Magazin #6 Dez14 - Mrz15

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Text of Magazin #6 Dez14 - Mrz15

  • #6MAGAZIN DEZEMBER 2014 MRZ 2015

    MAGAZIN

    Seite 6: Capitol & Staatsphilharmonie

    BRCKENSCHLGE FR FORTGESCHRITTENESeite10: Willkommen Tervetuloa!

    LEIF SEGERSTAM IST ZURCKSeite 11: Nicht zu stoppen

    REBELLION MIT MANNHEIMER & KARLSRUHER SCHULE

    Waltraud MeierMit Mahlers Rckert-Liedern durch den Kosmos menschlicher Gefhle

  • 2als ich vor wenigen Tagen nach einem sehr in-spirierenden Gesprch die Musikhochschule in Karlsruhe verlie, gab mir Hartmut Hll, Rek-tor der Hochschule, das Buch Karlsruher Reden in die Hand; ein Sammelband von Vortrgen, gehalten jeweils zu Semesterbeginn: Reden zur Musik und ber die Musik hinaus gehalten zur Weitung des Horizonts, wie Hartmut Hll es beschreibt. Unter anderem findet sich darin ein Text des Schriftstellers Peter Hrtling, von dem ich Ihnen gern erzh-len mchte, auch wenn das fr meine Gru-worte an Sie eher ungewhnlich ist, denn bli-cherweise wrdige ich an dieser Stelle ja unsere Knstler, die groartigen Solisten und Diri-genten, die vielfltigen Programme und auch unser Orchester. Stattdessen schaue ich, wenn Sie so wollen, als eine Art vorweihnachtliche Betrachtung auf Der langsame Satz von Peter Hrtling und hoffe, dass unser MAGAZIN Sie auch ohne meine Lobpreisungen zu den schnen und hochkartigen Konzerten der Staatsphilharmonie fhrt.

    Ich habe eine Schwche fr langsame Stze, beginnt Peter Hrtling, in der Musik und in der Literatur. Sie halten die Zeit nicht an. Sie halten sie auf. Ein Adagio nimmt die Zeit wahr und jenen, der es hrt, in seine Zeit auf. Es sind beredte und eingngige Beispiele, die Peter Hrtling whlt, wenn er Lieder von Franz Schubert oder auch den Langsamen Satz fr Streichquartett von Anton Webern beschreibt und doch geht es um viel mehr als um die Langsamkeit allein: Es geht um den Verlust, den wir durch Hetze, Zeitdruck und den unbe-dachten Umgang mit uns und anderen erlei-den, wenn wir nicht ins rechte Zeitma finden. Uns erschreckt eine Schnelligkeit, ein Kom-paktwerden von Zeit, das wir selbst hergestellt haben. Zeit, die wir nicht mehr haben, das heit bestimmen; Zeit, die uns bestimmt.

    Editorial

    LIEBE FREUNDE DERSTAATSPHILHARMONIE,

    Impressum

    Herausgeber V.i.S.d.P.: Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Heinigstrae 40 67059 Ludwigshafen

    Telefon 0621 - 599090 Telefax 0621 - 5990950 info@staatsphilharmonie.de www.staatsphilharmonie.de

    Intendant: Prof. Michael Kaufmann

    Generalmusikdirektor: Karl-Heinz Steffens

    Redaktion: Petra Singer, Corinna Treffer, Philipp Krechlak

    Originalbeitrge: Dr. Rainer Aschemeier, Guido Fischer, Alexander Graf, Gabor Halasz, Prof. Dr. Matthias Henke, Elisa Reznicek, Petra Singer

    Fotos: Nomi Baumgartl (Titel, S. 5, Foto Waltraud Meier), Ulrich Oberst (S. 2/3, 8/9, 20), Frank Vinken (S. 5, Foto Karl-Heinz Steffens), Ren van der Voorden (S. 6/7), Capitol Mannheim (S. 6), Maarit Kytharju, Leif Kasvoth (S. 10), Evangelische Kirche in Mannheim (S. 11), Marco Borggreve (S. 11), Friedrun Reinhold (S. 11), Thomas Henne (S. 14), BVMI/Brauer Photos (S. 16), Jan Hildner, ADW Mainz (S. 16) www.baunetzwissen.de, Stadt Karlsruhe, Karlsruhe Tourismus (S. 18/19)

    Gestaltung: DesignKultur, Wiesbaden Druck: Druckerei Schwrer GmbH & Co. KG, Mannheim

    Programm- und Besetzungsnderungen vorbehalten

    Die Bilder, mit denen Peter Hrtling sein Pldoyer fr einen besseren Umgang mit der Zeit hlt, sprechen den Zuhrer direkt an. Wie etwa, dass es den Elektronikern gelungen ist, Zeit und Raum zu verndern. Um es einfach zu erklren: Aus dem Brief ist eine E-Mail ge-worden. Sie braucht nicht ein oder zwei Tage wie ein Brief, sie braucht Sekunden. Der Zeit-Raum, in dem sich der Brief bewegte, schrumpft auf eine Abstraktion. Wenn man sich Hrtling vorstellt, wie er in der Hochschule spricht, sieht man fast greifbar die Studenten sitzen, wie sie zuhren und zugleich auf ihren iPhones tippen, doch sind wohl nicht nur sie gemeint.

    Natrlich bleibt es bei Hrtling nicht eindi-mensional, ist sein Rezept nicht die Vereinfa-chung auf das Langsame: Ich setze jedoch darauf, dass auf den langsamen Satz der rasche folgt, auf das Adagio das Allegro. Ein Atem-wechsel, auch ein Schrittwechsel. Es ist das Geme. Seine Botschaft zielt darauf ab, sich gegen die Engfhrung der Gedanken, der Le-benshaltung zu stellen. Und wenn ich ber diese Ermunterung nachdenke, dann bin ich doch wieder ganz bei der Staatsphilharmonie und den Konzerten, die wir fr Sie vorbereitet haben. Dann bin ich bei den kostbaren Momenten, die vor uns liegen, bin bei Mozart und Mahler, Schubert und Weill, Bruckner und Bartk und natrlich auch bei Humperdinck ob fr die kleinen oder groen Musik-freunde.

    Prof. Michael KaufmannIntendant der Deutschen StaatsphilharmonieRheinland-Pfalz

  • 3Inhalt

    INHALTSVERZEICHNIS

    Seite 4 Titelgeschichte: Waltraud Meier Seelenmusik

    Seite 6 Grenzberschreitung(en): Die Kooperation der Staatsphilharmonie mit dem Capitol

    Seite 8 Metropolregion: Rainer Kern Intendant von Enjoy Jazz

    Seite 10 Portrt: Leif Segerstam

    Seite 11 Das besondere Konzert: REBELLION IM QUADRAT

    Seite 12 KONZERTKALENDER: DEZEMBER 2014 BIS MRZ 2015

    Seite 14 Portrt: Clemens Keller Neuer Verwaltungsleiter

    Seite 16 Neuigkeiten und Meldungen

    Seite 18 Spielstttenportrt Karlsruhe: Kulturelle Highlights in der Fcherstadt

    Seite 20 Staatsphilharmonie auf Tour: Heimspiele in Dessau und Reise nach Erlangen

    Seite 21 Education: Kinderkonzerte und Patenschaft mit der Erich Kstner-Schule

    Seite 22 Kolumne: Prof. Dr. Matthias Henke Komponierende Ehepaare

    S. 15

    S. 16

    S. 20

    S. 10

    S. 20

    S. 6

    BEETHOVENFEST SPEYER 2. - 5. JULI 2015

    Kartentelefon 0621 - 3367333 www.reservix.de www.staatsphilharmonie.de

    Zum zweiten Mal schlgt die

    Deutsche Staatsphilharmonie

    Rheinland-Pfalz mit ihrem

    Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens

    ihre Sommerresidenz in Speyer

    auf. Inspiriert vom sdlichen Flair

    der Stadt laden sie dazu ein,

    im Alten Stadtsaal, unter freiem

    Himmel und in der wunderbaren

    Gedchtniskirche ausgewhlte

    Werke Ludwig van Beethovens

    frisch und neu zu erleben.

    SO 28. Juni 2015 17:00 UhrSpeyer, Stadthalle

    VORKONZERT ZUM BEETHOVENFEST SPEYERKooperationskonzert Musikschulen der Region & Staatsphilharmonie

    DO 2. Juli 2015 19:30 UhrSpeyer, Gedchtniskirche

    ERFFNUNGSKONZERTKarl-Heinz Steffens, DirigentTrio Franz Schubert

    Ludwig van Beethoven Ouvertre zu Coriolan, op.62Tripelkonzert C-Dur, op. 65Sinfonie Nr. 5 c-Moll, op. 67

    FR 3. Juli 2015 19:30 UhrSpeyer, Open Air Rathausinnenhof

    ENSEMBLEKONZERTMitglieder der Deutschen Staats-philharmonie Rheinland-Pfalz

    Ludwig van Beethoven Rondo Es-Dur (Rondino)Septett Es-Dur, op. 20Oktett Es-Dur, op. 103

    SA 4. Juli 2015 19:30 UhrSpeyer, Open Air Rathausinnenhof

    ENSEMBLEKONZERTMitglieder der Deutschen Staats-philharmonie Rheinland-Pfalz

    Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Luis Spohr

    SO 5. Juli 2015 11:00 UhrSpeyer, Alter Stadtsaal

    KAMMERMUSIK-MATINEEKarl-Heinz Steffens, Klarinette Michal Friedlander, Klavier Mitglieder der Deutschen Staats-philharmonie Rheinland-Pfalz

    Werke von Ludwig van Beethoven

    SO 5. Juli 2015 18:00 UhrSpeyer, Gedchtniskirche

    ABSCHLUSSKONZERTKarl-Heinz Steffens, DirigentIsabelle Faust, Violine

    Ludwig van Beethoven Konzert fr Violine und Orchester D-Dur, op. 61 Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 55 Eroica

    S. 4

  • 4Titelgeschichte

    Waltraud Meier

    SEELENMUSIK

    Seit der Saison 2013/14 widmet sich

    die Staatsphilharmonie Rheinland-

    Pfalz unter der Leitung ihres

    Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens

    dem Sinfoniker Franz Schubert. Nun

    wird dieser Zyklus nicht nur mit der

    groen C-Dur-Sinfonie fortgesetzt. In

    den Konzerten stehen erneut Lieder

    des Schubert-Bewunderers Gustav

    Mahler im Mittelpunkt. Und bei den

    Rckert-Liedern ist mit Waltraud

    Meier eine der berragendsten

    Mezzosopranistinnen und zugleich

    eine der bedeutendsten Mahler-

    Sngerinnen unserer Zeit zu erleben.

    Im letzten Jahr konnte die Wagner-Welt ein kleines Jubilum feiern. 1983 und damit vor genau 30 Jahren hatte Waltraud Meier in Parsifal ihr Bayreuth-Debt gegeben. Und in der Partie der Kundry, die vielleicht die aufregendste und in allen Belangen anspruchsvollste Frauenfigur Wagners ist, sorgte die Mezzosopranistin fr Begeiste-rungsstrme. Ab sofort galt Waltraud Meier als der neue Stern am Wagner-Firmament. Smtliche groen Opernhuser rissen sich um sie. Und berall, wo sie die groen Wagner-Partien sang, waren die Reaktionen bei Publikum und Kritik einhellig ber-schwnglich. Hier ist jemand, der wirklich singt, stellte etwa die New York Times 1988 nach Meiers Kundry an der MET fest. Denn schon damals verkrperte sie jenen seltenen Typus von Sngerin, der die Musik bewltigt und zugleich aus ihr alles an Lei-denschaften und Emotionen schpft.

    Nach tausenden Vorstellungen und Kon-zerten, in denen sie sogar oftmals ins dra-matische Sopranfach gewechselt ist, gehrt die Opern- und Liedsngerin Meier weiter-hin zur absoluten Weltklasse. Und mit ihrer atemberaubenden Kunst setzte sie nicht nur bei Wagner Mastbe, sondern u.a. als Bizets Carmen, als Marie in Bergs Wozzeck oder Didon in Berlioz Les Troyens. Dass die gebrtige Wrzburgerin dieses Niveau ber die Jahre und Jahrzehnte halten konnte, liegt aber nicht nur an ihrer

    umsichtigen Karriereplanung, bei der sie nicht auf jedes Opernrollenangebot ange-sprungen ist. Schon zu Beginn, als sie die ersten wichtigen Schritte auf den Opern-bhnen von Mannheim und Dortmund absolvierte, legte sie Wert auf d