MAGAZIN FÜR STUDIERENDE UND .und Gesundheitsmärkte, die objektiv und subjektiv prekär verstanden

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Pu b l i z i e r e n s t a t t a r c h i v i e r e nM A G A Z I NSOZIOLOGIE

M A G A Z I N F R S T U D I E R E N D E U N D S O Z I O L O G I E I N T E R E S S I E R T E

Pflege und Prekaritt Jana Jensen, Janine Kchhold, Nastasja Rostalski und Daria Rybakova | Mnnlich, gebildet und prekr?

Annika Jungmann + Jubilumsbeitrge 10 Jahre Soziologiemagazin

Prekre Lebenswelten

Wie weit ist es nach unten?

Auerdem: Expert_inneninterviews zum Titelthema | Rezensionen | Call4Papers | ausgewhlte Fachliteratur | Konferenzen- und Tagungstermine 2018/19

#12018

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https://soziologieblog.hypotheses.org/sonderheft-3-fuersorge-relationen

https://doi.org/10.3224/soz.v11i1.01

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SOZIOLOGIEMAGAZIN Prekre Lebenswelten

Prekre LebensweltenLiebe Leser_innen,

seit den 2000er Jahren hat der wissenschaft-liche, politische, aber auch mediale und feuilletonistische Diskurs um Prekaritt deutlich zugenommen. Die sogenannte Soziale Frage steht und stand wieder im Vordergrund diverser Parteiforderungen und damit auch im medialen Treiben. Auch Phnomene wie Ausgrenzung und Teilhabe sind in aller Munde. Und das ist auch gut so, denn Prekaritt kann in (fast) allen Bereichen des Lebens auftreten, da Unsicherheiten zunehmend unsere Leben (mit)bestimmen. Fr die Soziologie ist der Begriff zu einem Kennwort gesellschaftli-cher Zeitdiagnostik avanciert: So spricht etwa der Soziologe Oliver Marchart von der Gegenwartsmoderne als einer Prekarisierungsgesellschaft und verdeutlicht damit, das Prekarisierung alle betrifft. Auch Oliver Nachtwey betitelte sein jngstes Buch mit Abstiegsgesellschaft und ruft damit hnliche Konnotationen hervor. Mit dem Schlag-wort prekr werden in der Regel sehr unterschiedliche Gruppen belegt: allein-erziehende Eltern, Langzeitarbeitslose und suchende, Schulabbrecher_innen sowie das sogenannte neue Dienstleistungsprole-tariat, das etwa Pflege- und Kreativberufe

umfasst. Aber auch die neuen Selbststn-digen oder der akademische Mittelbau sind in diesem Zusammenhang hervorzuheben. Neben den Unsicherheiten auf den natio-nalen und internationalen Arbeitsmrkten sind es vor allem die Bildungs- Wohnungs- und Gesundheitsmrkte, die objektiv und subjektiv prekr verstanden werden.

Im Kontext der Prekarittsforschung werden dabei insbesondere die jeweiligen Sozialrume untersucht, aber auch Themen wie Intersektionalitt und Lebensverlauf-forschungen werden behandelt. Dabei sind sowohl die objektiven Bedingungen als auch die subjektiven Wahrnehmungen von Prekaritt entscheidend, da sie als Teil unserer Lebenswelten diese mageblich ko-konstruieren. Akteur_innen inter-nalisieren die wahrgenommen Unsicher-heiten, welche auch Auswirkungen auf andere Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens haben. Mit unserer 17. Ausgabe Prekre Lebenswelten. Wie weit ist es nach unten? wollen wir an dieses viel diskutierte Forschungs-feld anknpfen. Dabei versammeln wir Beitrge und Interviews, die sich mit Pre-karitt im Wissenschaftsbetrieb und der Care Arbeit auseinander setzen, sowie die subjektive Wahrnehmung prekr lebender Geflchteter rekonstruieren. Zum Einstieg in den Schwerpunkt Prekre Lebenswelten fhrte Sarah Kaschuba zwei Interviews zu den prekren Zustnden in der Wissenschaft. Im ersten Gesprch

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SOZIOLOGIEMAGAZINPrekre Lebenswelten

thematisiert der Soziologe und Kultur-wissenschaftler Peter Ullrich (TU Berlin) die prekren Beschftigungsstrukturen an deutschen Hochschulen, die sich durch ein fast einzigartiges Missverhltnis zwi-schen befristeten Stellen und unbefris-teten Professuren auszeichnet. Ullrich hebt zum einen die verbreiteten Subjek-tivitten im Mittelbau und zum anderen die objektiven universitren Strukturen hervor, welche seiner Ansicht nach nicht frderlich sind, um kollektiv den prekren Arbeitsstrukturen entgegen zu treten. Fr die erfolgreiche Auseinandersetzung mit dem Thema und um eine Verbesserung der strukturellen Voraussetzungen zu for-cieren, grndete er das Netzwerk fr Gute Arbeit in der Wissenschaft. Im zweiten Interview schildern darber hinaus die unter_bau Vertreter_innen David und Rike ihre hochschulpolitische Arbeit als Verein. Dabei erlutern sie ihre zentralen Ziele als Basisgewerkschaft und setzen sich fr Empowerment und Partizipation an der Universitt ein.In unserem Schwerpunkt findet ihr zwei Artikel zum Thema Prekaritt. Im ersten Beitrag zum Thema Vielfachpflege unter-suchen die Autorinnen Jana Jenen, Janine Kchhold, Nastasja Rostalski und Daria Rybakova in Pflege und Prekaritt die Lebenszusammenhnge von vielfachpfle-genden Frauen. Anhand einer Fallstudie zeigen sie, welche Konsequenzen sich aus prekrer Care-Arbeit fr den gesamten Lebenszusammenhang ergeben knnen.

Dabei arbeiten die Autorinnen heraus, dass die objektive Prekaritt subjektiv nicht vollumfnglich wahrgenommen, sondern als Vorteil verstanden wird. Im zweiten Artikel Mnnlich, gebildet und prekr? thematisiert Annika Jungmann auf Grundlage biographischer Interviews die uere und gefhlte Prekaritt Geflch-teter aus Syrien in Deutschland. Zentral sind hierbei die jeweiligen Bewltigungs-strategien der Befragten, die trotz hnlich prekrer Lebensumstnde ihre Situationen nicht hnlich prekr bewerten. Tamara Schwertel schliet den Schwerpunktteil mit einer Literaturbersicht zu sozialwis-senschaftlichen Monographien, Sammel-bnden und Studien zum Thema Prekre Lebenswelten ab.Neben dem Schwerpunktthema feiern wir das elfjhrige Vereinsbestehen des soziologiemagazin e.V. und den zehnten Jahrgang des Soziologiemagazins. Stell-vertretend fr die Redaktion reflektieren Markus Rudolfi und Maik Krger in ihrem Beitrag Geschichte des Soziologiemagazins ber die Hhen und Tiefen der Vereins- und Heftgeschichte. In einem weiteren Jubilumsbeitrag arbeitet Andreas Schulz in seinem Artikel Quo Vadis Soziologiemagazin die Rolle des Soziologiemagazins als ffentliche Soziologie-Plattform heraus. Auf Grundlage des zwischen November und Dezember 2017 durchgefhrten Survey zum Ist- und Soll-Zustand des Magazins entstand ein umfassender Bericht ber die Leser_innen Befragung. Neben der

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Darstellung der wichtigsten Umfrageergeb-nisse und der Beschreibung der bisherigen Publikations- und Reprsentationsarbeiten folgt eine Auseinandersetzung ber die Public Sociology- Potentiale des Magazins.Im abschlieenden Heftteil werden anhand von zwei Buchbesprechungen aktuelle Forschungsfelder der Kultur- und Sozial-wissenschaften in den Fokus gesetzt. Den Anfang macht Sebastian Giessler mit seiner Rezension zu Andreas Bischofs Monogra-phie Soziale Maschinen bauen. Epistemische Praktiken der Sozialrobotik. Er kommt zu dem Schluss, dass diese komplexe wissen-schaftssoziologische Studie nicht nur fr Wissenssoziolog_innen interessant ist, da am Beispiel der Sozialrobotikforschung aufzeigbar ist, welche ueren Einflsse auf das Wissenschaftssystem einwirken. Er betont dabei die gesamtgesellschaft-lichen Herausforderungen, die sich aus dieser Interpenetration von Wirtschaft und Politik ergeben. Der von Ove Sutter und Valeska Flor herausgegebene Band sthetisierung von Arbeit widmet sich der interdisziplinren Annherung an das Ausgabenthema und ist Gegenstand der zweiten Buchbesprechung von Andreas Schulz. Wie prekr sthetisierende Arbeit in Museen oder allgemein in der Kreativ-branche sein kann, wird auch hier deutlich. Als weitere Redaktionsbeitrge findet ihr eine Tagungs- und Konferenzbersicht sowie unsere Mitmachseiten in diesem Heft.

Abschlieend noch etwas in eigener Sache: Unsere Redaktion ist bestimmt durch das ehrenamtliche Engagement aller Mitar-beiter_innen. Diese wollen zum einen ihre Passion fr die Soziologie in die Redaktion einbringen und zum anderen Erfahrungen in der Vereins- und der redaktionellen Arbeit sammeln. Unser Wunsch, einen Bei-trag zur Wissenschaftskommunikation zu leisten, hat uns ber die unterschiedlichen Forschungs- und Arbeitsinteressen der einzelnen Redaktionsmitglieder stets als Gruppe verbunden. Ein solches Interesse, Studierenden und jungen Nachwuchswis-senschaftler_innen eine erste Grundlage zur Partizipation am sozialwissenschaftli-chen Diskurs zu ermglichen, hatte auch unser langjhriger Redakteur Maik Krger. Nach neun Jahren verlsst er die Redaktion des Soziologiemagazins, um sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu widmen. Wir danken dir von Herzen fr deine tolle Arbeit und wnschen dir nur das Beste fr die Zukunft!Zum Schluss danken wir euch, den Leser_innen, ganz besonders fr euer Interesse an unserem Magazin, frs Diskutieren und Teilen unserer Beitrge, des Calls und ganz besonders allen, die ihre Arbeiten eingesendet und mit uns gearbeitet haben.Wir wnschen euch nun viel Freude beim Lesen unserer 17. Ausgabe!

Stellvertretend fr die Redaktion des Soziologiemagazins Andreas Schulz

Editorial ............................................................................................................................................................... 1Prekre Lebenswelten | von Andreas Schulz

Interviewsber die prekren Zustnde im deutschen Wissenschaftsbetrieb ................................................................ 6Ein Experteninterview mit Dr. Dr. Peter Ullrich der TU Berlin | gefhrt von Sarah Kaschuba

ber die Vernetzung des Unterbaus in der prekarisierten akademischen Beschftigung ...................... 12Ein Interview mit Vertreter_innen der Hochschulgewerkschaft unter_bau | gefhrt von Sarah Kaschuba

Schwerpunk