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Henrik Ibsen Hedda Gabler - Buch.de · PDF fileVorwort Vorwort 7 Ibsen Stücke haben das gleiche Schicksal wie die Stücke Anton Tschechows, Maxim Gorkis und die frühen Stücke Gerhart

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Text of Henrik Ibsen Hedda Gabler - Buch.de · PDF fileVorwort Vorwort 7 Ibsen Stücke haben das...

  • Knigs Erluterungen und MaterialienBand 459

    Erluterungen zu

    Henrik Ibsen

    Hedda Gabler

    von Rdiger Bernhardt

  • 2

    1. Auflage 2007ISBN-13: 978-3-8044-1861-5 by Bange Verlag, 96142 HollfeldAlle Rechte vorbehalten!Titelabbildung: Katharina Schttler als Hedda Gabler in der Ostermeier-Inszenierung 2005 (vgl. S. 127 die- ser Erluterung). Foto Arno Declair, HamburgDruck und Weiterverarbeitung: Tiskrna Akcent, Vimperk

    Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich ge-schtzt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fllen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu 52 a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile drfen ohne vorhe-rige schriftliche Einwilligung des Verlages ffentlich zugnglich gemacht werden. Dies gilt auch bei einer entsprechenden Nutzung fr Unterrichtszwecke!

    ber den Autor der Erluterung:

    Prof. Dr. sc. phil. Rdiger Bernhardt lehrte neuere und neu-este deutsche sowie skandinavische Literatur an Univer sitten des In- und Auslandes. Er verffentlichte u. a. Monografi en zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbcher heraus. Seit 1994 ist er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Soziett gewhlt.

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    Inhalt

    Vorwort ................................................................ 5

    1. Henrik Ibsen: Leben und Werk ......................... 81.1 Biografie ................................................................ 81.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund ............................ 171.3 Angaben und Erluterungen

    zu wesentlichen Werken ........................................ 24

    2. Textanalyse und -interpretation ........................ 282.1 Entstehung und Quellen ........................................ 282.2 Inhaltsangabe ........................................................ 402.3 Aufbau .................................................................. 502.4 Personenkonstellation und Charakteristiken ........... 622.5 Sachliche und sprachliche Erluterungen ............... 722.6 Stil und Sprache .................................................... 842.7 Interpretationsanstze .......................................... 89

    3. Themen und Aufgaben ....................................... 96

    4. Rezeptionsgeschichte .......................................... 100

    5. Materialien .......................................................... 117

    Literatur .............................................................. 122

    Zitiert wird nach Henrik Ibsen: Hedda Gabler. Schauspiel in vier Akten. Aus dem Norwegischen ber-setzt von Christel Hildebrandt. Nachwort von Helmut Bachmaier. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2005 (Universal-Bibliothek Nr. 2773).

  • 4

  • Vorwort

    Vorwort 5

    Vorwort

    Ibsens Hedda Gabler im gleichnamigen Stck, das eines der modernsten und aktuellsten Stcke des norwegischen Dramatikers ist, mchte ihren genialen Freund mit Weinlaubim Haar (66) nach einem Herrenabend als Sieger sehen, aber er kommt nicht wie Dionysos von einem Bacchanal, sondern als ein Gescheiterter und Zerstrter. So bleibt Hedda der dring-liche Wunsch an ihn, er mchte wenigstens in Schnheit (87) sterben. Auch das scheitert. Ob Leben oder Tod, weder Weinlaub fr den Sieger noch der Tod in Schnheit erfllen sich. Es bleibt Hedda, ihren Wunsch und Auftrag selbst umzu-setzen, sie nimmt sich das Leben. Aber keinen interessiert es, denn so die neue gesellschaftliche Absprache in der brger-lichen Gesellschaft so etwas tut man doch nicht (106).Hedda Gabler hat Beruf und Berufung aus vergangener, aris-tokratischer Zeit erhalten: ihre Berufung als Tochter eines Generals und damit ihren Beruf, den zugehrigen Stand zu reprsentieren. Louise Dumont (18621932), eine groe Schau-spielerin und Theaterleiterin mit viel Engagement fr Ibsen, mit dessen Stcken sie 1904 auf Europa-Tournee ging, wobei sie die Hedda Gabler spielte, sah in Hedda die Reprsen-tantin einer fast berlebten Gesellschaftsform1 und wur-de mit diesem Verstndnis eine rhmliche Ausnahme. Ibsens Hedda erkennt, dass ihr Stand und damit ihr Vorhaben, ihn zu reprsentieren, unter brgerlichen Verhltnissen berfl ssig geworden sind und nimmt deshalb nicht Abschied von der brgerlichen Welt2, sondern von der aristokratischen. Ibsen 1 Louise Dumont: Vermchtnisse. Hrsg. von Gustav Lindemann. Dsseldorf: Verlag von August

    Bagel AG, 1932, S. 1822 Vgl. Fritz Paul: Mit Weinlaub im Haar. Hedda Gablers Abschied von der brgerlichen Welt. In:

    Interpretationen. Ibsens Dramen. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2005 (Universal-Bibliothek Nr. 17530), S. 125

  • Vorwort

    Vorwort6

    fand, dass sich die Schicksale seiner Figuren auf Grund gl-tiger sozialer Verhltnisse und Anschauungen3 vollzogen. In seinen gesellschaftskritischen Stcken beschrieb Ibsen die De-formierung des Menschen, seiner Wertvorstellungen und Idea-le in der brgerlichen Welt. Verursacht wurden die Verluste, wie er in seinen Gestalten demonstrierte, durch beschrnkte Bildung und geschwundenes kulturelles Interesse im Brger-tum. Daraus entstanden Langeweile und sinnentleerte, ma-lose Unterhaltung, bigotte Religiositt (Richtig hbsch soll sie ins Grab kommen., 89), die Unfhigkeit zu zielstrebigem und konzeptionellem Denken, fehlende Zukunftsvorstellungen und der Verlust an Gemeinschaftssinn. Ibsens Hedda Gabler wurde mit diesen Themen zu einem der modernsten Stcke der Welt-literatur und zunehmend aktueller.Gesellschaftliche Vernderungen wnschte Ibsen, aber grund-stzliche Antworten hatte er nicht. Sein Amt war fragen, nicht Bescheid zu geben, wie seine berhmte Maxime aus dem Reimbrief (1875) hie. Die ungeheure Wirkung seiner Dramen auf den europischen Bhnen war durch die Genau-igkeit der sozialpsychologischen Analyse und durch die Ein-dringlichkeit der szenischen Handlungen begrndet worden. Und seine Schauspiele waren immer aufreizend spannend: Whrend ihre Handlung scheinbar alltglich verlief, sprte jeder Zuschauer eine Doppelbdigkeit voller Geheimnisse. Es war die verdrngte Wirklichkeit einer verrotteten Gesellschaft, die Leiche im Laderaum, wie eines der bekannten Symbole Ibsens lautete.4

    3 Brief an Moritz Prozor vom 4. Dezember 1890. In: Ibsen: Smtliche Werke, Bd. 10, S. 396; Ibsen: Briefe, S. 184, Ibsen: Dichter ber ihre Dichtungen, S. 196: Hier wurde auf das Attribut sozialer verzichtet, dafr wurde von gltigen Gesellschaftsverhltnissen gesprochen.

    4 Ibsen beschreibt in seinem Gedicht Ein Reimbrief (1875 an Georg Brandes gesandt) die Mensch-heit als ein Schiff, das gelhmt werde, weil es als Ladung eine Leiche mit sich fhre. Ibsen: Smtliche Werke, Bd. 1, S. 156 und 159

  • Vorwort

    Vorwort 7

    Ibsen Stcke haben das gleiche Schicksal wie die Stcke Anton Tschechows, Maxim Gorkis und die frhen Stcke Gerhart Hauptmanns. Sie folgen heute den gleichen Prinzipien, mit denen diese Stcke ihren Schpfern um die Jahrhundertwende 1900 Weltruhm brachten. Nach wie vor und erneut geraten sie in eine Wirklichkeit, deren Abbild sie ohne grere Vernde-rungen sein knnten. Es fllt nicht einmal auf, dass in diesen Stcken Telefone und Handys fehlen, man glaubt, sie stnden in den Nebenrumen.Hedda Gabler galt vor mehr als einhundert Jahren wegen der scheinbar skurrilen Charaktere als schwer spielbar und wurde von Kritikern fr unglaubhaft befunden, weil sie seine soziale Brisanz nicht erkannten. Seit der Premiere 1891 wurde es ca. 500-mal inszeniert. Heddas Wunsch nach groen Taten im Rahmen ihres aristokratisch geprgten Auftrags mit Diener und Reitpferd (37) sie ist die Tochter eines Generals , und begrndet durch ein ahistorisch gewordenes strenges Ehrver-stndnis, ist in einer Zeit der Banalitten, Trivialitten und der verkommenen Werte im Freitod als eine Art Opfer zu erfllen. Aber selbst der Tod wird in dieser Zeit, obwohl von ihr meisterhaft inszeniert, zur Belanglosigkeit. Hedda, die lei-denschaftliche, ebenso anziehende wie abstoende Frau, muss ihre Berufung aufgeben, weil die Normen ihrer Klasse und ihres Standes nicht mehr aktuell sind. Der vorliegende Kommentar versucht, neben den kaum ber-sehbaren gegenstzlichen und oft nicht nachvollziehbaren Interpretationen einen schlssigen Weg zu suchen, der den Intentionen des Dichters folgt. Dabei sollen die ungebrochene Aktualitt des Werkes erklrt und punktuelle Einsichten in die unbersehbare Wirkung des Schauspiels geboten werden.

  • 1.1 Biografie

    1. Henrik Ibsen: Leben und Werk8

    1. Henrik Ibsen: Leben und Werk

    1.1 Biografie

    Jahr Ort Ereignis

    1828 Skien Henrik Johan Ibsen wird am 20. Mrz geboren. Vater: Knud, Kaufmann, Mutter: Marichen Cornelia Martine, geb. Alten-burg.

    1835 Venstp August: pltzlicher Konkurs des Vaters, Umzug.

    1844 Grimstad Lehrling und -gehilfe in der Reimannschen Apotheke.

    1846 Grimstad Geburt des Sohnes Hans Jacob Henriksen aus dem Verhltnis mit dem Dienstmdchen Else Sophie Birkedalen.

    184849 Grimstad Vorbereitung auf das Abitur, erste dichterische Versuche:Vermischte Gedichte, Catilina.Er will Arzt werden. Beein-druckt von der nationalroman-tischen Dichtung Welhavens, Andreas Munchs und Oehlen-schlgers; Ibsen schreibt histo-rische Dramen.

    Alter

    7

    16

    18

    2021

  • 1.1 Biografie

    1. Henrik Ibsen: Leben und Werk 9

    Jahr Ort Ereignis 1850 Christiania Heltbergsche Abiturientenfab-

    rik, Berhrung mit der norwe-gischen Arbeiterbewegung, den Thranitern. Mitarbeit an Zeit-schriften. Catilina erscheint.Abitur teilweise bestanden, in Griechisch und Mathematik ungengend.

    1851 Christiania Hrt Vorlesungen, publizistisch ttig: Im Januar erscheint die literarisch-satirische Zeitschrift Manden = Der Mann. Er zahlt stndig zu spt Unterha

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