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Die parodontale Therapie ist überholt und braucht ein · PDF fileDie Sulcus-Fluid-Rate sinkt – direkte parodontale Infektions-gefahr. Soll das Parodontium gesund blei - ben oder

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  • ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 1+2/20171

    Der professionelle Therapiebeginn stellt die Voraussetzung, die Grundlage dar, aber ist nicht die Therapie und ist nicht ausreichend zum Stopp des Kno-chenabbaus. Fr einen ausgeglichenen Knochenstoffwechsel, selbst im hohen Seniorenalter, ist ein regelmiger, indi-vidueller Recall notwendig, kontinuier-lich mit drei Therapieschritten: 1. Therapie der Entzndung, nicht

    durch Keimreduktion, sondern durch Vermehrung der positiven, regenerativen Mikroorganismen, durch Umstellung des Patienten auf Effektive Mikroorganismen (EM) Teil 1 und 4 (ZWP 4/2016, ZWP 9/2016)

    2. Therapie des Bone Remodeling Teil 2, 3, 4 und 5 (ZWP 5/2016, ZWP 6/2016, ZWP 9/2016, ZWP 10/2016)

    3. ganzheitliche Betrachtung Mate-rialbereitstellung fr den Knochen-stoffwechsel und ausgeglichener Flssigkeitshaushalt Teil 6 und 7 (ZWP 11/2016, ZWP 12/2016).

    Einleitung

    Merkwrdig, welcher Mangel an selbst-verstndlichen Dingen inmitten unse -res Alltags vollen berflusses herrscht. Mangel an Ruhe, Schlaf, Bewegung, gesunder Ernhrung, Sauerstoff und ein Mangel herrscht oft auch beim Trinken. Dabei ist die Frage der rich -tigen Flssigkeitszufuhr entscheidend fr Gesundheit, Wohlbefinden und Voraussetzung fr ein gesundes Paro-dontium.Wasser ist die Grundlage des Lebens. Fr einen ausgeglichenen Flssigkeits-

    haushalt werden 30 ml/kg Krper-gewicht Wasser tglich bentigt. Men-schen haben keine Wasserspeicher, aus diesem Grunde sollte die Flssig-keitszufuhr gleichmig verteilt ber den Tag erfolgen, um den stndigen Flssigkeitsverlust durch Schwitzen, Atmen sowie durch die Ausscheidun-gen von Darm und Niere auszuglei -chen. Das Durstgefhl setzt erst sehr spt, bei etwa 0,5 Prozent Verlust an Krperwasser, ein. Der Anteil am Gesamtkrperwasser ist vom Alter und vom Geschlecht abhn-gig. Beim Ftus betrgt der Wasser-anteil bis zu 94 Prozent, beim Neuge-borenen 85 Prozent, beim Erwachse-nen ca. 70 Prozent und sinkt dann mit zunehmendem Alter bis auf 50 Pro - zent ab (Abb. 1). Frauen liegen auf-grund ihres hheren Krperfettanteils

    Die parodontale Therapie ist berholt und braucht ein Update

    Dr. Ronald Mbius, M.Sc.

    FACHBEITRAG TEIL 8: Ganzheitliche parodontale Therapieuntersttzung Flssigkeitshaushalt speziell. Der Autor geht davon aus, dass die lokal keimreduzierende Therapie am Parodontium eine lokal temporre Therapie ist. Nach seiner Auffassung hat Parodontitis einen multifaktoriellen Ursachenkomplex.

    Das Leben entstammt dem Wasser.

    Die ersten drei Milliarden Jahre blieb das

    Leben an Wasser gebunden. Trotz und

    wegen der Evolution laufen viele krper-

    eigenen Vorgnge in einer wss rigen

    Lsung ab! Der mensch liche Stoffwechsel

    funktioniert nur, wenn dem Krper aus-

    reichend Wasser zugefhrt wird.

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  • ca. 10 Prozent unter den Mnnern. Ein erhhter Anteil am Krperfett (adips) fhrt zur Abnahme des Gesamtkrper-wassers, da Fett kein Wasser bindet. Senioren haben einen sehr geringen prozentualen Anteil Gesamtkrperwas-ser, damit reagieren sie empfindlich auf Flssigkeitsverluste, weil kaum noch Spielraum vorhanden ist. Der mensch-liche Stoffwechsel funktioniert nur, wenn dem Krper ausreichend Wasser zur Verfgung steht. Wasser wird zu zwei Dritteln vom Dnndarm und zu einem Drittel vom Dickdarm aufgenommen. Es wird mit den darin enthaltenen Mineral- und Nhrstoffen ber das Blut im Krper verteilt. Wasser regelt die Herzkreislauffunktion und die Verdau-ung, ist Lsungsmittel fr Salze und Mineralstoffe, dient zum Transport von Nhr- und Wirkstoffen, der Wrme-regulation des Krpers und der Aus-scheidung von Stoffwechselprodukten.

    Reaktionen bei Flssigkeitsdefizit

    01. Das Blut verdickt sich, es fliet langsamer, Endstromgebiete werden schlechter durchblutet, das Parodontium wird schlechter durchblutet.

    02. Die Nhr- und Wirkstoffverteilung im Krper erfolgt sehr schleppend. Haut, Bindegewebe und beson-derst Schleimhaut haben einen sehr hohen epidermalen Turnover und bentigen viel Material.

    03. Der Magen-Darm-Bereich wird weniger durchblutet; selbst wenn ausreichend Nahrung angeboten wird, luft die Resorption schlep-pend.

    04. Durch die geringere Durchblutung sinken die Leistungskraft und die Abwehrleistung.

    05. Die Entgiftung und der Mll-abtransport sind verringert oder kommen zum Erliegen.

    06. Die Speichelproduktion sinkt, der Mund wird trocken direkte parodontale Infektionsgefahr.

    07. Die Sulcus-Fluid-Rate sinkt direkte parodontale Infektions-gefahr.

    Soll das Parodontium gesund blei - ben oder ist eine parodontale Thera - pie geplant, ist es sinnvoll, auf einen gut eingstellten Flssigkeitshaushalt zu achten.

    Hinweiszeichen fr eine zu geringe

    Flssigkeitsaufnahme

    01. Blsse, Kopfschmerzen, Schwin-del, belkeit, Mattigkeit, Mdig-keit, Konzentrationsprobleme: Ursache ist die Verdickung des

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    Wasseranteil im Krper

    Patientenbeispiel fr Blsse, Kopfschmerz, Schwindel und Erschpfung.

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    Abb. 1

    Abb. 2

  • ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 1+2/20173

    Blutes. Als Folge kann nicht genug Sauerstoff in das Gehirn vordringen (Abb. 2).

    02. Niedriger Blutdruck, erhhte Herz-frequenz, schnellerer Pulsschlag: Bedingt durch die zu geringe Blutmenge erfolgt als kompen-satorische Gegenregulation eine Steigerung der Herzfrequenz.

    03. Leichte Erhhung der Krper-temperatur: Aufgrund der Trans-piration von Flssigkeit durch die Haut wird die Krpertemperatur reguliert. Ist die Blutmenge zu gering, reduziert der Krper seine Schwei-, Trnen- und Drsen-sekrete, um Flssigkeit zu sparen.

    04. Trockene, juckende, schuppende Haut: Hat der Krper zu wenig Wasser, bekommt das auch die Haut zu spren, denn es werden zuerst die Organe versorgt, die die Flssigkeit viel dringender bentigen.

    05. Sehr fester Stuhlgang bis hin zu Verstopfungen

    06. Sehr dunkler und wenig Urin, Neigung zu Harnwegsinfektionen

    07. Kaum Trnen beim Weinen, besonders Babys und Kleinkinder

    08. Trockene gefaltete Lippen: Patienten nutzen oft Fettstift fr

    die Lippen, um diese geschmeidig zu halten (Abb. 6).

    09. Trockener Mund: Essen fllt schwer; es muss dazu etwas getrunken werden, sonst lsst sich die Nahrung nicht hinunter-schlucken.

    10. Blutdruckproblematik: Durch Druck mit dem Daumen auf den Handrcken entsteht ein weier blutleerer Fleck. Sofort nach dem Loslassen sollte dieser wieder verschwunden sein. Bleibt der weie Fleck jedoch bestehen, knnte zu wenig Flssigkeit im Kreislauf sein (Abb. 10).

    11. Unterliddem (Abb. 3).12. Oberliddem (Abb. 4 und 5).13. Vertikale Falten im Bereich

    der Wange (Abb. 7). 14. Verringerter Hautturgor: Unter

    Hautturgor versteht man den Spannungszustand der Haut. Dieser ist verringert bei zu geringer Flssigkeitsaufnahme, was sich in der krperlichen Unter-suchung durch stehende Haut-falten bemerkbar macht. Man testet den Hautturgor, indem man die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und eine Haut-falte erzeugt. Bleibt die Falte nach

    dem Loslassen stehen, ist der Turgor verringert (Abb. 9).

    15. Zunge mit Eindellungen (Zahn-eindrcken): Deutliches Hinweis-zeichen fr Nieren- bzw. Neben-nierenstrungen, Strungen im Wasserhaushalt (Abb. 8).

    Wird ein Flssigkeitsdefizit diagnosti-ziert und die Empfehlung zu einer hhe-ren Flssigkeitsaufnahme ausgespro-chen, ist es nicht egal, was getrunken wird. Kaffee und alkoholische Getrnke werden in der tglichen Menge nicht mitbewertet. Tabelle 1 zeigt den Zu-sammenhang zwischen Flssigkeits-eigenschaften und Resorption.

    Fazit

    Die Empfehlung fr den erwachsenen Patienten lautet: Es sollte 30 ml/kg Kr-pergewicht pro Tag getrunken werden. Bei sportlicher Bettigung oder in den Sommermonaten wird durch Schwit-zen eine hhere Trinkmenge bentigt; Kaffee und alkoholische Getrnke wer-den nicht einberechnet. Geeignet zum Ausgleich des Flssigkeitshaushaltes sind stilles Mineralwasser (ohne Koh-lensure, ohne Kohlenhydrate, ohne Zuckeranteile) mit vielen Elektrolyten,

    Abb. 3: Geschwollene Unterlieder ltere Patientin.

    Abb. 4: Geschwollene Oberlieder junge Patientin. Abb. 7: Vertikale Falten im Bereich der Wange. Abb. 9: Handfalte, verringerter Hautturgor.

    Abb. 5: Geschwollene Oberlieder ltere Patientin.

    Abb. 6: Trockene Lippen. Abb. 8: Impressionen an der geschwollenen Zunge.

    Abb. 10: Druckstelle wird nur ganz langsam wieder durchblutet (blasse Areale an den Fingergliedern).

  • wobei der Parodontitispatient oft ein Defizit an Magnesium und Kalzium aufweist.

    In Teil 9 erfahren Sie mehr ber den

    Zusammenhang von Nahrung, Blut-

    druck, Knochenstoffwechsel und paro-

    dontalem Knochenabbau.

    P R A X I S

    INFORMATION

    Dr. Ronald Mbius,

    M.Sc. Parodontologie

    Fax: 038483 31539

    [email protected]

    www.moebius-dental.de

    Infos zum Autor

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