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Kolumbien: Hochschaubahn zwischen Atlantik und Pazifik

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Der Wirtschaftsaufschwung in Kolumbien macht sich auch touristisch immer mehr bemerkbar. Das bietet ein landschaftliches Auf und Ab zwischen Atlantik- und Pazifikküste.

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    Barichara ist ein kleiner Ort im Kolonialstil im Departamento von Santander und gilt als schnstes Dorf von Kolumbien. Im Jahr 1978 wurde Barichara zum Nationalen Denkmal erklrt.

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    Das erst im Herbst 2012 erff nete mo-derne Terminal aus Glas und Stahl von Bogots Flughafen Eldorado steht symbolisch fr die sich zunehmend beschleunigende Wirtschaft Kolumbiens. Am Rande der gleichnamigen mehrspuri-gen Avenida Richtung Zentrum sind klei-ne versprengte Lager des Luft fracht-Areals grozgig ausgelegten Einrichtungen gewi-chen. Ein Blick darauf verdeutlicht die strin-gent betriebene Umsetzung der vor einem Vierteljahrhundert eingeleiteten Apertura Econmica (wirtschaft liche ff nung). Nach Brasilien und Mexiko hat der Andenstaat den dritten Platz auf dem Subkontinent er-

    obert. Weiteres Wachstum verspricht sich die Wirtschaft , nachdem im Frhjahr 2012 ein Freihandelsabkommen (TLC) mit den USA unterzeichnet wurde. Ein halbes Jahr spter kam es zu einer ebensolchen ber-einkunft mit der EU. Eine veritable Erfolgs-geschichte mit einer Einschrnkung: An der berwiegenden Mehrheit der Kolumbianer geht der wirtschaft liche Aufschwung vorbei. Dem Land geht es recht gut, aber nicht den Menschen, brachte es ein langjhriger Beobachter auf den Punkt.

    Wirtschaft liche Prosperitt sieht sich in Kolumbien seit Jahrzehnten mit einer per-manenten politischen Instabilitt konfron-

    tiert. Verantwortlich dafr ist die grte und lteste Guerillabewegung Revolu-tionre Streitkrft e Kolumbiens (FARC), die zusammen mit den Rebellen vom Na-tionalen Befreiungsheer (ELN) das Land verunsichern.

    Friedensgesprche mit FARC-RebellenEine Koalition des Partido Social de

    la U (Partei der nationalen Einheit) mit dem Cambio Radical (Radikaler Wechsel) bringt Anfang 2012 Juan Manuel Santos in den Prsidentenpalast Casa Nario.

    (Fortsetzung auf der nchsten Seite)

    Der Wirtschaft saufschwung in Kolumbien macht sich auch touristisch immer mehr bemerkbar. Das bietet ein landschaft liches Auf und Ab zwischen Atlantik- und Pazifi kkste.

    Von Michael JohnschwagerJu

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    Unter seiner Fhrung unternimmt die Regierung 2012 einen Vorsto, mit den FARC-Aufstndischen ein Friedensab-kommen auszuhandeln. Nach mit uers-ter Diskretion gefhrten Vorgesprchen in Havanna wurde der Dialog unter Ein-schaltung internationaler Vermittler im Oktober in Oslo fortgesetzt. In der kolum-bianischen ffentlichkeit verfolgt man die Bemhungen um eine Befriedung jedoch mit viel Skepsis. Obwohl zuletzt sprbar geschwcht, prsentierten sich die FARC-Verhandlungsfhrer selbstsicher und we-nig nachgiebig. Sie zeigen kein Unrechts-bewusstsein fr begangene Entfhrungen, Drogen- und Waffenhandel. Ihren Kampf rechtfertigen sie mit Hinweis auf die Mise-re breiter Bevlkerungsschichten.

    Auf politischer Ebene gelang es erst 1957, die als Violencia in die Geschichte einge-gangene jahrzehntelange Gewaltherrschaft zwischen Konservativen und Liberalen mit der Frente Nacional zu beenden. In der bis in die 1980er Jahre bestehenden Nati-onalen Front teilten Partido Conservador und Partido Liberal die Macht im Staate anteilig unter sich auf.

    Hauptstadt Bogot auf 2.600 Meter Bogot kommt bei der Erwhnung la-teinamerikanischer Hauptstdte in aller Regel zu kurz. Dabei bietet die acht Milli-onen Einwohner zhlende Metropole eine Menge an kultureller Vielfalt. Auf dem Programm sollte ein Besuch des Goldmu-seums stehen. In der Zeit des Befreiungs-krieges gegen die spanischen Eroberer vor 200 Jahren verweilte Simn Bolvar in der als Santa F de Bogot 1538 gegrndeten Stadt. Das nach dem Befreier benann-te Domizil Quinta de Bolvar befindet sich am Fue von Gondel- und Seilbahn, die auf den Berg Monserrate fhren. We-nig bekannt ist die Anzahl respektabler Universitten. Darunter die von Jesuiten gefhrte Pontificia Universidad Javeriana, sowie die Universidad de los Andes und das Colegio Mayor del Rosario. In Kolum-biens Hauptstadt findet traditionell die grte Industriemesse des Subkontinents (Feria de Bogot) statt.

    Dem Besucher vermittelt Kolumbien das einzigartige Erlebnis, smtliche Klimazo-nen des amerikanischen Subkontinents zu erleben. Von der Hauptstadt Bogot, in 2.600 Metern Seehhe auf einem Sabana genannten Hochplateau gelegen, berwin-det man in einem Tagestrip locker 2.000

    Meter Hhenunterschied auf dem Wege nach Girardot am Rio Magdalena. Er ver-luft parallel zu den Anden gen Norden und mndet in den Atlantik. Einst galt der Magdalenen-Strom als Lebensader mit ei-ner betriebsamen Binnenschifffahrt. Auf seiner Fahrt in westlicher Richtung lernt der Besucher Landschaften von einzigar-tiger Schnheit kennen. Vorbei geht es an malerisch gelegenen Fincas, wo die quali-tativ hochwertige Sorte Arabica geerntet wird. Hufig bieten breit gefcherte Ba-nanenbltter den Kaffeestruchern Schutz vor bermiger Sonneneinstrahlung. Der hohe Qualittsanspruch der Kaffee-pflanzer auf der so genannten Kaffeeachse Manizales Pereira Armenia manifes-tiert sich in einem aufwndigen Prozess, den der Kaffee nach der Ernte vor Ort durchluft. Ein bedeutender Arbeitgeber des Landes ist die Vereinigung der Kaffee-pflanzer (Federacin Nacional de Cafete-ros). Den Liebhabern kolumbianischen Kaffees ist jedoch die Figur Juan Valdz vertrauter. Gern verabreden sich die Men-schen in Kolumbiens Metropolen in einer der zahlreichen Juan Valdz Coffee Shops. Dort lsst ein gutgelauntes Team seinen natrlichen Charme spielen, wenn der Gast seine Kaffeespezialitt bestellt. Stolz trgt das juvenile Personal sein Juan-Valdz-T-Shirt mit der Aufschrift: Ich arbeite im Geschft der Kaffeepflanzer Kolumbiens. Im Vergleich zu manchen global agierenden Mitbewerbern wirkt der von ihnen vermittelte human touch nicht aufgesetzt. ber Jahrzehnte behaup-tete Caf de Colombia nach Brasilien unangefochtenen seine Weltmarktstellung

    als zweitgrter Exporteur. Inzwischen ist es den Vietnamesen gelungen, die kolum-bianischen Kultivatoren zu berholen und deren Position einzunehmen. Dies belegt die von der International Coffee Organiza-tion (ICO) fr den Zeitraum Oktober 2010 Mrz 2011 verffentlichte Statistik (in Tausend): Brasilien 18.291, Vietnam 8.575, Kolumbien 4.987. Im Kalenderjahr impor-tierte sterreich 902.854 kg (in 60-Kilo-Scken) kolumbianischen Premiumkaffee.

    Kaffee und Bier als ExportschlagerWenig bekannt ist Kolumbiens Rolle

    beim Bierbrauen. Bereits 1889 grndete Leo. S. Kopp in Bogot die Kopps Deut-sche Brauerei Bayern. Daraus entstand ein bedeutender Brauereikomplex unter dem Namen BAVARIA. Die hohen Qualitts-

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    Bogot, der grte stdtische Ballungsraum Kolumbiens

    Juan Valdz Caf in Bogot

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    standards bescherten der Brauerei steigen-de Umstze und so stieg BAVARIA bis zur bernahme durch Miller zur zweitgrten Brauerei Sdamerikas auf. Dazu beigetra-gen hatte der Export. In der Glanzzeit fand das Bier seinen Weg in die Nachbarlnder bis zu Abnehmern in Chile.

    An die acht Stunden fr den Autofahrer, aber nur 30 Flugminuten von Bogot ent-fernt, liegt Kolumbiens heimliche Haupt-stadt Medelln. Das milde Klima hat der Stadt das Prdikat dauerhafter Frhling verliehen. Whrend sich endlose Schlan-gen von Autos und Kleinbussen durch die Straen Bogots qulen, nutzen die Paisas seit Ende 1995 ihre Metro, errichtet von

    einem deutsch-spanischen Konsortium unter mageblicher Beteiligung von SIE-MENS.

    Cartagena: Magnet fr US-TouristenTouristisch (noch) weitgehend unbe-

    kannt, wartet Kolumbien mit einer ein-zigartigen Vielfalt an Regionen auf, wie sie unterschiedlicher kaum sein knnen. Mit Zugang sowohl zu Atlantik als auch Pazi-fik findet der Tourist an beiden Ozeanen urwchsige Kstenlandstriche. Ausge-nommen davon ist Cartagena, die Heroi-sche genannt. Heerscharen berwiegend US-amerikanischer Touristen genieen das koloniale Erbe der spanischen Erobe-rer (Conquistadores) am Atlantik, nur eine Flugstunde von Bogot entfernt. Aber auch europische Reiseveranstalter bieten inzwischen das Juwel an der Karibikkste an. Der ber das ganze Jahr nicht versie-gende Strom Entspannung suchender Tou-risten sorgt fr konstante Einnahmen, von denen viele Cartageneros profitieren. Sie haben deshalb ein wachsames Auge auf die ffentliche Sicherheit. In dieser Stadt bewegen sich Einheimische wie auch Be-sucher sicher, egal ob auf der weitlufigen Festungsanlage, die das Zentrum der Alt-stadt einst gegen Piraten verteidigte, oder auf dem imposanten Fort San Felipe de Barajas. Dazwischen liegt das Denkmal der legendren Kazikin India Catalina. Etwas ruhiger geht es in Santa Marta zu. Die Hafenstadt verfgt ber eine Bahn-

    verbindung, hauptschlich genutzt fr den Transport von Bananen. Das war den Kolumbianern sogar ein Lied wert: Santa Marta hat eine Bahn. In Sichtweite erhe-ben sich die Berge der Sierra Nevada. Be-suchern sei ein Abstecher in den dortigen Nationalpark ausdrcklich empfohlen.

    Wer hingegen einmal absolut abschalten mchte, findet an der pazifischen Kste unberhrte Natur. Erst krzlich wurde mit Bahia Solano ein vertrumter Flecken Erde fr den Tourismus erschlossen. Die Fischer bessern gern ihr Einkommen auf, indem sie Touristen mit ins Boot nehmen. Mit etwas Glck tummeln sich vor ihnen Buckelwale in unmittelbarer Distanz.

    Steppe und Dschungel im OstenEin gnzlich anderes Panorama er-

    schliet sich in den Regionen jenseits der stlichen Kordillere. Es ist nur ein Katzen-sprung von Bogot nach Villavicencio, dem Tor zu den Llanos Orientales. Eine steppenartige Landschaft, in der Rinder-herden grasen. Noch am Abend erlauben die Temperaturen den Aufenthalt vor der Finca im Freien. Romantiker lassen den Tropenzauber auf sich wirken und lau-schen den fr diesen Teil Kolumbiens

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