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Himmlische Oasen

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von Irene M. Weiß

Text of Himmlische Oasen

  • Himmlische OasenIrene M. Wei

    Die sakralen Kleindenkmler der Pfarre Wieselburg

  • Irene M. Wei

    Himmlische Oasen Die sakralen Kleindenkmler der Pfarre Wieselburg

    Eigenverlag Irene M. Wei

    Band 8

  • Wei, Irene M.:Himmlische Oasen

    Die sakralen Kleindenkmler der Pfarre Wieselburg1. Auflage Wieselburg, 2008

    ISBN 978-3-9501919-0-5

    Eigentmer, Herausgeber und Verleger:Irene M. Wei, A-3250 Wieselburg, Johann Wintergasse 9

    Gestaltung:Mag. (FH) Johanna Wei, A-3250 Wieselburg, Johann Wintergasse 9

    Druck:radinger.print, A-3270 Scheibbs, Ruthesheimer Strae 17

    Copyright 2008 Irene M. Wei, Wieselburg

  • Vorwort von Monsignore Dechant Mag. Franz Dammerer . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5Geschtzter Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 6Eine kleine Geschichte zur Auffindung von Quellen und wieviel Glck man dazu braucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 7Kapellenstandorte Orte der Kraft? . . . . . . Seite 8

    Bauxberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 108Berging . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 12Bodensdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 17Brandstetten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Brunning . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 25Drnbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 38Fohregg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Forst am Berg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Furth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Galtbrunn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Groa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Grub . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 163Gumprechtsfelden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 82Haag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 104Hart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 151Hochrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 82Holzhuseln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 127Hrmannsberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56

    Inhaltsverzeichnis

    Krgling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 108Laimstetten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 179Marbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 127Moos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 191Mhling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 135Neumhl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 82Oed am Seichten Graben . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 145Oed beim Roten Kreuz . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 56Plaika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 151Rottenhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 163Schadendorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 179Sill . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 82Strblitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 191Wechling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 197Weinzierl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 210Wieselburg Drnbacher Strae . . . . . . . . . Seite 38Wieselburg Kirchenberg . . . . . . . . . . . . . . Seite 233Wieselburg Peripherie . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 261Wieselburg Rabenschule . . . . . . . . . . . . . . Seite 135Wieselburg Zentrum . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 273

    Danke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 310Funoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 312Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 317Literaturnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 320

  • 5hungsgeschichte berichten knnen, diese wichtigen Kleinode des Glaubens zu fotografieren und ein Buch daraus zu machen, das ein wichtiges Dokument fr unsere Pfarre darstellt. Htte sie es jetzt nicht getan, wer wei, ob die nchste Generation noch erzhlen knnte, warum so ein Denkmal entstanden ist und an seinem Platz steht.Mge dieses Buch vielen ein besinnlicher Wegbeglei- ter werden und mgen alle, die vor diesen Kreuzen und Kapellen beten, getrstet und ermutigt in ihren Alltag zurckkehren.

    Franz Dammerer, Pfarrer

    Wir alle sind in eine Welt hinein geboren, die so viel Schnes bietet, dass wir nur staunen und dankbar sein knnen. Diese Welt ist aber nicht vollkommen und schon gar nicht wir Menschen. Wir haben immer wie- der mit Naturkatastrophen zu kmpfen, sind be- droht und gefhrdet durch Schicksalsschlge und berraschenden Ereignissen, die uns manchmal ratlos machen.Weil wir unser Leben nie ganz in den Griff bekommen, haben Menschen zu aller Zeit Zuflucht in ihrem Glau- ben gesucht und da auch Trost und Zuversicht er- fahren. Die vielen kleinen Kapellen, Marterl und Wegkreuze in unserer Pfarrgemeinde sind deutlich sichtbare Zeugen dafr. Sie erzhlen uns von dra- matischen Ereignissen und bitteren Erlebnissen, die Menschen in ihrem Leben machen mussten und sie sagen uns, dass Menschen daran nicht zerbrochen sind, weil sie an den groen und unbegreiflichen Gott glaubten.Sie laden uns auch heute ein, ein wenig nachdenklich und still zu werden und kurz zu verweilen, um un- ser eigenes Leben zu berdenken und das Gesprch

    01 Monsignore Dechant Mag. Franz Dammerer.

    Vorwort von MonsignoreDechant Mag. Franz Dammerer

    01

    mit unserem Schpfer zu suchen. Ich danke Irene Wei, dass sie sich der mhevollen Aufgabe unterzogen hat, all diesen Wegkreuzen und Kapellen nachzusp- ren, Menschen zu befra- gen, die ber die Entste-

  • 6aufgenommen wurde und wie eifrig Fotoalben durch- stbert wurden, um alte Bilder ausfindig zu machen. Bei diesen Besuchen durfte ich so manche kstliche Mehlspeise verkosten und kam auch in den Genuss von selbstgebackenem Bauernbrot danke dafr!Eines Tages suchte ich Maria Eilenberger auf, um sie zu fragen, ob sie einige Objekte bernehmen wolle. Ich schtze ihre Kenntnis alter Urkunden aus den Archiven der Dizese, der Pfarre und anderer Archive. Sie verwies mich auf Texte in den St. Pltner Nachrichten und auf Plne und Bilder, die ich in der Folge zu beschaffen versuchte. Erfreut ber die Zusage arbeitete ich weiter, und Teil um Teil fgte sich zusammen. Nachdem ich ber Franz Wiesenhofer auf das Bildmaterial von Alois M. Wolfram gestoen war, versuchte ich lange Zeit auch an seine Texte zu gelagen. Letztlich kontaktierte ich meinen Retter aus mancher lokalhistorischer Not, Hans-Hagen Hottenroth, der mir den Kontakt zu Dr. Fritz Wolfram verschaffte. Der Freundlichkeit von Dr. Wolfram ist es zu verdanken, dass sich viele Fragen noch klrten. Ich habe viele der Aufzeichnungen seines Vaters in meine Texte eingebunden. Somit finden die Forschungen von Alois Wolfram in diesem Buch einen wrdigen Platz.Einen wunderbaren Fund machte ich zufllig im Internet. Ich fand auf der Homepage der N Landesbibliothek eine Sammlung von Marterl-darstellungen aus Wieselburg aus dem Jahre 1937. Ich habe mich in diesem Buch nicht damit begngt, die Daten und Geschichte der sakralen Denkmler

    ... ich freue mich, dass ich Ihnen den achten Band meiner heimatkundlichen Serie prsentieren darf. Im Jahre 2003 habe ich begonnen, besonders malerische Bildstcke und Kapellen zu fotografieren, um die Bilder zu Weihnachtskarten zu verarbeiten. Die Flle der Bil-der brachte mich auf die Idee, ein Buch ber die sakra-len Kleindenkmler zu schreiben. Als ich erfuhr, dass unser Pfarrer bereits an einem Marterlbuch arbeitet, habe ich das Thema ad acta gelegt. Es vergingen einige Jahre und es erschien kein Buch. So fasste ich eines Tages ein Herz und fragte unseren Dechant, ob er nun an diesem Buch arbeite. Auch er hatte begonnen, die Bildstcke zu fotografieren und einige Texte zu sam- meln, doch fehlte ihm letztlich die Zeit, um ein Buch heraus zu geben. Nachdem er mich sozusagen mit der Aufgabe, die sakralen Kleindenkmler zu-sammenzustellen, betraut hatte, fotografierte ich weiter und versuchte ein vollstndiges Verzeichnis aller Heiligendarstellungen in der Pfarre zu erstellen. Es gelang nur bedingt, denn wieder und wieder entdeckte ich neue Objekte oder erhielt von diesen Kenntnis. Zwischenzeitlich begann ich Literatur zu sammeln und die ersten Gesprche zu fhren. Whrend Pfarrer Dammerer noch immer an ein kleines Taschenbch-lein zum Einstecken dachte, wusste ich bereits, dass ich jedes mir bekannte Detail in das Buch aufnehmen musste, sollte es nicht in Vergessenheit geraten. Meine liebe Bekannte Christa Sprk knpfte die ersten Kontakte fr mich ber den Pfarrkirchenrat. Nun begann jene Phase der Entstehung eines Buches, die ich am meisten liebe nmlich der Kontakt mit den Menschen. Hatte ich bisher vorwiegend im Stadtge- biet meine Ermittlungen durchgefhrt, so brachte mich das neue Projekt vorwiegend mit den Menschen in den Drfern der Landgemeinde in Kontakt. Im Zuge meiner Erkundungen lernte ich die Umgebung von Wieselburg relativ gut kennen, waren doch Ortsbezeichnungen wie Galtbrunn, Forst am Berg oder Hrmannsberg fr mich bisher nur Namen auf der Landkarte gewesen. Ich war berrascht, wie herzlich ich

    02 Alois Maria Wolfram.01 Maria Eilenberger.

    Geschtzter Leser, ...

    0201

  • 7aufzulisten, sondern habe auch sozusagen das Drumherum, Geschicke und Abstammung von Per- sonen und hnliches beigefgt und daher manchmal den Rahmen des Notwendigen gesprengt. Dies ist mit voller Absicht geschehen, weil es oft von Interesse ist, Zusammenhnge zu wissen, die ansonsten verloren gehen wrden, weil sie einfach schwer in einen Rahmen einzufgen sind.Wie bei allen meinen Bchern untersttzte mich auch hier wieder mein Mann mit seinen historischen Kenntnissen und dem Lesen der kurrenten Schriften. Meine Tochter Johanna hat wieder das Layout des Buches gestaltet und mein Sohn Sebastian hat einen Groteil der Bilder bearbeitet. So gesehen ist das Buch ein echtes Familienwerk. Ich habe dem Buch eine lange Dankesliste angefgt, in der alle meine Kontakte aufscheinen und ich hoffe wirklich, niemanden ver- gessen zu haben. Nachdem die Entstehung des vor- liegenden Buches sozusagen fnf Jahre dahingrte, freue ich mich, dass die Fertigstellung in jenes Jahr fllt, in welchem die Pfarre das 50-jhrige Jubilum der Weihe der neuen Kirche feiert. Ich hoffe, dass Sie, geschtzte Leser, doch auch wieder einige Neuigkeiten fr sich selber finden knnen. Vielleicht werden Sie bei Ihren Spaziergngen nun das eine oder andere Kleindenkmal bewusster sehen oder berhaupt erst entdecken. In diesem Sinne wnsche ich Ihnen viel Freude mit dem Buch!Herzlichst Ihre Irene M. Wei

    erhielt ich die Bilder in digitaler Form, doch leider konnte ich ber die Herkunft dieser Zeichnungen nichts erfahren. Bei nherem Betrachten bekam ich den Eindruck, dass es sich um Kinderzeichnungen handelte. Manche, wie jene vom Bildstock in der Grub, waren sehr kindlich, andere wieder schienen mit ziemlich sicherem Strich angefertigt worden zu sein. Laut der Beschreibung im Katalog der Topographischen Sammlung sind die Bilder durchwegs aus dem Jahre 1937. Wie untenstehende Abbildung eines Blattes zeigt, sind die Zeichnungen nummeriert. Ich konnte folgende Nummern ausfindig machen: 3 Hlzerner Bildstock bei Koller in der Grub 4 Holzkreuz bei d5 Gemauerter Bildstock bei Punz, Gemeinde Gumprechtsfelden6 Holzkreuz bei Schiefer in Weinzierl8 Kapelle bei Landstetter in Groa12 Bildstock zu Marbach21 Bildstock zu Bodensdorf26 Bildstock beim Grabenhof30 Kaninghof, Gemeinde Weinzierl

    Eine kleine Geschichte zur Auffindung von Quellen und wieviel Glck man dazu braucht

    Wie eingangs schon erwhnt, entdeckte ich eines Tages durch Zufall auf der Internetseite der N Landesbibliothek einige Bilder von Kapellen und Bildstcken aus der Pfarre Wieselburg. Natrlich nahm ich sofort Kontakt zur Landesbibliothek auf. Sehr rasch 03 Eines der Bilder aus der N Landesbibliothek.

    03

  • 8Schon Wochen vor diesem hchst erfreulichen Fund hatte mir Maria Eilenberger in einem Gesprch mit- geteilt, dass in den 1930er Jahren die Schulen von der N Landesregierung den Auftrag bekommen hatten, die Bildstcke der Umgebung mit Hilfe der Kinder zu erfassen und das Ergebnis an die Landesregierung zu bermitteln. Sie erinnerte sich noch, dass in Wiesel- burg diese Aufgabe Fachlehrer Albrecht Steuer ber-nommen hatte. Frau Eilenberger konnte im N Landesarchiv seinerzeit im Eingangsbuch 1937/38 eine Mappe mit der Aufschrift Marterlerfassung aus-findig machen, welche den Vermerk exhibit trug und leer war. Die Besttigung dieser Geschichte fand ich in der Chronik der Volks- und Hauptschule Wieselburg: Am 17. April 1937 wurde ein genaues Verzeichnis smtlicher im Pfarrsprengel Wieselburg befindlicher Marterl an die Direktion der n. Landessammlungen eingesendet. Die Sammelarbeit hat in mustergltiger Weise Hr. Fl. Steuer durchgefhrt. Durch weitere Recherchen im Landesarchiv konnte ich eruieren, dass bereits am 25. Februar 1935 ein Schrei- ben an die Brgermeister ergangen war: Ein wichtiger Faktor im n.. Landschaftsbilde sind die zahlreichen Marterln, Kapellen und Denksulen, sie finden sich in jeder Gemeinde unserer Heimat. Die Sorge um die Kenntnis unserer niedersterreichischen Heimat ge- bietet, sie alle systematisch zu sammeln. Die Direktion der n.. Landessammlungen, mit dieser Aufgabe be-traut, bittet Sie, sehr geehrter Herr Brgermeister, um Ihre wertvolle Mitarbeit bei dieser Sammlung durch kostenlose Einsendung von Lichtbildern (Min-destgre 9 mal 12 cm) oder Zeichnungen. Auf der Rckseite jedes Bildes wren der genaue Standort des Marterls, der Kapelle oder Denksule und allfllige Inschriften mit Tinte anzumerken. Die Vorderseite des Bildes ist jedenfalls von Bemerkungen frei zu halten. Sollte es nicht mglich sein, Bilder oder Zeichnun- gen anfertigen zu lassen, so ersucht die Direktion der n.. Landessammlungen wenigstens um ein vollstn-diges Verzeichnis aller in Ihrem Gemeindegebiete befindlichen Marterln, Kapellen und Denksulen nebst genauen Standortsangaben und sagen fr Ihre freundliche Mhewaltung schon im Vorhinein ihren verbindlichsten Dank.

    Vermutlich hatte dieser Aufruf an die Brgermeister wenig Erfolg, weshalb zwei Jahre spter ein Versuch unternommen wurde, ber die Schulen an die Verzeichnisse und Bilder zu gelangen. Wie schon erwhnt, bermittelte die Direktion der Volks- und Hauptschule Wieselburg ein Konvolut von Zeichnungen mit folgendem Begleitschreiben: In der Anlage wird ein genaues Verzeichnis smtlicher im Pfarrsprengel Wieselburg befindlicher Marterln vorgelegt. Dieser Sprengel umfasst die Gemeinden: Wieselburg, Weinzierl, Wechling, Marbach, Mhling und Gumprechtsfelden. Gezeichnet ist dieses Schreiben vom damaligen Direktor der Volks- und Hauptschule Wieselburg Josef Fellinger 1). Mit 5. Mai 1937 sandte die Direktion der n.. Landessammlungen ein Dankschreiben an die Direktion der Wieselburger Schule: Die Direktion der n.. Landessammlungen beehrt sich fr die umfangreiche Marterlsammlung den besten Dank auszusprechen.Leider sind mit dem Verschwinden der Zeichnungen auch Informationen von unschtzbarem Wert verschwunden. Mit Sicherheit htte das Auffinden der Zeichnungen noch etliche in diesem Buche offen gebliebene Fragen zu beantworten vermocht.Weitere Anfragen beim Bundesdenkmalamt, im Dizesanarchiv und in der Bildersammlung der Nationalbibliothek blieben leider erfolglos.

    Kapellenstandorte Orte der Kraft?

    Aufgrund verschiedener Hinweise aus der Literatur und eines glcklichen Umstandes, dem ich die Bekannt- schaft von Josef Koch aus Drnbach verdanke, lie mich die Idee nicht mehr los, die Standpltze von sakralen Kleindenkmlern auf Wasseradern, Erd- strahlen und Kraftfelder untersuchen zu lassen. Ich wandte mich also eines Tages an Herrn Koch und frag- te ihn, ob er Interesse an einem kleinen Experiment

  • 9Organismen einwirken. Relativ nahe an der Erdober-flche verlaufende Wasseradern knnen in Trocken-zeiten auch einmal verschwinden bzw. in Regenzeiten pltzlich auftauchen. Da sich die Wasseradern in unterschiedlichen Tiefen im Erdreich befinden, kann es auch sogenannte Wasseraderkreuzungen geben. Diese Zonen sind besonders gefhrlich.u Ley-Linien, auch Drachenlinien genannt, sind ge- radlinig und verbinden Kultsttten und Orte der Kraft miteinander. Sie sind unsichtbare energetisch geladene Bahnen, welche hunderte von Kilometern lang sein knnen. Sie verfgen oft ber eine Breite von mehreren Metern. Diese Energiebahnen sind mit jenen im menschlichen Krper zu vergleichen. Genauso wie man durch Akupunktur den Fluss der Energie steuern kann, kann auch der Mensch durch verschiedenste Manahmen Einfluss auf die Ley-

    htte. Er berlegte nicht lange, wollte aber noch seinen Bekannten, den Rutengnger Leopold Hirsch aus Pbring, beiziehen. Inzwischen whlte ich jene Bildstcke und Kapellen aus, die wir unter die Lupe nehmen wollten.Zum besseren Verstndnis mchte ich hier eine kurze Information zur Klrung einiger Begriffe geben: Energien werden in zwei grundlegende Formen unterteilt, nmlich in die linksdrehenden und in die rechtsdrehenden. Die linksdrehenden Energien sind schwchend (negativ), die rechtsdrehenden sind str-kend (positiv). Nicht zuletzt wirken Wasseradern, Erd-verwerfungen, Hartmanngitter, und Currylinien auf das gesamte Leben und auf unser Wohlbefinden. u Die Hartmannlinien bilden ein Netz, das ber den gesamten Erdball verluft deswegen heit es auch Globalgitternetz. Die Linien sind ca. 20 cm breit und verlaufen gleichmig im Abstand von etwa 2 - 2,5 m. Sie lassen sich nahezu nicht ablenken! An den Kreuzungspunkten ist das Strahlungspotential doppelt so hoch wie an den Linien selbst. Die Linien gelten als harmlos, die Kreuzungsflchen sollte man meiden. u Das Curry-Gitter oder Diagonalgitter nach Dr. Curry verluft diagonal zu den Hartmanngitterlinien und es hat diesen gegenber eine Besonderheit: Die Linien sind vernderlich. Sie sind abhngig vom Gelndeverlauf, von Aktivitten der Sonne und der Gezeiten, sie lassen sich auch von anderen Erdstrahlenphnomenen ab-lenken. Der Linienabstand schwankt zwischen 2,5 und 3,5 m, die Linien selbst sind meist 40 bis zu 70 cm breit! Auch hier ist das Strahlungspotential an den Kreuzungen doppelt so hoch wie an den Linien selbst.u Verwerfungen sind Zonen, in denen es durch geo- logische Aktivitten zu Vermischungen von verschie-denen Erdschichten gekommen ist. Verwerfungen knnen als Folge von Erdbeben, Erdrutschen oder Vulkanausbrchen entstanden sein. Solche Zonen kommen meist recht groflchig vor. Im gesamten Bereich von Verwerfungszonen ist erhhte Erdstrahlung feststellbar sowie eine Vernderung des natrlichen Erdmagnetfeldes.u Wasseradern sind Zonen im Erdreich, in denen sich Wasser bewegt. Durch die Reibung am umliegenden Material entstehen Schwingungen oder Felder, die auf

    04 Leopold Hirsch auf der Suche nach Wasseradern.

    04

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    Kraftpltzen rechtsdrehendes Wasser vorhanden ist, ebenso wie Curry- und Hartmannkreuzungen.u Als erstes Objekt wollte ich mit den beiden Herren den Bildstock beim Grabenhof aufsuchen, weil ich wusste, dass dieser versetzt wurde und ich auch den alten Standort kenne. Es zeigte sich, dass auf dem Platz der alten Kapelle rechtsdrehendes Wasser, Hartmann- und Currylinien vorhanden waren. Die Boviseinheit im seelischen, geistigen und materiellen Bereich betrug den hohen Wert von 13.500. Alle Messdaten wiesen auf besondere Harmonie an diesem Platz hin. Der Standort der alten Kapelle war wie vermutet kein zuflliger. Seine Kraft wurde noch durch die Anwesenheit der alten Linde verstrkt. Bei nherer Betrachtung des Standortes der neuen Kapelle zeigten sich weder magnetische Linien noch Wasser und die Boviseinheiten hatten hier nur einen Wert von 4000 bis 6000. Fr mich ist das ein Beweis, dass man alte Bildstcke nicht versetzen soll. In Rottenhaus wurde der renovierungsbedrftige und von den Wurzeln der alten Linde bedrohte Bildstock belassen, aber dafr die Linde entfernt eine durchaus akzeptable und praktikable Variante zur Erhaltung des Standortes eines sakralen Denkmales.

    Linien nehmen. Die sogenannte Lithopunktur versucht durch Steinsetzungen die Energie ungehindert flieen zu lassen, wo sie durch Architektur, Verkehrsflchen und andere Barrieren gestrt ist. Ley-Linien knnen positiv oder negativ geladen sein. Wo sie sich kreuzen befindet sich ein Kraftort, ein sogenanntes Ley-Center. Die Rmer sollen ihre langen geraden Straen entlang von Ley-Linien gebaut haben, damit die Soldaten auf lngeren Mrschen Energie tanken konnten. Die groen Wallfahrtsorte sind durch Ley-Linien verbunden. Die Ley-Linien tragen enorme Lebensenergie in sich. Wo diese fliet, werden die Menschen inspiriert und das Wachstum von Flora und Fauna gefrdert. Aus prhistorischer Zeit sind uns Pltze bekannt, an denen mit besonderer Kraft eigene Rituale ausgefhrt wurden. Solche Kraftorte ermglichen Tier und Mensch ein schnelles Auftanken mit Lebensenergie. Oft wurden Feldkreuze und Kapellen auf solchen Kraftorten gebaut.u Um die Biologische Qualitt messen zu knnen, entwickelte der Physiker Bovis das Biometer. Die Biologische Qualitt wird in der entsprechenden Einheit, genannt Boviseinheit, gemessen. Nun muss noch angefhrt sein, dass an den besonderen

    05 + 06 Josef Koch bei seinen Mesungen beim Kreith-Stckel.

    05 06

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    vorhanden. Hier zeigte sich noch die Besonderheit einer Sakralen Zone, die Herrn Koch zu denken gab. Ich erinnerte mich, dass ehemals der Altar in der Kapelle aus der Reinsberger Kirche stammte und der Engel und die Muttergottes mit dem Kinde noch immer als Relikte des alten Altares vorhanden waren. Mglicherweise sind die Figuren der Grund fr diese besonderen Messergebnisse.u Die Zeit war schon fortgeschritten und ich wollte unbedingt noch das Rote Kreuz in Oed begutachtet wissen. In der nahen Umgebug des fast vier Meter hohen, mit einem Schieferdach gedeckten Bildstockes waren weder Wasser, noch Curry- oder Hartmannlinien feststellbar. Das war sehr verwunderlich. Bei nherer Betrachtung fanden sich aber in elf Metern Entfernung sowohl Wasser wie auch Linien wieder. Was das bedeutete, zeigte sich erst bei der Messung der Boviseinheiten, die in allen drei Rumen 19.000 (!) betrug. Somit war klar, dass die Energie dieses Platzes so hoch ist, dass die Linien berlagert werden. Das Energieband, welches bisher hchstens 160 Einheiten angezeigt hatte, lie das Pendel bis zum Wert von 1280 ausschlagen. Es zeigten sich auch sehr starke Ley- Linien. Nachdem keine geopathische Zone feststellbar war, ist es schwer zu glauben, dass sich hier ein Galgen befunden oder auch Schlachten stattgefunden htten. Vielmehr knnten die Messungen eine Unter- mauerung der These Stefan Denks sein (siehe Kapel- lenbeschreibung Rotes Kreuz).

    u Als nchstes besuchten wir das Kreith-Stckel in Wechling. Wieder waren rechtsdrehendes Wasser, Curry- und Hartmannkreuzungen sowie auch Ley-Linien vorhanden. Die geistige und seelische Qualitt hat hier den hohen Wert von 18.000 Bovis. Die Gre des Kraftfeldes betrgt etwa vier Quadratmeter, es ist jedoch eine geopathische Zone in der Umgebung, die eventuell auf ein frheres Schlachtfeld hinweist.u hnliches wie beim Grabenhof-Bildstock zeigte sich bei der Strblitzer Dorfkapelle. Allerdings wussten wir zu Beginn nicht, dass es auch hier einen alten Standplatz gab und fhrten den geringen Kraftplatz auf den jungen Bau der Dorfkapelle zurck sowie auf die Tatsache, dass die Menschen des 20. Jahrhunderts andere Kriterien bei der Standortwahl ins Auge fassen als es frher der Fall war. Noch bevor uns Herbert Ramsauer von der alten Kapelle erzhlte, stellte Leopold Hirsch fest, dass sich etwa 19 bis 20 m von der jetzigen Kapelle entfernt ein Kraftplatz befnde. Whrend die Boviseinheiten am neuen Standort im geistigen und seelischen Berich 12.000 und im materiellen Bereich 6.500 betrugen, lieen sich am alten Standort im geistigen und seelischen Bereich 18.000 und im materiellen 13.000 Einheiten feststellen.u Meine Neugier stieg, als wir uns der Stelle nherten, wo sich frher das Deisel-Kreuz befand. Wrde es mglich sein, den Platz mit der Rute und dem Biometer zu finden? Nach lngerer Suche kamen meine beiden Begleiter zum Schluss, den Platz gefunden zu haben und es war jener, den mir Anton Trmmel aus Schadendorf wenige Tage zuvor gezeigt hatte. Die gesamte Energie des Platzes war negativ und auf der emotionalen Ebene zeigten sich Messergebnisse, die auf das damalige Unglck hinweisen.u Die Schadendorfer Dorfkapelle zeigte wieder alle Indzien eines Kraftplatzes: rechtsdrehendes Wasser, Curry- und Hartmannkreuzungen sowie seelische und geistige Boviseinheiten von 16.000 und materielle Werte von 10.000 Bovis.u Anschlieend hatte mich noch die Brunninger Dorfkapelle aufgrund ihrer bewegten Geschichte auerordentlich interessiert. Currykreuzung, Hart-mannkreuzung und rechtsdrehendes Wasser sind 07 Leopold Hirsch mit seiner Wnschelrute.

    07

  • 12

    Berging

    HaagBodensdorf

    Plaika

    Mhling

    1

    2

    Berging

    1 Der Dorfbildstock in Berging2 Florian auf dem Hof von Alois und Anna Teufl, Berging Nr. 5

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    Kurz vor der Ortstafel Berging befindet sich, wenn man von Wieselburg kommt, ein gepflegter Kapellen- bildstock am rechten Straenrand. Das Bnkchen davor ladet zu einer kurzen Rast und zum Betrachten. Im Inneren des Bildstockes steht eine Marienstatue, die vom Mhlinger Schnitzer Ernst Waclavec stammt.Der Bildstock wurde 1990 neu erbaut und gehrt der Dorfgemeinschaft Berging. Am 22. Mai 1990 wurde er im Rahmen einer Maiandacht von Pfarrer Dammerer feierlich geweiht. Alljhrlich findet hier die Maiandacht der Dorfbewohner von Berging statt. Auerdem pflegt man in Berging noch das Kreuzbeten und den Florianirosenkranz. Schon lange Zeit bestand an dieser Stelle ein Bildstock, dessen Front allerdings zur Wieselburger Kirche gerichtet war und den zwei riesige Kastanienbume behteten. Angeblich ist die Kapelle ber Pestgrbern erbaut worden. Leopoldine Steiner erinnert sich noch, dass die Hgel der Grber zu sehen waren.

    01 Die Weihe des Bildstockes nahm Dechant Mag. Franz Dammerer vor. 02 Der Kapellenbildstock von Berging. Links im Hinter-grund Weinzierl, rechts die Huser von Haag und die Wieselburger Kirche.

    Der Dorfbildstock in Berging01

    01

    02

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    30 cm Tiefe, die ein auf Blech primitiv gemaltes Bild birgt. Man sieht oben die hl. Dreifaltigkeit, darunter die drei Pestpatrone Rochus, Rosalia und Sebastian. Das Bild ist gezeichnet: F. Foertsch. Die Nische ist durch ein schnes Schmiedeeisengitter abgeschlossen. stlich zeigt die Seitenwand des Bildstockes auen eine kleine Nische von 35 cm Hhe, 30 cm Breite und etwa 5 cm Tiefe. Sie blickt gegen den Fahrweg und hat vermutlich einst auch ein Bild geborgen. Vor dem Bildstock steht eine Kniebank, etwas entfernt eine Sitzbank. In den Aufzeichnungen Wolframs findet sich die Geschichte von August Reisinger, geboren 1913, Bauer in Berging Nr. 1 wieder, welche dieser 1970 erzhlte: Die Kapelle gehrt dem ganzen Dorfe. Sie ist 1868 erbaut worden, bis vor kurzem hat man noch die Jahreszahl ber der Nische lesen knnen. Wie meine

    Meine Freude war gro, als ich bei Familie Dachsberger das Bild aus dem alten Bildstock ausfindig machen konnte. Es ist auf Blech gemalt und noch in her-vorragendem Zustand. Am rechten unteren Bildrand ist die Signatur F. Forrtsch zu erkennen. Angeblich wurde das Bild nach dem Krieg vom Maler Johann Schneider restauriert. Dieser war der Onkel von Helga Leitzinger und erlernte das Malerhandwerk bei seinem Onkel Leopold Schneider, der sein Maler- geschft in der Mankerstrae hatte. Genaueres ber den alten Bildstock wei Alois Wolf- ram in seinen Aufzeichnungen zu berichten: Etwa 100 Schritte nrdlich der Huser von Berging steht zwi- schen zwei alten Kastanienbumen ein Bildstock ohne Kreuz auf dem Dache. Er ist 295 cm hoch, 170 cm breit und 75 cm tief. 85 cm ber dem Boden beginnt eine Rundbogennische von 108 cm Hhe, 78 cm Breite und

    03 Der Kapellenbildstock von Berging. 04 Der alte Bildstock zwischen den Kastanienbumen.

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    Gromutter und alle alten Leute erzhlt haben, ist dort, wo die Kapelle steht, ein Pestfriedhof. Einmal soll bei der Pest der ganze Ort ausgestorben sein, nur ein Knecht soll als einziger brig geblieben sein. Wann dies gewesen ist, wei niemand mehr. Auch hier besteht angeblich, wie in Mhling und Gumprechtsfelden, ein altes Versprechen, die Leichen zum Friedhof nach Wieselburg zu tragen und beim Bildstock abzusetzen um fr den Verstorbenen zu beten. Frher, so erzhlte Herr Reisinger, fanden bei der Kapelle Maiandachten statt. Vorbeter war ein gewisser Schragl, Vorbesitzer des Hofes. Als er 1905 verstarb, hat man mit den Maiandachten aufgehrt. 1906 brannte der ganze Ort infolge eines Blitzschlages ab. Dies, so meinten die Leute, sei die Strafe dafr gewesen, dass man die Maiandachten hat abkommen lassen.Mglicherweise stand auf dem Platz des Pestfriedhofes immer schon ein Kreuz, das 1868 durch den beschriebenen Bildstock ersetzt wurde.

    05 Der alte Bildstock hatte an der stlichen Seitenwand eine kleine Nische, die zum Fahrweg gerichtet war und vermutlich einst auch ein Bild barg . 06 Franz Dachsberger, Maria Schnatt mit Maria Dachsberger auf dem Scho, Traude Teufl, Christine Teufl, Josefa Schaufler am 14. Juni 1966 vor dem Bildstock. 07 Das Blechbild aus dem alten Bildstock, das noch gut erhalten ist, fand sich auf dem Dachboden der Familie Dachsberger.

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    Seit 1876 ist Familie Teufl Eigentmer des Hofes Berging Nr. 5.Im Jahre 1906 wurde Berging von einer schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht, bei der alle Huser, bis auf ein am Rande des Dorfes gelegenes Gehft, abbrannten. Das Feuer entstand durch Blitzschlag. Bei einem schrecklichen Gewitter fuhr ein Blitz in den Rauchfang des Hauses der Familie Dachsberger, bahnte sich den Weg durch den Ofen in die Stube und fuhr durch das Vorhaus in den Hof, wo er den Stadel anzndete. Da damals die Dcher noch strohgedeckt waren, brannte bald das ganze Dorf. Der von der Donau kommende Wind begnstigte die Brandausbreitung enorm.Beim Wiederaufbau des Hofes der Familie Teufl wurde, um knftig Schutz vor Feuer zu erbitten, eine Florianifigur in eine Nische an der straenseitigen Hoffront gestellt. Hier steht sie nun seit bereits ber 100 Jahren.

    08 Der Florian auf dem Haus Berging 5. 09 Das Haus der Familie Teufl in Berging 5. 10 Die Inschrift ber der Haustr lautet N5 19 JJT 06.

    Florian auf dem Hof von Alois und Anna Teufl, Berging Nr. 5

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    Bodensdorf

    Wieselburg

    BergingMhling

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    Bodensdorf

    1 Bildstock beim Hof von Franz und Anna Hlzl, Bodensdorf 92 Christophorus von Franz und Anna Hlzl, Bodensdorf 93 Kruzifix am Kellerstckel der Familie Aigner, Bodensdorf 84 Florian auf dem Haus der Familie Gerstl, Bodensdorf 75 Bildstock beim Hof von Leo und Maria Wurzer, Bodensdorf 5

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    Im Jahr 1977 hatte Franz Hlzl einen schweren Unfall. Bei Arbeiten im Stall hatte ihn ein Stier von 700 kg Krpergewicht mit der Schnauze hochgehoben und auf den Betonboden geworfen. Dabei erlitt Franz Hlzl schwerste Kopfverletzungen und es war nicht sicher, ob er den Unfall berleben wrde. Jahre zuvor hatte er bereits eine schwere Erkrankung berlebt. Zum schuldigen Dank errichtete Franz Hlzl 1998 einen Sulenbildstock mit tabernakelartigem Aufsatz, in dem sich eine Leonhardifigur eines Salzburger Schnitzers befindet. Der gesamte Bildstock entstammt der geschickten Hand Franz Hlzls von der Planung bis zur Ausfhrung.

    01 Der Bildstock neben dem Hlzl-Hof hebt sich von den Silberfichten im Hintergrund ab. 02 Die Statue des Hl. Leonhard ist das Werk eines Salzburger Knstlers. 03 Der stattliche Hof der Familie Hlzl in Bodensdorf mit dem Sulenbildstock.

    Bildstock beim Hof von Franz und Anna Hlzl, Bodensdorf 9

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    An der Straenkreuzung vor dem Hof Bodensdorf 9 kann man das Monumentengrtlein von Franz Hlzl nicht bersehen. Er hat es mit eigener Hand angelegt. Erstens deshalb, weil er Steine gerne mag; zweitens, weil er es um seinen Hof herum schn haben will und drittens, weil er zur Jahrtausendwende etwas Besonderes schaffen wollte.Er baute in das vordere Zentrum einen kreisfrmigen Sockel auf dem ursprnglich eine Granitfigur des Hl. Christophorus platziert war. Er entschied sich fr den Schutzheiligen der Autofahrer, weil erstens der Stand-ort neben der Strae gelegen ist und zweitens Franz Hlzl tausende Stunden auf seinem Traktor verbrachte ganz Wieselburg kennt ihn als Lenker seines blauen Traktors.Den Christophorus bestellte Herr Hlzl bei der Firma Schuberth, welche die Figur in China anfertigen lie. Entsprechend chinesischen Verhltnissen ist die Figur des Heiligen relativ gedrungen ausgefallen, doch nicht minder schwer, denn sie wiegt 2500 kg. Die am 3. De-zember 2004 aufgestellte Heiligenfigur stand aber nicht einmal ein Jahr, da sie dem Besitzer nicht gefallen wollte. Unglcklicherweise stand sie so, dass er sie aus dem Schlafzimmerfenster sehen konnte. Jeder Tag endete mit einem Blick auf den chinesischen Christophorus und jeder Tag begann mit einem Blick auf die ungeliebte Statue. So musste der steinerne Christophorus nach kurzem Aufenthalt in Bodensdorf das Backsteinpodestchen verlas-sen und einem Bacchus wei-chen.

    04 + 05 Der Chinesische Christophorus im Monumenten-grtlein des Franz Hlzl.

    Christophorus von Franz und Anna Hlzl, Bodensdorf 9

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    Das alte Kellerstckel, das immer schon zum Gasthaus gehrte, hatte unter dem blichen Keller noch einen zweiten, tieferen Keller. Das erklrt sich so: Frher wur- de auf der Strae nach Gresten Maut eingehoben. Jene Fuhrwerker, welche die Maut nicht zahlen konnten, mussten ihre Waren als Pfand im Keller lagern.

    06 Das Keller-stckel der Familie Aigner in Bodensdorf. 07 Das alte Kellerstckel mit der leeren Nische. 08 Der Abriss des alten Kellerstckels. 09 Das Kruzifix am Kellerstckel ein Dachboden- fund von Hans Aigner.

    Das Kellerstckel hatte frher nur zwei Zimmer, die brigen Rumlichkeiten waren als Krnerkasten in Verwendung. An die Nische am Kellerstckel kann sich Hans Aigner sen. immer schon erinnern, jedoch war sie leer. 1987 baute er das alte Gebude zu einem Wohnhaus um. Die Front des Stckels blieb erhalten, der Rest des Gebudes wurde jedoch gnzlich abgerissen und im Zuge der Erneuerung auch vergrert. Beim Abriss fand sich am Dachboden ein Kreuz, welches genau in die Nische passte. Das Kreuz wurde von Maler Kollmer restauriert und in der Nische angebracht.

    Kruzifix am Kellerstckel der Familie Aigner, Bodensdorf 8

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    den Entschluss, die Schnitzerei zu ihrem Hobby zu machen. Sie besuchte einen Schnitzkurs in der Volks-hochschule Scheibbs und vertiefte ihr Knnen spter durch vier Winterkurse bei Josef Lechner. Ihr erstes Werk, ein Christuskopf, ziert des Vaters Grabstein.

    Im Jahre 2001 gestalteten Karl und Waltraud Gerstl die Fassade ihres Hofes neu und bauten bei dieser Gelegenheit eine Nische fr eine Heiligenstatue ber dem Hoftor. In das schwere, hlzerne Sonnentor sind die Initialen KG fr Karl Gerstl und die Jahreszahl 1979 geschnitzt. Die zierliche Nische, zentral ber dem Tor, weist eine sockelhnliche Gestaltung auf. Die Statue des Hl. Florian, die auf einer Steinplatte in der Nische postiert ist, entstammt der Werksttte der Mhlinger Schnitzerin Hilde Ttzl.u Hilde Ttzl wurde am 16. Juni 1936 geboren und ist die Tochter des Schnitzers Ernst Waclavec. Hilde war Sekretrin in der Kanzlei von Dr. Knechtl in Scheibbs und wechselte spter in die Wirtschaftskammer, eben-falls in Scheibbs. Schon als ihr Vater in der Pension zu schnitzen begann, unterhielt sie sich gerne mit ihm am Feierabend ber sein knstlerisches Tagewerk und wuchs so unbemerkt in dieses Genre hinein. Als der Va-ter im Spital einmal seine Sorge kundtat, was sie denn mit all den Schnitzmessern anfangen werde, fasste sie

    10 Der Hl. Florian ber der Hofeinfahrt. 11 Der Hof der Familie Karl und Waltraud Gerstl in Bodensdorf 7.12 Die Schnitzerin Hilde Ttzl aus Mhling.

    Florian auf dem Haus der Familie Gerstl, Bodensdorf 7

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    Einen ungewhnlichen Standort hat der Kapellen-bildstock der Familie Wurzer, denn er befindet sich an der Rckseite des Hofes und ist der Umfahrungsstrae von Bodensdorf zugewendet. Er ist am alten Schul- und Kirchenweg von Marbach nach Wieselburg gelegen und ffnet sich mit seiner Nische direkt der Wetter- seite. Diese ungewhnliche Ausrichtung und das drei- blkige Kreuz lassen auf ein Wetterkreuz schlieen. Alois Wolfram schreibt dazu folgendes: 1) In Ober-krnten errichtete man groe Wetterkreuze mit drei Balken, wobei der mittlere Balken ber die beiden anderen hinausragt. Diese Kreuzform war bei uns nicht blich und Wolfram schreibt, dass er eine solche Form nur einmal in unserer Gegend angetroffen hat und zwar am Bildstock in Bodensdorf hinter dem Hausgarten des Hofes Bodensdorf Nr. 5 (Wurzer), der

    13 Der Bildstock in Bodensdorf. 14 Das Email-Bild von Inge Naske. 15 Das Marienbild, welches frher die Nische zierte.

    Bildstock beim Hof von Leo und Maria Wurzer, Bodensdorf 5

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    aber zum Haus Bodensdorf Nr. 8 (Gasthaus Aigner) gehrt. Der Bildstock gehrte frher tatschlich zu den Grnden des heu- tigen Gasthauses Aigner, kam aber durch Grundtausch in den 1930er Jahren in das Eigentum der Familie Wurzer. Leider ist es mir nicht gelungen, ber den Bildstock und seine Geschichte etwas in Erfahrung zu bringen. Schon auf der alten Zeichnung aus dem Jahre 1937 steht Widmung unbekannt. Damals zierte ein Muttergottesbild das Marterl. Auf einem alten Bild, vermut-lich aus dem Jahre 1970, kann man im Inneren des Kapellen-bildstockes ein Marienbild erkennen. Auf einem weiteren Bild aus dem Jahre 1964 sieht man neben dem Bild noch mehrere Heiligenfiguren und kleine Bilder dazwischen aufgestellt. In der Vergrerung ist eine Statue als Herz-Jesu-Darstellung erkenn- bar. Die Statue im Vordergrund ist mglicherweise ein Engel.

    16 Die Zeichnung aus dem Jahre 1937 zeigt den Bildstock mit einem einfachen Kreuz auf dem Dach. 17 Der Bildstock im Jahre 1964. 18 Der alte Bildstock mit dem Marienbild von Abbildung 15. 16

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    Heute befindet sich ein Emailbild von Inge Naske im Bildstock. Es zeigt eine Mutter mit Kind. Die Mutter ist mit roten und grnen Gewndern dargestellt. Das Bild ist datiert mit 1997.Auf den alten Fotografien ist links vom Bildstock eine Birke zu sehen. Heute sieht man Buchskugeln links und rechts neben dem Bildstock. Eine dichte grne Wand aus Smaragdthujen gibt dem Ensemble ein fast sdlndisches Flair. Besonders auffllig und charakteristisch ist die Auengestaltung des Bildstockes. Links und rechts der Bildnische finden wir kanneliertes Putzwerk, das durch ebenfalls aus Putz bestehenden Quadern bo-genfrmig miteinander verbunden ist. Das hervor- gehobene Giebeldreieck symbolisiert die Dreifaltig- keit. Alljhrlich wird eine Maiandacht beim Bildstock abgehalten.

    19 Familie Schneider vor dem Bildstock. 20 Der Bildstock im Winter. 21 Hans Aigner vor dem Bildstock.

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    Brunning

    Marbach

    Unteretzerstetten

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    Brunning

    1 Schachinger Kreuz2 Heiligennische am Hof des Anton Jungwirth, Brunning 133 Die Dorfkapelle in Brunning4 Heiligennische am Haus von Josef und Martha Schachinger, Brunning Nr. 125 Haus der Familie Franz Kendler, Brunning Nr. 86 Heiligennischen am Hof von Anton und Gertrude Jungwirth, Brunning Nr. 37 Das Brunninger Wegkreuz

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    von der Familie Schachinger vulgo Scherzenbauer Brunning 9, errichtet. Auf einem rund drei Meter hohen Holzkreuz hngt der auf Blech gemalte Christus. Darunter findet sich eine kleine Blechtafel, auf welcher folgender Spruch geschrieben steht:

    Woher wohin O' Wandersmannsteh' still und schau deinen Heiland an

    Betrachte seinen blutigen SchweiBet' einen Vaterunser und setz fort die Reis

    An den Querbalken des Kreuzes sind an die Rckseite zwei Blechtfelchen genagelt mit der eingestanzten Inschrift Anton 23. 3. 1934.

    Dazu gibt es schaurige Geschichten zu erzhlen: 1) Eines Tages ging eine Frau aus Wieselburg von Brunning heim. Als sie zur Spirrahech kam, hrte sie hinter sich Rsser traben. Das war so unheimlich, dass sie vor lauter Angst so schnell rannte, wie sie nur konnte, aber die Rsser blieben hinter ihr.Anton Jungwirth erzhlte mir im Jahre 2007 die berlieferung seiner Mutter Maria, geboren 1902, Altbuerin in Brunning 13. Ihr selbst war Folgendes passiert: Eines Tages ging sie mit ihrer Enkeltochter

    Auf der Strae von Wieselburg nach Steinakirchen sieht man, bevor man die Hhe von Brunning er-reicht, linker Hand ein Wldchen aus Laubbumen und Struchern, das sich mehrere hundert Schritte entlang der Strae zieht. Es ist nicht breit. Wer es durchschreitet, steht schon nach wenigen Schritten vor einem fast senkrechten Abbruch, einem etwa 15 Meter hohen Steilhang. Der Name der Anhhe, auf der sich das Wldchen befindet, lautet Spirrahech (= Sperr-hhe). Der Strae folgend sieht man etwa 150 bis 200 Schritte nach dem Wldchen rechter Hand rund 50 Meter vor der nrdlichen Ortseinfahrt Brunning zwischen einer Gruppe von Mostbirnbumen, das Schachinger-Kreuz. Es wurde in den 1930er Jahren

    Schachinger Kreuz01

    01 Das Schachinger Kreuz, im Hintergrund eine schne Mostobstbaumreihe. 02 Eine alte Aufnahme des Kreuzes.

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    Aber auch Anton Schachinger, Bauer auf dem Haus Brunning 9, hatte dort seine unheimlichen Erfahrungen gemacht. Einmal wollte er in die Kirche nach Wieselburg gehen. Frau Jungwirth, die den gleichen Weg wenig spter ging, traf auf den Nachbar ungefhr dort, wo heute das Kreuz steht. I kann koan Schritt weitergehn, da halt mi was auf! sagte er. Wie aber dann Frau Jungwirth mit ihm gegangen ist, konnte er auch weitergehen. Der Scherzerbauer hat oft zu Maria Jungwirth gesagt: I geh durt, du gehst durt siagst du nix? Der Johann Schachinger Scherzerbauer hat immer was ge-sehen, deshalb lie er in den 1930er Jahren das Kreuz bauen er starb 1953, sein Sohn Anton Schachinger starb 1995. Josef Hofmarcher erzhlte mir, dass Rudolf Vor-laufer, Maler in der Brauerei Wieselburg, immer dann herbeigerufen wurde, wenn das Schachinger Kreuz zu streichen war. Dies besttigte Walter Doll, Schwiegersohn von Herrn Vorlaufer.

    schon vor sechs Uhr frh zur Zughaltestelle nach Mar- bach an der Kleinen Erlauf. Um den Weg abzukrzen, folgten die beiden aber nicht der Strae, sondern sie benutzten den alten Weg im Boden, der unterhalb des Wldchens vorbeifhrte. Pltzlich schwebte eini- ge Schritte vor den beiden eine Totentrucha, al-so ein Sarg, etwa einen Meter ber dem Boden. Hinter ihnen schrieen Katzen ganz schrecklich. Das Kind drehte sich ein paar mal vor Angst um und entdeckte auch einen Hund mitten unter den Katzen. Noch bevor die beiden die Spirrahech erreichten, hrten sie aber das Sechsuhrluten der Glocke in der Brunninger Dorfkapelle, die jeden Tag drei Mal zum Gebet ertnt. Beim Ruf der Glocke schlug die Gromutter das Kreuz, nicht wegen der Totentrucha und der Katzen, sondern weil sie den Engel des Herrn beten wollte. In demselben Augen-blick sagte die Enkelin: Die Katzen sind verschwun-den und a die Totentrucha is nimmer da! Wirklich war alles verschwunden gewesen. Die Enkeltochter, die 1945 geboren wurde, ging damals das letzte Jahr zur Schule, dieses Erlebnis muss also 1958 gewesen sein.

    03 Das Kreuz steht direkt an der Strae in das Kleine Erlauftal. 04 Der Scherzerbauer in der Bildmitte sitzend.

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    1880 wollte der Grovater von Anton Jungwirth sein im Rohbau stehendes Bauernhaus verputzen. Zu die-sem Zweck hatte er Sand aus der nahen Kleinen Erlauf geholt und der Sandhaufen wartete darauf, verarbeitet zu werden. Als 1886 die Dorfkapelle gebaut wurde, lag der Sand-haufen noch immer da, so wurde er zum Kapellenbau verwendet. Das Hausverputzen musste nun bis zum Jahre 1956 warten. Bei dieser Gelegenheit wurde an jener Seite, die der Kleinen Erlauf zugewendet ist und an der sich auch der Haupteingang zum Haus befindet, eine Nische errichtet, die seit 1956 eine Marienstatue aus Gips beherbergt. Maria Jungwirth, die Mutter von Anton, hatte sie aus St. Plten geholt. Der Hauseingang mit der Nische ist zur ehemaligen Ei-senstrae gerichtet.

    05 Die Madonna in der Nische ist durch eine Verglasung geschtzt. 06 Der alte Hauseingang mit der Nische auf der ehemaligen Straenseite des Hofes. 07 Die Gips-Madonna.

    Heiligennische am Hof des Anton Jungwirth, Brunning 13

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    den Grundbesitz des Halters und bauten ber dem ehemaligen Schafstall 1886 die Kapelle. Frau Theresia Jungwirth, geborene Gschwandegger aus Reinsberg, Gromutter von Anton Jungwirth sen. in Brunning, Haus Nr. 13, hrte eines Tages, dass die Kirche in Reinsberg renoviert wrde und die Seiten-altre ausgetauscht werden sollten. Diese Gelegenheit fasste sie und kaufte einen der Seitenaltre fr die Brunninger Dorfkapelle. So kam der im Bauernbarock gehaltene Altar 1897 nach Brunning. Er berherbergte in seiner Mitte eine Mariazeller Muttergottes mit Kind und war von vier kerzentragenden Engeln umgrenzt. Es war Tradition, dass zu normalen Sonntagen zwei Kerzen angezndet wurden, zu den Heiligen Tagen wie Fronleichnam, Peterstag, etc. aber leuchteten alle vier Kerzen. Links und rechts waren im Altar zwei Reliquienschrnkchen eingebaut und es war sogar ein Tabernakel mit einer Monstranz vorhanden, welche in ihrer Mitte ein bergkristallenes Kreuz barg.

    Etwa zehn Meter entfernt von der heutigen Dorf-kapelle stand ursprnglich ein Pestkreuz so die berlieferung von Maria Jungwirth, geb. Kendler und Mutter von Anton Jungwirth. Vermutlich wurde, als das Kreuz desolat war, anstatt dessen eine Kapelle errichtet. Da aber unterhalb des Kreuzes eine Quelle entsprang und das Gelnde auch unwegsam war, wollte man die Kapelle an einem andern Platz bauen. Brunning hatte frher einen Halter, der wahr-scheinlich gegenber vom Schafstalle, welcher in einen Hgel hineingebaut war, ein kleines Huschen hatte vielleicht war es das Haus Nr. 14. Nach dem Tode des Halters erbten die Brunninger Urhuser es sind 13

    08 Die Brunninger Dorfkapelle. 09 Der leider beim Brand vllig vernichtete Altar, ein ehemaliger Seitenaltar aus der Reinsberger Kirche.

    Die Dorfkapelle in Brunning03

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    rechtlichen Ansprchen zu entspechen, wurde 1983 eine Agrargemeinschaft gegrndet. Der Kapellengrund ist nun unumstlich Eigentum dieser Gemeinschaft.Brunning hat heute noch einen Dorfrichter. Seine Aufgabe ist es unter anderem, die Dorfkapelle zu betreuen, die Kapelle bei festlichen Anlssen zu schmcken und die Kerzen anzuznden. Auch das Vorbeten und das Zahlen der Messen ist seine Aufgabe, genauso wie das Schnee schaufeln und Wege schottern. In Brunning wechselt der Dorfrichter jhrlich und kommt in absteigender Reihenfolge der Hausnum-mern immer aus einem andern Haus. Die Huser sind etwa im Kreis angeordnet. Wrde man den Wechsel des Dorfrichteramtes mit dem Haus eins beginnen, so kme es zu einem Umlauf gegen den Uhrzeiger-sinn.1986 war eine groe Feier zum 100-jhrigen Bestehen der Dorfkapelle geplant. Zu dieser Gelegenheit wurde die zuletzt 1947 vom damaligen Dorfrichter Jungwirth renovierte Kapelle erneut einer Renovierung unter-zogen. Der Altar wurde von einem Restaurator begut-achtet und eine sachgerechte Renovierug empfohlen, welche 50.000 ATS gekostet htte. Um diese Summe aufzubringen, veranstalteten die Brunninger ein Dorf-

    Zur Kapellenaustattung gehrten damals auch zwei Bilder, welche von Maria Jungwirth gespendet worden waren, nmlich ein Bildnis der Pestheiligen Rochus und Rosalia und eines vom Hl. Leonhard sowie zwei Bilder der Familie Scherzer.Da die Brunninger das Grundstck fr ihre Kapelle ja von ihrem Halter geerbt hatten, waren sie der Mei-nung, dass es auch weiterhin ber all die Jahre in ihrem Besitz wre. Was fr ein Irrtum! Durch einen Zufall stellte sich heraus, dass die Brunninger den Obulus fr den Grund schon lngst umsonst entrichteten, denn ver- mutlich um die Zeit des Zweiten Weltkrieges stellte man fest, dass ein Dorf keinen Grund besitzen kann und man berschrieb das Grundstck der Gemeinde Mar- bach. Durch die Gemeindezusammenlegung gelangte es an die Gemeinde Wieselburg-Land. Als man eines Tages Einsicht in das Grundbuch nahm, stellte sich der Irrtum heraus. Die Brunninger versuchten nun, den Grund immerhin etwa 1 ha zurck zu bekommen. Um den

    10 Das Bild der Pestheiligen Rochus und Rosalia. 11 Die auf einem Hgel stehende Dorfkapelle, dahinter das Haus der Familie Schachinger vulgo Kapellenschachinger.

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    Wieselburger Kirchenglocke angeschafft. Die Glocke war frher nur mit dem Strick zu ziehen Familie Schachinger, Haus Brunning 12, Kapellen-Schachinger genannt, lutete dreimal am Tag die Glocke zum Gebet, um 6 Uhr morgens, um 12 Uhr mittags und um 18 Uhr. Diese Aufgabe war eine sehr bindende, weil immer ein Familienmitglied daheim sein musste, um die Glocke zu luten. So kauften die Brunninger bei der Firma Grassmayr in Innsbruck um 39.000 Schillinge ein Lutwerk, welches am 16. Mai 2000 bei einer Maiandacht gesegnet wurde. Josef Schachinger ist der moderne Glckner von Brunning und hat die Aufgabe bernommen, das Lutwerk regelmig zu warten. Manche Brunninger sagen, dass durch das moderne Lutwerk die Glocke ihren Klang verloren htte. Familie Schachinger sorgt auch dafr, dass die Anlage um die Kapelle immer sauber gemht ist. Der Blumenschmuck ist jedoch des Dorfrichters Aufgabe.Am 24. Mai 2000 wurde abends in der Kapelle gebe-tet und noch niemand ahnte das herannahende Un- glck. Am Morgen des 25. Mai, um 8:00 Uhr, blickte Frau Jungwirth aus dem Fenster und bemerkte , dass Rauch aus der Kapelle aufstieg. Kurz darauf wurden die schlimmsten Befrchtungen war die Kapelle brannte. Die herbeigerufene Feuerwehr lschte den Brand, doch der alte Altar war zur Gnze zerstrt. Im Lschwasser fanden sich noch ein Engel vom Al- tar sowie die Mariazeller Muttergottes. Ein Feuer-wehrman entdeckte sogar das Krnlein vom Jesukinde. Auch das Bild der Pestheiligen Rochus und Rosalia, von einem St. Pltner Knstler gemalt, blieb unver-sehrt ebenso wie das Florianibild. Vom Marienbild blieb nur der Rahmen brig. Die beiden seitlich vom Altar hngenden Bilder der Familie Scherzer, vulgo Hofbauer, aber waren gnzlich verschmolzen. Auch das neue Lutwerk wurde in Mitleidenschaft gezogen.Der Schaden belief sich auf 157.000 ATS und wurde zu einem guten Teil von den Versicherungen der 13 Huser auf dem Kulanzweg gedeckt.Nun aber galt es, die Kapelle wieder instand zu setzen. DI Hannes Scheruga zeichnete einen Entwurf fr die Innengestaltung der Kapelle. Danach wurde ein neuer Altar aus Ytong aufgebaut. Dem groen

    fest. Leider aber fehlten zur Restaurierung 5.000 ATS und so wurde der Altar einfach nur neu gestrichen, ebenso wie die Kapelle.Auffallend ist die Gre der Kapelle. Der Grund fr ihr Ausma liegt angeblich in folgender Begebenheit: Der Eigentmer des Hauses Nr. 4 war in Besitz einer Glocke. Er stellte in Aussicht diese zu spenden, wenn die Kapelle so gro gebaut wrde, dass die Glocke darin Platz fnde. So geschah es auch.Im Ersten Weltkrieg musste die Glocke einrcken, was bedeutet, dass sie fr Kriegszwecke eingegossen wurde. Dazu schrieb Maria Eilenberger Folgendes: 2) 1917 mute die Dorfglocke mit einem Gewicht von 72 kg abgeliefert werden. Der Auftrag dazu mu bereits lange vorher erfolgt sein, denn nach der berlieferung stand sie wochenlang vor der Kapelle. Niemand hatte den Mut, sie in der nahen Lacke verschwinden zu lassen oder zu vergraben. Die jungen Mnner waren eingerckt und die lteren wagten es nicht. Zwei Jahre nach Kriegsende erhielt auch Brunning wieder eine Glocke. Laut einer Rechnung von Max Samassa in Wiener Neustadt vom 30. Juni 1920 wurde sie um den Preis von 2486 Kronen zur gleichen Zeit wie die

    12 Die Glocke in der Dorfkapelle Brunning wird durch ein elektrisches Lutwerk betrieben.

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    Engagement von Josef Hofmarcher ist es zu verdanken, dass die Wiederherstellung der Dorfkapelle zgig voran ging. Pfarrer Dam-merer spendete schlielich das Bild fr den neu gestalteten Innen-raum. Die Immaculata hing frher in der Pfarrkanzlei, spter im Sitzungszimmer des Alten Pfarr-hofes von Wieselbueg und weist die Signatur A. Bauer 1853 auf. Die Kirchenbnke waren nur leicht angesengt, weshalb man froh war, sie weiter verwenden zu knnen, denn die Finanzen htten eine Neuanschaffung sowieso nicht gestattet. Mit der Maiandacht am 27. Mai 2001 wurde die Kapelle von Pfarrer Dammerer eingeweiht.

    13 Die nach dem Brand stark angesengten Kirchenbnke. 14 Das vom Feuer verschont gebliebene Florianibild. 15 Die Madonna aus der alten Kapelle wre fachgerecht restauriert das Prunkstck der Dorfkapelle. 16 Einer der vier Engel vom Reinsberger Altar berlebte das Feuer.

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    Auf lteren Fotos kann man ber dem Kapellenein- gang eine Uhr sehen. Spter wurde der Kreis, in dem sich das Zifferblatt befand, gelb ausgemalt und mit einem schwarzen Kreuz versehen. An der Rckseite der Kapelle befindet sich in einer Nische ein Dreifaltigkeitsbild mit der Inschrift Zum Andenken Familie Jungwirth 1986. Die Brunninger beteten ausgesprochen viel, nmlich vom Georgitag, dem 23. April an bis Peter und Paul, den 29. Juni, an jedem Sonn- und Feiertag, an den heiligen Tagen sogar zweimal tglich. Mit Schrecken denkt man noch heute in Brunning daran, dass der Scherzerbauer, als er Dorfrichter war, das Maibeten abgebracht hatte und kurz darauf sein Hof abgebrannt war. Seit diesem Zeitpunkt wagte es kein Dorfrichter, an den alten Gebetsbruchen etwas zu ndern. Die Brunninger Dorfkapelle steht unter Denkmalschutz.

    17 Das Dreifaltigkeitsbild, welches in der Nische an der Kapellenrckseite angebracht ist. 18 Das Bildnis Mariens hing frher im Alten Pfarrhof in Wieselburg. 19 Der neue Altar nach den Plnen von DI Scheruga.17

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    1794 diese Jahreszahl ist in den Holztram in der Stube des Hofes von Josef und Martha Schachinger in Brunning 12 geschnitzt. Um Verwechslungen durch Namensgleichheit auszuschlieen, bekamen die Schachingers aufgrund der Lage ihres Hofes in unmittelbarer Nhe zur Dorfkapelle den Beinamen Kapellen-Schachinger. Im Jahre 1998 gestaltete Josef Schachinger die Fassade seines Hofes neu und baute im Zuge der Arbeiten eine Nische, die eine Heiligenfigur beherbergen sollte. Die Mhlinger Schnitzerin Hilde Ttzl bekam den Auftrag und schnitzte einen schnen Hl. Florian. Nun aber war die Statue so schn geworden, dass es die Familie Schachinger nicht bers Herz brachte, die Heiligenfigur auerhalb des Hauses aufzustellen und den armen Florian Wind und Wetter auszusetzen. Erst auf meine Bitte hin weil ich doch das Haus mit Heiligenfigur fotografieren wollte durfte der Hl. Florian an die frische Luft und blickt seither von seinem luftigen Standort schtzend ber Brunning.

    20 Der von Hilde Ttzl geschnitzte Florian. 21 Der Holztram im Haus Brunning 12. 22 Das Haus der Familie Schachinger mit der Heiligennische.

    Heiligennische am Haus von Josef und Martha Schachinger, Brunning Nr. 12

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    23 Die schn renovierte alte Haustre im Hof Brunning 8.

    Ein alter Trrahmen aus Sandstein mit dem Spruch Her Pleibe bei uns Es Wiert Abent zierte bis um 1970 den Eingang des Bauernhauses Brunning Nr. 8, damals im Besitz von Franz und Josepha Kendler.Bei der Auenrenovierung des Vierkanters war man sich einig, dass neben neuen Fenstern auch eine neue Haustre kommen musste, denn die bisherige Tre war bereits undicht geworden. Als Franz Kendler eine neue Verwendung fr die alte Tre suchte, war die Buerin entsetzt. Was wollte man noch mit dieser mehr als hundertjhrigen Tre? Der Bauer lagerte sie trotz- dem im Stadel. Erst nach einigen Jahren ging er, handwerklich begabt, an die Restaurierung. Drei Wochen verwendete er nur darauf, den alten Lack aus allen Fugen und Winkeln der Tre abzukratzen. Sie wurde abgedichtet, neu gestrichen und zu einem Schmuckstck.Im berlager des steinernen Trrahmens ist der Spruch der Emmaus-Jnger Herr, bleib bei uns, denn es will Abend werden (Evangelist Lukas 24, 28) eingemeielt und zeugt von der Glubigkeit seiner Bewohner. Die Buchstaben M und Sch deuten auf den Besitzer Michael Schachinger, dazwischen steht die Jahreszahl 1885. Michael Schachinger wurde in diesem Haus am 31. August 1840 geboren. Er verehelichte sich am 25. August 1868 als Bauer und Hausbesitzer mit Theresia Sonleithner aus Rogatsboden. Der Ehe entstammten zwei Tchter. Die jngere Tochter Josepha, 1872 geboren, heiratete ein halbes Jahr nach dem Tod des Vaters Michael Schachinger am 16. Jnner 1897 Michael Kendler aus Gumprechtsfelden. Heute bewirtschaftet die vierte Kendler-Generation den Hof, der seit Beginn der Wieselburger Matriken um 1650 immer im Familienbesitz war. Die berlieferung berichtet, dass um 1885 im Haus Brunning 8 ein Tischler ber ein Jahr auf der Str war und nicht nur die Holztr, sondern auch alle Fenster neu herstellte. Das Ehepaar Franz und Josepha Kendler beschloss um 1974, die renovierte Tr und

    den steinernen Trrahmen als hofseitigen Eingang zu verwenden und machte sich gemeinsam an die Arbeit. Dabei gab es ein Missgeschick, das fast alles zerstrt htte. Mit dem Frontlader des Traktors wurde das schwere berlager angehoben, am Traktor sa der Bauer, die Buerin wies ihn ein. Durch die Enge der Einfahrt streifte das berlager und fiel zu Boden. Zum Glck blieb es vollkommen unversehrt und der Einbau gelang. Dem Verstndnis der Familie Kendler ist es zu verdanken, dass dieser nun fast 125 Jahre alte schne Eingang als Werk einer frheren Generation erhalten blieb. Er ist sicher in der ganzen Pfarre einmalig. [Text: Maria Eilenberger]

    Haus der Familie Franz Kendler, Brunning Nr. 8

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    Auf der Sdseite des Hofes Brunning 3 befindet sich in einer Nische die Statue des Hl. Leonhard. Am unteren Teil der Nischenumrahmung ist die Jahreszahl 1986 zu sehen. Sie dokumentiert das Jahr der Hausrenovie-rung. Die sehr gefllig geformte und gefasste Holzsta-tue erhielt das Ehepaar Jungwirth von den Nachbarn als Hochzeitsgeschenk. An der Seite, wo frher ein Stadel stand, wurde eine neue Wand aufgestellt und eine kleine Nische eingebaut, in welcher sich seit 2007 eine weie, aus Ton geformte Darstellung der Heiligen Familie befindet. Bemerkenswert ist auch das steinerne Kreuz auf einem Schornstein des Hauses. In der Giebelluke weist die Jahreszahl 1864 auf das Alter des Hauses hin.

    24 Der Hl. Leonhard an der straenseitigen Hausfront. 25 Das Kreuz auf dem alten Schornstein. 26 Die Heiligennische neben der Garage. 27 Vorderansicht des Hauses Brunning 3.

    Heiligennischen am Hof von Anton und Gertrude Jungwirth, Brunning Nr. 3

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    Direkt vis vis der sdlichen Dorfzufahrt von Brunning fhrt ein Gterweg zum Gleiskrper der Grestner Bahn. Unmittelbar vor der Kreuzung dieses Zufahrtsweges mit den Schienen steht linker Hand ein 1999 errichtetes Kastenkreuz mit einem Corpus Christi, welcher der Schnitzwerkstatt von Hilde Ttzl aus Mhling ent-stammt.

    Auf einer Tafel unter dem Kreuz steht geschrieben:Wechselnde Pfade,Schatten und Licht.Alles ist Gnade,frchtet euch nicht!

    Franz Kendler, geboren und aufgewachsen in Brun-ning 8, derzeit mit seiner Familie wohnhaft in Blindenmarkt, hat dieses Kreuz errichtet und schreibt dazu: Das Brunninger Wegkreuz wurde inmitten ei- ner Landschaft errichtet, zu der ich einen ganz be-sonderen Bezug habe. Es sind dies die Wiesen und cker, die von den Bauern meines Heimatdorfes be-wirtschaftet werden. In Brunning wurde ich geboren, habe dort mei- ne Kindheit und Jugendzeit ver-bracht und habe dort eine Vielzahl unvergesslicher Stunden erlebt, an die ich mich oft und gerne erinnere. Die Idee von der Errichtung eines Holzkreuzes inmitten der Brunnin-ger Felder stammt von meiner Mutter. An der Umsetzung waren eine sehr talentierte Holzschnit-zerin aus Wieselburg und ich beteiligt. Ich mchte mit meinem Beitrag zur Errichtung des Brunninger Wegkreuzes meine Dankbarkeit fr alles Schne, das ich in Brunning erleben durfte, zum Ausdruck bringen!

    28 + 29 Das Brunninger Wegkreuz an der Verbindungsstrae zwischen Brunning und Etzerstetten, dahinter die Schienen der Grestner Bahn.

    Das Brunninger Wegkreuz07

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    Wieselburg

    Drnbach

    Groa

    Rottenhaus

    Ruprechtshofen

    Breiteneich

    Prebach

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    Wieselburg Drnbacher Strae und Drnbach

    1 Der Bildstock in der Drnbacher Strae2 Die katholische Lagerkirche3 Die russische Lagerkirche4 Das Kreuz auerhalb des Lagerfriedhofes 1

    5 Der Lagerfriedhof 16 Der Lagerfriedhof 27 Das Jgerkreuz8 Der Gedenkstein fr Franz Jank9 Das Kreuz in Drnbach10 Kapelle zum Haus Drnbach 3

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    Der Sulenbildstock an der Drnbacher Strae wurde vor der sogenannten rztebaracke errichtet. Im Jahre 2007 wurde dieses Relikt aus dem Kriegsgefangenen-lager Wieselburg abgetragen, somit steht der Bildstock nun auf einem freien Wiesenstck an der Einmndung der Flurstrae in die Drnbacher Srae. Auf der Tafel am Fue des Bildstockes findet sich folgende Inschrift:Zum Gedenken an das k. u. k. Kriegsgefangenenlager 1915 - 1918. Errichtet von Zeil aktiv im Mai 1993Geweiht von Dechant Franz DammererDipl. Ing. Gnther Htl, Ing. Walter Wurzinger,Ing. Peter Thanel, Otto Hofmann, Herbert Hauer, Anton Lebhard, Josef Winkler, Gerhard Daurer,Werner TazreiterDie Stadtgemeinde Wieselburg stellte den Grund fr den Bildstock, welcher ein Geschenk der Berufsschule fr Maurer in Langenlois ist, zur Verfgung. Bedienstete des Bauhofes der Stadtgemeinde, Arbeiter der Straenmeisterei und die Shne der Familie Lebhard beteiligten sich an den Aufstellungsarbeiten. Die Marienbste in der bruchsteinumgrenzten Nische ist ein Werk des Schnitzers Ernst Waclawec aus Mhling. Am 27. Mai 1993 wurde der Bildstock unter groer Beteiligung der Bevlkerung im Rahmen einer Maiandacht von Stadtpfarrer Mag. Franz Dammerer feierlich geweiht. Seither wird jedes Jahr am vorletzten Freitag im Mai eine Maiandacht abgehalten.

    01 + 03 Der Bildstock in der Drnbacher Strae. 02 Pfarrer Dammerer bei der Maiandacht 1996.

    Der Bildstock in der Drnbacher Strae

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    Die katholische Lagerkirche stand nrdlich der so-genannten rztebaracke im Mannschaftsbereich des Lagers I an der heutigen Flurstrae. ber sie gibt die Denkschrift, 1) welche im November 1916 von Oberstleutnant Gustav Knig, Bauleiter der k. u. k. Militrbauleitung Wieselburg verfasst wurde, Aufschluss. Unter Punkt 10 Einrichtungen fr got- tesdienliche Zwecke steht geschrieben, dass die Spei- sebaracke Nr. 104 des Lagers I in einfacher, aber wrdiger Weise zu einer rmisch-katholischen Kirche adaptiert wurde. Die Ausfhrung der Arbeiten erfolgte in Eigenregie. Im Juli des Jahres 1916 wurde die rmisch-katholi- sche Barackenkirche von Feldbischof Bjelik einge- weiht. Wie das Bild zeigt, hob sich die Kirchenbaracke durch ein Trmchen von den anderen Baracken ab und trug an ihrer Spitze ein doppelbalkiges Kreuz. An der Frontseite der Baracke war ein groes, berdachtes Kreuz angebracht.

    04 Ein Ausschnitt der Karte des k.u.k. Kriegsgefangenenlagers Wieselburg zeigt die Situation der beiden Lagerkirchen. 05 Auenansicht der katholischen Lagerkirche.

    Die katholische Lagerkirche02

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    04 Situation der russischen Lagerkirche. 06 Innenansicht der russischen Kirche.

    Die russische Kirche des Lagers befand sich in der Baracke 126 an der Manker Strae, gegenber dem heutigen Brunnen der Stadtgemeinde Wieselburg. Der Kirchenbau wurde vom Christlichen Verein junger Mnner untersttzt. Dieser amerikanische Kriegsgefangenenhilfsverein verfgte ber ansehnliche Geldmittel. Es war die Aufgabe des Vereines, die Gefangenen zur Mitarbeit zu bewegen. 2) Die Kirche diente der Andacht aller Bekenntnisse. Der Altarraum, welcher russisch-orthodox gestaltet war, konnte durch Vorhnge abgeteilt werden. Der verbleibende Raum wurde auch von Muslimen und jdischen Gefangenen fr Gottesdienste genutzt.Die Religionsausbung der Kriegsgefangenen war im Dienstbuch des Kriegsgefangenenlagers beschrie-ben. 3) Den Angehrigen der verschiedenen Religions- bekenntnisse ist das Abhalten von Gottesdiensten und Andachten insbesondere an ihren Feiertagen in tunlichst weitgehender Weise zu ermglichen. Die Kriegsgefangenen sollen, wo nur immer mglich, religisen Beistand erhalten.Speziell die russischen Gefangenen sind sehr fromm, weshalb sich bei ihnen hufigere Anordnung von Andachten empfehlen wird. Fr den in der griechisch-orientali- schen Lithurgie hochgepflegten Kirchengesang wird sich aus den Gefangenen leicht ein Chor zu- sammenstellen lassen. Das Militr- kommando hat fr die Komman- dierung von Priestern der ver- schiedenen Glaubensbekenntnisse zu sorgen. Der Lagerkommandant und einzelne Offiziere haben dem Gottesdienste abwechselnd beizuwohnen.

    Die russische Lagerkirche03

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    Auerhalb des Lagerfriedhofes 1 befindet sich ein heute unscheinbares Kreuz. Frher war es nach Aussage von Josef Hofmarcher wei gestrichen und hatte die Aufgabe, den Weg zum Lagerfriedhof zu weisen. Diese Aussage findet Besttigung bei den Aufzeichnungen von Alois Wolfram, der zu Beginn der 1970er Jahre das Kreuz folgendermaen beschrieb: 4) Am Waldesrand sieht man dort ein 3 m hohes, wei gestrichenes Kreuz ohne Bild und Corpus stehen; es soll als Wegweiser zu dem etwa 200 Schritte weiter drinnen befindlichen Russenfriedhof gesetzt worden sein.Das Kreuz steht allerdings nicht am heutigen Zugangs- weg zum Friedhof und findet daher leider wenig Beachtung. Von der Lage her schmiegt es sich, wie ver- mutlich frher auch der Weg, an den Abhang des Hausberges, wie der Hhenrcken zwischen Drnbach und der Grub genannt wird.Schade, dass man den weien Anstrich nicht beibehal-ten hat, so wrde man besser aufmerksam auf das stille Kreuz.

    07 Das Kreuz auf dem alten Zugangsweg zum Lagerfriedhof 1 war frher wei gestrichen.08 Situation des Kreuzes, links der heutige Weg zum Friedhof.

    Das Kreuz auerhalb des Lagerfriedhofes 1

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    In den 1970er Jahren beschrieb Alois Wolfram den Friedhof versteckt im Wald liegend und von einem Lattenzaun umgeben. 5) Der Friedhof misst 35 Schritte in der Breite und 45 Schritte in der Lnge und ist ber einen Eingang erreichbar, der von einem Holzgerst gebildet wird, das die Aufschrift Lagerfriedhof Wie- selburg trgt.Im Friedhof zeigen kleine Holztafeln mit der Aufschrift Gruppe und der Nummer daneben die bestehende Ordnung an. Es sind etwa 30 einfache Holzkreuze von 1,5 m Hhe vorhanden, von denen jedes Kreuz eine Holztafel mit dem Namen des hier begrabenen Soldaten trgt. Dem Eingang gegenber stand am rckwrtigen Zaun ein schnes Holzkreuz von 3,5 Metern Hhe mit einem Holzdach. Anstelle eines Corpus war ein Bild am Kreuz angebracht, welches das dornengekrnte Haupt Christi zeigte. Der Druck war nach dem Bild von Guido Reni angefertigt worden. Auf dem Kreuz befand sich folgende Inschrift: Den 277 Kriegstoten aus 1914 - 1918

    09 - 13 Der Fried-hof mit den Holz-kreuzen und den Namensschildern darauf.

    Der Lagerfriedhof 105

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    Weiters beschrieb Alois Wolfram ein am Kreuz hngendes, mit Tin- te geschriebenes, in einen Bilder-rahmen gefasstes Gedicht:

    Du stiller verlassener Friedhofinmitten von Tannengrn,wie stummgewordenes Hoffenliegst du im Walde drinn.

    Ernst stehen ringsum die Tannensie halten getreulich Wacht,dass nicht strt die stillen Schlferdie stumm ihr Opfer gebracht.

    Bedeckt mit fremder Erdegibst du den Armen Ruh,im Zweig die Vglein singenihr Schlummerlied dazu.

    Und weht der Wind von Nordenbringt viele Gre mit,von allen euren Liebenvergessen seid ihr nicht!

    Schlaft stumm ihr stillen Schlferder Wind euch Mrchen erzhlt,vom glcklichen Wiedersehenin einer besseren Welt!

    Wieselburg, am 14. Oktober 1948 H.B.

    Franz Wiesenhofer schreibt in sei-nem Buch ber den Lagerfriedhof in Wieselburg 6) Folgendes: Die k. u. k. Militrbauleitung Wiesel- burg hat in Wieselburg und in der Gemeinde Gumprechtsberg (heute Gemeinde Bergland) je einen Fried- hof fr die verstorbenen Kriegs- gefangenen des Lagers Wieselburg angelegt. Die erforderlichen Grund- flchen wurden aufgrund des

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    Kriegsdienstleistungsgesetzes in Anspruch genommen.Ursprnglich war das Kriegs- gefangenenlager Wieselburg fr 20.000 Mann bestimmt. Dement- sprechend wurde der Friedhof 1 angelegt. Spter, als das Lager ver- grert wurde und fr 51.000 Sol- daten Platz bot, wurde der Fried- hof 1 zu klein, weshalb der Fried- hof 2 geschaffen wurde. Die Parzelle Nummer 1411 des La- gerfriedhofes 1 liegt im Hauswald und hat ein Ausma von ca. 1.344 m2. Sie gehrte zur Herrschaft Rotten- haus. Julie Wster 7) schrieb 1966, dass es blich war, zu Allerheiligen die Grber der Russen mit Blumen zu schmcken. Die Kerzen fr die Grber besorgte immer die Gattin des Schriftfhrers des Kamerad-schaftsbundes, Frau Pruckner.Bis 1982 war die Ruhesttte als Waldfriedhof mit Grabhgeln und Holzkreuzen angelegt, auf denen die Namen der 277 Kriegsgefangenen standen. Spter wurden die Bume gerodet, die Grabhgel planiert und 1984 die Anlage neu bepflanzt. Die teilweise morschen Holzkreuze wurden imprgniert und auf Betonfundamente geschraubt. Der Friedhof wurde generalsaniert und es entstand ein leicht zu pflegender, wrdiger Soldatenfriedhof. Im Jahre 1997 wurden abermals neue Holzkreuze ohne Namensschilder aufgestellt, die 2002 von Schlern der Hauptschule Wieselburg unter der Leitung von Frau Fachlehrer Barbara Hager und Herrn Fach-lehrer Erwin Muttenthaler neu ge- strichen wurden. Mitglieder des 14 - 16 Bilder eines Begrbnisses aus dem Jahre 1915.

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    Kameradschaftsbundes leisteten die Vorarbeiten dazu und reinigten die Kreuze von Schmutz und Moos. Die Holzschutzfarbe war vom Far- benhaus Schiefer kostenlos zur Ver- fgung gestellt worden. Jedes Jahr treffen sich die Ge- meindevertreter von Wieselburg, Wieselburg-Land und Bergland, die Vertreter des Kameradschafts- bundes, aber auch private Per- sonen, um zu Allerheiligen unter den Klngen der Stadtkapelle Wie- selburg einen Kranz niederzu- legen und mit Dechant Dammerer eine kleine Gedenkfeier abzuhalten. Diese endet alternierend in einem Gasthaus von Bergland oder Wie- selburg bei Wrstel und Bier auf Einladung der entsprechenden Ge- meinde.

    17 Der alte Lagerfriedhof 1. 18 Aller-heiligen 2007 Kranzniederlegung durch den Kameradschaftsbund. 19 Die Stadtkapelle Wieselburg fhrt die Abordnungen der Gemeinden.

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    hingewiesen. Mit dem Schreiben vom 26. September 1917 meldete das k. u. k. Militrkommando Wien dem Kriegsministerium, dass eine Erweiterung des Lagerfriedhofes um 970,47 m2 erforderlich ist.Die kriegsgefangenen Offiziere der Station Mhling bildeten ein Komitee, um fr die Errichtung eines Denkmales auf dem Friedhof 2 des Lagers Wieselburg fr die verstorbenen kriegsgefangenen Offiziere und Soldaten sorgen zu knnen. Vom Februar 1916 bis August 1916 konnten bereits 1.400 Kronen gesammelt werden. Die feierliche Segnung fand am 24. Oktober 1917 statt. Vertreter des schwedischen, dnischen und russischen Roten Kreuzes sowie zahlreiche Ehrengste nahmen an dieser Feier teil. Dazu schrieb der Erlaftal-Bote: 9) Am Waldfriedhof, der Begrbnissttte russischer Kriegsgefangener, fand am 24. Oktober 1917 vormittags 11 Uhr, begnstigt

    Der Lagerfriedhof 2 befindet sich zwar im Ge-meindegebiet von Bergland, seine Geschichte ist jedoch mit dem Lagerfriedhof 1 und mit jener Wieselburgs so verquickt, dass es strflich wre, ihn aus diesem Buch auszugrenzen.Zum Lagerfriedhof 2 schreibt Franz Wiesenhofer: 8) Der Friedhof 2 wurde auf der Parzelle Nr. 321, der Gemeinde Gumprechtsberg, welche im Besitze des Wieselburgers August Lasser war, errichtet. Durch die Aufschrift k. u. k. Militr Friedhof wurde auf die Verwaltung durch die k. u. k. Heeresverwaltung

    20 Der Eingang zum Lagerfriedhof 2. 21 Das Denkmal fr die verstorbenen gefangenen Offiziere.

    Der Lagerfriedhof 206

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    mit ihrer Mutter, dann mit ihrem Sohn Josef. Die Pflege war sehr aufwendig, immerhin musste man zwischen den Grbern die Wege mhen, die spter dann mit Kies versehen auch nicht einfacher zu pflegen waren, weil das Gras im- mer wieder in den Kies wucherte. Jedes Jahr kam ein Offizier und begutachtete den Zustand des Friedhofes. Von Frau Koch hat das Schwarze Kreuz die Friedhofspflege bernommen.Frau Koch erinnert sich, dass Sol- daten aus dem Lager in Wiesel- burg nach Drnbach herausgehen mussten, um die Lcher fr die Grber zu schaufeln. Die Soldaten waren schwach und konnten oft kaum mehr gehen und nicht sel-

    ten schaufelten sie schon ihr eigenes Grab. In ihrer groen Hungersnot aen die Soldaten das Most- obst und gruben am Acker der Familie Engel die Erdpfel aus, aber niemand beschwerte sich des- wegen, obgleich die Familie selber in Not war der Anblick der ausgehungerten Soldaten war zu erbrmlich, um ihnen die karge Mahlzeit strei- tig zu machen.Auch whrend des 2. Weltkrieges gab es noch verein- zelt Begrbnisse am Lagerfriedhof 2. So erinnert sich Frau Koch, dass einmal russische Soldaten einen Bauernhof am Weinzierlberg plndern und die Tiere wegfhren wollten. In der Not riefen die Bauern russische Offiziere zu Hilfe. Zwei davon kamen und berraschten die diebische Bande, die sich aber von ihrem Beutezug nicht abhalten lie und die eigenen Vorgesetzten kaltbltig erschoss. Diese Offiziere wur- den mit allen militrischen Ehren am Lagerfriedhof 2 bestattet. Frau Koch erinnert sich auch, dass einer von ihnen ein auergewhnlich attraktiver Mann war. Sie wei das, weil lange Zeit ein Bild von ihm am Kreuz hing, dann war es pltzlich weg. Frau Koch meinte, dass Wieselburger Mdchen, die den Offizier gekannt hatten, das Bild geholt htten.

    vom schnen Wetter, die feierliche Einweihung eines Denkmales statt, welches die russischen Offiziere des hiesigen Kriegsgefangenenlagers ihren Kameraden errichteten. Zu dieser Festlichkeit erschien das Lager- kommando, eine Deputation des schwedischen Roten Kreuzes aus Wien, die Offiziere und Mannschaften und die Gemeindevertretung von Wieselburg. Das Denkmal besteht aus einem 4 Meter hohen Obelisken, ber einer Gruft erbaut. Welche seinerzeit nach dreiig Jahren zur Aufnahme der berreste der am Friedhof Begrabenen dienen soll. Zahlreiche Kranzspenden mit Widmungen wurden am Denkmal und auf der Gruft niedergelegt. Brgermeister Fahrner war bei der Einweihung anwesend.Auf diesem Friedhof ruhen 1.201 Russen, 155 Italiener, 47 Serben, 4 Rumnen, 1 Montenegriner und 1 Dal-matiner, insgesamt 1.409 Tote.Der Lagerfriedhof 2 befindet sich seit der Gemein-dezusammenlegung in der Gemeinde Bergland.Anna Engel aus Eichberg 3, heute Drnbach 3, die Mutter von Aloisia Koch, betreute lange Zeit den Friedhof. Aloisia Koch ist im Mai dieses Jahres 95 Jahre alt geworden. Sie hat 60 Jahre lang von 1925 bis 1985 den Friedhof gepflegt, zuerst gemeinsam

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    22 Die Einweihung des Denkmales im Jahre 1917.

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    Als Dank fr ihre langjhrige Arbeit am Lagerfried- hof 2 erhielt Frau Koch vom Schwarzen Kreuz das silberne Verdienst-Kreuz am Bande verliehen.In den 1970er Jahren wurden die morschen Holzkreu- ze entfernt und 1981 durch Gruppenkreuze aus Por- phyr ersetzt. Im rckwrtigen Teil des Friedhofes wur- de ein Denkmal fr die italienischen Kriegsgefan- genen errichtet.Im Jahre 2006 trugen die Schler der Hauptschule Wieselburg unter der Leitung von Barbara Hager und Franz Schuster Wesentliches zur Pflege des Friedhofes bei. Zuerst befreite die FF Wieselburg die Steine von den schlimmsten Verunreinigungen. Danach nahmen Mitglieder des Kameradschaftsbundes die Detail- reinigung vor und die Schler beschrifteten die Grabsteine neu. Generell kmmert sich das Schwar- ze Kreuz um die laufende Pflege der beiden Lager- friedhfe.

    23 Aloisia Koch mit ihrem Orden. 24 - 26 Bilder vom Lagerfriedhof 2.

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    Zustand und der Herrgott ist verschwunden. Leider hat man sogar ein Wegmarkierungstfelchen auf das Kreuz genagelt. Aloisia Koch aus Drnbach 3 erinnert sich, dass angeblich in frherer Zeit beim Jgerkreuz ein Brieftrger berfallen worden sein soll. Alois Wolfram beschrieb das 1970 von ihm aufgesuchte Kreuz folgendermaen: 10) Ein paar hundert Schritte oberhalb des Hofes Grub Nr. 5 steht auf einem Hhenrcken ein einfaches Holzkreuz von 2 m Hhe mit einem hlzernen Dachl, anstelle eines Corpus sieht man eine etwa 15 cm, breite, runde Broncescheibe mit dem dornengekrnten Haupte Christi. Dazu sagt Altbrgermeister Jger Folgendes: Das Kreuz steht an einem alten Wege ber den Hhenrcken, der einst viel bentzt worden ist, bevor noch die neuen Straen gebaut wurden und fast jedermann ein Auto hatte. Wahrscheinlich ist an der Stelle einmal ein Unfall geschehen. Das heutige Kreuz haben wir vor etwa 15 Jahren (Anm.: also etwa 1955) machen lassen. Wann das erste Mal dort ein Kreuz gesetzt wurde, wei niemand mehr.

    Das einfache Dachkreuz, welches frher einen gu-eisernen Herrgott trug, steht in herrlicher Lage auf einer Blumenwiese. Soweit der Blick reicht, erfreut ihn saftiges Grn und sanfthgeliges Land. Der Pfingst-rosenstock, der unter dem Kreuz gepflanzt war, ver-kmmert zusehends und wird bald der natrlichen Ausbreitung der Wiese weichen mssen.Frher wurde das Kreuz vom ehemaligen Brgermeis- ter von Gumprechtsfelden, Franz Jger aus Grub Nr. 5, betreut und gepflegt. Doch seit seinem Tode im Jahr 1996 verkmmert es unaufhaltsam und es ist leider bereits ziemlich verwahrlost. Das Holz ist in schlechtem

    27 Das Jgerkreuz im Jahre 2008. 28 Das Jgerkreuz, wie es 2003 noch ausgesehen hat.

    Das Jgerkreuz07

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    fordern. Aber natrlich war auch das Benzin bei Familie Jank bald zu Ende. Am 26. Mai 1945 waren Helene und der Vater im Stall um die Khe zu melken, als der Vater den Russen mit dem Motorrad kommen hrte. Franz Jank ging mit dem Soldaten vor den Stall, um mit ihm zu reden. Schlielich musste er ihn nach Wieselburg begleiten, das heit, eigentlich ging er vor dem Russen her, der mit angeschlagener Pistole auf dem Motorrad hinterher fuhr. Die Mutter wollte den Vater begleiten, da es aber zu regnen begann und sie sich noch Schuhe holen musste, kam sie in Verzug. Pltzlich hrte sie einen Schuss. Furchtbares ahnend rannte sie aus dem Haus in Richtung Wieselburg und fand den Vater im Straengraben liegend. Er griff sich ans Genick, konnte aber nichts mehr sagen. Ein vorbeikommender

    ber die tragischen Ereignisse, die zur Errichtung des Gedenksteines fr Franz Jank fhrten, berichtete mir seine Tochter Helene Groschupf aus Drnbach Folgendes: Als die Russen 1945 ins Land kamen, versuchten die Menschen, Hab und Gut zu retten und vergruben und versteckten alles, was nur mglich war. Franz Jank, Brgermeister von Groa, hatte ein Motorrad. Er dachte, dass es nicht sinnvoll sei es zu verstecken, weil ja sowieso jeder wusste, dass er das Motorrad besa. So blieb es natrlich nicht aus, dass ein Russe das Motorrad sah und mitnahm. Vermutlich aber ging ihm bald das Benzin aus und er kam wieder und wieder, um von Brgermeister Jank Benzin zu

    29 Vor der Renovierung fehlte bereits der Christus. Das Buschwerk lie einen Blick auf die Petzenkirchener Kirche frei. 30 Das Jankkreuz um 1970.

    Der Gedenkstein fr Franz Jank08

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    erzhlte, dass der damalige kommunistische Brger- meister von Wieselburg, Herr Bittersberger, den Vorfall bei der Kommandantur angezeigt habe, worauf es zu einer Verhandlung kam. Der Mrder, der im Range eines Feldwebels war, zeigte Reue, verantwortete sich aber damit, dass er in Notwehr gehandelt habe. Der Genickschuss aber schliet Notwehr aus. Dem Soldaten wurden vor den Augen von Frau Jank die Rangabzei- chen von der Uniform gerissen und er wurde abgefhrt. Was mit ihm geschehen ist, das hat niemand erfahren. Der Gedenkstein wurde auf der gegenberliegenden Straenseite des Tatortes aufgestellt. Familie Haslauer hatte der Witwe ein Grundstck dafr berlassen.Im Jahre 2007 wurde das Marterl vom Architekten Parb aus Oberndorf restauriert.Und hier die Inschrift auf dem Gedenkstein:

    Wir gedenken hier des Herrn Franz JankWirtschaftsbesitzer

    welcher am 26. 5. 1945im 46. Lebensjahre

    den Kriegsereignissenzum Opfer fiel.

    Weinet nicht an dieser Stelleber dieses mein Geschick

    was hier dunkel, wird dort helleLeiden werden jenseits Glck.

    Nachbar hielt an und half der Mutter, den Vater in das Wieselburger Lazarett zu bringen, aber schon am Weg dahin verstarb er. Auf einem Wagen wurde der tote Vater schlielich nach Hause gebracht und in der Stube mit seinem Kopfverband auf den Boden gelegt. Eigentlich wurden abends immer die Fenster ver-dunkelt, damit die Russen die Huser in der Nacht nicht schon von Weitem sahen. An diesem Tag aber verga man aufs Verdunkeln und bald kamen Russen und sahen den Vater am Boden liegen. Am nchsten Tag kamen Offiziere und ordneten an, den Vater rasch zu beerdigen und so geschah es auch. Am darauffolgenden Tag kamen wieder russische Offiziere und ordneten an, dass der Vater wieder ausgegraben werden msse. Aber die Mutter war nervlich schon vllig am Ende und wollte nicht wieder den Sarg des Mannes ausgraben lassen. So beaufsichtigte der Mes- ner die Exhumierung. Die Russen lieen den Sargdek- kel ffnen, um sicher zu stellen, dass der Vater durch einen Genickschuss ums Leben gekommen war. Dann wurde der Vater endlich zur ewigen Ruhe gebettet. Frau Jank jedoch musste noch einige Male nach Scheibbs zum Verhr. Was wirklich zwischen Brger- meister Jank und dem russischen Soldaten vorgefallen war, das wei natrlich niemand. Die Witwe, Helene Jank, Buerin auf dem Hofe Hoberg, Drnbach Nr. 2,

    31 Das neu renovierte Jankkreuz, im Hintergrund zeigt der Petzenkirchener Kirchturm auf die Wallfahrtskirche Maria Taferl. 32 Brgermeister Franz Jank.31

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    Im Dorf Drnbach, genau im Zwickel, welchen die Strae nach Groa und der alte Kirchenweg von Groa nach Wieselburg bilden, steht ein schnes Kasten- kreuz mit einem auf Blech gemalten Herrgott. Obgleich der Herrgott schon etwas verwittert ist, macht das Kreuz einen gepflegten Eindruck. Wie ich hrte, berlegt man in Drnbach aber ohnehin eine Restaurierung. Das Kreuz befindet sich auf einem Grundstck, das frher zum Hof der Familie Kmpf gehrte; heute ist es in das ffentliche Gut der Gemeinde Bergland bernommen. Familie Hans und Gabi Heiligenbrunner, Drnbach 18, mhen den Rasen rund um das Kreuz, und Frau Schrittwieser schmckt es mit Blumen. Leider konnte ich niemanden finden, der ber den Aufstellungsgrund des Kreuzes Bescheid wei. Aloisia Koch aus Drnbach meinte, dass das Kreuz errichtet wurde, weil einst eine schreckliche Krankheit in Drnbach wtete und es viele Tote gab. Zum Gedenken und Dank fr das Ende dieser Krankheit knnte das Kreuz aufgestellt worden sein.Um es nicht gnzlich in Vergesseneheit geraten zu lassen, mchte ich nebenbei noch erwhnen, dass am Stadel der Familie Kmpf, nicht weit vom Kreuz entfernt, ein Heiligenbild angebracht war. Angeblich wurde es zum schul- digen Dank aufgehngt, weil der Stadel beim Brand des Hofes als einziges Gebude unbeschadet blieb. Vermutlich existiert das Bild aber seit etwa 50 Jahren nicht mehr.

    33 +34 Das berdachte Kastenkreuz in Drnbach mit einem auf Blech gemalten Christus.

    Das Kreuz in Drnbach09

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    Fhrt man auf der Strae von Drnbach nach Groa, so kann man kurz nach der Abzweigung nach Rosenau inmitten der Felder eine schne Kapelle sehen. Im Sommer ist sie durch das Blattwerk von vier alten Lin- den fast gnzlich verdeckt. Frher, so erzhlte mir Hele- ne Groschupf, war da, wo sich heute fruchtbare Felder hinziehen, dichter Wald. So stand die Kapelle also di- rekt im Walde bzw. am Waldrand. Der Verbindungsweg vom Haus Groschupf zum Haus Hinterleitner in Drnbach 2 soll angeblich auch an der Kapelle vor-beigefhrt haben. Spter aber kam das Kleinod, bedingt durch die moderne Landwirtschaft, welche mglichst groe Felder braucht, die mit den gewaltigen Maschinen leichter bewirtschaftbar sind, direkt auf den Feldern der Familie Groschupf zu stehen. Immer schon gehr- te das sakrale Bauwerk zum Haus Drnbach Nr. 3, dem Hof der Familie Groschupf. Im Jahre 1970 wurde das Feld an Franz und Maria Mayer in Rosenau 7 verkauft und somit auch die Kapelle, die in ihrem Inneren eine Muttergottesstatue und zwei Hinter-glasbilder birgt. Eines der Bilder zeigt den drachenttenden Hl. Georg, das andere den mantel-teilenden Hl. Martin. Beide Hin- terglasbilder wurden von Maria Lasselsberger aus Pressbach vor etwa 30 Jahren gemalt. Die gipser- ne Madonna wurde, weil sie eine Lourdes-Madonna ist, von Mela- nie Frschl aus Schllenbach bei der Neubemalung mit einem wei- en Mantel versehen.

    35 Die Kapelle zwischen den Linden im Jahre 2004, noch mit der blau ummantelten Madonna und einer Ruhebank davor. 36 Blick nach Petzenkirchen.

    Kapelle zum Haus Drnbach 310

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    Im obersten Feld des schmiedeeisernen Tores finden sich die Jahreszahl 1876 und die Initialen G Z G fr Georg und Zzilia Groschupf. Angeblich knnte die Jahreszahl falsch sein, denn vor langer Zeit fiel die dritte Ziffer aus der Verankerung. Bei der Renovierung vor etwa 30 Jahren wusste man dann nicht mehr ganz genau, welche Ziffer an dieser Stelle war. Aus welchem Grund auch immer man sich fr die Sieben entschied, ist unbekannt.Franz und Manuela Mayer renovierten die Kapelle im Mai 2008 und sie sieht jetzt wunderschn aus. Die Kapelle ist zur Petzenkirchner Kirche gerichtet. Franz Mayer erzhlte mir, dass an schnen Tagen die markanten Lindenbume neben der Kapelle sogar von Maria Taferl aus zu sehen seien. Der Bauer Karl Groschupf erzhlte im Jahre 1970 Alois Wolfram Folgendes: 11) Die Familie Groschupf hat den Hof 1832 gekauft. Gebaut haben die Kapelle die Urgroeltern von Karl, nmlich Georg und Zzilia Groschupf. Er besttigt, dass die Kapelle damals in der Nhe eines Waldes stand und ein Weg an der Kapelle vorbeifhrte.

    Diesen Weg benutzten die Oberndorfer Wallfahrer auf ihrer alljhrlichen Pilgerreise nach Maria Taferl. Bei der Kapelle machten sie Rast und beteten. Der Wald wurde lngst gerodet und der Weg verlegt, sodass sich um die Kapelle ein einziges groes Feld ausbreitet. 1969 gibt Wolfram eine Renovierung der Kapelle an. 12)

    Da der Wallfahrtsweg schon immer hier vorbeifhrte, nimmt Wolfram an, dass vor der Kapelle bereits ein Kreuz existierte. Wre die Kapelle 1876 gebaut worden, ohne dass ein Kreuz davor an dem Platze stand, dann msste es wohl einen Grund dafr geben. Herr Groschupf erzhlte auch, dass frher zwei auf Leinwand gemalte Bilder in der Kapelle waren ein Dreifaltigkeitsbild und ein zweites Bild, welches die Muttergottes mit dem Jesukinde zeigte, zu ihrer Linken ein Engel, zu ihrer Rechten eine Heilige, vermutlich die Hl. Anna. Darunter stand in Bogenform angeordnet folgende Inschrift: Ohne dem gehe nicht vorbei, ehe den die Mutter Gottes geehrte sei den Sie ist ja die in der letzten Noth die grte Frsprecherin fr uns bei Gott. Darunter waren der Hl. Sebastian und der Hl. Florian abgebildet.

    37 Der Innenraum der Kapelle. Die nun wei bemalte Lourdes-Madonna ziert die Mittelnische. 38 In der linken Nische befindet sich ein Bild des mantel- teilenden Martin. 39 In der rechten Nische befindet sich jenes des drachen-ttenden Georg. Beide Hinterglasbilder wurden von der Pressbacher Malerin Maria Lasselsberger vor etwa 30 Jahren geschaffen.37

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    Brandstetten

    Forst am Berg FurthHrmannsberg

    Galtbrunn

    Oed beim Roten Kreuz

    Fohregg

    Groa

    WieselburgDrnbach

    WieselburgSt. Leonhard

    Ruprechtshofen

    Oberndorf

    Grub

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    Groa, Brandstetten, Galtbrunn, Oed beim Roten Kreuz,Forst am Berg, Furth, Hrmannsberg und Fohregg

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