Empfehlungen f¼r den Kindesschutz im Asyl- und ... Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen und

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  • Kanton Zrich Bildungsdirektion Amt fr Jugend und Berufsberatung Arbeitsgruppe Kindesschutz bei Flchtlingen

    Empfehlungen fr den Kindesschutz im Asyl- und Flchtlingsbereich (inklusive Sans-Papiers-Kinder) Arbeitsgruppe der Kindesschutzkommission fr Kindesschutz bei Flchtlingen September 2017

  • Bildungsdirektion Amt fr Jugend und Berufsberatung 2/31

    Inhalt

    Summary 3

    Ausgangslage und Zielgruppen 9

    1. Sensibilisierung fr die Situation, die Rechte und den Schutzbedarf von Flchtlingskindern 11

    Einfhrung 11 Einschtzung von Fachpersonen 11 Empfehlungen zur Sensibilisierung fr die Situation, die Rechte und den

    Schutzbedarf von Flchtlingskindern 14Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen und Entscheidungstrgerinnen und Entscheidungstrgern 14Erfahrungsaustausch und Vernetzung unter Fachpersonen 15

    2. Zugang zu vorhandenen Angeboten und Strukturen sowie Kontinuitt der Nutzung gewhrleisten 17

    Einfhrung 17 Einschtzung von Fachpersonen 17 Empfehlungen zur Verbesserung des Zugangs zu vorhandenen Angeboten

    und Strukturen 21Empfehlungen entsprechend den Entwicklungs- und Bildungsphasen 21Empfehlung zur Verbesserung der Kontinuitt mittels Case Management 22Bessere Koordination und Vernetzung auf Gemeindeebene 22Nutzung von interkulturellen Dolmetsch- und Vermittlungsdienstleistungen vereinfachen 23Mindeststandards zur Grundversorgung als Orientierungshilfen fr Gemeinden zur Verfgung stellen 23

    3. Angebote ausserhalb der Grundversorgung 24 Einfhrung 24 Einschtzung von Fachpersonen 24 Empfehlung: Prfung einer zentralen Informationsplattform 24 Empfehlung: Bessere Information und Vernetzung zwischen staatlichen und

    nichtstaatlichen Angeboten 25

    4. Mindeststandards zur Wahrung der Rechte und des Schutzes von Flchtlingskindern 25

    Einfhrung 25 Einschtzung von Fachpersonen 26 Empfehlung: Mindeststandards fr drei Bereiche entwickeln und deren

    Umsetzung bewerben 26

    5. Anhang 30

  • Summary Dieser Bericht wurde von einer durch die Kindesschutzkommission (KSK) des Kantons Z-rich eingesetzten Arbeitsgruppe erstellt. Die Kindesschutzkommission setzt sich aus Ver-treterinnen und Vertretern der Direktion der Justiz und des Innern, der Bildungsdirektion, der Sicherheitsdirektion, der Gesundheitsdirektion sowie aus weiteren Institutionen, die mit Kindesschutz befasst sind zusammen. Der Auftrag lautete, Empfehlungen zur Verbesse-rung des Kindesschutzes fr Flchtlingskinder zu erarbeiten. Entsprechend der direktions-bergreifenden Zusammensetzung der KSK basieren dieser Bericht und seine Empfehlun-gen auf einer breiten Auslegeordnung sowie auf Einschtzungen der Mitglieder der Ar-beitsgruppe Kindesschutz bei Flchtlingen und weiteren befragten Fachpersonen.

    Der Bericht enthlt Empfehlungen der Arbeitsgruppe wie der Kindesschutz im Asyl- und Flchtlingsbereich und fr Kinder ohne geregelten Aufenthalt (sogenannte Sans-Papiers-Kinder) verbessert werden kann. Die Empfehlungen sind aus reflektierter Praxiserfahrung abgeleitet und verstehen sich als Anregung zur weiteren Bearbeitung.

    Als besonders vulnerable Zielgruppen wurden identifiziert: 1) Flchtlingskinder ab dem Suglingsalter bis zur Einschulung und deren Familien 2) Flchtlingskinder, die ohne Schulerfahrung eingeschult werden 3) Unbegleitete minderjhrige Asylsuchende (MNA) und Spteingereiste (nach obligatori-

    scher Schulpflicht) sowie 4) Sans-Papiers-Kinder

    Babys und Kleinkinder sind in hohem Mass vom Befinden und von den Ressourcen ihrer Eltern abhngig. Sind diese psychosozial mehrfach belastet, nicht adquat untersttzt und isoliert, ist die gesunde Entwicklung der Kinder erheblich gefhrdet. Whrend der obligato-rischen Schulzeit besuchen Flchtlingskinder und Sans-Papiers-Kinder die Volksschule. Vorausgesetzt der Eintritt in die Schule ist fr das betreffende Kind bewltigbar, ist damit eine untersttzende Tagesstruktur und pdagogische Begleitung gewhrleistet. Die Kinder werden im Lernen und bei der Entwicklung einer Bildungsbiographie untersttzt. An-schlusslsungen nach der obligatorischen Schulzeit hingegen stehen fr jugendliche Flchtlinge besonders fr jene mit Status N - noch nicht berall zur Verfgung. Es wird dringend empfohlen, allen minderjhrigen Flchtlingen Bildungs- und Ausbildungsmglich-keiten bzw. Tagesstrukturen anzubieten. Damit beratend, therapeutisch oder begleitend im Alltag adquat auf Traumatisierungen reagiert werden kann, ist es notwendig, dass Anzei-chen hoher Belastung und Traumata sowohl bei Kindern als auch bei ihren Eltern mglichst frh erkannt und entsprechend beantwortet werden. Fr die Untersttzung von Sans-Pa-piers-Kindern und deren Eltern gilt es, den Zugang insbesondere zu Bildung und zur Ge-sundheitsversorgung zu ermglichen, ohne dass das Risiko einer Entdeckung und Aus-schaffung entsteht.

  • Bildungsdirektion Amt fr Jugend und Berufsberatung 4/31

    Um den Herausforderungen des Kindesschutzes im Asyl- und Flchtlingsbereich gerecht zu werden, ist es wichtig, dass:

    - die Sensibilisierung fr den Schutz- und Untersttzungsbedarf, basierend auf den Rechten von Kindern, intensiviert wird

    - die passenden Angebote (in der Grundversorgung und darber hinaus) zur Verfgung stehen und der Zugang erleichtert wird

    - vorhandene Strukturen und Angebote vernetzt sind; Verantwortliche und Fachperso-nen koordiniert arbeiten

    - Stabilitt und Kontinuitt in der Betreuung und Untersttzung sowie bezglich Wohnsi-tuation angestrebt werden.

  • Bildungsdirektion Amt fr Jugend und Berufsberatung 5/31

    Die nachstehende bersicht ber vorgeschlagene Empfehlungen dient der Orientierung der Lesenden. Die Empfehlungen werden vier Haupthemen zugeordnet:

    1. Thema: Sensibilisierung fr die Situation, die Rechte und den Schutz von Flchtlingskindern

    Thema/Empfehlung Erwartete Wirkung Konkrete Massnahmen

    Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen und Entscheidungstrgerinnen und Ent-scheidungstrgern (1.3.1)

    Durch Anpassung von Ausbildungscurricula, Weiterbildungsan-geboten sowie durch Inter- und Supervision werden Kenntnisse und Bewusstsein fr spezifische Themen bei Fachpersonen und Entscheidungstrgerinnen bzw. Entscheidungstrgern gestrkt: Fr Fachpersonen bzgl.: Erkennen von Anzeichen hoher Belastung und Traumatisie-

    rung bei Kindern und Eltern Untersttzung hoch belasteter Flchtlingskindern und ihren

    Eltern Erkennen von Anzeichen einer mglichen Mdchenbe-

    schneidung; Kenntnisse ber Prventionsmglichkeiten Bedeutung von transkultureller Kompetenz und Umgang mit

    Vielfalt Mglichkeiten und Bedeutung des Zugangs zu Regelstruktu-

    ren Situation von Sans-Papiers-Kindern (v.a. die Angst, entdeckt

    zu werden und vor Ausschaffung).

    Fr entscheidende Personen in Behrden und Verwaltung bzgl.: Belastung und Gefhrdung von Kindern durch instabile Fami-

    liensituationen, Verluste, Trennungen und Beziehungsabbr-che zu Familienmitgliedern und Untersttzungspersonen

    Wichtigkeit der Bercksichtigung von Werten und Einstellun-gen sowie adquater Formen der Information und des Einbe-zugs der Eltern und der Kinder (und evtl. weiterer Mitglieder der Familie) in Entscheidungen

    fachliche Kompetenzen zur kultur- und situationssensiblen Abwgung zwischen Auswirkungen prekrer Lebenssituatio-nen in Verbindung mit fraglichen oder nicht ausreichenden elterlichen Kompetenzen

    Transkulturelle Fachkompetenz

    Initiieren oder untersttzen, dass die genannten Themen in Ausbildungen und Weiterbildungen von Fachpersonen auf-genommen werden

    Verstndnis fr Weiterbildungs- und Supervisionsbedarf str-ken; Interesse daran wecken

    Sicherstellen, dass organisationsintern die notwendige fachli-che und thematische Sensibilisierung stattfindet

    Weiterentwicklung von Sensibilisierungsmassnahmen hin-sichtlich spezifischer Themen (z.B. genitale Mdchenbe-schneidung (FGM))

    Aktualisieren und Umsetzung der Empfehlungen zur Prven-tion der Mdchenbeschneidung der KSK aus dem Jahr 2011

    Liste von Beratungs- und Weiterbildungsangeboten zu trans-kultureller Kompetenz/Diversity Kompetenz

    Konkrete Sofortmassnahmen, z.B. aufmerksam machen auf die Broschre Sans-Papiers-Kinder in der Schule (Hand-lungsempfehlungen fr Lehrpersonen und Schulbehrden)

    - Liste von interkulturellen Vermittlerinnen und Vermittlern (inkl. Fachspezifische Expertisen)

  • Bildungsdirektion Amt fr Jugend und Berufsberatung 6/31

    Thema/Empfehlung Erwartete Wirkung Konkrete Massnahmen

    Erfahrungsaustausch und Vernetzung unter Fachpersonen (1.3.2)

    Durch regelmssigen Austausch kann Folgendes erreicht wer-den: Sensibilisierung fr die Lebenslagen und den Unterstt-

    zungsbedarf von Flchtlingskindern Erleichterung der Verstndigung und Zusammenarbeit Frderung des gegenseitigen Lernens und der Weiterent-

    wicklung guter Praxis. Sodann knnen wichtige Erkenntnisse gezielt verbreitet werden, wie z.B.: die strkende Wirkung von Tagesstrukturen bei Kindern, ins-

    bes. auch bei Vorschulkindern und Jugendlichen nach der obligatorischen Schulpflicht

    ber die Notwendigkeit und Chancen der Kombination von alltagsnahen und spezifischen Massnahmen

    Initiieren einer Plattform fr Erfahrungsaustausch allenfalls mit Weiterbildungsmglichkeiten, z.B. bezglich transkultu-reller Kompetenzen, Erkennen von hoher Belastung und Traumafolgen

    Frdern der Selbstreflexion durch aktive Auseinandersetzung mit Themen Migration/Integration/Menschenrechte in der ei-genen Organisation

    Anregen eines jhrlich stattfindenden Austausches verschie-dener Organisationen

    Nutzung bereits bestehender Vernetzungsgefsse wie z.B der regionalen und kantonalen Interfallgruppen

    2. Thema: Zugang zu vorhandenen Angeboten und Strukturen (Grundversorgung) sowie Kontinuitt der Nutzung ge