Headliner #062

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Headliner - Musikmagazin - Freitags in der Neuen Suedtiroler Tageszeitung

Text of Headliner #062

  • von Reinhold Giovanett

    Tinnitus, so die medizinischeDefinition, ist eine akusti-sche Wahrnehmung, die zu-stzlich zum normal auf das Ohrwirkenden Schall wahrgenommenwird. Dabei stammt diese Wahr-nehmung nicht aus der Umgebungder betroffenen Person und kannvom Zischen, Rauschen und Klop-fen bis hin zum Brummen reichen,um nur einige mgliche Formender akustischen Eindrcke aufzu-zhlen. Der Tinnitus kann viele Ur-sachen haben und die Folge einerEntzndung des Ohres sein, wieeben auch durch starken Lrm,durch ein akustisches Trauma.Ein besonders eklatanter Fall ist je-

    ner des Bozner Musikers WernerBauhofer, der seit seinem elften Le-bensjahr Gitarre spielt und sein Le-ben in den letzten knapp vierzigJahren auf die Musik und das Gitar-renspiel eingerichtet hat. Neben sei-ner Ttigkeit als aktiver Musikermit diversen Projekten und Bands,hatte Bauhofer in den letzten Jah-ren die Gitarren-Schule Guit-Artaufgebaut und hat unter anderemauch Musik fr Theaterstcke ge-schrieben. Seit mittlerweile fastzwei Jahren kann Werner Bauhoferweder Gitarre spielen, noch sich mitMusik beschftigen, und wie es aus-

    sieht, wird sich dies in absehbarerZeit nicht ndern.Mittwoch, 9. Jnner 2008, Musik-schule Auer. Werner Bauhofer be-tritt in der ersten Gitarrenstundenach den Weihnachtsferien mitzwei Schlern den Raum der Mu-sikschule, sie stimmen die Gitarrenund Bauhofer schliet den Gitar-renverstrker ans Stromnetz an,ohne die Einstellungen am Ver-strker zu kontrollieren. Bauhofer:Ich kann das Gerusch nur als oh-renbetubendes Feedback be-schreiben, ausgelst durch die dreidem Verstrker zugewandten Gi-

    tarren, die sich einen Meter davorbefanden. Ich wei bis heute nicht,wer die Einstellungen am Verstr-ker verndert hat, die zu diesemFeedback gefhrt haben. Bauho-fer bringt die beiden Schler durcheine nahegelegene Tr in Sicher-heit und schickt sich an, den Ver-strker auszuschalten, bricht aberkurz davor zusammen: Ich lageineinhalb bis zwei Minuten ohn-mchtig vor dem Verstrker undals ich wieder aufgewacht bin, habeich bereits nichts mehr gehrt.Seither hat das Gehr sogar noch

    Fortsetzung >

    Tinnitus

    Freitag, 30. Oktober 2009 Nr. 212/17. Jg.

    > Redaktion Tageszeitung Headliner: redaktion.headliner@gmx.com Tel. 329/5913560

    TageszeitungDIE NEUE SDTIROLER

    Der Fall Werner Bauhofer

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  • Headliner: Als Headliner wurdedie international erfolgreicheSchweizer Trash/Metalcore Com-bo Cataract verpflichtet. Wel-che Bands spielen zudem im Vor-programm und nach welchen Kri-terien werden diese ausgewhlt? DaNi: Als Vorbands haben wireine vielseitige Mischung aus al-len Bereichen der hrteren Me-tal-Gefilde. Als Co-Headlinerspielen Through Your Silence ausMailand progressiven Deathme-tal. Meraner Urgesteine Vocies ofDecay beliefern uns mit melodi-schem Blackmetal und Old-Hateaus Bruneck sind mit ihrem Old-school-Hardcore mit dabei. Zuvorgibt es noch Enemy aus WienerNeustadt. Den Anfang machenRabauken aus Bruneck, eine jun-ge Band, die sich das Covern vonKinderliedern zum Ziel gemachthat. Ziel ist es, eine neue Platt-form zu schaffen, bei der Sdtiro-ler Bands die Mglichkeit habenmit internationalen Top Acts auf-zutreten. Zudem bin ich auch im-mer bedacht, dass Bands, mit de-nen ich zusammenarbeite, auf die-sen Events ihr Knnen unter Be-weis stellen knnen.

    Du hast bereits drei Mal das Ar-chetype Festival im JuZe Loopin Sand in Taufers organisiertund es war immer sehr gut be-sucht. Warum jetzt der Lokal-wechsel? Ich hatte immer das Ziel 2 grereIndoor-Festivals pro Jahr zu veran-stalten und da beschlossen wurde,dass das Archetype Festivalzuknftig immer im Mai abgehaltenwird, war Zeit fr ein neues Projekt,

    welches ich mit Hilfe der UFO-Or-ganisation umsetzen konnte. Also wird das Archetype Festi-val wieder im Loop veranstaltetund das Idiots of Noise paralleldazu verlaufen? Ich denke, dass wir das Archety-pe Festival am Ursprungsort be-lassen. Das JuZe Loop war stetsgut besucht, die Stimmung war im-mer unglaublich gut. Das Idiots ofNoise kann vielleicht schneller

    wachsen und wird bei Erfolg sicherauch nchstes Jahr wieder ber dieBhne gehen.Kann daraus eine mgliche Zu-sammenarbeit der Jugendzen-tren resultieren? Es wre natrlich schn, wenn sichdaraus irgendwann eine Arbeits-gruppe entwickeln wrde, um einwirklich groes, gemeinsamesEvent auf die Beine zu stellen. Malsehen, was die Zeit bringt. (Gonzo)

    Fortsetzung >weiter ab- und der Tinnitus zuge-nommen. Bauhofer przisiert, dassdie Pfeiftne, die er heute nochwahrnimmt, bei einer subjektivenLautstrke von 120 Dezibel liegen. Nach dem Unfall folgte ein 14tgi-ger Krankenhausaufenthalt undeine Reihe von Nachbehandlungenmit Medikamenten, die sich teil-weise bis heute hinziehen. Einigedieser Nachbehandlungen, die beianderen akustischen Traumatadurch Lrm Wirkung zeigen,brachten Bauhofer nicht weiter,

    auch weil das Trommelfell beiderOhren durch diesen Vorfall besch-digt worden ist. Bauhofer hatte mitakustischen Halluzinationen zukmpfen, musste mit dem pltzli-chen starken Ansteigen des Tinni-tus zu einem alles bertnendenLrm rechnen, musste auf Anti-Depressiva zurckgreifen und hat-te auch damit zu kmpfen, dass ersich immer mehr zurckzog, weildie Auseinandersetzung mit der

    Welt drauen anstrengend undaufreibend war: Wenn man sichmit einer Person unterhlt, danngeht das noch, man kann sich dar-auf konzentrieren und man stelltsich darauf ein. Sobald aber mehrPersonen im Raum sind, muss manpassen. Das Hrgert verbessertdie Situation, lst das Problem desTinnitus jedoch nicht.Auch ber zwanzig Monate nachdem Unfall ist die Situation immernoch komplex und auf die Frage, ober berhaupt keine Musik mehrmachen knne folgt eine kurzePause und dann die Antwort: Esmacht keinen Spa mehr. Dustimmst die Gitarre, machst ein A-Moll und wrdest am liebsten wie-der die Saiten stimmen. GewisseSchwingungen haben einfach keineKonsistenz mehr, die tiefen Tnesind vllig verschwommen undwenn Tne gleichzeitig gespieltwerden, entsteht eine Art Verzer-rung. Musik zu machen auf profes-sioneller Basis geht nie und nim-mer. Anfangs habe ich in Hinsicht

    auf eine Verbesserung meinerLage gespielt, um wenigsten meineHnde fit zu halten. Aber es istschrecklich, weil man ja nie weiwelche Note passt und welchenicht. Frher habe ich blind ge-spielt, nach Gehr eben, heute hin-gegen msste ich alles nur mehr vi-suell machen. Es war ein groer Schock fr Wer-ner Bauhofer, als sich die Tragwei-te dieses Unfalles abzeichnete under sein Musikerdasein quasi been-den musste, obwohl er sich seit gutvierzig Jahren intensiv mit derMusik beschftigt hat und von die-ser als Profimusiker und als Be-treiber einer Gitarren-Schule auch zu leben vermochte.Bauhofer: Man lernt aber mit al-lem umzugehen. Ich nehme mir einBeispiel an Leuten, die wirklichvon einem schweren Schicksal be-troffen sind und versuche damitumzugehen. Sein nchstes Ziel istes, sich von den Medikamenten zulsen, die er nach wie vor einneh-men muss. Darber hinaus hat er

    auch damit begonnen, wieder diesozialen Kontakte zu knpfen. Erlsst sich auch wieder auf Small-talks mit Musikern ein, die wissendum seinen Unfall manchmal etwasverunsichert sind. Zudem hat erdamit begonnen, Storys zu schrei-ben, betonend, dass dies nicht nurein reines Hobby ist, sondern aucheiniges an Konzentration abver-langt und tglich nicht lnger alsfnf bis zehn Minuten mglich ist.Bauhofer: Ich versuche die Situa-tion wie sie ist zu akzeptieren, nichtmehr alles so ernst und persnlichzu nehmen wie anfangs. Man kannes vielleicht schaffen damit fertigzu werden, die Lage zu verbessernund ein normales Leben zu fhren,aber man braucht dazu die Hilfevon anderen Leuten. Allein ist dasnicht mglich, nicht einmal fr ei-nen sturen Schdel wie mich.

    Tageszeitung

    Freitag, 30. Oktober 2009 Nr. 212

    Idiots of Noise FestivalHeute Abend, ab 19.00 Uhr,

    findet die Erstauflage des Archetype Idiots of Noise im

    Jugend- und KulturzentrumUFO in Bruneck statt.

    Wir haben uns im Vorfeld mit Daniel

    DaNi Hofer(Archetype

    Design)unterhalten.

    Kommen mit melodischemBlackmetal von Meran nach Bruneck: Voices of Decay

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    Werner Bauhofer startete mit Bluesrockund kam schlielich zum modernen Country: Links mit der Spolpo Blues Band Mitte der Achtziger, rechts mit

    seinem Country-Projekt Country Palace vor wenigen Jahren.

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    Kann in absehbarer Zeit keine Musik mehr machen: Gitarrist und Gitarrenlehrer Werner Bauhofer.

  • Die Meinungen ber die deutscheBand Samsas Traum gehen weitauseinander: Durchdachte Kon-zeption fr die einen, ironieloseSelbstinszenierung fr die ande-ren. Alex Kaschte, Kopf der Band,besucht Sdtirol in unregelmi-gen Abstnden und hat mit unsber die Entwicklung von SamsasTraum, die Zahl 13 und ber dieBozner Gothic-Metal-Band Alightgesprochen, die Samsas Traumauf ihrer Tour begleitet.Headliner: Du hltst dich manch-mal in Freienfeld auf. Hast du malmit dem Gedanken gespielt mitSamsas Traum hier bei uns aufzu-treten?Alex Kaschte: Natrlich wrde ichgerne mal ein Konzert in Sdtirolspielen, es hat sich bisher aber lei-der nicht ergeben. Ich war als Kon-zertbesucher bereits im UFO inBruneck, das Jugendzentrum alsVeranstaltungsort ist Euch wirklichsehr gelungen. Wahrscheinlich gibtes aber auch in Bozen noch andere,gut fr Konzerte geeignete Clubsvon denen ich nur nicht wei. Solltediese Zeilen ein Konzert- oder Fest-ivalveranstalter lesen, darf er sichgern bei uns melden, wir wrdenuns ber einen Auftritt in Sdtirolwahnsinnig freuen.Die Geschichte von Samsas Traumwird immer wieder von der Anmer-kung durchzogen, dass SamsasTraum nicht in eine Schublade ge-steckt werden soll. Wie wrdest dueuren Stil und eure musikalischeEnt