Click here to load reader

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr · 2018-10-29 · Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr Soeben erschienen

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr · 2018-10-29 · Frohe Weihnachten und ein...

  • seit 1888

    G 2523ZeitschriftdesEifelvereinsJahrgang 98Heft 6, Nov./Dez. 2003

    Eifelverein im Internet unter: www.eifelverein.de – E-Mail: [email protected]

    Frohe Weihnachtenund ein glückliches

    neues Jahr

    Frohe Weihnachtenund ein glückliches

    neues Jahr

    Soeben erschienen

    Das idealeWeihnachtsgeschenk

  • ZUM JAHRESWECHSEL 1

    Zum Jahreswechsel

    Liebe Eifelfreunde,

    mit dem zu Ende gehenden Jahr bietet sich die Gelegenheit, Rück-schau auf unser Vereinsleben zu halten und all denjenigen zu dan-ken, die unseren Eifelverein auch im 116.J ahr seines Bestehensdurch attraktive Angebote als gemeinnützige Heimatorganisation festin unserer Gesellschaft verankert haben.

    So richte ich heute meinen herzlichen Dank an die vielen Vorständler und Funktionsträger inunseren Orts- und Bezirksgruppen, aber auch an meine Kollegen im Hauptvorstand, die imJahre 2003 erneut in ungezählten Arbeitsstunden Großartiges für den Eifelverein und damitauch für unsere Eifelheimat geleistet haben.An dieser Stelle möchte ich beispielhaft aus derArbeit des Hauptvereins zwei für die Eifel bedeutsame Projekte in Erinnerung rufen, die unsauch in den nächsten Jahren stark beanspruchen werden.

    Da ist zum einen der Deutsche Wandertag in der Eifel vom 12.–17.J uli 2006, welchen der Ei-felverein in Kooperation mit der Eifel Tourismus GmbH und unter Federführung des DeutschenWanderverbandes veranstalten wird.Erw artet werden rd.20. 000 Besucher und ein Umsatzplusvon rd.3 Mio.€ für die Region sowie nachhaltige positive Effekte für den Tourismus in der Eifelund unseren Eifelverein.

    Das zweite Großprojekt ist vorrangig dem Naturschutz gewidmet: die Mitarbeit des Eifelvereinsan der Realisierung des Nationalparks Eifel.Hier sind wir alle gefordert, unsere Gedanken undVorschläge in abgestimmter Form in die Diskussion einzubringen und vor allem an der Wege-konzeption im Rahmen des noch aufzustellenden Nationalparkplanes konstruktiv mitzuwirken.Ich bin mir sicher, dass wir dank unserer Sachkompetenz und besonderen Ansehens bei denBehörden mit dazu beitragen werden, dass die Umsetzung des Nationalparks Eifel eine se-gensreiche Einrichtung für die heimische Natur und die ortsansässige Bevölkerung wird.

    Damit wir möglichst überall präsent sind und unsere Meinung zu raumbedeutsamen Maßnah-men bei den Verwaltungen und der Politik weiterhin Gehör finden, müssen wir neue Ortsgrup-pen gründen.In diesem Jahr sind in der Stadt Würselen (BG Aachen), in Esch (BG Daun) undin Strauch (BG Monschauer Land) neue Ortsgruppen entstanden.Bit te unterstützen Sie meineAktivitäten zur Neugründung von Ortsgruppen, damit wir auch zukünftig in einem starken Ver-band die Interessen unserer Eifeler angemessen vertreten können.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit, frohe Festtage und ein gutesJahr 2004.

    Mit freundlichen Grüßen

    (Dr.-Ing. Hans Klein)– Haupvorsitzender –

    Titelbild: Schneemänner © Robert Willms, Stolberg-Werth

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG2

    Der Tiergartentunnel-WanderwegAuf Schritt und Tritt in Einklang mit der Natur und Kultur

    Von Dr. Klaus Grewe

    Blankenheim. Die mittelalterliche Wasserleitungzur Burg Blankenheim bietet ein außergewöhnli-ches technikgeschichtliches Ensemble.Die amtli-che Bodendenkmalpflege und der selbstlose Ein-satz von Bürgern der Gemeinde Blankenheimhaben um den Tiergartentunnel herum einenDenkmalkomplex sichtbar gemacht, der in derKulturlandschaft einzigartig ist: Die Quellfassung,vor wenig mehr als einem Jahr noch im Erdreichverborgen, wurde ausgegraben, archäologischuntersucht und wiederaufgebaut.Der Verlauf derDruckleitung durch das Tal vor dem Tiergartenwurde geophysikalisch nachgewiesen.Der Tun-nel, als Herzstück dieses Technikbaus, wurde

    streckenweise freigelegt; zwei seiner mittelalter-lichen Bauschächte und das südliche Mundlochwurden ausgeräumt und wiederhergestellt.DasWasserhäuschen am Ende des Tunnel wurde ge-reinigt und baulich gesichert.Alle unterirdischenBauwerksteile erhielten elektrische Beleuchtung.Schlussendlich wurden alle Bauwerksteile zu-gänglich gemacht und mit Informationstafeln be-schildert.

    Natur- und KulturerlebnisseEs war deshalb an der Zeit, der interessierten Öf-fentlichkeit die Ergebnisse der 1998 begonnenenArbeiten als Ganzes vorzustellen.Da die einzel-nen Bauabschnitte ohnehin über die rund einenKilometer lange Trasse des Aquäduktes verteiltsind, bot es sich an, diesen mittelalterlichenZweckbau über einen thematischen Wanderwegzu erschließen (Stationen 3 bis 7 des Tiergarten-tunnel-Wanderweges).Bei der Betrachtung die-ses Bodendenkmals werden die engen Bezügeder Wasserleitungstrasse zu der von ihr durchfah-renen Landschaft sichtbar; es lag deshalb nahe,diese Landschaft in den geplanten Wanderwegeinzubeziehen.A uf diese Weise werden demWanderer nicht nur weitere Bodendenkmäler er-schlossen, sondern es werden ihm auch die Be-sonderheiten der Natur zugänglich gemacht.DieLandschaft um Blankenheim lässt auf diesemWege einen tiefen Einblick in die Schatzkammernder Archäologie und der Natur zu.Die Wanderungdurch diesen Teil der Nordeifel kann somit zueinem spannenden Erlebnis werden.Bei der Planung der Etappen einer Wanderungsollte man die wiederaufgebaute Quellfassung„Alte Quelle“ (Station 4) als besonderen Rastplatzeinplanen, da hier eine Sitzgruppe und einSchutzbau neben dem unterhalb der Quelle ange-legten Quellteich zum Picknick einladen.Über die technischen Elemente der spätmittelal-terlichen Wasserversorgung der Burg ist auch inden Publikationen des Eifelvereins bereits aus-führlich berichtet worden (siehe: DIE EIFEL 95,2000, 339–353 und Eifeljahrbuch 2003, 189–193),deshalb soll das Augenmerk des Wanderers hierauf die übrigen Bodendenkmäler am Rande desTiergartentunnel-Wanderweges gelenkt werden.

    Blankenheim. Namengebend für eine wunderschöneneue Wanderstrecke in der nördlichen Eifel: Der Tier-gartentunnel von Blankenheim (Tiergartentunnel-Wan-derweg, Station 6). © K. Grewe

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG 3

    FrühgeschichtlichesRömische und fränkische Besiedlung im RaumeBlankenheim sind archäologisch nachgewiesen,in diesem Zusammenhang aber nicht von größe-rem Interesse.Zur Bedeutung des Ortes hat abersicherlich beigetragen, dass die alte RömerstraßeKöln–Trier mit einem ihrer Straßenzweige nur we-nige Kilometer entfernt bei Blankenheimerdorfverlief.Diese Straße hatte auch im Mittelalterdurchaus noch Bedeutung und verschaffte demOrt Anbindung an die wichtigsten Orte des Rhein-landes.

    In einer Urkunde taucht Blankenheim erstmals imJahre 1115 auf, womit Gerhard I.als Herr von

    Blankenheim bestätigt wurde.Die Blankenheimerwaren eines der mächtigsten Grafengeschlechterder Eifel.Mit dem Tode Gerhards VII.starb die äl-teste Linie der Blankenheimer 1406 aus, da es imMannesstamme keine Nachfolger gab.GerhardsTochter Elisabeth, als Erbtochter, heiratete imJahre 1415 Wilhelm I.v on Loen, womit sich derBlankenheimer Einfluss wesentlich erweiterte.Beider Sohn, Gerhard VIII.(1438–1460), vergrö-ßert den Landbesitz der Blankenheimer durchmassive Zukäufe, und wegen seines Reichtumswerden ihm zahlreiche Neu- und Umbauten aufder Burg zugeschrieben.Schon mit dem Tode desNachfolgers Gerhards, Wilhelm II.(1460–1468),stirbt auch diese Linie der Blankenheimer Grafen-

    Blankenheim. Laden einzur Rast: Schutzhütte und

    Sitzgruppe nahe der jüngstausgegrabenen und

    restaurierten Brunnenstube„Alte Quelle“ (Station 4).

    © K. Grewe

    Blankenheim. Die 2003archäologisch untersuchteRömerstraße im Olbrück-

    wald zeigt eine Stein-stickung als solide Unter-konstruktion (Station 15).

    © K. Grewe

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG4

    geschlechter aus.Da aus der Ehe Wilhelms mitMaria von Croy, erst 1468 geschlossen, keineNachfolger hervorgegangen waren, fiel die Erb-schaft an Dietrich, den Junggrafen von Mander-scheid.

    Dietrich III.v on Manderscheid-Blankenheim(1469–1498) war durch die Blankenheimer Erb-schaft ein sehr reicher Mann geworden, zumal ervordem schon ein großes Besitztum hatte.Er waraber nicht bloß reich, sondern auch angesehenbeim Papste, Kaiser und seinen Nachbarn.

    Die Übergangszeit von der Herrschaft GerhardsVIII.auf Dietrich III., also die Jahre 1468/1469,sind für unsere Betrachtungen deshalb von gro-ßem Interesse, da die dendrochronologische Be-stimmung des ältesten Holzrohres aus der Fern-wasserleitung zur Burg genau in diese Zeit weist.In diese Zeit fallen auch zahlreiche andere Um-bauten an der mittelalterlichen Burg.Im 17./18.Jahrhundert wurden die barocken Gartenanlagengeschaffen.

    Vor dem Einmarsch der französischen Revolu-tionstruppen in Blankenheim im September 1794floh die gräfliche Familie nach Böhmen.Danachdrohte die Burg zu verfallen, weshalb ab 1894 mitHilfe des Landes Preußen Sicherungsmaßnah-men durchgeführt wurden.1926 wurde die Burgvon der Deutschen Turnerschaft übernommen,seit 1936 ist sie Jugendherberge.1996 wurde dieJugendherberge nach sechsjähriger Schließungrenoviert und erweitert wiedereröffnet (Station 9).Im weiteren Verlauf führt der Tiergartentunnel-Wanderweg zu herrlichen Aussichten über die Ei-fellandschaft (Station 10) und an einem vorge-schichtlichen Hügelgrab (Station 11) vorbei.

    Österreicher kämpften für die EifelAn zwei Stellen kann der Wanderer ein Typ Bo-dendenkmal kennenlernen, der erst vor seinempolitischen Hintergrund seine wahre Bedeutungerlangt.Es handelt sich dabei um zwei sog.Öster-reichische Schanzen (Stationen 12 und 14).Mitdem Vordringen der Franzosen in das Rheinland

    Blankenheim. Die 19 km lange Rundwanderstrecke mit den Stationen 1–18 (s. S. 5)© K. Grewe, Landesvermessungsamt NRW (Genehmigung vom 8.12.1998, Nr. 98301)

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG 5

    zum Ende des 18.J ahrhunderts kommt es zuschweren militärischen Auseinandersetzungenmit den verbündeten Österreichern und Preußen.Im Eifelraum waren es die Österreicher, die denFranzosen standhalten sollten, aber zurückge-drängt wurden.Im Rahmen dieser kriegerischenHandlungen ist auch der Raum um Blankenheimbetroffen.Reste der Kriegshandlungen sind heutenoch im Gelände zu sehen.Die Fernstraße zwi-

    Die Stationen des Tiergartentunnel-Wanderweges1.Das Urfttal als Natur- und Kulturraum2.Das Naturschutzgebiet Haubachtal3.Der Stauteich in der „Rhenn“4.Die Brunnenstube „Alte Quelle“5.Die Druckleitungstrasse6.Der Tiergartentunnel7.Das Wasserhäuschen8.Der ehemalige Barockgarten9.Burg Blankenheim

    10.Eif elpanorama11.Das Hügelgrab „Russengrab“12.Österreichische Schanzen (I)13.Die Hängebuche auf dem Hügelgrab14.Österreichische Schanzen (II)15.Die Römerstraße durch den Olbrückwald16.Der „Altenburger Kopf“ mit der Altenburg17.Die Trasse der oberen Ahrtalbahn18.Das Urfttal als Natur- und Kulturraum

    schen Blankenheimerdorf und Schmidtheim –streckenweise ehemals Römerstraße und heuteB 51 – wurde von den österreichischen Truppenals Verteidigungslinie genutzt.In der sog.„T ran-chot-Karte“, der 1808/09 von den Franzosen ge-fertigten topographischen Karte des Rheinlandes,sind rechts und links der Straße in gestaffelter An-ordnung acht österreichische Geschützstellungeneingezeichnet und teilweise als „Batterie des Au-trichiens en l´année 1794“ beschrieben.Zw ei die-ser „Österreichischen Schanzen“ sind im Verlaufdes Tiergartentunnel-Wanderweges erschlossenworden.Sie sind als bogenförmig angelegte Wällemit vorgelagertem Gräben erkennbar.

    Aus dem Bericht eines Zeitgenossen geht hervor,dass Einwohner von Blankenheim, Schmidtheim,Kronenburg und Baasem von den Österreichernzu Schanzarbeiten auf der Höhe zwischenSchmidtheim und Blankenheim gezwungen wor-den seien.Die Stellungen seien aber nie beschos-sen worden, da sie von den Österreichern, ausFurcht, von den Franzosen umgangen zu werden,vor möglichen Kampfhandlungen geräumt wordenseien.

    Die vor uns liegende Erdwerke bestehen aushalbkreisförmigen Wällen mit vorgelagerten Grä-ben.Im Inneren sind jeweils drei Eintiefungen fürdie Geschütze erkennbar.Die letztere der beidenSchanzen am Tiergartentunnel-Wanderweg istvon der heutigen K 69 mittig durchschnitten.Dasdeutet darauf hin, dass sie diesen historischenStraßenverlauf ehemals abschneiden und damitsperren sollte.

    Blankenheim.Die österreichische Schanze

    wird heute von der K 69durchschnitten (Station 14).

    © K. Grewe

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG6

    Römerstraße und Hügelgrab

    Nur unweit von dieser Stelle sind Reste der ehe-maligen Römerstraße zu sehen, die von Trierkommend den Olbrückwald querte und an Blan-kenheimerdorf und Nettersheim vorbei über Zül-pich nach Köln führte.Der römische Straßen-damm und Reste der bei einer archäologischenUntersuchung freigelegten Straße sind bei Station15 zu sehen.

    Zwischen der ersten und der zweiten Schanze hatder Wanderer ein auffälliges Naturdenkmal pas-

    Blankenheim. Die Hängebuche (fagus sylvatica, var.suentelensis) auf einem Hügelgrab (Station 13).

    © K. Grewe

    Blankenheim. Der „Altenburger Kopf“ bei Blankenheimerdorf mit Resten einer ehemaligenBurganlage (Station 16).© K. Grewe

    siert: eine weithin sichtbare Hängebuche (Station13).Dabei handelt es sich um eine Mutation derRot-Buche, die nach ihrer Entdeckung im Süntel,einem kleinen Mittelgebirge südwestlich Hanno-ver, auch als Süntelbuche (Fagus sylvatica, Varie-tät suentelensis) bezeichnet wird.Der Hügel ent-spricht in seinen Dimensionen den vielenHügelgräbern, die in der Umgebung nachzuwei-sen sind.Es ist deshalb durchaus berechtigt anzu-nehmen, dass wir es auch an dieser Stelle miteinen vorgeschichtlichen Begräbnisplatz zu tunhaben.V ermutlich ist der als Naturdenkmal ge-schützte Baum vor rund 200 Jahren auf das Hü-gelgrab gepflanzt worden.Ein wenig entfernt vom Wanderweg, aber gut ein-zusehen, liegt von einem prächtigen Hochwaldbedeckt der Altenburger Kopf (Station 16).Hierstand ehemals die namengebende Alte Burg, dieals Vorgängerbau der Blankenheimer Burg ange-sehen wird.

    Relikte der AhrtalbahnDen Abschluss in der Reihe der zu besichtigen-den archäologischen Denkmäler bilden die Resteeines recht jungen Technikbaus.Die Trasse derehemaligen oberen Ahrtalbahn ist an vielen Stel-len noch gut erhalten, sei es als Geländeein-schnitt oder als Bahndamm (Station 17).Durchseine teilweise aufwändigen Tunnel und Brückenwar der Bau dieser Bahnlinie ein großes techni-schen Unterfangen, wobei der strategische Hinter-

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG 7

    grund dieses Projektes nicht außer Acht gelassenwerden sollte.

    Es war ein Ereignis, das den „Eifeler Nachrichten“eine Sonderausgabe wert war: Die Eröffnung derBahnstrecke Ahrdorf – Blankenheim (Wald) am1.Mai 1913.Bei diesem 1913 eingeweihten Stre-ckenabschnitt handelte es sich um eine Querver-bindung zwischen den damals bereits vorhande-nen Strecken Remagen – Adenau (um 1885erbaut) und der Strecke Köln – Trier (1869).Mitden Arbeiten war am 1.Apr il 1910 begonnen wor-den, so dass auch im Nachhinein die recht kurzeBauzeit erwähnenswert ist.Neben dem Personen-verkehr war der Hauptzweck für den Bau dieserBahnlinie der Material- und Truppentransport imKriegsfalle.

    Die Trassenführung war nicht unproblematisch,was sich schon in der Länge der ausgebautenStrecke ausdrückt.Schließlich war für die Bahneine Strecke von 24,9 km auszubauen gewesen,während die Landstraße für dieselbe Verbindungnur 18 km benötigte.Neben den Bahnhöfen Ahr-dorf und Blankenheim (Wald) befanden sich ander Strecke fünf weitere Bahnhöfe, nämlich Dol-lendorf, Freilingen, Mülheim, Blankenheim undBlankenheimerdorf.

    Aufwändige Trassenführung

    Größere Brückenbauwerke führten die Bahn überdie Ahr, über den Lampertsbach und über die Urft.Erhebliche Schwierigkeiten haben die drei Tunnelbereitet.Die Trasse des Tunnels bei Ahrdorf (399 m

    lang) beschrieb in ihrem gesamten Verlauf eineKurve, was in damaliger Zeit noch als technischeBesonderheit beschrieben wurde.Der Tunneldurch den Finkenberg bei Blankenheim wurde314 m lang.Geologische Probleme schon wäh-rend der Bauzeit erforderten mehrfache Verstär-kungen des Gewölbes und den Einbau von eiser-nen Gurtbögen.Der dritte Tunnel (112 m lang) lagbeim Blankenheimer Bahnhof unter der Provinzi-alstraße nach Köln.Er war – wie die anderen auch– voll ausgemauert.Auch außerhalb der Tunnel waren große Erdarbei-ten erforderlich.Der Taleinschnitt beim BahnhofBlankenheim war 25 m tief, was für den Ausbauder Strecke die Anlage eines entsprechend be-messenen Dammes erforderte; geologische Pro-bleme verursachten dann an dieser Stelle die An-schüttung von zusätzlichen 100 000 m3 Erdreich.Andererseits mussten zur Absicherung eines30 m tiefen Trasseneinschnitts bei Mülheim 1000m3 Beton zusätzlich verbaut werden.Insgesamtwaren für den Bau der Bahnstrecke 1 600 000 m3Bodenmassen zu bewegen sowie 42 000 m3 Mau-erwerk und 1 900 m3 Beton zu verbauen.A ußer-halb der Tunnel wurden 3 210 000 kg Zement,990 000 kg Traß und 38 000 m3 Bruchsteine ver-braucht.Das gesamte Bauvorhaben war in fünfBaulose eingeteilt, die von Privatfirmen ausge-führt wurden.

    Viel Personal und hohe KostenAll diese Arbeiten waren nur durch den Einsatzvon zahllosen Arbeitskräften und auch Maschinen

    Blankenheim. „Wildwest“in der Eifel. Bauarbeiten

    der oberen Ahrtalbahn1910–1913 (Station 17).

    © Archiv Eifelmuseum Blankenheim

  • DER TIERGARTENTUNNEL-WANDERWEG8

    möglich.Die Arbeiter wurden in der Umgebungangeheuert, so dass der Bahnbau für viele Män-ner aus den anliegenden Dörfern für eine gewisseZeit Arbeit bot und einen Zusatzverdienst ermög-lichte.Es wurden aber auch Gastarbeiter in großerZahl beschäftigt: Diese Männer kamen aus ganzDeutschland, aber auch vom Balkan, aus Holland,Frankreich und Italien.Die Angaben über die Zahlder eingesetzten Arbeiter schwanken zwischen1500 insgesamt und 5 000 fremden Arbeitern al-lein in der Bürgermeisterei Blankenheim.Die fürden Bahnbau eingesetzten Dampfhammer impo-nierten schon den Zeitgenossen: „... und es warenmehrere im Einsatz!“Die Finanzierung des Bahnbaus wurde durch Ge-setze von 1909 und 1912 gesichert, wodurch ein-mal 5 371 000 Mark und dann noch einmal2 400 000 Mark bereitgestellt wurden.Die höchs-ten Posten in der Bausumme waren die Erdarbei-ten (2 900 000 Mark), die Tunnel (940 000 Mark)und der Oberbau (920 000 Mark).

    Die InbetriebnahmeNach der Eröffnung am 1.Mai 1913 diente dieBahn eine Zeitlang dem Personenverkehr: In bei-den Richtungen wurde die Strecke täglich von vierfahrplanmäßigen Zügen befahren.Im Ersten Welt-krieg wurde sie dann hauptsächlich für Material-und Truppentransporte genutzt.A uch im ZweitenWeltkrieg hatte die Bahn als NachschubstreckeBedeutung.Beim Näherrücken der Front dientendie Tunnel tagsüber als Versteck für Munitions-

    und Treibstoffzüge.Nach Kriegsende wurden derBlankenheimer Tunnel und zahlreiche Brücken ge-sprengt, dann aber wiederhergestellt, so dass ab1951 der Güterverkehr zwischen Blankenheim(Wald) und Ahrdorf erneut aufgenommen werdenkonnte.Der ab 1954 zwischen Blankenheim(Wald) und Mülheim wieder aufgenommene Per-sonenverkehr wurde schon 1958 abermals einge-stellt.Am 3.März 1961 erfolgte die offiziell letzteGüterzugfahrt auf der Strecke Blankenheim(Wald) und Ahrdorf.Nicht ohne Grund sind Anfangs- und Endpunktdieses neuen thematischen Wanderweges an denDB-Bahnhof Blankenheim (Wald) gelegt worden.Auf diese Weise ist der Wanderweg mit öffent-lichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.Die Wan-derstrecke von rund 19 km wird damit zu einemErlebnis, zumal sie sich leicht als Tageswande-rung vom Rhein oder von der Mosel her organisie-ren lässt, wobei man das Auto allenfalls zum Er-reichen des nächsten Bahnhofs benutzen muss.

    Literatur• Grewe, K., Licht am Ende des Tunnels. Planung und

    Trassierung im antiken Tunnelbau (Mainz 1998).• Grewe, K., Der Tiergartentunnel von Blankenheim. Ar-

    chäologie im Rheinland 1998 (Köln 1999) 137–140.• Grewe, K., Der Tiergartentunnel von Burg Blanken-

    heim.Rheinische Kunststätten 455 (Köln 2000).• Grewe, K.; Wippern, J.J.M., Wasser für Burg Blanken-

    heim: vor dem Tunnel eine Druckrohrleitung.Archäolo-gie im Rheinland 2000 (Stuttgart 2001) 123–126.

    • Grewe, K.Der Tiergartentunnel-Wanderweg.Rheini-sche Landschaften 50 (Köln 2002).

    • Grewe, K., Historische Tunnelbauten im Rheinland.Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland 14(Köln 2002).

    • Grewe, K., Zwischen Quellfassung und Tunnel – vonder Holzrohrleitung blieb nur das Eisen.Archäologie imRheinland 2002 (Köln 2003) 179–182.

    Dr. Klaus Grewe, Landschaftsverband Rheinland,Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege,

    Endenicher Str. 133, 53115 Bonn

    Empfehlenswert ist der Wanderführer, der alshandliche Broschüre beim Rheinischen Verein fürDenkmalpflege und Landschaftsschutz in Kölnoder über jede Buchhandlung für nur 3,00 € zu be-ziehen ist: K. Grewe, Der Tiergartentunnel-Wan-derweg. Rheinische Landschaften 50 (Köln 2002).Weitere Infos: www.tiergartentunnel.de;www.klaus-grewe.de

    Blankenheim. Dampfhammereinsatz („... und es warenmehrere im Einsatz“) beim Bau der oberen Ahrtalbahn1910–1913 (Station 17).

    © Archiv Eifelmuseum Blankenheim

  • HEIDEN – MOORE – WIESEN 9

    Heiden – Moore – WiesenBausteine für ein Deutsch-Belgisches Biotopnetzwerk

    Von Heidi Emmelmann und Alain Langer

    Der Schutzgedanke

    Durch die Beweidung mit Schafen und Rindernwar der überwiegende Teil der Eifel vor 150 bis180 Jahren waldfreies Gebiet.Zu den beweidetenFlächen gehörten auch Heiden, Moore, Feucht-wiesen und Borstgrasrasen.Diese kontinuierlicheund schonende Nutzung aus Beweidung und spä-ter auch Mahd führte je nach Standort zu einersehr hohen Artenvielfalt und wurde in dieserWeise noch bis Ende 1950 durchgeführt.In Ver-bindung mit den besonderen Standortverhältnis-sen (extremes Klima, nährstoffarme Böden undhohe Niederschlagsmengen) entwickelten sichdadurch Borstgrasrasen, Strauch- und Moorhei-den.Die Moore waren besonders auf der nieder-schlagsreichen Vennhochfläche konzentriert.

    Die in der folgenden Zeit eingetretenen Verände-rungen des Landschaftsbildes und der Artenrück-gang sind auf höheren Einsatz mineralischer Dün-gemittel, Gülle- und Silagewirtschaft und diegrößere Viehzahl zurückzuführen.Insbesonderedurch die vermehrte Düngung wurden standort-spezifische Unterschiede aufgehoben.Durch denaufkommenden Maschineneinsatz fielen sehrfeuchte, aber auch ungünstig gelegene Flächenaus der Bewirtschaftung heraus und wurden zuBrachflächen.Diese Standorte verbuschten oderwurden mit nicht standortgerechten Baumartenwie der Fichte aufgeforstet.Die Folge war die Ver-drängung der typischen Pflanzen- und Tierarten.

    Heute zeigen nur noch Restbestände die frühereVerbreitung.Um diese Biotope vor einem vollstän-digen Verlust zu bewahren, haben sich belgischeund deutsche Naturschutzorganisationen zusam-mengeschlossen und ein grenzüberschreitendes

    Hochmoor im Venn bei Lammersdorf © Archiv Eifelverein (Traubenkraut)

  • HEIDEN – MOORE – WIESEN10

    Projekt zum Schutz von „Heiden, Mooren undWiesen“ ins Leben gerufen.

    Das ProjektgebietTiere und Pflanzen kennen keine Landesgrenzen.Das Projektgebiet erstreckt sich deshalb über dasgesamte Deutsch-Belgische Grenzgebiet.Inner-halb dieser Region beschränkt sich die Arbeit je-doch auf spezifische Gebiete, die durch ihre geo-graphische Verteilung mit schon renaturiertenFlächen (Hohes Venn, Talsohlen etc.) ein gesam-tes Netzwerk darstellen.

    Die Situation heute Im Deutsch-Belgischen Grenzraum gibt es nochzahlreiche z.T. verstreut liegende Restflächen vondiesen schützenswerten Lebensräumen, die teil-weise zwischen Gebüschen oder lichten Fichten-beständen liegen.Zw ar sind diese Restbeständemeist verhältnismäßig klein, doch stellen sie wich-tige Bausteine des ökologischen Biotopnetzwerksdar.Größere Zonen wie z.B.das Hohe Venn(4 000 ha) sind auf ihre vernetzende Rolle ange-wiesen, ansonsten wären sie wie Inseln von be-nachbarten Zonen abgetrennt.Ohne diese Korri-dore ist kein Austausch und keine Verbreitung vonArten mehr möglich, Restbestände verschiedenerTiere und Pflanzen sind auf sich selbst angewie-sen und somit bedroht (z.B. Inzucht oder Jahre mitungünstigen klimatischen Bedingungen könnenzum lokalen Aussterben bestimmter Arten füh-ren).Diese verbindende Funktion ist sowohl für imWasser lebende Tiere als auch für andere Artenwie Vögel oder Schmetterlinge wichtig.Land-

    schaftselemente wie Flüsse und Auen, die wegenihrer linearen und fortlaufenden Struktur ebenfallseine Vernetzungsfunktion übernehmen können,sollen falls nötig integriert werden.Die meisten bisherigen Schutzbemühungenhaben sich bisher nur auf wenige Kernzonen wiedem Hohen Venn (B) oder dem Rohrvenn (D) kon-zentriert.Der innovative Charakter des Projektesliegt nun darin, dass kleine Gebiete, die jedocheine Schlüsselrolle im ökologischen Netzwerkspielen und diese Kernzonen verbinden, ge-schützt und entwickelt werden sollen.

    Ziel des ProjektesDas Ziel ist eine grenzüberschreitende Biotopver-netzung, die einerseits den Lebensraum sichernund zudem einer genetischen Verarmung vorbeu-gen soll.Die Entwicklung und Sicherung der nochintakten Biotope dient dazu, ein Netz aus Baustei-nen für die Zu- und Abwanderung und damit dengenetischen Austausch bedrohter Arten zu schaf-fen.Im Rahmen des von der Europäischen Union ge-förderten INTERREG-Projektes werden daherländerübergreifend nachstehende Ziele verfolgt:• Erfassung und Bewertung noch vorhandener

    Biotop-Restflächen.• Renaturierung dieser Biotope durch gezielte

    Maßnahmen• Vernetzung der vorhandenen und renaturierten

    Biotope• Öffentlichkeitsarbeit als wesentliches Element

    des Projektes.

    Sich auf einer abgeblühten Bärwurzpflanze paarendeBraune Waldvögel (Aphantus hyperanthus).

    © Frank Wagener

    Der Kleine Weinschwärmer (Peresa parcellus) ruht sichin einer brachen Feuchtwiese des Kylltales aus.

    © Frank Wagener

  • HEIDEN – MOORE – WIESEN 11

    Das Projekt bietet die einmalige Chance, in dennächsten Jahren naturschutzwürdige Flächen ingroßem Umfang zu renaturieren und wichtige Im-pulse für die Zukunft zu geben.

    Das europäische BiotopnetzwerkDie Biotoptypen Moore, Heiden und Borstgrasra-sen kennzeichnen sich alle durch eine großeArtenvielfalt sowie durch das Vorkommen von sel-tenen Tier-und Pflanzenarten.Wie die Fließge-wässer samt ihrer Auen stellen diese Lebensräu-me wichtige Bindeglieder des europäischenBiotopnetzwerks dar.

    1. MooreMoore sind im Wesentlichen dadurch geprägt,dass Torfe in natürlicher Schichtung sowie eine ty-pische Vegetationsdecke vorkommen.Abgestorbe-ne Pflanzen werden unter Wasser nicht zersetztund bilden so den Torfkörper, der bei intakten Moo-ren immer weiter wächst und über den sich auchdie Vegetationsgeschichte zurückverfolgen lässt.Moore sind überwiegend natürliche oder naturna-he, baumarme oder mit Moorwäldern bestockteBiotope mit wassergetränkten Böden aus vertorf-ten Pflanzenresten (Moorböden).

    Zu den Mooren gehören:

    • Hochmoore oder Regenmoore, deren Wasser-und Nährstoffversorgung nur vom Niederschlagbestimmt wird (z.B. das Hohe Venn);

    • Übergangsmoore (Zwischenmoore), die stand-örtlich Übergänge von Niedermooren zu Hoch-mooren bilden, sowie

    • Niedermoore (Flachmoore), deren Böden lang-fristig von Grund-, Quell- oder Sickerwasserdurchtränkt werden (z.B. Quellgebiete).

    In der Pflanzendecke unterscheiden sich Hoch-und Niedermoore durch folgende Ausprägungen:In Hochmooren dominieren Torfmoose und Erika-gewächse während in Niedermooren Sauergräserwie Seggen, Binsen und Wollgräser vorkommen.In trockenfallenden Hochmoorflächen herrscht dieBesenheide vor.Natür licherweise stocken inRandbereichen typische Moorwälder mit Kieferund Birke.Char akteristisch für Moore ist die Nähr-stoffarmut.Die dort lebenden Pflanzen haben sichauf diese extremen Bedingungen spezialisiert.Zum Beispiel deckt der Sonnentau seinen Stick-stoffbedarf aus dem Eiweiß kleiner Insekten, dieer mit Hilfe klebriger Drüsensekrete fangen undverdauen kann.

    Im Wallonischen Venn © Archiv Eifelverein (Traubenkraut)

  • Im Hohen Venn kommen überwiegend Über-gangsmoore vor die besonders durch Pfeifengras(Molinia coerulea) geprägt sind.Im Naturschutz-gebiet des Wallonischen Venns befindet sich eineintakte Hochmoorfläche von einigen hundert Qua-dratmetern mit Torfauflagen bis zu 8 m.Der Rückgang der Moorflächen ist vor allem aufEntwässerung, Aufforstung und Torfabbau zurück-zuführen.Mit den Mooren gehen auch natürlicheHochwasserrückhaltegebiete verloren.

    2. Heiden und BorstgrasrasenHeiden und Borstgrasrasen sind extensiv nutzba-re Weiden und Wiesen auf mäßig trocken bisfeuchten Standorten, die durch Nährstoffarmutoder geringe Nährstoffverfügbarkeit gekennzeich-net sind; diese zwei Biotoptypen sind sich in ihrerVerbreitung und Artenzusammensetzung ähnlich.Ihr Hauptvorkommen liegt heute in den Hochlagender Mittelgebirge wie z.B. der Eifel. Zu den Heide-biotopen werden Borstgrasrasen, Zwergstrauch-und Ginsterheiden gerechnet.Die extensive Be-wirtschaftung dieser Biotope wurde oft mit Brandoder Plaggenhieb kombiniert.Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden sindlandwirtschaftliche Grenzertragsflächen, die heut-zutage nur noch im Rahmen des Kulturland-schaftsprogrammes rentabel bewirtschaftet wer-den können.Die dauerhafte extensive Nutzung istaber Grundvoraussetzung für die Erhaltung dieserartenreichen Biotope, die den Betrachter jedesJahr mit wunderschönen Blühaspekten erfreuen.

    3. WiesenFeuchtwiesen sind bei extensiver Nutzung sehrartenreiche Lebensräume mit einer vielfältigenPflanzen- und Tierwelt.Bei Maßnahmen zur Er-haltung und Renaturierung dieser Biotope stehtder Schutz der Wiesenvögel z.B. des Braunkehl-chens (Saxicola rubetra) im Vordergrund.Sie sindmit ihrem Lebens-, Nahrungs- und Brutgeschäftan den historischen Bewirtschaftungsrhythmusder kleinbäuerlichen Landwirtschaft angepasst.Die Intensivierung der Landwirtschaft verdrängtedie meisten Wiesenbrüter.Herbeigeführ t durch dieVerkürzung der Heuernte, die Einführung des frü-hen Silageschnittes, die Anhebung des Dünge-niveaus und dem Auftrieb einer höheren Viehdich-te.Durch eine mit den Landwirten abgestimmteund entlohnte Extensivierung der Bewirtschaftung(späte Mahd oder Beweidung) sowie eine Verbes-serung der Wiesenlebensräume durch Entbu-

    schungsmaßnahmen sollen die Bruterfolge derWiesenvögel wieder gesteigert und so deren Fort-bestand gesichert werden.

    MaßnahmenEs gilt, diesen gesamten Lebensraumkomplexvon Mooren, Heiden und Borstgrasrasen mit sei-nen interaktiven, ökologischen Wechselbeziehun-gen und Verflechtungen ganzheitlich zu erfassen,zu sichern und zu regenerieren.Insbesondere diedauerhafte Erhaltung der Lebensräume durchdauerhafte regelmäßige Pflegemaßnahmen isteines der Ziele des Projektes.In Deutschland ist der Vertragsnaturschutz bereitsein festes Instrument für die Durchführung vonPflegearbeiten im Naturschutz.In Belgien bestehtaufgrund der positiven Erfahrungen in Deutsch-land ebenfalls großes Interesse, ein zweitesStandbein durch den Vertragsnaturschutz für dieLandwirte zu schaffen.Derz eit ist die Besteuerungfür derartige Arbeiten noch zu hoch, so dass diesenicht lukrativ sind.

    HEIDEN – MOORE – WIESEN12

    Das Schmalblättrige Wollgras (Eriopherum angustifo-lium) kennzeichnet Niedermoore und deren Übergängein die Sümpfe. © Frank Wagener

  • HEIDEN – MOORE – WIESEN 13

    Geographisches Informationssystem (GIS)Erst durch eine detaillierte Kartierung der Biotopekönnen konkrete Renaturierungsmaßnahmen ge-plant werden.Im Gelände erhobene Daten (Bio-toptypen, Pflanzen- und Tierarten usw.) werden ineiner Datenbank gesammelt und mit den digitalenKarten des Geografischen Informationssystemsverbunden und zentralisiert.Diese Informationenkönnen dann auf Karten dargestellt werden.Einsteter Überblick über das gesamte ökologischeNetzwerk der Projektregion wird so gewährleistet.Die Planung und Organisation der Maßnahmenwird erheblich erleichtert.

    Hydrologische UntersuchungenWasseranalysen liefern Informationen über den Zu-stand der Gewässer.Dadurch können die Maßnah-men sehr gezielt in gefährdeten Bereichen durch-geführt werden.Untersuchungen an den Wasser-läufen, die das Projektgebiet durchlaufen oderderen Quelle sich dort befindet, stellen eine wert-volle Ergänzung der Analysen dar.A ußerdem stel-len sie eine interessante Informationsquelle für an-dere Arbeitsbereiche dar (z.B. Abwasserklärung).

    Schutzmaßnahmen im GeländeKonkret soll unser Projekt die negativen Auswir-kungen von Entwässerungs- und Aufforstungs-maßnahmen in den zu schützenden Lebensräu-men aufheben.Die Maßnahmen finden sowohlauf öffentlichen und privaten, als auch auf Flächender asbl Réserves naturelles RNOB (BNVS – Bel-gische Natur- und Vogelschutzgebiete) statt:

    Verschluss von Entwässerungsgräben und Wie-dervernässung: Moore bestehen aus wasserge-tränkten Böden; Borstgrasrasen liegen überwie-gend in Quellgebieten.Die Pflanzengesell-schaften, die dort vorkommen, sind auf diese nas-sen Böden angewiesen.Änder ungen im Wasser-haushalt wie durch Entwässerung führen zumVerlust der charakteristischen Pflanzenarten.Torf-moose reagieren zum Beispiel schon auf kurzfris-tige Wasserstandsschwankungen von mehr als 30Zentimeter sehr empfindlich.Um den natürlichenWasserstand wiederherzustellen, müssen die inder Vergangenheit künstlich angelegten Entwäs-serungsgräben geschlossen werden (Wiederver-nässung).Dabei muss die Durchgängigkeit dernatürlichen Fließgewässer gewährleistet sein, umÜberschwemmungen zu vermeiden.Entkusselung und Mulchen: Das regelmäßigeEntfernen von unerwünschtem Aufwuchs ist eineder wichtigsten Pflegemaßnahmen zum Erhaltvon Heiden und Borstgrasrasen.Die Entkusse-lung ist lebenswichtig für diese Biotope, die sonstschnell von Büschen und Ginster überwachsenwürden.Ein Mangel an Pflege führt auch zu arten-armen Wiesen, auf denen sich weit verbreiteteArten stark durchsetzen (z.B .Pf eifengras) undseltenere Arten verdrängt werden.Die Entfernungdieser dichten Rasenfilze durch Mulchen undMähen führt zu beachtlichen Erfolgen.Entfichtungen: Wie in den Talsohlen sind die Fich-ten auch in Mooren, Heiden und BorstgrasrasenUrsache für den Rückgang der natürlichen Floraund Fauna: sie verändern die physikalisch-chemi-

    Moorgrubeim Hohen Venn

    © Archiv Eifelverein(Traubenkraut)

  • schen Faktoren des Bodens und des Wassers,reduzieren den Lichteinfall und geben somit dernaturnahen Ersatzvegetation keine Entfaltungs-möglichkeiten.Durch Entfernung der Fichten wirdder natürliche Lichteinfall wiederhergestellt unddie Bodenvegetation kann sich wieder ausbreiten.Der Eigentümer erhält aufgrund des frühen Ernte-zeitpunktes eine finanzielle Entschädigung alsAusgleich.T alsohlen, die wichtige Elemente zwi-schen den renaturierten Flächen darstellen undnoch Fichtenriegel aufweisen, werden in dieseBereiche integriert.Einzäunung: Offenlandbiotope wie Moore, Heidenund Borstgrasrasen müssen gepflegt werden, an-sonsten verbuschen sie oder werden zu Wald.Nach einer Erstpflege wie zum Beispiel der Entkus-selung müssen die Flächen gemäht oder extensivbeweidet werden.Daher werden diese Gebiete ein-gezäunt und so für eine nachhaltige Bewirtschaf-tung attraktiv gemacht.Diese Flächen können inbestehende Vertragsnaturschutzprogramme über-nommen werden, wodurch eine langfristige Pflegesichergestellt wird.Ein weiterer positiver Effektdabei ist die Förderung kleinbäuerlicher Betriebe.

    Perspektiven

    Die Fortsetzung des Projektes nach Abschlussder Förderphase wird durch die asbl Réserves na-turelles RNOB, den Naturpark, die Forstverwal-tungen und die Kreise im Rahmen ihrer hoheit-lichen Aufgabenwahrnehmung unter fachlichberatender Mitwirkung der Biologischen Stationengeleistet, und zwar durch:

    • Ankauf dieser naturnahen Lebensräume

    • Ausweisung von Naturschutzgebieten

    • Vertragsnaturschutz

    • Umsetzung des Landschaftsplanes

    • Anwendung der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie

    Damit werden wichtige Grundsteine für eine posi-tive Entwicklung der bedrohten Lebensräume ge-legt und eine dauerhafte Erhaltung sichergestellt.

    Heidi Emmelmann, Alain LangerNaturpark Hohes Venn – Eifel

    Route de Botrange 131, B-4950 Waimes

    SCHÜTZT DIE MOORE!14

    Schützt die Moore!Vegetationskundliche Aspekte zum Hohen Venn

    Von Stephan Miseré

    Von Natur aus sind bzw.w ären nur dieechten Regenmoore (früher als Hoch-moore bezeichnet) und die Versump-fungsbereiche in den Palsenstrukturenwaldfrei.Die restliche Landschaft desHohen Venns würde vor allem von Bir-kenmoorwäldern und lichten Eichen-Birkenwälder dominiert werden.A ufGrund den anthropogenen Überfor-mungen des Venns durch die land- undforstwirtschaftliche Nutzung sowie denTorfabbau hat sich das Landschaftsbildstark verändert.Heute sind auf belgi-scher Seite noch weite offene undwaldfreie Vennflächen vorhanden.Diese Vennflächen werden meist vonPfeifengras (Molinea caerulea) domi- Wiedervernässter Palsen im Roten Venn © S. Miseré

  • SCHÜTZT DIE MOORE! 15

    niert und verwandeln das Hohe Venn im Herbst ineine goldgelbe Landschaft von herber Schönheit.Diese Flächen sind aus moorökologischer Sichtstark beeinträchtigt.Bedingt durch die Entwässe-rungsmaßnahmen der wirtschaftenden Menschentrockneten die Torfböden stark aus.Das Pfeifen-gras profitierte davon, breitete sich stark aus undverdrängte die konkurrenzschwachen Moorpflan-zen.In den Randbereichen der Regenmoore und imBereich der ehemaligen Bruch- und lichten Ei-chen-Birkenwälder bildeten sich nach der Entwal-dung durch die Beweidung (insbesondere mit Rin-dern und Schafen) und Mahdnutzung (herbstlicheStreunutzung) wertvolle Pflanzenersatzgesell-schaften heraus: Moorheiden und feuchte Borst-grasrasen.Diese sind heute aber durch das Aus-bleiben der historischen und naturverträglichen,extensiven landwirtschaftlichen Nutzung kaumnoch in guter floristischer Ausprägung zu finden.

    Großflächige Moorareale gingen durch den Anbauder in der Eifel nicht heimischen Fichte (Piceaabies) und der damit verbundenen Entwässerungverloren.So wurden seit spätestens Mitte des 19.Jahrhunderts die mehr oder weniger ursprüng-lichen Moorflächen und die durch die extensive

    Nutzung entstandenen Moorheiden durch Auffors-tung verdrängt.A uch der Torfabbau hat zu einerstarken Degradierung der Vennflächen beigetra-gen.Der mit der Torfgewinnung verbundene Bauvon Entwässerungssystemen ist zum Teil auchheute noch aktiv.Das Hohe Venn und seine Randgebiete zeichnetsich immer noch durch das Vorkommen einerFülle von Vegetationseinheiten mit seltenen undgefährdeten Pflanzenarten aus.A uch aus pflan-zengeographischer Sicht gesehen ist das HoheVenn höchst bemerkenswert.Neben borealen undatlantischen Arten kommen u.a. auch subalpineund kontinentale Arten vor.Einige kälteliebendeArten überstanden den gesamten Klimawechselals Eiszeitrelikte auf den Regenmooren.Als Bei-spiele sind Rauschbeere (Vaccinium uliginosum),Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und die Ros-marinheide (Andromeda polifolia) zu nennen.Heute sind nur noch Reste der naturschutzfach-lich wertvollen Vennvegetation vorhanden.

    MooreDie offenen waldfreien Regenmoore des HohenVenns sind das wertvollste was das Hohe Vennaus ökologischer Sicht zu bieten hat.Echte bota-nische Raritäten sind Schwarze Krähenbeere(Empetrum nigrum) und die Wenigblütige Segge(Carex pauciflora).Daneben sind offene Moorflä-chen von Natur aus auch im Bereich von Quellenund in den Palsenstrukturen zu finden.Zusammenmit den Bruchwäldern kann man sie zu denZwischenmoorgesellschaften zählen, die zumeistdurch Quellen und Hangversumpfungen mit Was-ser gespeist werden.Sie werden daher moortypo-logisch auch als Quell- und Hangversumpfungs-moore bezeichnet.Ar ten wie Fieberklee(Menyanthes trifoliata) und Beinbrech (Narthe-cium ossifragum) sind hierzu bemerkenswert.Die vorhandenen Bruchwälder sind als torfmoos-reiche Erlenbruchwälder und als Birkenmoorwäl-der ausgebildet, wobei die Erlenbrücher auf dereigentlichen Vennhochfläche gegenüber den Bir-kenmoorwäldern zurück treten und mehr in derVennabdachung zu finden sind.Der Birkenmoor-wald ist eine natürliche Waldgesellschaft derMoorrandlagen und beginnt sich auch auf trocke-neren, also entwässerten Hochmoorböden undauf anmoorigen Böden einzustellen, sobald dielandwirtschaftliche Nutzung aussetzt.Im HohenVenn wird der Moorbirkenbruch aus den beidenUnterarten Betula pubescens ssp. pubescens

    Holzsteg im Brackvenn © H. Emmelmann

  • SCHÜTZT DIE MOORE!16

    (Moorbirke) und ssp. carpatica (Karpatenbirke)gebildet.Die Flach- oder Niedermoore werden z.T.von Kleinseggenriedern der Braunen Segge(Carex nigra) eingenommen.Moorökologisch herausragend ist das Vorkommenund die Stellung der Torfmoose (Sphagnen) in denMooren, die hauptsächlich für das Wachstum undden Wasserhaushalt der Moore verantwortlichsind.Bemer kenswert sind z.B .Ar ten wie das zuden Torfmoosen zählende Sphagnum fimbriatum.

    Heiden und WiesenDie Moorflächen des Hohen Venns sind heutemehr oder weniger von naturfernen Fichtenwäl-dern umgeben.Heideflächen und artenreicheWiesen und Weiden sind heute bis auf wenigeReste verschwunden.Neben den Calluna-Heiden sind vor allem vegeta-tionskundlich und floristisch interessante Mager-wiesen und -weiden als Grenzertragstandortedurch Nutzungsaufgabe und Intensivierung der

    Landwirtschaft sehr stark zurückgegangen.Aberes gibt sie noch, wenn z.T. auch nur noch kleinflä-chig.Durch die fehlende intensive Bearbeitung(geringe oder fehlende Düngung, kaum Umbruch,keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmit-tel) haben diese Vegetationseinheiten ihren „ur-sprünglichen“ Reichtum an verschiedenen Pflan-zenarten erhalten.Neben narzissenreichen Bärwurzwiesen, Gold-haferwiesen und Flügelginsterweiden sind insbe-sondere die Borstgrasrasen zu nennen.Flor is-tische hervorzuheben sind dabei Arten wieBärwurz (Meum athamanticum), Gelber Narzisse(Narcissus pseudonarcissus), Heide-Wicke (Viciaorobus), Schwarze Teufelskralle (Phyteuma ni-grum), Flügelginster (Chamaespartium sagittale),Borstgras (Nardus stricta), Arnika (Arnica monta-na) und Orchideen wie die Kuckusblume (Platan-thera bifolia u. P. chlorantha).

    Stephan MiseréBiologische Station im Kreis Aachen e. V.

    Abgestorbene Kiefer im Hohen Venn © Gaby Fryns

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN 17

    Schützenswerte Tiere und PflanzenDie proklamierten Naturobjekte 2003

    Von Peter Göbel (Ehrenmitglied)

    Es wird immer wieder offensichtlich, dass eine ef-fektive Naturschutzarbeit nicht allein mit Gesetzenund Verordnungen gelöst werden kann.Allein dasstarke Zurückdrängen der ursprünglichen Naturanimiert die Fachleute zur alljährlichen Proklama-tion der vom Aussterben bedrohten Naturobjekte.Das Ziel dieser Proklamation mit einer Traditionseit 1971 ist es, dem Menschen Anregungen zugeben, ihn mit den Eigentümlichkeiten und Le-bensbedingungen von Pflanzen und Tieren ver-traut zu machen.Über das Nachdenken soll derLeser helfen Wege zu suchen, die Probleme unse-rer Zeit im Naturschutz positiv zu beeinflussen.ImBlickpunkt stehen 2003 folgende Naturobjekte:

    Insekt des JahresDie Feldgrille (Gryllus campestris)Ihr Name steht für Heuschrecken und kommt ausdem Griechischen „gryllos“.Sie gehört zur Familieder Grillen und zur Ordnung der Springschrecken.Die bis zu 2 cm groß werdende dickköpfige,schwarze Feldgrille zählt also zu den Heuschre-

    cken, kann aber nicht fliegen und ist durch ihr Zir-pen im Sommer bekannt.Die Männchen sind bisin die Nacht hinein unermüdliche „Musikanten“,wobei sie die Chitinleisten an den Beinen oderVorderflügeln gegeneinander reiben.Die Weib-chen singen auch, wenn sie paarungsbereit sind.Bis zu 10 m Entfernung kann das Weibchen, wel-ches man an den braunen Deckflügeln erkennenkann, seinen Partner orten.Die Feldgrille verbringtdie meiste Zeit ihres Lebens unterirdisch auf war-men, trockenen Wiesen, Feldern und Heiden inihren selbst gegrabenen 30 bis 40 cm tiefen Erd-gängen.Ihre Nahrung besteht überwiegend ausKleintieren und Pflanzen.Im Mai ist Paarungszeit,dann kommen sie an die Erdoberfläche, ziehensich aber bei Gefahr blitzschnell zurück.Nach derPaarung erfolgt eine zweistündige Nachbalz.DieWeibchen legen ihre etwa 20 bis 40, mit einem er-starrenden Schaum umgebenen Eier tief imBoden in der Wohnröhre ab.Im Frühjahr kannman die kleinen, anfangs gesellig unter Steinenlebenden Larven sehen, die völlig auf sich alleingestellt sind und von der Mutter nicht weiter ver-sorgt werden.Im Herbst graben sie sich zumÜberwintern ein.Bei ihrer Entwicklung häuten siesich noch bis zu zehnmal.Die letzte findet an son-nigen Apriltagen des Folgejahres statt.Der Le-bensraum der Feldgrille wird kleiner, wenn die Ver-buschung unserer Wiesen fortschreitet.

    Vogel des Jahres

    Der Mauersegler (Apus apus)

    Der Mauersegler mit seinen sichelförmigen Flügelnund dem kurzen gegabelten Schwanz gehört zuden schnellsten und ausdauernsten Fliegern derVogelwelt.Er lebt gerne in unmittelbarer Nachbar-schaft des Menschen.Bei einer Größe von 18 bis21 cm erreicht der unterseits schwarze Vogel mitden kurzen Beinen etwa 90 km/h und kann eineEntfernung bis 900 km pro Tag bewältigen.DieserLangstreckensegler soll im Laufe eines Jahres190 000 Kilometer zurücklegen.Der gewandteVogel, der eine Spannweite von 40 cm hat, ist mitunseren kleineren heimischen Schwalben, denener ähnelt, nicht verwandt.Er und der Alpenseglergehören zur Familie der eigentlichen Segler.V onAnfang August bis Ende April besucht der Zugvogel

    Die Feldgrille kann nur springen, nicht fliegen.© Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Braun-schweig

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN18

    das tropische und südliche Afrika.Un überhörbar istseine Anwesenheit, wenn er in Trupps fliegt undschreiend nach Kerbtieren sucht.Seine Nahrungbesteht vorwiegend aus fliegenden Käfern, Fliegen,Bienen, Wespen und Ameisen.Bei der Beutejagdsollen Höhen bis 3 000 m erreicht werden.ZumTrinken landet er nicht, sondern fliegt im Gleitflugüber das Wasser und trinkt dabei.Die Brutzeit beginnt etwa 14 Tage nach seinerRückkehr aus dem Süden und variiert zwischen 18bis 28 Tagen.Sein Nest, welches aus mit Speicheldes Seglers zusammengeklebten Halmen und Fe-dern gefertigt ist, findet man in Türmen, Dachge-bälk und Felsen mit starker Gesteinsverwitterung.Sein Gelege besteht aus 2 bis 3 weißen, ellipti-schen Eiern.Es gibt nur einen jährlichen Brutvor-

    gang.Mit naturfreundlichem Bauen würde derVogel nicht so sehr unter zunehmender Woh-nungsnot, sprich geeigneten Nistplätzen, leiden.

    Fisch des JahresDie Barbe (Barbus barbus)Sie ist ein Süßwasserfisch aus der artenreichenFamilie der Karpfen und erreicht eine Länge vonetwa 60 cm.A uffallend ist ihre kurze hohe Rücken-flosse.Sie ist oberseits graugrün gefärbt, die Sei-ten sind goldglänzend und mit Ausnahme derRückenflosse sind alle Flossenspitzen rötlich.Einweiteres Kennzeichen sind die vier langen Bartelnals sensible Tastorgane an ihrem Maul, die an derOberlippe und in der Maulspalte sitzen.A uch diedicken Lippen sind typisch.Die Barbe besitzteinen langgestreckten, walzenförmigen Körper,wobei der Bauch leicht abgeflacht wirkt.Schnell-fließendes, sauerstoffreiches Gewässer mit vielenNahrungsteilchen liebt sie besonders.Ihr Haupt-einstand tagsüber ist tief am Grunde, wo sie mitden vier Barteln die Beute am Boden aufspürt unddann mit dem stark unterständigen Maul auf-nimmt.Hier steht sie ruhig gegen den Strom.Nachts wird der gesellig lebende Grundfisch aktiv,geht dann auf Nahrungssuche, die aus Kerbtie-ren, Würmern, Krebsen, Laich, kleinen Fischenund Schnecken besteht.Zur Laichzeit von Mai bis Juli ziehen die Barben inSchwärmen flussaufwärts auf sandigen bzw.kiesi-gen Grund und scheiden im flachen Wasser ihrenklebrigen Laich, etwa bis 8 000 Eier, aus, die amGeröll haften bleiben.Viele überforderte Fischesterben hierbei.Nach ca.10 bis 15 Tagen schlüp-fen die Jungfische.Inf olge von Veränderungen imLebensraum, wie z.B. verschlammte Laichgebieteoder Reduzierung der Durchgängigkeit eines

    Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben rast-los in der Luft. © NABU, Bonn

    Die Barbe liebt schnell-fließende Gewässer mit vielen Nahrungsteilchen.© P. Göbel

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN 19

    Flusslaufes, wird der Fischbesatz bedroht.Heutestützt man das Vorkommen des einst verbreitetenBestandes durch das Einsetzen von Brut undSetzlingen.

    Wildtier des JahresDer Wolf (Canis lupus)Die Tierwelt der Eifel ist noch stärker als die Pflan-zenwelt durch menschliche Eingriffe in den Natur-haushalt beeinflusst worden.Dies begann bereitsim 9.und 11.Jh.durch weitflächige Rodungen.Mitden bewaldeten Flächen verschwand der Lebens-raum der Großtiere wie Auerochse und Wisent,welche in der Folge ausstarben.Etw a 500 Jahrespäter war auch für den Elch, der sich in Laub-und Sumpfwäldern wohlfühlte, das Ende seinesDaseins gekommen.Der letzte Eifelbär wurde, wieallgemein angenommen wird, im 17.Jh.zur Stre-cke gebracht.Dem Luchs, der um 1830 ausgerot-tet war, folgte etwa 20 Jahre später der letztebodenständige Grauwolf.Da dieser weite Wander-züge unternimmt, war es möglich, dass er, aller-dings nur vereinzelt, aus östlichen Ländern ein-wanderte.In wenigen Rudeln kehrt er derzeitwieder vom Osten her nach Sachsen zurück.Canis lupus liebt große Wälder, weite Ödländerund dünn besiedelte Landschaften.Von der Staturher gleicht der Wolf, ein Vorfahre unserer Haus-hunderassen, einem großen Schäferhund.SeineGesamtlänge beträgt etwa 150 cm bei einerSchulterhöhe von ca.80 cm.Er erreicht einHöchstalter von 15 bis 20 Jahren.Die Haarfarbeist oberseits gelblichgrau bis schwarz und unter-

    seits heller gefärbt.Meistens im Mai werden nachneun Wochen Tragezeit etwa drei bis sieben zu-nächst blinde Junge geboren, die nach 1 bis 3Jahren geschlechtsreif sind.In der kalten Jahreszeit gehen die Wölfe, dienächtlichen Hetzjäger, in größeren Rudeln ge-meinsam jagen.Sie erbeuten Huf- und Nagetiere,fressen Obst sowie Abfälle und verschonen keineHaustiere.Dar unter hatten vor allem die ohnehinschwer bedrängten Bauern zu leiden.Es deutenheute noch Flurnamen auf die damaligen Wolfs-vorkommen hin.Mittelalter liche Notizen berichtenöfter über das Eindringen von Wölfen in die Städ-te.In der Not gab es gegen die Wolfsplage sogareine alljährliche Wolfsprozession, die von Trier St.Paulin durch das Sauertal nach Echternach führ-te.Ob unsere Bevölkerung heute den Wolf, dersich bevorzugt die leichteste Beute – wie kranke,schwache oder alte Tiere – aussucht, in unsererLandschaft akzeptiert, bleibt abzuwarten.

    Blume des JahresDie Korn-Rade (Agrostemma githago)Die aufrechte Korn-Rade aus der Familie der Nel-kengewächse, eine einjährige Pflanze, zeigt einenauffallenden Kelch mit langen, grünen, bartigenZipfeln.Sie blüht auf Getreideäckern von April bisJuni.Ag rostemmas einzelne, leuchtende purpur-violette Kronblätter sind etwa 2 cm groß.Sie zähltzu unseren schönsten Feldblumen.Dieses Acker-wildkraut, welches wahrscheinlich aus dem öst-lichen Mittelmeergebiet zu uns gewandert ist, wirdheute nur noch selten gefunden.Ähnlich wie die

    Der Wolf ist ein Verfol-gungsjäger, der seine

    Beute im Rudel jagt.© SchutzgemeinschaftDeutsches Wild, Bonn

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN20

    Korn- und Mohnblu-men wurde auch dieKornrade durch neu-zeitliche Anbaumetho-den und gründlicheSaatgutreinigung vonder Allerweltspflanzezur Rote-Liste Art.Ihrebis 90 cm lang werden-de Hauptwurzel nährtden ebenso hoch wer-denden Stängel, derwenig Zweige undkaum Seitentriebe hat.Durch das Pflügenwerden vegetations-freie Stellen geschaf-fen, wo der Samen, derzur Reifezeit aus einerfünfzähnigen Kapselentlassen wird, gut keimen kann.Ihr Fruchtstandist länger als die Kelchröhre.Der schwarze, ziem-lich dicke, etwa 3 bis 4 mm große Samen enthälteinen schwach giftigen Inhaltsstoff, das Saponin.Weil es im Juni, während ihrer Blütezeit oft Gewit-ter gibt, ist die Kornrade, im Volksmund, auch alssagenumwobene Gewitterblume bekannt.

    Orchidee des JahresDie Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

    Diese farb- und form-schöne Wildblume be-vorzugt als Standortabsonnige Mesobro-meten, ist eine Mittel-meerpflanze und beiuns in der Eifel selten.Sie kann als eineKennart der Enzian-Halbtrockenrasen be-zeichnet werden.DieFliegenragwurz ver-langt ungenutzte undungedüngte Flächen.Im Boden besitzt siezwei rundliche Knollen

    zwischen einem Büschel wurmförmiger Wurzeln.Ihr Blütenbau ist besonders an den Insektenbe-such angepasst.Sie unterscheidet sich in den Le-bensbedingungen von den anderen Ragwurzar-ten dadurch, dass sie die schattigen Gebietebevorzugt, in manchen Jahren nur selten auf Süd-hängen blüht und am Weitesten nach Norden (biszum Polarkreis) geht.A uf Kalktrockenrasen blühtdiese Orchidee mit kleinen, zahlreichen Blütenvon Mai bis Juni.Bei einer Pflanzengröße von 15bis 45 cm fällt die schlankwüchsige Fliegenrag-wurz wenig auf und ist daher, besonders in derblütenlosen Zeit, schwer zu finden.Ihre Blüten äh-neln in der Tracht einer Fliege.Sie haben drei äu-ßere und drei innere Hüllblätter, von denen dasnach unten gewendete die Gestalt einer Lippe be-sitzt.Diese ist der Anflugplatz der bestäubendenGrabwespen, die durch Sexuallockstoffe, welchedie Pflanze verströmt, angelockt werden.Die zueinem Säulchen verwachsene Narbe des Stem-pels ragt oberhalb der Lippe hervor.Die Pollenbilden eine keulige Masse, die durch Klebstoff be-reichert am Kopf des besuchenden Insektesangehaftet und so ganz zwangsläufig auf eine an-dere Blüte transportiert wird.Die Laubblätter um-fassen im Grunde den Stängel, sind mittellang,schmal und enden in einer Spitze.

    Im Spätherbst erscheinen schon die Blätter undbeweisen, dass diese Mittelmeerpflanze sich nochnicht akklimatisiert hat.In der Erde sitzen zweinährstoffreiche Knollen, wovon die eine aufgebautwird und im kommenden Jahr die Pflanze zurBlüte bringt.V om Ausfall der staubfeinen Samen-körner bis zu den ersten Blüten vergehen 6 bis 8Jahre.Mehrere Schutzbestimmungen betreffendiese Orchidee, darunter das Washingtoner Ar-tenschutzabkommen.Der Lebensraum der Flie-genragwurz wird aber am wirksamsten durch denEinsatz von Wanderschafherden gesichert, dadiese die Verbuschung der Flächen reduzieren.

    Baum des Jahres

    Die Schwarzerle (Alnus glutinosa)

    Die lichtbedürftige Schwarzerle wird auch Roterlegenannt.Ihre beiden Namensbezeichnungenstammen vermutlich von der im Alter schwarz-braun werdenden Tafelborke bzw.v on dem sichnach der Fällung vom hellen Gelb zum rotbraunfärbenden Holz.Sie liebt feuchten, mineralischkräftigen Boden, verlangt hohe Luftfeuchtigkeit,aber nur geringe Wärme.A uf Sand- und reinenKalkböden trauert sie.Aln us glutinosa ist frosthart,

    Die Korn-Rade ist ein Acker-wildkraut und prägte vorihrer Verdrängung unsereKulturlandschaft. © P. Göbel

    Die Fliegenragwurz „ver-führt“ die Grabwespe zurPseudobefruchtung undkann dadurch ihre eige-nen Pollen zur Bestäu-bung verbreiten.

    © P. Göbel

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN 21

    leidet aber unter Trockenheit.Im Optimum kanndie zu den Birkengewächsen zählende Holzart bis25 m hoch werden und ein Alter von 120 Jahrenerreichen.Sie ist ein typischer Bewohner vonBachsäumen.Man findet sie aber auch in quelli-gen Schluchten, feuchten, kühlen Orten, in Ge-sellschaft mit Weide, Pappel, Esche und Buche.Sie befestigt mit ihren tief in die Erde hinabrei-chenden Wurzeln die Ufer, verhindert Erosion, be-einflusst positiv die Wassertemperatur, bietet un-zähligen Wassertieren Schutz und Lebensraum.

    In den kleinen kugelförmigen Wurzelknöllchen lebtein „Strahlenpilz“, der Luftstickstoff zu binden ver-mag und diesen in Form von Nitrat dem Baum zu-führt.A ußerdem düngt sie den Boden.Im Wintererscheinen die Knospen groß, violett bereift, lang-gestielt und klebrig.Die folgenden Blätter sinddunkelgrün, verkehrt eiförmig und am Randeetwas gesägt.In der Blütezeit, Ende Februar bisMai, vor Laubausbruch, erscheinen die hängen-den, bräunlichen männlichen Kätzchen und dieaufrechten eiförmigen weiblichen Blüten am Endeder Seitentriebe.Das Holz der Schwarzerle istweich, ziemlich leicht, wenig trag- und druckfest,von geringer Dauer.Es lässt sich leicht bearbei-ten.Unter Wasser allerdings ist die Dauerhaftig-keit fast unbegrenzt.Halb Venedig wurde aufihrem Holz erbaut.F rüher nutzte man die aus ihrgewonnene Holzkohle zur Herstellung vonSchießpulver.Die Erle erfüllt viele Funktionen.Das durch sie vermittelte Naturerlebnis macht siefast unverzichtbar.Daher bangen Fachleute umdie Erlenbestände, denn ein 1993 entdeckter pilz-förmiger Schaderreger führt oft zum Absterbender Rinde am Stammfuß.Einer ihrer Lebensräu-me, die Bruchwälder, steht in der Roten Liste dergefährdeten Biotope.

    Pilz des JahresDer Papageigrüne Saftling (Hygrocybe psittacina)In Symbiose mit Wiesenkräutern und -gräsernwächst dieser schwach giftige Wachsblätterpilzauf ungedüngten, wenig genutzten Wiesen undgrasigen Waldflächen von den Küsten bis in dieAlpen.Seine Vorkommensgebiete sind ökologischwertvolle Biotope.Wie schon 1770 beschrieben,erkennt man ihn an den gelben Lamellen, dem

    Die Schwarzerle bietet Lebensraum für über 150 Insek-tenarten.

    © Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Oberhausen

    Der Papageigrüne Saftlingist ein exotisch anmutenderPilz, der bei uns nur auf un-

    gestörten Wiesen wächst.© P. Göbel

  • SCHÜTZENSWERTE TIERE UND PFLANZEN22

    grünlich-orangenen Stiel und dem feucht glänzen-den grünen Hut, der bei Feuchtigkeit schleimig-schmierig ist.Dieser Saftling steht im Verdacht,Vergiftungserscheinungen zu bewirken und istdaher für den menschlichen Verzehr nicht geeig-net.Er bevorzugt Silikat- und Sandböden.Im Alterwird der bis 5 cm Durchmesser erreichende, meistgrüne Hut, oft glasig.Man findet ihn in der Zeit vonAugust bis Oktober, wo mit zunehmendem AlterFarbnuancen von gelb, orange und violett möglichsind.Die unterirdischen Zellfäden bilden als kuge-lige Anschwellungen den Fruchtkörper, der überden Boden erhoben wird.Von hier aus werden dieSporen durch den Wind verteilt.Pilz e sollte mannur dann sammeln, wenn man sie kennt.In derPilzflora dieser überaus reichen Lebensgemein-schaft wachsen oft Boviste, Rötlinge und verschie-dene Korallen- und Keulenpilze.Durch den Rück-gang des Lebensraumes und den Einsatz vonPestiziden ist der Papageigrüne Saftling, einer derschönsten Pilze, gefährdet.

    Spinne des JahresDie große Zitterspinne (Pholcus phalangiodes)Die Zitterspinne, die 3 Jahre alt werden kann undderen Name von ihrem Verhalten herkommt,spannt ihr Netz vorwiegend an Keller- und Zim-merdecken.Sie ist oberseits gelb und braun ge-färbt.Das nützliche Tier fertigt ein großes Gewebeund wartet bewegungslos auf Beute.Bei starken,von ihr verursachten, heftigen, zitternden Schwin-gungen im umfangreichen, feingliederigen Netz,wird die mit langen Beinen und kleinem grauemHinterleib gebaute Spinne fast unsichtbar.So ver-schwinden ihre Umrisse und die Gefahr von Räu-bern erbeutet zu werden, wird vermindert.Das

    von ihr gefertigte ungewöhnlich leichte Netz, wel-ches von ihren sechs Spinndrüsen am Hinterleiberzeugt wird, zeigt Seidenfäden von gleicherDicke und großer Reißfestigkeit, welche an derLuft schnell erhärten.Ihr Netz gehört zu den tro-ckenen, ohne die bei anderen Gespinnsten vor-kommenden kleinen Leimtröpfchen.Es zeichnetsich durch besondere Schraubfäden aus, die fürdie Beute fesselnd wirken können.Mit dem kunst-vollen Gewebe umhüllt sie auch die Eipakete.Siemacht sich nützlich, indem sie besonders Fliegenund Mücken fängt.Bei ausgewachsenen Spinnen-tieren mit acht bis zu 5 cm langen Beinen kannman die Weibchen gut erkennen.Diese fallen kurzvor der Eiablage durch den prall gefüllten Hinter-leib auf.Dem Menschen kann keine der einheimi-schen Spinnen gefährlich werden, während dieBeute im Netz durch den Biss, mittels Einspritzeneines giftigen Sekrets durch den Oberkiefer getö-tet wird.Durch Verdauungssäfte werden danachdie Weichteile des Opfers zum Nahrungsbrei ver-flüssigt und dann aufgesogen.

    Proklamiert wurden die Naturobjekte von:• Kuratorium „Insekt des Jahres• NABU (vormals Bund für Vogelschutz)• Verband Deutscher Sportfischer• Stiftung Naturschutz Hamburg• Arbeitskreis heimischer Orchideen• Kuratorium Baum des Jahres• Deutsche Gesellschaft für Mykologie• Arachnologische Gesellschaft Mainz.

    Peter Göbel,Bitburger Str. 14, 54668 Echternacherbrück

    Die Große Zitterspinne ist heute in fast jedem Haus – in Kellern und ruhi-gen Ecken – zu finden.© P. Göbel

  • EINBLICK IN DIE VIELFALT DER BÖDEN 23

    Einblick in die Vielfalt der BödenIn Raffelsbrand entstand der erste Bodenlehrpfad in NRW

    Von Bruno Linzenich

    Hürtgenwald. Der Boden ist Lebensgrundlageund geschütztes Umweltgut wie Wasser und Luft.Böden sind in Jahrtausenden natürlich entstan-den; sie können empfindlich und schnell aufEinwirkungen des Menschen oder auf Klimaver-änderungen reagieren.Der erste BodenlehrpfadNordrhein-Westfalens, der am 13.J uni von NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn und ProfessorJosef Klostermann, Direktor des GeologischenDienstes NRW, im Beisein vom Landrat des Krei-ses Düren, Wolfgang Spelthahn, dem Schatz-meister des Eifelvereins, Josef Hüttemann undeiner Vielzahl von Gästen in Hürtgenwald-Raffels-brand (Todtenbruch) eröffnet wurde, vermittelt dieBedeutung des Bodens als Lebensraum undPflanzenstandort und lädt zu einem informativenWaldspaziergang ein.Es werden Führungen undeine Broschüre angeboten.

    Der Bodenlehrpfad in H’-RaffelsbrandIm Jahre 1999 erfasste das Geologische Landes-amt NRW – heute Geologischer Dienst NRW – dieBodenverhältnisse im Wasserschutzgebiet derWehebachtalsperre.Das Staatliche ForstamtHürtgenwald und das ihm angeschlossene Ju-gendwaldheim am Peterberg sowie die Biologi-schen Stationen Aachen und Düren entwickeltenreges Interesse an diesen bodenkundlichen Ar-

    beiten.Es entstand im Todtenbruch in Hürtgen-wald-Raffelsbrand (Nähe B 399) ein Bodenlehr-pfad mit sechs durch Bodenkundler sorgfältig aus-gewählte, für das untersuchte Gebietrepräsentative Böden, die durch Aufgrabungenaufgeschlossen und anschaulich gemacht wur-den.So bekommen die interessierte Öffentlichkeitund die jugen Besucher des Jugendwaldheimeseinen guten Einblick in die Vielfalt der Böden imHohen Venn und zeigt ihnen, wie der Boden alsWaldstandort genutzt wird und ob z.B. die richti-gen (standortgerechten) Bäume auf ihm wachsenoder wie man ihn besser nutzen könnte.Der Lehrpfad berührt auch die ökologisch be-sonders wertvollen Moorgebiete des Todten-bruchs.Der 4,5 km lange Bodenlehrpfad führtunter anderem auf einem 700 Meter langen Boh-lensteg direkt über die sensiblen Böden sowiedurch den Quellbereich der Weißen Wehe.Zieldes Lehrpfades ist, den Besuchern die Eigenartendes Bodens, seine unterschiedlichen Formensowie seine Empfindlichkeit und Schutzbedürftig-keit näher zu bringen.Für einen Besuch des Lehr-pfades bietet sich jede Jahreszeit gleichermaßenan, da das Hochmoor und auch die umgebendeLandschaft jedes Mal ein anderes interessantesGesicht zeigt.Die Moore in diesem ca.40 Hektar großen Gebietsind aus geologischer Sicht relativ jung.Ihre Ent-wicklung begann vor etwa 3 000 Jahren.Moore

    Hürtgenwald. NRW-Um-weltministerin Bärbel Höhninformierte sich ausführlichüber den neuen Bodenlehr-

    pfad in Hürtgenwald-Raffelsbrand (Todtenbruch).

    © B. Linzenich

  • EINBLICK IN DIE VIELFALT DER BÖDEN24

    wurden seit jeher mit Misstrauen, wenn nicht garmit Angst betrachtet.Sie brachten keinen Nutzen,konnten nicht bearbeitet werden und sorgten fürlästige Insektenschwärme.Die Lösung hieß ent-wässern und kultivieren.Erst mit dem wachsen-den Umweltbewusstsein lernte der Mensch dieBereicherung der Natur durch die Moore und ihrebemerkenswerte Lebensgemeinschaften schät-zen und schützt sie heute.Erstaunlicherw eisewurde uns die wichtige Rolle der Moore im Was-serhaushalt der Landschaft, ihr Klimaeinfluss undihre Bedeutung für den Stoffkreislauf erst be-wusst, als zahlreiche Feucht- und Moorgebieteschon unwiederbringlich zerstört waren.Aus diesem Grunde ist es sehr zu begrüßen, dassim Rahmen eines nach Belgien länderübergrei-fenden Naturschutzprogrammes der Europäi-schen Union (Interreg III) durch Wiedervernäs-sung Hochmoore renaturiert werden, die durchfrühere Entwässerungsmaßnahmen geschädigtworden sind.Man kann den Initiatoren und denEntscheidungsträgern dankbar sein, dass die Re-naturierung des Todtenbruchs in dieses Natur-schutzprogramm mit aufgenommen wurde undeine zeitnahe Umsetzung erfolgte.

    GeschichteDer Todtenbruch ist der nordöstlichste Ausläuferdes Hohen Venns.Es handelte sich hierbei umalte Waldflächen, die – zusammen mit den umlie-genden Flächen – um 1830 mit Nadelholz be-pflanzt worden sind.Dabei wurden Entwässe-

    rungsgräben gezogen, um der Fichte geeigneteLebensbedingungen zu schaffen.Nach dem Zwei-ten Weltkrieg wurden Teile des Gebietes gerodetund in Landwirtschaftliche Flächen umgewandelt.Das Kerngebiet des Todtenbruchs wurde mitSitka-Fichten und Rotfichten wieder aufgeforstet.

    MaßnahmenDie erste Phase der Renaturierung ist mittlerweileabgeschlossen.Die Projektleitung vor Ort hattender örtliche Revierleiter Dirk Lüder vom Staat-lichen Forstamt Hürtgenwald und Matthias Beck-mann von der Biologischen Station Aachen.Imersten Arbeitsschritt wurden im Jahre 2002 diestandortfremden Fichten gefällt und beseitigt.Trotz maschineller Ausführung wurden diese Ar-beiten so bodenschonend wie nur eben möglichausgeführt, bestätigte der Revierleiter.Alle Laub-bäume wie Birken, Erlen und Buchen blieben er-halten.Nach dem Abschluss dieser Maßnahmeund der Abfuhr des Holzes wurden die Entwässe-rungsgräben, welche in Verbindung mit demhohen Wasserverbrauch der Fichten eine Tro-ckenlegung des Bodens vor 170 Jahren bewirkthatten, wieder vollständig geschlossen.So wirdsich der Wasserstand im Boden in den kommen-den Jahren wieder deutlich erhöhen.Typische Moorpflanzen können sich wieder aus-breiten und der Wuchs des Torfmooses wird da-durch deutlich gefördert.Der Biologe MatthiasBeckmann betont, dass der Wasseranstau keineAuswirkungen auf angrenzende landwirtschaftli-che Privatflächen haben wird und die Vorgehens-

    Hürtgenwald. Ein 700 m langer Holzsteg führt über diesensiblen Böden des Hochmoores im Todtenbruch.

    © B. Linzenich

    Hürtgenwald. Baumgeister links und rechts des Stegeswachen im Hochmoor. © Gemeinde Hürtgendwald

  • EINBLICK IN DIE VIELFALT DER BÖDEN 25

    weise mit dem örtlichen Dränverband sowie denanliegenden landwirtschaftlichen Betrieben abge-stimmt wurde.

    So konnte unter anderem auch ein „Pingo“ mit tat-kräftiger Unterstützung der Ortsgruppe Vossenackfreigelegt werden, der einen Durchmesser vonfast 50 Metern hat.

    Nach dem Abschluss aller Maßnahmen wird dieforstliche Nutzung eingestellt und die Flächenwerden der Natur überlassen.Jedoch wird man inZukunft darauf achten, dass als vordringliche Pfle-gemaßnahme die Entfernung der Fichtensämlin-ge regelmäßig durchgeführt wird.

    Bedeutung des MooresHochmoore sind hochsensible Biotope, die sichunter ganz speziellen Bedingungen bilden können.Nur wenn sich im Boden eine Wasserundurchlässige Tonschicht befindet und die Nieder-schlagsmengen ausreichen, kann die zur Entste-hung eines Moores wichtigste Pflanzenart, dasTorfmoos, wachsen.Diese Pflanzen sind derHaupterbauer des Torfes.Hierbei handelt es sichum die abgestorbenen, sich unter ständigem Luft-abschluss nur unvollständig zersetzenden Teile desTorfmooses.Dieser Torf hat ein enormes Wasser-aufnahmevermögen und wirkt somit hochwasserre-gulierend, da er große Regenmengen speichernkann und das Wasser später gleichmäßig an dieBäche abgibt.Im Bereich des Todtenbruchs befin-den sich mehrere Bachquellen, unter anderem die

    Quelle der Weißen Wehe, die die Wehe-bachtalsperre speist.Im Hochmoor sind Pflanzen-arten zu finden, die sich an die extrem saure undnasse Umgebung angepasst haben und die denmeisten anderen Pflanzen ein Überleben unmög-lich machen.Insbesonders so seltene Arten wie derfleischfressende Sonnentau, das weiße flauschigeWollgras, die rosa blühende Glockenheide oderverschiedene Orchideen werden die Flora am Tod-tenbruch in Zukunft sicherlich wieder bereichern.

    Informationen und FührungenDas Staatliche Forstamt Hürtgenwald und die Bio-logischen Stationen bieten informative Exkursio-nen an.Anmeldungen sind unter der Telefon-Nr.0 24 29/94 00-0 (Forstamt) möglich.Der Geologi-sche Dienst NRW hat u.a. eine 37-seitige, den Bo-denlehrpfad begleitende Broschüre erarbeitet, inder die Böden farbig abgebildet und leicht ver-ständlich beschrieben sind.Diese Sonderveröf-fentlichung ist gegen eine Schutzgebühr von 1,– €im Jugendwaldheim Raffelsbrand oder beimStaatlichen Forstamt Hürtgenwald zu erhalten.Unter anderem ist sie auch im Buchhandel unterder ISBN Nr.3-86029-980-8 zu beziehen.

    LiteraturBroschüre „Bodenlehrpfade in NRW – Hürtgenwald-Raf-felsbrand“ von Wilfried Steffens und Dr.Malthe Warstat

    Bruno Linzenich,Im Oberdorf 71, 52393 Hürtgenwald-Vossenack

    Hürtgenwald. Der Verlauf des Bodenlehrpfades. © Geologischer Dienst NRW

  • MIT JUNGEN FAMILIEN UNTERWEGS26

    DWJ-Förderverein gegründetNordeifel. Ein „Verein zur Förderung der Deut-schen Wanderjugend, Landesverband NRW“ –kurz „DWJ-Förderverein“ – wurde jetzt am Sitz derGeschäftsstelle in Wuppertal aus der Taufe geho-ben.Tatkräftig beteiligt waren Mitglieder aus den Ei-felvereinen der Bezirksgruppe Monschauer Land.

    Mitglieder willkommenDer Landesverband der Deutschen Wanderju-gend DWJ vertritt rund 11.000 jugendliche Mit-glieder aus den Mitgliedsvereinen Eifelverein,Eggegebirgsverein und Sauerländischer Gebirgs-verein.In Zeiten ausbleibender Zuschüsse wegenimmer knapper werdender öffentlicher Mittel wirddie Kinder- und Jugendarbeit zunehmend schwie-riger, aber angesichts der drohenden Überalte-rung der Wandervereine auch immer wichtiger.Deshalb hat sich vor einiger Zeit ein Initiativkreisum den ehemaligen DWJ-LandesvorsitzendenHeinz Erler (Konzen) zur Gründung eines Förder-vereins gebildet.Angesprochen werden sollen vorallem ehemalige DWJ-ler, die nicht nur als Bei-tragszahler, sondern auch als Werber um Spenderund Sponsoren wertvolle Dienste leisten können.Aber auch die Ortsgruppen der Mitgliedsvereineoder Firmen sind als Mitglieder willkommen.Interes-senten für eine Mitgliedschaft mögen sich bitte wen-den an: Heinz Erler, Cohmgasse 2, 52156 Mon-schau, Tel. 0 24 72/16 30, Mail: [email protected]

    AufgabenDer DWJ-Förderverein führt in seiner Satzung dreiSchwerpunkte auf.Unterstützt werden soll dieGruppenarbeit vor Ort, zum Beispiel durch Start-hilfe für neue Kinder- und Jugendgruppen in denMitgliedsvereinen.Gef ördert werden soll die Bil-dungsarbeit unter anderem durch die Aus- undWeiterbildung von ehrenamtlichen Gruppenleiter-innen und die Entwicklung zukunftsweisender Initiativen und Projekte in der Kinder- und Jugend-arbeit.Nicht zuletzt sollen auch Zuschüsse für An-schaffungen fließen, für die keine oder nur unzu-reichende öffentliche Mittel zur Verfügung stehen.Einen weiteren Aspekt hob DWJ-GeschäftsführerSiegfried Meereis hervor: Auch der Zusammen-halt unter den Ehemaligen soll durch geselligeVeranstaltungen gestärkt werden.

    VorstandZur Gründungsversammlung in Wuppertal konnteHeinz Erler eine „Altersriege“ mit junger Verstär-kung begrüßen, darunter den derzeitigen DWJ-

    Landesvorsitzenden Jürgen Falinski und der ehe-malige Bundesverbandsvorsitzende Oliver Priss,beide vom Eggegebirgsverein.Zum Vorsitzendendes DWJ-Fördervereins wurde einstimmig HeinzErler gewählt, sein Stellvertreter ist Oliver Priss.Dirk Meinhard hat das Amt des Schriftführersübernommen, zum Verwalter der hoffentlich üppigfließenden Beiträge und Spenden wurde Jan-UweVölkel bestimmt.Beide kommen aus den Reihendes Sauerländischen Gebirgsvereins.Beisitz erwurden Theo Nellessen (Konzen) und Helga Gie-sen (OG Roetgen) sowie Bernhard Hagelüken(Eggegebirgsverein).Zu den Gründungsmitglie-dern aus den Reihen des Eifelvereins gehörtenaußerdem Hauptjugendwartin Brigtte Palm (Kon-zen) sowie Peter und Margot Tümmler (Dahlem).

    Helga Giesen

    Drillinge an BordOG Jülich. Vor kurzem gab es bei der OrtsgruppeJülich ein besonderes Ereignis: Die JugendwartinSusanne Lehmann konnte gleich drei neue Mit-glieder begrüßen, die Drillinge Charlotte, Leanderund Elias.Ihr großer Bruder Jona hatte stets be-geistert von den Unternehmungen der Gruppe be-richtet, und so wollten auch sie endlich dabei sein.Mit ihnen traten nun auch ihre Eltern dem Eifelver-ein bei. Susanne Lehmann

    PiratenüberfallOG Kalterherberg. Zum dritten Male hatte dieOG Kalterherberg für einen Tag die „Patenschaft“bei den Ferienspielen übernommen (die alljährlichfür eine Woche von engagierten Frauen der Pfarr-gemeinde St.Lamber tus durchgeführt werden).

    OG Jülich. Das jüngste „Jülicher Dreigestirn“: Charlotte,Leander und Elias. © OG Jülich

  • RUND UMS WANDERN 27

    Die Ferienspiele standen in diesem Jahr unterdem Motto: „Piraten“.Die Tageslosung für den Ei-felvereinstag hieß: die Piraten sind gestrandet.–56 kleine Piraten mit Kopftüchern und selbstge-bastelten Kurzschwertern brachen bei gutem Wet-ter über den Treffpunkt „Haustock“ herein.Nachder Begrüßung zog die wilde Horde zum nahegelegenen Wald, wo das Abenteuer stattfand.Schnell hatten sich Gruppen gebildet, die ausdem Unterholz und kleinen Stämmen sieben Hüt-ten bauten.Die Kreativität der kleinen Baumeisterwar erstaunlich, zumal die Erwachsenen nurwenig in das Geschehen eingriffen.Nach etwaeiner Stunde waren die Rohbauten fertig und dieAbdichtungen mit Zweigen und Auskleidung permitgebrachten Strohballen machte alles komplett.Dem erwachsenen Betrachter bot sich ein Bildvielfältiger Kalterherberger „archaischer“ Bau-kunst.Erst das zwischenzeitlich auf einer Lichtung auf-gebaute Brötchenbuffet mit reichlich Erfrischungs-getränken und Eis am Stiel lockte die Kinder ausdem Wald.

    Die anschließenden Spiele, wie Torwandschie-ßen, Ringewerfen und Sackhüpfen, konnten auchin diesem Jahr die Kinder überzeugen.Höhepunktdabei war das Seilziehen, bei dem die Mädchenüber die Jungen als eindeutige Sieger hervor gin-gen, was mit ohrenbetäubenden Freudenschreiengefeiert wurde.Überhaupt hätte die Stimmungnicht besser sein können.Zum Abschluss der sechsstündigen Veranstaltungerhielten alle Kinder eine tolle Kappe und einenKugelschreiber. Karl Herff

    RUND UMS WANDERN

    50. Ruhebank stehtOG Bleialf. Der Eifelverein Bleialf-Schneifel hatkürzlich die 50.Ruhebank in der Landschaft umBleialf mit den Nachbargemarkungen installiert.Die aus Eichenholz hergestellten Bänke stammenaus der Produktion verschiedener Mitglieder undwurden vom Verein finanziert.Das 50.Ex emplarstellten die Mitglieder Toni Fuchs und Herbert Leif-gen bei Buchet auf mit Blick auf Bleialf.Zur Er-leichterung der weiteren Pflege hat Toni Fuchsalle Bänke nummeriert und in eine Wanderkarteeingezeichnet.Gleichz eitig wurden alle in der Ver-gangenenheit bei den Ruhebänken aufgestelltenMüllbehälter entfernt, da man hier die gute Erfah-rung gemacht hat, dass Wanderer und Spazier-gänger ihre Abfälle zur Entsorgung mit nachHause nehmen. Peter Berens

    OG Kalterherberg. Blick in eine der sieben selbst ge-bauten Piratenhütten. © K. Herff

    OG Bleialf. Es ist geschafft! Toni Fuchs (li.) und HerbertLeifgen freuen sich über „ihre“ 50. Bank. © Peter Berens

  • RUND UMS WANDERN28

    120 km auf dem RothaarsteigOG Eschweiler. Mit einer Bahnfahrt nach Winter-berg begann die Wanderwoche des EifelvereinsEschweiler.Gleich nachdem in Winterberg dasReisegepäck zum Landgasthof Gilsbach verladenwar, führte uns die erste Wanderung zum Stand-ort für die Woche nach Langewiese.Quer über dieBerge ging es am nächsten Tag ins Lennetal undnach Nordenau, wo ein Schieferstollen besuchtwurde.Zur ück führte der Weg über den HohenKnochen.Zur Ausstellung über die „Bruchhause-ner Steine“ transportierte uns ein Bus.V or dortaus nahmen wir den Rothaarsteig in Angriff.A ufdieser Strecke verläuft der Weg über den Langen-berg mit 843 m die höchste Erhebung in Nord-rhein-Westfalen.Nach ca.17 km war der Ort Küs-telberg erreicht.Linienb usse brachten uns zurückzum Landgasthof.Mit einer Stadtführung in Brilon,dem Ausgangspunkt des Rothaarsteigs, beganndie nächste Wanderung.Das Endziel dieser Stre-cke waren die Bruchhausener Steine.Unterwegs pausierten wir an der Möhne-Quelle.Von Küstelberg wanderten wir zur Ruhr-Quelle undnach Winterberg.Nach einer Stärkung gings zurSprungschanze, nächstes Ziel „Kahler Asten“841 m, weiter auf dem Rothaarsteig nach Lange-wiese vorbei an der Lenne-Quelle.V om Gasthofaus weiter nach Bad Berleburg.Mitten im Wald tra-fen wir auf hohe, schwere Skulpturen „Kein leichtesSpiel“ aus Stahl, Holz und Stein und eine Seilbrü-cke.Der letzte Wandertag begann in GrafschaftSchmallenberg.A uf Zugangswegen erreichten wirden Rothaarsteig und wanderten zurück zum Land-gasthof.Am Abreisetag erkundeten wir nochmalsWinterberg.So endete eine erlebnisreiche Wochefür 18 Wanderer, gut vorbereitet und geführt vonMechthild und Klaus Schmidt-Kärst. H.W.K.

    Viel Spaß in SüdtirolOG Kreuzau. An der diesjährigen Wanderwochenach Natz in Südtirol nahmen 49 Wanderfreundeteil.In Natz wurde im empfehlenswerten „HotelSun“ (Familie Hilpolt) Quartier bezogen.Die Wanderungen wurden in zwei Gruppen durch-geführt, wobei der Wanderführer vor Ort, Meinrad,die 1.Gr uppe jeden Tag auf die Gipfel und Berg-hütten führte.Das schöne Wetter, die Wärme unddas Bergaufwandern brachten alle ins Schwitzen,egal ob man zu den Seefeldseen, zum Schlern, imAhrntal in Richtung Birnbachhütte oder auf derRodenecker Alm über die Rastner Hütte zum Ast-joch wanderte.

    Unsere Wanderführerin Marianne führte die zwei-te Gruppe ins Altfasstal zur Großberg- und zurWiesenhütte, auf die Seiseralm, ins Ahrntal zurJägerhütte sowie von der Rodenecker Alm bis zurRastner Hütte.Unvergessen bleiben auch die Ausflüge zum Gar-dasee, der Einkaufsbummel in Brixen sowie weite-re Besichtigungen und auch der sog.„T örggele-Nachmittag“ in Feldthurn-Schnauders, wo alleTeilnehmer bei deftigem Essen und gutem Rot-wein sehr viel Spaß hatten.Besonderer Dank gilt seitens der OG Kreuzaudem Reiseleiter, Hans Kremers und seiner FrauMargot, dem Busfahrer Klaus Heck sowie den bei-den Wanderführern vor Ort, Marianne und Mein-rad, für diese wunderschöne und erlebnisreicheWoche in Natz/Südtirol. Karl-Heinz Meyer

    Deutscher Wandertag 2003OG Neuss. Der 103.Deutsche Wandertag inSchwarzenberg im Erzgebirge stand unter demMotto „Mit Glückauf“ durchs Erzgebirge.Schonvor einem Jahr erkundeten die Wanderführer Ma-rianne und Willi Füsgen von der OrtsgruppeNeuss die Gegend von Schwarzenberg.In Pöhlamachten sie Quartier im Landgasthof „Vugelbeer-schänk“ mit Zimmer für 18 Personen.In letzter Minute entschlossen sich weitere 46 Per-sonen, ein Busangebot anzunehmen, sie kamenin Oberwiesenthal im Panoramahotel unter.JedeGruppe hatte ihr eigenes Programm.Von Pöhla aus wurden Wanderungen in die nähe-re Umgebung unternommen.V ergnügliche Stun-den gab es in der neu erbauten Wanderhütte mitMusik und Grillspezialitäten.Ein Bummel durch die Holzschnitzerstadt Seiffenlockte zum Einkauf.Eine Fahrt nach Karlsbad mitden heißen Quellen und imposanten Häusernsowie das Konzert in der größten Zinnkammer Eu-ropas im Stollen von Pöhla rundeten die wahrhaftheißen Tage ab. Marianne Füsgen

    Radeln mit dem KönigOG Obermaubach. Anlässlich der 850-Jahrfeierdes Kreuzauer Gemeindeteils Obermaubach am10.A ugust 2003 organisierte der Eifelverein Ober-maubach eine Historische Wanderung im DreieckObermaubach-Nideggen-Bergstein sowie eineRadwanderung entlang der Rur.Es kamen über90 Wanderer und Radfahrer aus den OrtsgruppenHeimbach, Schmidt, Nideggen, Winden, Kreuzau,

  • RUND UMS WANDERN 37

    Lendersdorf, Weilerswist und natürlich aus Ober-maubach, um an den ausgeschriebenen Wande-rungen teilzunehmen. Sie führten über historischeStrecken durch den schattigen Wald der Maus-auel.Bei den Radfahrern war sogar unser Bezirksvor-sitzender Josef Hüttemann und ein König, nämlichder „Hahnenkönig Willi von Obermaubach“, dabei.Begleitet wurden die Wanderer von den „Malte-sern“ und unseren kundigen Wanderführern, dienicht nur die Wege ihrer Heimat kennen, sondernauch über ihre Ortsgeschichte Bescheid wissen,welches sie gekonnt und humorvoll vermittelten.Alle kamen wohlbehalten und ohne Probleme insFestzelt zurück, wo die Vereinigten Vereine mitden Helfern des Eifelvereins für ein gemütlichesFest mit Essen und Trinken vorgesorgt hatten. DerMandolinenclub tat sein Übriges zu dem gutenAnklang und Gelingen. Es wurde kräftig mitgesun-gen, auch Gäste, die sich ohne „wandern“ dazu-gesellten, waren willkommen.Da Eifelvereine meist im Stillen wirken, konntensich unsere Wanderer, Radfahrer und Helfer denanderen Vereinen des Ortes und den Gästen alslebendige Gruppe präsentieren. Allen sei gedankt.

    Anni Hannot

    Den Überblick gewinnenOG Steffeln. Wem ist es nicht schon einmal so er-gangen: Da ist man auf einen Berg hinaufgestie-gen, genießt den tollen Ausblick und fragt sich,welche Dörfer und Städte, Berge und Burgensehe ich denn nun in der Ferne vor mir?

    Wie von kaum einem anderen Ort in der Westeifelbietet sich von zwei Aussichtspunkten bei Steffelnein grandioser Panoramablick auf die Landschaftder Vulkaneifel: Wanderer und Pilger kennen dieAnhöhe Wahlhausen mit der kleinen Votivkapelle.In Sichtweite rund zwei Kilometer Luftlinie davonentfernt erhebt sich das Plateau des Steffelnkop-fes, unmittelbar oberhalb des bereits von Tausen-den besuchten Vulkangartens Steffeln. BeideStandorte liegen etwa 560 m über dem Meeres-spiegel.In einem weiten Halbrund erfasst der Blick in öst-licher und südlicher Richtung gut zwei DutzendDörfer und Städtchen. Kundige sehen bei klaremWetter in der Ferne sogar das helle Start-/Zielge-bäude am Nürburgring, ebenso die Nürburg, denAremberg und die Hohe Acht, immerhin 34 kmLuftlinie entfernt.Für die vielen Besucher, die nicht jeden Berg undjeden Ort erkennen, hat das Rätselraten nun einEnde. Der Steffeler Eifelverein hat auf den beidenAussichtspunkten massive Messingtafeln anbrin-gen lassen, auf denen Richtungspfeile zeigen,welche Orte und Berge der Betrachter in derFerne erblickt. So ist eine einfache Orientierungmöglich. Höchste Präzision beim Ausrichten derRichtungspfeile und beim anschließenden Eingra-vieren auf den blanken Tafeln waren gefordert. Derrichtige Mann für diese Präzisionsarbeit war Eifel-vereinsmitglied Fritz Lüttgenhorst, ein pensionier-ter Ingenieur. Zunächst hat er die Karte maßstäb-lich im Computer gezeichnet und anschließendauf die Messingplatte übertragen. Vor der endgül-tigen Befestigung auf Lavaschlacken aus demSteffelberg mussten die Tafeln dann noch mit demKompass eingenordet werden.

    OG Obermaubach. Bezirksvorsitzender Josef Hütte-mann (Mitte) holt sich die letzten Instruktionen vor derRadtour durchs Rurtal. © A. Hannot

    OG Steffeln. Fritz Lüttgenhorst (re.) und Albert Kellerbei der Montage der Tafel. © W. Grasediek

  • KULTURPFLEGE38

    Nachdem man im vorigen Jahr großformatigeWandertafeln in Auel und Steffeln aufgestellt hat,leistete der Steffelner Eifelverein mit dieser Maß-nahme, die sicher nicht nur Touristen zu schätzenwissen, eine weitere wichtige Pionierarbeit zurVerbesserung der touristischen Infrastruktur, dieEinheimischen wie Besuchern die Schönheit derEifellandschaft erschließen hilft. Übrigens: Sämtli-che Kosten trägt der Eifelverein Steffeln.

    Werner Grasediek

    KULTURPFLEGE

    Hochkreuz auf Boxhardt renoviertOG Altenahr. Im Jahre 1994 hatte der EifelvereinAltenahr damit begonnen, fünf der insgesamt sie-ben Kreuzwegstationen zur Boxhardt-Höhe, dieim Laufe der Jahre aufgrund ihrer abgelegenenLage teils mutwillig zerstört wurden, im unwegsa-men Gelände zu demontieren und unter großemArbeitsaufwand an neuen Stellen entlang desheutigen Prozessionswegs über das Weiße Kreuzund die Eifelhütte zur Boxhardt zu positionieren. Indiesem Zusammenhang wurden auch die Reliefs

    und die Gitterstäbe vor den Nischen bei Übernah-me der Kosten durch die OG erneuert.Da zwischenzeitlich auch das abschließendeHochkreuz auf Boxhardt an den Witterungsein-flüssen nicht verschont geblieben ist, war dringen-der Handlungsbedarf erforderlich, zumal die altenverrosteten Eisenklammern den Basalt an ver-schieden Stellen zu sprengen drohten. Somitnahm sich der Eifelverein dieser notwendigen An-gelegenheit an. Für die aufwändigen und teilsschwierigen Arbeiten war man auf die Hilfe dererangewiesen, die das fachliche Können, aber auchüber das notwendige Spezialgerät verfügten. Miteinem Kranfahrzeug wurde das Kreuz in seineeinzelnen Elemente zerlegt, die alten Klammernentfernt und nach diversen Schleif-, Bohr-, undInstandsetzungsarbeiten, durch Verbinden mitneuen rostfreien Stahlbolzen wieder aufgerichtet.Beschädigtes Steingut wurde fachmännisch bei-gearbeitet. Die Spezialarbeiten sind übrigensdurch die Fachkräfte Guido Görtz und Udo Lahrunentgeltlich und während ihrer Freizeit durchge-führt worden.Für dieses große Engagement im Rahmen derDenkmalpflege ist der Eifelverein den beiden zugroßem Dank verpflichtet. Nun darf man froh sein,den kompletten Kreuzweg aus dem Jahre 1728 inseiner Eigenschaft wieder in einem relativ gutemZustand vorzufinden. Franz Josef Reuter

    Kulturreise nach MasurenOG Jünkerath. 44 erwartungsvolle Teilnehmerstarteten zur einer Fahrt in eine für die meistenTeilnehmer unbekannte Region. Wir erreichten amersten Tag Stettin und nutzten den Abend zueinem Stadtbummel. Weiter ging es über Brom-berg nach Thorn, mit Zwischenstopp in Stargand.Mit ca. 900 Baudenkmälern ist Thorn eine derschönsten Städte Polens.Am nächsten Morgen hatten wir eine Stadtfüh-rung durch die Geburtsstadt von Nikolaus Koper-nikus. Danach ging es weiter nach Sensburg insschöne Hotel Mrongovia. Wir besuchten von hieraus den Wallfahrtsort „Heiligen Linde“, fuhrennach Nikolaiken, dem „masurischen Venedig“ undunternahmen nachmittags eine Dampferfahrt aufdem Nikolaiker See. Danach besichtigten wir dasKloster in Eckertsdorf. Weiter besuchten wir in derNähe von Sensburg ein liebevoll eingerichtetesBauernmuseum. Die Führung in ostpreußischemDialekt war ein Erlebnis. Mit einer Planwagenfahrtund Besuch einer „Polnischen Bauernhochzeit“

    OG Altenahr. Viel Fingerspitzengefühl mussten die Alte-nahrer Kulturfreunde bei der Renovierung des Hoch-kreuzes auf Boxhardt beweisen. © privat

  • KULTURPFLEGE 39

    bei folkloristischen Tänzen und Gesängen sowieverwegenen Reiterspielen am Lagerfeuer beiSchmalzbrot und Glühwein endete unser Aufent-halt in Sensburg. Weiter ging es nach Danzig.Unterwegs hatten wir Gelegenheit zu einer Schiff-fahrt auf dem Oberländer Kanal.Danzig war der Ausgangspunkt für weitere Unter-nehmungen. So fuhren wir zur Marienburg, demgrößten Backsteinbau der Welt. Im Jahre 1270wurde mit dem Bau begonnen. Die Burg wurdezum Hochmeistersitz des Deutschen Ordens undbelegt eindrucksvoll die deutsch-polnische Ge-schichte über sieben Jahrhunderte. Weiter ging esnach Frauenburg, wo Nikolaus Kopernikus wirkteund besichtigten hier die Burganlage mit demFoucault’schen Pendel. An der Küste des Kuri-schen Haffs entlang gings zurück nach Danzig. InDanzig führte uns unser Mitreisender GünterMasa, selbst in Danzig geboren, bei einem Rund-gang durch die Altstadt. Ein ganz besonderes Er-lebnis war die Straßenbahnfahrt zur Olivia-Kathe-drale, wo wir einem Orgelkonzert beiwohnten.Danach traten wir die Rückreise an, fuhren durchdie „kaschubische Schweiz“ zur Zwischenüber-nachtung in Stettin und landeten am nächsten Tagwohlbehalten wieder in Jünkerath.Unserem Rei