Click here to load reader

Individuelle Förderung als schulische Herausforderung 05 Vorwort Wir steuern in grundlegender Weise um – weg von der selektiven, auf Ausgliederung und Homogenität fixierten, hin

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Individuelle Förderung als schulische Herausforderung 05 Vorwort Wir steuern in grundlegender...

  • Individuelle Förderung

    als schulische Herausforderung

    Christian Fischer unter Mitarbeit von:

    David Rott, Marcel Veber, Christiane Fischer-Ontrup

    & Angela Gralla

  • Christian Fischer unter Mitarbeit von:

    David Rott, Marcel Veber, Christiane Fischer-Ontrup

    & Angela Gralla

    Schriftenreihe des Netzwerk Bildung

    Individuelle Förderung

    als schulische Herausforderung

  • ISBN: 978-3-86498-805-9 1. Auflage Copyright by Friedrich-Ebert-Stiftung Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin Abt. Studienförderung Redaktion: Marei John-Ohnesorg, Lukas Daubner, Marion Stichler Layout & Umschlag: minus Design, Berlin Titelfoto: Johannes Beck Druck: bub Bonner Universitäts-Buchdruckerei Printed in Germany 2014

    Die Position der Autoren gibt nicht in jedem Fall die Position der Friedrich-Ebert-Stiftung wieder.

  • 03

    Inhalt

    INHALT

    Vorwort

    Vorbemerkung

    Zusammenfassung

    1. Einleitung

    2. Definitionen, Instrumente und Wirkungen Individueller Förderung

    2.1 Definitionen und Reichweite

    2.1.1 Individuelles Lernen als Grundlage Individueller Förderung 2.1.2 Definitionen und Ziele Individueller Förderung 2.1.3 Verankerung der Individuellen Förderung in den einzelnen Bundesländern 2.1.4 Umsetzung der Individuellen Förderung in der schulischen Praxis

    2.2 Voraussetzungen, Instrumente und Wirkungen Individueller Förderung

    2.2.1 Übersicht über mögliche Instrumente 2.2.2 Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Individueller Förderung 2.2.3 Umsetzungsschwierigkeiten und Widerstände 2.2.4 Nutzung individueller Unterschiede der Lernenden 2.2.5 Kompetenz der Lehrpersonen

    2.3 Wirkungen in Bezug auf Zielgruppen

    2.3.1 Soziale Benachteiligung 2.3.2 Gender 2.3.3 Sonderpädagogischer Förderbedarf 2.3.4 Migrationshintergrund 2.3.5 Besondere Begabungen

    5

    9

    11

    19

    25

    25

    25 31

    37

    43

    47

    47

    51 59

    62 67

    70

    71 74 76 79 81

  • Individuelle Förderung als schulische Herausforderung

    04

    3. Internationale Perspektive

    3.1 Kanada 3.2 Finnland

    4. Inklusion und Ganztagsschule

    4.1 Inklusion 4.2 Ganztagsschule

    5. Qualifizierung

    5.1 Individuelle Förderung und Inklusive Bildung in der Lehrerbildung 5.2 Qualifizierungsschwerpunkte in der Lehrerbildung

    6. Ausblick

    Literaturverzeichnis

    85

    87 90

    93

    93 98

    103

    103

    109

    115

    117

  • 05

    Vorwort

    Wir steuern in grundlegender Weise um – weg von der selektiven, auf Ausgliederung und Homogenität fixierten, hin zu einer individuell för- dernden, an den Stärken der Schülerinnen und Schülern orientierten Schule: Eine Schule, die Unterschiedlichkeit und Heterogenität als Chance begreift, die unter Bildungsgerechtigkeit auch die Verantwortung ver- steht, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden. So lautet im Kern die Philosophie vieler Schulgesetzänderungen der vergangenen Jahre.

    Eine Reihe von Entwicklungen, die unter dem Vorzeichen „mehr Bil- dungsgerechtigkeit und stärkere individuelle Förderung“ stehen, wurde auf den Weg gebracht und festgeschrieben: Die flexible Eingangsstufe, individuelle Förderpläne, Vorrang der integrativen Beschulung, Ganz- tagsbetrieb, längeres gemeinsames Lernen.

    Heterogenität war in den Schulen – man muss hinzufügen: auch in den Kindertageseinrichtungen – längst angekommen. Veränderte Familien- formen sowie kulturelle und religiöse Vielfalt prägen seit langem und fast überall die Verhältnisse an unseren Schulen.

    Inklusion ist zum Megathema geworden. Und mit dem Ziel einer inklusiven Bildung ist ein Anspruch an die Bildungspolitik genauso wie an jede ein- zelne Schule oder Bildungsinstitution gerichtet, der ohne eine konsequente Hinwendung zu individueller Förderung nicht einlösbar ist. Den eigenen, aktuellen Umgang mit Heterogenität zu reflektieren, Konzepte zu entwi- ckeln, Veränderungen auf den Weg bringen - keine Schule, kein Lehrender kann sich diesem Prozess hin zur inklusiven Bildung entziehen.

    Überwiegend wurden und werden diese Veränderungen hin zu noch stärkerer Vielfalt allerdings als Problemlagen und Belastungen gesehen: die vielen Kinder mit Migrationshintergrund, aus schwierigen Familien- verhältnissen, mit Beeinträchtigungen und Behinderungen, das breite Spektrum der Begabungen bei längerem gemeinsamen Lernen.

    VORwORT

  • Individuelle Förderung als schulische Herausforderung

    06

    Das „Aufbürden“ eines neuen Problems steht oft im Vordergrund und es wird befürchtet, dass die zunehmende Heterogenität Schulen und Lehrkräfte auch zunehmend überfordert. Tief sitzende Haltungen und teacher beliefs kommen hinzu und erzeugen ihrerseits Abwehr: Etwa die Überzeugung, dass in homogenen Gruppen die Leistungen besser sind und dass Lernschwache in Sondereinrichtungen besser gefördert werden können. Gleichzeitig werden die Ausrichtung des Unterrichts am Individuum und die Orientierung an Standards als unauflösbarer Widerspruch empfunden.

    Die Leitidee, Vielfalt als Chance für neue Erfahrungen zu begreifen, als Chance auch für schulische Innovation, für Selbstreflexion und für neues Lernen und letztlich auch für größere Berufszufriedenheit, trifft auf viel Skepsis und wird häufig eher als Idealisierung der Zustände und Praxisferne abgetan. Mindestens aber werden regelmäßig und in großem Umfang mehr Ressourcen – also Zeit und Personal gefordert.

    Dabei haben sich sehr viele Schulen - nicht nur die Avantgarde, also die Preisträger und Netzwerke mit ihren beispielgebenden Modellen – schon lange auf den Weg gemacht, Erfahrungen gesammelt, exempla- risch Lösungen erprobt und Modelle Individueller Förderung etabliert.

    Das galt zuallererst und frühzeitig in den Schulformen des gemein- samen Lernens: der Grundschule und den Gesamtschulen. Ich war sehr erstaunt, als mein Sohn in seiner Grundschule in den Neunziger Jahren mit Lernformen unterrichtet wurde, die stark meinen eigenen Erinne- rungen und Erfahrungen in einer einklassigen Landschule entsprachen: Wochenplanarbeit, Freiwahlarbeit, Lernen in Projekten.

    Vieles davon ist weiterentwickelt worden, neue Formen sind hinzu- gekommen, Fortbildungskonzepte sind entwickelt worden, Studienin- halte etabliert, Kooperationen entstanden. Aber haben wir es immer mit einem einheitlichen Begriff von Individueller Förderung zu tun? Steckt nicht häufig noch die alte, an Defiziten orientierte Vorstellung dahin- ter? Wie muss sich die Schule insgesamt verändern, um Individuelle Förderung erfolgreich zu machen? Wie muss sich das Rollenverständnis der Lehrenden entwickeln und erweitern, welche didaktischen, welche pädagogischen Kompetenzen sind erforderlich? Lässt sich der Erfolg In- dividueller Förderung überhaupt messen? Ist der Ganztagsbetrieb eine günstige und verstärkende Bedingung?

    Die vorliegende Expertise von Herrn Prof. Dr. Christian Fischer nimmt

  • 07

    Vorwort

    sich der Herausforderung an, einen umfassenden Überblick zu diesem zentralen bildungspolitischen Paradigma zu geben. Die Expertise zeigt den aktuellen Forschungsstand auf und die Verankerung individueller Förderung in der Schulgesetzgebung der Länder. Sie untersucht Formen und Wirkungen Individueller Förderung, auch bezogen auf die Umset- zung von Inklusion und den Ausbau der Ganztagsschule. Der internati- onale Blick auf Kanada und Finnland wird abschließend durch Empfeh- lungen zur Qualifizierung in der Lehrerbildung ergänzt.

    Ute Erdsiek-Rave Bildungsministerin a.D. Moderatorin des Netzwerk Bildung

  • Individuelle Förderung als schulische Herausforderung

    08

  • 09

    Vorbemerkung

    Prof. Dr. Christian Fischer Institut für Erziehungswissenschaft Westfälische Wilhelms-Universität Münster

    Mit dem Auftrag zur Erstellung der Expertise „Individuelle Förderung als schulische Herausforderung“ hat das Netzwerk Bildung der Fried- rich-Ebert-Stiftung dem Autorenteam eine intensive und kooperative Arbeitsphase ermöglicht. Dafür möchten wir an dieser Stelle ausdrück- lich danken.

    Die Autoren danken Bettina Amrhein, Astrid Bayer, Timo Dexel, Donata Hillmann, Kerstin Müller, Elisabeth Rott, Elke Surmann, Anja Wardemann, Heribert Woestmann für die redaktionelle Mitarbeit bei der Erstellung der Expertise sowie der umfangreichen Literatur- und Datenrecherche.

    Münster, den 24. Januar 2014

    VORbeMeRkuNG

  • Individuelle Förderung als schulische Herausforderung

    10

  • 11

    Zusammenfassung

    Mithilfe Individueller Förderung können Benachteiligungen vermieden und abgebaut sowie Begabungen erkannt und gefördert werden (Arbeits- stab Forum Bildung 2001). Angebote der Individuellen Förderung sind ein Weg, Chancengleichheit herzustellen und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Potenziale zu entwickeln und zu entfal- ten. Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien wie PISA, TIMSS und IGLU weisen darauf hin, dass Individuelle Förderung in Deutsch- land nicht erschöpfend umgesetzt wird. Denn sie machen deutlich, dass insbesondere Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Leistungsschwie- rigkeiten von den B

Search related