Mein kleiner Garten

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    17-Mar-2016

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climbing photographie book from Alessandro Fischer

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  • GartenMein kleiner

  • der bauch

    Auf der Suche nach einem unberhrten Felsen wurde ich in Engelberg fndig. Mitten in einer riesigen Wand, 300m ber dem Tal-boden, ersphte ich unter einer bauchfrmigen Fels-formation mit dem Fernglas einen Absatz, mit Bumen und wilden Rosen. Schon bald stand ich aufgeregt mit zwei Bohrhaken und 170m Seil ausgerstet, am Abgrund ber der Wand. Der Plan war, durch die

    mehrere hundert Meter hohe Wand direkt ber den Bauch abzuseilen. Mit dem letzten Meter Seil landete ich zwischen den Rosen auf dem Absatz. Mit dem Bauch verbindet mich seit dem Tag eine tie-fe Freundschaft, jedes Mal wenn ich an diesen Ort zu-rckkehre bin ich Glck-lich.

    Matthias Trottmann

    ein kleines Paradies hoch ber dem engelberger Tal. 1992 packte mich das Entdeckerfieber.

  • Das war unser lieber Lex, der junge Hollnder, der noch kaum einen Berg je zu Gesicht gekriegt hat. So schne grosse Augen sieht

    man selten, nicht erstaunlich bei Feuer und Sternennacht auf dem bauch. Ich glaub er wrd lieber hier in der Schweiz bleiben, als in

    die Ebene zurck zukehren.

    unbek a nnt

  • Doch dann erkennen wir: Der Aufstieg hat sein eige-nes Geheimnis. Er ist ein Moment des Einkehrens. Wir tragen Lasten mhseli-ge Pfade hoch, drcken uns mit zu grossen Ruckscken zwischen Bumen und Fel-sen durch, der Schweiss im Gesicht vermischt sich mit mitgerissenen Spinnennet-zen. Diese aus dem Gesicht putzend, wird man kurz un-aufmerksam und tritt neben den Weg. Dazu gibt es keine Sprche, keine anfeuernden

    Worte: Jeder ist alleine mit sich und fngt an, auf nichts als den Weg zu achten. Man greift die nchste Sprosse, setzt den Fuss, at-met aus. Diese Einkehr zu sich selbst ist wohl die deut-lichste Grenze zwischen dem Unten und dem Oben. Und die schnste. Und da ist er ja schon, der unten noch kaum zu erwartende Fels-riegel. Fast zu frh, werden wir aus dieser Aufstiegsme-ditation gerissen.

    der aufstieg, das notwendige bel, denken wir. notwendig, weil wir nur so zu unserem abgelegenen Grtchen kommen. das vermeidliche bel schafft immerhin eine Grenze, gar eine hrde, zwischen den Orten wo alle sind und demjenigen, den wir ger-ne fr uns behalten. das Stck Fels dort oben, zu dem man nicht einfach so hinkommt, fr das es kei-ne kletterfhrer gibt.

    der auFStIeG

  • Ein wunderschner Platz, einer fr Aussteiger.

    Die dann doch einsteigen.Super schne Touren

    mit viel Luft unterm Fdli.Da kommt man wieder,

    nicht alle Jahre, sondern gleichen Morgen wieder!

    P. S.

  • der LaGerPLatZ

    Jeder sortiert sich etwas ein, das Seil wir abgerollt und bald schon heizt der Kocher dem zweiten Kaffee ein. Ei-ner macht sich auf, eine neue Route zu vollenden. Andere klettern entspannt irgendwo hoch, sitzen dazwischen im Schatten und geniessen die Aussicht. Die ersten Flam-men aus der kleinen Feuer-stelle lsen die Sonne ab, welche schnell hinter dem Titlis verschwindet. Wenn wir hier Abenteuer erleben, dann sicherlich auch ein ku-linarisches. Jeder hat so ein bisschen quer eingekauft, in der Annahme ein anderer bringe dann das dazu pas-sende. So vermischen sich Honigmelonen mit durch-

    zogenem Schwein, welchem wiederum gefllte Peperoni angehngt werden. Diese hinterlassen abgerundet mit einem Schluck Wein und nachgedoppelt mit einer To-mate eigentlich einen ganz exquisiten Nachgeschmack. Die kreisende Weinflasche, eine wrmende Jacke, das lodernde Licht des Feuers und der Sternenhimmel machen das Leben leicht. Neidische Sprche ber die dicke Matte des andern und Dinge, die hier nicht mehr erwhnt werden sollen, sind das letzte, was unser Biwak noch von sich gibt. Dann strecken wir unsere Glieder in die laue Sommernacht.

    Ich werfe meinen rucksack hin, ziehe mich fast voll-stndig aus, wedle mir mit dem nassen Leibchen Luft zu. doch die zweite amtshandlung kann keine andere sein, als die kaffemaschine zu fllen und auf den kocher zu stellen. Schon die herren heckmair, Harrer, Kasparek und Vrg pflegten das Kaffeetrin-ken ausgiebig, damals am eiger.

  • nachtMan sagt, dass der Prozess des Erinnerns viel mit Sinngebung zu tun hat. Unsere Erinne-rung stellt die Dinge so zusammen, dass sie fr unser inneres Ich Sinn ergeben. So wer-den die einzelnen Erlebnisse zu einer Geschichte verknpft, die eben sehr individuell ist. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass dies im Schlaf passiert, so stelle ich mir den Schlaf unruhiger vor, je komplizierter das Verknpfen der Erlebnisse ist. Vielleicht hat es mit dem simplen Leben im Biwak zu tun, dass man so gut schlft

  • Morgens um 10:00 schien die Welt noch in Ordnung.

    Fels kalt, Finger kalt, Zehen kalt. Um 14:00 war dann alles vorbei.

    Das Baby hatte gebrannt, zumindest fr Adi nicht zu schlimm

    a dI und dOmInIk

  • Also Variante A geht besser wenn man B versucht hat und wtend ist auf B probiert man dann A und es geht doch nicht grrrr. Vershnt ma sich wieder

    mit B zwischendurch hrt und sieht man ein Schimmer von C der aber gleich wieder verschwindet und kann wieder (klar) sehen muss A oder B. Also soll

    man jetzt abwechseln zwischen A und B konsequent auch wenn z.B. pltzlich B mehr Hoffnung macht? Dom sagt B ist unmglich was eigentlich sagen wr-de: klarer Fall A. Aber A geht schlechter als B und sowieso Domi ist gar nicht

    oben gewesen! Ich sags Euch dann wie ichs gemacht hab. Geschrien hab ich so: aaaaahhhhhhhh also vielleicht mach ich doch A weil schrei du mal bbeeee-

    ehhhhhh! So bescheuert!

    PacSI

  • ab GehtS!

    Die Route Sommernachts-traum klingt nicht nur schn lau, sie ist geradezu ideal, die noch kalten Mus-keln vom Koffeinzittern zu befreien. Danach definitiv im Tag angekommen, wet-zen wir zurck zur Platt-form. Frhlingserwachen startet glcklicherweise di-rekt aus dem Biwak und der Name verspricht zudem, in die nchste Bewusstseins-Stufe befrdert zu werden.

    Und tatschlich, danach sind wir definitiv wach. Jetzt wollen wir unsere Kraft nicht mehr vergeu-den, ganz nach oben solls gehen, in eine bisher noch undurchstiegene Route am Bauch. Klettern am Kalk hat eine ganz besondere sthetik. Es ist vielleicht die tnzerischste Form des Kletterns. Dagegen ist Gra-nit-Kletterei das reinste Fit-nesscenter.

    Warum sind wir eigentlich hier? ach ja: Zum klet-tern! einbinden und ab gehts! der bauch ist bloss eine kleine Plattform, geklettert wird aber auch links und rechts dieses Grtchens. Wir huschen also zunchst flink - an Fixseilen gesichert - ber eine abschssige Platte, bis an den rechten rand des bauches.

  • Griffe schauen im Kalk oft in die falsche Richtung, weshalb man mit dem Fuss irgend-wo dagegen ziehen muss, ihn hochnehmen zur Hand, sich verdrehen, eine Hand lsen, um mit der andern nach dem nchsten Leistchen zu greift. Dabei ist man stets von der Hoffnung getragen, dass einem die Reibung bei den am Fels verbleibenden Fssen und der Hand keinen Streich spielt. Sonst findet man sich alsbald ein paar Meter tiefer im Seil baumelnd mit der Frage beschftigt, ob jetzt der Fuss oder doch die Hand zuerst den Halt verlor. Man trifft eine Annahme, zieht sich an die Wand, steigt ber den letzten Siche-rungspunkt bis zur fraglichen Stelle, setzt die Fsse, bleibt ruhig und doch im Fluss und trotzdem reicht es auch diesmal nicht. Irgendwann sind die Batterien leer, die Schatten lnger und wir rumen auf am Bauch, packen unsere sieben Sachen und seilen mde und glcklich ins Tal ab.

    dIe hand

  • Es war super schn an einem heissen Junitag. Alles was hier oben noch fehlt ist ein

    Khlschrank oder Bier.

    dave

  • Mit bestem Dank an: Matthias Trottmann und Thomas Scheuner, welche das Shooting am Bauch mglich machten.

    Rawcut - ohne sie gbe es kein Fotobuch! Und nicht zu vergessen, alle die ber die Jahre den Buuch zu dem gemacht haben, was er jetzt ist.

  • ImPreSSum:Fotografie: Alessandro Fischer

    Text: Thomas ScheunerKletterer: Matthias Trottmann, Thomas Scheuner

    Konzept: Harun DoganGrafik & Design: Florian Baier, Sarah Furrer

    copywrite: Alessandro Fischer

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