good life - Ausgabe 9 / September 2009

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Shiatsu-Praxis House of Energy - Newsletter

Text of good life - Ausgabe 9 / September 2009

  • House of Energy - Newsletter

    Ausgabe 9 / September 2009 Seite 2

    Vorwort Liebe Leserinnen und Leser! Sie haben die September-Ausgabe unseres Newsletters vor sich wie immer randvoll mit Neuigkeiten fr Ihre Gesundheit und ber das House of Energy.

    Mit unserem monatlichen Newsletter wollen wir Anregungen, Tipps und Ratschlge fr Ihre Gesundheit, aber auch fr den Alltag geben. Nehmen Sie sich die Zeit, einmal in Ruhe durch die Artikel zu stbern. Sicherlich werden Sie etwas Interessantes finden. Wir wnschen viel Spa beim lesen. Mit lieben Grssen und bis bald im House of Energy Peter Stegmair & Margit Sevignani

    Seien Sie die Vernderung, die Sie in der Welt sehen wollen!

    Mahatma Gandi

  • House of Energy - Newsletter

    Ausgabe 9 / September 2009 Seite 3

    Aktuelles Faszien und Nervensystem Faszien welch ein faszinierendes Organ! Dieses Netzwerk aus derben Bindegewebs-Hllen, -Strngen und Schichten bildet ein fast alles durchdringendes und umhllendes Netzwerk im Krper. Mitunter hauchdnn kann eine Faszie auch mehrere Zentimeter dick werden, wie dies etwa bei der Lumbodorsal-Faszie im oberen Sakrum-Bereich der Fall ist. Der Tonus der Faszien trgt wesentlich zur Regulation von Krperstruktur und Bewegung bei. Einige Autoren sprechen daher auch von den Faszien als dem Organ der Form. Faszien sind zhe Bindegewebshute, die flchig weite Teile des Krpers verbinden. Sie bilden das Organ unseres Krpers, das die anatomische Trennung der Knochen am eindrucksvollsten aufhebt, denn sie sorgen dafr, da sich die Teile des Krpers zu einem verbundenen Ganzen fgen. Sie werden aus dieser Sicht als formgebendes Organ eingestuft.

    Wenn wir an Muskeln, Bnder oder Sehnen denken, dann werden wir geistig zu einer Vorstellung verleitet, die sich am Zweidimensionalen orientiert. Zwei Punkte - die Ansatzpunkte der Muskeln, Sehen oder Bnder - werden entlang einer Linie miteinander verbunden. Anders wenn wir an Faszien denken. Hier mssen wir einfache Vorstellungen aufgeben und uns mit flchigen zweidimensionalen gewlbten einander durchdringenden Schichten beschftigen, die unseren Krper in drei Dimensionen gestalten.

    Schauen wir uns die Eigenschaften des Bindegewebes einmal genauer an:

    Flchen "Es verbindet einzelne Zellen zu Geweben, Gewebe zu Organen, Organe zu Systemen, heftet Muskeln an Knochen und Knochen an Gelenke, umhllt jeden Nerv und jedes Blutgef, verankert alle inneren Strukturen fest an ihrem Platz und umschliet den Krper als Ganzes." In der klassischen Anatomie wird der Krper nach seinen Teilen, die sich mit dem Messer oder Skalpell durchschneiden lassen, eingeteilt. Von diesem Vorgang wird auch der Name Anatomie aus dem Griechischen abgeleitet. Betrachten wir den Krper mit dem Mikroskop knnen wir Zellen erkennen und den Krper als Summe von Zellanhufungen auffassen. Wrden wir nun die Zellen aus dem Krper entfernen, wird unser Blick frei fr die Bestandteile des Krpers, die nicht in Zellen gebunden sind, dazu gehrt das Bindegewebe, Ligamente und die Faszien. Schauen wir uns das genauer an, dann werden wir erkennen, dass die sogenannte Extrazellulre Grundsubstanz oder -matrix den Raum zwischen den Zellen anfllt und damit das Bindegewebe darstellt, das eine kontinuierliche Verbundenheit durch alle Krperbereiche hindurch gewhrleistet. Einteilungen, die auf der klassischen anatomischen Ebene getroffen werden, fhren fr das Bindegewebe zu willkrlichen Grenzziehungen. Diese durchsichtige, flssige Grundsubstanz ist in ihrer Erscheinung und Beschaffenheit rohem Eiwei hnlich und ist zu unterscheiden von anderer Zwischenzellflssigkeit wie Plasma, Nhrstoffe, Hormone, die aus Kapillaren und anderen Gewebezellen sickert. Sie besteht in erster Linie aus fibrsem kollagenem Material und Polysacchariden, das von den Zellen ausgeschieden wird und in unterschiedlichen Winkeln zusammengebunden wird.

  • House of Energy - Newsletter

    Ausgabe 9 / September 2009 Seite 4

    Die Rezeptoren an der Oberflche von Krperzellen reagieren auf die Anwesenheit und spezifischen Eigenschaften der sie umgebenden Extrazellulren Grundmatrix. So beeinflusst die Grundsubstanz den Zellstoffwechsel und das Zellwachstum. Wir sehen hier einen "morphocyclischen" (gestaltgebenden) Regelkreis zwischen einer kontinuierlichen Struktur des gesamten Krpers, dem Bindegewebe, und einer lokalen Struktur, der Zelle. Die Anwesenheit und die spezifischen Eigenschaften des Bindegewebes knnen so in groem Ausmae die Differenzierung der Krperzellen beeinflussen und umgekehrt. Bindegewebszellen gibt es natrlich auch und sie heien Fibroblasten. Sie sind die einzigen Krperzellen, die lebenslang die einzigartige Fhigkeit bewahren, an jeden Punkt des Krpers zu wandern. "Keine andere Zelle ist in so vielfltiger Weise regenerativ ttig. Faszien knnen leicht verkleben oder verhrten und damit bestimmte Bewegungsrichtungen erschweren und hemmen. Faszien hllen die Muskeln ein und schrnken die BewegungsAmplitude durch eine passive Dehnspannung ein. Weiter tragen sie dazu bei, welche Gelenkstellung wir als richtig und "normal" empfinden. Eine "normale" und uns vertraute Krperhaltung - wie zum Beispiel im aufrechten Stehen - wird anders erlebt als eine "gehaltene" aufrechte Stellung wie im Tadasana, in welchem zustzlich Muskelgruppen korrigierend eingreifen, um diese bestimmte Anordnung der Krperteile zu ermglichen. Dies ist notwendig, um der passiven Spannungen des Bindegewebes und der Faszien entgegen zu wirken. Stellen wir uns als Ideal einen "integrierten" Krper vor, dann wird eine aufrechte balancierte Haltung die normale Krperhaltung sein. Hier brauchen die Muskeln die Knochen nicht korrigierend zu bewegen, um zur gewnschten Krperhaltung zu kommen, sondern die Muskeln untersttzen die Faszien in ihrer Funktion. Unsere normalen gewhnlichen Krperhaltungen gehen mit einem Gefhl der Richtigkeit einher, auch wenn sie nicht effizient sind und die Gesundheit des ganzen Systems untergraben. Auch bewusst wahrgenommene Fehlstellungen und Schmerzen gengen in der Regel nicht, um unser Verhalten und unsere Krperhaltung zu ndern. Die "ideale" und objektiv bessere Krperhaltung wird oft als unnormal, unnatrlich, schief und gezwungen wahrgenommen. Erst mit der Zeit stellt sich diese Empfindung um. Ein Trick diese subjektive Barriere zu berwinden, ist die direkte Arbeit am Bindegewebe - wir wenden uns quasi gleich an die magebliche Instanz. Vernderungen, die auf dieser Ebene an der Kperstruktur entstehen, werden unmittelbar in unser Empfinden integriert und bleiben einem ungeschulten Gespr oft verborgen. Um Krperhaltungen zu beurteilen, ist es hilfreich den Unterschied zwischen Verkrzung und Verspannung einzufhren. In den anschlieenden Ausfhrungen verwende ich Begriffe, die von dem Schwezer Arzt und Rolfer Dr. med. Hans Flury entwickelt wurden. Dort wo der geometrische Abstand zwischen Krperabschnitten kleiner bzw. krzer ist als in einer balancierten Haltung, sprechen wir von einer (primren) Verkrzung oder primary shortness. Diese geht oft einher mit einer Verspannung der Faszien und der Muskeln in diesem Bereich. Verspannungen finden wir aber auch in anderen Krperbereichen, in denen keine Verkrzung vorliegt, sondern im geometrischen Sinne sogar eine berdehnung. Diese Verspannungen entstehen dann deshalb, um zu verhindern, dass der Krper von der Schwerkraft noch strker aus dem Lot gebracht wird. Sie haben also eine kompensatorische Wirkung und werden deshalb sekundre Verspannung bzw. Verkrzung oder secundary shortness genannt.

  • House of Energy - Newsletter

    Ausgabe 9 / September 2009 Seite 5

    Diese Unterscheidung hilft uns leichter zu erkennen, wo Dehnen im Asana einen integrierenden Effekt hat, nmlich an Stellen mit primrer Verkrzung - und nicht einfach dort, wo Verspannungen und entsprechend die Schmerzen am grten sind. Und wir werden langfristig vermeiden dehnend dort zu arbeiten, wo eine sekundre Verspannung vorliegt, da wir sonst desintegrierend auf die Krperstruktur wirken.

    Als Beispiel sind links Regionen mit primrer Verkrzung rot eingezeichnet und Regionen mit sekundrer Verspannung grn eingezeichnet.

    Noch eine Daumenregel fr die Praxis: Oft liegen primre und sekundre Verkrzungen auf gegenber liegenden Krperseiten. Und oft alternieren sie ber die groen Gelenke hinweg.

    Wir erkennen, dass die Krperstruktur bei einer schlechten Krperhaltung sowohl vorne als auch hinten beeintrchtigt ist. Der beidseitige Zug fhrt zu einer erhhten Kompression und Unbeweglichkeit der Gelenke.

    Spannungen existieren nicht lokal, sondern sind in ein umfassendes Spannungsmuster eingewoben. Dies schliet nicht aus, dass es Orte gibt, in denen Spannungen verstrkt auftreten und uns damit ein lokales Bild vermitteln. Diese Stellen, in denen wir die Verspannungen verstrkt wahrnehmen, fhren gewhnlich dazu, dass wir im Yoga gewisse Asanas meiden werden. Andererseits werden wir

    Asanas, die uns liegen, hufiger ben und damit ein schon bestehendes Ungleichgewicht verstrken. Dies ist bei geringer bungsfrequenz nicht so schlimm, denn im Allgemeinen sind die Asanas ausgewogen in ihrer Wirkung. Doch wer ausdauernd bt und einen tatschlichen Einfluss auf seine Krperstruktur anstrebt, sollte um diesen Umstand wissen und dem bewusst entgegenwirken. Zur physiologischen Aufgabe der Faszien gehrt es, Infektionen daran zu hindern von einem Krperbereich in andere Bereiche zu wandern und so den gesamten Krper zu befallen. Hier haben sie eine trennende Funktion.