Click here to load reader

MUSIK PEER gynT BEREICHERT. - Konzerthaus Dortmund · PDF fileWErkE schauspiEl und Musik EdVard griEg »pEEr gynt« schauspiElMusik op. 23 henrik ibsens »eer p gynt« verdankt seine

  • View
    1

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of MUSIK PEER gynT BEREICHERT. - Konzerthaus Dortmund · PDF fileWErkE schauspiEl und Musik...

  • So klingt nur Dortmund.

    Mahler Chamber Orchestra

    PEER gynT Sonntag, 07.10.2012 · 16.00 Uhr

    MUSIK BEREICHERT.

  • Mari EriksMoEn sopran

    MariannE BEatE kiElland MEzzosopran

    JohannEs WEissEr Bariton

    sunnyi MEllEs sprEchErin

    tilo WErnEr sprEchEr

    EstnischEr philharMonischEr kaMMErchor

    MahlEr chaMBEr orchEstra

    Marc MinkoWski dirigEnt

    alain pErroux draMaturg

    abos: Mahler chamber orchestra orchesterzyklus iii – symphonie um Vier

    in unserem haus hören sie auf allen plätzen gleich gut – leider auch husten, niesen und handy- klingeln. Ebenfalls aus rücksicht auf die künstler bitten wir sie, von Bild- und tonaufnahmen

    während der Vorstellung abzusehen. Wir danken für ihr Verständnis!

    2,50 E

  • 4i5

  • prograMM

    akt iV Morgenstimmung dieb und hehler arabischer tanz anitras tanz peer gynts serenade peer gynt und anitra solveigs lied peer gynt vor der Memnonsäule

    akt V peer gynts heimkehr. stürmischer abend auf dem Meer der schiffbruch solveig singt in der hütte nachtszene gesang der kirchgänger solveigs Wiegenlied

    EdVard griEg (1843 – 1907) »peer gynt« schauspielmusik op. 23 (1876) akt i

    im hochzeitshof norwegischer Brautzug im Vorüberziehen halling springtanz

    akt ii der Brautraub. ingrids klage peer gynt und die sennerinnen peer gynt und die grüngekleidete in der halle des Bergkönigs tanz der Bergkönigstochter peer gynt von trollen gejagt peer gynt und der krumme

    akt iii Åses tod

    – pause –

    6i7

  • 8 i 9

    Marc Minkowski

  • WErkE

    schauspiEl und Musik EdVard griEg »pEEr gynt« schauspiElMusik op. 23

    henrik ibsens »peer gynt« verdankt seine Beliebtheit nicht zuletzt Edvard grieg. dessen schau- spielmusik und insbesondere die daraus vom komponisten selbst zusammengestellten suiten gehören zum Bekanntesten, das die norwegische Musik hervorgebracht hat: ›solveigs lied‹, ›in der halle des Bergkönigs‹, ›anitras tanz‹ oder auch das traurige ›Åses tod‹ sind geradezu hits in Werbung und Wunschkonzert und besonders die ›Morgenstimmung‹ ist im alltag so häufig zu hö- ren, dass man bei ihrem klang automatisch an Bilder von sonnenaufgängen über dem Meer und hurtigruten-schiffe denkt. dennoch sind diese beliebten stücke nur ausschnitte aus einer großen schauspielmusik, die das gesamte stück von ibsen begleitet und viel mehr umfasst als nur einzelne stimmungsbilder.

    das herauslösen einzelner stücke, die dann zu einer suite zusammengestellt und im konzert aufgeführt werden, ist nicht unüblich, aber im Falle des »peer gynt« liegt es besonders nahe. das schauspiel birgt nämlich einige formale tücken in sich, die eine aufführung erschweren: ibsen hat den »peer gynt« 1866 geschrieben und ihn zunächst nicht als schauspiel konzipiert, sondern als »dramatisches gedicht«; er selbst hat also gar nicht in erster linie beabsichtigt, dass sein Werk im theater aufgeführt wird, sondern eher gedacht, es würde gelesen werden. Erst später än- derte er seine Meinung und erstellte eine Bühnenfassung, zu der er bei Edvard grieg die Musik in auftrag gab, die dieser in den Jahren 1874 bis 1876 komponierte. Bei der aufführung im theater merkt man schnell, dass das stück über die Maßen lang ist. oft wird es deshalb auf zwei abende verteilt, wie etwa in der berühmten inszenierung von peter stein an der Berliner schaubühne 1971.

    in griegs suiten, die er erst etwa zehn Jahre später anfertigte, ist die reihenfolge der stücke vollkommen verändert; während die ›Morgenstimmung‹ beispielsweise als Eröffnungsstück der

    ersten suite bekannt ist, hat sie im schauspiel ihren platz erst im vierten akt. auf die meisten der bekannten stücke muss man sogar noch länger warten. auch die Beteiligung von solosän- gern, sprechern oder gar eines chores ist den meisten hörern von den suiten her nicht vertraut, während sie sich im schauspiel aus der handlung heraus ergeben. Besonders die rolle des sprechers und der sprecherin ist eine Folge der ungewöhnlichen Form des stückes, von dem für die aufführung im konzert immer wieder gekürzte Fassungen angefertigt werden, um die übermäßige länge auszugleichen.

    diE handlung der Bauernsohn peer gynt lebt mit seiner Mutter Åse, die ihn über die Maßen liebevoll umsorgt und verwöhnt, in ärmlichen Verhältnissen. dennoch ist er mit den umständen unzufrieden und baut sich eine Fantasiewelt auf; sein ärmliches zuhause verklärt er zum palast, in dem er sich in ein netz von lügengeschichten einspinnt. gelangweilt zieht er schließlich in die Welt hinaus, entführt die Braut ingrid, verlässt sie wieder, trifft solveig, die ihn liebt, die er aber auch wieder verlässt. nach einem abenteuer mit wollüstigen hirtenmädchen begegnet er zum ersten Mal dem geheimnisvollen »großen krummen« und seinem spruch »geh außen herum!«. auch bei den trollen in der höhle des Bergkönigs wird peer nicht heimisch; sie verfolgen ihn, auch als er versucht, doch noch bei solveig sesshaft zu werden. Wieder nach hause zurückgekehrt, trifft er seine Mutter sterbend an.

    Jahre später lebt peer in Wohlstand in nordafrika; sein reichtum wird ihm jedoch geraubt, er begegnet der verführerischen anitra, reist nach Ägypten und wird dort in eine irrenanstalt eingesperrt, wo er zum könig der narren gekrönt wird. später kehrt peer nach norwegen zurück, wo er mit knapper not ein schiffsunglück überlebt. Er streift ziellos umher, vergeblich auf der suche nach einem guten kern in sich selbst. in einer wichtigen szene schält er nacheinander die häute einer zwiebel ab, in der hoffnung, doch noch auf einen kern zu stoßen. der geheimnisvolle knopfgießer droht, peer einzuschmelzen, wenn er nicht einen zeugen beibringen kann, der ihm den Willen zur Besserung bescheinigt. im letzten Moment trifft er solveig wieder, die ihn rettet: sie sagt, er sei ihr stets ein wunderbares lied gewesen.

    pEEr gynt – Ein roMantischEs MÄrchEn? ibsens dramatisches gedicht entstand 1866, in einer zeit, die für norwegen große Veränderungen mit sich brachte: Einerseits war es die zeit des nationalismus, in der sich gerade länder, die eher am rande des Weltgeschehens standen, auf ihre nationale identität besannen und diese ins zen- trum ihrer kultur stellten. konkret bedeutete dies, dass volkstümliches Brauchtum wie Märchen, Volksmusik, regionale traditionen und dialekte oder auch trachten Eingang in kunst, literatur und Musik fanden. so entstand eine nationale kultur auf der Basis volkstümlicher Elemente, die sogenannte »nationalromantik«.

    10 i11

    Ihr autorisierter Partner:

    Werte bewahren. Mit original Ersatzteilen

    und meisterhaftem Service.

    Herbert-Wehner-Str. 1 | 59174 Kamen

    Tel.: (02307) 12 12 5 | www.steinway-kamen.de

  • WErkE

    Es ist kein zufall, dass ibsens stück auf norwegische Märchen von peter christen asbjørnsen zu- rückgeht, die dieser jedoch nicht selbst verfasst, sondern ähnlich wie die Brüder grimm in deutsch- land zusammengetragen und niedergeschrieben hatte. aus dem märchenhaften ursprung des stoffes erklärt sich das auftreten von typisch norwegischen gestalten wie den trollen, die in nor- wegen längst nicht so niedlich sind, wie man hierzulande denkt, sondern bei denen es sich um große, grobe und wirklich bösartige Wesen handelt. auch andere personen wie peers Mutter Åse, die Braut ingrid oder die sennerin sind typisch für das »alte« norwegen. in griegs Musik sind volkstümliche Elemente ebenfalls reichlich zu finden, so ist der ›halling‹ im ersten akt ein beliebter norwegischer springtanz und auch sonst sind in der Musik viele typische Melodiewen- dungen, rhythmen und harmonien zu hören.

    andererseits war es aber auch in norwegen die zeit der industrialisierung, in der das bisher arme und ziemlich rückständige land einen enormen aufschwung und große Modernisierungen erlebte. diese waren nicht zuletzt auf dem gebiet der infrastruktur von immenser Bedeutung; während das unwegsame land früher die Menschen von weiten reisen abhielt, sodass viele kaum über ihr heimatliches tal hinauskamen, lernte man nun die große weite Welt kennen: 1854 wurde die erste Eisenbahn zwischen oslo und dem nahe gelegenen Eidsvoll eingeweiht. zwi- schen 1850 und 1900 stieg die Einwohnerzahl oslos von 30 000 auf 220 000. aber der Fortschritt hatte auch schattenseiten, und diese sind ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Element in »peer gynt«: oft waren die Menschen überfordert von den Möglichkeiten, die sich ihnen boten, sie waren nicht mehr zufrieden mit der »alten« Enge und armut und strebten in die weite Welt, um dort reich und berühmt zu werden. genau dies tut peer gynt, ein träumer und lügenbold, der so sehr in seinen erfundenen geschichten lebt, dass er kaum mehr weiß, was wirklich ist und was nicht. Er verlässt seine alte Mutter Åse und solveig, die ihn liebt, um in der weiten Welt sein glück zu machen. dabei überschätzt er sich selbst vollkommen, packt projekte an, die er überhaupt nicht bewältigen kann, und folgt den fragwürdigen leitsätzen »sei dir selbst genug!« und »geh außen herum!«, um schließlich alt und verarmt zu solveig zurückzukehren, die ihn in liebe aufnimmt.

    Während ibsens stück vor allem diese problematik thematisiert, die in ihrer gesamtwirkung alles andere als eine volkstümliche heile Welt wiedergibt, bleibt griegs Musik ganz der natio- nalromantik verhaftet und gibt dem schauspiel ein weitaus harmloseres gepräge, als es der inhalt eigentlich gebietet. daher sind immer w

Search related