n. Chr.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.3.1 Vespasian (69 - 79) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 2.3.2 Titus (79 - 81) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 2.3.3 Domitian (81 - 96) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.4 Das humanitäre Kaisertum (96 - 180 n. Chr.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.4.1 Nerva (96 - 98) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.4.2 Trajan (98 - 117) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.4.3 Hadrian (117 - 138) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2.4.4 Antoninus Pius (138 - 161) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2.4.5 Mark Aurel (161 - 180) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.5 Der Zusammenbruch der Prinzipatsverfassung (180 - 235 n. Chr.) . . . . . . . 11 2.5.1 Commodus (180 - 192) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 2.5.2 Septimius Severus (193 - 211) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 2.5.3 Caracalla (211 - 217) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 2.5.4 Elagabal (218 - 222) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 2.5.5 Alexander Severus (222 - 235) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Inhaltsverzeichnis 2
3 Das römische Reich im 1./2. Jahrhundert 13 3.1 Außenpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 3.2 Innenpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 3.3 Soziale Situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 3.4 Geistige Verfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
4 Zusammenbruch und Reform des Reiches 14 4.1 Zusammenbruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
4.1.1 Außenpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 4.1.2 Innenpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 4.1.3 Soziale Verfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 4.1.4 Geistige Verfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.2 Reform des Reiches durch Diokletian und Konstantin . . . . . . . . . . . . . . 17 4.2.1 Diokletian (284 - 305) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 4.2.2 Konstantin (306 - 337) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.3 Die Christianisierung des Reiches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
5 Entwicklung des Reiches seit Konstantin 22 5.0.1 Die konstantinische Dynastie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.0.1.1 Constantius (337 - 361) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 5.0.1.2 Julian Apostata (361 - 363) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.0.2 Verteidigung des Reiches von Valentinian bis Theodosius . . . . . . . . 23 5.0.2.1 Valentinian (364 - 375) und Valens (364 - 378) . . . . . . . 23 5.0.2.2 Gratian (375-383) und Valentinian II. (375-392) . . . . . . 23 5.0.2.3 Theodosius (der Große) (379 - 395) . . . . . . . . . . . . . 23
5.0.3 Reichsteilung und das Ende Westroms . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
1 Der Prinzipat des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) 3
1 Der Prinzipat des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.)
Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurde die Macht des Octavian durch den Senat legitimiert: am 13. Januar 27 v. Chr. trat Octavian von allen Ämtern zurück, um sich zwei Tage später vom Senat zur Übernahme der Führung des Staates drängen zu lassen. Durch diese Geste erkannte er den Anspruch des Senats als höchste Instanz formell an. Die Provinzen wurden zwischen dem Senat (befriedete Provinzen und Rom/Italien) und dem Kaiser (Randgebiete mit militärischen Kräften). Dadurch wurde das römische Reich aufgeteilt in einen absoluten Machtbereich und einen Ein- flußbereich des Kaisers. Verwaltungstechnische Unterschiede zwischen Senats- und Kaiserprovin- zen gab es nicht. In jeder Provinz gab es einen kaiserlichen Prokurator für die Finanzverwaltung. Lediglich der Status der Statthalter unterschied sich: in den Senatsprovinzen herrschten erloste Prokonsuln, in den kaiserlichen Provinzen Legaten im Range von Proprätoren (weil Augustus als Prokonsul selbst keine Prokonsuln ernennen konnte). Ägypten nahm eine Sonderstellung ein und wurde von einem mächtigen Präfekten aus dem Ritterstand regiert. Außerdem erhielt Octavian verschiedene Ehrungen: ihm wurde der Name Augustus verliehen, vor seinem Hause wurden zwei Lorbeerbäume aufgestellt, ein Eichenkranz, die corona civica, wurde über seiner Tür angebracht und im Tempel der Julia wurde ein goldener Ehrenschild für ihn errichtet.
Augustus ging zügig an den Ausbau seiner Macht: er wurde rechtlich mit den Konsuln gleichge- stellt, erhielt die Rechte eines Volkstribunen und behiellt sich Eingriffe auch in den Senatspro- vinzen vor. Neben diesen offiziellen Rechten hatte er zahlreiche „illegitime“ Funktionen (z.B. als Richter). Seine Bezeichnung war nicht Kaiser, sondern princeps (Erster im Staat). Der Spielraum zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit war sehr wichtig für das römische Empfinden.
Der Senat wurde aufgewertet: neue Senatoren traten durch kaiserlichen Beschluß ein, er über- nahm die Gerichtsbarkeit und die Wahl der Magistrate. Die faktische Entscheidung blieb natür- lich beim Kaiser. Da die Nobilität den einzig möglichen Gegner darstellte, suchte Augustus einen Ausgleich für die verlorene Macht und gab ihr ein höheres Ansehen. Trotz dieser Maßnahmen gab es im Senatsadel starken Widerstand gegen den Prinzipat und mehrere Verschwörungen. Die geschlossene Klasse der Ritter (ordo equester) stand dem Augustus näher.
Zwischen der formalen Rückgabe der Macht an Senat und Volk am 13. Januar 27 v. Chr. und dem Rücktritt vom Konsulat am 1. Juli 23 v. Chr. kam es zur ersten Krise des Prinzipats. Die Senatoren waren unsicher, wie man dem ersten Mann im Staat zu begegnen hatte, ein Volkstribun weihte ihm sein Leben, andere standen den neuen Verhältnissen reserviert gegenüber. An einigen Vorfällen in diesen Jahren zeigte sich, daß Augustus noch nicht völlig unangefochten war:
Der siegreiche Marcus Licinius Crassus, Enkel des Triumvirn, durfte zwar einen Triumphzug fei- ern, wurde aber von Augustus aus Sorge um dessen eigenen Ruhm gehindert, seine Kriegsbeute Jupiter zu weihen. Gaius Cornelius Gallus, ein enger Vertrauter Augustus’, wurde verbannt und beging 26 v. Chr. Selbstmord, eine klare Machtdemonstration der senatorischen Opposition. Me- salla Corbinus, von Augustus eingesetzter Stadtpräfekt, trat wegen Verfassungsbedenken zurück, obwohl sowohl Augustus als auch der andere Konsul ihn unterstützten. Diese Vorfälle zeigten, daß sich noch nicht die gesamte Führungsschicht mit der neuen Ordnung abgefunden hatte.
1 Der Prinzipat des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) 4
Mitte des Jahres 27 v. Chr. reiste Augustus in Begleitung von seinem Stiefsohn Tiberius und sei- nem Neffen Marcellus als Militärtribunen nach Spanien, um dort die aufständischen Stämme zu bekämpfen. Im Jahr darauf wurde der Eroberung Spaniens endgültig abgeschlossen. Die Ge- sandtschaften fremder Völker fanden sich selbstverständlich bei ihm ein und nicht in Rom, was den Unterschied zwischen der formalen Ordnung und der Wirklichkeit auch dem Senat deutlich machte. Im Jahre 24 v. Chr. kehrte Augustus schwer krank aus Spanien zurück und trat während der Reise sein 10. Konsulat an. Der Senat sprach seinen Gesetzen ewige Gültigkeit zu, ihm selbst die Unabhängigkeit von den Gesetzen.
Das Prinzipat war inzwischen durch mehrere Faktoren geschwächt: im Senat hatten sich zwei Fraktionen gebildet, devote Schmeichler, denen nicht zu trauen war, und traditionelle Republi- kaner, die nur auf einen Gelegenheit zum Umsturz warteten. Die unausgesetzte Bekleidung des Konsulats durch Augustus seit dem Jahr 31 v. Chr. war nicht mit der Tradition zu vereinbaren und bot Anlaß für scharfe Kritik. Auch minderte der scheinbar nahe Tod die auctoritas des Herrschers. Immer noch gab im Senat Opposition gegen Augustus. Vor allem während seines Aufenthaltes in Spanien hatte sich eine gegnerische Gruppe gebildet, vor allem auch aus Verbitterung darüber, daß er das ehrenvolle Amt des Konsuln blockierte. Es kam zu einer Verschwörung des Fannius Caepio, an der auch Augustus’ Mitkonsul A. Terrentius Varro Murena Anteil hatte. Anders als Caesar 44 v. Chr. siegte Augustus und ließ seine Gegner ermorden. An die Stelle des Varro trat Gnäus Calpurnius Piso, ein überzeugter Republikaner.
Kurz darauf starb Augustus fast und übergab seinen Siegelring an seinen Vertrauten Agrippa, die rationes imperii (die Truppenlisten und Finanzbücher des Staates) an seinen Mitkonsul Gnäus Piso. Die Übergabe dieser Machtmittel war einerseits ein korrektes Verhalten des Augustus, ande- rerseits zeigte seine alleinige Verfügung über sie erneut seine Stellung. Die Tatsache, daß er auch in dieser Situation nicht versucht hatte, Marcellus zu adoptieren oder seine Nachfolge durchzu- setzen, beutete er später propagandistisch aus. Nach seiner überraschend raschen Genesung ließ er Agrippa ein imperium proconsulare für fünf Jahre verleihen, um diesem für künftige Situationen die nötige Macht zu geben.
Am 1. Juli 23 v. Chr. trat er feierlich vom Konsulat zurück und ließ den Republikaner Lucius Sestius in dieses Amt wählen. Dafür erhielt er im Gegenzug die Amtsgewalt eines Volkstribunen (tribunicia potestas) mit dem Recht zur Einberufung des Senats und dem Erstspracherecht. Durch seinen Verzicht hatte er also nichts verloren und die Gegnerschaft eines Teils des Senats beendet. Auch sein Sonderkommando wurde zum imperium proconsulare maius ausgedehnt: er durfte jetzt auch in den senatorischen Provinzen Weisungen erteilen. Trotz seines Kommandos war es ihm erlaubt, die Stadt Rom zu betreten. Seine Herrschaft über Rom und das Reich hatte nun allerdings keine Magistratur mehr als Grundlage. Damit war die staatsrechtliche Umwandlung der Republik in das Prinzipat abgeschlossen.
Das nationalrömische Gedankengut (Tugend, Frömmigkeit und Gerechtigkeit) stand im Mittel- punkt der augusteischen Politik: er führte die altrömischen Kulte wieder ein und erließ strenge Sittengesetze. Der Herrschertitel enthielt viele religiöse Bezüge, auch der Ehrenname „Augustus“ spielte auf ein göttliches Wunderzeichen an. Göttliche Verehrung des Kaisers war allerdings aus Rücksicht auf den Senatsadel nur in der Provinz erlaubt. Er wurde als Weltherrscher und Frie- densfürst bezeichnet.
2 Der Prinzipat nach Augustus bis 235 n. Chr. 5
Unter Augustus gab es zum ersten Mal eine einheitliche Reichsorganisation. Durch Agrippa, einen engen Vertrauten des Kaisers, wurde erstmals eine Bestandsaufnahme des Reiches (Einwohner, fi- nanzielle Kapazität) durchgeführt. Mit der Finanzverwaltung begann der Ausbau des kaiserlichen Apparates, die staatlichen Finanzbehörden verloren weiter an Einfluß. Auch in den Wohlfahrts- bereichen engagierte sich der Kaiser mit seinen Beamten: Getreideversorgung der Bevölkerung Roms (cura annonae), Polizei (der praefectus urbi befehligte mehrere 1000 Mann, die cohortes urbanae) und Feuerwehr (7000Mann). Das Milizheer wurde in ein stehendes Heer umgewandelt, das aus römischen Bürgern bestand, die sich für 16/20 Dienstjahre verpflichtet hatten. Wegen der Veteranenansprüche nahm Augustus die Außenkolonisation in großen Stil wieder auf.
Auch die Außenpolitik wurde vereinheitlicht: unbeherrschte Territorien in Italiens Nachbarschaft wurden im Zuge des Augusteischen Imperialismus erobert. Augustus wählte seine Feldherren sorg- fältig aus, um zu vermeiden, daß ihr Kriegsruhm sie zu Ursupationen verleitete. Im Osten gelang es Augustus 20 v. Chr., die Parther zur Rückgabe der in Carrhae erbeuteten Feldzeichen zu bewe- gen, was für das römische Selbstbewußtsein einen gewaltigen Erfolg bedeutete.
Innerhalb von drei Jahren (15 - 12 v. Chr.) eroberten Tiberius und Drusus, Augustus’ Stiefsöhne, die Alpengebiete. In den folgenden Jahren (bis 9 v. Chr.) befriedete Tiberius Illyrien, während Drusus’ Feldzüge in Germanien fehlschlugen, er starb durch einen Unfall. Tiberius nahm seinen Platz ein, mußte sich aber wegen der Streitigkeiten mit Augustus 6 v. Chr. von der Politik zu- rückziehen. Zwei Jahre später kehrte Tiberius nach Germanien zurück, mußte aber wegen des Pannonischen Aufstands (6 n. Chr. - 9 n. Chr.) die Vorbereitung einer endgültigen germanischen Unterwerfung abbrechen. Nach der Niederwerfung dieses Aufstandes kam es im Jahr 9 zur Ka- tastrophe im Teutoburger Wald, bei der Varus, der Stellvertreter des Tiberius in Germanien das Leben und drei Legionen verlor. Daraufhin wurde die Eroberung Germaniens aufgegeben.
2 Der Prinzipat nach Augustus bis 235 n. Chr.
Die von Augustus geschaffene Regierungsform, der Prinzipat, hatte rund 200 Jahre Bestand. Sie war flexibel genug, um neuen Anforderungen und Situationen gewachsen zu sein, bis sie un- ter dem Druck einer Mischung von unfähigen Kaisern, inneren und äußeren Krisen schließlich zusammenbrach. Bis zu diesem Zeitpunkt funktionierte das Reich weitgehend ohne Zutun der Kaiser. Das einzige Feld, auf dem sie persönliche Leistung zeigen mußten, war der Umgang mit der komplizierten Prinzipatsverfassung, d.h. mit der anspruchsvollen aristokratischen Schicht.
Das römische Reich wurde durch Augustus zwar faktisch unbeschränkt beherrscht, er besaß aber keine monarchische Legitimation. Seine Machtstellung beruhte auf persönlicher Autorität und ihm individuell verliehenen Rechten. Nach seinem Tod mußten diese erlöschen, weshalb der Kai- ser seine Nachfolge theoretisch nicht selbst regeln konnte.
Weil eine Rückkehr zur Republik ausgeschlossen war, mußte Augustus einen Nachfolger bereits zu Lebzeiten mit so viel Autorität und Macht ausstatten, daß er seine Stellung automatisch einneh- men würde. Einerseits konnte der designierte Nachfolger mit Ämtern betraut werden, andererseits durch Adoption als Erbe des kaiserlichen Vermögens (und damit eines wichtigen Machtmittels)
2 Der Prinzipat nach Augustus bis 235 n. Chr. 6
eingesetzt werden. Die ursprünglich ins Auge gefaßten Kandidaten (sein Neffe Marcellus, sein Vertrauter Agrippa, dessen Söhne Gaius und Lucius) starben alle vor Augustus, so daß schließlich Tiberius, der Sohn seiner Frau Livia, ausgewählt wurde.
2.1 Die Julisch-Claudische Dynastie (14 - 68 n. Chr.)
Die unmittelbaren Nachfolger des Augustus (außer Tiberius) wraen größtenteils völlig unfähig und nur durch ihre verwandtschaftliche Beziehung zum ersten Kaiser legitimiert.
2.1.1 Tiberius (14 - 37)
Der Stiefsohn des Augustus trat nach dessen Tod 14 n. Chr. die Nachfolge an, obwohl er wegen der gescheiterten Ehe mit Augustus’ Tochter Julia zeitweise nach Rhodos verbannt worden war. Aber er war der einzige Kandidat im geeigneten Alter und hatte sich durch seine militärischen Er- folge in Germanien und Pannonien schon früh ausgezeichnet, so daß Augustus seine persönliche Abneigung überwand und ihn mit der tribunicia potestas und einem imperium proconsulare mai- us austattete. Allerdings zwang er Tiberius auch, den Kaiserenkel Agrippa Postumus und seinen eigenen Neffen Germanicus zu adoptieren, um dessen eigenen Sohn die Nachfolge zu erschweren und ihm seine eigene Rolle als Notlösung deutlich zu machen.
Diese und andere Auflagen behinderten Tiberius während seiner Regierungszeit stark. Obwohl er politisch und militärisch ausgesprochen tüchtig war und Verwaltung und Außenpolitik des Reiches zunächst sorgfältig durchführte, scheiterte er schließlich an seinen altrömischen Vorstel- lungen, die der Zeit nicht mehr entsprachen.
Dem Senat gab er einen Teil der Kompetenzen zurück, die dieser unter Augustus verloren hatte, ihm wurde sogar die Wahl der Magistrate übertragen; auch sonst bemühte er sich, den republi- kanischen Traditionen zu genügen. Gerade diese Zurückhaltung führte bei Senat und Volk zur Unsicherheit und wurde als Zeichen von Schwäche gewertet. Der Staat war auf die Führung des Kaisers angewiesen, seine Kompetenz konnte faktisch nicht durch andere Organe ausgeübt wer- den. Mit dem resignierten Rückzug auf die Insel Capri im Golf von Neapel 26 bewies Tiberius eine Fehleinschätzung der Situation. Seine Abwesenheit von Rom begünstigte das politische Cha- os und machte ihn zur verhaßten Figur.
Auch die eigene Nachfolge (mit dem Tod Postumus’ und Germanicus’ war die ursprüngliche Regelung hinfällig) konnte er nicht aktiv regeln. Er ließ die Dinge treiben und zog sich selbst auf die Insel Capri zurück, bis sein Prätorianerpräfekt Seianus fast alle möglichen…