Konfliktmanagement - psyga. Konfliktmanagement 91 Wie in jedem anderen Lebensbereich sind auch im

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Text of Konfliktmanagement - psyga. Konfliktmanagement 91 Wie in jedem anderen Lebensbereich sind auch im

  • Konfliktmanagement Kapitel 4

    > Wie kann ich meinen Sportlerinnen und Sportlern bei auer-

    sportlichen Konflikten helfen?

    > Was kann ich tun, wenn meine Sportlerinnen und Sportler

    untereinander Konflikte haben?

    > Was mache ich, wenn meine Athletinnen und Athleten mit

    mir oder anderen Trainerinnen bzw. Trainern Konflikte haben?

  • 91Konfliktmanagement

    Wie in jedem anderen Lebensbereich sind auch im Sport Konflikte unvermeidlich.

    Ob Stress in der familie, der mit ins Training gebracht wird, Streit unter Athletinnen

    und Athleten selbst oder gar ein Konflikt mit der Trainerin oder dem Trainer: Wenn

    Auseinandersetzungen ungelst bleiben, knnen sie nicht nur die Leistungsfhig-

    keit von Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern herabsetzen, sondern ein

    ganzes Gruppenklima beeintrchtigen.

    es ist daher vor allem Aufgabe der Trainerinnen und Trainer, schwelende oder

    ungelste Konfliktsituationen zu erkennen, konstruktiv und professionell aufzul-

    sen sowie mgliche Konfliktherde von vornherein zu minimieren. Kenntnisse ber

    Konfliktgrnde, Konfliktmechanismen und Lsungswege helfen dabei, die Stim-

    mung und Motivation bei den Trainierenden genauso wie im Trainerstab dauerhaft

    aufrechtzuerhalten.

    einfhrung:

    Konflikte frhzeitig wahrnehmen und bewltigen

  • 92 Kein stress mit dem stress

    der Kontext des Sports ist geprgt von sozialen

    Interaktionen: Sportlerinnen und Sportler kom-

    munizieren nicht nur mit Trainerinnen und Trai-

    nern, sondern auch mit Schiedsrichterinnen und

    Schiedsrichtern, funktionren, eltern oder freun-

    dinnen und freunde. Soziale Interaktionen bein-

    halten dabei stets die Gefahr von unterschiedli-

    chen Interessen, erwartungen und einstellungen,

    die letztlich in einem Konflikt enden knnen.

    Im schlimmsten fall beeinflussen Konflikte im

    Sport die Leistung, die sozialen Beziehungen, vor

    allem aber die psychische Gesundheit von Athle-

    tinnen und Athleten sowie Trainerinnen und Trai-

    nern negativ. der richtige Umgang mit Konflik-

    ten zhlt daher zu den wichtigsten Aufgaben.

    Um Konflikte zu erkennen und geeignete L-

    sungswege zu finden, ist ein theoretisches Wis-

    sen um Merkmale, Arten und Typen von Konflik-

    ten von hoher Bedeutung.

    Konflikte entwickeln sich, wenn sich Motive, Be-

    drfnisse, Wnsche, Interessen, Ziele, emotionen

    oder Verhaltensweisen in unvereinbarer Weise

    gegenberstehen und zu kontrren Handlungs-

    strebungen und Verhaltensweisen fhren. diese

    Konfliktsituationen knnen zwischen zwei Perso-

    nen auftreten (interpersonelle Konflikte), im In-

    neren einer Person ablaufen (intrapersonelle

    Konflikte) oder zwischen mindestens zwei (Teil-)

    Gruppen entstehen (Gruppenkonflikte) (vgl. Bauer,

    1991).

    Konflikte fhren zu hohen erregungs- und Span-

    nungszustnden bei den beteiligten Personen

    und werden je nach Ursache, dauer und Intensi-

    tt als belastende Stressfaktoren wahrgenom-

    men, die viel mentale und krperliche energie

    kosten. Sie haben daher nicht nur Auswirkungen

    auf die Leistungsfhigkeit der Sportlerinnen und

    Sportler, sondern beeinflussen im groen Mae

    das individuelle Wohlbefinden und die psychi-

    sche Gesundheit.

    Grundstzlich wird zwischen echten und unech-

    ten Konflikten unterschieden (vgl. Baumann,

    2006):

    > Echte Konflikte dienen als Mittel zum

    Zweck, um eigene Ziele, erwartungen oder

    Interessen durchzusetzen oder zu vereinba-

    ren. Sie bieten hufig vielfltige Lsungsmg-

    lichkeiten, da beide Streitparteien eine ge-

    winnbringende einigung anstreben. der

    Konfliktgegenstand ist in diesem fall auch die

    Konfliktursache.

    > Unechte Konflikte dienen lediglich zur entla-

    dung der inneren Spannung, die ihren Ur-

    sprung in einer anderen Situation hat, aber

    dort nicht abgebaut werden kann. Sie entste-

    hen nicht durch gegenstzliche Meinungen

    der Konfliktpartner und fhren daher selten

    zu einer sinnvollen Lsung.

    Wie entstehen Konflikte im sport?

  • 93Konfliktmanagement

    unechte Konflikte: Gefahr fr das Mannschaftsklima

    Sowohl die echten, hufiger jedoch die unech-

    ten Konflikte knnen eine groe Herausforde-

    rung fr Trainerinnen und Trainer darstellen: So

    bringen Athletinnen und Athleten oft auer-

    sportliche Konflikte, z. B. rger mit der Partnerin

    bzw. dem Partner oder Streit im elternhaus, mit

    ins Training oder in den Wettkampf. ein solches

    Hereintragen eines externen Problems in eine

    Trainingsgruppe oder Mannschaft ist besonders

    schwierig, da der Konflikt nicht in einer direkten

    Auseinandersetzung mit der anderen Konflikt-

    partei gelst werden kann. Stattdessen existiert

    die Gefahr, dass sich die bestehenden inneren

    Spannungszustnde der Sportlerin oder des

    Sportlers innerhalb der Gruppe durch unbedeu-

    tende Auslsesituationen entladen und wie in

    einer Kettenreaktion neue soziale Konflikte mit

    Trainingspartnerinnen und Trainingspartnern,

    Mitspielerinnen und Mitspielern sowie Trainerin-

    nen und Trainern hervorrufen (Konfliktkette).

    Aufgabe der Trainerin bzw. des Trainers ist es,

    diese Situationen frhzeitig zu erkennen und

    durch geeignete Manahmen die entladung von

    unechten Konflikten oder gar die entstehung ei-

    ner Konfliktkette zu vermeiden.

    Konflikte erkennen und umwandeln

    In den meisten auersportlichen Konflikten kn-

    nen gerade die Trainerinnen und Trainer eine

    besondere neutrale und externe rolle einneh-

    men. Je nach Vertrauensbeziehung knnen sie

    daher als Mediatorinnen und Mediatoren oder

    Vermittlerinnen und Vermittler agieren und so

    zur Konfliktreduktion beitragen.

    Um diese Position einnehmen zu knnen, ms-

    sen Trainerinnen und Trainer ihre Athletinnen

    und Athleten und ihre eigenschaften kennen

    und aufmerksam sein gegenber ungewhnli-

    chen Verhaltensweisen ihrer Schtzlinge. nur so

    knnen sie Stimmungsnderungen (z. B. reiz-

    barkeit, hufiges Weinen, aber auch beraktivi-

    tt oder mangelnde Konzentration) und mgli-

    che Konflikte frhzeitig bemerken und sich als

    Zuhrerin bzw. Zuhrer anbieten. Zudem bietet

    der Sport mit anstrengender krperlicher Aktivi-

    tt eine Mglichkeit, Spannungsentladungen

    abzuleiten und bestenfalls in Leistung umzu-

    wandeln.

    info

    Auersportliche Konfliktsituationen

    die Liste mglicher auersportlicher Konfliktsituationen ist lang.

    fr Athletinnen und Athleten gehren dazu vor allem Unstimmig-

    keiten mit der Vereinsfhrung, mit den Medien oder den fans. Auf

    der persnlichen ebene zhlen dazu Streitigkeiten mit den eltern,

    der familie, der Partnerin bzw. dem Partner oder mit freunden.

    fAzit

    Keine Athletin und kein Athlet ist davor geschtzt, Konflikte

    auerhalb des sports, z. B. mit der familie, ins training oder

    in den Wettkampf zu tragen. die folge knnen Konfliktent-

    ladungen sein, die das Gruppenklima erheblich beeintrch-

    tigen. trainerinnen und trainer beugen dem vor, indem sie

    Konflikte frhzeitig erkennen und gegensteuern.

  • 94 Kein stress mit dem stress

    Konflikte untereinander:

    Wenn Athletinnen und Athleten im streit liegen

    Wo unterschiedliche Sportlerinnen und Sportler

    mit eigenen Charakteren und erwartungen in ei-

    nem Team aufeinandertreffen, bleiben Streitig-

    keiten nicht auen vor. Konflikte innerhalb einer

    Mannschaftsstruktur oder Trainingsgruppe ber-

    gen jedoch die Gefahr, das Mannschafts- und

    Leistungsklima negativ zu beeinflussen oder gar

    erheblich zu stren. Konflikte knnen dabei wie

    folgt auftreten:

    > zwischen zwei Personen, z. B. zwei Athletin-

    nen und Athleten (interpersoneller Konflikt),

    > zwischen zwei (oder mehr) Gruppierungen,

    z. B. den Stammspielerinnen und Stammspie-

    lern und den ersatzspielerinnen und ersatz-

    spielern (Gruppenkonflikt).

    Im Gegensatz zu Widersprchen innerhalb einer

    Person (intrapersoneller Konflikt) werden diese

    Konflikte hufiger verbalisiert oder physisch aus-

    getragen. Sie sind daher oft schon in ihren An-

    fngen zu beobachten und ermglichen so im

    gnstigsten fall ein frhes eingreifen.

    fr beide Konflikttypen lassen sich typische Kon-

    fliktsituationen beschreiben. Typische Konflikte

    in Teams entstehen aufgrund unterschiedlicher

    Persnlichkeitsmerkmale, durch unterschiedliche

    Zielsetzungen und Motive sowie durch unter-

    schiedliche Anforderungen an die Sportlerinnen

    und Sportler und der wahrgenommenen Un-

    gleichbehandlung (vgl. Trosse, 2003). das Wis-

    sen um diese typischen Konfliktsituationen und

    ihre Merkmale kann Trainerinnen und Trainern

    einer Sportgruppe helfen, Kontroversen frhzei-

    tig zu erkennen und passende Manahmen zu

    ergreifen.

    Konflikte durch unterschiedliche persnlichkeitsmerkmale

    Jede Athletin und jeder Athlet ist anders und hat

    (glcklicherweise) individuelle Strken und

    Schwchen. Unterschiede in Alter, Bildungsgrad,

    nationalitt, Lebensweise und Charakter knnen

    aber innerhalb einer Gruppe zu Konflikten fh-

    ren. das resultat der differenzen in diesen Merk-

    malen ist hufig ein Sympathiekonflikt, sodass

    sich die gegenberstehenden Personen oder

    Parteien oft auch auerhalb des Sports nicht