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„Praktisches Problemlösen“ · Psychologisches Institut der Universität Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlösen (Seminar) 2

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  • Praktisches Problemlsen

    Universitt HeidelbergPsychologisches Institut

    Dipl.-Psych. Miriam Spering

    Tel: ++49 6221 54-7571Fax: ++49 6221 54-7273

    Email: [email protected]

    Stand: 11.05.2003

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 2

    Inhalt der Einfhrungsprsentation

    1. Was ist ein Problem, was verstehen wir unter Problemlsen?

    2. In welchem Gebiet / in welcher Denktradition innerhalb derPsychologie befinden wir uns?

    3. Was ist der Gegenstand der Denk- und Problemlseforschung?

    4. Was sind die Gegenstnde der Allgemeinen Psychologie?

    5. Welche Themengebiete sind verwandt?

    6. Klassifikationsanstze fr Probleme

    7. Ausblick auf das Seminar: Themen (Agenda)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 3

    Was ist ein Problem?

    Definition Problem (1)

    Ein Problem entsteht z.B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nichtwei, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht

    durch bloes Handeln (Ausfhren selbstverstndlicher Operationen) in denerstrebten Zustand berfhren lsst, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm

    liegt es ob, ein vermittelndes Handeln allererst zu konzipieren.(Duncker, 1935/1974, S. 1)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 4

    Was ist ein Problem?

    Definition Problem (2)

    Ein Individuum steht einem Problem gegenber, wenn es sich in einem innerenoder ueren Zustand befindet, den es aus irgendwelchen Grnden nicht frwnschenswert hlt, aber im Moment nicht ber die Mittel verfgt, um den

    unerwnschten Zustand in den wnschenswerten Zielzustand zu berfhren.(Drner, 1979, S. 10)

    Von Problemen ist [...] die Rede, wenn die Mittel zum Erreichen eines Zielesunbekannt sind oder die bekannten Mittel auf neue Weise zu kombinieren sind, aberauch dann, wenn ber das angestrebte Ziel keine klaren Vorstellungen existieren.

    (Drner, 1983, S. 302 f.)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 5

    Was ist ein Problem?

    Definition Problem (3)

    Ein Problem ist ein Handlungs- oder Operationsplan oder eine vorlufigeWahrnehmung oder Deutung einer Gegebenheit, die bezglich der Handlung-,Operations- oder Verstehensabsicht des Problemlsers eine unbefriedigende

    Struktur hat, wobei dieser auf der einen Seite seinen Plan bzw. seine vorlufigeDeutung und auf der anderen Seite das Ziel bewusst realisiert. Das Ungengen der

    Struktur kann in ihrer Lckenhaftigkeit, ihrer Widersprchlichkeit oder in ihrerKompliziertheit begrndet sein. (Aebli, 1981, S. 17)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 6

    Was ist ein Problem?

    Beispiele fr ein Problem

    1. Lse die Aufgabe 3(x + 4) + x = 20

    2. Aus den gegebenen 16 Streichhlzern (5 Quadraten) sollen 4 Quadrateallein durch das Bewegen von 3 Streichhlzern gebildet werden:

    3. Wie bereite ich mich so auf eine Prfung vor, dass ich erfolgreichabschneide?

    4. Soll ich mit meinem Freund zusammen ziehen oder nicht?

    5. Wie lsst sich angesichts der aktuellen politischen Lage einelanganhaltende Krise im Nahen Osten verhindern?

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 7

    Was ist ein Problem?

    Zusammenfassung: Bestimmungsstcke eines Problems

    - Ein Problem ist durch drei Komponenten gekennzeichnet:1. unerwnschter Ausgangszustand sa2. erwnschter Endzustand sw3. Barriere, die die Transformation von sa in sw im Moment verhindert.

    (Drner, 1979; Klix, 1971)

    - Ein Problem ist nie unabhngig vom potentiellen Problemlser zu sehen, einProblem an sich gibt es nicht.

    - Eine Situation wird erst dann zu einem Problem, wenn eine Person dieseSituation vor dem Hintergrund momentaner Zielsetzungen als unbefriedigenderachtet.

    - Ein Problemlser muss sein Ziel nicht von vorneherein kennen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 8

    Was ist ein Problem?

    Abstrakte Darstellung eines Problems

    a)

    Zwei Arten, das Problem zu lsen

    b)

    c)

    BA

    A B

    BA

    C

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 9

    Was ist Problemlsen?

    Definition Problemlsen

    Unter Problemlsen versteht man das Bestreben, einen gegebenen Zustand(Ausgangs- oder Ist-Zustand) in einen anderen, gewnschten Zustand (Ziel-

    oder Soll-Zustand) zu berfhren, wobei es gilt, eine Barriere zuberwinden, die sich zwischen Ausgangs- und Zielzustand befindet.

    (Hussy, 1983, S. 114)

    Die Barriere in der obigen Definition ist dadurch definiert, dass sie dieunmittelbare berfhrung des Ausgangszustands in den Zielzustandverhindert.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 10

    Was ist eine Aufgabe?

    Definition Aufgabe

    Bei einer Aufgabe wird lediglich der Einsatz bekannter Mittel auf bekannteWeise zur Erreichung eines klar definierten Ziels gefordert.

    (Drner et al., 1983, S. 303)

    Zusammenfassung

    Aufgaben sind geistige Anforderungen, fr deren Bewltigung Methodenbekannt sind. [...] Aufgaben erfordern nur reproduktives Denken, beim

    Problemlsen muss etwas Neues geschaffen werden.(Drner, 1979, S. 10)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 11

    Was ist eine Aufgabe?

    - Bei einem Problem besteht Diskrepanz zwischen einem Ist- und einem Soll-Wert, zwischen beiden Zustnden besteht eine Barriere, die eineTransformation erforderlich macht. Das Lsen eines Problems ist produktiv.

    - Bei einer Aufgabe besteht zwar eine geistige Anforderung, die Methoden zurBewltigung sind jedoch bekannt. Nach Duncker (1935/1974) fhrt bloesHandeln bzw. das Ausfhren selbstverstndlicher Operationen zurerwnschten Vernderung eines Zustandes. Das Lsen einer Aufgabe istreproduktiv.

    - Der Unterschied zwischen Problem und Aufgabe ist vom Vorwissenabhngig, somit handelt es sich nicht um eine absolute Eigenschaft desProblems selbst,

    d.h. die gleiche Situation kann fr eine Person eine Aufgabe und fr eineandere Person ein Problem darstellen, je nachdem, ob aufgrund erworbenerErfahrung / Vorwissen die Barriere fehlt oder wegen fehlender Erfahrung diedirekte berfhrung nicht gelingt.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 12

    Problem oder Aufgabe?

    Sind die beiden folgenden Aufgaben der Definition zufolge Probleme?

    1. 2 + 3 = ?

    fi Es handelt sich nicht um ein Problem, da das Ergebnis (blicherweise) ausdem Gedchtnis abgerufen werden kann.

    2. 237 x 38 = ?

    fi Es handelt sich nicht um ein Problem, da die Lsung zwar (blicherweise)nicht einfach abgerufen werden kann, die Lsungsprozedur jedoch (meistens)bekannt ist (Multiplikationsaufgabe). Andererseits kann die Situation auch einProblem darstellen, wenn die Lsungsprozedur nicht bekannt ist.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 13

    Typen von Barrieren

    Eine Barriere, die die berfhrung des Ausgangszustands in denZielzustand verhindert, kann von verschiedener Art sein.

    - Die Mittel zur Transformation (z.B. eine Rechenregel) knnen unbekannt sein.

    - Es gibt eine zu groe Anzahl von Mitteln bzw. zu viele Kombinationsmglichkeiten

    - Der Zielzustand ist unbekannt oder nur ungenau definiert

    Verschiedene Barrieren erfordern unterschiedliche Vorgehensweise beimProblemlsen.

    Drner nimmt anhand der verschiedenen Barrieretypen eine Klassifikationvon Problemen vor.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 14

    Denk- und Problemlseforschung innerhalb derAllgemeinen Psychologie

    - Es gibt verschiedene Forschungsrichtungen innerhalb der Psychologie. DieForschungsrichtung, die sich mit dem Denken und Problemlsen von Menschenbefasst, gehrt zum Gegenstandsgebiet der Allgemeinen Psychologie. Diese vereintunter ihrem Dach z.B. die Themengebiete

    Wahrnehmung Psychomotorik Gedchtnis Lernen Motivation Emotion Denken Entscheiden

    - Es gibt natrlich noch andere Disziplinen in der Psychologie, die auch in engemZusammenhang mit der Allgemeinen Psychologie stehen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 15

    Denk- und Problemlseforschung innerhalb derAllgemeinen Psychologie

    - Entwicklungspsychologie:Laut Montada (1982) geht es hier um die Beschreibung einer Vernderung alsFunktion des Lebensalters, also um die Betrachtung von Vernderungsprozessenber die gesamte Lebensspanne hinweg, u.a. auch um kognitive Prozesse.

    - Sozialpsychologie:Hier geht es v.a. um die Beschreibung und Erklrung des Verhaltens vonMenschen in sozialen Situationen, z.B. in Gruppen, in der Interaktion mitanderen Einzelpersonen, und um die Untersuchung bestimmter Phnomene wiez.B. Einstellungen, Stereotypen, der Verwendung von Entscheidungsheuristiken,berzeugungstaktiken, Gruppendruck, etc.

    - Die Differentielle und Persnlichkeitspsychologieuntersucht v.a. interindividuelle Unterschiede hinsichtlich bestimmter Merkmale.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 16

    Methoden der Allgemeinen Psychologie

    - Neben den Inhalten der Allgemeinen Psychologie zeichnet sich diese Richtungder Psychologie auch durch ganz besondere Methoden aus. Dies sind z.B.

    Reaktionszeitmessungen Experimente Blickbewegungsmessungen Verwendung bildgebender Verfahren Tests und Fragebgen Simulationen und Szenarios

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 17

    Klassifikation von Problemen

    1. Interpolations-, Synthese- und dialektische Barrieren

    Probleme lassen sich nach Drner (1979) auch danach unterscheiden,welchen Barrieretyp sie aufweisen:

    Interpolationsbarrieren liegen vor, wenn neben dem Ist- und Soll-Zustandauch die Operatoren bzw. Mittel zur berwindung bekannt sind, nichtjedoch deren spezifische Kombination (z.B. Nummernschloss am Fahrrad).

    Bei Synthesebarrieren sind Ist- und Soll-Zustand, nicht aber die Operatorenbzw. Mittel bekannt (z.B. Nagel in die Wand schlagen ohne Hammer).

    Bei einem dritten Problemtyp sind Ausgangszustand und Mittel bekannt, derZielzustand ist jedoch unklar. Solche Probleme bezeichnet Drner alsdialektisch: die Lsungsvorschlge mssen erst auf interne und externeWidersprche berprft und optimiert werden, die Lsung des Problemserfordert eine Art dialektischen Prozess, in dessen Verlauf alternativeVorstellungen ber das Ziel entwickelt, revidiert, geprft und verworfenwerden, bis die Lsung zufriedenstellend ist.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 18

    Klassifikation von Problemen

    1. Interpolations-, Synthese- und dialektische Barrieren - Zusammenfassung

    Dialektische undSynthesebarriereSynthesebarrieregering

    DialektischeBarriere

    Interpolations-barrierehoch

    geringhoch

    Klarheit derZielkriterien

    Bekanntheitder Mittel

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 19

    Klassifikation von Problemen

    2. Klarheit der Definition von Ausgangs- und Zielzustand:

    Ein geschlossenes Problem (well-defined) liegt dann vor, wenn Ist- und Soll-Zustand klar definiert sind, die Transformatoren bzw. Operatoren zurberwindung der Barriere jedoch nicht bekannt sind (z.B. einmathematischer Beweis).

    Bei einem offenen Problem (ill-defined) sind weder Ausgangs- nochZielzustand definiert; auch ber die mglichen Operatoren herrschtUnklarheit.

    Exkurs Operator

    Nach Drner ist jedes Problem in einen Realittsbereich eingebettet, der ausSachverhalten (z.B. Zustnden) und Operatoren (z.B. Werkzeugen) besteht.

    Ein Operator ist die allgemeine Form einer Handlung, stellt somit einHandlungsprogramm dar; eine Operation bezeichnet dagegen die konkreteAnwendung eines Operators.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 20

    Klassifikation von Problemen

    3. Prozesse, die zur Lsung notwendig sind (Greeno & Simon, 1988)

    - Transformationsprobleme ( Interpolationsprobleme)

    - Anordnungs- und Designprobleme ( synthetische Probleme)

    - Induktionsprobleme: erfordern das Finden einer Struktur (z.B. beimFortsetzen einer Zahlenreihe im Intelligenztest)

    - Deduktionsprobleme: machen logische Schlussfolgerungen ausvorgegebenen Prmissen notwendig

    4. Bedeutung von Wissen

    5. Inhalt / Bereich, aus dem Probleme stammen

    Etc.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 21

    Merkmale von Problemen

    Merkmale

    - Anzahl der Elemente (einfache vs. komplexe Probleme) - Komplexitt

    - Anzahl und Dichte der Verknpfung zwischen den Elementen (geringvs. hoch vernetzte Probleme) - Vernetztheit

    - Anzahl der Ziele (Probleme mit einem und Probleme mit mehreren evtl.konfligierenden Zielen) - Polytelie

    - Bekanntheit der Verknpfungen und der Wirkungsbeziehungen(transparente vs. intransparente Probleme) - Intransparenz

    - Ausma der Eingriffsabhngigkeit des Systems (statische vs.dynamische Probleme) - Dynamik

    - Anzahl der beteiligten Personen (individuelles vs. kollektivesProblemlsen)

    - Verfgbare Zeit (Probleme ohne vs. mit Zeitdruck)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 22

    Probleme der Klassifikationsversuche

    Kritik

    - Beliebigkeit

    - Klassifikationen sind nicht erschpfend (es wird nicht das gesamteSpektrum mglicher Probleme abgedeckt)

    - berschneidungen zwischen Kategorien

    - Kriterien zur Unterscheidung von Problemen sind nicht unabhngigvoneinander, teilweise bedingen sie einander oder schlieen sichgegenseitig aus

    - Ungeklrtheit der Frage, ob es mglich ist, Probleme unabhngig vomProblemlser zu klassifizieren

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 23

    2. Sitzung am 19.05.2003...

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 24

    Kurzer Abriss der Geschichte des Problemlsens

    1. Lerntheoretischer Ansatz

    2. Gestaltpsychologischer Ansatz

    3. Informationsverarbeitungstheorie

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 25

    Lerntheoretischer Ansatz (Assoziationismus)

    Grundgedanke

    Wenn eine Assoziation zwischen zwei Ereignissen besteht, so tendiert einIndividuum dazu, beim Auftauchen eines dieser Ereignisse auch das andereins Bewusstsein zu rufen.

    Eine Assoziation entsteht z.B. dadurch, dass zwei Ereignisse wiederholtzusammen auftreten.

    Lernen stellt die assoziative Verbindung zwischen Stimulus und Reaktiondar (Lschen irrelevanter und Verstrken relevanter S-R-Verbindungen).Die Bildung der Assoziation wird kontrolliert durch Erfolg (Verstrkungbzw. Bestrafung).

    Definition Problem / Problemlsen

    Ein Problem liegt dann vor, wenn die dominante Reaktion auf einen Reizoder eine Reizkonfiguration nicht zum gewnschten Resultat fhrt. EineLsung wird nur durch eine Umschichtung der Reaktions- bzw.Gewohnheitshierarchie erreicht.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 26

    Thorndikes (1898) Problemkfig

    Klassische Experimente

    Ausgangspunkt fr die Entwicklung assoziations-theoretischer Vorstellungen zum Problemlsen warendie klassischen Experimente von Thorndike (1898)zum Trial-and-error-Verhalten bei Katzen.

    Thorndike beschreibt das Verhalten der Katzenals Versuchs- und Irrtumsverhalten, bei dem

    die Katzen durch Zufall auf die Lsung des Problems stoen. Wenn das entsprechende Verhalten belohnt wird (also die relevante S-R-Verbindung verstrkt wird), bleibt nur noch daserfolgreiche Verhalten brig.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 27

    Reaktions- oder Gewohnheitshierarchie (vgl. Hussy, 1983)

    Reaktionen, die in einer Situation diehchste Auftrittswahrscheinlichkeithaben (d.h. zwischen S und R liegteine hohe Assoziationsstrke vor),werden als dominante Reaktionbezeichnet.

    Das an der Assoziationsstrkeorientierte Gefge heitReaktionshierarchie.

    Fhrt die dominante Reaktion nichtzum Ziel, liegt ein Problem vor.

    Der Lernvorgang whrend desProblemlsens spiegelt sich ineiner Vernderung der Reaktions-hierarchie wider.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 28

    Lerngesetze (vgl. Hussy, 1983)

    Fr Vernderungen der Reaktionshierarchie sind Lerngesetze verantwortlich:

    Gesetz der bungbung erhht die Assoziationsstrke zwischen Reiz und Reaktion.

    Gesetz der AuswirkungReaktionen, die zum Erfolg fhren, gewinnen an Assoziationsstrke, solche dienicht zum Erfolg fhren, verlieren an Strke.

    Also: Erfolgreiche Reaktionen werden verstrkt und gewinnen anAssoziationsstrke => Auftrittswahrscheinlichkeit steigt (Verstrkungsgesetz;analog: Extinktions- oder Nicht-Verstrkungsgesetz).

    Gesetz der spontanen ErholungReaktionen, die durch Extinktion an Assoziationsstrke verloren haben,gewinnen nach einiger Zeit ihre Strke zurck.

    Gesetz der GeneralisierungWird die Reaktionsstrke zwischen Stimulus und Reaktion verndert, sobertrgt sich dieser Effekt auf hnliche Reiz-Reaktions-Verbindungen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 29

    Vermittelnde Reaktionen

    Es gibt nicht nur eine Reaktionshierarchie, sondern mehrereReaktionsklassen, die ebenfalls hierarchisch angeordnet sind.

    Manchmal folgt auf einen Reiz nicht direkt eine Reaktion, sondern zunchsteine vermittelnde Reaktion (mediating response), die dann die Reaktionhervorruft.

    Vermittelnde Reaktionen werden fr die Auswahl bestimmter Reaktionenverantwortlich gemacht.

    => Gesetz der vermittelten Generalisierung

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 30

    Bewertung des lerntheoretischen Ansatzes

    Problemlsen wird als Vernderung einer Reaktionshierarchie gem derbeteiligten Lerngesetze verstanden, d.h. der Suchprozess nach dererforderlichen Reaktion hinterlsst eine Vernderung im Mediator- undReaktionsgefge.

    Unter Hinzunahme weiterer Gesetzmigkeiten ist die Lerntheorie soflexibel, dass sie zumindest fr eine bestimmte Art von Problemen (einigeInterpolationsprobleme) ausreicht.

    Diese zustzlichen Elemente sind neo-behavioristischer Herkunft; selbst dieerweiterte Theorie ist jedoch nicht in der Lage, individuelles Verhaltenvorherzusagen, oder Verhalten in komplexen Situationen zu erklren.

    Vorteile des Assoziationismus sind insbesondere in der przisenTerminologie zu sehen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 31

    Gestaltpsychologischer Ansatz

    Grundgedanke

    Die Gestaltpsychologie entwickelte sich in erster Linie aus der Beschftigungmit Wahrnehmungsphnomenen und der Frage ihrer Reprsentation. Dabeiwird postuliert, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.

    Klassisches Experiment von Max Wertheimer (1880-1943)

    - Lichtblitze -

    Beispielea) Trotz Vernderung der Tonlage bleibt eine Melodie invariant.b) Personen nehmen eher das Quadrat wahr als vier Kreise:

    Der gestaltpsychologische Ansatz innerhalb der Problemlseforschung betontdie Bedeutsamkeit von Wahrnehmungsprozessen beim Problemlsen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 32

    Gestaltpsychologische Sicht des Problemlsens

    Definition ProblemAus der Sicht der Gestaltpsychologie handelt es sich bei einem Problem umeine defekte Gestalt, die im Menschen Spannung und das Bestreben erzeugt,aus der defekten Gestalt eine gute Gestalt zu machen. Dazu ist es notwendig,die gegebenen - hufig wahrnehmungsgebundenen - Strukturen aufzubrechenund eine neue Problemstruktur zu erstellen, die Lsungseinsicht bringt.

    Definition ProblemlsenProblemlsen erfolgt also nicht durch Trial and Error, sondern durchplanendes, organisierendes Handeln. Entsprechend der Grundannahme derGestaltpsychologie geht problemlsendes Handeln einher mit einerUmorganisation des Wahrnehmungsfeldes.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 33

    Berliner Schule der Gestaltpsychologie

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 34

    Khlers (1925) Schimpansenstudien

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 35

    Umstrukturieren und Einsicht

    Beobachtungen an Sultan

    - Die Lsung des Problems wird nichtallmhlich erreicht, sondern infolgeeines internen Umstrukturierungs-vorgangs mit daraus folgender Einsichtvon einer Sekunde auf die andere.

    - Der Umstrukturierungsvorgang wirderleichtert, wenn die lsungsrelevantenGegenstnde (Kisten, Stcke), imWahrnehmungsfeld der Tiere liegen,also zwischen ihnen und den Bananen.

    - Bei Versuchswiederholungen nacheinmal erfolgreichem Verhalten wirddas adquate Verhalten ohne Zgernwieder gezeigt.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 36

    Phasen produktiven Denkens

    Ziel der gestaltpsychologischen Forschung an Einsichtsproblemen war es zuzeigen, dass Erfahrung nicht - wie von Thorndike und anderenLerntheoretikern angenommen - die zentrale Rolle beim Problemlsenspielt.

    Postulat: Wirklich produktives Denken (Selz, 1922) hngt allein vonEinsicht ab.

    Zudem ist es der Verdienst der gestaltpsychologischen Forschung, dass demProzesscharakter des Problemlsens Aufmerksamkeit gewidmet wird.

    4 Phasen des Organisationsprozesses beim Problemlsen:

    1. Vorbereitung: Sammeln von Informationen, erste Lsungsversuche

    2. Inkubation: Nach Scheitern der Versuche Beschftigung mit anderem

    3. Erleuchtung (illumination): Erkennen der Lsung, Aha-Erlebnis

    4. Verifikation: berprfung der Lsung

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 37

    Umstrukturieren / Einsicht bei menschlichem Probl.lsen

    Beispiele fr Einsichtsprobleme (insight problems)

    - Das Bestrahlungsproblem (Duncker, 1945)

    - Das Kerzenproblem (Katona, 1940)

    - Das Bergsteigerproblem (Scheerer, 1963)

    - Das Seilproblem (Maier, 1931)

    - Das Neun-Punkte-Problem (z.B. Scheerer, 1963)

    - Das Wasserumfllproblem (Luchins & Luchins, 1959)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 38

    Bestrahlungsproblem (Duncker, 1945)

    Duncker instruierte seine Probanden, ein Verfahren zu finden, das geeignetist, einen kranken Menschen von einer inoperablen Geschwulst zu befreien.Nahe gelegt wird die Verwendung von Strahlen, wobei jedoch zu beachtenist, dass diese auch gesundes Gewebe zerstren. Dieses sollte tunlichstvermieden werden.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 39

    ?Zusammenfassung der Gruppenarbeit

    Was haben die Probleme gemeinsam?

    Warum ist es schwer, sie zu lsen?

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 40

    Rolle der Fixierung beim Lsen von Einsichtsproblemen

    Beispiel 9-Punkte-Problem

    Nach Auffassung der Gestaltpsychologie tendiert das menschlicheIndividuum dazu, die Punktekonfiguration aufgrund der Tendenz zur gutenGestalt als ein Quadrat wahrzunehmen.

    Folglich bewegen sich auch die Lsungsversuche zunchst in diesemProblemraum (der Suchraum (Klix, 1971) ist kleiner als der Raum, in demdie Lsung tatschlich liegt). Die Versuche schlagen so lange fehl, bis sichdie Person von dieser Gestalt gelst hat.

    Erst wenn die Gestalt aufgebrochen, das Wahrnehmungsfeld alsoumstrukturiert oder neu organisiert wird, ist die Mglichkeit zurProblemlsung geschaffen.

    Die Einsicht beim Problemlsen geht hufig mit einer beobachtbaren Aha-uerung einher (Bhler, 1922; Knoblich, 1999.

    Fazit: Das 9-Punkte-Problem ist ein einfaches Problem, das aufgrundfalscher Vorannahmen (figuraler Gebundenheit) nicht gelst werden kann.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 41

    Grnde fr eine Einschrnkung des Suchraums

    1. Individuen haben aufgrund vorausgegangener Problemlseversuche dieErfahrung gemacht, dass bestimmte Operatoren kaum je mit Erfolgangewendet werden knnen; andere Operatoren werden dagegen hufig mitErfolg verwendet (z.B. Geometrieunterricht => Punkte verbinden).

    2. Individuen haben in vorausgehenden Situationen die Erfahrung gemacht,dass bestimmte Operatoren bestimmten Realittsbereichen angehren; siesind nun nicht mehr in der Lage, diese Operatoren andernorts zu verwenden(funktionale bzw. figurale Gebundenheit).

    3. Individuen unterliegen einem Verbotsirrtum, sie gehen davon aus, dassbestimmte Operationen verboten seien, obwohl in der Problemstellung einsolches Verbot nicht enthalten ist.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 42

    ????

    Welche Mglichkeiten gibt es, die Problemlsefhigkeitvon Menschen bei Einsichtsproblemen zu verbessern?

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 43

    berwindung der Gebundenheit als Lsung!

    Umstrukturierungsmethoden sensu Duncker (1935)

    1. SttigungAnalog zu Phnomenen der Wahrnehmung (Necker-Wrfel, Schrder-Treppe) knnen sich auch bei einer Gedankenkonstellation bei lngererBetrachtung neue Aspekte erschlieen.

    2. Ausfllen des GemeinsamenDurch eine Analyse des Gemeinsamen der vorausgegangenen erfolglosenLsungsversuche kann der Problemlser auf die richtige Spur kommen.

    3. Resonanzwirkung des tauglichen SignalelementsEin bestimmter Reiz wird in ein Suchbild hereingepasst (Bsp. Streichholz-schachtel passt in das Bild einer Wandhalterung)

    4. Willkrliche nderung der GestaltauffassungUnvoreingenommenes Versuchs-Irrtums-Verhalten

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 44

    Denken in Analogien und Modellen (Drner, 1979)

    Definition Analogieschluss

    Die Relationen zwischen den Sachverhalten eines Bereichs A bestehen ingleicher oder hnlicher Form auch zwischen den Sachverhalten des Bereichs B(Bsp. Doppler-Effekt lst Hypothesenbildung in einem anderen Bereich -Lichtphnomene - aus).

    Ein Analogieschluss unterscheidet sich von einem logischen Schluss darin,dass er nicht notwendigerweise richtig sein muss, der Analogieschluss ist einVerfahren der Hypothesenbildung.

    Ein Analogieschluss ist dann besonders hilfreich, wenn der Realittsbereichnur teilweise bekannt ist.

    Voraussetzung fr die Analogisierung zweier Realittsbereiche ist eine gewissehnlichkeit zwischen den Bereichen.

    Schritte im Analogieschluss: Abstraktion > Modellsuche > Rckbertragung >Prfung

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 45

    Denken in Analogien und Modellen (Drner, 1979)

    Wie helfen Modelle beim Problemlsen?

    Modelle sind hilfreich, weil sie einen Gegenstand veranschaulichen (trivial).

    Experimente zeigen, dass die Veranschaulichung eines Sachverhalts dasErkennen einer allgemeinen Gesetzmigkeit frdert und damit dieLsungsfindung beschleunigt.Durch eine Abbildung knnen Bestandteile eines Problems eine andereBedeutung erlangen.

    Bei einer anderen Form von Abstraktion wird ein Sachverhalt in seinemfunktionalen Kontext betrachtet. Insgesamt ist es hilfreich, mglichstunterschiedliche Beispiele zu betrachten.

    Veranschaulichende Beispiele [...] haben die Funktion, die Dimensionalittdes entsprechenden Bereichs offen zu legen und klar zu machen, welcheMerkmale wesentlich und welche unwesentlich sind. Abstrakte Konzepteenthalten nur die wesentlichen Merkmale eines Sachverhalts.(Drner, 1979, S. 91)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 46

    Der pltzliche Einfall (Drner, 1979)

    Warum ist eine Inkubationszeit hilfreich beim Problemlsen?

    - Aufhebung der Ermdung

    - Unbewusste Arbeit des Geistes

    - Vergessen irrelevanter (und relevanter?) Gedchtnisinhalte

    Annahme, dass lsungsrelevante Verknpfungen eine zusammenhngendeStruktur bilden und daher vergessensresistenter sind.

    Zusammenfassung: Informationsverarbeitung, die zum pltzlichen Einfall fhrt

    - Es wird eine Gedankenkonstellation erzeugt, die die Lsung bereits enthlt.Der Problemlser hat aber aufgrund der Unbersichtlichkeit derMglichkeiten keinen Zugang zur Lsung.

    - In der Inkubationszeit zerfllt die Gesamtkonstellation und es kommt zurKonturierung (isolierte = irrelevante Teile zerfallen eher).

    - Durch bergeneralisiertes, trumerisches Denken tritt dieLsungskonstellation ans Licht. Auslser kann ein ueres Ereignis sein.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 47

    Gegenposition: Weisberg und Alba (1981; 1982)

    Experimente zeigen, dass die Unfhigkeit von Personen, Einsichtsprobleme zulsen, nicht auf Fixierung (funktionale oder figurale Gebundenheit)zurckzufhren ist.

    Experiment 1: nderung der Instruktion

    Ein Hinweis darauf, dass bei Lsung des Problems ber die Grenzen desvorgestellten Quadrats hinausgegangen werden msse, hat keinen Einfluss aufdie Lsungsschnelligkeit (der Hinweis bringt keine direkte Einsicht und dieProbanden lsen das Problem nicht signifikant hufiger). Dies gilt auch frPersonen, die das Problem schon kannten!

    Experiment 2: Training mit einem 4- und einem leichten 9-Punkte-Problem

    bung mit einfachen Problemen erleichtert tatschlich das Lsen des klassischen9-Punkte-Problems. Der Erwerb bereichsspezifischen Wissens erlaubt eineschnellere Lsungsfindung.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 48

    Gegenposition: Weisberg und Alba (1981; 1982)

    Fazit 1:

    Nach Aufbrechen der Gestalt (durch Instruktionsnderung) findet trotzdemkeine Einsicht und pltzliche Lsung statt.

    Fazit 1:

    Das 9-Punkte-Problem ist ein schwieriges Problem, da den Personenbereichsspezifisches Wissen fehlt.

    The reason subjects stayed within the borders of the figure, in the nine- andfour-dot problems may be that their past experiences directed them to go fromdot to dot, which resulted in their staying with the figure.(Weisberg & Alba, 1981, S. 184)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 49

    Gegenposition: Weisberg und Alba (1981; 1982)

    Kritik an der Gestaltpsychologie

    Die Begriffe Umstrukturierung und Einsicht scheinen fr die Diskussionder Lsung sog. Einsichtsprobleme nicht geeignet.

    Die gestaltpsychologische Sichtweise der Nichtlsung (Ursache figuraleGebundenheit) unterliegt einem Zirkelschluss: Woher wissen wir, dassGebundenheit vorliegt? => Die Person hat das Problem nicht gelst. Warumhat die Person das Problem nicht gelst? => Weil sie auf die Figur (dasQuadrat) fixiert war.

    Personen, die das 9-Punkte-Problem nicht lsen knnen, sind nicht figuralgebunden, sondern wissen nur einfach nicht, dass ihr Wissen ihnen nicht weiterhilft.

    Die interessante Debatte zwischen Weisberg und Alba (1981) und Dominowski (1981)kann im Journal of Experimental Psychology, General, Vol. 110, S. 169-203 nachgelesenwerden!

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 50

    BACK-UP

    BACK-UP - Bilder und Informationsverarbeitungsansatz

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 51

    Das Kerzenproblem von Duncker (1945)

    Aufgabe ist es, eine Kerze an der Wand anzubringen. Dazu stehen die folgendenGegenstnde zur Verfgung: Eine Streichholzschachtel mit Streichhlzern, eineKerze und Reisszwecken.

    (2 Bedingungen: Streichhlzer befinden sich in der Schachtel vs. Streichhlzerliegen daneben.)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 52

    Kerzenproblem - 2 Bedingungen

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 53

    Seilproblem

    Es hngen zwei Seile in einigem Abstand voneinander von der Decke, diemiteinander verbunden werden sollen. Der Abstand ist zu gro, um beide aufeinmal halten zu knnen. Im Raum befinden sich Gegenstnde (Mbel, Bcher,Papier, eine Zange), die zur Lsung des Problems verwendet werden knnen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 54

    Das 9-Punkte-Problem

    ?

    Verbinden Sie die 9 Punkte durch maximal vier gerade Linien ohne denStift abzusetzen und ohne eine Linie doppelt zu zeichnen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 55

    Das 9-Punkte-Problem

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 56

    Wasserumfllaufgabe

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 57

    Heurismen zum Lsen synthetischer Probleme (1)

    Umstrukturierungsheurismen ...

    ... werden dann notwendig, wenn der Problemlser eine fehlerhafte oderunzureichende Sichtweise des Problems besitzt und die Suche nach Lsungendaher in einem eingeschrnkten Problemraum stattfindet.

    ... entstehen aufgrund von- Verbotsirrtum- Vorerfahrungen (oder mangelnden bereichsspezischen Kenntnissen)- Fixierung- funktionaler / figuraler Gebundenheit

    ... und bestehen nach Duncker in Form von- Sttigung- Ausfllen des Gemeinsamen- Resonanzwirkung eines tauglichen Signalelements- einer willkrlichen nderung der Gestaltsauffassung.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 58

    Heurismen zum Lsen synthetischer Probleme (2)

    Entdeckungsheurismen ...

    ... werden dann notwendig, wenn dem Problemlser bestimmte Mittel zurLsung eines Problems unbekannt sind, d.h. die Lsung liegt auerhalbdes Problemraums weil aufgrund des Fehlens von Operatoren bestimmteZustnde nicht erzeugt werden knnen.

    ... haben zum Ziel, durch Entdeckung bzw. Synthese neuer Operatoren denProblemraum zu erweitern. Dazu dienen

    - Analogiebildung- Modellbildung- Abstraktion- Metaphorik- Imagination

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 59

    Informationstheoretischer Ansatz

    Grundgedanke

    - Mensch als offenes System, das Informationen aus der Umweltaufnimmt, intern verarbeitet und wieder an die Umwelt abgibt (Eingabe> Verarbeitung > Speicherung > Ausgabe)

    - Der Organismus wird durch Rckkopplungsschleifen in einemGleichgewicht gehalten, dafr stehen Manahmen zurZustandsvernderung zur Verfgung.

    Definition Problem / Problemlsen

    Ein Problem liegt dann vor, wenn der Ausgangszustand nicht in denZielzustand transformiert werden kann, ohne dass Operatoren zum Einsatzkommen.

    Es interessiert jetzt also nicht mehr nur, was geschieht, sondern auch wie dasgeschieht, also welche mentalen Operationen ablaufen.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 60

    Informationstheoretischer Ansatz

    Vorlufermodelle: Modelle elementarer Informationsverarbeitung

    - Kapazittsmodelle, z.B. Broadbents Filtertheorie

    - Gedchtnismodelle, z.B. Theorie des Kurzzeitgedchtnisses (Atkinson& Shiffrin)

    - Problemlsen als Informationsverarbeitung, Konzept der epistemischenund heuristischen Struktur

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 61

    Struktur des menschlichen kognitiven Apparats

    Zwei Ebenen-Modell

    - Drner (1976) unterscheidet eine epistemische und eine heuristischeStruktur

    - Epistemische Struktur = Datenbasis, beinhaltet das Wissen einesIndividuums

    - Heuristische Struktur = Steuerung des kognitiven Geschehens, Ort desbewussten Denkens, beinhaltet das Vernderungswissen einer Person(z.B. Operatoren, Transformatoren).

    - Sog. Sekundrprozessdenken setzt dann ein, wenn die berfhrungeines gegebenen Sachverhalts in einen gesuchten nicht erfolgen kann,weil z.B. die Operatoren unbekannt sind

    - Ziel ist es, nicht nur anzugeben, was die Vorgnge machen, sondernauch wie - dazu werden die Elementarprozesse eines Denk-/Problemlseablaufs analysiert

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 62

    Die heuristische Struktur

    Heurismen

    - Unter einem Heurismus versteht Drner ein Verfahren zurLsungsfindung, d.h. eine bestimmte Abfolge elementarer geistigerOperationen, durch die ein Problem gelst werden kann, aber nichtunbedingt gelst werden muss.

    - Elementare Operationen

    - Prinzipien der Verknpfung

    - Entstehung

    Organisation

    - siehe Folie -

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 63

    ber das Lsen von Interpolationsproblemen

    Heurismus v. Algorithmus

    - Algorithmus: systematische berprfung aller Alternativen (hufigzeitaufwndig, fhrt aber sicher zur Lsung)

    - Heurismus: Daumenregel, erfahrungsabhngige Hypothesenbildung(zeitsparend und effizient, Lsung wird allerdings nicht sicher gefunden,Interpolationsbarriere wird in Synthesebarriere umgewandelt)

    - Der von Newell und Simon (1972) als zentral herausgestellte Heurismusist die Mittel-Ziel-Analyse (means-ends-analysis). Dieser Heurismusfunktioniert folgendermaen: (1) Der Abstand zwischen Ist- und Soll-Zustand wird analysiert, (2) es wird ein Zwischenziel zur Reduktion desAbstandes gebildet, (3) es wird ein Operator gewhlt, der diesesZwischenziel erfllen kann (anschlieend Erfolgskontrolle).

    - Beispiel fr die Anwendung des Mittel-Ziel-Algorithmus: Turm vonHanoi.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 64

    ber das Lsen von Interpolationsproblemen

    Schritte im Problemlseprozess

    - Situations- und Zielanalyse

    - Operatorauswahl

    - Operatoranwendung und Erfolgsanalyse

    - Umorientierung bei Misserfolg Zwischenzielbildung Erneute Suche Absichtswechsel Zielwechsel Startpunktwechsel Wechsel des Heurismus

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 65

    Turm von Hanoi

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 66

    Turm von Hanoi

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 67

    Turm von Hanoi - Lsungsprozess

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 68

    Das Missionare und Kannibalen - Problem

    Drei Missionare und dreiKannibalen (drei Hobbits und dreiOrks) mssen in einem Boot einenFluss berqueren. Das Boot istklein und fasst nur 2 Leute. Wenndie Kannibalen zu irgendeinemZeitpunkt - entweder am Ufer oderim Boot - in der berzahl sind,fressen sie die Missionare auf. DieAufgabe soll so gelst werden, dassmglichst wenig Bootsfahrtenbentigt werden. Es mussbercksichtigt werden, dass dasBoot immer wieder zurckfahrenmuss, auf dem Rckweg muss sichalso auch jemand im Boot befinden.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 69

    Klassische Theorie von Newell und Simon (1972)

    Problemlsen als Suche im Problemraum

    - Ausgehend von einem Ausgangszustand gibt es viele Mglichkeiten(e.g. Operatoren), einen Zielzustand zu erreichen. Entsprechendwandern Personen beim Problemlsen durch verschiedeneWissenszustnde, bis sie einen angestrebten mentalen Wissenszustanderreicht haben:

    They move from one knowledge state to the next and search through aspace of alternative mental states until they reach a goal knowledge state.Moves from one knowledge state to the next are achieved by the applicationof mental operators. (Eysenck & Keane, 1999, p. 362)

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 70

    Klassische Theorie von Newell und Simon (1972)

    Zusammenfassung

    Fr jedes gegebene Problem existieren eine groe Anzahl alternativer Wegevom Ausgangs- zum Zielzustand; die Gesamtanzahl dieser Zustnde, die vonOperatoren generiert werden, heit Problemraum (basic problem space).

    Das Problemlseverhalten von Menschen kann als Produktion vonWissenszustnden durch die Anwendung von Operatoren gesehen werden.Dabei bewegt sich der Problemlser von einem Ausgangswissenszustand zueinem Zielwissenszustand.

    Mentale Operatoren identifizieren legale Problemlseschritte und solche, dieunter bestimmten Bedingungen nicht mglich sind.

    Menschen nutzen ihr Wissen und verschiedene heuristische Methoden (z.B.means-ends-analysis) auf dem Weg durch den Problemraum.

    Alle mentalen Prozesse finden innerhalb der Einschrnkungen des kognitivenSystems statt; bercksichtigt werden muss z.B. die eingeschrnkte kognitiveKapazitt des Arbeitsgedchtnisses.

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 71

    Modell fr (komplexes) Problemlsen (Frensch & Funke, 1995)

    Task

    GIVENS GOALS

    TOOLS

    Komplexes Problemlsen als Interaktion zwischen Problemlser,Aufgabe und Kontext (Frensch & Funke, 1995, Ch. 1)

    Problem Solver

    MEMORY CONTENTSStatic aspects: Knowledge (domain-general, domain-specific)INFORMATION PROCESSINGDynamic aspects: Strategies, monitoring,evaluationNON-COGNITIVE VARIABLESMotivation, self-confidence,perseverance, etc.

    Barriers

    EnvironmentAdditional information, resources, disturbances, feedback, pressure, etc.

    Complex Problem Solving Situation

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 72

    Determinanten der Problemschwierigkeit (Hussy, 1983)

    - Intra- und interindividuelle Unterschiede beim Problemlsen sind aufdie Problemschwierigkeit zurckzufhren.

    Was macht ein Problem schwer?

    Problemschwierigkeit

    PersonmerkmaleProblemmerkmale

    Problemkomplexitt

    Vernetztheit

    Problemumfang

    Anzahl der Variablen

    Transparenz

    OperationswissenFaktenwissen

    Umfang

    Verfgbarkeit

    Struktur Umfang

    Verfgbarkeit

    Struktur

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 73

    Befunde zur Problemschwierigkeit (Hussy, 1983)

    - Umfang

    - Komplexitt

    - Wissensumfang und -organisation

    - Verfgbarkeit von Wissen

  • Psychologisches Institut der Universitt Heidelberg Allgemeine Psychologie - Problemlsen (Seminar) 74

    Bewertung des informationstheoretischen Ansatzes

    - Ansatz wird der Komplexitt des Gegenstandes gerecht undbercksichtigt auch schwierigere Problemlseprozesse

    - Ungeklrt ist bisher die Organisationsform der verschiedenenGedchtnisstrukturen (es gibt keinen Homunculus!), es handelt sich umrein hypothetische Konstrukte

    - Ansatz integriert verschiedene Gegenstandsbereiche der AllgemeinenPsychologie (Idee einer Theoretischen Psychologie)