Ingeborg Bachman (1)

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  • 7/23/2019 Ingeborg Bachman (1)

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    INGEBORG BACHMAN, GEDICHTE

    Erklr mir Liebe(1956)GedichtbandAnrufung des groen Bren

    Das Gedicht besteht aus insgesamt sieben Strophen, deren Lnge zum Schluss des Gedichts abnehmen. achdemder Gedichtband bis dahin !on regelm"igen Strophenschemata dominiert #ird, bildetErklr mir, Liebeden $eginn

    einer neuen %orm des &rrangements der Strophen. Im Gegensatz zu Gedichten #ieDie blaue Stundemit dreiz#'l(zeiligen Strophen im )aarreim oderNebellandmit (*n( siebenzeiligen Strophen im +reuzreim bildetErklr

    mir, Liebeeinen regelrechten $ruch in m(ang und &nordnung der einzelnen Strophen, da hier -einerleiegelm"ig-eit er-ennen lsst.

    Den Inhalt der ersten Strophe bildet die $eschreibung einer liebenden %igur. Deren dargestelltes Handeln #eistzunchst t/pische 0er-male des 1erhaltens eines intelle-tuellen 0enschen au(. So unter anderem das (*r die

    Entstehungszeit des Gedichts *bliche itual des Gr*"ens durch das L*(ten des Hutes oder der Er#erb mehrererSprachen. Durch die &nrede mit dem )ersonalpronomen 2Du3 #ird deutlich, dass eben dieser Intelle-tuelle aus derSicht einer anderen )erson gesehen #ird. Die +ommuni-ation z#ischen dem l/rischen Ich und demangesprochenen gegen*ber bleibt einseitig, denn das 2Herz hat anders#o zu tun3. 4#ischen beiden besteht ohne

    4#ei(el eine nstimmig-eit hinsichtlich der inneren $e(indlich-eit, #as das l/rischen Ich deutlich zu -ritisieren

    #ei"5 21on %loc-en blind erhebst du dein Gesicht3. Damit schlie"t es sich selbst in mehr(acher Hinsicht !om Ge(*hlder Liebe aus. 6eiterhin !er#endet Ingeborg $achmann in der ersten Strophe !erschiedene $ilder der atur,

    hauptschlich der $otani-, um dem Ge(*hl der Liebe metaphorisch gerecht zu #erden. Das 24ittergras3 s/mbolisierthier die mit dem Ge(*hl der Liebe einhergehende nruhe aber auch die $ereitscha(t sich dieser hinzugeben unddamit 7eglichen durch sie entstehenden Ge(ahren zu trotzen. Die Strophe endet schlie"lich mit der rhetorischen%ragestellung 2#as soll dir noch geschehen83. Dies !erdeutlicht zum einen, dass im %alle der er#iderten und

    schlie"lich gl*c-lichen Liebe der 0ensch um ihrer 6illen nahezu 7ede Last ertragen -ann, andererseits ist es ihmunm'glich dem inneren ngl*c-, #elches das Ge(*hl in ihm auszul'sen !ermag, auszu#eichen, sodass er sichdiesem schlie"lich ergeben muss.

    Die gestundete Zeit 1953GedichtbandDie gestundete Zeit

    Die zeitgen'ssische Literatur-riti- sieht darin die Themen der ach-riegsliteratur und der Literatur zu $eginn der9:;tuellen ahmen zu

    erzeugen. Es #ird nicht -lar, aus #elcher )osition heraus gesprochen #ird. Es beginnt und endet mit der gleichen4eile (Es kommen rtere !age",die am Ende eine sp*rbar intensi!ierte Intention ausdr*c-t. Daz#ischen liegendrei unterschiedlich lange Strophen. Das angesprochene Du #ird au(ge(ordert, au( eine eise zu gehen (S#u

    s#n$ren",$esitz hinter sich zu lassen und $eziehungen zu l'sen (%unde &ur$#k'agen"Die letzte Strophe

    beinhaltet dire-te &ussagen an das 2du3, zeitlich besetzte 6orte #ie 2bald3 aus der 9. Strophe (ehlen -omplett.Damit steht am Ende des Gedichts nicht Licht, sondern %insternis, die d*stere, dr*c-ende &tmosphre !erdichtetsich zu einem sch#arzen ichts. In diese Stimmung hinein bricht der erste Satz des Gedichts Es kommen rtere!ageund e!oziert, dass diese lngst da sind.

  • 7/23/2019 Ingeborg Bachman (1)

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    1. Anna SEGEHRS TransitDie Autorin Anna Seghers wird am 19. November 1900als Netty Reiling in Mainz geboren.Sie besucht eine Privatschule und spter das ymnasium! wo sie 1920das Abitur ablegt.Danach beginnt sie ein "unstgeschichtestudium. #u dieser #eit lernt sie auch denungarischen $uden %aszlo Radvanyi! der nach politischen &nruhen in &ngarn nachDeutschland ge'(chtet ist! )ennen. Die Auseinandersetzung mit der sozialistischenesellscha*t und deren +dealen und humanen Anspr(chen! die ihr durch die literarischen,er)e von -isenstein z./.0 1Panzer)reuzer Potem)in12 und lad)ov z./.0 1#ement12nahegebracht werden! *(hrt Reiling zu einer Annherung an die sozialistischen +deen.Au3erdem besucht sie 4etzt 5orlesungen mit mar6istischer 7hemati). Sie beginnt schlie3lichauch das Studium der Sinologie! wobei sie ihr ,issen (ber diese *erne "ultur auch in ihre,er)e ein'ie3en lsst. ,hrend ihrer Studienzeit tri8t Reiling au* die ,er)e desniederlndischen Malers 9ercules Seghers! von dessen Arbeiten und Schic)sal sie begeistertist! und nimmt spter seinen Namen als "(nstlernamen an. +n ihrer Dissertation zum 7hema1Der $ude und das $udentum im ,er) Rembrandts1 geht sie au* die Darstellung der Armenund Schwachen in der esellscha*t ein! die auch in ihren spteren ,er)en vor)ommt.1924erscheint ihre erste 5er:8entlichung! die -rzhlung 1Die 7oten au* der +nsel D4al1! unter

    dem Pseudonym Ant4e Seghers. 1925heiratet Seghers %aszlo Radvanyi! der ein $ahr spter%eiter der Mar6istischen Arbeiterschule in /erlin wird. Au* diese ,eise lernt Seghers die)ommunistische ,eltanschauung )ennen. 1926wird auch ihr erster Sohn Peter geboren. Sietritt 1928der "ommunistischen Partei Deutschlands und 1929dem /und proletarisch ;revolutionrer Schri*tsteller bei! der einen "amp* gegen die 1b(rgerliche "unst1 *(hrt und zueinem gro3en 7eil von der "ommunistischen Partei beein'usst wird. Als Mitglied dieses/undes ver*asst Seghers mehrere Arti)el (ber die Sow4etunion und %enin! den sie als 5orbilddarstellt. 1933muss sie nach der nationalsozialistischen Macht(bernahme aus Deutschland'iehen und gelangt nach

  • 7/23/2019 Ingeborg Bachman (1)

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    4edoch erschwert und so erscheinen die meisten ihrer im -6il entstandenen Romane! wieauch 17ransit1! zuerst im Ausland.

    17ransit1

    Der oman ?Transit? spielt zur 4eit des @. 6elt-riegs. Der Ich A Erzhler, dessen amen man nicht er(hrt, berichteteinem Bstummen 4uh'rer, den er in seine Lieblingspizzeria einldt, !on seinen Erlebnissen. Er hat genug !on den

    &u(regungen des +rieges und m'chte nur noch seine Geschichte erzhlen. Der Erzhler selbst ist Deutscher undet#a 0itte 4#anzig. ach einem &ngri(( der Deutschen (l*chtet er aus dem &rbeitslager in ouen B%ran-reich, indem er zur 4#angsarbeit !erp(lichtet ist, seitdem er aus Deutschland ge(lohen ist. ach seinem &usbruch schlie"t ersich den anderen %l*chtlingen an. Der Erzhler beschlie"t darau(hin, zu %reunden nach )aris zu gehen, um so den

    Deutschen zu ent-ommen, die bereits in %ran-reich einmarschieren. Doch auch )aris ist schon besetzt und er schmtsich (*r seine Landsleute. Trotzdem #ird er !on seinen %reunden, der %amilie $innet herzlich au(genommen unduartiert sich bei ihnen ein. Eines Tages tri((t er )aul, einen +umpanen aus dem &rbeitslager #ieder. Dieser erzhlt,dass er nach &meri-a aus#andern muss, #eil er ein $uch gegen Hitler geschrieben hat. Er bittet den Erzhler, einen

    $rie( zu einem Dichter namens 6eidel zu bringen, da er selbst (*rchte, entdec-t zu #erden. Der Erzhler #illigt ein,ohne nach den Hintergr*nden seines &u(trags zu (ragen. Er geht darau(hin zu dem Hotel, das )aul ihm genannt hat,

    doch die Hotelbesitzerin behauptet, 6eidel sei bereits ausgezogen. Der Erzhler mer-t 7edoch, dass sie ihm aus&ngst et#as !erheimlicht und schlie"lich bringt er sie dazu, ihm die 6ahrheit zu sagen5 &m 0orgen nach seinemEinzug sei 6eidel tot in seinem 4immer au(ge(unden #orden, er habe sich !ergi(tet. Der Erzhler !ersprichtdarau(hin, 6eidels +o((er zu dessen 1er#andten, die eben(alls $e-annte !on )aul sind, zu bringen. &m nchstenTag erscheint )aul aber nicht am !ereinbarten Tre((pun-t und der Erzhler '((net den +o((er und beginnt aus

    Lange#eile, die 0anus-ripte, die er darin (indet, zu lesen. Es handelt sich dabei um eine noch nicht !ollendeteGeschichte 6eidels und sie zieht den Erzhler so(ort in seinen $ann. &u"erdem (indet er auch noch $rie(e !on6eidels %rau in dessen +o((er, die sich zuerst !on ihm trennen und dann mit ihm nach 0e>i-o aus#andern #ill. DerErzhler beschlie"t deshalb, den +o((er am me>i-anischen +onzil abzugeben, damit 6eidels %rau ihn dort abholen

    -ann. Der +onsul #eigert sich aber, ihr den +o((er zu *bergeben und so beschlie"t der Erzhler, ihn zu behalten.Gemeinsam mit $innets S'hnen !erlsst er )aris, um den ationalsozialisten zu ent-ommen, die )aris nun!ollstndig besetzen. Sie schlagen sich bis zu $innets Tochter !onne durch, deren Ehemann einen )ass und Geld

    (*r den Erzhler besorgt. !onne emp(iehlt ihm, zu ihrem Cousin Georg nach 0arseille #eiter zu ziehen und ernimmt ihren 1orschlag dan-bar an. Dort lernt er einige andere Emigranten -ennen und 7eder rt ihm, so schnell #iem'glich nach &meri-a auszu#andern. Der Erzhler sieht 7edoch -einen Grund aus 0arseille abzureisen, da ihm dieStadt ge(llt. Er !ersucht noch einmal, 6eidels +o((er am me>i-anischen +onsulat abzugeben, doch durch ein

    0iss!erstndnis hlt man ihn selbst (*r 6eidel, der nun um eine &usreisegenehmigung ansucht. Der Erzhler -lrtden Irrtum nicht au( und der +onsul !erspricht, den amen ?6eidel? au( ?Seidler?, den amen im ge(lschten )assdes Erzhlers umschreiben zu lassen. $is dahin habe dieser eine &u(enthaltsgenehmigung (*r 0arseille. DerErzhler zieht deshalb bei Georg $innet und dessen %amilie ein und be(reundet sich bald mit ihnen. +urz darau(

    lernt er auch ein 0dchen, adine, -ennen und sie #erden ein )aar. ach einem 0onat lu(t seine&u(enthaltsgenehmigung ab, er scha((t es 7edoch eine 1erlngerung durchzusetzen. Inz#ischen ist ihm das Geldaber -napp ge#orden und auch !on adine trennt er sich. Er tri((t #ieder au( )aul, der sich be-lagt, dass ihm -ein

    1isum be#illigt #ird und er zu einem 4#angsau(enthalt in 0arseille !erp(lichtet #orden ist. Sie unterhalten sich*ber 6eidel, der Erzhler !erheimlicht 7edoch dessen Tod und bittet )aul sich um 6eidels &usreise zu -*mmern.+urz darau( sieht der Erzhle