Entrepreneur – Social Entrepreneur – Policy Entrepreneur

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    25-Aug-2016

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<ul><li><p>Berichte aus der Praxis</p><p>Zusammenfassung: social entrepreneurship erlebt eine renaissance, weil zunehmend auf Me-thoden und interaktionsmodi des unternehmertums zur Lsung sozialer Probleme zurckgegrif-fen wird. der soziale entrepreneur, angetrieben von einer Mission, befriedigt durch sein Verhalten und unternehmerisches handeln die Nachfrage nach sozialen Leistungen, erzeugt Wertschpfung und trgt zum gesamtgesellschaftlichen Wandel bei. Grimm argumentiert, dass der Begriffe des sozialen entrepreneurs auch in der deutschen debatte klarer umrissen und von konkurrierenden Begriffen abgegrenzt werden muss und schlgt dafr die typologisierung in entrepreneur, social entrepreneur und Policy entrepreneur vor, mit jeweils eigenem rollenverstndnis.</p><p>Schlsselwrter: entrepreneur social entrepreneur Policy entrepreneur corporate social responsibility</p><p>EntrepreneursocialentrepreneurpolicyentrepreneurTypologicalcharacteristicsandperspectives</p><p>Abstract: social entrepreneurship is en vogue since entrepreneurs methods and modes of inter-action are applied to solving social problems. social entrepreneurs, driven by a mission, satisfy demands for social goods, generate value and contribute to overall societal change. Grimm argues that the term social entrepreneur needs further clarification especially in the German context distinguishing it from concurring terminologies. she suggests a typology and differentiated un-derstanding of entrepreneurship, social entrepreneurship and policy entrepreneurship.</p><p>Keywords: entrepreneur social entrepreneur Policy entrepreneur corporate social responsibility</p><p>Z Politikberat (2011) 3:441456dOi 10.1007/s12392-011-0266-z</p><p>EntrepreneurSocialEntrepreneurPolicyEntrepreneurTypologischeMerkmaleundPerspektiven</p><p>HeikeM.Grimm</p><p>Online publiziert: 27.04.2011 Vs Verlag fr sozialwissenschaften 2011</p><p>dr. h. M. Grimm ()Forschungsdozentur fr Public Policy, universitt erfurt, Nordhuser strae 63, 99089 erfurt, deutschlande-Mail: heike.grimm@uni-erfurt.de</p></li><li><p>442 h. M. Grimm</p><p>Kernaussagen: der social entrepreneur wird sich dort engagieren, wo staat, Pri-vat- und NGO-sektor noch nicht ttig oder wirksam sind. Policy entrepreneure knnen eine wichtige rolle einnehmen, da sie eine Balance zwischen staatlichem und sozial-unternehmerischem handeln schaffen. durch klares akzentuieren und untersttzen von transparenten, wirksamen social-entrepreneur-Projekten sowie distanzierung von weniger legitimen social-entrepreneur-aktionen knnen Policy entrepreneure eine Brcke zu Politik und Gesellschaft bauen und ein wichtiges Kontrollelement im Policy Prozess installieren. dem Policy entrepreneur kommt die rolle des Mediators und Brckenbauers zwischen staat, Markt und Zivilgesell-schaft zu. die aktivitten der social entrepreneure sind hilfreich, um jene Bereiche zu identifizieren, die von staatlicher und unternehmerischer Seite nicht angemessen bedient werden knnen.</p><p>1 Einleitung</p><p>Social Entrepreneurship umschreibt ein altes Phnomen mit neuem Label. Bereits im 19. Jahrhundert engagierten sich sozial-gesellschaftlich motivierte Pioniere, wie zum Beispiel Florence Nightingale, die eklatante Mngel bei der Gesundheitsfrsorge fr arme Bevl-kerungsschichten erkannte und die bis dahin vernachlssigte Krankenpflege durch die initiierung eines ausbildungsmodells (bekannt als Nightingale system) revolutionierte. dank einer grozgigen spende grndete sie im Jahr 1860 die Florence-Nightingale-Stiftung und errichtete eine Krankenpflegeschule am St. Thomas Hospital in London. auch der Grnder des roten Kreuzes, henri dunant, gilt als Social Entrepreneur par excellence und erhielt 1901 den ersten Friedensnobelpreis fr sein herausragendes sozia-les engagement. diese ehre wurde 2006 auch dem bekanntesten Social Entrepreneur der Gegenwart zuteil, dem Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus aus Bangladesch, der mit der Grndung der Grameen Bank 1983 die Mikrofinanzierung von Existenzgrn-dungen als Mittel zur armutsbekmpfung innovativ und sozialunternehmerisch etablierte und der Social-Entrepreneurship-Bewegung erheblichen anschub verlieh.</p><p>die Grnde fr die renaissance von Social Entrepreneurship (se), das im weites-ten sinne als soziales engagement betrachtet werden kann, sind vielschichtig. sicher-lich spielt die enttuschung ber den seit Jahrzehnten migen erfolg staatlicher und philanthropischer anstrengungen zur nachhaltigen Behebung sozial-gesellschaftlicher Missstnde im lokalen wie globalen Zusammenhang eine rolle. Muhammad Yunus zeigt in diesem Kontext auf, dass die Instrumente zur Lsung sozialer Probleme vorhanden sind, aber nicht effizient und effektiv eingesetzt werden. Gefordert sind neue, innova-tive ideen und initiativen zur Lsung sozial-gesellschaftlicher Probleme. immer mehr akteure nehmen sich der herausforderung an, hierfr kreative Lsungen zu entwickeln und umzusetzen.</p><p>die Zeit ist auch aus anderen Grnden reif, der Forderung nach so genannten ent-repreneurial solutions fr soziale herausforderungen nachzukommen. unter den Vor-zeichen einer rasanten Globalisierung und zunehmender wirtschaftlicher unsicherheit stehen unternehmerische einheiten unter Zugzwang, die Gesellschaft an ihren Gewin-</p></li><li><p>443entrepreneur social entrepreneur Policy entrepreneur</p><p>nen teilhaben zu lassen, was sich zum Beispiel in der emergenz von so genannten Cor-porate Social Responsibility (csr) abteilungen von groen Firmen niederschlgt, die einen freiwilligen Beitrag zu nachhaltiger entwicklung leisten und ethisch-unternehmeri-sche Verantwortung zeigen wollen (europische Kommission 2001; imbusch und rucht 2007; Backhaus-Maul et al. 2008). csr ist se nachgelagert, denn es gehrt nicht zum Kerngeschft von unternehmen oder Kapitalgesellschaften, die gesetzlich zur Gewinn-maximierung fr Aktionre verpflichtet sind. Mit strategisch angelegten, wohlttigen aktionen knnen sich unternehmen allerdings Wettbewerbsvorteile verschaffen (Porter und Kramer 1999). doch auch auf personenzentrierter akteursebene ist die entwicklung einer neuen sozialen Verantwortlichkeit gegenber der Gesellschaft zu beobachten, die sozio-konomisch immer weiter auseinanderdriftet (Bundesministerium fr arbeit und soziales 2008). diese neue Verantwortlichkeit geht einher mit der postmodernen Frage nach dem sinn individualistischen, wirtschaftlichen handelns einer kapitalistischen Gesellschaft, die in der Nachkriegszeit primr Gewinnstreben und einkommenssteige-rung als Mittel und Zweck konomischen Handelns definiert hatte. Philanthropisches engagement von einzelpersonen und unternehmen war in europa, hierbei vor allem in deutschland, ber viele Jahre hinweg vergleichsweise wenig en vogue (adam 2004; acs et al. 2007). seit wenigen Jahren wird die rolle des Brgerengagements lebhafter als je zuvor gefhrt (Zimmer und Priller 2007). Mit der reform des stiftungssteuerrechts im Jahre 2000 wurde zum Beispiel das stiften in deutschland erleichtert und die Zahl der neu gegrndeten stiftungen stieg erheblich an: heute werden in einem Jahr etwa so viele stiftungen gegrndet wie vor 20 Jahren in einem Jahrzehnt (Gregory und Lindlacher 2008, s. 17; anheier 2003). Befrdert werden diese entwicklungen durch grassierende finanzielle Engpsse der ffentlichen Haushalte, die sich mittelfristig nicht in der Lage sehen, soziale Schieflagen in der Gesellschaft abzufedern oder gar zu beseitigen. Mit der globalen Finanz- und Bankenkrise 2008 traten eklatante Formen von Markt-, aber auch staatsversagen zutage, die alles andere als beseitigt worden sind. die Gesellschaft hat die eingeschrnkten aktionsmglichkeiten von Wirtschaft und Politik erkannt und reagiert mit verstrktem engagement im sozialen Bereich, um Markt- und staatsversagen entgegenzuwirken.</p><p>hervorzuheben ist bereits an dieser stelle, dass se nicht mit Philanthropie im hchst beachtenswerten Mutter-theresa-stil gleichzusetzen ist. se besticht durch vielerlei Orga-nisations- und aktionsformen und vor allem dadurch, dass es das verstaubte image des selbstlosen Altruisten als Hauptakteur durch das eines exzellent organisierten, durchset-zungsstarken unternehmertypus ersetzt: it combines the passion of a social mission with an image of business-like discipline, innovation, and determination commonly associated with, for instance, the high-tech pioneers of silicon Valley (dees 2001, s. 1).</p><p>die Motivationsgrundlagen fr se sind denen fr Entrepreneurship sehr hnlich, wes-halb es sich zunchst lohnt, auf den berbegriff nher einzugehen. daran schlieend wird erlutert, was unter se verstanden wird, wie man se von Entrepreneurship im all-gemeinen abgrenzt und welche Formen und inhalte se annehmen kann. Mit ausgewhl-ten Beispielen von se werden ttigkeitsfelder und aktionsmglichkeiten vorgestellt, um den schillernden Begriff klarer umreien zu knnen. daran anschlieend wird kurz die Bedeutung von Policy Entrepreneurship (Pe) erlutert, um der Frage nachzugehen, warum die Lsung sozialer Probleme verstrkt nicht-staatlichen akteuren berlassen </p></li><li><p>444 h. M. Grimm</p><p>wird. abschlieend werden Perspektiven, aber auch Grenzen von se sowie die chancen einer engeren interaktion von Pe und se aufgezeigt.</p><p>Mit der hier angestrengten typologisierung der 3es ( Entrepreneurship, se und Pe) soll ein kurzer Beitrag geleistet werden, sich definitorisch und begrifflich Klarheit vor allem ber den Begriff und den Einfluss von SE zu verschaffen, was bislang eine For-schungslcke darstellt.</p><p>2 Entrepreneurship</p><p>der Begriff Entrepreneurship wird im engeren sinne mit unternehmertum bersetzt und bezieht sich vor allem auf die berufliche Selbstndigkeit. Diese Begriffsbestimmung klammert sehr wesentliche aspekte aus, darunter Persnlichkeitsaspekte wie innova-tionsfhigkeit, risikofreude und handlungsdrang, aber auch kreative ideenentwicklung und unternehmerische umsetzung. der Begriff Entrepreneurship ist bis heute nicht ein-heitlich definiert. In Folge werden die fr den Gesamtkontext wichtigsten Diskussionen und theoretischen abhandlungen kurz aufgegriffen.</p><p>In der Historie taucht der Begriff erstmals in einem militrischen Kontext auf: Im Mittelalter bediente sich das franzsische Militr der Entrepreneure in der rolle der Ver-mittler oder Mediatoren, die in kriegerischen auseinandersetzungen zum einsatz kamen (harbrecht 2010). der Begriff Entrepreneurship wird in der frhen politischen kono-mie erstmals ausfhrlich im 18. Jahrhundert diskutiert. so setzte der irische Bankier und Nationalkonom richard cantillon (16801734) Entrepreneurship in Kontext mit einer positiven risikohaltung eines Wirtschaftsakteurs, der Gter und dienstleistungen zu einem bestimmten Preis einkauft, um sie spter zu einem wenn mglich hheren Preis zu verkaufen, ohne ber eine Garantie fr einen potentiellen Profit zu verfgen (Cantillon 1755). der franzsische Nationalkonom Jean Baptiste say (17671832) unterstrich die Bedeutsamkeit der Wagnisorientierung als prgenden charakterzug eines Entrepreneurs, der durch die entwicklung neuer und besserer Verfahren konomische Prozesse stimu-liert. say war der erste konom, der die Kombination von Produktionsfaktoren als Kern der unternehmerfunktion herausgearbeitet hat, und auf die hierfr erforderliche, auer-ordentliche innovationsfhigkeit eines Entrepreneurs verwies. so schrieb er zu Beginn des 19. Jahrhunderts: der Entrepreneur verschiebt aus einem Bereich niedrigerer in einen Bereich hherer Produktivitt und greren ertrags (say 1971/1803, s. 83). auch Gustav von schmoller (18381917) als Vertreter der konomen jngerer deutscher his-torischer schule verbindet mit dem Wirken des Entrepreneurs Fortschritt. innovatives handeln ist primr durch Gewinnstreben begrndet (schmoller 1900, s. 430; schmoller 1893). schmoller erforschte Entrepreneurship unter anwendung sozialwissenschaftli-cher, induktiver Methoden und galt neben anderen Kollegen der deutschen historischen schule, wie Werner sombart (18631941), zu den Vorlufern der sich viel spter entwi-ckelnden soziokonomie, die die Wechselwirkung zwischen Entrepreneur und Gesell-schaft in den Vordergrund rckten. schmollers Forschungsverdienste schtzten hbert und Link (1988) wie folgt ein: From his examination of this data he discovered a unique central factor in all economic activity the enterprising spirit, the Unternehmer or entre-preneur (ibd., s. 103).</p></li><li><p>445entrepreneur social entrepreneur Policy entrepreneur</p><p>Joseph alois schumpeter (18831950) brachte eine soziologisch-konomische sicht-weise in die theorienentwicklung ein und assoziierte mit der unternehmerpersnlich-keit eine ausnahmeerscheinung, die voller Pioniergeist ohne abwgen von Grenzkosten und Grenznutzen wirtschaftlich aktiv wird. schumpeter begrndete in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1911) unternehmerische Pionierleistungen nicht primr mit konomischem eigennutz, sondern mit psychologischen Motiven, zu denen auch die Freude am Gestalten gehrt (schumpeter 1997, s. 138). schumpeter zufolge hlt der innovative Entrepreneur eine art Monopolstellung inne, wenn er innovation auf den Markt bringt und hohe Profite generiert, bis ein Nachahmungsprozess einsetzt und die Gewinnspanne des unternehmers fllt. damit wird ein Prozess schpferischer Zerst-rung eingeleitet, der aus dem Wechselspiel von innovation und imitation resultiert, die als triebkrfte des Wettbewerbs, auslser der Konjunkturzyklen und Promotoren des wirtschaftlichen Fortschritts fungieren (ibd., s. 111). schumpeter unterstrich im Zusam-menhang mit der dynamik des Kapitalismus die Bedeutung des kapitalistischen innova-tionsprozesses. Entrepreneurship und innovation sind als triebfedern des Kapitalismus eng miteinander verwoben. Entrepreneure sind die Produzenten von innovationen. eine wichtige these schumpeters war in diesem Zusammenhang auch die unterscheidung zwischen Kapitalist und unternehmer ( Entrepreneur). unternehmer zeichnen sich seiner Meinung nach dadurch aus, dass sie ihre wirtschaftliche Position stndig durch innova-tionen verbessern wollen. demnach ist es der unternehmergeist, welcher innovationen erzeugt und damit Wirtschaftswachstum und sozialen Wandel vorantreibt. schumpeter gab aber zu bedenken, dass Entrepreneure zwar den innovationsprozess anregen und Profit erzeugen, diesen aber nicht notwendigerweise empfangen. Denn die Profite fallen an die Besitzer der unternehmen die Kapitalisten die das volle risiko tragen (ibd., s. 112). die dynamisierung der Gesellschaft und der wirtschaftliche Fortschritt kann durch eine nicht-kapitalistische elite die Entrepreneure ausgelst werden. der drang zu deren kreativer und innovativer entfaltung wird im Wesentlichen von den inneren Beweggrnden des handelnden wie Leistungsmotivation, ansehenszuwachs und Wunsch zur selbstentfaltung determiniert (ibd., s. 138), aber auch durch das mikro- und makroso-ziale Umfeld. Zu den Umfeldbedingungen, die innovatives Handeln positiv beeinflussen, gehren die Haltung von Politik und Gesellschaft zur beruflichen Selbstndigkeit und die Fhigkeit der Gesellschaft, mit Niederlagen oder gar scheitern unternehmerischen enga-gements umgehen zu knnen (Grimm und herz 2004).</p><p>Was aber ist innovation...</p></li></ul>