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Motivation, Ansprache, Erreichbarkeit - · PDF fileMotivation, Ansprache, Erreichbarkeit Herausforderungen für Trägerorganisationen internationaler Freiwilligendienste im Zugang

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  • Motivation, Ansprache, Erreichbarkeit

    Herausforderungen für Trägerorganisationen

    internationaler Freiwilligendienste

    im Zugang zu jungen Menschen

    Stefan Dietrich

    Motivation, Ansprache, Erreichbarkeit

    Herausforderungen für Trägerorganisationen

    internationaler Freiwilligendienste

    im Zugang zu jungen Menschen

    Stefan Dietrich Arbeitskreis »Lernen und Helfen

    in Übersee« e.V. (AKLHÜ)

    Meckenheimer Allee 67 - 69, 53115 Bonn Tel.: 0228 – 9089910 / Fax: 0228 – 9089911

    [email protected] www.entwicklungsdienst.de

    Diskussionspapier

  • Motivation, Ansprache, Erreichbarkeit

    Herausforderungen für Trägerorganisationen

    internationaler Freiwilligendienste

    im Zugang zu jungen Menschen

    Stefan Dietrich

    2015

    Diskussionspapier Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e. V.

  • Einleitung 6

    Einbettung des Feldes internationaler Freiwilligendienste 9

    Kriterien für die Ansprache junger Menschen 19

    Ansprache und Erreichbarkeit – Erfahrungen und Praktiken 22

    Hürden und Hindernisse 27

    Anregungen und Empfehlungen 32

    Literaturverzeichnis 39

    Arbeitskreis »Lernen und Helfen in Übersee« e.V. (AKLHÜ)

    Meckenheimer Allee 67 - 69, 53115 Bonn Tel.: 0228 – 9089910 / Fax: 0228 – 9089911 [email protected] www.entwicklungsdienst.de

    I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

  • MOTIVATION, ANSPRACHE, ERREICHBARKEIT I 3

    Vorwort

    Dies ist das zweite Diskussionspapier in einer vom Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. veröffent- lichten Serie. Die Arbeitspapiere beschäftigen sich mit aktuellen Forschungsthemen der internationalen Frei- willigen- und Entwicklungsdienste.

    Der vorliegende Diskussionsbeitrag beschäftigt sich mit der sich kontinuierlich veränderten Motivationslage von Interessierten an einer Vermittlung in ein internationales freiwilliges Engagement.

    Die Meinung und die Ansichten entsprechen nicht unbedingt der des Arbeitskreises „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. oder die seiner Mitglieder. Die Verantwortung für die getroffenen Feststellungen liegt aus- schließlich beim Autor.

    Michael Bogatzki

    Vorsitzender

    Der Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. (AKLHÜ)

    Der Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. ist Servicestelle für Akteure der Entwicklungszusammen- arbeit und für die entwicklungspolitisch interessierte Öffentlichkeit:

    Er berät und unterstützt Interessierte, die sich im Ausland sozial engagieren möchten. Dazu gibt er u.a. re- gelmäßig Informationsmaterialien heraus, die Chancen des beruflichen oder freiwilligen Engagements auf- zeigen. Diese stehen auch im zentralen Internetportal www.entwicklungsdienst.de zur Verfügung.

    Der AKLHÜ ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die in der personellen Entwicklungszusammenarbeit und der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit aktiv sind. Beim Arbeitskreis angesiedelt sind der Interes- sen- und Qualitätsverbund Weltoffen, die Zentrale Stelle IJFD und die BFD Incoming Zentralstelle. Sie vertre- ten zivilgesellschaftliche Träger, die in den Förderprogrammen weltwärts, IJFD und im BFD Freiwillige ent- senden und aufnehmen.

  • 4 I MOTIVATION, ANSPRACHE, ERREICHBARKEIT

    Abstrakt

    Immer mehr junge Menschen in Deutschland in- teressieren sich dafür, einen Freiwilligendienst in sozialen oder ökologischen Projekten im Ausland zu leisten. Dabei stehen ihnen vielfältige Ange- bote zur Verfügung. Die Trägerlandschaft interna- tionaler Freiwilligendienste ist seit einigen Jahren einem tiefgreifenden Veränderungsprozess unter- worfen. Insbesondere durch die Einführung des ent- wicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts (BMZ) im Jahr 2008 und des Internationalen Jugend- freiwilligendienstes IJFD (BMFSFJ) im Jahr 2011 wurden die meisten der zivilgesellschaftlichen Trägerorga- nisationen und die durch sie organisierten Entsen- dungen überwiegend in staatlich koordinierte Pro- gramme integriert. Diese Institutionalisierung führte zu einem deutlichen Anstieg der Anzahl Freiwilliger, die nunmehr größtenteils im Rahmen von weltwärts und dem IJFD ins Ausland entsandt werden. Dadurch, dass diese Programme in hohem Maße die Ressour- cen der Trägerorganisationen absorbieren, üben ihre Formate einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf aus, welche Zielgruppen mit ihnen erreicht werden. Die Statistiken der letzten Jahre machen deutlich, dass die bestehenden Formate längerfris- tige Aufenthalte mit 11- bis 13-monatiger Dauer be- günstigen und dass mit meist weiblichen, aus gut situierten Elternhäusern stammenden Abiturient_ innen bislang nur eine sehr homogene Gruppe junger Menschen für internationale Freiwilligendienste ge- wonnen wird. Demgegenüber sind besonders junge Menschen ohne Abitur, mit einer Berufsausbildung, mit einem Migrationshintergrund oder mit einer Be- einträchtigung / Behinderung unterrepräsentiert.

    Diese Tatsachen stehen nicht nur ihm Kontrast mit den politischen Ambitionen, internationale Freiwilli- gendienste möglichst inklusiv zu gestalten und jun- gen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zu öffnen. Gleichzeitig geraten die Träger interna- tionaler Freiwilligendienste auch durch sich ver- ändernde Rahmenbedingungen zunehmend unter Druck. Im Zuge des demographischen Wandels wer- den die Abschlussjahrgänge der Schulen, Berufs- schulen und Hochschulen immer kleiner. Außer- dem steht der dadurch schrumpfenden Zielgruppe

    ein immer breiteres Spektrum an alternativen An- geboten zur Verfügung, im Rahmen der formalen Ausbildung (Auslandssemester, Berufspraktikum im Ausland) oder über kommerzielle Anbieter (Voluntou- rismus) eine Auslandserfahrung zu machen, die unter Umständen besser zu den heutigen beruflichen An- forderungen und Freizeitpräferenzen passen als die Formate der internationalen Freiwilligendienste.

    Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass sich die Trägerlandschaft in Zukunft verstärkt darum be- mühen werden muss, verbesserte Zugänge sowohl zu den bisher erreichten als auch zu den bisher un- terrepräsentierten Zielgruppen zu finden. Um dies zu erreichen, ist eine Optimierung der Ansprache junger Menschen, allerdings auch eine Flexibilisie- rung und Erweiterung der bestehenden Angebote erforderlich.

    Mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich auch die Konstitution der jungen Menschen verändert. Die Trägerorganisationen wenden sich mit ihren Angeboten an eine Generation, die im Allge- meinen von einer pragmatischen Grundhaltung ge- prägt ist, mit deren Hilfe sie sich darum bemüht, sich angesichts eines gestiegenen Leistungs- und Bildungsdrucks, zunehmender Eigenverantwortung in der Gestaltung des eigenen Lebenslaufs und wachsender Unsicherheiten (Wohlstandspolarisie- rung, Prekarisierung der Arbeitswelt) zu behaup- ten. Dabei bestehen innerhalb der Jugendgeneration große Unterschiede zwischen verschiedenen Lebens- welten, verbunden mit stark ungleichen Chancen, sich bezüglich der Anforderungen an die eigene Le- bensgestaltung zu behaupten und prinzipiell offene Angebote (wie z.B. einen internationalen Freiwilli- gendienst) auch tatsächlich wahrzunehmen.

    Im Allgemeinen sollte eine verbesserte Ansprache die gestiegenen Anforderungen an die Lebensgestal- tung junger Menschen und die daraus resultierende pragmatische Grundhaltung sowie die Besonderhei- ten der biographischen Bruchstellen (Abschluss oder Abbruch von Schule, Ausbildung und Studium) be- rücksichtigen, an die ein internationaler Freiwilli- gendienst prinzipiell anschlussfähig ist.

    Die gezielte Ansprache von Studierenden, insbe- sondere für einen Freiwilligendienst nach dem Ba-

  • MOTIVATION, ANSPRACHE, ERREICHBARKEIT I 5

    chelorstudium (und damit ggf. vor dem Masterstu- dium), ist derzeit noch unterentwickelt. Ihr Ausbau wäre vielversprechend, da hier nicht nur von gerin- gen Hürden auszugehen ist, sondern auch eine Ziel- gruppe gewonnen würde, die mit einer höheren Qualifikation und einer höheren Lebenserfahrung im Vergleich zu den Abiturient_innen auch den Anlie- gen vieler Partnerorganisationen entgegen kommen dürfte. Letzteres spricht auch dafür, die Bemühun- gen um junge Menschen mit einer Berufsausbildung zu intensivieren.

    Zur Berücksichtigung der pragmatischen Grund- haltung empfiehlt es sich, der ‚Sowohl-als-auch- Logik‘ junger Menschen zu folgen und altruistische und egotaktische Motive für einen Freiwilligendienst im Rahmen der Ansprache miteinander zu verknüp- fen. Unter den egotaktischen Vorteilen eines inter- nationalen Freiwilligendienstes sollte den qualifizie- renden Aspekten, den dieser für einen spezifischen Lebensabschnitt mit sich bringt, besondere Auf- merksamkeit zukommen. Damit kann nicht nur eine Emanzipation von der Wahrnehmung eines interna- tionalen Freiwilligendienstes als ein bloßes Lücken- jahr angestrebt werden. Zusätzlich ermöglicht dies eine konstruktive Berücksichtigung der Anforderun- gen und Besonderheiten unterschiedlicher biogra- phischer Bruchstellen.

    Der Erfolg der Kommunikation bestehender An- gebote hängt davon ab, wie differenziert und wie pragmatisch die Ansprache gestaltet wird. Die kon- krete Ausgestaltung einer differenzierten und prag- matischen Ansprache knüpft sich wiederum an die Frage, welche Zielgruppen durch einzelne Träger oder auf Ebene der Trägerlandschaft insgesamt erreicht werden sollen. Wie eine optimierte Kommunikation aussieht, lässt sich nicht losgelöst von der Bean