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] [ Leuphana Universität Lüneburg Konferenzwochenzeitung zum Tag des Durchbruchs Ausgabe 3 ¡ 28. Februar 2013 Konferenzwoche 2013: Hat sie uns verändert? Zarte Pflanzen machen es vor: Der Durchbruch ist möglich! © Julian Mann Was das Leben des Dr. Reinhard Loske, “Welt- verbesserer aus Berlin“, in den letzten 54 Jahren so bewegte ... Seite 7 Wenn du ein wenig Aus- dauer hast und richtig was bewirken willst, dann ab in den Start- block! Seite 4/5 Wetten, der 13-jährige Felix hat 12.610.582.600 mehr Bäume gepflanzt als du? Wie und warum erklären wir! Seite 3 Viviana Kneiske Ein Durchbruch in der Nachhaltigkeit? Der dritte Tag der Konferenzwoche. Viele Studenten haben ihre Prä- sentation schon hinter sich, einige noch vor sich. Der Trubel nimmt aber trotzdem nicht ab. Es gibt heute noch viele interessante Vorträge von Do- zenten oder Gästen, Workshops und Präsentationen von Studenten, Are- nen und Podiumsdiskussionen. Doch am letzten Tag lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen. Gemäß unserem heutigen Motto [DURCH]BRUCH stellt sich die Frage: Hat die Konferenzwoche einen Beitrag zu einem metaphori- schen Durchbruch geleistet? Haben wir uns geändert? Erst mal muss man in dieser Hinsicht „Durchbruch“ definie- ren. Die offensichtliche Bedeutung ist für uns Studenten vielleicht gar nicht so bedeutend: Sind wir durch etwas durchgestoßen, haben es zerbrochen? Eher nicht. Wir haben uns vielmehr mühevoll einen Erfolg erarbeitet. Wie eine kleine Knospe, die sich durch eine dicke Schicht aus Steinen hervorhebt. Gegen jegliche Hindernisse hat sie sich durchgekämpft, und dasselbe haben die Erstis das ganze Semester über ge- macht. Monatelang haben Kleingrup- pen aus Seminaren hart geschuftet. Sie mussten eine Themenfrage finden, sich für eine Präsentationsform ent- scheiden, die jeweiligen Redeanteile koordinieren, die Länge der Präsenta- tion abgrenzen. Dies lief häufig nicht ohne Hürden und Komplikationen ab. In manchen Gruppen gab es Probleme zwischen den Mitgliedern („Ich arbei- te viel mehr als du!“), in anderen war das angestrebte Engagement etwas zu hochgesteckt, später mussten die Er- wartungen wieder heruntergeschraubt werden. Aus diesem Prozess kommt man am Ende mit einer Note heraus. Schließt man das Thema damit ab? Hoffentlich nicht! Das Modul hat eigentlich genau das Gegenteil zum Ziel: Man soll sich mit der Nachhaltigkeit beschäftigen, um in der Zukunft eigene Veränderun- gen zu erreichen. Wie schon in unserer ersten Ausgabe gesagt: Wir packen unseren Koffer mit Wissen – aber ein wirklicher Durchbruch ist es erst, wenn wir dieses Wissen praktisch umsetzen. We accepted that change is a challen- ge. Doch sind wir der Herausforderung gewachsen? Das kann und muss jeder für sich entscheiden!

CHA[LLE]NGE Ausgabe 3

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Das dritte Exemplar der CHA[LLE]NGE. Der Zeitung zur Konferenzwoche [AUF]BRUCH der Leuphana Universität Lüneburg. Alles weitere zur Konferenzwoche online unter: www.leuphana.de/konferenzwoche-2013.

Text of CHA[LLE]NGE Ausgabe 3

  • ][Leuphana Universitt Lneburg Konferenzwochenzeitung zum Tag des Durchbruchs Ausgabe 3 28. Februar 2013

    Konferenzwoche 2013: Hat sie uns verndert?

    Zarte Pflanzen machen es vor: Der Durchbruch ist mglich!

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    Was das Leben des Dr. Reinhard Loske, Welt-verbesserer aus Berlin, in den letzten 54 Jahren so bewegte ...

    Seite 7

    Wenn du ein wenig Aus-dauer hast und richtig was bewirken willst, dann ab in den Start-block!

    Seite 4/5

    Wetten, der 13-jhrige Felix hat 12.610.582.600 mehr Bume gepflanzt als du? Wie und warum erklren wir! Seite 3

    Viviana Kneiske

    Ein Durchbruch in der Nachhaltigkeit?

    Der dritte Tag der Konferenzwoche. Viele Studenten haben ihre Pr-sentation schon hinter sich, einige noch vor sich. Der Trubel nimmt aber trotzdem nicht ab. Es gibt heute noch viele interessante Vortrge von Do-zenten oder Gsten, Workshops und Prsentationen von Studenten, Are-nen und Podiumsdiskussionen. Doch am letzten Tag lohnt es sich, einen Blick zurckzuwerfen. Gem unserem heutigen Motto [DURCH]BRUCH stellt sich die Frage: Hat die Konferenzwoche einen Beitrag zu einem metaphori-schen Durchbruch geleistet? Haben wir

    uns gendert? Erst mal muss man in dieser Hinsicht Durchbruch definie-ren. Die offensichtliche Bedeutung ist fr uns Studenten vielleicht gar nicht so bedeutend: Sind wir durch etwas durchgestoen, haben es zerbrochen? Eher nicht. Wir haben uns vielmehr mhevoll einen Erfolg erarbeitet. Wie eine kleine Knospe, die sich durch eine dicke Schicht aus Steinen hervorhebt. Gegen jegliche Hindernisse hat sie sich durchgekmpft, und dasselbe haben die Erstis das ganze Semester ber ge-macht. Monatelang haben Kleingrup-pen aus Seminaren hart geschuftet.

    Sie mussten eine Themenfrage finden, sich fr eine Prsentationsform ent-scheiden, die jeweiligen Redeanteile koordinieren, die Lnge der Prsenta-tion abgrenzen. Dies lief hufig nicht ohne Hrden und Komplikationen ab. In manchen Gruppen gab es Probleme zwischen den Mitgliedern (Ich arbei-te viel mehr als du!), in anderen war das angestrebte Engagement etwas zu hochgesteckt, spter mussten die Er-wartungen wieder heruntergeschraubt werden.Aus diesem Prozess kommt man am Ende mit einer Note heraus. Schliet

    man das Thema damit ab? Hoffentlich nicht! Das Modul hat eigentlich genau das Gegenteil zum Ziel: Man soll sich mit der Nachhaltigkeit beschftigen, um in der Zukunft eigene Vernderun-gen zu erreichen. Wie schon in unserer ersten Ausgabe gesagt: Wir packen unseren Koffer mit Wissen aber ein wirklicher Durchbruch ist es erst, wenn wir dieses Wissen praktisch umsetzen. We accepted that change is a challen-ge. Doch sind wir der Herausforderung gewachsen? Das kann und muss jeder fr sich entscheiden!

  • [PERSPECTIVES]2 Cha[lle]nge

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    Ausgabe 3 28. Februar 2013

    Wir leben im Utopia der Nachhaltigkeit. Was wrdest du an deinem alten Leben vermissen? Morgens aufzustehen und verkatert Tiefkhlpizza von Aldi essen. [Paul] Langstreckenflge! [Charlotte] Die Diversitt unserer Gesellschaft. [Maximilian] Den Mll nicht zu trennen ... [Ralf]

    Finger schmutzig machen? Auch was fr Prinzessinnen!Urban Gardening Wie das Grn das Grau bezwang

    Stadtmenschen als Grtner? Dafr muss man kein spieiger Kleingarten-siedler mehr sein. In den vergangenen Jahren hat sich ein neues Phnomen entwickelt: Urban Gardening. Dabei

    gestalten Freiwillige fr jedermann zu-gngliche Areale zu Nutzgrten voller Obst, Gemse und Krutern. Alles be-gann wie es mit Trends in Deutsch-land so oft der Fall ist in Berlin mit

    dem Prinzessinnengarten. Marco Clau-sen und Robert Shaw verwandelten hier 2009 mit vielen Helfern eine Brachfl-che in Kreuzberg in einen Garten und schufen damit einen Freiraum mitten in der Stadt. Mit der Petition Wachsen lassen kmpften 30.000 Berliner im letzten Jahr fr den Erhalt des Prinzes-sinnengartens siegreich. Alles ande-re wre auch katastrophal, schlielich ist der mittlerweile aus Berlin nicht mehr wegzudenkende Prinzessinnen-garten seitdem nicht nur fr weitere Projekte in der Hauptstadt zum Modell geworden, sondern deutschlandweit. Zurecht, denn produktives Grtnern bedeutet nicht nur, eigene Lebens-mittel kologisch anzubauen, sondern schafft ein in unserer schnelllebigen und globalisierten Welt ungeheuer wichtiges Bewusstsein: Man muss sich Zeit nehmen, um die Pflanzen zu sen und zu pflegen, sie wachsen zu lassen. Man lernt schtzen, was man nach der Ernte in Hnden hlt. Man muss gedul-dig dafr sein und, einmal begonnen, genieen die Stadtgrtner genau dies. Auerdem sind die Grten ein Ort, an dem man gemeinsam etwas kreiert. Das Urban Gardening lsst sich so als Plattform und durchaus auch als

    gesellschaftspolitische Aktivitt und alternative Lebensform bezeichnen.Die Idee des Eigenanbaus kommt an bei den gestressten Grostdtern und hat sich im doppelten Sinne als nachhaltiger Trend etablieren knnen. In den vergangenen Jahren sind in den Grostdten viele Grten entstanden und haben dabei ungenutzten Raum verdrngt und das Grau der Stdte durchbrochen, wie in Hamburg das Gartendeck oder die Keimzelle. Sogar im beschaulichen Lneburg gibt es am Kalkberg einen offenen Garten, den Zickengarten. Dem Projektseminar LEUFARM Ein studentischer Gemein-schaftsgarten an der Leuphana reicht das aber noch nicht. Sie haben ber-legt, ob und wie man an der Uni einen Garten begrnden knnte. Das Feed-back der befragten Studenten: ber 50 % empfnden das als Bereicherung, und viele knnten sich vorstellen, hier selbst aktiv zu werden.Super, denn auch wenn es hier nicht wirklich stdtisch ist, geht es um die Ideen, die hinter dem Urban Gardening stehen und definitiv ein Durchbruch in eine nachhaltige Zukunft sind.

    Knnen wir die Technik berhaupt noch kontrollieren oder kontrolliert sie mitt-lerweile uns? DAMALSZur Entwicklung des Internets ist zu sagen, dass es aus einem Chaos von Ideen und zuflligen Entstehungen her-vorging. Vielleicht daher wurde es von Einigen (!) unterschtzt. Beispielsweise sagte Robert Metcalfe, der Entwickler des Ethernets voraus, dass sich das In-ternet bald zu einer Supernova aufblht und 1996 katastrophal kollabieren wird. HEUTEHeute ist das Internet zum allgegenwr-tigen Massenmedium geworden. (Fast) Jeder nutzt die Eisenbahngleise der Infrastruktur Internet. Sei es zum Trans-port von Dateien oder zum Austausch von Rechnern. Sei es zur (trans-) nati-onalen Kommunikation in der Globali-sierung. Skype. Facebook. XING. Studivz. Schlervz. Icq. Msn. Und. Viele. Andere.

    Mehr. Kommunikation ber alle Gren-zen hinweg. Weniger Hindernisse. Mehr Freunde. Mehr Kontakte. Freundschaft als Ware! Als Mittel zu sozialer Bestti-gung. Was sind eigentlich Freunde? Fa-cebook gibt eine Antwort auf die Frage von ET: Ist da drauen jemand? Denn ohne Internet und ohne Facebook bist du ein niemand. Du hast keine Freunde. Du bekommst keine Nachrichten, keine Einladungen und du wirst nicht ange-stupst. Alle anderen schon aber du nicht. Es scheint fast als wrden sich die Werte unserer Gesellschaft drastisch verndern. Es fehlt noch das neben dem Poke Me Button bald ein neuer Kiss Me Button auftaucht. In zehn Jahren sitzen wir uns mit Laptops, Smartphones und Tablets gebenber und drcken Knpfe. Und das finden wir auch noch toll! Oder eben Emil. E-Mail. Briefartige Nachrichten, die ber Computernetzwer-ke bertragen werden. E-Mails werden

    ber Netzwerke im Internet gesendet. Das Internet das sind verschiedene, vernetzte Server! Wir mssen uns fra-gen: WO sind meine Daten eigentlich gespeichert? WER hat Zugriff auf mei-ne Daten? Wissen wir wer HINTER den fremden Servern sitzt? Vermutlich Nein. Das im Internet zugngliche Wissen wird auch (!) ber Netzwerke ausge-tauscht. Beispiel Wikipedia. Heutzutage muss man kein Buch mehr aufschlagen, um etwas zu erfahren. Man muss nie-manden mehr fragen. Ja man macht sich sogar keine Gedanken mehr dazu. Man verdummt. Man rennt wie ein Ro-boter zum Laptop, ausgestreckte Arme nach vorne, ffnet die gewnschte Suchmaschine, tippt das Suchwort ein und wartet auf die Erleuchtung. Tada! Vornehme, schwarz auf wei den Bild-schirm erfllende Wrter sind zu sehen. 100prozentiges Wissen. 100prozentige

    Wahrheit. Wir impfen uns die Wrter ein. Den Text ein. Seine Sicht ein. Aber heit es wirklich: Wikipedia & Wahrheit?Die oben genannten Anbieter sie bieten uns ihre Netzwerke an. Sie sind Dienstleister. Sie bezahlen Mieten fr riesige Hallen, gefllt mit Servern. Nor-malerweise bezahlen wir fr Dienstleis-tungen. Fr diese nicht. Sie sind alle kostenlos! Wie bezahlen wir dann? Be-zahlen wir etwa alle mit unserer Freiheit dafr? Wir scrollen die AGBs immerhin in einer Sekunde herunter nur um zum Weiter Button zu gelangen ...

    ber Emil Best of blogN: Den Eintrag von Julia Choutka krten wir zu einem der originellsten

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    Julia Choutka

    Immer mehr Menschen grnden ihre ganz eigenen urbanen Grten, hier in Hamburg

    Marie-Sophie Vorbrodt

  • [PERSPECTIVES] 3Cha[lle]nge

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    Arne Hansen

    K o l u m n e

    John Paxson

    Ausgabe 3 28. Februar 2013

    Kati Jovic

    Als der damals 9-jhrige Felix Fink-beier 2007 ein Schulreferat ber die Klimakrise gehalten hat, machte er ab-schlieend folgenden Vorschlag: Kinder auf der ganzen Welt sollten in ihrem Heimatland jeweils eine Million Bume Pflanzen, um fr einen angemessenen CO2-Ausgleich zu sorgen.

    Das knnte man als jugendlichen Leichtsinn oder Naivitt bezeichnen, oder aber auch als Vision. Denn Felix war schon damals klar: Es geht hier vor allem um die Zukunft seiner Generation. Und dann? Tja, dann hat ers einfach gemacht.Frei nach dem Motto Stop talking. Start planting. hat seine eigens fr diesen Zweck gegrndete Plant For The Planet Foundation die Welt Stck fr Stck um-gekrempelt und drauf losgepflanzt. Und es wurden mit der Zeit nicht nur immer mehr Bume, sondern auch Mitglieder. Mit der Untersttzung von Prominenten wie Model Gisele Bndchen, Schauspie-ler Til Schweiger und sogar Prinz Albert II von Monaco hat Felix es mit einer ein-drucksvollen Kampagne in die Presse

    Klein, aber Oho!Felix Finkbeier, oder auch: Der beste Beweis, dass Kinder wirklich unsere Zukunft sind

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    Wir leben im Utopia der Nachhaltigkeit. Was wrdest du an deinem alten Leben vermissen? Morgens aufzustehen und verkatert Tiefkhlpizza von Aldi essen. [Paul] Langstreckenflge! [Charlotte] Die Diversitt unserer Gesellschaft. [Maximilian] Den Mll nicht zu trennen ... [Ralf]

    Der Moment des Durchbruchs, der se Duft des Erfolgs! Die Freude darber, einen Prozess mit einem positiven Ergebnis abschlieen zu knnen. Das erste Bild, das mir bei dem Begriff Durchbruch in den Sinn kam, war das des Kandidaten, der im letzten Jahr gegen Stefan Raab die Rekordsumme von 3,5 Millionen Euro gewonnen hat. Wie der sich mit dieser kleinen Schaufel und vollem Krpereinsatz durch diesen Klotz aus Steckmoos gearbeitet hat, und dann: Durchbruch! 3,5 Millionen Euro! Und wer hats ihm nicht ge-gnnt?Mit ziemlicher Sicherheit wird kein Nachhaltigkeitsseminar in diesem Semester einen Durchbruch im Wert von 3,5 Millionen Euro erarbeitet haben. (Falls doch, call me! Der Job hier ist morgen vorbei!) Und doch ist am Ende ist jeder noch so kleine Durchbruch ein Fortschritt. Viele kleine ergeben vielleicht sogar irgendwann einen groen, durch den dann der Strom des Fortschritts flieen kann, der dann an anderer Stelle...naja, you get the point!Jeder von uns hat aus dem Leupha-na-Semester etwas mitgenommen, und wenn es nur Credit Points wa-ren. Wenn es doch mehr war, umso besser! Wir von Cha[lle]nge haben auf jeden Fall versucht, euren Blick auf viele Dinge zu lenken, die wir nicht nur als wichtig, sondern auch als interessant erachtet haben. Wir haben uns gestritten, uns lieb ge-habt, wir haben teilweise verdammt gute Arbeit geleistet, hier und da sicher aber auch geschludert. Ich freue mich darauf, unsere Ausga-ben in ein paar Wochen noch einmal mit einem gewissen Abstand lesen zu knnen.

    John Paxson

    Die meisten von euch kennen sicher die klassische Variante von Graffiti. Sprhdosen, Farbspritzer, das Klackern der Kugel, a smell of fresh paint in the air. Doch es geht auch anders! Das sogenannte Moos-Graffiti ist eine umweltfreundliche Kreuzung aus Guerilla Gardening und Streetart. Dafr braucht man nur , ihr ahnt es bestimmt schon, schnes grnes Moos und eine Art ko-Kleber, der biologisch abbaubar ist. Um diesen zu mischen existieren im Internet verschiedene Anleitungen. Eine davon beinhaltet sogar Bier. Selbstverstndlich stellen wir euch hier keine Anleitung zur Ver-

    fgung, denn auch Bio-Kunst drft ihr nicht einfach berall draufklatschen, wo es euch gefllt!Wir wollen aber auch nicht verschwei-gen, dass sich Moos-Graffitis durch-aus positiv auf ihre Umwelt auswirken, nicht nur optisch. So bekmpfen sie aktiv die Feinstaubbelastung, indem sie groe Mengen der gefhrlichen Luftpartikel aufnehmen. Bestimmte Abgas-Bestandteile dienen dem Moos sogar als Nahrung, und andere wer-den durch Bakterien abgebaut, die auf dem Moos leben. Doch wie stehen klassische Graffiti-Sprher zu dieser Variante? Gibt es Vorurteile oder Be-

    rhrungsngste? Wir haben den Lne-burger Graffiti-Sprher Bjrn Lindner aka jayn dazu befragt:Eine interessante Gestaltungsart, aber eher was fr Grtner und Desi-gner. Ausprobiert habe ich es auch schon, allerdings mit migem Erfolg. Wird aber bestimmt mal wiederholt. Mit Graffiti hat es wie ich finde nur wenig gemeinsam. Es gibt ja quasi nur eine Farbe und eine Technik. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass nie Moos-Trains rollen werden!

    Ohne Moos nix los! Auf zur Moos-Ernte in den Wald fr mehr Grn in der Stadt!

    geschafft man nimmt ihn und sein Anliegen ernst.Plant For The Planet hat inzwischen ei-nen Weltvorstand, der aus 14 Kindern aus 8 verschiedenen Lndern besteht und mit einigen von ihnen ist Felix vor einiger Zeit einfach so in eine UN-Konfe-renz zum International year of forests

    marschiert, um den ganzen schlauen Leuten dort mal (auf Englisch!) zu er-klren, was eigentlich Sache ist. Neben-bei vergleicht er alle Erwachsenen mit Affen. Klasse Typ!Und auf einmal ist es 2013 und Felix und seine Crew haben Folgendes vor-zuweisen: 12.610.582.600 bereits ge-pflanzte Bume weltweit. Hut ab, oder was?Und genau das ist die Einstellung, die uns leider immer noch fehlt: Nicht so viel nachdenken und verkomplizieren, sondern einfach mal machen! Viele gebildete Experten sitzen stndig berall auf der Welt zusammen und diskutieren mgliche Lsungen fr gleichzeitig immer schlimmer werdende Klima-Probleme, die Nachrichten geben

    uns zu verstehen, dass es eigentlich schon zu spt ist, um etwas zu ndern, sie uns aber trotzdem netterweise auf dem Laufenden halten und man selbst zieht sich den Schuh ja meist eher un-gern an und dann werden auf einmal alle von einem 9-Jhrigen vorgefhrt, der vielleicht eben doch in seinem

    jugendlichen Leichtsinn kein Nein akzeptiert.Das Wort Klimagerechtigkeit be-schreibt ganz wunderbar, worum es Plant For The Planet geht: Durch ak-tuellen Egoismus zerstren wir die Zu-kunft kommender Generationen. Das ist unfair, sowas macht man nicht. Was man allerdings ganz unbedingt machen sollte, ist sich an Felix Finkbeier ein Bei-spiel zu nehmen.Und wer immer noch nicht ganz davon berzeugt ist, dem empfehle ich einen Besuch auf der Homepage von Plant For The Planet: www.plant-for-the-planet.org. Ach und wenn ihr eh schon da seid: Spenden geht auch!

  • [[Projects]4 Cha[lle]nge Ausgabe 3 28. Februar 2013

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    Du musst kein Marathonlafer sein, um etwas bewegen zu knnen.

    Eigentlich glaube ich nichts, aber nichts ganz ganz fernen Lnder der Erden mal eben mit dem Flugzeug bereisen zu knnen. [Milena] Externer Datenspeicherplatz. [Anna] Autofahren, da fhlt man sich selbststndiger und freier als mit Bus und Bahn. [Viviana]

    Keine falsche Scheu deine Schritte sind Gold wert!

    Ann-Katrin Mvers

    MEATingFleischhunger: Sind wir noch zu retten?

    Isst du gerecht? Oder hast du dir ber-haupt schon einmal darber Gedanken gemacht, was gerecht wre? Wie sehr beschftigt sich unsere Gesellschaft mit dem Konsumverhalten?! Herzlich wenig ist anzunehmen, denn sonst she die Lage nicht wie folgt aus:Die deutsche Massentierhaltung um-fasst momentan rund 14 Millionen Rinder, 23 Millionen Schweine, eine Million Schafe und ber 40 Millionen Stck Geflgel. Die Menge des dafr notwendigen Futters stellt den Zwie-spalt dar. Soja wird als Futtermittel in der Massentierhaltung verwendet, doch in Deutschland gibt es dafr nicht aus-reichend Anbauflche. Deshalb wird Soja, beispielsweise aus Brasilien, im-portiert. Dort muss jedoch Regenwald fr die Anbauflchen abgeholzt werden.Eine Projektgruppe des Seminars Food Justice befasst sich tiefgreifend mit den Auswirkungen auf die Guaran-Kaiowa (indigene Bevlkerungsgruppe in Brasilien) und deren Lebenssitua-tion. Ihren Nachforschungen zu Folge wurden im Jahr 2007 nur durch den So-jaanbau vier Millionen Menschen ver-trieben. Kleinbauer haben keinen Platz mehr und fliehen samt Familien in die

    Stdte, auf der Suche nach Arbeit. Doch dort leben sie an der Armutsgrenze!Die Auswirkungen beschrnken sich aber nicht nur aus den sozialen Be-reich. Die kologie der betroffenen Regionen gert vollkommen aus dem Gleichgewicht. Monokulturen laugen den Boden aus, und die Abholzung verringert die Niederschlagsbildung drastisch. Drren und verheerendere Waldbrnde sind die Folgen in einer eigentlich feuchten Zone.Dabei bleibt es jedoch nicht. Die Men-schen in der Region leiden an gesund-heitlichen Problemen durch die Dn-gemittel, Kinderarbeit breitet sich aus etc. Global gesehen: Der Amazonasre-genwald schluckt einen Groteil des weltweiten Kohlendioxid und dmpft dadurch den Klimawandel. Wenn aber weiterhin abgeholzt wird..?!Am Donnerstag, den 28.02.2013 von 12-16 Uhr auf dem Gallery Walk, er-fahrt ihr mehr! Fragt einfach nach, bei Linda Ertl, Lena Gremann, Alina Dietz, Margarita Mikhaltsova und Caroline Stnder.

    Verbrechen an der Menschenwrde: Sponsorenlauf gegen weibliche Genitalverstmmlung

    Knapp 150 Zusagen bei Facebook hat die Veranstaltung Deine Schritte sind Gold wert! schon. Wenn alle kommen, werden es zwar viele, aber lngst nicht gengend Teilnehmer sein, denn bei diesem Projekt gilt wahrlich: Je mehr kommen, desto besser! Doch fr was genau soll ich auf teilnehmen kli-cken? Studierende des Projektsemi-nars Soziale Aspekte der Nachhaltig-keit haben in Zusammenarbeit mit der Amnesty International Hochschu-linitiative Lneburg einen Sponsoren-lauf auf die Beine gestellt, der es sich zum Ziel macht, auf das unglaubliche, in Afrika noch viel zu weit verbreitete Verbrechen der weiblichen Genitalver-stmmlung aufmerksam zu machen und aktiv dagegen anzukmpfen. Heute um 11 Uhr auf der Mensawiese wird der Spendenlauf statt finden. Je-der kann teilnehmen und mitmachen! Es geht darum, eine symbolische Run-de um die Mensawiese zu drehen ob man diese rennt, luft, tanzt oder

    schleicht sei jedem selbst berlassen. Was zhlt ist das Engagement. Der Lauf ermglicht es so jedem Ambitio-nierten, durch seinen Einsatz ein Zei-chen fr die Menschenwrde zu setzen und Spenden fr den Verein TARGET e.V. zu sammeln, welcher konkrete Projekte, unter anderem in Guinea-Bissau, untersttzt.Fr jeden Lufer spenden verschiedene Klein- und Grosponsoren an den Ver-ein, welcher von Rdiger Nehberg (sie-he auch S. 6) ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, auf internationaler Ebene aufzuklren ber weibliche Ge-nitalverstmmlung und auf Augenh-he mit den Menschen in den Lndern eine Lsung zu finden, erklrt Cons-tantin Sinn, Teilnehmer des Seminars.Bereits gestern begann der Sir Vival Rdiger Nehberg in seinem spannen-den Dia-Vortrag Querschnitt durch ein aufregendes Leben fr das hufig tabuisierte Thema und sein aktuelles Groprojekt zu sensibilisieren.

    +++ Burn-Out - Freiwillige Selbstausbeutung +++ Du bist was Du trinkst +++ Tod durch Globalisierung? Eine Diskussion zum Ballastwasser +++ Ein Strudel aus Plastik +++ More than Honey Warum geht das Bienensterben weiter? +++ Bio vs. Konventionell +++ Coffeelution Taste Without Waste +++

    L e x i k o n N

    Greenwashing: durch PR-Methoden ein grnes Image erlangen ohne, dass entsprechende Manahmen getroffen werden

    Nachhaltigkeitsgedanke to goAuch Erfahrungen mssen nachhaltig sein

    In Universitten wird oft und gerne ge-redet. Und das ist auch gut so. Doch das viel prgnantere Erlebnis ist der persnliche Eindruck. Das haben sich auch die sechs Studierenden aus dem Seminar Togo: Ein Nachhaltigkeitsge-danke zum Mitnehmen gedacht. Sie haben ein Projekt ins Leben gerufen, welches Menschen fr eine gewisse Zeit in eine Familie nach Togo schickt. Fernab von berflssigem Luxus, wo der kranke Gedanke unserer Konsum-

    gesellschaft noch nicht das tgliche Leben bestimmt. Dort kann man erfah-ren, was es wirklich bedeutet, glck-lich zu sein. Und wenn man dann mit dieser Erfahrung im Gepck zurck nach Deutschland reist, hat man et-was mitgenommen, was einem an der Uni niemand erzhlen kann. Denn auch Erfahrungen mssen nachhaltig sein. Was ntzt es uns zu reden, wenn das Gesprochene auf der einen Seite vom Kopf rein-, und auf der anderen gleich wieder rausgeht. Diesen Gedanken fasst das Togo-Projekt sehr gekonnt auf und macht uns dieses Problem bewusst. Auerdem zeigt es uns, dass die Konferenzwoche eben nicht nur eine groe Blase aus theoretischen berle-gungen ist, sondern wirklich Projekte hervorbringt, die das Potenzial haben, etwas in der Welt zu verndern. Hier wird nicht nur geredet, sondern ge-handelt.

    Max Rauer

  • ] [Projects]Ausgabe 3 28. Februar 2013 5Cha[lle]nge

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    Du musst kein Marathonlafer sein, um etwas bewegen zu knnen.

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    Eigentlich glaube ich nichts, aber nichts ganz ganz fernen Lnder der Erden mal eben mit dem Flugzeug bereisen zu knnen. [Milena] Externer Datenspeicherplatz. [Anna] Autofahren, da fhlt man sich selbststndiger und freier als mit Bus und Bahn. [Viviana]

    Keine falsche Scheu deine Schritte sind Gold wert!Verbrechen an der Menschenwrde: Sponsorenlauf gegen weibliche Genitalverstmmlung

    Heute gibt er den Startschuss fr den Spendenlauf. Fr uns gilt es nun, sich von seinem Engagement und seiner Courage eine Scheibe abzuschneiden und selbst aktiv zu werden! Auf der Konferenzwoche haben wir bis dato unglaublich viel Input von ver-schiedensten Menschen bekommen, die einen Aufbruch, einen Umbruch oder gar einen Durchbruch geschafft haben. Rdiger Nehberg gehrt defini-tiv der letzten Fraktion an. Die meisten von uns sind sicherlich gerade erst in ihrem persnlichen Aufbruch begrif-fen. Das ist auch gar kein Problem, sondern ist schon viel wert. Aber wir wissen auch: Wir knnen alle etwas tun. Dazu wurden uns in diesen Tagen und im ganzen vergangenen Semester gengend Anregungen gegeben. Aber zustzlich zu unserem persnlichen Aufbruch knnen wir Menschen un-tersttzen, die mit ihrem Einsatz und ihrer Lebensphilosophie bereits einen wahren Durchbruch erzielen konnten

    fr sich und fr andere. So wie Rdi-ger Nehberg und sein Verein. Mit einer einfachen Tat, wie einer kleinen Runde um unsere Mensawiese, fr die es ihrer symbolischen Natur wegen nicht ein-mal Laufschuhe und sachen braucht, knnen wir uns an einem Durchbruch beteiligen! Knnen Menschenleben durch die Untersttzung eines tatkrf-tigen Vereins verbessern. Knnen dazu beitragen, etwas zu verndern.Knnen beweisen, dass wir etwas ge-lernt und mitgenommen haben aus dieser Konferenz und einen persnli-chen Aufbruch wahrhaftig geschafft haben. In diesem Sinne bleibt nur zu sagen: Bis nachher um 11 Uhr auf der Men-sawiese!

    +++ Burn-Out - Freiwillige Selbstausbeutung +++ Du bist was Du trinkst +++ Tod durch Globalisierung? Eine Diskussion zum Ballastwasser +++ Ein Strudel aus Plastik +++ More than Honey Warum geht das Bienensterben weiter? +++ Bio vs. Konventionell +++ Coffeelution Taste Without Waste +++

    Aktionskunst: Das Produkt der Gesellschaft

    Jeder Mensch ist ein Knstlergefunden hat, was es ist und wie man sich dabei gefhlt hat. Es geht nicht um das spezielle Wissen, was fr ein Blatt es genau ist oder von welchem Baum die Rinde stammt, sondern um die emotionale Verbindung zu eben diesem Stck Natur! So wird es in weiteren Runden fortgefhrt und im-mer tiefgreifender ber die Verbindung geredet. Shelly Sacks ist neben der leitenden Position an der University Of The Trees auch Professorin fr Soziale Plastik an der Oxford Brookes University. Das Konzept, das sie dort vermittelt, bildet den theoretischen Unterbau fr das Earth Forum.Shelly Sacks war Schlerin des Akti-onsknstlers Joseph Beuys und wurde von seinen Ansichten sehr geprgt. Der Leitgedanke ist weg von dem Materi-ellen zu kommen, da das eigentliche Kunstobjekt die Gesellschaft ist und diese geformt werden muss, indem man die eigene Einstellung zur Natur verndert. Wie kann man nun eine Vernderung anstoen? Nach dem Prinzip von Shel-ly Sacks nicht mit rationalem Wissen, sondern mit einem kulturellen Wandel!

    Wie lsst sich Vernderung wirklich anstoen? Anja Humburg, Programm-verantwortliche der Konferenzwoche 2013, hat im vergangenen Jahr an dem Workshop von Shelly Sacks teilgenom-men, der einem hilft die Verbindung zwischen sich und der Natur wieder herzustellen. Dieses Jahr wurde eben dieser Workshop erneut angeboten, und wir erfahren welche Intention da-hinter steht. Shelly Sacks, geboren 1950, lebt und arbeitet in Oxford. Sie leitet die Uni-versity of the Trees, welche das in Lneburg vorgestellte Earth Forum be-inhaltet. Es steht der Gedanke im Vor-dergrund, der Natur und den Menschen anders gegenber zu treten, wobei eine intensive, emotionale Verbindung auf-genommen wird. Die Veranstaltung ist kein Vortrag im eigentlichen Sinne, sondern eher eine kollektive Erfahrung, bei der Shelly Sacks ihre Einschtzun-gen abgibt. Der Workshop beginnt, indem sich die Teilnehmer und Shelly Sacks in einem Stuhlkreis zusammensetzen und sich vorstellen. Anschlieend wird jeder gebeten, fr einige Zeit nach drauen zu gehen und ein Stck Natur wieder mitzubringen. Keinerlei Vorgaben. Man guckt, was einen anspricht und zurck in der Runde wird erzhlt, wo man es Ann-Katrin Mvers

    Mehr Menschen ertrinken in der

    Wste, als dass sie

    verdursten.

    Gitarrensaiten wurden frher a

    us Katzendarm hergestellt.

    Marie-Sophie Vorbrodt

  • [People]6 Cha[lle]nge Ausgabe 3 28. Februar 2013

    Corinna Thlke

    Rdiger Nehberg im Portrait

    Tag des Durchbruchs- das ist das Mot-to der dritten und auch letzten Ausgabe der Konferenzwochenzeitung. Aufbruch Umbruch Durchbruch, in diesem Kontext prsentiert sich die diesjhrige Konferenzwoche. Vernderung lautet der Anspruch. Heute am letzten Tag dem Tag des Durchbruchs stellt sich die Frage, ob Vernderung gelingen konn-te. Sind wir aufgebrochen, um etwas zu ndern? Studenten und Studentinnen schlendern den Hrsaalgang entlang mit Cafe 9 Pappbechern in der Hand, als wre nichts geschehen. Whrend der Vortrge folgen manche aufmerksam, andere checken ihren Facebookstatus. Schleicht sich auch hier der ganz nor-male Uni-Alltag ein?Es ist dieser Alltag, den Rdiger Neh-berg aus seinem Leben verbannt hat.

    Sein Lebenslauf liest sich wie eine rasante Achterbahnfahrt, in der viele scheinbar festgelegte Grenzen durch-brochen wurden. 1970 entschloss sich der 1935 geborene Bielefelder zu seiner ersten groen Entdeckungsreise. Zu-sammen mit Hinrich Finck fasste er den Entschluss, den Blauen Nil in thiopien zu befahren. Auch wenn dieser Versuch misslang, sollte es nicht bei dieser ers-ten Bekanntschaft mit den Gewssern des Nils bleiben. Es folgen zwei weitere abenteuerliche berfahrten. Zehn Jah-re spter begann fr Rdiger Nehberg ein weiterer Lebensabschnitt mit dem Studium des bedrohten Indianervolkes der Yanomami. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, beschloss der Sir Vival einen Alleinmarsch durch den Dschungel zu den Yanomami Indianern zu unternehmen. Ein Jahr zuvor trainier-te er sein Vorhaben auf einem 100-Ki-lometer langen Deutschlandmarsch, auf dem er durchweg nur von dem, was die Natur ihm zu bieten hatte, berlebte. Die Bedrohung des Indianervolkes war weiterhin aktuell. Doch der Aufbruch war gelungen. Es bedurfte erst eines weiteren Bittmarsch, der Konsultation von UNO und Weltbank und der waghal-sigen berquerung des Atlantiks mit Hilfe eines Bambusfloes und eines

    Baumstammes bis der Durchbruch schlielich in Sicht war. Im Jahr 2000 er-langen die Yanomami-Indianer schlie-lich staatlichen Schutz und Frieden. Wie kann ein Mensch das schaffen? Es scheint ein Gemisch aus unglaublichem Durchhaltevermgen, Disziplin und vor allem Willen zu sein, das diese Biogra-phie ermglicht hat. Einen wichtigen Grundsatz, den der Trger des Bundes-verdienstkreuzes den Erstsemestern vor diesem Hintergrund mitgeben mchte, lautet deswegen: Niemand sollte sich fr zu gering halten, etwas, das ihn strt, zu verndern. Auch bei seinem Engagement fr die Yanomami-Indianer musste er viele Hindernisse berwinden, gibt Nehberg zu. Trotzdem sei es letztlich gelungen mit Bestndigkeit und natr-lich auch mit Glck, eine ffentlichkeit zu schaffen und Politiker in die Knie zu zwingen. Da habe ich als kleiner Brger gelernt, dass manches eben doch ver-nderbar ist, dass Visionen realisierbar sind, wenn man eine gute Strategie und Ausdauer hat.Doch noch lange sind nicht alle Ziele erreicht. TARGET lautet der passende Name der von Nehberg im Jahr 2000 ge-grndeten Menschenrechtsorganisation, die den Kampf gegen weibliche Geni-talverstmmelung aufnimmt.

    Vernderung: Step By Step

    Stimmen der KonferenzwocheKay Oberbeck

    BWL- und Kuwi-Studium an der Leu-phana, und zack! ist man Unterneh-menssprecher von Google Nordeuropa, oder wie? Ganz genau! Bestes (und einziges) Beispiel: Kay Oberbeck. Ganz so einfach war es aber natrlich nicht: Zwischenstationen als Unternehmens-sprecher gab es u.a. bei Lycos und der Axel-Springer-AG. Glaubt man seinem Google+-Profil, dann mag Kay Oberbeck Chips mit Currywurst-Geschmack, ist St. Pauli Fan und hat schon mal Smudo ge-troffen klingt gut, oder?Kay Oberbeck schlgt heute um 11.30 Uhr mit seinem Vortrag zum Thema Change im World Wide Web auf und bezieht Google-Posi-tion. Wer immer schon mal mit einem er-fahrenen dot.commer diskutieren wollte (oder wissen will, wie Currywurst-Chips schmecken), sollte also unbedingt vor-beischauen!

    Behnam Moghaddam

    Dieser Spruch ziert die Homepage des im Iran geborenen Hamburger Musikers Behnam Moghaddam. Er hrt auch auf den Namen Banshee LeStrange. Als die-ser fusionierte er mit drei Kollegen, auch alles lyrische Allroundrhytmiker, zu der Band MokkaExpress.Nach meiner Recherche, da hatte er mich: bescheiden scheint er zu sein, doch nicht schchtern. Widmet seinem Blog New to the Zoo (nttz.org/word-press/) ein bisschen Aufmerksamkeit: wunderbare Texte, herrliche Gedanken. Der Mann kann nicht nur Songtexte sch-reiben. Doch diese geben auch ordent-lich was her, dat fetzt! Erwartet keine Schmusekuschelgitarrensongs! Gnnt euch sein Konzert auf der Spielwiese, heute um 13 Uhr. Um 14h gehts dann weiter mit ihm zum Wiesenforum!

    Peter Unfried

    Den, 1963 geborenen, Peter Unfried zog es 1994 zur Sportredaktion der taz, wo er zu Beginn gleich fr Aufruhr sorgte. Wegen seiner Wenigkeit wurde einfach mal der Quotierungsbeschluss aufge-hoben. Das nenne ich einen Einstieg! 2006 ernannte sich der Journalist und Autor selbst zu einem neuen ko und hat sich jeher das Ziel gesetzt eine ge-sellschaftliche Klimakultur zum Leben zu erwecken, die es schafft den Klima-wandel in den Griff zu bekommen. Seit 2009 ist Peter Unfried Chefreporter der taz, whrend er nebenher Dozent an der FH KUNST Arnstadt ist. Am Donnerstag, den 28. Febraur 2013 fhrt er ein Streit-gesprch im HS 3 von 11:30-13:00 Uhr! Hrt euch an, welche Meinung er zu dem Thema Alles ko, oder was? Zwischen kofimmel und Transformation hat!

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    Es gehe darum, eine Strategie zu entwi-ckeln, gegen die der Gegner keine Alter-native hat, erklrt Nehberg sein Vorge-hen. In diesem Fall seien dies die Bilder vom Verbrechen der weiblichen Genital-verstmmelung auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Koran, der so etwas verbietet. Das Problem in den betroffenen Lndern sei das Schweige-gebot, die fehlende Bildung, und die tief verwurzelte Tradition. ber die Religion jedoch seien diese Strukturen zu durch-brechen.Der von den Medien geadelte berle-bensknstler hat auch auf diesem Ge-biet den Umbruch angestoen. Bei der Betrachtung seiner Biographie entsteht Hoffnung, dass auch die im Kontext der Konferenzwoche vorgestellten Ziele irgendwann erreicht werden knnen. Mit R-diger Nehberg als Vorbild fllt uns das viel-l e i c h t a l l e n ein wenig leichter!

    Die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen und im Winter barfu durch die Wohnung laufen. [Tom] Meine Zigarettenstummel auf den Boden schmeien, wenn keine hinsieht. [Gunnar] Die Diversitt unserer Gesellschaft. [Viviana] 24 h air conditioning in meinem Amerikaurlaub. [Svenja]

    Kati Jovic Milena Scipio Ann-Katrin Mvers

  • [People] 7Cha[lle]nge

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    Ausgabe 3 28. Februar 2013

    Wir mssen nicht alle in Sack und Asche gehen

    Der Krumm- und Querdenker Dein Gesicht zur Konferenzwoche

    Ganz ehrlich, liebe Leute. Ich habe keinen Plan, wo ich anfangen soll. Ich mchte hier einen Visionr vorstellen, denn heute ist der Tag des Durchbruchs. In meinen Augen ist da unter unseren Gsten fast keiner besser geeignet als Dr. Reinhard Loske. Ich mchte euch gerne etwas aus dem Leben dieses be-wundernswerten Mannes erzhlen, doch muss euch dabei klar sein, dass es sich nur um Bruchteile handelt.Gehen wir chronologisch vor: Loske studierte Wirtschafts- und Politikwis-senschaften in Paderborn (aus dieser Gegend stammt er), Nottingham und Bonn. In den 1990ern blieb er der Wis-senschaft erst mal treu, arbeitete an unzhligen Forschungsprojekten, u.a. am Wuppertal Institut fr Klima, Um-welt und Energie. Nach seiner Arbeit dort erschien ein Buch mit dem Titel Zukunftsfhiges Deutschland. Doch Loske blieb im Rahmen seiner For-schungsprojekte nicht nur in Deutsch-land. Es verschlug ihn praktisch einmal auf alle Kontinente der Erde: Er war in den USA, in Brasilien, China und Sd-afrika.Gesellschaftspolitisch aktiv war Loske schon in seinen jungen Jahren u.a. in der kobewegung und in einer Friedens-initiative. Er war auch in den 1980ern fr fnf Jahre Fraktionsvorsitzender der Grnen in Geseke. Mit der Jahrhundert-wende wandte er sich noch mehr der Po-litik zu: Von 1998 2007 war er Mitglied im Deutschen Bundestag. Von 2007 2011 brachte er als Senator fr Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Bremen so einiges in Gang. Um einige Beispiele zu nennen: breite, mit einem Grnstrei-fen von Straen getrennte Radwege/ein engmaschiges Straenbahnnetz/Subventionierung von Erdgasautos/Citymaut (Straenbenutzungsgebh-ren)/Ausweitung des Tempolimits/Car Sharing. Mit folgender Postkartenauf-schrift punkteten sie ordentlich, bei

    Jung und Alt: Wozu ein eigenes Auto? Sie kaufen ja auch keine Kuh, wenn Sie ein Glas Milch trinken wollen.Heute geht er einer freiberuflichen Bera-tungsttigkeit nach, bei der GIZ (Gesell-schaft fr Internationale Zusammenar-beit) in Sdafrika und Libyen und bei der GLS Bank (Bochum). Und sonst hat Los-ke nebenbei verschiedene Ehrenmter inne und publiziert eine erschlagende Menge an Bchern, Essays, Artikeln und und und. Als ich sein Buch Wie weiter mit der Wachstumsfrage las, leuchtete jedes Mal, wenn mein Hirn einen Satz verarbeitet hatte, ein grnes Lichtlein auf. Kennt ihr das Gefhl, wenn man etwas liest und es fhlt sich so an, als wrde dir jemand aus der tiefsten Seele sprechen? Deshalb das grne Lmp-chen. Ich bewundere Loske fr sein un-gemein breit gefchertes Wissen, seinen Aktivismus und seine Zuversicht.Genau deshalb schien er der Richtige zu sein fr den Posten des Transformati-onsexperten. Weil ich ihn sehen wollte, wie er leibt und lebt, besuchte ich am Dienstag die Veranstaltung Slam of Change Mein Plan B fngt heute an. Die Gewinner des Slam of Change saen unten, in schwarzen, todschicken Leder-sesseln, Loske in ihrer Mitte.Ein Plan-B stammte von Frerk, der sich fr den Gemeinschaftsgarten Leuf-arm einsetzt, der nun in naher Zukunft im Biotop entstehen wird. Ein weiterer stammte von Luise & Dr-te, die die Tagesthemen aus Utopia vortrugen, in welchen Konzepte von Leihsystemen, verpackungsfreien Ein-kaufslden und Glcksunterricht auf-tauchten.Den ersten Plan-B stellte Johanna vor. In einem Essay mit dem Titel I cant get no satisfaction. pldierte sie fr mehr Empathie, Gemeinschaft und Zi-vilcourage. Das beste Medium, solche Werte zu transportieren, sei Spa, denn Spa knne Synonym fr Zugnglichkeit sein. Loske ergnzte die fr Nachhal-tigkeit notwendige Empathie um die unbedingte Selbstliebe, es sollte eine intrinsische Motivation fr gelingendes nachhaltiges Handeln bestehen. Des weiteren erklrte er die drei Wege der Transformation: Das Leiden an den Ver-hltnissen, das Gezwungen werden oder dass es etwas Besseres gibt, das fhrt zu Vernderung!

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    Milena Scipio

    Die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen und im Winter barfu durch die Wohnung laufen. [Tom] Meine Zigarettenstummel auf den Boden schmeien, wenn keine hinsieht. [Gunnar] Die Diversitt unserer Gesellschaft. [Viviana] 24 h air conditioning in meinem Amerikaurlaub. [Svenja]

  • [Post Scriptum: Fr einen Perspektivwechsel]8 Cha[lle]nge Ausgabe 3 28. Februar 2013

    posteo.de: wirklich grner als andere Anbieter?dolorem nat.

    Am Sande 33 von Montag bis Freitag, am besten Punkt 18 Uhr the place to be. Ich stehe vor der Bckerei Vlsch, mi-nus fnf Grad, ich bibbere, genauso wie

    die fnf anderen Kunden, die vor mir in der Schlange auerhalb des Geschfts warten. Hinter mir steht noch ein lterer Herr und es kommt vom Sande her noch eine Dame angerannt, die ich von mei-nen letzten Besuchen wiedererkenne.Nach drinnen, direkt vor die Theke, haben

    es immerhin schon drei Leute geschafft. Die Verkuferin schaut gestresst nach drauen, die Leute drinnen lassen sich Zeit. Immerhin sind die Regale und Krbe

    noch fast voll. Wenn alle Backwaren zum halben Preis ber die Theke gehen, will gut berlegt sein, mit was man sich fr heute Abend und die kommenden Tage eindeckt. Natrlich steckt hinter diesem Angebot auch Marketing. Die Leute, die abends vorbeischauen und etwas

    Wir sind Brot Widerstand ist zwecklosWie eine Bckerei unabsichtlich nachhaltig wird

    Auf dem Markt gibt es zahlreiche E-Mailanbieter, die ihre Dienste zu hn-lichen Konditionen anbieten. Doch es gibt auch einige Projekte, die etwas verndern wollen. Ein Beispiel dafr ist posteo.de. Das ist ein unabhngiger E-Mailanbieter aus Berlin, der seinen Fokus auf Nachhaltigkeit legt, dabei aber auch Werbefreiheit und anonymes Mailen durch verschlsselte Daten an-bietet.Whrend die groen E-Mailanbieter sich meist durch Werbung finanzieren, hlt sich posteo durch geringe Mitgliedsbei-trge (1 Euro pro Monat) auf dem Markt.

    Die durchgngig laufenden Server von E-Mailanbietern haben einen sehr hohen Strombedarf. Um dabei Umweltschutz zu praktizieren, werden bei posteo so-wohl die Server, als auch die Geschfts-rume ausschlielich mit kostrom von Greenpeace Energy versorgt. Ebenfalls wird in dem Vierer-Team von posteo Recyclingpapier verwendet, die Wege werden mit ffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zurckgelegt.Also berlegt euch, ob ihr fr die Unter-sttzung dieses Projektes 1 pro Monat entbehren knnt!

    Nachhaltiges Mailen

    Drei Tage gehen zu Ende, wie auch das heie Wasser unter der Dusche irgend-wann kalt ist. Es war aufregend, belus-tigend, informativ und manchmal auch schweitreibend! Liebe Leute, unsere Konferenzwoche war ein Ereignis, das wir hoffentlich nicht sofort im Monat Nummer 3 schon wieder vergessen ha-ben!Innerhalb der Redaktion gab es Tur-bulenzen und schlimmeres, aber alles easy peasy! Wir haben es gemeistert und unseren herumschweifenden Bli-cken nach zu urteilen, IHR AUCH! Auf in das neue Semester nach den restlichen Semesterferien, versteht sich! Prost!

    IMPRESSUM

    Herausgeberin: Leuphana Konfe-renz 2013 Chefredaktion: Max Rauer und Marie-Sophie Vorbrodt Text-Redaktion: Wolff-Rdiger Gevert, Kati Jovic, Viviana Kneiske, Ann-Katrin Mvers, Milena Scipio, Corinna Thlke Foto-Redaktion: Anna-Lena Blank, Jacqueline Krebs, Julian Mann, Khaled Nahiz, Svenja Pape, Jytte Rohland, Henriette Schulz Grafik + Layout: Katrin Eismann, Leslie Aliza Grosch Dozentinnen: Katrin Eismann, Angela Franz-Bal-sen, Eva Rahe Druck: nordland-druck GmbH Auflage: 1100 Stck

    Gnn dir einen

    Perspektiv-

    wechsel!

    K K 1 R a d i o g r u p p e

    Heute um 19 Uhr heit es noch einmal einschalten auf ZuSa! Unsere Radiogruppe wollte von euch wissen, wie ihr die Konfe-renzwoche erlebt habt. Neben musikalischer Unterhaltung hrt ihr Sven Prien-Ribcke mit einem Abschlusswort und Bei-trge zu drei weiteren Projekt-seminaren. Einschalten auf 95,5 MHZ!

    Milena Scipio

    Viviana Kneiske

    kaufen, knnen sich von der Qualitt der Produkte berzeugen und kommen dann auch mal zu einer anderen Tageszeit vorbei., sagte der Besitzer Siegfried Vlsch. Zudem sei so die gute Qualitt und Frische der Backwaren am nchsten Morgen gesichert. Ein finanzielles Plus wrde dadurch nicht verzeichnet, aber gut. Der Kunde ist Knig! Anscheinend unbeabsichtigt ist sein Betrieb dadurch nachhaltig geworden, da die Brote nicht weggeworfen werden. Herr Vlsch mein-te, das tue ohnehin keine deutsche B-ckerei, der Film taste the waste zeigt jedoch andere Szenen riesige Lager-hallen voll mit altem Brot. Also, bald ists ja wieder wrmer, reiht euch ein in die Vlsch-Schlange, schont euer Portemon-naie und gnnt euch was; ich empfehle das vollkrnige Bernd-das-Brot-Brot!

    E

    va R

    ahe

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    nna

    Lena

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